Padre Soler: Fandango und anderes

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • Peter Brixius schrieb:

      Die erwähnte Elzbieta Chojnacka spielt auf einem zeitgenössischen Hammerklavier, das auch ein orgelartiges Register hat, was zu einer absolut faszinierenden Aufführung des Fandagos führt


      Die würde mich auch brennend interessieren.

      Und das holt mir in Erinnerung, das ich noch eine Einspielung SolersFandango auf einer CD des finnischen modernen Komponisten und Cembalisten Jukka Tiensuu habe, auf der CD "The fantastic Harpsichord", Finlandia 1987, die es auch nicht mehr zu kaufen gibt, deswegen auch ohne verlinktes Bild, denn auf ihr ist auch Xenakis Khoai; diese Aufnahme taugt zwar gar nichts, - Xenakis selbst hat sich über sie noch viel unfreundlicher ausgedrückt und läßt nur Chojnacka gelten, die ja auch fantastisch ist, der Rest der CD ist aber sehr interessant und klingt mir auch sehr viel besser eingespielt: Michel Corrette (1709-1783): Combat naval - hier hört man u.a. schon heftige Cembalo-Cluster, wenn sich die Schiffskanonen die volle Breitseite geben; Kaija Saariaho: Jardin secret II (1984-86); Salvatore Sciarrino: De o de do (1970) und eine Eigenkomposition Tiensuus.

      Aber nun zu Tiensuus Einspielung von Solers Fandango: Das verwendete Cembalo ist leider nicht angegeben. Zunächst gefiel sie mir gar nicht, aber während ich sie jetzt erneut mehrmals gehört habe, gefällt sie mir immer besser. Tiensuu läßt sich Zeit ohne zu Dehnen und liegt mit 11:44 Min fast gleichauf mit Scott Ross. Er spielt fast ganz ohne Rubati, agogisch geradezu extrem gleichförmig, auch sonst nur sehr sparsam Betonungen setzend, z. B. auch Lautstärken kaum verändernd und das war es wohl, was mir zu Anfang gar nicht zusagte. Solers Fandango verträgt aber auch diese Spielweise, denn die wenigen Betonungen, die er setzt, spielt er wirkungsvoll und gekonnt. Der Fandango erhält so einen etwas derben, sehr volkstanznahen Charakter. "Die Unerbittlichkeit des Fortschreitens in der Basslinie" wird so besonders betont, aber sehr deutlich wird so auch das kontinuierliche Moment in den Variationen, die so besonders nach scheinbar einfachen, eben etwas derben Improvisationen klingen.

      Kurz eingehen möchte ich hier auch auf Tiensuus Eigenkomposition von 1984, denn auch das ist nämlich ein Fandango, dem man die Auseinandersetzung mit Solers durchaus noch anhört, wenn er auch so klingt, wie etwa ein argentinischer Kunst-Tango Nuevo, der in einen groben volksmusikalischen finnischen Tango gewandelt wurde, der dann von Kurt Weill bearbeitet wurde, bevor Luciano Berio schließlich das Ganze collagiert und überschrieben hat. Das macht geade ergänzend zu Solers Fandango gehört, viel Spaß, mir jedenfalls.

      :wink: Matthias
    • U.a. wohl aufgrund Peters Begeisterung für den Fandango hatte ich seit mehreren Jahren eine Anzahl Soler-CDs. Die Auswahl mit Ross, die Staier-Anthologie (die freilich nur den Fandango enthält), die erste Folge mit Belder und eine CD mit drei Quintetten (Brosse/Conc. Rococo). War aber alles eher am Rande der Wahrnehmung. Nun lief mir vor einigen Wochen die Klavieraufnahme (EMI) mit M.-L. Hinrichs über den Weg, die die melancholische Seite, teils vielleicht auch die Nähe zur geistl. Musik einiger Sonaten stärker betont. Sehr schön. Daraufhin habe ich mir die CDs aus meinem Bestand nochmal reingezogen und mir die Box mit Belder (wohl nicht alle Sonaten, aber 8 CDs + eine mit Orgel, die ich in einer anderen Brilliant-Box aber auch schon habe) bestellt...
      Die Betonung des berühmten Fandango in diesem Thread finde ich etwas einseitig, weil Soler wirklich mehr bietet.

      S.R. 21 cis-moll ist übrigens auch eine Art Fandango, scheint mir.
      ...a man who refuses to have his own philosophy will not even have the advantages of a brute beast, and be left to his own instincts. He will only have the used-up scraps of somebody else’s philosophy; which the beasts do not have to inherit; hence their happiness. Men have always one of two things: either a complete and conscious philosophy or the unconscious acceptance of the broken bits of some incomplete and shattered and often discredited philosophy. (G. K. Chesterton)
    • Habe jetzt die Belder-Box erhalten (keine Gesamtaufnahme, es ist nur etwa die Hälfte der ca. 120? (140?) Sonaten Solers enthalten)




      Es sind 9 späte mehrsätzige Sonaten (op.4,1-6; op.8,1-3) enthalten, die auf den Fortepiano gespielt werden. Und 57 einsätzige der "Scarlatti-ähnlichen" Sonaten. Nach ein bis zweimaligem Hören sagen mir die Sonaten des zweiten Typs mehr zu. Die viersätzigen Sonaten op.4 haben einen recht eigentümlichen Aufbau, der sich von den bekannteren "klassischen" Sonaten der deutschen bzw. österreichischen Komponisten unterscheidet: Andante/andantino - Allegro - Menuetto (oft recht ausgedehnt und eher langsam) - Allegro. Also keine wirklich langsamen Sätze bzw. diese als erste, was insgesamt einen eher suitenartigen, wenig kontrastreichen oder gar dramatischen Eindruck erzeugt.
      ...a man who refuses to have his own philosophy will not even have the advantages of a brute beast, and be left to his own instincts. He will only have the used-up scraps of somebody else’s philosophy; which the beasts do not have to inherit; hence their happiness. Men have always one of two things: either a complete and conscious philosophy or the unconscious acceptance of the broken bits of some incomplete and shattered and often discredited philosophy. (G. K. Chesterton)