Dean: "Bliss", Staatsoper Hamburg, 15.09.10

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    • Dean: "Bliss", Staatsoper Hamburg, 15.09.10

      Das war wohl nix, leider.

      Die Australierin Simone Young hat 2001 als damalige Leiterin der Sydney Opera 2001 dem australischen Komponisten Brett Dean einen Kompositionsauftrag für das in Australien sehr erfolgreiche Buch „Bliss“ des Australiers Peter Carey erteilt – ein Buch aus den Achtzigern, meine ich. 2010 wurde es in Australien uraufgeführt. Nun erfolgte die deutsche Erstaufführung in Hamburg.

      Das Libretto von Amanda Holden ist bemüht, möglichst viel von dem mir unbekannten Buch auf die Bühne zu bringen. Szenen im Schnelldurchlauf sind die Folge. Die Personen kommen dem Zuschauer daher leider nur selten nahe.

      Der Plot ist für Personen wie mich, die das Buch nicht kennen und daher nicht das Buch hinter der Oper sehen, sondern nur die Oper, schlecht, ja, dümmlich: Werbemensch hat Herzinfarkt, hinterfragt sein bisheriges Leben, erkennt, dass es falsch ist, Werbung für krebserregende Produkte zu machen, will fortan gut sein. Seine Familie – die Ehefrau und der Sohn – steckt ihn dafür ins Irrenhaus. Am Ende rettet ihn die Liebe zu einer Umweltaktivistin, während die Ehefrau eine Krebsdiagnose erhält und deswegen Selbstmord begeht, wobei sie geldgeile Manager mit in den Tod reißt.

      Diese schon lange abgefrühstückte „Karl der Käfer wurde nicht gefragt“-Thematik hält Frau Young für aktuell. Im Programmheft erklärt sie dem Leser die für sie Kernbotschaft der Oper: „Das Stück rührt an Grundfragen der Wahrnehmung, die heute extrem durch die werbliche Oberfläche bestimmt wird. Hat Werbung eine Verantwortung für die Produkte, die sie verkauft? Hamburg ist eine Werbe- und Agenturmetropole, hier sollte man sich für solche Gedanken interessieren…“ Da will ich nichts mehr hinzufügen. Das spricht für sich selbst. Kein Wunder bei einer solchen Intendantin, dass Musiktheater in Hamburg weit weg ist von dem ehedem erreichten Niveau.

      Wenn die Musik gut wäre, wäre das alles ja nicht so schlimm. Nun, wenn sie gut war, habe ich es nicht mitbekommen. Wie die Szenen keine Zeit haben, zu wirken, so lässt sich auch die Musik keine Zeit. Enorm vielgestaltig kommt sie daher. Ein mit Berg verquickter End-Strauss liefert die Grundierung. Diverse Zitate aus der Musikgeschichte, einige Zuspielungen, ein wenig Jazz, ein wenig Pucchini: postmodernes Allerlei. Immer wieder auch für mich interessante Stellen, aber nie so etwas wie ein roter Faden, ein für meine Ohren erkennbares Gerüst. Wie auch, nach einmaligem Hören, räume ich allerdings ein. Nur, gefragt, ob ich das Stück Morgen gratis noch einmal hören wolle, würde ich ablehnen.

      Gespielt haben die Philharmoniker unter Young für mein Empfinden hervorragend. Die sängerischen Leistungen schienen mir ungleich und teils durchwachsen. Eine Einzelkritik versage ich mir. Dafür kenne ich das Stück zu schlecht.

      Einen weiteren Eindruck mag der Artikel in der Welt liefern, dem ich zustimme: "http://www.welt.de/die-welt/kultur/article9626002/Kaltgeschleuderter-Honig.html"
      Der wohlmeinendere Abendblatt-Artikel ringt sich erst am Ende zur Wahrheit durch: "http://www.abendblatt.de/kultur-live/article1630859/Achtungserfolg-Bliss-Honigbiene-gewinnt-Rattenrennen.html"

      :wink: Thomas