Konzertführer Orchestermusik

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    • Konzertführer Orchestermusik

      Hermann Kretzschmar: Führer durch den Konzertsaal (gut erhaltene Ausgabe von 1934) ca 40 Euro

      " Wir stehen hier ganz in der Nähe des Maßlosen und tun gut, im Interesse unserer Jugend zu bemerken, daß Beethoven zuweilen geneigt war, seine Intentionen mit übermütiger Hartnäckigkeit auf die Spitze zu treiben"

      Nachdem ich dieses Zitat von Kretzschmar über den letzten Satz der 7. Sinfonie gelesen hatte musste ich mir diesen Konzertführer unbedingt kaufen.
      Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum (Nietzsche)
      In der Tat spuckte ... der teuflische Blechtrichter nun alsbald jene Mischung von Bronchialschleim und zerkautem Gummi aus, welchen die Besitzer von Grammophonen und Abonnenten von Radios übereingekommen sind Musik zu nennen (H Hesse)
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      Im übrigen bin ich der Meinung, dass immer Sommerzeit sein sollte (gerade im Winter)
    • Ich erwäge, einem jungen Menschen - an klassischer Musik durchaus interessiert - einen Konzertführer (Orchestermusik) zu schenken, der die Mitte wahrt zwischen Allgemeinverständlichkeit und anschaulicher Darstellung einerseits und fundierter Information andererseits.

      Den hier habe ich selbst und finde ihn vielleicht zu abstrakt und trocken in der Darstellung, bin also voller Zweifel, ob dies die bereits vorhandene Neigung zur Musik weiter verstärken würde:



      Das vor drei Jahren von Erzherzog empfohlene Buch von H. Kretzschmar kenne ich übrigens nicht.

      Gibt es weitere Empfehlungen?

      :wink:
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
      Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
      Helmut Lachenmann
    • Gurnemanz schrieb:

      Gibt es weitere Empfehlungen?
      Nein. Ich habe mir inzwischen die Urversion des reclam-Führers aus den 50ern zugelegt, die ich sehr interessant und amüsant finde, da man so schön sieht, wie sich die Einschätzungen ändern, und da die dort präsentierte Sicht der Musikwelt ebenso einleuchtend und konsistent ist wie die später kommenden. Ich habe mich etwas gewundert, dass Stockhausen bereits erwähnt wird - trotz allen Vorbehalten war Hans Renner auch an den aktuellsten Strömungen interessiert und präsentiert sie recht neutral.
      This play can only function if performed strictly as written and in accordance with its stage instructions, nothing added and nothing removed. (Samuel Beckett)
    • Dann lag bei meinen Großeltern offensichtlich eine noch ältere Version - von Stockhausen war da (wenn ich mich nicht irre) noch nichts zu lesen, und der letzte besprochene Komponist war Wolfgang Fortner.
      Der Schluss seiner einzigen Sinfonie wurde dort so beschrieben: "...Das volle Orchester brandet auf und dann geht es mit barbarischer Wildheit dem stahlharten Ausklang entgegen." ;+)

      Übrigens eine durchaus hörenswerte Sinfonie, wie ich meine.
      zwischen nichtton und weißem rauschen
    • Schade. :(

      EinTon schrieb:

      Der Schluss seiner einzigen Sinfonie wurde dort so beschrieben: "...Das volle Orchester brandet auf und dann geht es mit barbarischer Wildheit dem stahlharten Ausklang entgegen." ;+)
      Gefällt mir. Die Sinfonie wird in der neuen Auflage (2006) nur noch im Nebensatz erwähnt, dabei fand ich sie als Jugendlicher sehr beeindruckend (um 1970 wurde sie noch hin und wieder gesendet).

      Ich habe auch noch einen alten Reclam-Konzertführer (H. Renner, 1967), da findet sich der Satz noch. Mahler kommt übrigens recht schlecht weg: Er "spannte sein Wollen zu hoch". Die "erschütternde, die erhebende Wirkung des überragenden Kunstwerks, die sich bei einzelnen Teilen einstellt, wird oft gestört durch ein Abgleiten in allzu menschliche Bezirke."

      :wink:
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
      Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
      Helmut Lachenmann
    • Gurnemanz schrieb:

      Schade. :(

      EinTon schrieb:

      Der Schluss seiner einzigen Sinfonie wurde dort so beschrieben: "...Das volle Orchester brandet auf und dann geht es mit barbarischer Wildheit dem stahlharten Ausklang entgegen." ;+)
      Gefällt mir. Die Sinfonie wird in der neuen Auflage (2006) nur noch im Nebensatz erwähnt, dabei fand ich sie als Jugendlicher sehr beeindruckend (um 1970 wurde sie noch hin und wieder gesendet).


      Der erste Satz wird übrigens auch in K. A. Hartmanns "musique pour les soupers du roi ubu" zitiert (gleich am Anfang in der 10. Sekunde : "http://www.youtube.com/watch?v=JPde80v-af0" ) - in diesem bizarren Potpourri finden sich wahrscheinlich noch einige andere damals "aktuelle" und heutzutage weitgehend vergessene Stücke zitatweise wiedergegeben.

      Gurnemanz schrieb:

      Ich habe auch noch einen alten Reclam-Konzertführer (H. Renner, 1967), da findet sich der Satz noch. Mahler kommt übrigens recht schlecht weg: Er "spannte sein Wollen zu hoch". Die "erschütternde, die erhebende Wirkung des überragenden Kunstwerks, die sich bei einzelnen Teilen einstellt, wird oft gestört durch ein Abgleiten in allzu menschliche Bezirke."

      :wink:
      Ja, das stand auch schon in der Ausgabe meiner Großeltern. Renner war ja NSDAP-Mitglied gewesen, und antisemitische Vorurteile mögen da auch noch in seinen späteren Veröffentlichungen durchgeschlagen haben.
      Am besten kam bei Renner übrigens Mahlers 9., speziell deren Schlußsatz weg.
      zwischen nichtton und weißem rauschen
    • Was das betrifft, ist auch interessant zu beobachten, wie der Mendelssohn-Eintrag im Laufe der Geschichte des reclam-Führers positiver wird und der Liszt-Eintrag kürzer.
      Dass Mendelssohn oder Mahler schlecht wegkämen, kann ich aber nicht bestätigen.
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    • Die von Konold herausgegebenen Führer sind auf drei Bände verteilt und eher noch nüchterner als Reclam (m.E. aber oft ausführlicher und besser). Die sind jedenfalls momentan als Restexemplare spottbillig, würde ich durchaus empfehlen, wer sie noch nicht hat, besonders Klassik/Romantik. Vor ca. 10 Jahren habe ich mir die einigermaßen mühsam gebraucht (und bei Barock und Romantik auf je drei Einzelbände verteilt...) zusammengeklaubt.
      Den Konzertführer f. junge Leute von Werner-Jensen kenne ich nicht. Beikircher finde ich albern (aber ich nehme klassische Musik vermutlich einfach zu ernst...)
      Wenn es etwas allgemeiner sein darf, würde ich die Einführung von Stefan Schaub empfehlen. Das ist KEIN Konzertführer, sondern eine historische Einführung in die klass. Musik.

      ...a man who refuses to have his own philosophy will not even have the advantages of a brute beast, and be left to his own instincts. He will only have the used-up scraps of somebody else’s philosophy; which the beasts do not have to inherit; hence their happiness. Men have always one of two things: either a complete and conscious philosophy or the unconscious acceptance of the broken bits of some incomplete and shattered and often discredited philosophy. (G. K. Chesterton)
    • Den hier finde ich grandios:

      Nach biographischen Angaben zu wirklich überwältigend vielen Komponisten kommen dann jeweils die wichtigsten Werke, dargestellt in originellen, subjektiven Essays. Die Herausgeber haben tollerweise immer einen Fan des jeweiligen Künstlers ran gelassen, so dass zwar durchaus kritische, aber mindestens wohlwollende Besprechungen heraus kommen.

      Und wenn der Beschenkte noch jung ist, dann wäre doch auch das hier was:

      Längst nicht vollständig und höchst subjektiv, aber mit teils unglaublichen Originalquellen und für mein Empfinden immer ziemlich fundiert geschrieben. Will aber schon auch lustig sein und hat entsprechende Kategorien und Sprache parat. Für den Kater ja nicht so dolle ;+) , ich find's auch nicht bombenlustig, aber die Herangehensweise über Freude und Humor (bei Klassik ja nun wirklich selten genug) finde ich gar nicht falsch.

      Der Konold verstaubt in meinem Regal ziemlich, weiß auch nicht, wieso..
    • Csampai/Holland hat nicht ein einziges Notenbeispiel, wenn ich recht erinnere. *) Führt zur Abwertung -> bestenfalls ausreichend von der Stiftung Katzenmusiktest ;+)
      Wobei ich nur mal im Laden kursorisch reingeschaut habe, daraus jedoch nichts in Erinnerung, was diese Abwertung ausgeglichen hätte.
      ...a man who refuses to have his own philosophy will not even have the advantages of a brute beast, and be left to his own instincts. He will only have the used-up scraps of somebody else’s philosophy; which the beasts do not have to inherit; hence their happiness. Men have always one of two things: either a complete and conscious philosophy or the unconscious acceptance of the broken bits of some incomplete and shattered and often discredited philosophy. (G. K. Chesterton)
    • Mir gefällt noch immer "Knaurs Konzertführer" von Gerhart v. Westerman, den ich in der vierten Auflage von 1956 besitze. Natürlich ist Westermans Stil nicht von heute, aber er verfährt gründlich und bemüht sich um objektive Sicht, was natürlich nicht heißt, daß seine Beurteilungen nicht subjektiv sind. Aber solide Werkkenntnis und Verständnis verleihen dem Buch auch jetzt noch Wert (während Westermans "Opernführer" dagegen doch deutlich staubiger und weniger tief anmutet). Er führt viele Notenbeispiele an, gibt Erläuterungen über Formenlehre, musikalische Grundbegriffe, Orchesterstruktur und Instrumente. Geschrieben ist das Buch sachlich, aber nicht unlebendig. Freilich wird es einen jungen Menschen nur ansprechen, wenn dieser sehr intensives Interesse am Gegenstand entwickelt. Die unvermeidliche Zeitgebundenheit hindert meines Erachtens weniger.
      ______________________

      Homo sum, ergo inscius.
    • Kater Murr schrieb:

      Csampai/Holland hat nicht ein einziges Notenbeispiel, wenn ich recht erinnere. *) Führt zur Abwertung -> bestenfalls ausreichend von der Stiftung Katzenmusiktest

      Das Verbrauchermagazin "SCHMÖKO-TEST" legt aber keinen Wert auf Notenbeispiele und verweist bei entsprechenden Wünschen auf IMSLP oder die Produkte der Firma Bärenreiter! :D

      Sind eben eher Essays (Verknüpfung Politik, Biographie, Entstehungsgeschichte) als Analysen. Jene finde ich auch nur sinnvoll, wenn sie ausführlich sind und das Besondere herausarbeiten können. Erläuterungen wie "Der langsame Satz ist dreiteilig aufgebaut, in den Rahmenteilen beschwingt-pfiffig G-Dur-säuselnd, der Mittelteil tonartlich dann weit entfernt voll verhangener ces-Moll-Melancholie" bleiben bei mir nie hängen und ich bezweifel, dass sie das bei einem jungen Einstiegs-Hörer tun!?
      :wink:
    • El Duderino schrieb:

      Und wenn der Beschenkte noch jung ist [...]
      Ist er: 15. Vielleicht wäre der vom Kater erwähnte Werner-Jensen etwas:

      ?

      Nach den vielen Tips, die hier geradezu purzeln, ist am Ende womöglich noch etwas für mich dabei? ;+)

      Jedenfalls herzlichen Dank an alle für die prompten Antworten!

      :wink:
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
      Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
      Helmut Lachenmann
    • Waldi schrieb:

      Mir gefällt noch immer "Knaurs Konzertführer" von Gerhart v. Westerman, den ich in der vierten Auflage von 1956 besitze.


      Mit diesem Konzertführer bin ich gewissermaßen aufgewachsen, mit 14 Jahren habe ich noch vieles geglaubt, was dort zu lesen war. Ich schrieb's schon einmal an anderer Stelle:

      Zwielicht schrieb:

      Die Vierte war die erste Mahler-Sinfonie, die ich kennenlernte, und zwar tatsächlich von einer von meinem Vater aus der DDR mitgebrachten Eterna-LP mit der Kegel-Aufnahme. Westermanns Konzertführer, dem ich schändlicherweise als 14jähriger noch aufs Wort glaubte, bezeichnete sie sinngemäß als die einzig halbwegs genießbare Mahler-Sinfonie :pinch: (kurz darauf lernte ich Mahlers Fünfte kennen und der Konzertführer wurde in die Ecke gefeuert).


      Mag ja aus historischer Perspektive interessant sein, sich mit den Anschauungen der 50er Jahre auseinanderzusetzen. Aber als Einführung für jemanden, der erst damit beginnt, sich mit Klassik zu beschäftigen, halte ich das Buch für ungeeignet.

      Csampai/Holland wurde beim Erscheinen teilweise hymnisch gefeiert und es gibt auch wirklich gute Artikel darin. Aber oft ergötzen sich die Autoren an ihren eigenen "originellen" Meinungen und Wertungen, anstatt etwas Konkretes zu den Werken zu schreiben (das vom Kater schon erwähnte Fehlen von Notenbeispielen ist da ein Indiz). Lobenswert, dass man jede Haydn-Sinfonie wenigstens mal kurz erwähnt, zu mehr reicht's dann aber nicht mehr. Und der im schlechten Sinne feuilletonistische Ton mancher Autoren (Csampai!) kann einem schon auf die Nerven gehen. Letzlich oft nicht viel besser als der Oberlehrertonfall bei Renner oder Westermann, gelegentlich fast ebenso holzschnittartig, man merkt dem Buch die Entstehungszeit an (erste Auflage 1987, ich weiß nicht, wieviel sich inzwischen geändert hat): Kontext statt Text.


      Viele Grüße

      Bernd




      Bernd
      Details are always welcome. (Vladimir Nabokov)
    • Gurnemanz schrieb:

      Ist er: 15. Vielleicht wäre der vom Kater erwähnte Werner-Jensen etwas:


      Ui, so jung! In dem Alter hatte ich mit dem Beikircher wirklich Spaß. Also Spaß in dem Sinne, das man ganz ohne Müssen gerne drin gelesen hat, weil er schön versteht, eine Geschichte zu erzählen. Werner-Jensen erinnert mich beim Reinlesen auf amazon eher an meinen drögen Mittelstufen-Unterricht.. ("Der eben beschriebene Generalbass wurde übrigens um 1600 "erfunden" und deshalb lässt man mit diesem Datum die Barock-Epoche beginnen. Natürlich gab es auch vorher - in der sogenannten Renaissance...")

      Zwielicht schrieb:

      Csampai/Holland wurde beim Erscheinen teilweise hymnisch gefeiert und es gibt auch wirklich gute Artikel darin. Aber oft ergötzen sich die Autoren an ihren eigenen "originellen" Meinungen und Wertungen, anstatt etwas Konkretes zu den Werken zu schreiben (das vom Kater schon erwähnte Fehlen von Notenbeispielen ist da ein Indiz). Lobenswert, dass man jede Haydn-Sinfonie wenigstens mal kurz erwähnt, zu mehr reicht's dann aber nicht mehr. Und der im schlechten Sinne feuilletonistische Ton mancher Autoren (Csampai!) kann einem schon auf die Nerven gehen. Letzlich oft nicht viel besser als der Oberlehrertonfall bei Renner oder Westermann, gelegentlich fast ebenso holzschnittartig, man merkt dem Buch die Entstehungszeit an (erste Auflage 1987, ich weiß nicht, wieviel sich inzwischen geändert hat): Kontext statt Text.


      Na das war jetzt aber auch ein feuilletonistischer Anflug.. :rolleyes: Das, was dich nervt, finde ich sehr angenehm: Kompetente Autoren fassen ihr Wissen um die Materie in persönlichen Texten zusammen. Mit Stil und Inhalt hatte ich bis jetzt nie Probleme.
    • Also bittschön, jetzt muß ich doch ehrenretten:

      Westermanns Konzertführer kenne ich nicht (war vermutlich ein Produkt des Braunschweiger Verlags George Westermann, der sich später und bis heute auf Schulbücher konzentrierte und vor allem durch die "Monatshefte" bekannt wurde), Gerhart v. Westermans Konzertführer schreibt keinen derartigen Unsinn, sondern bezeichnet Mahlers "sinfonisches Gesamtwerk" als "einfach gigantisch" und widmet den Symphonien über zehn Seiten mit ausführlichen Beschreibungen. "Mit der 5.Sinfonie wird das liedartige Element verlassen. Die 5., 6. und 7.Sinfonie sind reine Instrumentalwerke größten Ausmaßes, tragischen Inhalts, in schroffem Gegensatz zu den volksliedverhafteten Frühwerken." Und zur Uraufführung der Achten: "Die Wirkung war außerordentlich, es war endlich ein Erfolg, der Erfolg, der das gesamte übrige Schaffen nun auch in das richtige Blickfeld hätte rücken können, denn wirklich größere Beachtung und Schätzung hatte bisher nur die Zweite, die Auferstehungssinfonie, gefunden."

      Westerman war zwanzig Jahre lang Intendant der Berliner Philharmoniker.

      :wink: Waldi
      ______________________

      Homo sum, ergo inscius.
    • EinTon schrieb:

      Dann lag bei meinen Großeltern offensichtlich eine noch ältere Version - von Stockhausen war da (wenn ich mich nicht irre) noch nichts zu lesen, und der letzte besprochene Komponist war Wolfgang Fortner.

      Oder Stockhausen ist in späteren Versionen wieder rausgeflogen. 8+)

      Meine Version habe ich (vermutlich) in den frühen 1990er Jahren gekauft, und 20. Jahrhundert war eine Katastrophe. Hat sich da in den letzten Jahren viel geändert? Ähnliches gilt für den Reclam Kammermusikführer, den habe ich garnicht erst gekauft.

      maticus
      Social media is the toilet of the internet. --- Lady Gaga
    • Waldi schrieb:

      Mir gefällt noch immer "Knaurs Konzertführer" von Gerhart v. Westerman,
      Der hat mich auch lange begleitet...

      Ein sehr interessantes Gegenstück fand ich später: "Konzertbuch Orchestermusik", in 2 Bänden, herausgegeben von Karl Schönewolf, Leipzig 1965. Interessant wegen der leichten Perspektivenverschiebungen, die die "marxistische Musikwissenschaft" mit sich bringt - z.B. werden Händel und Bach wortreich zur "humanistischen" Klassik dazuerklärt.
      Interessant aber auch, mit welchen rhetorischen Tricks der Autor seine Liebe zum ja eigentlich für orthodoxe Marxisten untragbaren Strawinsky reinschummelt. Und sachlich auch interessant, weil viele Werke aus dem sozialistischen Einflußbereich besprochen werden, die bei diesseitigen Konzertführern nicht auftauchen.
      Auch den sehr positiven Blick auf Bruckner hätte ich so nicht erwartet: na klar, wegen der stark dominierenden "österreichischen Volksmusikelemente" ...
      Die englischen Stimmen ermuntern die Sinnen
      daß Alles für Freuden erwacht
    • Waldi schrieb:

      Die unvermeidliche Zeitgebundenheit hindert meines Erachtens weniger.

      Naja, Mahler zB kommt bei Westerman auch vergleichsweise schlecht weg, bzw. es ist halt nicht mehr die heutige Sichtweise. Die Sinfonien 5-7 und die 9. werden erst gar nicht besprochen. 5-7 seien "auf geringes Verständnis" gestoßen, heißt es dort, "heutzutage sind sie nahezu vergessen". Und das stimmt natürlich schon längst nicht mehr, insofern: besser aktuellere Literatur kaufen.
      zwischen nichtton und weißem rauschen