Phänomen "Fluch der Karibik": Ein Soundtrack wird zur Popkultur

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    • Phänomen "Fluch der Karibik": Ein Soundtrack wird zur Popkultur

      Als Regisseur Gore Verbinski 2003 mit dem Film "Fluch der Karibik" (im Original: "Pirates of the Caribbean: The Curse of the Black Pearl") dem Piratenfilm wieder kräftig Leben einhauchte, waren nicht wenige überrascht davon, wie erfolgreich das Freibeuterspektakel um Johnny Depp als skurriler Captain Jack Sparrow an der Kinokasse abschnitt: Weltweit spielte der Film weit über eine halbe Milliarde US-Dollar ein! Außergewöhnlich war auch, dass eine schauspielerische Leistung bei den Academy Awards beachtet wurde, was ja bei fantastischen Popcorn-Kinofilmen sehr selten passiert (in der Regel werden sie mit Nominierungen in den technischen Nebenkategorien abgespeist): Johnny Depp bekam eine Nominierung als "Bester Hauptdarsteller" - ging dann allerdings leer aus. Finanzieller Erfolg führt in der Filmbranche zwangsläufig zu Sequels und so folgten dem "Fluch der Karibik" weitere zwei Teile in den Jahren 2006 und 2007, die beide das Einspielergebnis des Originals noch deutlich übertrafen - beide spielten jeweils etwa 1 Milliarde US-Dollar ein.
      Neben dem Film an sich entwickelte sich allerdings auch die Musik zu einem erstaunlichen popkulturellen Phänomen.



      Ursprünglich sollte Alan Silvestri (bekannt vor allem durch seine Arbeiten an der "Zurück in die Zukunft"-Reihe und "Forrest Gump") die Musik schreiben, letztendlich übernahmen jedoch Hans Zimmer ("Rain Man", "Gladiator", "König der Löwen"), Klaus Badelt ("The Time Machine", "The Pledge", "Poseidon") und weitere Komponisten des Media Ventures-Teams den Auftrag. Herausgekommen ist ein in weiten Teilen sehr pompöser Abenteuerscore mit einer Reihe an eingängigen Melodien (insbesondere natürlich das Hauptthema), der von einigen Kritikern jedoch auch als ein weiteres, seelenloses, mit brachialen Synthesizerklängen verunstaltetes Machwerk aus der Media Ventures-Schmiede von Hans Zimmer angesehen wurde. Über die künstlerisch-kompositorische Qualität lässt sich natürlich trefflich streiten und einem Vergleich mit den großen Abenteuerfilmmusiken eines Erich Wolfgang Korngold ("Robin Hood", "The Sea Hawk" etc.) hält die Scheibe auch kaum stand. Die Begeisterung, mit der die Musik jedoch vom Publikum aufgenommen wurde, ist nicht zu leugnen. Innerhalb kürzester Zeit schaffte es insbesondere das Hauptthema, zu einem popkulturellen Phänomen zu werden - landauf, landab lief und läuft die Musik als aufpeitschende Stimmungskanone bei Sportveranstaltungen unterschiedlichster Art (u.a. bei Biathlon-Wettbewerben - sogar Olympia! - und in zahllosen Fußballstadien von der Bezirks- bis zur Bundesliga). In einer geremixten Version (u.a. von Szenegröße DJ Tiesto) schaffte sie es sogar in die Clubs und Discos. Orchestrale Filmmusik zum Abtanzen - wann hat es das das letzte Mal gegeben??? Besonderer Beliebtheit erfreute sich der kurze, aber knackige Track "He's a Pirate":

      "http://www.youtube.com/watch?v=dFBBKfw59kA&feature=related" (Original aus dem Film, der bekannte Techno-Remix ist aufgrund von rechtlichen Bestimmungen nicht auf YouTube verfügbar)

      Soweit eine kleine Einführung von meiner Seite. Kennt Ihr den Film / die Musik? Was haltet ihr davon? Seid Ihr die Musik schon mal bei öffentlichen Veranstaltungen begegnet?

      Karibische Grüße,

      DiO :beatnik:
      "Wer Europa in seiner komplizierten Verschränkung von Gemeinsamkeit und Eigenart verstehen will, tut gut daran, die Oper zu studieren." - Ralph Bollmann, Walküre in Detmold
    • Diabolus in Opera schrieb:

      Kennt Ihr den Film? Was haltet ihr davon?


      Ja. Jonny Depps tuntiges Gehabe ist schon cool. Sind einige tolle Stellen dabei, allen voran die, wo er im Hafen einläuft und sein Kahn keine Minute zu früh absäuft. Ansonsten finde ich dieses Gespenster-Piraten-Gedöns zu konstruiert und wenig prickelnd.

      Diabolus in Opera schrieb:

      Seid Ihr die Musik schon mal bei öffentlichen Veranstaltungen begegnet?


      Leider ja. Hat ja jedes zweite Schulorchester landauf, landab in den letzten Jahren gespielt.

      Diabolus in Opera schrieb:

      die Musik? Was haltet ihr davon?


      ein weiteres, seelenloses, mit brachialen Synthesizerklängen verunstaltetes Machwerk aus der Media Ventures-Schmiede von Hans Zimmer


      Dieses Zimmer/Badelt-Zeug ist doch seit Jahren immer wieder aus den gleichen Bausteinen zusammengezimmert. Da klingt eine Bootsfahrt mit dem desaströsen Atom-Uboot "K-19" auch nicht anders als mit einem wildromantischen Piratendreimaster!

      :wink:

      p.s.: Badelt: K-19 http://www.youtube.com/watch?v=zhTHS7sjTls
      Ins Gebüsch verliert sich sein Pfad, hinter ihm schlagen die Sträuche zusammen.
    • ThomasBernhard schrieb:



      Dieses Zimmer/Badelt-Zeug ist doch seit Jahren immer wieder aus den gleichen Bausteinen zusammengezimmert. Da klingt eine Bootsfahrt mit dem desaströsen Atom-Uboot "K-19" auch nicht anders als mit einem wildromantischen Piratendreimaster!

      :wink:

      p.s.: Badelt: K-19 youtube.com/watch?v=zhTHS7sjTls


      Lieber TB,

      dieser Aussage kann ich nur teilweise zustimmen. Badelt lasse ich mal außen vor, denn von ihm kenne ich eigentlich zu wenig, um mir wirklich ein eingehendes Urteil zu bilden. "The Time Machine" und "The Pledge" (zusammen mit Zimmer) fand ich aber beide ziemlich gut - und auch sehr unterschiedlich, "The Time Machine" süffig, "The Pledge" sehr introvertiert und minimalistisch. Bei Zimmer ist es in letzter Zeit zur Mode geworden, ihm kopistische Fließbandproduktion vorzuwerfen. Diese Kritik entbehrt nicht einer gewissen Portion Wahrheit: Einige seiner - und auch anderer mit Media Ventures assoziierten Komponisten wie Badelt, Powell, Gregson-Williams, Jablonsky etc. - Werke gleichen einander in Aufbau und Instrumentation z.T. erheblich. Zudem nehmen es ihm einige krumm, dass er nicht selten mit Synthesizern arbeitet und seine Musiken nicht puristisch mit einem "echten" Orchester einspielt. Schaut man sich das Oeuvre von Zimmer aber einmal genauer an, so findet man durchaus Musiken ganz unterschiedlicher Art, wie z.B. zu Terrance Malicks philosophischem Kriegsdrama "The Thin Red Line" (meiner persönlichen Meinung nach eine der besten Filmmusiken aller Zeiten zu einem der besten Filme aller Zeiten!), Sean Penns "The Pledge", James L. Brooks "As good as it gets" oder dem epischen Zeichentrick-Film "The Prince of Egypt". Seinen Stil muss man deswegen aber nicht mögen. Ich will aber an dieser Stelle auch nicht zu ausführlich werden, irgendwann werden wir einen Hans Zimmer-Thread haben, da gehört das dann hin! ;+)

      Beste Grüße, DiO :beatnik:
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    • Lieber DiO

      Ich kenne viele der genannten Filme nicht, vermutlich ist The Thin Red Line wirklich sehenswert, aber musikalisch denke ich oft, ich sitze im falschen Film.

      Hier Zimmer: Crimson Tide (U-Boot-Schinken mit Gene Hackman). hört euch mal diese Sülze ab 1:00 an

      http://www.youtube.com/watch?v=NeoIHxSaEaU&feature=related

      Ich benenne dieses Thema mal nach dem "ähnlichen" Motiv Wagners (ist eh von ihm geklaut) : "Wer meines Speeres Spitze fürchtet, durchschreite das Feuer nie"
      (Diesem Thema schliesst sich dann dieses typische, synkopierte Muster an, das dann zum karibischen Ohrwurm wurde.)

      Aber bleiben wir bei den U-Boot-filmen: Badelts K-19-Musik - was hört man hier ab 1:12 ? Genau... Wer meines Speeres Spitze...! Zwei Filme, zwei Komponisten und doch die identische Sülze.

      http://www.youtube.com/watch?v=zhTHS7sjTls

      Und dann diese Erfindung Zimmers mit dieser alt-Stimme, die eine Vokalise mit arabischen Einschlag singt. Einmal erfunden (spätestens für Gladiator), seitdem hört man dieses Gejaule überall, beispielsweise in black hawk down. ist aber in vielen vielen anderen Filmen zu hören. Schon zum Standard-topos geworden...

      Nee, nee, hör uff!
      Ins Gebüsch verliert sich sein Pfad, hinter ihm schlagen die Sträuche zusammen.
    • Lieber TB,

      da hast Du in der Tat ein frappierendes Beispiel an Land gezogen! :D Der erste Clip stellt die Musik aber auch etwas bloß, indem da sehr fragwürdige Bilder drüber/druntergelegt wurden ... ;+) Das muss man ja schon fast schlecht finden ... auch wenn ein YouTube-Kommentator die "Gefällt mir nicht"-Menschen am liebsten nach Sibirien wünscht! ;( Jetzt aber wieder im Ernst: Die beiden Stücke sind im Grunde genommen identisch, und genau das macht mich etwas skeptisch. Ist das wirklich offizieller Bestandteil des "K-19"-OST? Ich kenne den Film leider nicht. Was die Musik an sich angeht, so meine ich mal gelesen zu haben, dass Zimmer in der Musik zu "Crimson Tide" irgendein Volkslied verarbeitet hat, ich bin mir gerade bloß nicht mehr sicher, ob es ein amerikanisches oder russisches gewesen sein soll. Ansonsten könnte man apologetisch auch noch einwenden, dass hier ein inter-filmisches Leitmotiv für U-Boote geschaffen wurde! :D Das wäre große Kunst! 8+)

      Beste Grüße, DiO :beatnik:
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    • ThomasBernhard schrieb:



      Und Vivaldi hat hunderte Konzerte geschrieben... :hide:


      Ja, leider gab es auch damals schon geschäftsträchtige Fließbandkomponisten ... vermutlich ist Zimmer ein entfernter Nachkomme Vivaldis! Vielleicht ist das einfach eine neue Wassermusik? :whistling:

      DiO :beatnik:
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    • Zu "Pirates of the Caribbean"

      ThomasBernhard schrieb:

      Leider ja. Hat ja jedes zweite Schulorchester landauf, landab in den letzten Jahren gespielt.
      Ja, ich bin auch schon genervt :yes: - meine Tochter musste es für das Akkordeonorchester einüben und bei diversen Konzerten wird's immer gern genommen - wenn nicht schon im Programm, dann zumindest als Zugabe. Ich plädiere für eine Zwangspause für dieses Stück!!! :D

      :wink:
      Renate
      Unsre Freuden, unsre Leiden, alles eines Irrlichts Spiel... (Wilhelm Müller)
    • amelia grimaldi schrieb:

      Zu "Pirates of the Caribbean"

      ThomasBernhard schrieb:

      Leider ja. Hat ja jedes zweite Schulorchester landauf, landab in den letzten Jahren gespielt.
      Ja, ich bin auch schon genervt :yes: - meine Tochter musste es für das Akkordeonorchester einüben und bei diversen Konzerten wird's immer gern genommen - wenn nicht schon im Programm, dann zumindest als Zugabe. Ich plädiere für eine Zwangspause für dieses Stück!!! :D

      :wink:
      Renate


      Liebe Renate,

      es tut mir natürlich leid, dass Du anscheinend unter klangliches Piraten-Dauerfeuer geraten bist! :D Immerhin wird damit aber meine Eingangsthese bestätigt ... ;+) Was mich interessieren würde: Ist Deine Tochter auch angenervt oder spielt die das gerne?

      Beste Grüße, DiO :beatnik:
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    • Diabolus in Opera schrieb:



      ... Schaut man sich das Oeuvre von Zimmer aber einmal genauer an, so findet man durchaus Musiken ganz unterschiedlicher Art, wie z.B. zu Terrance Malicks philosophischem Kriegsdrama "The Thin Red Line" (meiner persönlichen Meinung nach eine der besten Filmmusiken aller Zeiten zu einem der besten Filme aller Zeiten!), Sean Penns "The Pledge", James L. Brooks "As good as it gets" oder dem epischen Zeichentrick-Film "The Prince of Egypt". Seinen Stil muss man deswegen aber nicht mögen. Ich will aber an dieser Stelle auch nicht zu ausführlich werden, irgendwann werden wir einen Hans Zimmer-Thread haben, da gehört das dann hin! ;+)

      Beste Grüße, DiO :beatnik:



      Allerdings, DIESEN Score liebe ich auch ganz besonders. Auch hier hat Zimmer auf einen "Sound" aus der spätromatischen Vergangenheit zitiert: Wenn auch nicht Note für Note - das Hauptthema (für Kenner insbesondere im Track "Journey to the Line" herausgearbeitet) erinnert schon ein wenig an das Orchesterglühen im Lohengrin-Vorspiel... Aber das finde ich absolut legitim, schliesslich ist es keine Kopie, sondern allerhöchstens eine Anlehnung an die Musik des Meisters des Musikdramas höchstpersönlich (will hier nicht sagen quasi Mitbegründers der Filmmusik, denn Filme gab es zu seiner Zeit noch nicht in dem Masse): Richard Wagner.

      Schonmal aufgrund seiner Bedeutung für die Filmmusik der Mitte 1990 er (Backdraft) bis aktuell brauchen wir hier in der Tat einen Zimmer-Thread...
      ... alle Menschen werden Brüder.
      ... We need 2 come 2gether, come 2gether as one.
    • Hallo Leute,
      ich hatte in Orchestern als Oboist schon zweimal das Vergnügen (und das ist diesmal nicht ironisch gemeint!). Einmal bei einem Neujahrskonzert in einem Ballorchster, einmal als Aushilfe im Schulorchester am Gymnasium, wo ich sonst unterrichte. Es kursieren alleine für Orchester mehrere Versionen. So war die Ausgabe im Schulorchester stark vereinfacht (v.a. im Hinblick auf die Tonarten) und -obwohl vom gleichen Arrangeur gesetzt- auch aus Sicht der mitspielenden Schüler schlecht. Im Ballorchester dagegen steppte bei der "Black Pearl" der Bär. Als jemand, der neben z.B. Mahlers Kindertotenliedern und Mozartmessen auch eben Unterhaltungsmusik spielt, muss ich sagen, dass dieser Soundtrack die Wirkung beim Publikum nicht verfehlt. Sogar nach der miesen Bearbeitung im Schulkonzert war die Atmosphäre bestens.
      Fazit: Gehobene Unterhaltungsmusik, die diesen Zweck m.E. nach auch bestens erfüllt. Nicht mehr und nicht weniger!


      Gruß,
      Scherchen
      "Music is the voice of the all - the divine melody - the cosmic rhythm - the universal harmony." aus Music for all of us (Stokowski, 1943)
    • Diabolus in Opera schrieb:

      Was mich interessieren würde: Ist Deine Tochter auch angenervt oder spielt die das gerne?
      Lieber DiO!

      Ich hab mich noch einmal bei ihr erkundigt: Sie fand das gut und dem Publikum hats auch immer Spaß gemacht (wenngleich man sagen muss, dass das Publikum zu 85% aus Verwandten und Bekannten besteht, die meist grundsätzlich begeistert sind, wenn der Nachwuchs musiziert :hide: ).

      Vom Üben (bzw. dem Anhören dabei) gequält zu sein ist eine Sache. Letztlich schließe ich mich aber Scherchens Fazit an, dass diese Musik ihren Zweck erfüllt. Auf youtube findet man eine Menge an Arrangements für Akkordeon- und andere Orchester (übrigens auch vom Orchester meiner Tochter gespielt).

      Ich käme nur kaum auf die Idee, mir das auf CD anzuhören.

      Liebe Grüße
      :wink:
      Renate
      Unsre Freuden, unsre Leiden, alles eines Irrlichts Spiel... (Wilhelm Müller)
    • Für den kommenden Hans Zimmer-Thread kann ich mich schon mal vorläufig verantwortlich zeichnen - wann ich allerdings dazu komme, kann ich noch nicht sagen. Der Track "Journey to the Line" ist zusammen mit "The Lagoon" wohl auch mein Lieblingstrack aus Zimmers Score für "Der schmale Grat" (so der deutsche Titel von "The Thin Red Line").

      Aber zurück zum "Fluch der Karibik": Auch wenn ich das Album nicht als großen Wurf sehe und es mir insgesamt zu wenig Feinheiten und Abwechslung bietet, so kann ich bestimmten Teilen, vor allem eben auch dem Track "He's a Pirate" nicht eine gewisse Sogwirkung absprechen, die sich gerade als "Einpeitscher" und "Aufputscher" sehr gut eignet - da summt man gerne mit! Bei zu häufigem Genuss kann sich aber natürlich schnell ein Gefühl der Sättigung einstellen - jeden Tag könnte ich das auch nicht hören. :D

      Noch ein paar Worte zum Score für den zweiten Teil seien erlaubt. Während für den ersten Teil ja offiziell Klaus Badelt als Komponist geführt wird (während in der Tat wohl ein halbes Dutzend Personen beteiligt waren), steht Hans Zimmer für den zweiten Teil gerade, "Dead Man's Chest".



      Mein Hörerlebnis für diesen Soundtrack gestaltete sich etwas anders als beim ersten Teil. Während ich No.1 eigentlich immer durchliefen ließ, auch wenn es zwischendrin immer mal wieder Leerlauf gibt, so konsumiere ich No. 2 meistens nur fragmentiert. Die ersten drei Tracks "Jack Sparrow", "The Kraken" und "Davy Jones" sind ein toller Einstieg in die CD, mit dem Rest konnte ich bis auf das Klein-Od "Two Hornpipes" (Track Nr. 7) nicht mehr viel anfangen und oft skippe ich nach den ersten drei Titeln zu Titel Nr. 7 und beende dann den Hördurchgang. Mit "Jack Sparrow" bekommt die Hauptfigur endlich ihr eigenes Thema und der feucht-fröhlich-skurrile Charakter der Figur kommt darin sehr passend zum Ausdruck: In der schlichten, aufsteigenden Melodie, deren gebrochene Akkorde in 3er-Gruppen immer wieder durch Pausen unterbrochen werden, und die am Ende doch wieder einen kleinen Rückzieher auf der Tonleiter macht, lässt sich ein schönes musikalisches Äquivalent zum nach vorne tapsenden und endlich wieder zurückschwankenden Jack Sparrow erkennen. "The Kraken" erinnerte mich in seinem Rhythmus und seinen Klangfarben unweigerlich an ein für Orchester umgeschriebenes Heavy Metal-Stück, frühes Metallica vielleicht. Ein sehr eigenartiges, durchaus repetitives, aber irgendwie auch faszinierendes Stück. "Davy Jones" wiederum fällt vor allem durch seine Verwendung der Spieluhr und der Orgel auf, während der grundsätzlich sehr düstere Score durch das schwungvoll-irisch-volksliedhafte "Two Hornpipes" etwas aufgelockert wird. Wie gesagt, Teile des Scores von "Pirates of the Caribbean: Dead Man's Chest" mag ich recht gerne, die ganze CD läuft bei mir allerdings sehr selten durch.

      DiO :beatnik:
      "Wer Europa in seiner komplizierten Verschränkung von Gemeinsamkeit und Eigenart verstehen will, tut gut daran, die Oper zu studieren." - Ralph Bollmann, Walküre in Detmold
    • ThomasBernhard schrieb:

      Diabolus in Opera schrieb:

      Kennt Ihr den Film? Was haltet ihr davon?


      Ja. Jonny Depps tuntiges Gehabe ist schon cool. Sind einige tolle Stellen dabei, allen voran die, wo er im Hafen einläuft und sein Kahn keine Minute zu früh absäuft.


      Ja, dieser Captain Jack Sparrow ist entzückend. :thumbup:

      Ich habe mir die Piraten-Trilogie kürzlich auf Blu-ray zugelegt. Tolle Filme, gigantische Bildqualität und toller Sound. Ich liebe diese Filme. Die sind so herrlich schräg und phantasievoll, wie Kinderfilme für Erwachsene.

      Zum Soundtrack kann ich nix sagen, Filmmusik interessiert mich generell nicht...

      Gruß, Cosima

      P.S.: Der vierte Teil mit dem Titel ON STRANGER TIDES wird derzeit gedreht. Angesetzter Kinostart ist der 20. Juni 2011.
    • Cosima schrieb:



      ... Filmmusik interessiert mich generell nicht ...

      Gruß, Cosima



      Das ist ein legitimer Standpunkt.



      Dennoch tut er sicherlich nicht nur mir ein wenig weh, deshalb:



      Missionsmodus ein:



      Viele zeitgenössische orchestrale Werke sind entweder Filmmusik oder aber basieren zumindest auf filmmusikalische Intentionen.

      Will sagen: Stellt man sich die "Musik" als Kugel vor und liesse beim Bau derselben die Filmmusik fort, nun beim Rollen würde diese unvollständige Kugel kläglich holpern.



      Missionsmodus aus.
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    • Also wenn ich mich recht erinnere, hat Zimmer ja praktisch nicht am ersten Teil mit gearbeitet sondern Badelt mit diesem wie es schien nicht sonderlich erfolgsversprechendem Werk betraut.

      Badelt hatte auch kein großes Orchester zur Verfügung sondern nur eine handvoll - dafür reale - Musiker zur Hand. Der Sound, der rauskam war dann zu dünn und deshalb hat man aus purer Not das ganze mit Synthesizer aufgepeppt.

      Erst beim zweiten Teil war dann Zimmer am werken und in meinen Ohren hört man das auch. Der erste Teil klang noch frischer unbedarfter und irgendwie leichter und mitreißender. Der zweite und dritte Teil war dann eher witzlos.

      Im übrigen finde ich es immer drollig wenn hier Filmmusiken gegen die großen Komponisten der Vergangenheit ausgespielt werden. Filmmusik soll das Visuelle unterstreichen und verstärken und das erfolgt halt je nach Film anders. Philip Glass hätte kaum für Fluch der Karibik was vernüftiges zusammengebracht, ebenso wie Hans Zimmer wohl für Koyaanisqati ungeeignet gewesen wäre. Und wer in einem Film wie Fluch der Karibik anfängt sich über nicht vorhandene Synkopen zu ärgern, ist für solche Art Film ohnehin ungeeignet und dürfte sich auch darüber beschweren wenn der Küchenmixer mehr als 400 hz über dem Kammerton mixt.
      Wenn ich F10 auf meinem Computer drücke, schweigt er. Wie passend...
    • Werter Harnoncourt-Fan,

      wer jetzt beim ersten Teil was gemacht hat, darüber lassen sich im Internet unterschiedliche Aussagen finden. Badelt scheint zwar den Hauptteil der Komposition zu verantworten, aber es dürfte auch nicht abwegig sein zu vermuten, dass gerade unter Zeitdruck (wie er ja anscheinend auch bei "Fluch der Karibik" wieder zustande kam, nachdem Silvestri als ursprünglich angedachter Komponist wegfiel) auch andere Media Ventures-Komponisten beteiligt waren und vielleicht etwas "Füllmaterial" beisteuerten.

      Das Aufpeppen mit Synthesizern war auf jeden Fall kein Novum bei "Fluch der Karibik", es war schon bei "Gladiator" (2000, Zimmer) und "Hannibal" (2001, Zimmer) zu beobachten. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass der ursprüngliche Sound für einige Szenen zu dünn gewesen ist, immerhin ging es hier ja um eine groß angelegte Piraten-Materialschlacht. Mich würde aber interessieren, ob das tatsächlich aus Not geschah, oder ob es vielleicht doch eher schon geplant war: Kleines Orchester kostet weniger Geld und man peppt es dann halt mit dem Computer noch ein wenig auf.

      Ich stimme Dir darin zu, dass die Musik zum ersten Teil noch unbedarfter und pfiffiger war, der Score zu "Dead Man's Chest" dagegen recht düster. Wie ich aber weiter oben schon schrieb, hat auch der zweite Score - diesmal von Zimmer - seine Reize. Zum dritten Teil kann ich (noch) nichts sagen, da kenne ich weder den Film noch die Musik.

      Ebenfalls zustimmen kann ich Deiner Bemerkung zur Diskussion von Filmmusik im Allgemeinen. Man darf hier nicht Äpfel mit Birnen vergleichen - gleiches gilt übrigens für das Thema Video- und Computerspielmusik. Zumal es eigentlich in dieser Diskussion auch angebracht wäre, die Musik nicht völlig außerhalb des Kontextes zu besprechen, sondern eben auch dem Zusammenwirken mit dem Bild Aufmerksamkeit zu schenken. Ich habe wir sowieso schon seit einigen Wochen Gedanken darüber gemacht noch einmal einen allgemeinen Thread in die Richtung "Was kann Filmmusik? / Was ist der Zweck von Filmmusik? / Wie sollte Filmmusik diskutiert werden?" aufzumachen. Ich bin mir allerdings noch nicht ganz sicher, ob dafür ein neuer Faden angemessen ist oder ob sich diese Problematik / Fragestellung in die von Aquarius einst initiierten Themen "Filmmusik als Programmsymphonik von heute" und "Filmmusik als symphonische Auftragskomposition von heute" einbinden lässt.

      DiO :beatnik:
      "Wer Europa in seiner komplizierten Verschränkung von Gemeinsamkeit und Eigenart verstehen will, tut gut daran, die Oper zu studieren." - Ralph Bollmann, Walküre in Detmold
    • Am 12. Februar 2011 findet um 20 Uhr in der Münchner Philharmonie (Gasteig) das Konzert "Fluch der Karibik: Disney Live in Concert" statt. Die Münchner Symphoniker unter der Leitung von Helmut Imig spielen den kompletten Filmscore von Klaus Badelt und Hans Zimmer zu Gore Verbinskis "Fluch der Karibik". Der Film wird parallel auf einer Großleinwand projiziert - sicherlich ein fantastisches Ereignis! Die Karten sind - wie leider so oft bei Filmmusik-Konzerten - recht teuer, zwischen 40 und 80 Euro das Stück. Bestellen kann man beispielsweise hier.

      DiO :beatnik:
      "Wer Europa in seiner komplizierten Verschränkung von Gemeinsamkeit und Eigenart verstehen will, tut gut daran, die Oper zu studieren." - Ralph Bollmann, Walküre in Detmold
    • Das schöne Fluch-der-Karibik-Thema (ta ta tata ta ta tata ta ta tata ta) leitet in der Heimspielen meiner Handballmannschaft Bergischer HC jeden Siebenmeter ein. Das wirkt richtig gut und spannend.

      Uwe
      Wenn alle ein klein wenig verrückter wären, dann wäre die Welt nicht so durchgedreht.