Hindemith: Cardillac, WSO 17.10.2010

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    • Hindemith: Cardillac, WSO 17.10.2010

      Soeben bin ich von der musikalisch und szenisch großartigen „Cardillac“
      Premiere der Wiener Staatsoper heimgekommen. Hier die Schilderung meiner
      Eindrücke:


      Die musikalische Formensprache von Hindemith wurde durch den Dirigenten
      Franz Welser-Möst und die Wiener Philharmoniker grandios erarbeitet. Fast alle
      Sänger boten hervorragende gesangliche und schauspielerische Leistungen.
      Besonders hervorheben möchte ich den Sänger des Goldhändlers, Tomasz Konieczny,
      der wäre, im Gegensatz zu Juha Uusitalo auch ein hervorragender Cardillac
      gewesen, denn Uusitalo war leider die Schwachstelle des Abends, am Ende ging er
      wieder, wie schon so oft, stimmlich ein und darstellerisch blieb er viel von
      der Dämonie der Figur schuldig. Alexander Moisuc als Führer der Prevo fiel
      stimmlich ebenfalls ab. Die anderen Protagnonisten: Juliane Banse als
      Cardillacs Tochter, Herbert Lippert als ihr geliebert Offizier, Matthias Klink,
      der Kavalier und Ildiko Raimondi, die Dame, spielten und sangen, wie schon
      gesagt, hervorragend.


      Die Regie von Sven-Eric Bechtolf war genau auf die Musik hin „komponiert“,
      mit viel stilisierter Bewegung und Pantomine wurden die Spannungsverhältnisse
      zwischen Künstler und Werk,zwischen äußerer Gesellschaft und innerer,
      einsamer Persönlichkeit thematisiert.


      Das Bühnenbild von Rolf Glitterberg ist im ersten Bild eine mit
      schwarzen Häuser mit weißen Fenstern bestückte Gasse in Paris, im zweiten Bild
      ein mit einem roten Samtvorhang versehenes Boudoir, bei dieser Szene wird auf
      effektvoll mit einer weißen Leinwand und mit Schattenspielen gearbeitet. Die
      Stube Cardillacs wird beherrscht von einem riesigen, goldenen Eingangsportal
      und der Schluss spielt wieder in der Pariser Gasse vom Beginn der Oper.


      Die Kostüme von Marianne Glittenberg waren fast alle einheitlich
      schwarz.


      Alles in allem eine empfehlenswerte Aufführung.

      Lg.Erni
      Wir leben alle unter demselben Himmel, aber wir haben nicht alle denselben Horizont.
    • Hallo Renate!

      Das Ö1 die Oper sendet, finde ich ja gut, aber diese Inszenierung muss man auch gesehen haben. Musik und Inszenierung ist hier eine so seltene Einheit, dass es mir schwer fällt, das Eine ohne das Andere zu erleben. Also, hingehen, anschauen und anhören. Es lohnt sich wirklich! Das Werk ist spannend, musikalisch interessant und die Inszenierung dazu passend, wie es eben nicht oft der Fall ist.

      Lg. Erni
      Wir leben alle unter demselben Himmel, aber wir haben nicht alle denselben Horizont.