Bach, J. S.: Weihnachtsoratorium BWV 248

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • Lieber JD, vielen Dank für diese Rezession. Ich kann Dir nur zustimmen, eine ganz vorzügliche Einspielung, auch wenn die schmale Besetzung gewöhnungsbedürftig ist. Die Artikulation der Sänger ist sehr gut, wie bei den übrigen Aufnahmen des Dunedin Consort auch. Oft wird Butt ja vorgeworfen, dass die Solisten hinter der insgesamt erstklassigen musikalischen Leistung zurückstehen und nicht erste Klasse seien. Mir gefällt diese "Natürlichkeit" seiner Sänger auch sehr, gerade bei den beiden Passionen. Hier beim Weihnachtsoratorium gibt es aber doch die ein oder andere Stelle, wo ich mir ein wenig ... "bessere" ist sicher das falsche Wort, denn die Solisten sind ja sehr gut, vielleicht eher "klarere" oder "festlichere" Solisten wünschte. :versteck1: Aber das ist wirklich Jammern auf enorm hohen Niveau - und wie immer Geschmackssache.


      Es gibt eine Einspielung, die in diesem Faden noch gar nicht genannt wurde, die für meine Ohren aber die gelungenste weil ausgesprochen musikalische und festliche ist, und zwar diese hier:



      Matthew Brook singt hier auch mit und singt deutlich besser. Sein Großer Herr, o starker König ist einfach umwerfend. :verbeugung2: Und: James Gilchrist ist absolut unglaublich als Evangelist! :verbeugung2: :verbeugung2:

      LG
      Dominik
    • Lieber Dominik,

      vielen Dank für diesen wichtigen Hinweis!

      Ich habe mal in die auf YouTube von Hyperion bereitgestellten Schnipsel hineingehört. Mein Eindruck: Das ist ein Weihnachtsoratorium, das sich gut mit dem Duft von Kerzen, Gänsebraten, Stollen und sonstigen Annehmlichkeiten mischt. Wie viel Ochs und Esel hörst Du darin?

      Wobei ich gerne zugebe, dass

      Dominik schrieb:

      ausgesprochen musikalische

      Aspekte die Wiedergabe prägen. Das ist allerdings nicht so sehr ein Alleinstellungsmerkmal, wenn ich mit den mir vorliegenden Aufnahmen im Geiste vergleiche.

      Gruß
      MB

      :wink:
      Die Hammerklaviersonate macht anspruchsvoll. Von ihr berührt, wird man ungeduldig gegenüber vielem Mittelmäßigen und Mäßigen, das sich wer weiß wie aufspielt und doch nichts anderes ist als eine höhere Form der Belästigung. (Joachim Kaiser)
    • Liebe MB,

      Mauerblümchen schrieb:

      Das ist allerdings nicht so sehr ein Alleinstellungsmerkmal, wenn ich mit den mir vorliegenden Aufnahmen im Geiste vergleiche

      Da hast Du natürlich recht. Es ist eher der Gesamteindruck. Die Aufnahmetechnik ist ziemlich perfekt (eben Hyperion), die Transparenz ausgezeichnet, auch der Ort der Aufnahme scheint gut gewählt (ich habe leider gerade keinen Zugriff auf das Booklet). Das im Zusammenspiel mit der musikalischen Qualität des Orchesters, des Chors und der Solisten macht diese Aufnahme für mich sehr empfehlenswert - und hebt sie dann doch von vielen anderen Aufnahmen ab. Irgendwas ist ja eigentlich immer ... :kaffee1:

      LG
      Dominik
    • Dominik schrieb:

      Ich kann Dir nur zustimmen, eine ganz vorzügliche Einspielung, auch wenn die schmale Besetzung gewöhnungsbedürftig ist.
      Ich habe das gar nicht so empfunden - sicherlich eine Frage der Gewöhnung, da es nicht mein erstes solistisch besetztes WO ist. Das Klanggefüge funktioniert klar anders als in einer chorischen Besetzung, und doch erscheint mir alles da zu sein, was nötig ist. Großbesetzungen sind gar nicht immer Voraussetzung, um ein Werk würdig unzusetzen.

      Dominik schrieb:

      Oft wird Butt ja vorgeworfen, dass die Solisten hinter der insgesamt erstklassigen musikalischen Leistung zurückstehen und nicht erste Klasse seien.
      Mag sein, doch ist das Niveau auch sehr hoch - und durch die Masse an Aufführungen und Aufnahmen ist man als Hörer an Spitzenleistungen gewöhnt. Allerdings ist diese Sache mit "erster Klasse" zu überschätzt. Bis auf einen sind es alle keine deutschen Muttersprachler, und die Meisten haben eine sehr gute Aussprache realisiert; und ihre Technik ist trotzdem alles andere als zweitklassig.

      Es ist ohnehin ein Unding, wenn man immer die gleichen Solisten als Ideal hervorzieht - die Meisten leben heute gar nicht mehr. Und die sind anders ausgebildet worden als die Heutigen.


      jd :wink:
      "Interpretation ist mein Gemüse."
      Hudebux
      "Derjenige, der zum ersten Mal anstatt eines Speeres ein Schimpfwort benutzte, war der Begründer der Zivilisation."
      Jean Paul
    • Das Butt-Weihnachtsoratorium klingt schon sehr verlockend.

      Möchte hier auf eine Aufführung aufmerksam machen, die hier bislang wohl noch nicht erwähnt wurde - es ist ja zugegeben auch keine CD-Aufnahme, und Aufführungen gibt es ja ohne Ende.
      Wer aber gerne nebenher YouTube hört, könnte einmal oder besser: sollte unbedingt einmal hier hereinhören:
      Sir John Eliot Gardiner & Co inkl. Top-Solisten (ich schätze zB Bernarda Fink sehr) Anfang Dezember diesen Jahres = 1.12.2016 [falsch, muss heißen: 1999] in der herrlichen Herderkirche in Weimar :fee:
      Finde ich ganz ausgezeichnet - schwungvoll, präzise, auf höchstem Niveau - tut mir leid, bin nicht so begabt mit Besprechungen. Wie auch immer, ein Genuss!
      "https://www.youtube.com/watch?v=zpaNo4mWRBE"

      :wink:

      amamusica

      PS: Da stelle ich mir wieder vor, wie Bach nach der Aufführung zu Sir Gardiner & Co kommt, ganz begeistert, und sagt: "Wie wundervoll, wie wundervoll, das haben Sie so gut gemacht! Hätte ich nie gedacht, noch so viele Jahre später in der Zukunft, und derart gut, Musiker und Bedingungen wie Sie hier zur Verfügung haben hatte ich mir immer erträumt!"
      Ein Blümchen an einem wilden Wegrain, die Schale einer kleinen Muschel am Strand, die Feder eines Vogels -
      all das verkündet dir, daß der Schöpfer ein Künstler ist. (Tertullian)

      ...und immer wieder schaffen es die Menschen auch, Künstler zu sein.
      Nicht zuletzt mit so mancher Musik. Die muß gar nicht immer "große Kunst" sein, um das Herz zu berühren...



    • Ah, sorry, vielen Dank für die Info! :versteck1: Also dann 1999, und nicht 2016.



      Eine CD-Aufnahme von 1987 gibt es auch, s. weiter vorne im Thread

      :wink:

      amamusica

      ups, nun doppelt, Gurnemanz ist mir zuvor gekommen, haben uns überschnitten :)

      Bin jedenfalls froh, bei Gardiner 1999 hängengeblieben zu sein, denn hatte Bachs Weihnachtsoratorium bislang noch nie angehört bis auf das üppige Intro und hier und da mal eine Minute, es fehlte im ganzen Weihnachtsstress die Muße und der passende Moment. Kann dies als "Einstieg" jedenfalls sehr empfehlen! :rolleyes: Und diese eklatante Bildungslücke wäre hiermit nun auch endlich ordnungsgemäß und freud- u klangvoll "gestopft" ;)
      Ein Blümchen an einem wilden Wegrain, die Schale einer kleinen Muschel am Strand, die Feder eines Vogels -
      all das verkündet dir, daß der Schöpfer ein Künstler ist. (Tertullian)

      ...und immer wieder schaffen es die Menschen auch, Künstler zu sein.
      Nicht zuletzt mit so mancher Musik. Die muß gar nicht immer "große Kunst" sein, um das Herz zu berühren...



    • Nicht nur lt. JPC. Wenn man die Rückansicht der Blu-ray anklickt kann man lesen "Recorded at the Herderkirche, Weimar 23. & 27. December 1999". Im Zweifel hilft diese Seite mal wieder weiter.
      "Musik ist für mich ein schönes Mosaik, das Gott zusammengestellt hat. Er nimmt alle Stücke in die Hand, wirft sie auf die Welt, und wir müssen das Bild zusammensetzen." (Jean Sibelius)
    • Älteste Aufnahme des Weihnachtsovatorium von Bach?

      Ich bin neu in diesem Form und noch unerfahren was Foren betrifft. Also ich hoffe, dass alles bestens klappt.
      Wer kennt die älteste Aufnahme des Weihnachtsovatorium von Bach? Was ist die älteste Aufnahme und wo kann ich die bekommen oder reinhören?

      Hallo und willkommen hier im Capriccio-Forum,
      diesen und den nachfolgenden Beitrag habe ich hierher verschoben.
      Lionel - Für die Moderation -
      Matthias
    • Willkommen bei Capriccio, lieber matthias!

      Auf Deine Frage habe ich leider keine Antwort. Vielleicht wäre es eine gute Idee, Deine Frage dort einzubringen: Bach, J. S.: Weihnachtsoratorium BWV 248 ? Möglicherweise findest Du dort etwas dazu bzw. Du könntest dort noch einmal nachfragen? Hier gibt es schon ein paar Kenner, denen ich zutraue, Dir weiterhelfen zu können.

      :wink:
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
      Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
      Helmut Lachenmann
      Künstler und Schwein gelten erst nach dem Tode etwas.
      Max Reger
    • Lt. der Seite Bach-Cantatas ist das die zweitälteste Aufnahme von Bachs BWV 248:



      Diese Aufnahme wurde am 08. und 22. Dezember 1950 in der Jesus-Christus-Kirche in Berlin-Dahlem gemacht.
      "Musik ist für mich ein schönes Mosaik, das Gott zusammengestellt hat. Er nimmt alle Stücke in die Hand, wirft sie auf die Welt, und wir müssen das Bild zusammensetzen." (Jean Sibelius)
    • Die älteste wird wohl die von Hans Grischkat sein (rec. 06/1950), aber es gibt wohl keine CD-Ausgabe - die älteste auf CD verfügbare ist konkret die von Karl Ristenpart, bei jpc für 4,99 € erwerbbar. Eine sehr gute Einspielung in hervorragender Mono-Qualität. Kann ich empfehlen... :thumbsup:
      "Interpretation ist mein Gemüse."
      Hudebux
      "Derjenige, der zum ersten Mal anstatt eines Speeres ein Schimpfwort benutzte, war der Begründer der Zivilisation."
      Jean Paul
    • :verbeugung1: :verbeugung1: :verbeugung1: Endlich! Endlich!!! :verbeugung1: :verbeugung1: :verbeugung1:



      Die Einspielung von Fritz Lehmann und Günther Arndt!
      rec. 1955/1956

      Endlich komplett auf drei CDs - tatsächlich von Australian Eloquence erschienen.

      Da haben sie aber wirklich ein überfällige Lücke geschlossen... :clap:
      "Interpretation ist mein Gemüse."
      Hudebux
      "Derjenige, der zum ersten Mal anstatt eines Speeres ein Schimpfwort benutzte, war der Begründer der Zivilisation."
      Jean Paul
    • Josquin Dufay schrieb:

      Endlich komplett auf drei CDs
      Kleine Korrektur : Es gab sie schon seit einigen Jahren in einem hervorragenden Transfer auf Bearac . Siehe meinen Beitrag unter No.200 in diesem thread . Aber das Label gibt es leider seit ca.1 Jahr nicht mehr . Und nun kann man das Werk ja bei den "Großen" bestellen , ohne sich kümmern zu müssen .
      Good taste is timeless / "Ach, ewig währt so lang " - Don't all thank me at once (Scott Miller) - Ich behalte mir das Recht vor , Fehler zu machen .
    • b-major schrieb:

      Aber das Label gibt es leider seit ca.1 Jahr nicht mehr
      Das ist vor allem das Problem dabei gewesen - ich hatte auch mal geschaut, ob man diese Ausgabe noch gebraucht erhalten konnte, aber ich konnte nichts finden. Anscheinend sind zuwenige Exemplare im Umlauf.
      "Interpretation ist mein Gemüse."
      Hudebux
      "Derjenige, der zum ersten Mal anstatt eines Speeres ein Schimpfwort benutzte, war der Begründer der Zivilisation."
      Jean Paul
    • Fritz Lehmann & Günther Arndt (1956)



      (P) 1956 Archiv Produktion APM 14051/054 (4 LPs) [166:35]
      rec. 03.-10. August 1955 [I-IV]; 22., 24. & 25. Juni sowie 15. September 1956 [V-VI]
      (Jesus-Christus-Kirche, Berlin) Mono

      Helmut Krebs (t - Evangelist)
      Gunthild Weber (s - Engel)
      Sieglinde Wagner (ca)
      Heinz Rehfuss (b - Herodes)
      Berliner Motettenchor
      RIAS Kammerchor
      Berliner Philharmoniker
      D: Fritz Lehmann [I-IV] & Günther Arndt [V-VI]

      Das ist die erste Aufnahme des WOs, welches die Archiv Produktion jemals aufnahm, noch in Mono. Es hat sehr lange gedauert, bis sie vom Label selber komplett auf CD vorlag - 1998 gab es zunächst eine Einzel-CD mit den ersten beiden Kantaten,



      aber erst im November 2017 gab es von Australian Eloquence die Gesamtaufnahme (ein anderer Transfer von Bearac Reissues ist inzwischen nicht mehr erhältlich). Bis dahin mußte man auf die LP zurückgreifen, wenn man Lehmanns Aufnahme komplett hören wollte.

      Die Produktion stand unter keinem guten Stern: Fritz Lehmann konnte nur die ersten vier Kantaten einspielen, bevor er im März 1956 einem Herzinfakt erlag; die letzten beiden Kantaten übernahm der Dirigent der beteiligten Chöre, Günther Arndt. Dazu kam, daß die Einspielung in Mono aufgezeichnet wurde, was ab Beginn der 1960er Jahre recht schnell als obsolet angesehen wurde. Doch erst 1965 sollte die nächste Archiv-Einspielung des WOs folgen - jene legendäre von Karl Richter.

      Mit über 166 Minuten Länge ist diese Interpretation eher im langsamen Bereich: Jauchzet, frohlocket geht über 8 Minuten, Schlafe, mein Liebster sogar über 11. Die Tempi sind stetig, es gibt kaum Temporückungen, der Duktus ist gleichbleibend. Dennoch ist eine Binnenspannung vorhanden, die nicht durchhängt; Lehmann findet stets die richtige Dosierung an Vordrängen und Würde. Die Rezitative wirken kurzweilig, die Arien etwas ausgedehnter - da ist eine klare Dramaturgie, die sich übers ganze WO hinwegzieht.

      Helmut Krebs bietet eine sehr gute Leistung an: sein Timbre paßt gut zur Rolle des Evangelisten, und er füllt sie mit Anstand und klarer Deklamation aus. Gunthild Weber wirkt mir ein bißchen zu bemüht: ihr Vibrato ist recht stark, ihr Ausdruck etwas flach, ihre Intonation nicht immer sicher... :pfeif: Mit Sieglinde Wagner werde ich schon eher warm: zwar trällert sie auch ganz schön, aber sie versteht es, ihre Arien mit Leben zu erfüllen. Heinz Rehfuss dagegen singt sehr fein mit feiner Tiefe; sein Ausdruck trifft die freudige, aber zurückhaltende Atmosphäre der ganzen Darbietung ziemlich genau.

      Die Chöre sind groß und intonieren recht gut, doch durch die schiere Masse verschmieren Details recht schnell. Nr. 21 (Ehre sei Gott in der Höh) gelingt durch den flotten Duktus, wenn man auch kaum die Worte verstehen kann. Insgesamt hat man das Gefühl, vor einer ganzen Klangwand zu stehen, wenn die Chöre singen.

      Die Berliner musizieren gewohnt exzellent: da ist Kraft, Wucht, Feinheit und Virtuosität vereint zu einem Klangteppich, der stets aus dem Chor herausdrängen kann und die Solisten nicht zudeckt. Die Solo-Instrumente spielen sehr gut, der bc (Positiv und Violoncello) klingt unaufgeregt.

      Klanglich ist das Ensemble gut eingefangen worden: recht nah mit wenig Hall, dennoch mit ordentlicher Klangbühne und guter Abstimmung der einzelnen Gruppen. Für damalige Verhältnisse ganz gut.

      Nun zu Günther Arndt:
      Interpretatorisch empfinde ich da keinen großen Bruch oder gar eine Neuausrichtung; es ist etwas mehr Zug im Duktus, das Tempo erschient mir höher. Die Solisten und der Chor halten ihr Niveau, die Berliner klingen etwas eleganter. Doch hat die Aufnahmetechnik einen frappierenden Schritt nach vorn gemacht: der Chor klingt verständlicher, die Solisten kommen klarer zur Geltung, die Durchhörbarkeit ist eine Spur besser. Während den Kantaten I-IV eine leichte Muffigkeit anhaftet, ist hier bei V-VI ein Schleier weggezogen worden.


      Fazit: Lehmanns/Arndts Einspielung ist ein historisches Dokument der Bach-Aufführung im Deutschland der 1950er Jahre. Insgesamt wirkt die Interpretation unspektakulär, ist aber sorgfältig musiziert und gesungen. Tatsächlich sollte man sie jetzt nicht als lange verlorengegangenes Meisterstück betrachten, aber man kann sie gut anhören und seinen Spaß daran haben. Fein... :thumbup: :thumbup: :thumbup:
      "Interpretation ist mein Gemüse."
      Hudebux
      "Derjenige, der zum ersten Mal anstatt eines Speeres ein Schimpfwort benutzte, war der Begründer der Zivilisation."
      Jean Paul

    • Musik in der Mitte der urbanen Gesellschaft oder auch Klassische Musik für die Jetztzeit, so oder ähnlich kann man beschreiben, was dem Ensemble Resonanz in Hamburg seit vielen Jahren gelingt. Ob Musik für die Kleinsten iSv musikalischer Früherziehung, sehr hörenswerte Konzerten auch für konservative Klassikfreunde oder auch politisch-musikalisch progressive Aktivitäten, alles vorhanden und erfolgreich. Es gibt wohl kaum einen regelmäßigen Konzertgänger in Hamburg, der von diesem Ensemble noch nicht begeistert wurde.

      Seit 2014 pflegt das Ensemble Resonanz das Weihnachts-Oratorium als urbane Kammer-Hausmusik. Das Instrumentarium ist deutlich verändert, u. a. spielen E-Gitarren und Vintage-Keyboards. Weniger pompös und altbacken strahlend klingt das, intimer auch als gewohnt. Die vertrauten Melodien kommen teilweise mit völlig veränderten, den Popmusik-Freund von heute womöglich stärker mitnehmenden Klangfarben daher, wobei nicht einfach nur das Alte durch das Neue ersetzt, sondern beides miteinander verwoben wird. Nur selten geht das Ensemble dabei so weit wie in der Swing-Version von Ich will dir nur zu Ehren leben, Anspieltipp, sondern der Klassikfreund hat stets den Eindruck, dass dem Werk mit größtem Respekt begegnet wird.

      Das Ergebnis gibt es als Tonkonserve und hat mir gestern Vormittag, Heiligmorgen, viel Freude bereitet. Sehr hörenswert. Nicht für immer, klar, aber wenn man das Original schon was weiß ich wie viele Male gehört hat, bringt eine solche Abwechslung richtig viel Spaß.

      Mehr zum Ganzen auf der Hompage des Ensembles: https://www.ensembleresonanz.com/wo. Dort findet man u. a. links zu diversen, wohlverdienten positiven Kritiken.

      Übringens: Vor einiger Zeit habe ich einen Thread "Thesen zur Rückschrittlichkeit der aktuellen Opernregie" gestartet. Eine derartige musikalische Veränderung/Aktualisierung/Belebung/Auffrischung wie sie dem Weihnachtsoratorium hier zuteil wurde, könnte ebenso manch altem Opernschinken neues Leben einhauchen und einer modernen, "urbanen" Opernregie großartige Möglichkeiten eröffnen.