Dichten - aus welcher Motivation?

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    • Davon abgehen: ihr sollt einfach alle zeitgenössische Lyrik lesen. Die ist so toll! Vermutlich der interessanteste Teil der heutigen deutschen Literatur. Und gar nicht so schwer zu verstehen, wie manche meinen.




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      Ich habe Schrauben in den Himmel gesteckt
      und die Rabenmuttern festgedreht
    • Florian Voß schrieb:

      Stattdessen paraphrasieren diese - wie nennen wir sie denn mal - Hobbypoeten gerne die Stilistik von z.B. Rilke oder Hofmansthal (b.z.w. versuchen dies, denn glücken tut es ihnen nicht), die zu ihrer Zeit auch kaum mehr als 500 Exemplare pro Band verkauft haben, weil die damaligen 100.000 lieber Geibel und Rückert immitiert haben. Zu Geibel und Rückerts Zeiten hingegen ... na, ihr wisst schon.
      Naja, nicht ganz, manche auch heute noch als Genies angesehene haben auch zu Lebzeiten gutes Geschäft gemacht.
      This play can only function if performed strictly as written and in accordance with its stage instructions, nothing added and nothing removed. (Samuel Beckett)
      playing in good Taste doth not confit of frequent Passages, but in expressing with Strength and Delicacy the Intention of the Composer (F. Geminiani)
    • putto schrieb:

      Florian Voß schrieb:

      Stattdessen paraphrasieren diese - wie nennen wir sie denn mal - Hobbypoeten gerne die Stilistik von z.B. Rilke oder Hofmansthal (b.z.w. versuchen dies, denn glücken tut es ihnen nicht), die zu ihrer Zeit auch kaum mehr als 500 Exemplare pro Band verkauft haben, weil die damaligen 100.000 lieber Geibel und Rückert immitiert haben. Zu Geibel und Rückerts Zeiten hingegen ... na, ihr wisst schon.
      Naja, nicht ganz, manche auch heute noch als Genies angesehene haben auch zu Lebzeiten gutes Geschäft gemacht.


      Mit Lyrik in der Regel weniger. Selbst ein Erfolgsautor wie Goethe (Werthers Leiden! - nicht die Gedichte), hätte von den Einnahmen nicht leben können, dafür war er Minister.

      Liebe Grüße Peter
      .
      Auch fand er aufgeregte Menschen zwar immer sehr lehrreich, aber er hatte dann die Neigung, ein bloßer Zuschauer zu sein, und es kam ihm seltsam vor, selbst mitzuspielen.
      (Hermann Bahr)
    • Der Einzige, der mir einfällt, und der heute noch gelesen wird, ist Heine; sein "Buch der Lieder" hat sich mehr als 100.000 Mal zu seinen Lebzeiten verkauft, was für damalige Zeiten eine gigantische Auflage war. Heutzutage schafft das in Deutschland kein Dichter mehr. Die letzten waren Handke (!) mit seinem einzigen Gedichtband und natürlich Fried. Selbst der populäre Grünbein verkauft kaum mehr als 7000 - 8000 Exemplare pro Band, und liegt damit nicht nur an der Spitze, sondern auch in weiter Ferne zu allen anderen Lyrikern.




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      Ich habe Schrauben in den Himmel gesteckt
      und die Rabenmuttern festgedreht
    • Anders stand es bei der Lyrik – sie war auch für Leihbüchereien kein attraktiver Geschäftsgegenstand, und es blieb den gesamten Zeitraum hindurch selbstverständlich, daß der Autor den Druck seiner Gedichte entweder gänzlich selbst bezahlte und dem Verleger gegen einen hohen Anteil am Erlös den Vertrieb überließ oder doch zumindest die Hälfte der Druckkosten bestritt. Dieses Verfahren brachte sehr geringe Auflagen mit sich, für die der Verfasser oft Absatzgarantien übernehmen mußte: etwa 250 – 500 Exemplare galten als üblich.

      (Reinhard Wittmann über Lyrikproduktion im 19. Jahrhundert in „Buchmarkt und Lektüre im 18. und 19. Jahrhundert“, Tübingen 1982)




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      Ich habe Schrauben in den Himmel gesteckt
      und die Rabenmuttern festgedreht
    • Gottfried Benn hat mal in den späten 20er Jahren durchgerechnet, was er mit seiner Lyrik im Schnitt verdient hatte. Er kam auf etwas über 2 Mark im Monat.
      Und Benn war zu der Zeit einer der berühmtesten Dichter Deutschlands




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      Ich habe Schrauben in den Himmel gesteckt
      und die Rabenmuttern festgedreht
    • Florian Voß schrieb:

      Gottfried Benn hat mal in den späten 20er Jahren durchgerechnet, was er mit seiner Lyrik im Schnitt verdient hatte. Er kam auf etwas über 2 Mark im Monat.
      Und Benn war zu der Zeit einer der berühmtesten Dichter Deutschlands


      Und er war ein höflicher. Immerhin hat er einem seine (hervorragenden) Gedichte nicht aufgedrängt.

      Liebe Grüße Peter
      .
      Auch fand er aufgeregte Menschen zwar immer sehr lehrreich, aber er hatte dann die Neigung, ein bloßer Zuschauer zu sein, und es kam ihm seltsam vor, selbst mitzuspielen.
      (Hermann Bahr)
    • Von Kafkas (gut, kein Lyriker) Erstling ("Betrachtung", erschienen 1912 bei Kurt Wolff) waren zu seinem Tode 1924 noch immer Exemplare der EA zu haben - gedruckt worden waren 500 Exemplare. Kafka hatte in einem Dutzend Jahre also nur knapp über 400 verkauft. Erschreckend, wie ich finde.

      Die Kafkas und Benns der heutigen Zeit verkaufen eher noch weniger. Erbärmlich, wie ich finde.




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      Ich habe Schrauben in den Himmel gesteckt
      und die Rabenmuttern festgedreht
    • Aber was soll uns das jetzt sagen?
      Dass man mit Lyrik nicht so viel Geld verdienen kann?
      (Ich habe mich gerade an den Fall Simon Dach erinnert, der so schön in seinen Gedichten jammert, dass er unterrichten muss.)

      Also OK, "gutes Geschäft" ist vielleicht nicht ganz passend in Bezug auf Lyrik.
      :hide:
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    • putto schrieb:

      Aber was soll uns das jetzt sagen?
      Dass man mit Lyrik nicht so viel Geld verdienen kann?
      (Ich habe mich gerade an den Fall Simon Dach erinnert, der so schön in seinen Gedichten jammert, dass er unterrichten muss.)

      Also OK, "gutes Geschäft" ist vielleicht nicht ganz passend in Bezug auf Lyrik.
      :hide:


      Klar, sollen sie doch verhungern, die doofen Dichter.

      Wiederum Benn war es, der mal zu Protokoll gab, dass Lyrik "billig erworbenes Nationaleigentum" sei.




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      Ich habe Schrauben in den Himmel gesteckt
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    • Ä?
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    • Will heißen: Lyrik ist super, lesen wir gerne, besonders wenn die Dichter schon 70 Jahre tot sind und die Texte gemeinfrei. Und ihre Metaphernfindungen werden auch gerne späterhin in Werbung und allgemeinen Sprachgebrauch übernommen, aber die zeitgenössische Dichtung kaufen wir nicht. Sollen die Dichter zusehen, wo sie bleiben. Und - um Gottes Willen - nicht jammern, Dichter, nicht jammern.




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      Ich habe Schrauben in den Himmel gesteckt
      und die Rabenmuttern festgedreht
    • Florian Voß schrieb:

      Will heißen: Lyrik ist super, lesen wir gerne, besonders wenn die Dichter schon 70 Jahre tot sind und die Texte gemeinfrei. Und ihre Metaphernfindungen werden auch gerne späterhin in Werbung und allgemeinen Sprachgebrauch übernommen, aber die zeitgenössische Dichtung kaufen wir nicht. Sollen die Dichter zusehen, wo sie bleiben. Und - um Gottes Willen - nicht jammern, Dichter, nicht jammern.


      Lieber Florian,

      warum sollen wir sie für ihr Hobby auch noch bezahlen? :D

      Liebe Grüße Peter

      :hide:
      .
      Auch fand er aufgeregte Menschen zwar immer sehr lehrreich, aber er hatte dann die Neigung, ein bloßer Zuschauer zu sein, und es kam ihm seltsam vor, selbst mitzuspielen.
      (Hermann Bahr)
    • Florian Voß schrieb:

      Und - um Gottes Willen - nicht jammern, Dichter, nicht jammern.
      Nö, freilich darfst Du jammern, ich schrieb ja, dass Dach so schön in seinen Gedichten jammert, ich lese es, und finde es schön. Wenn ich dagegen wäre, dass Dichter jammern, dann hätte ich ja nicht loben dürfen, wie schön er jammert.
      :thumbup:
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    • Übrigens habe ich auch mal gedichtet.
      :D
      War in einer eher depressiven und aggressiven Phase.
      Da ich ein paar der Zeilen mit Musik unterlegt habe, wurde das sogar mal öffentlich präsentiert und in Folge auch im Radio gespielt (spätabends, wo die moderne Kunst hingehört ...)

      Da ich keine Lust hatte, einen Text zu dem Stück zu verfassen, habe ich damals ein anderes Gedicht von mir ins Programmheft drucken lassen.
      Leider habe ich vergessen, wie die Radio-Ansage war.
      :whistling:
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    • Hallo nochmal alle,

      erstmal danke an alle, die mitgeholfen haben, meinen Adrenalinspiegel zu senken. Ich kann wieder klarer sehen und lockerer fühlen.



      Hallo philmus,

      philmus schrieb:

      Fred K. Linden schrieb:

      Ich interessiere mich immer noch nicht für Lyrik.
      Ich verstehe Florian, wenn er darauf verweist, daß das eine ganz blöde Voraussetzung für einen Austausch über (eigene und fremde) - Lyrik ist.
      Ja, das ist eine nützliche Bemerkung von Dir. Ich stelle meinerseits fest: Das ist eine ganz blöde Voraussetzung für einen Austausch über eigene (und fremde) Lyrik.

      philmus schrieb:

      eloisasti schrieb:

      Bei Fotografie ist es doch nicht anders. Fotocommunity oder Flickr sind voll von Fotografen, die gute und schlechte Bilder produzieren und präsentieren, die die einen Betrachter gut finden, die anderen nicht. No na. So ist das halt. Es kommt dort auch kein Redakteur vorbei und erzählt uns, was für einen Müll wir produzieren.
      Aber jemand, der in einem Atemzug Photos präsentiert und sein Desinteresse an Photographie bekundet, muss doch sicher auch dort damit rechnen, Fragezeichen zu ernten, oder?
      Bitte mich nicht mißverstehen, ich finde das nicht schlimm. aber eben Florians Reaktion auch nicht besonders unhöflich.
      Das sind so Reibungen, die halt entstehen, wo Liebhaber und Profis miteinandeer plauschen. Wenn jemand zum Einstand erstmal grundsätzliches Desinteresse bekundet, ist das halt ein Statement, das in einem thread, der von Interesse lebt, auffällt.
      Aber jemand, der in einem Atemzug Photos präsentiert und sein Desinteresse an Photographie bekundet, muss doch sicher auch dort damit rechnen, Fragezeichen zu ernten, oder?
      Mit diesem (nicht adrenalinbeladenen) Beispiel erreichst Du mich sofort.
      Bitte mich nicht mißverstehen, ich finde das nicht schlimm. aber eben Florians Reaktion auch nicht besonders unhöflich.
      Ich fand's schon heavy. Aber ich stand ja auch voll in der Schusslinie.

      Dazu habe ich aber auch eine Ensicht gewonnen (Florian, das ist jetzt auch speziell für Dich):
      Wenn ich jemanden stark genug provoziere, muss ich mich nicht wundern, wenn mir der eine in die Fresse haut.
      Juristisch bin ich fein raus, aber holla, wo sind wir denn?
      Wenn jemand zum Einstand erstmal grundsätzliches
      Desinteresse bekundet, ist das halt ein Statement, das in einem thread,
      der von Interesse lebt, auffällt.
      So ist es. "Nette Party hier. Aber ich gebe überhaupt nichts auf Parties". Überflüssig, arrogant, provokant. Ich bereue das!
      Manche Tiere, die in ein neues, unsicheres Revier kommen, markieren es erst einmal kräftig.


      Hallo Florian,

      Florian Voß schrieb:

      Fred K. Linden schrieb:

      Möglichkeit 2: Die Naive. Ich kümmere mich nicht darum, was andere tun, sondern dichte frisch von der Leber weg.

      Möglichkeit 1 ist untadelig, darauf muss ich nicht eingehen.
      Möglichkeit 2 hat Vor- und Nachteile. Unbestreitbar ist der Vorteil, dass sie bequem ist. Sie ist auch effizient - ohne Vorbild kein Epigone.



      Ich befürchte, dass das ein Trugschluss ist. Es ist schlichtweg unmöglich keine Gedichte älterer Autoren zu kennen. Über Zitate, Volkslieder, Redewendungen bekommt man immer einen Teil der klassischen Dichtung mit, und dieser Teil färbt dann besonders stark ab, weil er der einzige ist, der abfärben kann - man kennt ja keine zeitgenössische Lyrik, verweigert sich ja einer Beschäftigung mit ihr.
      Das Ergebnis: man wird ein Epigone, ohne es zu merken. Ergebnis: fast alle dieser Hobbyautoren (hier bist Du nicht gemeint) schreiben im Stile des späten 19ten Jhdts.

      (Nebenbei: wenn Du dich beleidigt gefühlt hast, entschuldige ich mich selbstverständlich. Ich formuliere manchmal etwas harsch.)
      Trugschluss: Ja, das sehe ich ein. Es existiert kein luftleerer Raum. Nur sind wir uns der Luft meist nicht bewußt.
      Es freut mich, dass Du mich ausnimmst, schon nach einer einzigen Kostprobe.

      Deine Entschuldigung nehme ich gerne an.

      Grüße,
      Manfred
      Das verstehst du noch nicht, sagten sie. Ich verstand. (Fred K. Linden)
    • Diese Diskussion drängt mir die ziemlich unangenehme Frage auf, warum zeitgenössische Lyrik selbst von einer Menschin (mir) die Literatur studiert hat und sich von Gedichten, die auch einmal zeitgenössisch und ungekauft waren, im tiefsten Seelengrund getroffen fühlt, weitestgehend ignoriert wird. :hide: :hide: :hide:
      Ich finde keine Antwort. Zwar glaube ich nicht, dass Künstler irgendein einklagbares Recht haben, gekauft zu werden und auch nicht dass man erst drei Gedichtebände kaufen muss ehe man selbst dichten "darf", aber traurig ist die Situation allemal, denn sie zwingt unsere begabten Dichter, ihre Zeit und Energie in Broterwerbe zu investieren, um überleben zu können. Warum findet Lyrik keine Käufer bzw kein Publikum? Selbst nicht bei den Literaturliebhabern?
      Ist die Lektüre einfach zu anstrengend? Zu wenig unterhaltsam? Zu kurz? Zu komplex? ?( ?( ?(
      Was mich angeht, ich brauchte laut rezitierte Lyrik um ein Gedicht zu geniessen und mir richtig einzuverleiben. Selbst meine geliebte Else Lasker Schüler(von der ich mehrere Gedichtbände gekauft habe....leider zu spât, denn sie hatte auch trotz ihres Ruhms zeitweise nichts zu brechen und zu beissen) erschliesst sich mir laut vorgelesen ganz anders als schwarz auf weiss. Lyrik hat für mich unbedingt mit Klang und Musik zu tun. Leider ist der in einem Buch nicht inbegriffen. Ich verstehe daher die grössere Beliebtheit von Hörbüchern durchaus.
      Aber auch die Frustration und Enttäuschung der professionnellen Dichter. Die Nicht-Professionellen sollten in einem solchen Forum allerdings genauso ihren Platz haben, wem das zu seicht und epigonal ist, kann ja in den entsprechenden Blogs oder Spezialforen auf seine Kosten kommen.


      :fee:
      Jede Krankheit ist ein musikalisches Problem und die Heilung eine musikalische Auflösung (Novalis)
    • Was mich angeht, ich brauchte laut rezitierte Lyrik um ein Gedicht zu geniessen und mir richtig einzuverleiben


      Mir dagegen geht es genau umgekehrt: Ich kann auch die besten Gedichte in aller Regel nur von mir selber gelesen im stillen Kämmerlein ertragen. Lyrik ist für mich etwas äußerst Intimes, das mit der konkretren Klangwerdung meistens stirbt - wenn es denn nicht noch zusätzlich vertont wurde. Mit dem Lied ist dann schon wieder eine neue, anderen Gesetzen unterlegenen Ebene erreicht....

      Warum findet Lyrik keine Käufer bzw kein Publikum? Selbst nicht bei den Literaturliebhabern?


      Zeitgenössische Lyrik lese und kaufe ich nicht, weil ich so gut wie immer weder ihre Form und ihre Aussage nachvollziehen kann. Im Hinblick auf beides herrscht in ihr für meinen Geschmack zu große Willkür (oder manchmal auch das Gegenteil davon, nämlich zu großer Zwang). Aus den nämlichen Gründen kann ich auch mit zeitgenössischer Musik und Malerei in fast allen Fällen nicht das Geringste anfangen. Es fehlt mittlerweile ein "gewachsener" formaler und inhaltlicher Rahmen...und den kann man leider auch nicht künstlich konstruieren, denn dann kommt man, wie Florian mit Recht festgestellt hat, ganz schnell in die Zone des "Epigonalen"...

      Viele Grüße

      Bernd
    • Dass die Nische so aberwitzig klein ist, wie Florian sie beschreibt, hätte ich nicht gedacht. Das sind ja wirklich absurd geringe Auflage-/Verkaufszahlen. Florian schreibt aber ja auch, dass diese Situation - bis auf wenige Ausnahmen - seit Generationen gleichbleibend sei. Also müsste im Jahr 2014 (oder 2000 oder 1985) jeder, der sich für diese Nische entscheidet, wissen, worauf er sich da einlässt. Zynisch ausgedrückt: Die Künstlersozialkasse müsste eigentlich jeden Lyriker abweisen, da es sich bei dessen Tun nicht um Broterwerb, sondern um Liebhaberei handelt.

      Wie soll ein Ausweg aussehen, wenn die Misere eigentlich schon seit Jahrzehnten bzw. Jahrhunderten besteht?

      Der von Eclittico angestrengte Vergleich zur Bildenden Kunst hinkt. Es gibt auch für zeitgenössische und junge Künstler grundsätzlich Geld zu verdienen (öffentliche Hand, Stipendien, Mäzenentum, baukulturelle Verpflichtungen, Kunstmarkt usw.). Was bei Dichtern laut Florian ja grundsätzlich nicht gegeben ist.

      :wink:
      „Beim Minigolf lernte ich, wie man mit Anstand verliert.“ (Element of Crime)
    • Wie soll ein Ausweg aussehen, wenn die Misere eigentlich schon seit Jahrzehnten bzw. Jahrhunderten besteht?


      Eventuell kann man ja auch hervorragende Lyrik schreiben, während man etliche seiner Brötchen anderweitig verdient (siehe Benn, Goethe, Carossa, Rückert.....)?

      Mal ganz, ganz dreist formuliert: Ich würde ja auch lieber tagaus, tagein nur Kammermusik machen, anstatt am laufenden Meter Röhrchen zu schnitzen! Und wenn ich genug Zeit zum Üben hätte, befände sich meine kammermusikalische Technik auf einem ganz anderen Niveau.....aber die Welt ist ja leider so schlecht..... :D

      Relativierendes Statement ;+) : Mit purer Sesseldrückerei erzielen diverse Bürohengste nach wie vor ein mehr als solides Einkommen, während es verflixt schwierig ist, mit irgendeiner Form von künstlerischer Tätigkeit jenseits der etablierten, von Staats wegen gewährleisteten Strukturen einigermaßen ordentlich zu leben. Insofern handelt es sich schon um eine Misere......!

      Viele Grüße

      Bernd