Kaminski, Heinrich: Wer erzählt mir etwas über seine Musik?

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    • oje, ich kann es dir gar nicht mehr sagen. sie sprach mich einfach überhaupt nicht an - leider. hatte mich so darauf gefreut. vielleicht war es mir alles zu 'einfach' - spannungslos. das mit dem simpel gestrikt trifft es wohl (wenn man denn noch das magnificat in erinnerung hat) ... viell. war außerdem der chor nicht so gut? ich habe sie 2-3x gehört, dann ad acta gelegt oder verkauft. ich muß mal recherchieren - und dann mal meine meinung überprüfen. :wink:

      arundo donax schrieb:

      die chor-cd hat mich leider ziemlich enttäuscht ...


      Warum, Jörg? Kannst du das mit zwei Sätzen etwas näher erläutern? Ist dir die Chormusik zu simpel gestrickt?
      Muss es sein? - Es muss sein!
    • Hier mal eine Auflistung der einzelnen Werke auf der folgenden, hier schon erwähnten CD:

      Das geistliche A-Capella-Werk

      Orpheus Chor München
      Gerd Guglhör



      Der 130. Psalm (1912)
      für Sopransolo und 4-5 stimmigen gemischten Chor

      Alle Menschen müssen sterben - Fuge (1911)
      für 4-stimmigen Chor

      Die Messe deutsch (1934)
      für 5-stimmigen gemischten Chor

      Die Erde - Zarathustra: Yasna 29 - Motette (1929)
      für 8-stimmigen gemischten Chor

      Triptychon (1926/1930)
      für Mezzosopran und Orgel

      Der Mensch - Motette (1918)
      für Altsolo und 6-stimmigen gemischten Chor

      Sechs Choräle (1915)
      für 4-stimmigen Chor

      Amen
      für 6-stimmigen gemischten Chor

      Vier Geistliche Chöre (1929/1924)
      für 4-stimmigen Chor

      Drei Geistliche Chöre (1926)
      für 4-stimmigen Chor


      Davidoff [Blockierte Grafik: http://www.smileygarden.de/smilie/Fantasy/67.gif]
      Verachtet mir die Meister nicht!
    • hier gibt es auch noch viele interessante Informationen zu Kaminski:

      home.mnet-online.de/kirchenmus…beuern/kaminski.htm#start

      Benediktbeuern ist ja nur 2 km von Ried weg...

      (Die Seite enthält einen Framebreaker und man landet auf der Startseite. Dort auf "Musikhistorische Notizen" und dann zweimal "Kaminski" klicken...)
      viele Grüße

      Bustopher


      Wenn ein Kopf und ein Buch zusammenstoßen und es klingt hohl, ist denn das allemal im Buche?
      Georg Christoph Lichtenberg, Sudelbücher, Heft D (399)
    • Von der "Dorischen Musik" und vom "Concerto grosso", die nach allem, was man lesen kann, zu Kaminskis orchestralen Zentralwerken zählen, sind leider zur Zeit im Handel keine Aufnahmen erhältlich.

      Trotzdem hat mich dankenswerterweise inzwischen eine Konserve erreicht, durch die mir die beiden eindrucksvollen Kompositionen zugänglich geworden sind.

      Die "Dorische Musik" habe ich gerade zum vierten Mal gehört. Sie beginnt mit einer markanten, schwungvoll-ruppigen, entfernt an Hindemith erinnernden Geste, die mit motorisch mitreißendem Drive fortgeführt wird, bis sie in einem ersten langsamen, sehr ausdrucksvoll hymnischen Teil zum Stehen kommt - hier scheint plötzlich eine Stimmung auf, wie man sie auch in Pfitzners Palestrina-Vorspiel findet - oder noch mehr in der Tallis-Fantasie von Vaughan-Williams. Dann gewinnt die Motorik leicht abgewandelt und trotz aller Geschwindigkeit mit diversen kontrapunktischen Hexenstückchen aufwartend wieder die Oberhand, um in eine noch verklärtere Version des hymnischen Teils mit partiell solistisch agierenden Streichern zu münden. Nach dem dritten motorischen Anlauf geht es im wiederum eingeschobenen langsamen Teil etwas herber zu, und auch hier hat man plötzlich das Gefühl, in einer sehr dicht gestrickten Streicherkammermusik von tiefer Innerlichkeit zu sitzen. Der ruhige Fluss des Grundtempos wird lange beibehalten, Kontraste entstehen jetzt hauptsächlich durch die Dichte der Instrumentation und zeitweise hinzugezogene Holz- sowie auf dem Kulminationspunkt erklingende Blechbläser. Nach der finalen Klausel dieser ausladenden Episode bekommt man den Eindruck, am Schluss des Stückes angelangt zu sein, aber es geht erneut im zügigen Anfangstempo los, allerdings nicht mehr mit dem Kopfmotiv, sondern mit deutlich abgewandeltem Material. Die schnelle und die ruhige Struktur wechseln nun in rascher Folge, bis die "Dorische Musik" in eine großartige und konsequenterweise auch das Blech gut beschäftigende Klimax mündet.

      Die "Dorische Musik" wird von vorne bis hinten von einer kunstvoll, aber nicht verkopft erscheinenden Polyphonie getragen. Der polyphone Satz gibt der Musik klare Konturen, die durchaus zu gewissen Härten führen, aber nie den Rahmen einer sehr großzügig gedachten Tonalität sprengen. Sicherlich beschwört die archaisierende, modale, eben "dorische" Melodik vor allem in den langsamen Teilen gewisse Stimmungen, führt aber nie zu einem als Selbstzweck erscheinenden Stimmungsdusel. Insgesamt wirkt diese Komposition aufregend individuell und kann stilistisch in keine gängige Schublade eingeordnet werden. Das ist nicht wirklich "neo" (-klassizistisch, - barock, oder wie auch immer), aber auch nicht eindeutig spätestromantisch und schon gar nicht bewusst "atonal", aber in jedem Fall handelt es sich um eine äußerst vitale und mitreißende Tonprache.

      Das "Concerto grosso" macht ebenfalls einen sehr spannenden Eindruck, wirkt aber erst einmal deutlich verschlungener und unzugänglicher. Wenn ich dieses früher als die "Dorische Musik" entstandene Werk durch wiederholtes Hören besser kennengelernt habe, schreibe ich eventuell noch etwas dazu.

      Viele Grüße

      Bernd
    • Streichquartett

      Das Streichquartett Kaminskis habe ich vor kurzem im Rahmen eines gemeinsamen Hörens bei einem Bekannten in der oben abgebildeten Einspielung des Casal Quartetts vernommen. Mir scheint, dass dieses Stück von einer (wie für die Dorische Musik von Bernd beschriebenen) kunstvollen Polyphonie, zumindest größtenteils, entfernt ist. Zwischenzeitlich tauchen intensive Stellen auf, die an geistliche Musik durchaus erinnern und vermuten lassen, dass Kaminski interessante Sachen geschrieben hat; die Idee des "Ganzen" dieses Quartetts erschließt sich mir allerdings kaum.

      Gerne würde ich demnächst in Kaminskis mir bisher unbekanntes Quintett für Klarinette, Horn und drei Streicher hereinhören. Falls jemand da etwas zu berichten weiß, würde ich mich freuen.

      Uwe
      Wenn alle ein klein wenig verrückter wären, dann wäre die Welt nicht so durchgedreht.
    • Infos zu Kaminski

      Im Forum des Herrn S. aus W hatte ich eine ausführliche Einleitung zu Biografie und Werk Kaminskis gepostet. Zumindest Edwin dürfte sich daran noch erinnern.
      Da mein Profil dort jedoch gesperrt wurde, hab ich leider keine Möglichkeit mehr, den Inhalt nach ier zu transferieren, aber wer da noch Zugriff hat, kann bei Interesse ja mal reinschauen.
      Ansonsten gibt es derzeit weltweit nur EINEN Dirigenten, der sich tatsächlich auch um Kaminski mittels Aufführungen bemüht, nämlich der Celibidache-Schüler Konrad von Abel.
      „Es muss demokratisch aussehen, aber wir müssen alle Fäden in der Hand haben"
      Walter Ulbricht, (1893-1973), Deutscher Realpolitiker
    • Hallo,

      reinschauen kann jeder noch. Die Suchfunktion spuckt aus:

      http://www.tamino-klassikforum.at/index.php?page=Thread&threadID=2431&highlight=Kaminski

      Ich denke, daß ist der Thread, den BigBerlinBear meint.

      Viele Grüße,

      Melanie
      With music I know happiness (Kurtág)
    • Komisch, also wenn ich reinsehen will, einerlei welche Art Zugriff auf die Seite ich wähle, erscheint lediglich dieses: Ihr Benutzeraccount wurde gesperrt.
      „Es muss demokratisch aussehen, aber wir müssen alle Fäden in der Hand haben"
      Walter Ulbricht, (1893-1973), Deutscher Realpolitiker
    • Hallo BBB,

      hmmm, hattest Du vielleicht die Option "angemeldet bleiben" ausgewählt? Mal den Cash leeren könnte helfen.

      Ich war jedenfalls nicht angemeldet, als ich ihn eben gefunden habe.

      Viele Grüße,

      Melanie

      PS: Ich kann Dir die Texte auch zukommen lassen, wenn Du magst.
      With music I know happiness (Kurtág)
    • Dorische Musik

      Hallo,

      Die Berliner Philharmoniker unter Leitung von Andris Nelsons haben am letzten Sonntag die Dorische Musik von Heinrich Kaminski aufgeführt. Zum ersten Mal seit 1937, wenn ich das Pauseninterview noch richtig im Kopf habe.

      Ein anderer, begeisterter Zuhörer umschrieb, passend wie ich finde, das Stück als Barock des 20. Jahrhunderts.

      Der Direktlink zum Stück (nicht gratis verfügbar): http://www.digitalconcerthall.com/de/konzert/play/2457-2

      Grüsse
      Martin
    • Dass sich endlich ein Spitzenorchester dieser großartigen Musik angenommen hat, macht ja etwas Hoffnung auf weitere Aufführungen oder eventuell sogar eine CD-Aufnahme.
      Nach dem Konzert war am CD-Stand die Nachfrage nach Heinrich Kaminski riesig - allerdings erfolglos!
      hieß es gestern im "Südkurier Online". Ich verstehe überhaupt nicht, wie die auf Randrepertoire spezialisierten Klassik-Labels an Kaminskis Orchesterwerken vollkommen achtlos vorbeigehen konnten, wenn ich mir auf der anderen Seite anschaue, was in den letzten 20 Jahren so alles ausgegraben wurde :shake: .

      Ein anderer, begeisterter Zuhörer umschrieb, passend wie ich finde, das Stück als Barock des 20. Jahrhunderts.


      In der "Dorischen Musik" finden sich verschiedene neobarocke Elemente, aber man würde sicherlich zu kurz greifen, wenn man die Komposition alleine darauf reduzieren wollte. Kaminski hat hier eine ganz eigene Tonsprache gefunden, die gleichzeitig neobarock, spätromantisch und avangardistisch ist - oder vielleicht auch nichts von alledem...

      Beste Grüße

      Bernd
    • <p>Seit Jahren schon tourt der Dirigent Konrad von Abel mit seinem Orchestre des Régions Européennes in Sachen Kaminski durch die Lande, ohne daß sich dadurch repzeptionell etwas geändert hat; auch eine Aufführung eines Orchesterstücks durch die "Berliner Philharmoniker" dürfte daran kaum etwas ändern.


      musikmph.de/artist_management/ore/pro_kaminski.html#welt
      „Es muss demokratisch aussehen, aber wir müssen alle Fäden in der Hand haben"
      Walter Ulbricht, (1893-1973), Deutscher Realpolitiker
    • arundo donax schrieb:

      Von der "Dorischen Musik" und vom "Concerto grosso", die nach allem, was man lesen kann, zu Kaminskis orchestralen Zentralwerken zählen, sind leider zur Zeit im Handel keine Aufnahmen erhältlich.

      Lieber Bernd,

      Als m.W. einzige noch verfügbare Aufnahme des „Concerto grosso“ habe ich neulich folgendes gefunden:




      Es handelt sich (letzter Titel auf der dritten CD dieser Sammelbox) um eine historische Aufnahme aus dem Jahre 1956. Die Tonqualität ist leider – wie nicht anders zu erwarten – keinesfalls zufriedenstellend. Dennoch bin ich sehr glücklich über diesen Fund, denn er vergegenwärtigt mir eine vor vielen Jahren einmal gehörte Aufnahme dieses Ausnahmewerks in wesentlich besserer Qualität, die mich damals förmlich umgehauen hat.

      Deiner Anregung folgend, wiederhole ich an dieser Stelle meinen Hinweis auf eine Kaminski-Neuerscheinung, den ich im Thread „Eben gehört“ (# 71) gegeben hatte:

      Heinrich Kaminski:
      Werk für Streichorchester

      (Orchesterversion des Streichquintetts fis-moll 1917, überarb. 1929,
      arr. Reinhard Schwarz-Schilling 1929)



      Deutsche Kammerakademie Neuss
      Lavard Skou-Larsen


      „Abseits jeglicher Trends und Modeerscheinungen schafft Kaminski hier eine hymnische und tröstliche, aber auch ekstatische Musik von stellenweise ungeheurer Wucht, basierend auf den harmonischen Errungenschaften seiner Zeit und der Kontrapunktik eines Bach, Beethoven und Bruckner.“ Christof Jetzschke in KLASSIK HEUTE vom 18.05.2012

      Dank an cpo, dass wir jetzt zum ersten Mal wieder eines der größeren Werke des Komponisten in einer vorzüglichen Einspielung hören können. Vielleicht lässt cpo weitere Taten diese Art folgen? Ein Desideratissimum neben dem „Concerto grosso“ wäre z.B. das unbeschreiblich schöne „Magnificat für Sopran, Viola, kleinen Fernchor und Orchester (1925). Ein Traum wäre auch das Quintett für Klarinette, Horn, Violine, Viola und Violoncello (1925) ...

      Herzliche Grüße
      Auscultator :wink:
      Mozart und Beethoven reichen bis zum Himmel – Schubert kommt von dort. Oskar Werner
    • Kammermusik mit Klarinette

      Neu

      Ich habe vor kurzem folgende CD erworben:



      Es ist die einzige Musik von Kaminski, die ich bisher kenne. Beide Kammermusikwerke beeindrucken mich sehr. Die Stücke sind mit viel rhythmischer und klanglicher Finesse komponiert. Die Musik wirkt auf mich ein bisschen wie Brahms ins frühe 20. Jahrhundert übertragen. Aber niemals epigonal, sondern mit einer kraftvollen eigenen Musiksprache, die auch manchmal spirituelle Momente hat.

      Ich kann die Musik wirklich weiterempfehlen.

      Viele Grüße

      Pizzicato :wink:
    • Neu

      Pizzicato, ganz herzlichen Dank für den Hinweis auf die mir bislang verborgen gebliebene CD!

      Ich habe sie sofort bestellt; eventuell werde ich nach ihrem Eintreffen hier noch etwas über meine Eindrücke von Kaminskis Kammermusik mit Klarinette schreiben....

      Herzliche Grüße

      Bernd
    • Neu

      In der ''Rondo''-Rezension, auf die weiter oben verlinkt ist, ist (jedenfalls bzgl. seiner Chormusik) von der Nähe zu Reger die Rede, wird u. a. mit dem Adjektiv geschmeidig argumentiert - nu ist es bald 40J. her, dass ich mal 2J. im Kirchenchor mitgesungen habe, aber beides trifft es in meiner Erinnerung in der Tat ganz gut: mit diversen Reger-Sätzen waren wir einigermaßen vertraut, und bei dem einen Kaminski-Stück, dass uns der Chorleiter irgendwann vor die Nase gehalten hat, waren wir nach (mein' ich) höchstens drei Proben soweit, uns im Konzert damit hören lassen zu können...

      kann mich noch dunkel erinnern, dass ich mich (damals mit kaum 20J.) besonders darüber freute, mal einen Kaminski mit aufführen zu dürfen - woher diese Freude seinerzeit herrührte, kann ich freilich nicht mehr rekonstruieren (heute habe ich gerade mal den inzw. 2, 3mal erwähnten 130. Psalm auf digitaler Festplatte).

      Im Übrigen meine ich dass es scheint's keinen komplexen u. ungewohnten Aufbau (mehr) braucht, damit sich die Leute (<= lass ich jetzt mal so stehen) nicht wirklich mit so etwas befassen wollen - ein ungewohntes Klangbild dürfte dafür ausreichen! Habe nie den Satz vergessen, mit dem Martin Baker reagierte, als ich ihm (nach einem Konzert Zwo14 in der Duisburger Salvatorkirche) zum Autogramm-Geben die eine CD entgegenhielt, die ich mit ihm habe (geistl. Musik von Peter Maxwell Davies): you like the music of PMD? Many people do not :huh: :huh:

      E D I T
      beim Durchstöbern meiner (derzeit recht üppigen) yT-playlists inzw. entdeckt: seine Bearbeitung eines bekannten Adventsliedes:
      Maria durch ein Dornwald ging (Bearbeitung von Heinrich Kaminski) | SWR Vokalensemble - YouTube
      < = mir ist grade nicht danach, aber wenn sich das SWR-Vokalensemble dafür hergibt, wird's schon was taugen ;)
      Durchhängen iss nich !!
      (Udo Lindenberg)