Joseph Marx – der Streit um den Streitbaren

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    • Joseph Marx – der Streit um den Streitbaren

      Das muß man sich einmal vorstellen: Der Komponist ist bis zu seinem Todestag die Nummer eins seines Landes. Und danach wird er zur Nullnummer. Schlimmer noch: Ein Nazi sei er gewesen, heißt es plötzlich, ganz nahe dran an der NSDAP. Seine Verteidiger gehen auf die Barrikaden: Stimmt nicht, ganz im Gegenteil, Marx sei sogar in denkbar größter Distanz zum Nationalsozialismus gewesen. Man wolle sich nur an ihm rächen, weil er, der einflussreichste Komponist seines Landes, der konservativen Musik das Wort geredet habe. Aber es gibt eindeutige Hinweise. Allerdings in beide Richtungen. Was ist wirklich dran am Fall Joseph Marx?

      Biographisches
      Joseph Marx wird am 11. Mai 1882 in Graz geboren. Ersten Musikunterricht erhält er als Kind von seiner Mutter. An der Klavierschule von Johann Buwas wird Marx zum Pianisten ausgebildet. Autodidaktisch bringt er sich Geige- und Cellospiel bei. Im Gymnasium beginnt er zu komponieren. Allerdings will sein Vater von einer Künstlerlaufbahn seines Sohnes nichts wissen, er zwingt ihn, alles, was Musik ist, aufzugeben und Rechtswissenschaft zu studieren. Heimlich wechselt Marx zu Philosophie und Kunstgeschichte. Als es sein Vater entdeckt, kommt es zum Konflikt. Marx bricht mit seiner Familie und nimmt im Alter von 26 Jahren seine Kompositionstätigkeit wieder auf. Innerhalb von vier Jahren schreibt er 120 Lieder.
      1908 promoviert er in Philosophie. Danach beginnt er eine jahrelange musikwissenschaftliche Forschungsarbeit zur Klangpsychologie und zum Wesen der Tonalität. Er führt rund 8000 Einzelversuche durch. Das Ergebnis untermauert seine Überzeugung, dass es nur innerhalb der Tonalität Musik geben kann, die sich dem Zuhörer mitteilt.
      1914 wird er zum Professor für Musiktheorie an der Wiener Musikakademie (heute Universität für Musik und darstellende Kunst Wien) ernannt.
      1922 wird er zum Direktor der Akademie ernannt. Auf seine Initiative wird die Akademie auf eine fundiert wissenschaftliche Basis mit theoretischen wie praktischen Fächern gestellt und zur Hochschule für Musik umgewandelt. aus.
      1932 wird Marx von Atatürk beauftragt, am Aufbau des Konservatoriums in Ankara mitzuwirken und das türkischen Musikschulsystem zu organisieren. Er arbeitet bis 1933 in dieser Funktion. Seine Nachfolger waren u.a. Hindemith und Bartók.
      1934 übernimmt Marx den Posten des Staatsrates für Kulturfragen in der Türkei, macht sich in der Ausübung seines Amtes allerdings viele Feinde. Die zunehmenden Schwierigkeiten bewirken, dass Marx nach Österreich zurückkehrte.
      Nach 1945 nimmt Marx seine Tätigkeit als Musikkritiker wieder auf und arbeitet für die „Wiener Zeitung“, die während des NS-Regimes in Österreich nicht erscheinen durfte.

      1947 übernimmt Marx, zusätzlich zu seinen Verpflichtungen als Professor für Musiktheorie an der heutigen Universität für Musik und darstellende Kunst Wien, eine Professor für Musikwissenschaften an der Universität in Graz, die er bis 1952 innehat.
      Von 1947 bis zu seinem Tod 1964 ist Marx Präsident des Österreichischen Komponistenbunds, der Standesvertretung österreichischer Komponisten.
      1952 emeritiert Marx in Graz und Wien und arbeitet bis zu seinem Tod als freischaffender Komponist.
      Am 3. September 1964 stirbt Joseph Marx in Graz.

      Die Musik
      Joseph Marx’ größtes Pech ist, daß er vor allem mit seinen Liedern bekannt (geblieben) ist. Diese Lieder sind nicht schlecht, aber sie entspringen einer Massenproduktion: Die meisten von ihnen schrieb Marx innerhalb von vier Jahren, wodurch es zu schablonenhaften Selbstkopien kommt. Das zentrale Werk im Schaffen von Marx ist jedoch seine „Herbstsymphonie“ (1921), und es hat den Anschein, daß Marx gesamtes Schaffen auf dieses eine Werk hinzielt und danach langsam von ihm wegführt und verebbt.
      Die „Herbstsymphonie“ ist ein orgiastischer Koloß von ungewöhnlichen Ausmaßen: 4-faches Holz, 6 Hörner, 4 Trompeten, 3 Posaunen, 1 Baßtuba, Klavier, Celesta, zwei Harfen, Pauken, 9 Schlagzeuger und ein großes Streichorchester werden genützt, um 80 Minuten lang einen rauschhaften Klangexzess zu zelebrieren, der zwischen Skrjabin und Richard Strauss pendelt und in der einschmeichelnden Melodik mitunter auch an Korngold erinnert. In der „Naturtrilogie“, bestehend aus „Eine symphonische Nachtmusik“ (1922), Idylle - Concertino über die pastorale Quart (1925) und „Eine Frühlingsmusik (1925) arbeitet Marx dieses rauschhafte Naturerleben ein weiteres Mal auf, diesmal jedoch in überschaubareren Formen und etwas weniger Hingabe an den klanglichen Exzess. Auch im Klavierkonzert „Castelli Romani“ (1930) lebt diese Klangwelt in maßvollerer Sprache auf. Die meisten anderen Orchesterwerke betonen schon im Titel, daß sie mehr oder weniger an die Tradition anknüpfen: „Alt-Wiener Serenaden“ (1941), „Sinfonia in modo classico“ für Streichorchester (1944), „Partita in modo antico“ für Streichorchester (1945). Selbst die „Feste im Herbst“ (1946) sind mehr nostalgisches Erinnern an die rauschhafte Musik früherer Jahre als neuerlicher Klangexzess. Dieses Werk bleibt denn auch Marx letzte große kompositorische Äußerung.
      Marx bleibt auch an seinen kühnsten Stellen immer der Tonalität verhaftet. Ein feines Gefühl für Funktionsbeziehungen ermöglicht es ihm, ähnlich Reger, in die entlegensten Bereiche der Harmonik vorzustoßen, ohne die Grenze zur Atonalität zu überschreiten. Die Überzeugung, daß nur Musik auf dem Boden der Tonalität es verdient, auch Musik genannt zu werden, verleitet Marx zeitlebens zu scharfen und höhnischen Angriffen auf die Musik Schönbergs und der von ihm begründeten Tradition. Schlimmer noch: Als eine der wichtigsten Gestalten im österreichischen Musikleben nützt Marx seinen Einfluss, um die neueren Strömungen zu unterdrücken. So findet in Österreich nach 1945 keine wirkliche Beschäftigung mit der im Nationalsozialismus unterdrückten Musik statt, weil Marx alle Hebel in Bewegung setzt, Österreich als Bollwerk der Tonalität zu etablieren. Das hat nichts mit einem eventuellen Antisemitismus zu tun, es entspringt ausschließlich einer musikalischen Überzeugung.

      „Der Fall Marx“
      Dennoch wird der streitbare Traditionalist nach seinem Tod zu einem „Fall Marx“. Er hatte sich unzählige Feinde geschaffen, die an ihn, der einmal sogar umworben wurde, für das Amt des Österreichischen Bundespräsidenten zu kandidieren, zu Lebzeiten allerdings nicht so recht herankamen. Kaum war Marx tot, setzte allerdings die Kritik an ihm ein. Im Prinzip läßt sie sich reduzieren auf den Vorwurf, Marx sei Nationalsozialist gewesen oder sei diesen zumindest nahegestanden.
      Tatsächlich war die Rolle von Marx im Dritten reich höchst seltsam: 1938 stellte das NS-Propagandaministerium fest, daß die Musik Marx’ den gewünschten musikästhetischen Vorstellungen entsprach. Doch die Nationalsozialisten kamen mit dem „steirischen Dickschädel“ (die Eigenbrötelei wird den Steirern bisweilen fast sprichwörtlich nachgesagt) nicht zurecht. Marx verlor seine Ämter als Musikkritiker, als Präsident des Österreichischen Komponistenbundes und als Vizepräsident der AKM (Rechteverwertungsgesellschaft). Andererseits wurde der Komponist mit seiner ehrfurchtgebietenden Erscheinung gerne als Festredner gebucht. Irgendwann wurde ihm das zu blöd und er sagte ab mit dem Hinweis, er habe kein Geld, sich Fahrkarten zu kaufen, um zu den Orten seiner Auftritte zu gelangen. Überhaupt hielt er NS-Funktionäre zum Narren oder sagte ihnen unverblümt seine Meinung – man ließ ihn als eine Art Hofnarr gewähren, denn prinzipiell hatte man nichts gegen ihn, und als eine Integrationsfigur, die aus Überzeugung jene musikalischen Ideale vertrat, die auch die der Nationalsozialisten waren, konnte man Marx gut brauchen.
      Dazu kam, daß Marx gierig nach Ehrungen und Gunstbeweisen war. Das war bereits in der Türkei aufgefallen. Marx war es dabei völlig gleichgültig, von wem die Ehrung kam – also nahm er auch die der Nationalsozialisten dankend an.
      War Marx also doch ein Nationalsozialist? – Tatsache ist, daß er seine Korrespondenz mit seinen jüdischen Freunden wie Erich Zeisl und Erich Wolfgang Korngold nicht einstellte und auch seine Freundschaft zu dem als Sozialisten verfolgten Ernst Fischer aufrecht hielt. Ein Hausmädchen Marx’ berichtete außerdem, dass im Haushalt von Marx antisemitische Äußerungen ebenso verpönt waren wie der Hitlergruß.
      Marx galt in Künstlerkreisen sogar zeitweise als Anlaufstelle: So half er u.a. Hugo Fleischmann, Ernst Kanitz, Frederick Dorian, sowie seinen jüdischen Schülern aus den Kompositionsklassen. Die Dankesbriefe sind erhalten und können eingesehen werden.
      Dennoch bekam die Anti-Marx-Fraktion Wasser auf ihre Mühlen, als Fred K. Prieberg nachwies, daß Marx Lieder für die Hitler-Jugend komponiert hatte. Doch genau in diesem Fall war Prieberg einem Irrtum aufgesessen: Es gab einen zweiten Komponisten namens Marx. Er hieß mit Vornamen allerdings Karl. Der gebürtige Münchener arbeitete jedoch ausgerechnet in Graz, nämlich als Lehrer am Johann-Joseph-Fux-Konservatorium – und versorgte die NSDAP mit allem, was sie brauchte, auch mit HJ-Liedern.

      Fazit
      Zweifellos war Marx ein musikalischer Traditionalist, der nach 1945 seine Stellung benützte, um den Schönberg-Kreis und seine Nachfolger wirkungsvoll zu unterdrücken. Dies geschah jedoch nicht aus politischen Motiven oder rassistischen Gründen, es entsprang einer ästhetischen Überzeugung. Marx war kein angenehmer Mensch und sicherlich auch ein Intrigant. Den Rufmord an seiner Person, der nach Priebergs irrtümlicher Enthüllung einsetzte und von manchen wider besseres Wissen weitergeführt wurde, hat Marx jedoch nicht verdient. Zumal die breitenwirksame Rehabilitation bis heute ausgeblieben ist.
      :wink:
      Na sdarowje! (Modest Mussorgskij)
    • Lieber Edwin,

      vielen Dank für Deine kenntnisreiche Information zu Joseph Marx. Ich hatte vorzeiten mit einem Gründungsmitglied der Joseph-Marx-Gesellschaft eine Auseinandersetzung über die Rolle des Komponisten, wobei ich über den Priebergischen Missgriff gestolpertwar. Zum Ausgleich hatte ich mir dann einige CDs der damalig entstehenden Edition gekauft, dabei auch die Einspielung der "Herbstsymphonie", immerhin anhörenswert, während mich bei den meisten von mir gehörten Werken Langeweile überfiel. Das braucht aber nichts über die Qualität zu sagen, es war schlichtweg nicht das Idiom, das ich mochte. Seither liegen die CD in den Tiefen meines Archivs. Vielleicht sollte ich doch die Herbstsinfonie ...

      Vielen Dank und liebe Grüße

      Peter
      .
      Auch fand er aufgeregte Menschen zwar immer sehr lehrreich, aber er hatte dann die Neigung, ein bloßer Zuschauer zu sein, und es kam ihm seltsam vor, selbst mitzuspielen.
      (Hermann Bahr)
    • Das kommt nicht zuletzt daher, daß Marx eben zahlreichen jüdischen Künstlern und Intellektuellen geholfen hat. Im Grund war es bekannt, daß Marx am Nationalsozialismus wenig Interesse gehabt hatte. Es galt also lediglich, das entlastende Material zu finden, wobei ein Komponist wie Marcel Rubin und auch die Nachkommen Erich Wolfgang Korngolds sich sehr zugunsten von Marx verwendeten. Der NS-Vorwurf brach sehr bald zusammen - zumal ja auch kein einziges Werk vorhanden war, das im Auftrag der NSDAP oder einer ihrer Organisationen entstanden war und auch keines, das Ideen des Nationalsozialismus verherrlichen würde. In Wirklichkeit war es darum gegangen, die längst fällige Auseinandersetzung mit der Neuen Musik auch in Österreich zu beginnen. Dabei sollte wohl versucht werden, die alte (und falsche) These neu zu beleben, alles, was tonal sei und wofür Marx stand, sei per se auch nationalsozialistisch, und alles, was von der Schönberg-Schule, speziell von Webern, kam, sei per se anti-nationalsozialistisch.
      Wobei ironischerweise - nicht nur in Österreich - übersehen wurde, daß gerade Webern ein Fürsprecher des Nationalsozialismus war und, als er zur Uraufführung von Bergs Violinkonzert nach Barcelona reiste, dortselbst den (jüdischen) Solisten Louis Krasner zu überzeugen versuchte, welche Wohltat der Nationalsozialismus darstellt.
      :wink:
      Na sdarowje! (Modest Mussorgskij)
    • Pikant ist, daß der "andere" Marx- Karl Marx- es schaffte, vor seiner Familie und seiner Umgebung den Anschein zu erwecken, er wäre ein Verfolgter der Nazis gewesen. Und zwar deswegen, weil er "Karl Marx" hieß.

      Angeblich war er deshalb dazu verdammt, nur noch Werke für Laienchöre zu komponieren, die Welt der Konzerthäuser und Opernhäuser war Ihm angeblich dadurch verschlossen. Karl Marx ist heute tatsächlich vor allem durch seine Chorkompositionen noch irgendwie bekannt.
      Ob das irgendwie so stimmt, davon habe ich keine Ahnung. Diese Version stammt von der Familie Marx:

      Denn für mich wurde das alles persönlich interessant, da der Enkel von Karl Marx ein Kollege von mir ist. Mein lieber und geschätzter Kollege war wie vom Donner gerührt, als ich Ihn auf eine etwaige Verstrickung seines Großvaters hinwieß.
      Es kam zum Austausch mit seinem Vater, dem Sohn von Karl Marx, und auch dieser war äußerst ungehalten über meine Vermutung......

      Lange Rede, kurzer Sinn: Ich habe beiden dann den von Prieberg erstellten Werkkatalog von Karl Marx präsentiert.
      Und da konnten beide dann sehen, was wirklich und vor allem für wen komponiert worden war.Halt auch HJ-Lieder........

      Das Entsetzen war echt und groß..............

      Ich denke aber, daß dies Versuche von Karl Marx waren, sich anzubiedern.Er war natürlich kein Verfolgter, als den er sich selber nach dem Krieg präsentierte.

      Meiner Meinung nach war er einer der vielen Mitläufer, nicht mehr und vor allem nicht weniger.

      LG,
      Michael
    • Schade eigentlich, dass dieses Thema so schnell beendet wurde.

      Hier für Interessierte noch ein paar Seiten -

      "http://www.klassika.info/Komponisten/Marx/wvjh.html"

      "http://www.joseph-marx.org/de/list.html#Uebersicht_Werkliste"

      "http://www.joseph-marx.org/de/full.html"

      "http://www.dailymotion.com/video/x379f0c_joseph-marx-eine-herbstsymphonie-autumn-symphony-i-iii-concert-sound_music"

      "http://www.dailymotion.com/video/x379e0f_joseph-marx-eine-herbstsymphonie-iv-concert-sound_music"

      :wink1:
    • Nun ja, man kann wohl kaum behaupten dass es in diesem Thread hier regen Austausch gegeben hat, und seit über 5 Jahren hat niemand mehr etwas beigetragen. Dabei ist gerade Joseph Marx ein äusserst interessanter Komponist, Traditionalismus hin oder her. Immerhin gibt es da noch eine Menge anderer Vertreter, die ebenfalls nicht von der Vergangenheit lassen wollten. Sergej Rachmaninow z.B.. Und der erfreut sich immerhin größter Wertschätzung und Beliebtheit.
      Warum also wird Marx so wenig Aufmerksamkeit geschenkt? Das liegt vor allem an der gringen Bereitschaft sich mit seinem Werk auseinander zu setzen. Trotzdem sich die Joseph Marx Gesellschaft in bewunderungswürdiger Weise für den Komponisten einsetzt, und immer wieder Aufführungen seiner Werke initiiert, interessieren sich nur sehr wenige Musiker für dessen Musik. Ich würde mich freuen, wenn ich hier einen Austausch über das musikalische Wirken des Komponisten anstossen könnte, und werde dazu gerne etwas beitragen. In meiner Sammlung befinden sich nahezu alle auf Tonträger veröffentlichten Werke von Marx, und ich könnte diese in loser Reihenfolge vorstellen.
      Nur eines möchte ich noch anmerken. Im ersten Beitrag wurde sehr abfällig über das Liedschaffen von Marx gesprochen. Aber gerade seine Lieder gehören zum Besten was er geschrieben hat. Ihnen schablonenhafte Massenkomposition zu bescheinigen ist mindestens ignorant, und zeugt von offensichtlicher Unkenntnis der Werke. Wer sich selber einen Eindruck verschaffen möchte, dem empfehle ich mal diese CD anzuhören:



      Oder wer es lieber mit Orchester mag, diese hier:



      Achtung: es kursieren 2 Schreibweisen seines Vornamens, nämlich "Josef" und "Joseph". Das bitte beim suchen von Einspielungen beachten.

      Bis die Tage

      Eusebius
      "Sie haben mich gerade beleidigt. Nehmen Sie das eventuell zurück?" "Nein" "Na gut, dann ist der Fall für mich erledigt" (Groucho Marx)
    • Eusebius schrieb:

      gerade seine Lieder gehören zum Besten was er geschrieben hat. Ihnen schablonenhafte Massenkomposition zu bescheinigen ist mindestens ignorant



      Die kritische Stelle ist ein Zitat aus den Texten, die (im Netz) über Joseph Marx kursieren, also lediglich kolportiert.
      Deshalb : cool bleiben...

      Auch ich bin seit meiner Entdeckung des Komponisten im Besitz der meisten erschienen Tondokumente (sag ich jetzt mal)
      und würde am liebsten gleich mit dem Gipfel seines Schaffens anfangen - der Herbstsymphonie. Oder ist das unangebracht und man sollte sich Stück für Stück vorarbeiten...?

      Im Übrigen hat Joseph Marx´Werk ein wirklich schweres Schicksal erlitten, doch beinahe vergessen waren von jenen,
      die es lohnt, (wieder)entdeckt zu werden, so einige, zum Beispiel Medtner, der allerdings schon länger auf dem Wege der Rehabilitierung wandeln darf.

      Aber wieder zum Thema - passend für den Anfang wäre vielleicht die Frühlingsmusik, das dritte und letzte Stück aus seiner
      "Natur-Trilogie" von 1925

      "https://www.youtube.com/watch?v=PCtjXjy90_8"

      Allerdings wird nicht jeder von diesem Stil der späten Spätromantik (mit vielerlei "unromantischen" Einflüssen wie u.a. Debussy oder Ravel) hellauf begeistert sein, das sei vorsichtshalber noch erwähnt.
    • amazilla schrieb:

      Auch ich bin seit meiner Entdeckung des Komponisten im Besitz der meisten erschienen Tondokumente (sag ich jetzt mal)
      und würde am liebsten gleich mit dem Gipfel seines Schaffens anfangen - der Herbstsymphonie. Oder ist das unangebracht und man sollte sich Stück für Stück vorarbeiten...?
      Das wäre für mich auch eher etwas für Fortgeschrittene, zumal es von dem Werk bislang ledigleich eine MP3 Version und keine CD Aufnahme gibt.
      Wer mehr über Marx erfahren möchte, der kann sich hier kundig machen:

      "http://www.joseph-marx.org/de/"

      Dort gibt es auch einen Link zur Joseph Marx Gesellschaft mit einer kompletten Diskografie.

      Eusebius
      "Sie haben mich gerade beleidigt. Nehmen Sie das eventuell zurück?" "Nein" "Na gut, dann ist der Fall für mich erledigt" (Groucho Marx)
    • Eusebius schrieb:

      zumal es von dem Werk bislang ledigleich eine MP3 Version und keine CD Aufnahme gibt.
      Da hast du wohl recht. Allerdings gibt es 2 derartige Veröffentlichungen.
      Eine mit dem American Symphony Orchestra -

      [IMG:https://images-eu.ssl-images-amazon.com/images/I/51eEp09KxyL._SS280_PJStripe-Robin,TopLeft,0,0.jpg]
      amazon.de/gp/product/B003XNFW9…234417&ref_=sr_1_5&sr=8-5

      - sorry, die ASIN-Verlinkung geht nicht -

      und die der "neuen Uraufführung" nach rund 80 Jahren mit dem Großen Orchester Graz
      von 2005, die man sich z.B.bei iTunes - ebenfalls gegen Entgelt - herunterladen kann.
      Leider ohne den letzten (4.)Satz.

      Leider auch gibt es bis dato keine Videodokumente irgendeines der Orchesterwerke,
      letztgenannte Aufführung gibt´s nur als audio vom ORF, was sehr schade ist.

      Oder man hört sich die Symphonie über meine beiden Links oben an....

      Diskografie-Links und mehr gibt´s ebenfalls im Beitrag oben, nichts für ungut...
    • Schade, dass man sich vermutlich nicht mehr wirklich bei Edwin Baumgartner für den Eingangsbeitrag bedanken kann.

      Ich verbinde mit Marx natürlich sein Klavierkonzert, das Romantische Konzert in E aus dem Jahre 1920. Von ihm war im Forum schon des Öfteren die Rede. Es gibt von diesem großartigen Konzert erstaunlich wenige Aufnahmen, die auch bequem erhältlich wären:



      Hamelin ist nicht die erste Empfehlung; sein routiniertes Spiel nimmt dem Solopart Wirkung. David Lively überzeugt mich.

      Vielleicht noch bedeutender sind - auf Tonträger wohl nicht verfügbare - Einspielungen mit Jorge Bolet. Ich besitze zwei, einen Live-Mitschnitt aus den USA (dank Michael Schlechtriem) und einen eigengefertigten Rundfunkmitschnitt aus Deutschland.

      Das andere Konzert auf der CD mit Lively - die Castelli Romani, noch etwas jüngeren Datums und, wenn man so will, südländische Programmmusik italienischen Zuschnitts - ist kaum bekannt und sicher auch weniger relevant. Die durchaus an Respighi erinnernde impressionistische Farbigkeit und die prägnante Melodik garantieren aber allenthalben ein sehr angenehmes Hörerlebnis.

      Sonst - wie ich zu meiner Schande gestehen muss - habe ich mir Joseph Marx bislang (weitestgehend) entgehen lassen und hätte dies mit vielen Ausführenden und Produzenten gemeinsam. Dies sollte sich ändern und ich sollte den Anfang machen ... ;) :D

      :thumbup: Wolfgang
      He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.
    • "https://www.youtube.com/watch?v=ciisdjVMZs8&index=5&list=PLUSRfoOcUe4aJgPfgElxMNCrwFv6lLeHF&pxtry=1"

      Kann man sich mit "http://proxflow.com/" anhören ,da es in Deutschland gesperrt ist.
      Dabei ist es von Naxos, dem Vertrieb, ganz offiziell bei youtube eingestellt.
      Was mich persönlich zwar nicht begeistert, aber legal ist.
    • Ich denke, dass gerade die Einspielungen aus Bochum unter Steven Sloane bei ASV absolut hörenswert sind. Auch CPO hat sich immerhin darum bemüht, Marx einzuspielen, dazu die bereits hier erwähnten Einspielungen.

      Trotzdem scheint sein Werk eher wenig gespielt zu werden, warum auch immer. Selbst Hamelin, dessen Klavierkonzert-Einspielung damals überall sehr gute Kritiken bekam, hat keine wirkliche Aufbauhilfe geleistet. Es wurde wieder still um ihn.

      Ich selbst habe auch nicht so viel von ihm, doch hier im Forum dürften die Meisten nicht einmal eine Einspielung haben von ihm, so dass man erst einmal HIER Werbung für ihn machen muss, bevor man groß diskutiert, warum das so ist, dass Aufführungen seiner Werke rar sind.
      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)
    • ...die ASV-Aufnahmen sind dafür derzeit umso teurer, wie es scheint.

      Ich habe Joseph Marx vor einiger Zeit schon für mich entdeckt. Leider ist die Swierczewski-Aufnahme der Herbstsymphonie nicht mehr im Netz zu finden. Ich würde es schon als Skandal bezeichnen, dass es diese Symphonie in nicht einer einzigen Aufnahme auf CD gibt und nur in einer Version zum Herunterladen, nämlich die mit Botstein (auch bei Spotify übrigens).

      Auch das Klavierkonzert, Castelli Romani und die Natur-Trilogie finde ich extrem hörenswert.
      Schöne Grüße, Helli


      "Das ist irrelevant!" (Seven of Nine, Star Trek Voyager)
    • motiaan schrieb:

      ...die ASV-Aufnahmen sind dafür derzeit umso teurer, wie es scheint.
      Nur eile sind teuer davon. Das Klavierkonzert wird recht günstig angeboten. Es kommt halt darauf an, was man bereits hat oder was man gerne HÄTTE.
      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)