Viola da Gamba — Einspielungen: The good, the bad and the ugly

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    • Was in diesem Thread noch völlig fehlt, sind die Gambensonaten von Johann Sebastian Bach.
      Ich selbst bevorzug im Moment die Einspielung von Kim Kashkashian und Keith Jarrett. Wobei hier natürlich die Besetzung nicht stimmig ist (Natürlich nur im Sinne des Threads): Viola und Cembalo. Ich gebe dieser Einspielung den Vorzug, vor der mir ebenfalls vorliegenden von Hille Perl und Michael Behringer, die meiner Meinung nach nicht so harmonisch ist.



      Seit langem bin ich auf der Suche nach der Einspielung der Sonaten von Jaap Ter Linden. Falls mir hier jemand einen Tipp hat, wo diese noch zu haben sind, würde ich mich freuen. :rolleyes:

      LG
      corda vuota
    • Liebe corda vuota!

      In dieser Box, gefunden bei Amazon, sind Gambensonaten, gespielt von J.ter Linden enthalten!
      Etwas anderes habe ich leider nicht gefunden.



      LG
      Juli
      "Eine Semmel enthält 140 Kalorien, 700 Semmeln pro Jahr ergeben 98000 Kalorien,
      diese benötigt man, um eigenhändig 1 Elefanten 9 Zentimeter weit zu tragen. Aber wozu?"
      (Loriot)
    • Bachs Gambensonaten BWV 1027 - 1029 mit Jaap ter Linden sind in der von Juli abgebildeten Box mit Henk Bouman eingespielt. Jaap ter Linden hat sie aber noch mal mit Richard Egarr eingespielt. Die ist auch noch zu bekommen, aber relativ teuer, doch günstiger immerhin noch als Download:



      Beide Einspielungen sind ziemlich gut, Egarr finde ich aber den stärkeren Partner. Diese zweite Aufnahme ist insgesamt deutlich lebendiger, tänzerischer.

      Beide Aufnahmen sind aber wesentlich besser als Kashkashian/Jarrett und Perl/Behringer. Jarrett am Cembalo finde ich furchtbar: absurde Agogik und keine Cembaloanschlagstechnik. Ich mag aber, zugegeben, generell seine Klassik-Einspielungen überhaupt nicht. Hille Perl schätze ich sonst sehr, aber Behringer ist m.E. etwas dröge und das scheint auch ihr Spiel etwas zu beeinträchtigen.

      :wink: Matthias
    • Hallo Juli, hallo Matthias,

      vielen Dank für die Tipps. Da muss ich mal schauen, wie ich das angehe? Ich könnte mir die CD auch zu Weihnachten wünschen. :rolleyes:
      Ich denke auch, dass ich der Einspielung mit Richard Egarr den Vorzug geben werde

      Matthias Oberg schrieb:

      Beide Aufnahmen sind aber wesentlich besser als Kashkashian/Jarrett und Perl/Behringer. Jarrett am Cembalo finde ich furchtbar: absurde Agogik und keine Cembaloanschlagstechnik.


      Mit Jarett gebe ich Dir da schon recht, von den beiden mir vorliegenden gebe ich dieser aber dennoch den Vorzug. Ich habe die Gambensonaten auch noch von Pablo Casals und Paul Baumgartner (Cello/ Klavier) hier, erhoffe mir jedoch von der Ter Linden CD ein aufschlussreiches Hörerlebnis 8o . Ich schätze ihn als Barockcellisten sehr und denke, dass seine Auffassung dieser Sonaten in der neuen Fassung auch meiner Klangvorstellung nahe kommen könnten.

      Viele Grüße
      corda vuota
    • corda vuota schrieb:

      Was in diesem Thread noch völlig fehlt, sind die Gambensonaten von Johann Sebastian Bach.


      Hatten wir schon mal:

      http://www.capriccio-kulturforum.de/ensemble-und-kammermusik/633-bach-die-gambensonaten-bwv-1027-1029/


      CPE fehlt hier bislang auch noch. Als er seine Gambensonaten schrieb, war das Instrument schon eine Antiquität.





      Cheers,

      Lavine :wink:
      "You gotta grab'em by Debussy" (DJ Trump)
    • John Jenkins (1592-1678) zählte zu den fähigsten Kontrapunktisten des 17. Jahrhundersts. Seine 5-stimmigen Consorts sind kaum bekannt. Diese zeigen jedoch neben seine 4-stimmigen Fantasien und seinen üppigen 6-stimmigen Stücken John Jenkins auf der Höhe seines kompositorischen Schaffens.
      Man könnte diese 5-stimmigen Consorts durchaus als experimentell benennen. Sie stellen die Musiker und die Hörer mit ihren Wahrnehmungsfähigkeiten immer wieder auf die Porbe.
      Das erstaunliche an Jenkins Musik ist, dass die aufgewühlte und turbulente Musik nicht so recht zu dem Bild passt, was über sein Leben sonst bekannt ist. Er galt als ruhiger und ausgeglichener Zeitgenosse, dessen Persönlichkeit und Kameradschaft sehr geschätzt wurde.

      Die Aufgewühltheit in seinen Consorts resultiert maßgeblich daraus, mit verschobenen Akzenten, Themen und Imitationspunkten zu arbeiten, die er gegen den herrschenden Grundschlag setzte. Ein starker Puls treibt die Fantasien voran, aber in der 5-Stimmigkeit gibt es immer wieder erstaunliche Akzentverschiebungen. Es lässt sich oft nicht voraussagen welcher Schlag betont wird. Dies macht John Jenkins Fantasien für Gambenfreunde und Liebhaber englischer Consortmusik zu einem Erlebnis.

      Das Five-Part Consort legt mit der unten abgebildeten CD die erste Gesamteinspielung seiner 5-stimmigen Fantasien vor.

      LG
      corda vuota


    • Die Hörschnipsel, liebe corda vuota, klingen sehr vielversprechend und die CD muss wohl in mein Regal! Dort beifindet sich bisher nur eine bei Naxos gelabelte CD mit Jenkins Musik für Gamben-Consort, die u.a. ganz wundervolle Fantasias und Suiten enthält. Gespielt werden die Werke hier vom IMO sehr guten Rose Consort of Viols, das für Naxos auch eine unbedingt hörenwerte Einspielung von Purcells Fantazias gemacht haben:



      Adieu,
      Algabal
      Keine Angst vor der Kultur - es ist nur noch ein Gramm da.
    • Jacob Richmann (ca. 1680- 1726)


      Die Lebensdaten des Gambenvirtuosen und Komponisten Jacob Richmann sind, wie sooft in dieser Zeit nicht gesichert. Verschiedene Namensschreibungen erleichtern die Suche nach biographischen Daten nicht gerade. Richmann, Rhieman(n), Rheiman, Rieman... einige Zeit glaubten Musikhistoriker gar an die Existenz zweier verschiedener Musiker.

      Von Jacob Richmanns Kompositionen ist leider nicht viel erhalten geblieben. Es handelt sich dabei Sechs Sonaten für Viola da Gamba und Basso continuo op.1.

      Er zeigt in seiner Kompositionsweise der Stücke originelle Eigenheiten: Kleine Irritationen im harmonischen und metrischen Ablauf seiner Suiten schien er zu lieben. Das einfache Wiederholen einer Phrase als Bestätigung schien im wohl zu langweilig. Manches mal erklingen diese auch dreimal. Sehr detailliert zeichnet er seine Tanzsätze und ein jedes der Präludien weißt einen anderen Stil und Aufbau auf. Er schöpft kompositorisch aus dem Vollen und kennt die Möglichkeiten der Viola da Gamba sehr genau. Sabina Lehrmann die in dieser Einspielung die Gambe spielt, hat sich mit den Suiten von Jacob Richmann in einfühlsamer Weise auseinandergesetzt.

      LG
      corda vuota


    • Noch mal eine Abschweifung zu modernen Werken für die Viola da Gamba von 4 finnischen KomponistInnen:



      Lotta Wennäkoski: Procris für Sopran & Viola da Gamba (2003)

      Harri Vuori: From Day To Dream für Tenor & Viola da Gamba (1999)

      Eero Hämeenniemi: Valkalam für 2 Violen da Gamba & Cembalo (1996), Fantazia in G für Viola da Gamba & Cembalo (1998)

      Jukka Tiensuu: Musica Ambigua für Blockflöte oder Flöte, Viola, Viola da Gamba & Cembalo (1996/1998)


      Die CD finde ich durchgehend supergut, gerade auch wie in ihr Anregung aus dem Barock und ganz Modernes verschmolzen werden. Alle 4 gehören zu den radikaleren Modernen in Finnland. Hier in Deutschland sind ja - vielleicht inzwischen mit Ausnahme der wunderbaren Kaija Saariaho - nur so gemäßigte Langweiler wie Rautavarra und Sallinen aus Finnland bekannt.

      :wink: Matthias
    • Hallo Juli,

      die Jenkins CD ist absolut entfehlenswert! :thumbsup: Frisch und unverbraucht kommen auch diese Fantasien daher. Wenn Du noch ein paar Euro übrig hast, solltest Du sie Dir besorgen!

      Hallo Matthias,

      die Gamba Nuova macht wirklich einen spannenden Eindruck. Bislang bin ich noch nicht in dieses „gambistische Neuland“ vorgedrungen.
      Ich habe übrigens von den Bach’schen Gambensonaten nun eine weitere Einspielung bekommen. Ich muss sie aber erst einmal in den kommenden Tagen in Ruhe anhören. Es handelt sich dabei um die Einspielung von Lorenz Duftschmid und Andrea Marcon. Was ich bisher davon gehört habe, klingt mehr als vielversprechend. :rolleyes:

      LG
      corda vuota
    • William Lawes (1602-1645)

      William Lawes gehörte in seiner Zeit zu den Künstlern, die ganz oben angekommen waren. Er war ein persönlicher Freund von Karl dem Ersten.
      Die Klangwelt seiner Gambenconsorts sind durchweg expressiv zu nennen. Oft kommen die Stücke unerwartet dissonant und kantig daher. Dies mag daran liegen das Lawes nicht nur die Viola bastarda virtuos spielte, sondern auch auf der Therobe sein Talent bewies. Er kannte sich bestens in der Spielweise beider Instrumente aus. Eine Neuerung, die er einführte, war die zunehmende Unabhängigkeit der Orgelstimme, die er in diesen Tänzen und Consorts diesem Instrument zugestand.

      William Lawes verbrachte seine Kindheit in Salisbury. Sein Vater arbeitete als Diakon in der Kathedrale und die Söhne William und Henry kamen wahrscheinlich als Chorknaben schon früh mit der Musik in Berührung.
      Diese musikalische Begabung vertiefte er in einer Lehre bei dem Komponisten und Gambenspieler John Coprario. Lawes, der erst ab 1635 ein höfisches Amt bekleidete, gehörte wohl aber schon vor der Inthronisation Karl 1. dessen persönlichem Gefolge von Musikern an.
      William Lawes, der zuletzt noch Militärdienst im königlichen Heer leisten musste, kam während der Belagerung von Chester ums Leben. Posthum wurde ihm vom König der Titel „Father of Musick“ verliehen.

      LG
      corda vuota


    • Beim Gambenconsort schwöre ich auf Savall und Hespèrion XXI (die in einem früheren Jahrhundert Hespèrion XX hießen). Zwei meiner liebsten Aufnahmen sind

      Dowland: Lachrimae Or Seven Teares



      - hier finde ich Savalls Version schöner als die Fretwork-Aufnahme. Wie ich überhaupt der Klangmagie, die Savall mit seiner Gambe entfalten kann, hoffnungslos verfallen bin.


      Purcell: Fantasias for the Viols,1680



      - die man sogar noch kaufen kann. Die Scheibe gehört in die Sammlung jedes Gambenliebhabers :juhu: :juhu: :juhu:


      Michel
      Es gibt kaum etwas Subversiveres als die Oper. Ich bin demütiger Diener gegenüber diesem Material, das voller Pfeffer steckt. Also: Provokation um der Werktreue willen. (Stefan Herheim)
    • Liebe Gambenfreunde und alle, die es werden wollen,

      Hier auf dem Concertzender NL habe ich einen interessanten Gambenisten entdeckt, der meines Erachtens des Anhörens wert ist.



      LG
      Juli
      "Eine Semmel enthält 140 Kalorien, 700 Semmeln pro Jahr ergeben 98000 Kalorien,
      diese benötigt man, um eigenhändig 1 Elefanten 9 Zentimeter weit zu tragen. Aber wozu?"
      (Loriot)
    • Hallo Juli,

      das klingt wirklich vielversprechend! Ich hab mich mal auf seiner Website umgeschaut und mir auch einiges angehört – da wird wohl bald eine CD fällig werden :rolleyes: . Unter anderem war auch Jaap Ter Linden einer seiner Lehrer, das bürgt fast schon alleine für Qualität!

      Hallo Michel,

      Le Merle Bleu schrieb:

      - hier finde ich Savalls Version schöner als die Fretwork-Aufnahme. Wie ich überhaupt der Klangmagie, die Savall mit seiner Gambe entfalten kann, hoffnungslos verfallen bin.


      Da geb ich Dir recht, Savall ist heute einfach der Übervater der Viola da Gamba.

      LG
      corda vuota
    • Eine länger Zeit des Nachdenkens ging diesem Posting voraus. Da das Baryton aber zur Gambenfamilie gehört, denke ich, dass den haydn’schen Brayton Trios hier auch ein Platz gewährt sein sollte.

      Das Baryton, ein Instrument das seine Blütezeit ab der Mitte des 17. Jahrhunderts bis ins späte 18. Jahrhundert hatte, war danach lange Zeit fast in Vergessenheit geraten. Selbst in der Zeitspanne seine Blüte war das Baryton kein weit verbreitetes Instrument. Es entsprach in späteren Jahren nicht mehr den Anforderungen und der Zeitgeschmack änderte sich. Zudem ist es nicht ganz einfach zu spielen, wenn man an die 6 bis 7 zu streichenden Darmsaiten und die je nach Bauart bis zu 20 Aliqotsaiten denkt (in der Regel sind aber meist nur 9 bis 10 dieser Resonanzsaiten zu finden). Diese liegen im nach hinten offen Hals und können dort mit dem Daumen gezupft werden.

      Der Klang eines Baryton wir durch das Schwingen der Aliqotsaiten wunderbar leicht und transzendent. Man glaubt zugleich eine Viola da Gamba und eine Harfe zu hören, schrieb im Jahr 1788 Friedrich August Werber, Musikschriftsteller.

      Franz Joseph Haydn, der ab 1761 in den Diensten des Fürsten Esterházy stand, komponierte 126 Baryton Trios und etliche andere kammermusikalische Werke, in denen das Baryton von zentraler Bedeutung ist. So sind heute rund 160 Werke Haydns bekannt, die er mit und für das Baryton komponierte.

      Das Baryton wurde erst Anfang des 20. Jahrhunderts wieder aus dem Dornröschenschlaf wachgeküsst. So sind in den vergangen Jahrzehnten wieder Stück für Baryton komponiert worden. Doch auch heute noch sind es wenige Muisker, die sich mit diesem feinen Instrument auseinandersetzen.

      Das Esterházy Ensemble hat sich hier mit der Gesamteinspielung der haydn’schen Baryton Trios, nebst einiger Divertimenti und Fragmente besondere Verdienste um dieses Instrument erworben. Michael Brüssing, Baryton, András Bolyki (Viola) und Maria Andrásfalvy-Brüssing (Barockcello) legen mit diesen Aufnahmen ein beeindruckendes Zeugnis der Schaffenskraft Haydns in diesem kammermusikalischen Teil seines Oevres ab.

      LG
      corda vuota


    • Marin Marais wurde hier schon öfters als Komponist und Gambenvirtuose genannt. Einer seiner „Nachfahren“ als Gambenvirtuose sollte hier nicht unerwähnt bleiben: Professor Lorenz Duftschmid, ein Gambist mit großem Einfühlungsvermögen in die musikalische Welt des Barocks und der Renaissance. Heute schon längst viele Jahre selbst ein Meister der Gambe, studierte er dereinst bei Jordi Savall.



      Das Cover dieser Marais-CD ist meiner Meinung nach einigermaßen daneben, aber das scheint beim Label cpo an der Firmenphilosophie zu liegen.

      Eine weitere, leider schon verstorbene Gambistin, sei hier noch genannt: Sophie Watillon. Schade, was hätten wir von Ihr noch alles erwarten dürfen, doch Krankheit entriss ihr im Jahr 2005 für immer die Gambe aus den Händen.




      Beide CDs finde ich sehr gelungen und absolut hörenswert.

      LG
      corda vuota
    • Liebe corda,

      Von dieser, leider verstorbenen Lady kenne ich noch nichts, aber man freut sich ja immer über Hörtips! ^^
      Ich werde mir mal einige Hörschnipsel zu Gemüte führen und dir dann bescheidgeben, wie es mir gefallen hat!

      Lg
      Juli
      "Eine Semmel enthält 140 Kalorien, 700 Semmeln pro Jahr ergeben 98000 Kalorien,
      diese benötigt man, um eigenhändig 1 Elefanten 9 Zentimeter weit zu tragen. Aber wozu?"
      (Loriot)