Schubert: Die Klaviersonate D 959 - zwischen Melancholie und Irrsinn?

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    • Hallo

      zu den beiden Klaviersonaten D 958 und D959 von SCHUBERT konnte ich bisher leider noch keinen so richtigen Zugang finden.
      Dabei liebe ich SCHUBERT (fast) über alles und höre alle anderen der ca. 12 letzten Klaviersonaten sehr gerne und oft.
      An Einspielungen habe ich - wie gerade nochmal nachgesehen habe- eigentlich kein Mangel:
      Neben den drei oben erwähnten Brendel-CDs finden sich noch Schnabel, Arrau, Serkin, Leonskaja und Staier in meiner Sammlung...
      Brendel hat sich übrigends auch schriftlich zu den letzten drei Klaviersonaten geäußert:



      Das Kapitel "Schuberts letze Sonaten" enthält über 70 Seiten, allerdings mit vielen Notenbeispielen.

      Vielleicht kann ich mich ja in einem nächsten Hörversuch mit dem Stück besser anfreunden.

      Gruß petit_concours
      W o h n z i m m e r w e t t b e w e r b:
      Petit concours à la maison... (S. Richter, 1976)
    • Hallo liebe Schubertfreunde,
      von den anderen Aufnahmen kenne ich die Brendel Digital Studioaufnahme gut. Mein Onkel meinte nämlich in den 80´ern, dass nur Digitalaufnahmen akzeptabel seien und ersetzte die Serkin-MC mit dieser Aufnahme. Kurzum: Es ist eigentlich pianistisch nichts auszusetzen, aber es kommt - zumindest bei mir - der Funke nicht rüber, sie bewegt und fasziniert mich nicht (Brendelfans mögen es mir nachsehen). Die Schnabelaufnahme aus der Schellackzeit ist auf alle Fälle beachtenswert, hat doch dieser Meister die Schubertsonaten wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Gut, ein paar wacklige Momente sind zu bemerken und doch weiß diese Aufnahme mehr zu faszinieren als Brendel, der manuell wesentlich besser spielt. Leonskaja hat(te) wohl ihre Fangemeinde in Wien, zu der ich weder geographisch noch musikalisch gehöre. Ich habe ihre Aufnahme nach dem Hype in de 90´ern günstig erworben, einmal angehört und dann "archiviert". Letztendlich musste dann doch wieder Serkin auf CD her, nachdem die Cassette ausgeleiert war. Sokolov würde mich natürlich brennend interessieren.
      Wieder etwas offtopic zu Brendel: Anfang der 90´er Jahre war er für ein Konzert mit späten Mozartsonaten bei uns in Rosenheim angesetzt. Er kam, spielte am Vormittag eine Tonleiter auf dem Konzertsteinway und befand den Flügel für nicht geeignet. Auch ein Nachstimmen des gesamten Flügels konnte ihn nicht milde stimmen. Auf demselben Instrument spielt übrigens heutzutage noch Sokolov, von u.a. Argerich, Ahkenazy, Gulda u.a. zu damaligen Zeiten ganz zu schweigen. Kurzum, das Konzert am Abend fand im Passionshaus Erl hinter der österreichischen Grenze statt. 2500 Besucher mussten per PKW dorthin pilgern (30 Minuten Fahrzeit). Das Haus war unbeheizt und dann fand meine persönliche "Brendelpassion" statt: Auf dem schlecht gestimmten Viertelflügel (!) gab er einen langatmigen, zähen Mozart, der seinesgleichen sucht und meinen Holzstuhl zur Qual werden ließ. Von Gulda, den ich ein paar Monate vorher erlebte, Lichtjahre entfernt, sogar der Gesamtzyklus von Barenboim in München zur selben Zeit, wo er bereits mehr dirigierte als Klavier spielte, war klar vorzuziehen. Ich gestehe, seitdem habe ich um Brendel im Konzertsaal und auf Tonkonserven einen weiten Bogen gemacht und keine Entzugserscheinungen bekommen. Es gab, gibt und wird in Zukunft immer mindestens gleichwertige Alternativinterpretationen geben!

      Gruß,
      scherchen
      "Music is the voice of the all - the divine melody - the cosmic rhythm - the universal harmony." aus Music for all of us (Stokowski, 1943)
    • Schubert, D 959, 2. Satz: Die Schubertsche Anmut tanzt hier tatsächlich am Rande des Abgrundes. Wenn man sich in diese Musik wirklich vertieft, sich zur Gänze auf sie einlässt, selber an diesem Abgrund zusammen mit dem Komponisten und dem Interpreten wandelt und es schafft, sich nach diesem 2. Satz der Schubert-Sonate D 959 nicht aufzuhängen oder seinem Leben sonst wie ein Ende zu setzen, führt man – ich möchte es fast so behaupten – als „geläuterter“ Mensch seinen Lebensweg fort. Das ist Musik, die die Seele rein wäscht. Dieser 2. Satz in eben dieser Deutung von Arrau ist vielleicht das Grandioseste, was ich jemals in Sachen Klaviermusik gehört habe. Allein dafür bin ich Claudio Arrau unendlich dankbar. Gänzlich unerhört ist das.

      Man hört Arrau während des Spielens stark atmen. Ich kann diese Anstrengung sehr gut nachvollziehen. Mir stockt der Atem allein beim Zuhören.

      So nahe am Abgrund wandelte m. E. nur Richter in einer Schubert-Sonate (ich meine den ersten Satz der D 960). Arraus Spiel ist unglaublich beseelt, so viel Tiefe kenne ich wiederum sonst nur von Richter-Aufnahmen. Das ist herzzerreißendes Klavierspiel, zum Weinen schön!

      Gruß, Cosima :angel:
    • Liebe Cosima,



      auch wenn ich vermutlich andere, weniger emphatische Worte wählen würde: ich bin da ganz bei Dir. In der Tat finde auch ich, dass Arrau da etwas ganz Besonderes macht im 2. Satz. (Nach meinem ersten Eindruck kann da auch Sokolov nicht mit, zumal er, wie ich finde, einen unschönen Verstoß gegen den Notentext macht indem er einen entscheidenden Vorschlag im Thema "durchstrichen" auffasst, was gegen den Rhythmus ebendieses Themas geht.) Wenn, nach dem Wahnsinn des Mittelteils, das Thema wieder auflebt und darüber die Triolen dem Mittelteil 'nachzittern', wie ein Kranker der genest oder - was heißt: "genest"? - einfach lernt weiterzuleben, aber von dem Durchlittenen wieder und wieder durchschüttelt wird, in der bloßen Erinnerung - das ist so schmerzlich und tröstlich zugleich, das ich kaum eine vergleichbare Stelle in der Klavierliteratur zu nennen wüsste.
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      Musica est exercitium metaphysices occultum nescientis se philosophari animi
    • Recordatorio schrieb:

      Wenn, nach dem Wahnsinn des Mittelteils, das Thema wieder auflebt und darüber die Triolen dem Mittelteil 'nachzittern', wie ein Kranker der genest oder - was heißt: "genest"? - einfach lernt weiterzuleben, aber von dem Durchlittenen wieder und wieder durchschüttelt wird, in der bloßen Erinnerung - das ist so schmerzlich und tröstlich zugleich, das ich kaum eine vergleichbare Stelle in der Klavierliteratur zu nennen wüsste.


      Ja, so ist es. Danke für diese schöne Formulierung. Eine wundervolle Stelle ist das. Kein anderer Pianist, den ich kenne, hat dieses Schmerzliche und Tröstliche so intensiv gestaltet wie Claudio Arrau.

      :wink:
    • Recordatorio schrieb:

      (Nach meinem ersten Eindruck kann da auch Sokolov nicht mit, zumal er, wie ich finde, einen unschönen Verstoß gegen den Notentext macht indem er einen entscheidenden Vorschlag im Thema "durchstrichen" auffasst, was gegen den Rhythmus ebendieses Themas geht.)
      Den "durchgestrichenen" Vorschlag gibt es bei Schubert nie, weshalb die Entscheidung, einen Vorschlag vor der Zeit zu spielen, kein Verstoß gegen den Notentext sondern eine Interpretationsentscheidung ist. Schubert differenziert bei Vorschlagsnoten nur in Bezug auf die Länge: Meist schreibt er Sechzehntel, seltener Achtel, am seltensten 32stel. Der o.G. Vorschlag ist einer dieser seltenen Fälle (T. 3). Man kann das als Hinweis auf eine "kurze" Ausführung vor der Zeit verstehen, zumal dann erst der Kontrast zum ausdrucksstärkeren (16tel-)Vorschlag in T. 15 deutlich wird.
      Ähnlich ist es mit dem Staccato-Punkt unter dem jeweils ersten Achtel der Begleitung: Natürlich kann man das wörtlich nehmen und die erste von den folgenden beiden Achteln trennen, aber aus dem Notentext folgt das nicht zwingend. Im As-Dur-Impromptu aus D. 935 schreibt Schubert höchst differenzierte Artikulationen vor, setzt aber über alles ein "sempre ligato". Er will also eine Artikulation unterhalb des übergeordneten Legatos. In der A-Dur-Sonate schreibt er kein ausdrückliches Legato vor, woraus sich entgegengesetzte Schlussfolgerungen ziehen lassen: Entweder man glaubt, hier sei die Artikulation eben wörtlich zu verstehen (weil ja nicht ausdrücklich "legato" verlangt wird), oder man nimmt an, das fehlende "legato" sei hier - im Gegensatz zu D. 935 - so selbstverständlich, dass Schubert es nicht extra hingeschrieben hat. Mir erscheint die zweite Annahme wesentlich plausibler, denn wenn man den Punkt auf dem jeweils ersten Achtel wörtlich nimmt, fehlt dem Akkord im ersten Takt der Grundton und im zweiten die Terz. Hätte er das gewollt, wäre ein zusätzlicher Hinweis (wie z.B. "senza Ped.") unbedingt notwendig gewesen. Aber natürlich kann ein anderer Interpret auch zu anderen Ergebnissen kommen.
      Fazit in beiden Fällen: Interpretationssache...

      Viele Grüße,

      Christian
      Jeder Eindruck, den man macht, schafft Feinde. Um populär zu bleiben, muss man mittelmäßig sein.
      Oscar Wilde
    • "Interpretationssache"

      Eben. Mir geht es auch gar nicht um die Treue gegenüber irgendeinem Notentext. Sondern um das, was daraus folgt oder nicht folgt. Sowohl das 'Stolpern' durch die unterbrochene Bindung als auch der Sechzehntelvorschlag (ja, ich meinte T. 15! in meiner Ausgabe ist T. 3 durchstrichen notiert und das macht da auch Sinn) sind im Sinne des Themen-Charakters bzw. seiner Kontextualisierung einfach angebracht (Vorschlag) bzw. zusätzlich hilfreich (Staccato). Ich glaube übrigens nicht dass Arrau da gänzlich senza pedale spielt, sondern eher dass er es einfach auf der Eins immer wegnimmt.
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      Musica est exercitium metaphysices occultum nescientis se philosophari animi
    • Recordatorio schrieb:

      Mir geht es auch gar nicht um die Treue gegenüber irgendeinem Notentext. Sondern um das, was daraus folgt oder nicht folgt. Sowohl das 'Stolpern' durch die unterbrochene Bindung als auch der Sechzehntelvorschlag (ja, ich meinte T. 15! in meiner Ausgabe ist T. 3 durchstrichen notiert und das macht da auch Sinn) sind im Sinne des Themen-Charakters bzw. seiner Kontextualisierung einfach angebracht (Vorschlag) bzw. zusätzlich hilfreich (Staccato).
      Beim Vorschlag in T. 15 gebe ích Dir Recht, den sehe ich auch eher auf der Zeit. Das Staccato halte ich für möglich, aber ich höre diesen Anfang noch eher stabil fortschreitend als stolpernd , vergleichbar etwa dem ersten Lied aus der Winterreise (die Unterschiede, vor allem das Dreier-Metrum sind mir natürlich bewusst). Die Katastrophe des Mitteilteils sollte sich m.E. nicht ankündigen sondern unvorhersehbar einbrechen und dann bis zum Schluss nachwirken. Außerdem ist mir wie gesagt der Preis der unvollständigen Akkorde zu hoch. Allerdings kenne ich Arraus Aufnahme leider nicht. Meine einzige Aufnahme, bei der das Staccato wörtlich genommen wird, ist die von Afanassiev, und die habe ich bisher noch nie bis zum Schluss ausgehalten :shake: . Gerade der Mittelteil dieses Satzes wirkt auf mich dort nur noch unfreiwillig komisch.
      Übrigens noch einmal zu den Vorschlägen: Laut "Wiener Urtext-Edition" sind alle Vorschläge in dieser Sonate in allen Quellen (Autograph, Skizzen, Erstausgabe) nicht durchstrichen. Das durchgestrichene Zeichen hat Schubert wie gesagt nie verwendet, es gibt allerdings schon eine zu seinen Lebzeiten erschienene Ausgabe von D. 845, in der es dreimal erscheint (ob mit oder ohne Schuberts Wissen, ist unklar). Insofern ist Deine Ausgabe da "Interpretation durch den Herausgeber".

      Recordatorio schrieb:

      Ich glaube übrigens nicht dass Arrau da gänzlich senza pedale spielt, sondern eher dass er es einfach auf der Eins immer wegnimmt.
      Ganz sicher ist das so.

      Viele Grüße,

      Christian
      Jeder Eindruck, den man macht, schafft Feinde. Um populär zu bleiben, muss man mittelmäßig sein.
      Oscar Wilde
    • Brendel/Serkin

      Noch kurz zu Brendel: Ich schätze seinen Schubert prinzipiell sehr, aber die 1972er-Studioaufnahme von D.959 hat mir nie zugesagt, insb. wegen der ersten beiden Sätze. Im Kopfsatz dehnt und staucht er abwechselnd die Tempi so sehr, dass schon die Exposition auseinanderfällt (die ausgelassene Wiederholung versteht sich eh). Und obwohl Brendel in seinem schönen Schubert-Aufsatz Erhellendes über den Mittelteil des zweiten Satzes zu sagen weiß, verharmlost er diese Passage schon rein auf Ebene der Dynamik. Die spätere Studioaufnahme habe ich nur einmal gehört, die schien mir wesentlich besser zu sein.



      Jetzt aber zur Serkin-Aufnahme von 1966, die ich gerade zum zweitenmal innerhalb der letzten Tage höre:

      Zwielicht schrieb:

      Serkins Aufnahme, die ich schon lange kenne, habe ich zuletzt immer mit zwiespältigen Gefühlen gehört: manchmal großartig radikal (Mittelteil des Andantino), oft aber auch sehr kantig und eckig, wozu der sehr...hm...direkte Klavierklang beiträgt. Ein sehr eigenwilliger Schubert, Serkin war ja auch nicht unbedingt der typische Schubert-Pianist. Auf jeden Fall hörenswert.


      scherchen schrieb:

      ich bin sozusagen mit der Serkin-Aufnahme großgeworden, als ich mich in Schülerzeiten selbst mit dem Stück am Klavier auseinanderzusetzen hatte. Die Aufnahmequalität meiner alten CD von CBS war sehr direkt und mit analogem Hintergrundrauschen. Deshalb kommt es m.E. nach zu der oben genannten Einschätzung der "kantigen" Interpretation. Ich gebe zu, dass ich für diese Aufnahme eine nostalgische Schwäche habe und werde sie mir jetzt nach langer Zeit bewusst nochmal anhören.





      Scherchen hat völlig recht: Der Klavierklang ist, weil sehr direkt aufgenommen, "kantig", die Interpretation Serkins ist es ganz und gar nicht. Sie ist im Gegenteil wunderbar differenziert, atmet im ersten Satz eine große Gelassenheit - keine Temporückungen à la Brendel, höchstens winzige Verzögerungen, selbst bei den Höhepunkten der Durchführung keine pathetische Verlangsamung. Und ein enorm großer Reichtum an Nuancen der Dynamik und des Anschlags - das kommt natürlich dem Finale besonders entgegen, aber auch dem Kopfsatz: den Varianten in der Repise z.B. und der wunderbar schwebenden Coda. Höhepunkt ist für mich die Interpretation des Andantino: relativ zügig genommen, bewusst monoton im A-Teil. Mir ist keine andere Interpretation in Erinnerung, die den katastrophischen Mittelteil so kontrolliert aufbaut und ihn trotzdem so zerschmetternd und vernichtend klingen lässt. Besonders eindrucksvoll die Rückleitung zum A-Teil: die arpeggierten Achtelakkorde schneiden in ihrer Schärfe regelrecht in die ganz beredt gespielte rezitativische Passage hinein (selbst Sokolov wird mir hier zu schnell leise).

      Als nächstes werde ich mir die schon von Matthias Oberg hochgelobte Uchida-Einspielung anhören, die ich auch als großartig im Gedächtnis habe.


      Viele Grüße

      Bernd
      Details are always welcome. (Vladimir Nabokov)
    • Hallo Bernd,
      schön, dass Dir Serkin auch zusagt. Dank dir hab ich jetzt gesehen, dass es die Aufnahme bis heute auf dem Markt gibt und offensichtlich zu einem Schnäppchenpreis. Ist hier eigentlich das Bandrauschen immer noch im Klangbild präsent?

      Gruß,

      Ernst
      "Music is the voice of the all - the divine melody - the cosmic rhythm - the universal harmony." aus Music for all of us (Stokowski, 1943)
    • Schön, dass es inzwischen so viel weitere Empfehlungen gibt- für mich wird im Vertrauen auf euch und meinen Pariser Musikkritiker Serkin das Nächste sein, zumal ich 935 noch gar nicht kenne.
      Mir gefällt 959 übrigens weiterhin besser als 960 (wenngleich die auch wunderbar ist). Wenn ich diese beiden Sonaten höre, rückt mir auch Schubert als Liedkomponist noch einmal ganz ganz nahe. Ich empfinde diese beiden Sonaten als Liederzyklen ohne Worte. Sie brauchen keine Worte, weil sie das , was jenseits aller Môglichkeiten von Sprache liegt, ausdrücken.
      Alle Winterreisen und Wanderer aus Schuberts Universum sind hier versammelt. Und noch viel mehr.

      Lieber Scherchen, danke für deine Brendel-Live-Berichte.
      Ich höre Brendel zwar gerne,gerade auch mit Mozart, aber besonders sympathisch bzw pflegeleicht scheint er ja nicht eben zu sein...... ;(
      :fee:
      Jede Krankheit ist ein musikalisches Problem und die Heilung eine musikalische Auflösung (Novalis)
    • FairyQueen schrieb:

      zumal ich 935 noch gar nicht kenne.


      Das ist eine Bildungslücke, liebe Fee :D Die lässt sich aber schließen, vorausgesetzt Du hast nichts gegen das Fortepiano:





      Fast noch spannender als D 935 finde ich die drei Klavierstücke D 946, da wäre Lahusen meine Empfehlung - als Dreingabe bekommst Du dann gleich nochmal D 960:



      :wink: :wink:

      Christian
      Rem tene- verba sequentur - Beherrsche die Sache, die Worte werden folgen

      Cato der Ältere
    • Lieber Christian,

      bei D. 935 mit Lubimov :juhu: schließe ich mich doch gleich deiner Empfehlung an.

      Lahusen habe ich auch schon länger auf der Wunschliste, auf der sie wohl mal nach oben rücken muß, wenn du sie sehr gut findest. Danke für die Erinnerung/Einschätzung.

      :wink: Matthias
    • pt_concours schrieb:

      An Einspielungen habe ich - wie gerade nochmal nachgesehen habe- eigentlich kein Mangel:
      Neben den drei oben erwähnten Brendel-CDs finden sich noch Schnabel, Arrau, Serkin, Leonskaja und Staier in meiner Sammlung...


      Da hatte ich sogar noch zwei weitere Aufnahmen vergessen: Dalberto und Planes.

      Die Aufnahme mit Dalberto habe ich heute gehört, sie entstammt folgender Box:



      (D959 - rec. 1995)

      Dalberto stellt SCHUBERT eher als Vorläufer der großen romantischen Komponisten (SCHUMANN, CHOPIN, etc.) dar, weniger als Vollender des (Wiener) Klassik. Stilistisch erscheint mir das nicht ganz korrekt, akzeptiert man aber diese Sichtweise, dann erscheint das Gesamtkonzept durchaus stimmig. So spielt er die Sonate mit großer Geste (z.B. starke Temposchwankungen, teils eigenwillige Phrasierung) und bewegt sich damit für meinen Geschmack an der Grenze, wo die eigene Interpretation eines Pianisten den Komposition in den Hintergrund drängt, allerdings überschreitet er diese Grenze nicht. Eine lohnende Interpretation.

      Gruß petit_concours
      W o h n z i m m e r w e t t b e w e r b:
      Petit concours à la maison... (S. Richter, 1976)
    • Dieser Thread wartet ja eigentlich nur darauf wach geküsst zu werden ;+) Am Samstag haben wir uns in Mannheim Ibsens Nora angesehen, eines meiner Lieblingsstücke, dieses skandinavischen Autors. Den Schluss des Stückes bildeten die Anfangstakte eines Sonatensatzes. Dass es sich um Schubert handelte, war mir schnell klar. Bis mir einfiel, um welches Stück es sich genau handelte dauerte ein wenig länger: es waren die ersten Takte des Andantinos aus D 959. Die Melancholie dieser Melodie schlug mich sofort in ihren Bann. Berückend schön- und doch unendlich traurig. Der schreitende Gestus des Themas hat etwas geradezu manisches. Seit Samstag geht mir diese zerbrechliche Melodie nicht mehr aus dem Kopf.

      :wink: :wink:

      Christian
      Rem tene- verba sequentur - Beherrsche die Sache, die Worte werden folgen

      Cato der Ältere
    • Für mich ist dieser Sonatensatz seit ich den Film erstmals gesehen habe verbunden mit der sensiblen Literaturverfilmung "Der Schüler Gerber" nach Friedrich Torberg (Österreich 1981, Regie Wolfgang Glück, mit Gabriel Barylli als Gerber und Werner Kreindl als "Gott" Kupfer), wo er leitmotivisch und ungemein stark prägend eingesetzt wurde.
      "http://www.youtube.com/watch?v=Q7JfObB1mVs"
      Herzliche Grüße
      AlexanderK
    • Da muß ich jetzt doch auch noch meinen "Senf" zugeben...
      ...und kopiere mein Post #39 aus dem "Gänsehaut pur"-Thread hier rüber:

      Gänsehaut pur, die schönsten Stellen

      - da möchte ich auch etwas beisteuern.
      Es ist wahrlich kein unbekanntes Stück, und daraus auch wahrlich keine unbekannte Stelle.
      Sie ist einfach unbeschreiblich (für mich, Ihr Fachleute könnt sicher beschreiben, wie diese Wirkung musiktechnisch / kompositorisch erzielt wird) :

      Der Beginn des 2. Satzes (= Andantino) aus Schuberts Klaviersonate in A-Dur, = D.959
      (Hier Pollini, ab ca. 14:50)

      "http://www.youtube.com/watch?v=EClFYa3APA8"

      Ich danke noch immer demjenigen aus ganzem Herzen, durch den ich dieses Stück kennenlernen durfte !


      -------------

      Hatte das Stück in der Brendel-spielt-in-einer-alten-Bibliothek-oder-so-Fassung auf YouTube kennengelernt, doch konnte den Link nicht wiederfinden.
      So landete ich bei Pollini. An Pollini habe ich jetzt nichts auszusetzen, der wurde ja hier bislang noch nicht als Interpret erwähnt, wenn mir jetzt nichts entgangen ist. Aber ob er vor Euch Fachleuten bestehen kann, ist eine andere Frage.
      Jedenfalls ist das Stück wirklich etwas ganz besonderes.


      :wink:

      amamusica :pfeif:
      Ein Blümchen an einem wilden Wegrain, die Schale einer kleinen Muschel am Strand, die Feder eines Vogels -
      all das verkündet dir, daß der Schöpfer ein Künstler ist. (Tertullian)

      ...und immer wieder schaffen es die Menschen auch, Künstler zu sein.
      Nicht zuletzt mit so mancher Musik. Die muß gar nicht immer "große Kunst" sein, um das Herz zu berühren...



    • Um hier nicht nur YouTube-Links zu verstreuen, hier nun auch die entsprechende Schallplatte :

      JPC :




      Bei Amazon gibt es die Platte auch, und da ist auch eine ausführliche Kritik dabei:



      Leider weder bei JPC noch bei Amazon zum Schnäppchenpreis, aber auch nicht horrend teuer.

      Ich hatte Pollini in meiner Jugend als vielgelobten Interpreten der "Wandererphantasie" kennengelernt, aufgrund guter Kritiken hatten meine Eltern damals die Platte gekauft. Ich fand / finde sie nach wie vor sehr sehr gut. Und seine Interpretation der D 959 auch.


      :wink:

      amamusica :pfeif:
      Ein Blümchen an einem wilden Wegrain, die Schale einer kleinen Muschel am Strand, die Feder eines Vogels -
      all das verkündet dir, daß der Schöpfer ein Künstler ist. (Tertullian)

      ...und immer wieder schaffen es die Menschen auch, Künstler zu sein.
      Nicht zuletzt mit so mancher Musik. Die muß gar nicht immer "große Kunst" sein, um das Herz zu berühren...