Die Met im Kino - Saison 2010/2011

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    • Die Met im Kino - Saison 2010/2011

      Liebe Capricciosi!

      Nachdem nun unser Kinocenter im Nachbardorf ebenfalls die Met-Übertragungen ins Programm genommen hat, kommen auch wir Provinzler ohne großen Aufwand in den Genuss, diverse Aufführungen aus New York zu sehen.

      Ich werde die meisten Übertragungen sehen und davon berichten. Für jede Oper einen eigenen Thread zu erstellen, erscheint mir nicht sinnvoll, daher habe ich diesen Sammelthread eingerichtet, wo natürlich jeder dann von seinen Eindrücken berichten kann.


      Im Laufe des Tages werde ich einen Beitrag zum gestrigen "Boris Godunow" schreiben und hoffe, dass hier auch einige diese Übertragung gesehen haben und ihren "Senf" dazugeben!

      Liebe Grüße
      :wink:
      Renate
      Unsre Freuden, unsre Leiden, alles eines Irrlichts Spiel... (Wilhelm Müller)
    • In dieser Saison hat eines der beiden Kinos hier in der Stadt auch die Met-Übertragungen ins Programm genommen. Ich war eigentlich fest entschlossen, mir einige der Aufführungen anzusehen, es sind ein paar meiner Lieblingsopern dabei und die Besetzungen klingen wirklich viel versprechend. Dann habe ich aber den Preis gesehen und von der Idee ganz schnell wieder Abstand genommen! Wen will man mit dieser Preispolitik ansprechen? Menschen, die sonst nicht unbedingt in die Oper gehen, werden ganz sicher abgeschreckt sein, die wirklichen Opernfans kaufen sich vielleicht von dem Geld lieber ein paar DVDs oder Karten für eine Liveaufführung!
      Ich liebe Wagners Musik mehr als irgendeine andre. Sie ist so laut, daß man sich die ganze Zeit unterhalten kann, ohne daß andre Menschen hören, was man sagt. - Oscar Wilde
    • Cherubino schrieb:

      Dann habe ich aber den Preis gesehen und von der Idee ganz schnell wieder Abstand genommen! Wen will man mit dieser Preispolitik ansprechen? Menschen, die sonst nicht unbedingt in die Oper gehen, werden ganz sicher abgeschreckt sein, die wirklichen Opernfans kaufen sich vielleicht von dem Geld lieber ein paar DVDs oder Karten für eine Liveaufführung!
      Lieber Lars,


      das würde ich jetzt aber durchaus nicht so sehen. Ich gehe regelmäßig in die Met-Übertragungen der Opern, die mich interessieren. Der Preis von 29 Euro ist sicher kein Pappenstiel, aber was bekomme ich in München in der Staatsoper dafür für einen Platz? Natürlich wäre das dann wirklich live jedoch ziehen mich die derzeitigen Inszenierungen der Bayerischen Staatsoper nicht vom Sessel, weiß Gott nicht. Aber das ist natürlich Geschmackssache und ich mag es lieber traditionell. Außerdem genieße ich u.a. auch die Nahaufnahmen der Übertragungen.

      Liebe Grüße aus München

      Kristin :wink: :wink:
      Vom Ernst des Lebens halb verschont ist der schon der in München wohnt (Eugen Roth)
    • Bei uns war der Preis in der letzten Saison noch 18 Euro, gestern habe ich 23 bezahlt, in Deutschland scheint es teurer zu sein?
      Aber ich bin da mit Kristin einer Meinung, an welchem Haus mit Weltstars bekommt man eine Karte für 29 Euro???? In Paris habe ich für einen eher schlechten Platz dreimal soviel bezahlt in München auf dem Hochsitz mit Schwindelfreiheit über 50!
      Und wenn man eben nicht in Wien oder München wohnt, sich keine teuren Reisen erlauben kann, aber trotzdem schône Stimmen aus der obersten Liga hören UND sehen möchte, ist das Opernkino eine sehr feine Sache. Die Riesenleinwand und die Möglichkeit die Sänger wirklich in Nahaufnahme zu erleben, ist einzigartig. Ich fidne die MET inszenierungen zwar oft jenseits von Gut und Böse, aber immerhin wird als trostpflasterauch in den staubigsten Szenerein mein Verlangen nach schônen Kostümen meistens gestillt. Und man kann ja auswählen! Otto Schenk und zefirelli muss ich mir nicht allzu oft geben, aber Lepage war mit der Damnation de Faust Spitzenklasse und Mary Zymermanns Sonnambula fand ich auch super!
      Was mich am MET Kino wirklich nervt, sind die bonbonrosa Moderation und die Zwischenkommentare/Interviews. Da gibt es nur stereotype vorprogrammierte: Great! Marvellous! Wonderfull!" und die moderierenden Ladies könnten allesamt der Barbiereklame für angejahtre Sängerinnen entsprungen sein. Das ist einfach toooooo american, um noch ertrâglich zu sein. Aber sei's drum. Ohne Met Kino hâtte ich etliche Sänger niemals gesehen und eine DVD ist kein Ersatz (jedenfalls nciht, wenn man sie wie ich auf dem Computer anschauen muss.

      Der Boris Godunow gestern war jedenfalls wieder eine echte Neuerfahrung und Offenbarung für mich und das Werk als Solches hat mich so gefesselt, dass mir das opulente Ausstattungstheater total egal war.(Schône Kostüme!!!! 8+) )
      Allein für den Mönch( M. Petrenko, was für iene geniale Bassstimme!) und den Gottesnarren hätten sich die 23 Euro gelohnt- von René Pape, dem Star des Abends will ich gar nicht erst reden! :juhu: :juhu: :juhu:

      :fee:
      Jede Krankheit ist ein musikalisches Problem und die Heilung eine musikalische Auflösung (Novalis)
    • FairyQueen schrieb:

      Da gibt es nur stereotype vorprogrammierte: Great! Marvellous! Wonderfull!" und die moderierenden Ladies könnten allesamt der Barbiereklame für angejahtre Sängerinnen entsprungen sein. Das ist einfach toooooo american, um noch ertrâglich zu sein. Aber sei's drum. Ohne Met Kino hâtte ich etliche Sänger niemals gesehen und eine DVD ist kein Ersatz
      Liebe Fairy,

      dem kann ich mich nur anschließen, speziell das Wort "Barbiereklame" trifft es auf den Punkt und es ist wirklich manchmal unerträglich (besonders für mich Renee Fleming).
      Nach Deinen kurzen Worten tut es mir jetzt doch leid, nicht auch in den "Boris" gegangen zu sein, aber es ist zu spät. Ich freue mich schon wahnsinnig auf "Don Carlo", vor allem wegen Simon Keenlyside als Rodrigo.


      Liebe Grüße

      Kristin :wink: :wink:
      Vom Ernst des Lebens halb verschont ist der schon der in München wohnt (Eugen Roth)
    • Charlotte von Lengefeld schrieb:

      Da werde ich doch im November auch mal reinschnuppern und mir den Don Carlo anschauen
      Liebe Lotte,

      der "Don Carlo" wird am 11.12. übertragen, hoffentlich kriegst Du noch Karten. Bei uns war am 1. Mai (Beginn des Vorverkaufs) der Teufel los und ein Großteil der Karten für alle Übertragungen waren am selben Tag verkauft.


      Liebe Grüße aus München

      Kristin :wink: :wink:
      Vom Ernst des Lebens halb verschont ist der schon der in München wohnt (Eugen Roth)
    • Liebe Kristin!

      Aber da schau ich aber, gerade Renee Fleming hat doch so was von Schönheit, dass sie in jedem Gruselkabinett als Madame Pompadour auftreten könnte.

      Wenn sie lächelt schmilzt mein Verstand, und der ist nicht gerade weit hergeholt, und wenn sie singt biegen sich mir die Nackenhaare, speziell im deutschen Fach, wie Marschallin oder Arabella, warum singt die nicht die Salome, die könnte doch den Tanz mit den 7 Schleiern resolut bewältigen, die zieht sich doch so gerne wieder an [Dior - ein kleiner Schwarzer oder großer Brauner - nein das ist ja was anderes] und Jochanaan würde expolodieren vor lauter Schönheit.

      Liebe Grüße sendet Dir Dein, nicht ganz ernst zu nehmender, Peter aus Wien. :wink: :wink:
    • Lieber Peter,

      meine unvermeidliche Antwort auf Deinen Beitrag ist zu lesen im Thread "Wunschbesetzungen" denn als disziplinierte Capricciosa bin ich der Meinung, daß sie hier zu weit gehen würde. :hide: :hide:


      Liebe Grüße

      Kristin :wink: :wink:
      Vom Ernst des Lebens halb verschont ist der schon der in München wohnt (Eugen Roth)
    • Bitte an die Moderatoren!

      Die beiden letzten Schreiben,

      speziell von den von mir zu den "Wunschbesetzungen - wenn es die gebe" zu geben

      DANKE! Habe mich da etwas verirrt, wie Hänsel und Gretel in Doppelfunktion!

      Liebe Grüße sendet Euch Euer Peter aus Wien. :wink: :wink:
    • Hallo zusammen,

      falls es interessiert: Die Met bietet auch eine sehr umfangreiche Sammlung aktueller und alter Aufzeichnungen zum Streamen an. Auch die Live-Übertragungen aus den Kinos scheinen da mit einiger Verzögerung verfügbar zu sein. Es gibt einen Free Trial für 7 Tage, verschiedene Abos und eine einzelne Aufführungen kostet 3,99$ oder 4,99$ (HD), ist also deutlich billiger als die Kino Karte. Wenn man zu Hause entsprechend gut verdrahtet ist und eventuell einen PC hat, der an die Stereo-Anlage angeschlossen ist, könnte das interessanter sein, als die Kino-Aufführung. Ich hab's bisher aber noch nicht ausprobiert. Die Lucia live in NY hat immer noch Nachwirkungen ;+)
      Aber irgendwann werde ich den Free Trial wohl mal nutzen.

      Mehr findet man hier: http://www.metoperafamily.org/met_player/index.aspx

      Die Met, die ja hauptsächlich von Sponsoren abhängen, experimentiert offenbar sehr stark mit separaten Vermarktungsmodellen.

      Viele Grüße,

      Melanie
      With music I know happiness (Kurtág)
    • mela schrieb:

      Hallo zusammen,

      falls es interessiert: Die Met bietet auch eine sehr umfangreiche Sammlung aktueller und alter Aufzeichnungen zum Streamen an. Auch die Live-Übertragungen aus den Kinos scheinen da mit einiger Verzögerung verfügbar zu sein. Es gibt einen Free Trial für 7 Tage, verschiedene Abos und eine einzelne Aufführungen kostet 3,99$ oder 4,99$ (HD), ist also deutlich billiger als die Kino Karte. Wenn man zu Hause entsprechend gut verdrahtet ist und eventuell einen PC hat, der an die Stereo-Anlage angeschlossen ist, könnte das interessanter sein, als die Kino-Aufführung. Ich hab's bisher aber noch nicht ausprobiert. Die Lucia live in NY hat immer noch Nachwirkungen ;+)
      Aber irgendwann werde ich den Free Trial wohl mal nutzen.

      Mehr findet man hier: metoperafamily.org/met_player/index.aspx

      Die Met, die ja hauptsächlich von Sponsoren abhängen, experimentiert offenbar sehr stark mit separaten Vermarktungsmodellen.

      Viele Grüße,

      Melanie


      Ui, da muss ich mal gucken. Wenn das Lepage-"Rheingold" da verfügbar sein sollte, dann heißt es :prost: Aber vermutlich wird das noch dauern, die Übertragung war ja erst am 9. Oktober ... :(

      DiO :beatnik:
    • Die Preise für die Vorstellungen scheinen je nach Land/Kino zu variieren. Bei uns kostet eine Karte für eine einzelne Vorstellung 26€. Das ist nun nicht gerade billig. Für eine Opernkarte in Linz bezahle ich ungefähr so viel, ein Konzert im Brucknerhaus ist meist etwas teurer.

      Dennoch finde ich, dass sich die Investition bis jetzt gelohnt hat. Ich habe jetzt zwei Vorstellungen ("Rheingold" und den "Boris") gesehen und was mir da vor allem an Sängern geboten wurde, war jeden Euro wert!
      Sicher kann man auch zu Hause eine DVD ansehen, aber mit der großen Leinwand lässt sich das nicht vergleichen.



      Gestern also war ich in der Vorstellung von "Boris Godunow".

      Unser Kino hat beim "Rheingold" noch mit technischen Problemen gekämpft, diesmal funktionierte aber alles perfekt.

      Ich habe den Boris noch nie auf Bühne oder DVD gesehen und kannte nur die Musik. Dass die Met für opulenteste Ausstattung und prächtigste Kostüme steht, berühmt ist und geschätzt wird, wusste ich - auch dass man nicht unbedingt bahnbrechende Regiekonzepte erwarten kann.

      Was sich hier aber auf der Bühne an Pomp und Prunk abgespielt hat, war schon staunenswert. Sänger und riesiger Chor waren mit farbenprächtigen Kostümen ausgestattet, das Bühnenbild gab vor realistisch zu sein und man kam sich am Ende fast erschlagen vor von all diesem Ausstattungspomp. So ganz überzeugt hat mich das aber nicht. Die Gefahr, bei diesem Versuch "realistisch" zu sein, ins Lächerliche abzugleiten, ist für mich da schon gegeben und durch die Nähe der Kameras sieht man Details, die sich dem Theaterbesucher verbergen. So konnte man in der Szene nach Boris Tod die Batteriekerzen des Volkes gut erkennen, was dann schon schmunzeln lässt. Warum bei so "historischer" Ausstattung dann aber der Polenakt in Kostümen des Wiener Kongresses (also ca 200 Jahre später) spielt, hat sich mir nicht erschlossen. Vielleicht kann mir da jemand einen Tip geben? Mir fällt nur ein, dass damit vielleicht die "Fremdheit" dieses Aktes, der erst nachträglich eingefügt wurde, dokumentiert werden sollte.Oder soll die Fortschrittlichkeit Polens gegenüber Russland gezeigt werden, was im Text auch angedeutet wird. Das finde ich aber nicht sehr überzeugend.

      Nun aber zum Musikalischen und damit zuerst zu René Pape, der einen grandiosen Boris sang und spielte. Sein Bass hat die Kraft, Autorität auszustrahlen, ist aber auch in der Lage, in den Szenen mit seinen Kindern Wärme zu vermitteln und das Gejagtsein von eigener Schuld, die Zerrissenheit und den Wahnsinn darzustellen. Auch schauspielerisch konnte er mich absolut überzeugen, nach seinen großen Monologen war ich derart gefangen, dass es schwer war, wieder "herunter zu kommen".

      Auch die anderen tiefen Partien waren wunderbar besetzt. Fairy hat schonMikael Petrenko als Pimen erwähnt. Ich habe diesen Sänger zu Pfingsten in Salzburg als Hagen in der "Götterdämmerung" erlebt und auch dort war er brillant in Spiel und Stimme.

      Die beiden Bettelmönche, Warlaam (Vladimir Ognovenko)und Missail durften ihre Szenen komödiantisch auskosten.

      Aleksandrs Antonenko (der Salzburger "Otello" des vorletzten und letzten Jahres) war in der Rolle des entlaufenen Mönches Grigorij und falschen Dimitrij anfangs etwas angestrengt, dann aber konnte er mit strahlendem Tenor den Größenwahn, die Arroganz und vielleicht auch die Dummheit dieser Figur ausdrücken.

      Evgeny Nikitin spielte und sang den machthungrigen und manipulierenden Jesuiten Rangoni beeindruckend und beängstigend und auch der zwielichtige (oder realpolitisch denkende) Schujskij überzeugte.

      Als Xenia gefiel mir Jennifer Zetlan sehr gut, auch der Fjodor war gut besetzt.

      Neben Pape war für mich das stimmliche Highlight Ekaterina Semenchuk in der Rolle der Marina. Ihr wunderschöner Mezzo strahlte und ich fand sie auch als Darstellerin sehr gut. Wie sie dem armen Dimitri Zuckerbrot und Peitsche gab, bis er zu ihrem willigen Erfüllungsgehilfen wurde, war schon sehenswert. Beängstigend auch die Szene mit Rangoni, da trafen zwei Machthungrige aufeinander, bis klar wurde, wer hier die Oberhand behalten würde.

      Der Polenakt hat ganz andere Musik als der Rest der Oper und ich fühle mich dabei immer an italienische Oper erinnert und finde diesen Kontrast auch sehr schön.
      Unsre Freuden, unsre Leiden, alles eines Irrlichts Spiel... (Wilhelm Müller)
    • Nachdem ich jetzt fünfmal versucht habe, meinen Text zu formatieren und jedesmal wieder "rausgeflogen" bin :boese: , versuche ich es jetzt mit einer Fortsetzung, bevor ich in die Tastatur beiße!!!!


      Boris Fortsetzung:

      Boris Tod war sehr beeindruckend und berührend, beide Kinder lagen bei dem toten Vater und man konnte auch die Verzweiflung spüren, was nun mit ihnen geschehen würde.

      Der letzte Akt mit dem Aufstand des Volkes war sehr realistisch und blutrünstig dargestellt, in der Nahaufnahme sehr drastisch. Der Jesuitenmönch wurde erdrosselt, einem anderen die Kehle durchgeschnitten, Prügelszenen mit blutigen Gesichtern und Körpern. Ob
      man das in dieser Drastik haben muss, soll jeder für sich entscheiden. Der Hass des Volkes gegen seinen ungeliebten Herrscher und der Jubel über den neuen, unter dem sich für sie allerdings nichts ändern wird, waren dadurch allerdings sehr eindringlich.

      Die Partie des Gottesnarren ist eine sehr beeindruckende und mit seiner Klage endete auch die Oper.

      Chor und Orchester waren beeindruckend, leider konnte man keine Blicke auf den Dirigenten Gergiev werfen (Cosima hat mich da neugierig gemacht), da schon die ersten Takte mit Geschehen auf der Bühne begannen. Das erste Mal sah man Gergiev vor dem Orchester erst nach der zweiten Pause. Auch einen Blick aufs Orchester hat uns die Met-Übertragung nicht gegönnt.

      Ärgerlich ist, dass man keine vollständigen Besetzungszettel bekommt und auch die Homepage der Met nur die Sänger der Hauptpartien auflistet. Vielleicht weiß jemand, woher man da Informationen bekommen kann?


      Nun aber eine heftige Kritik an der Met-Übertragung. Im "Rheingold" gab es ja keine Pause, da führte Deborah Voigt (die in der "Walküre" die Brünnhilde singen wird) vor Beginn einige Interviews mit den Sängern, die durchaus interessant waren. Diesmal gab es aber eine andere "Gastgeberin", eine Sängerin, deren Namen ich nicht verstanden habe und die sich vor allem durch eine äußert unangenehme Stimme und unsensible Art und Weise bei den Interviews "auszeichnete". Ich fühlte mich in eine Cheerleader-Szene versetzt und vor allem ihre Penetranz, nach dem zweiten Akt (also wenn man noch völlig unter dem Eindruck des vom ermordeten Kind verfolgten Boris steht) dem erschöpften Gergiev sofort das Mikro vors Gesicht zu halten und belanglosen Blödsinn zu quaken, war äußerst ärgerlich!
      Unser Kinobetreuer war dann so nett und hat in den Pausen den Ton sofort leiser gestellt. Danke!!


      Mein Fazit: Wer schöne Stimmen hören will, wird hier bestens bedient! (Ob das im Don Carlos mit Alagna so sein wird, bezweifle ich etwas, aber die restliche Besetzung klingt ja durchaus vielversprechend.) Wer
      opulentes Ausstattungstheater liebt, wird auch begeistert sein. Ich wünsche mir allerdings auch einmal Leiseres und Subtileres. Der Blick auf das Repertoire lässt mich auf Gluck hoffen (wenn ich mich zu Domingo aufraffen kann).


      Liebe Grüße

      :wink:

      Renate
      Unsre Freuden, unsre Leiden, alles eines Irrlichts Spiel... (Wilhelm Müller)
    • Ich schliesse mich weitgehend Amelias Kritik der Aufführung an und kam ebenfalls tief beeindruckt von diesem Werk aus dem Kino. :juhu: :juhu: :juhu:
      Zur Barbie-Puppen Moderation habe ich ja oben shcon etwas gesagt. Das ist einfach unerträglich , und mir tun die Musiker wirklich leid, die gezwungen sind, sich dem mitten in der Vorstellung auszusetzen. Ich nehme mal an, in Sachen Publicity (oder was sie dafür halten...) verstehen die MET Leute keinen Spass und es wird nicht leicht sein, sich dem als Sänger oder Dirigent zu entziehen. Ein echtes Ärgernis!!!! :wut2:

      Der Ausstattungspomp ist ebenfalls immer ein bisschen zuviel, aber mch stört das bei solchen Wucht-Opern wie dem Boris kaum noch, denn ich tröste mich wie gesagt mit meinem Faible für schöne Stoffe, Farben und Kostüme und bei aller Geschmacklosigkeit, die ich nicht selten bei amerikanischen Produktionen aller Art erlebe, hat die MET in den allermeisten Fällen hervorragende Kostümdesigner.

      Die Inszenierung lebte neben der Ausstattung von den Sing-Schauspielern und deren unterschiedlichen Talenten, die Bühne war ja meistens viel zu voll, um da noch irgendetwas zu machen... ;+)

      Zu den Sängern: die tiefen Männerstimmen waren einfach umwerfend gut. Pape und Petrenko waren für mich gleichwertig. Petrenkos Timbre gefällt mir noch besser, aber Pape ist so in der Rolle aufgegangen und hat soviele Facetten gezeigt, dass es am Ende pari ist. :juhu: :juhu: :juhu:
      Die Tenöre fand ich ordentlich aber nciht umwerfend, alle waren jedoch sehr gut gecastet, glaubwürdige Bühnenfiguren. Insbesondere der Gottesnarr, dessen Namen ich nirgends finde, war hervorragend besetzt- die schauspielerische Leistung ging mir durch Mark und Bein und die Klage am Ende war wie eine Prophezeiung des Schicksal Russland uber die nächsten Jahrhunderte.

      Wer mir am wenigsten gefiel ,war die Mezzosopranistin. zum einen mochte ich die Stimmfarbe nciht, icxh fand sie im Gegensatz zu Amelia hart und rauh und unschön. Zum anderen war das keine lebendige Figur für mich sondern eine Schablone und fiel daher stark gegen die männlichen Rollendarsteller ab. Es gab überhaupt ncihts ambivalentes in der Darstellung, da wurde nur ein machthungriger Vamp im Reitkostüm mit Peitsche und mit Holzhammermitteln gegeben und ich habe überhaupt nciht verstanden, warum Dimitri sich in sie verliebt hat und auch nciht, warum der Jesuit irgendeine Macht über sie hatte. Um das zu motivieren, hätte die Dame zumindest auch mal eine andere Seite zeigen müssen. Ich nehme mal an, dass Moussorski sie nciht ganz eindimensional gedacht hat. Verschenkt! :wacko:
      Die Kinder waren dagegen hervorragend gesungen udn gespielt und gottseidank hat uns der Regisseur in all der plastisch dargestellten Gewalt am Ende wenigstens IHR Schicksal nciht gezeigt!
      Die darstellung des Volkszorns, der Wankelmütigkeit der Gunst und der Entfesselung von niedrigsten Trieben fand ich nciht fehl am Platze, sie war nur die logische Folge und machte eindringlich darauf aufmerksam, dass es sich um einen ewigen grausamen Kreislauf handelt, egal wer nun Zar ist und egal , ob die Jesuiten oder die Orthodoxen geistliche Würdenträger sind.

      Was ich nicht verstanden habe: warum ist der Mönch Pimèn am Ende nciht noch einmal eingeschritten, um den falschen Dimitri zu denunzieren????? Ich hatte fest damit gerechnet, dass er als Einziger fûr die historische Gerechtigekit eintreten würde. ?( ?( ?(

      Ich habe erst in meiner Nacharbeit zur Oper gelesen, dass Moussorski zum Begräbnis von Dostojewski Teile aus dem Boris hat musizieren lassen.
      Mir war aber in der Oper selbst vom ersten Moment, als sei ich in einem Roman von Dostojewski gelandet. Die enge thematische und geistige Verbindung ist sowas von evident, dass es kaum zu fassen ist, wenn man ganz unbefangen in diese Oper geht.

      Ein Werk, dass mich tief beeidruckt hat. Woran sicher auch die In Teilen herausragende sängerische und schauspielerische Leistung der Protagonisten schuld ist. Weniger die Regie und was das Dirigat angeht, habe ich mangels Vor-Kenntnis und Vergleich keine Urteilsfâhigkeit.

      F.Q.
      Jede Krankheit ist ein musikalisches Problem und die Heilung eine musikalische Auflösung (Novalis)
    • FairyQueen schrieb:

      Was ich nicht verstanden habe: warum ist der Mönch Pimèn am Ende nciht noch einmal eingeschritten, um den falschen Dimitri zu denunzieren????? Ich hatte fest damit gerechnet, dass er als Einziger fûr die historische Gerechtigekit eintreten würde. ?( ?( ?(
      Liebe Fairy!

      Was wäre die Alternative gewesen? Russland hätte dann keinen Zaren gehabt, der Zorn des Volkes hätte sich nicht so leicht beenden lassen und in Jubel für den neuen Zaren umlenken. Ich glaube, dass hier Schujskkij, der Realpolitiker, eine treibende Kraft ist.Er glaubt nicht mehr an die erfolgreiche Fortführung der Herrschaft Boris, holt den Mönch zu Boris und löst damit den letzten Schritt zu Boris Ende aus. Die Erzählung vom Wunder am Grab des ermordeten Kindes ist für mich der Höhepunkt der Heimsuchung Boris' durch das Verbrechen am rechtmäßigen Thronfolger.

      Pimen hat schon im ersten Akt bei der Fertigstellung seiner Chronik zu Grigorij gesagt: "Gott zürnet unsern Sündern, unsrem Frevel, dass Russland nun zum Herrscher sich einen Mörder auserkor". Für mich steht da die Schuld Boris durch den Mord im Vordergrund, diese muss aufgedeckt werden. Der falsche Dimitri ist vielleicht das geringere Übel. Die Chronik Pimens ist mit der Freveltat Boris' beendet, diese Wahrheit zu offenbaren ist die letzte Aufgabe Pimens.

      Liebe Grüße
      :wink:
      Renate
      Unsre Freuden, unsre Leiden, alles eines Irrlichts Spiel... (Wilhelm Müller)