J.S. Bach: BWV 988 - Die Goldberg-Variationen

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    • J.S. Bach: BWV 988 - Die Goldberg-Variationen

      Es gibt tatsächlich noch keinen Thread zu dieser, einer der wohl bekanntesten Kompositionen, Bachs ? Das muss sich ändern !

      Ich spare mir weitschweifige Ausführungen zum Komponisten und dem Werk und verweise insoweit auf die imo gut gelungene Darstellung bei wikipedia: "http://de.wikipedia.org/wiki/Goldberg-Variationen".

      Was mich interessieren würde ist, welche Aufnahmen ihr habt und welche ihr am gelungensten findet ? Ich habe 29 verschiedene Einspielungen, davon die Mehrzahl auf dem Klavier.

      Meine liebste ist eigentlich die Cembalo-Aufnahme von Pierre Hantai:




      dicht gefolgt von der Live-Einspielung von Scott Ross



      Meiner Ansicht nach sollten diese Stücke nur auf dem Cembalo gespielt werden. Immerhin hat Bach ausnahmsweise hierfür sogar ein bestimmtes, nämlich ein zweimanualiges vorgesehen. Transkriptionen müssen da immer Kompromisse machen, die imo zu Lasten der Komposition gehen.



      Wenn überhaupt, dann gefallen mir von den Klavieraufnahmen besten die von Tatjana Nikolajeva




      und Murray Perahia

    • meine Gouldberg-Favoriten momentan (Radiomitschnitte):

      Bach, J.-S. Goldberg-Var. BWV 988 aus Château de Florans vom 08.08.09 mit Zhu Xiao-Mei (Piano)

      Bach, J.-S. Goldberg-Var. BWV 988 (2 pianos de Max Reger) aus Paris vom 28.09.10 mit Yaara Tal + Andreas Groethuysen, piano

      wobei ich Zhu Xiao-Mei bevorzuge

      :wink:
      „Ein Komponist, der weiß, was er will, will doch nur was er weiß...“ Helmut Lachenmann
    • Amfortas09 schrieb:

      Bach, J.-S. Goldberg-Var. BWV 988 (2 pianos de Max Reger) aus Paris vom 28.09.10 mit Yaara Tal + Andreas Groethuysen, piano


      Wobei das strenggenommen eine Bearbeitung ist, die Reger auf der Basis der Fassung Rheinbergers vornahm.

      Aufnahmen auf dem Konzertflügel gibt es ja etliche. Klassiker sind sicherlich die beiden Einspielungen Goulds. Wen ich im Moment sehr gerne höre:

      Simone Dinnerstein:



      Simone Dinnerstein spielt ausgesprochen transparent, macht die Vielzahl der Stimmen des polyphonen Gewebe wunderbar plastisch hörbar. Dazu ein sehr differnzierter Anschlag!

      :wink: :wink:

      Christian
      Rem tene- verba sequentur - Beherrsche die Sache, die Worte werden folgen

      Cato der Ältere
    • Wobei das strenggenommen eine Bearbeitung ist, die Reger auf der Basis der Fassung Rheinbergers vornahm.
      in der Tat, auf der France Musique Homepage + in der Anmoderation wurde auch der Name Rheinberger ausdrücklich genannt und dieses Bearbeitung gefällt mir zunehmend besser, seit dem ich mir sie vor kurzem zum 1. Mal reingezogen hatte...

      :wink:
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    • Meiner Ansicht nach sollten diese Stücke nur auf dem Cembalo gespielt
      werden. Immerhin hat Bach ausnahmsweise hierfür sogar ein bestimmtes,
      nämlich ein zweimanualiges vorgesehen. Transkriptionen müssen da immer
      Kompromisse machen, die imo zu Lasten der Komposition gehen.
      Ich würde das nicht so streng sehen wollen. Die Frage der Stilgerechtheit, der Wertreue ist nur teilweise die nach dem neuen oder alten Instrument. Fragen der Artikulation, der Phrasierung, der Tempi und künstlerischen Phantasie eines Musikers bestimmen ebenso stark Charakter und Wert einer Interpretation. Und was nun die Goldberg-Variationen anbetrifft, dürften die Interpreten inzwischen gelernt haben die ausdrücklich für zwei Manuale geschriebenen Variationen, wo ein Über- und Ineinandergreifen der Hände unvermeidlich ist, auf einer einzigen Klaviatur zu meistern.

      CD-Liste und Bemerkungen dazu später (bin nämlich gerade auswärts und möchte nicht Gefahr laufen etwas zu vergessen). :)
    • Gouldberg auf Cembalo, da habe ich noch keine Wiedergabe gefunden, die mich überzeugte, vielleicht kommt das noch ... (grundsätzlich mag ich aber Bach auf Cembalo z.B. mit Andreas Staier)

      :wink:
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    • aus Zuschendorf vom 03.04.10 mit Andreas Staier, Cembalo, (Mitschnitt vom DLF) dessen Bachspiel ich sonst sehr bewundere .. und ich glaube mal vor Jahren hab ich mir mal eine Studio-Wiedergabe mit Leonhardt reingezogen.... beides ließ mich kalt..

      es müsste da doch Alternativen geben..

      :wink:
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    • dahin werde ich demnächst mein Goulbergaufmerksamkeit richten....
      . wäre sehr lohnenswert für mich, wenn von diesem Bach noch mehr Favoriten einen Stammplätz bekämen:

      vor allem weil gelungene Cembalowiedergabe für mich andere Aspekte der Variationen zur Geltung brächten, was ja bei der 2-Klavierfassung auch schon der Fall ist..
      (wir kommen etwas wieder zum Thementhread Transkriptionen)....

      :wink:
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    • Amfortas09 schrieb:

      aus Zuschendorf vom 03.04.10 mit Andreas Staier, Cembalo, (Mitschnitt vom DLF) dessen Bachspiel ich sonst sehr bewundere


      Die Studio-CD gefällt mir ganz gut, obwohl das verwendete Hamburger Cembalo eigentlich eher, HIP betrachtet, unpassend ist, da es einen sehr speziellen, etwas orgel-ähnlichen :D Klang hat. Vielleicht deswegen nichts für dich. :D Ich mag den Klang sehr. Bach spielte aber ganz andere mitteldeutsche Cembali.

      Caesar73 schrieb:

      Gibt es, da wäre beispielsweise die von Zatopek in seiner Einführung erwähnte Aufnahme von Scott Ross zu nennen.


      Ja, die abgebildete Scott Ross- Aufnahme wäre auch mein Favorit.

      Sehr gut finde ich aber auch Fabio Bonizzoni, die gerade spottbillig zu bekommen ist.



      Lebendig und gut akzentuiert, aber sehr sparsam mit Rubati, so dass der pulsierende Drive nie verloren geht.

      :wink: Matthias
    • Zitat von »Caesar73«
      Gibt es, da wäre beispielsweise die von Zatopek in seiner Einführung erwähnte Aufnahme von Scott Ross zu nennen.
      Ja, die abgebildete Scott Ross- Aufnahme wäre auch mein Favorit.
      also die Youtube-Strings klingen schon sehr vielversprechend (ist mir viel näher als Staier-Live).... werde jetzt scottrossmäßig am Ball bleiben, da ich sowieso etwas durchs Reinziehen der 2-Piano-Version gouldbergmäßig infiziert wurde...
      :wink:
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    • Zur Zeit höre ich gerne die Aufnahme von Evgeni Koroliov am Klavier.




      Ein andere, die ich sehr mag, ist die von Wilhelm Kempff am Piano aus dem Jahr 1970. Sicherlich wird diese Aufnahme nicht mehr den zeitgemäßen Hörgewohnheiten entsprechen und wohl auch nicht als authentisch angesehen werden, aber ich mag die große Ruhe, die diese Aufnahme ausstrahlt.

      Die beiden Aufnahmen von Glenn Gould habe ich auf Vinyl auch hier in meinem Plattenregal, höre sie zur Zeit aber eher selten. Ich kann mir irgendwie nicht wirklich vorstellen, dass Bach sich eine solche Interpretation vorgestellt hat. Und meiner Vorstellung kommen sie auch nicht sonderlich nahe.

      In die Aufnahmen mit Cembalo bin ich nicht wirklich vorgedrungen. Ich habe noch eine von Christiane Jaccotett, die mir nicht zusagt und die ein ungeliebtes Dasein fristet.

      Ich werde mir dann mal die von Bernd empfohlene Scott Ross-Aufnahme und die von Matthias erwähnte Fabio Bonizzoni-CD näher anschauen.

      LG
      corda vuota
    • Simone Dinnerstein spielt ausgesprochen transparent, macht die Vielzahl der Stimmen des polyphonen Gewebe wunderbar plastisch hörbar. Dazu ein sehr differnzierter Anschlag!


      Die Goldberg-Variationen mit Dinnerstein besitze ich mittlerweile auch, und ich bin gerne bereit, Christian in allen Punkten zuzustimmen. Große Klavierkunst, sehr hörenswert!


      Die beiden Aufnahmen von Glenn Gould habe ich auf Vinyl auch hier in meinem Plattenregal, höre sie zur Zeit aber eher selten. Ich kann mir irgendwie nicht wirklich vorstellen, dass Bach sich eine solche Interpretation vorgestellt hat. Und meiner Vorstellung kommen sie auch nicht sonderlich nahe.


      Neulich schaltete ich das Radio ein und gelangte auf WDR 3 zufällig an Klaviermusik, die unverkennbar von J.S. Bach zu stammen schien. Nach wenigen Takten war mir dann auch klar, dass es sich wohl um das "Italienische Konzert" handeln musste. Die Interpretation allerdings gab mir Rätsel auf, denn alles klang nach "Musikschule 3. Jahr", nach krachtrocken herunterbuchstabiertem Notentext ohne jedweden Anflug von klanglichem Charme oder gar Gestaltungsabsicht. Sobald dann in der Abkündigung Glenn Gould als Intepret genannt wurde, fiel es mir wie Schuppen aus den Haaren....mein Gott, wie kann man nur so Klavier spielen...??

      Grauenvoller (jenseits der Schülerkategorie) gehts nimmer!

      Subjektive Grüße

      Bernd
    • Neulich schaltete ich das Radio ein und gelangte auf WDR 3 zufällig an Klaviermusik, die unverkennbar von J.S. Bach zu stammen schien. Nach wenigen Takten war mir dann auch klar, dass es sich wohl um das "Italienische Konzert" handeln musste. Die Interpretation allerdings gab mir Rätsel auf, denn alles klang nach "Musikschule 3. Jahr", nach krachtrocken herunterbuchstabiertem Notentext ohne jedweden Anflug von klanglichem Charme oder gar Gestaltungsabsicht. Sobald dann in der Abkündigung Glenn Gould als Intepret genannt wurde, fiel es mir wie Schuppen aus den Haaren....mein Gott, wie kann man nur so Klavier spielen...??

      Grauenvoller (jenseits der Schülerkategorie) gehts nimmer!

      ich kann dich aber beruhigen, das ist nicht der ganze Gould mit seinem Bachspiel (er macht Bach auch anders)...

      objektive Grüße

      :wink:
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    • Gouldberg-Variationen

      corda vuota schrieb:

      Die beiden Aufnahmen von Glenn Gould habe ich auf Vinyl auch hier in meinem Plattenregal, höre sie zur Zeit aber eher selten. Ich kann mir irgendwie nicht wirklich vorstellen, dass Bach sich eine solche Interpretation vorgestellt hat. Und meiner Vorstellung kommen sie auch nicht sonderlich nahe.
      Ich kenne die Gould-Aufnahmen - sowohl die ganz frühe aus den fünfzigern, wie auch die letzte aus den achtziger Jahren - schon seit meiner Schulzeit - ich habe 1980 das Abitur gemacht - und war damals ein heftiger Bewunderer. Meine Bewunderung war wohl eher ein Reflex auf die Tatsache, dass sich da mal jemand traute, Bach gegen den Strich zu bürsten und etablierte Hörgewohnheiten radikal in Frage zu stellen: Revolution ! Das gefiel mir. Dazu kam natürlich die exzentrische Person Glenn Goulds, unbestreitbar in seinem Gebiet ein Genie. Obwohl: gerne gehört hatte ich die Musik selber nie. Irgendwie kam sie mir merkwürdig langweilig vor.

      Erst viele, viele Jahre später hörte ich die Variationen neu und zwar auf dem Cembalo - ich glaube es war die Aufnahme von Gustav Leonhardt. Und jetzt konnte ich von diesem Werk gar nicht mehr genug bekommen. Ich fand sie einfach grandios, zum Niederknieen schön ! Heut gehören die Variationen zu meinem unverzichtbaren, regelmäßigen Programm. Ich habe sie auf dem iPod immer dabei, egal wohin ich fahre, ob auf der Bahn zur Arbeit oder im Urlaub.

      Gould hat das unbedingte Verdienst, nicht nur klassische Musik, sondern speziell Barock-Musik und noch genauer die von J.S. Bach einem Publikum nahegebracht zu haben, das sonst möglicherweise im Leben nicht auf den Gedanken verfallen wäre, sich so etwas freiwillig anzuhören. Meine Vermutung ist die, dass gerade die frühe Aufnahme, die sich dadurch auszeichnet, dass Gould die Komposition durch das Weglassen sämtlicher Widerholungen enorm verkürzte, dem gängigen Geschmack sehr entgegenkam. Mehr Barock als ca. 35 Minuten vertrugen die meisten Hörer wohl noch nicht.

      Dabei sind es gerade die Wiederholungen, die imo den Reiz des Stückes ausmachen. Sie geben dem Interpreten Gelegenheit, die Themen zu variieren und die polyphonen Strukturen offenzulegen.

      Koroliov hat eine ganz wundervolle Aufnahme vorgelegt. Ich schätze sie sehr. Wer auch noch unbedingt hörenswert ist, das ist Andrei Gavrilov:




      So könnte Richter die Goldbergvariationen gespielt haben, wenn er sie jemals aufgenommen hätte (was er meines Wissens nie gemacht hat).
    • Amfortas09 schrieb:

      meine Gouldberg-Favoriten momentan (Radiomitschnitte):

      Bach, J.-S. Goldberg-Var. BWV 988 aus Château de Florans vom 08.08.09 mit Zhu Xiao-Mei (Piano)

      Bach, J.-S. Goldberg-Var. BWV 988 (2 pianos de Max Reger) aus Paris vom 28.09.10 mit Yaara Tal + Andreas Groethuysen, piano

      wobei ich Zhu Xiao-Mei bevorzuge

      :wink:
      Die Aufnahme von Zhu Xiao-Mei gibt´s auch auf CD




      Klingt nach einer lohnenswerten Anschaffung.
    • Ja, Gavrilov könnte auch gouldbergmäßig interessant sein. (z.B. Er spielt diese großartige Fuge aus dem WTK I mit großer Intensität und arbeitet die 3 Themen wunderbar heraus (Turek und Pollini vergleichbar):

      "www.youtube.com/watch?v=S3Lajjb8vCg&p=A41E75BD74E73C39&playnext=1&index=8")

      :wink:
      „Ein Komponist, der weiß, was er will, will doch nur was er weiß...“ Helmut Lachenmann