Tschaikowski, Pjotr Iljitsch: Das Violinkonzert - Musik die man "stinken" hört?

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      Heute einmal wieder Erica Morini mit dem VK gehört.



      Ich mag den leicht angerauten Ton der Morini, die hier das VK mit einer scheinbaren, leichten Nervosität spielt, was dem Werk meines Erachtens sehr zu gute kommt, wird doch dabei jegliche Sentimentalität vermieden. Entsprechend dirigiert auch Horenstein das Werk. Zügig, stringent, passioniert.

      Eine Live-Aufnahme aus Paris von 1957. Von der Morini gibt es noch mindstens zwei weitere Aufnahmen unter Fricsay und Rodzinski, die ich aber beide nicht kenne.

      :wink: Wolfram
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      Neben der oben schon angeführten Reiner-Aufnahme mit Heifetz gibt es u.a. ja auch die 1950 in London entstandene mit Walter Susskind und dem Philharmonia Orchestra:



      Ich mag ja den leicht kühlen, scheinbar distanzierten Ton von Heifetz und auch seine unglaubliche Virtuosität, die durchaus zu diesem Werk passt. Er verbiegt es nicht, aber er tobt sich schon aus - und Susskind lässt ihn gewähren. ^^ Man könnte die Aufnahme schon so hören, als würde ihm Tschaikovsky nur als Vehikel dienen, aber dem ist m.E. nicht. Das Werk profitiert von der geigerischen, technischen Klasse, es blüht für mich geradezu auf. Zudem kommt Heifetz nie in die Gefahr, irgendwie sentimental zu werden, einen Tick zu viel zu geben. Abgedroschen, womöglich leicht kitschig ist diese Version mit Sicherheit nicht.

      :wink: Wolfram
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      Es gibt auch noch eine Vorkriegsaufnahme mit Heifetz (mit Barbirolli); allerdings sind meines Wissens alle Heifetz-Interpretationen in den Ecksätzen (leicht) gekürzt. Historisch gesehen ist Heifetz via Leopold Auer eigentlich sehr nahe dran.
      ...a man who refuses to have his own philosophy will not even have the advantages of a brute beast, and be left to his own instincts. He will only have the used-up scraps of somebody else’s philosophy; which the beasts do not have to inherit; hence their happiness. Men have always one of two things: either a complete and conscious philosophy or the unconscious acceptance of the broken bits of some incomplete and shattered and often discredited philosophy. (G. K. Chesterton)
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      Obwohl ich das Stück nicht besonders mag und vermutlich keine CD bewusst deswegen gekauft habe (alle in Boxen oder Anthologien oder wegen der Kopplung angeschafft), komme ich auf mindestens sieben Aufnahmen (das einzige Werk mit noch mehr unintendierten CDs in meiner Sammlung dürfte Griegs Klavierkonzert oder vielleicht noch die Ouverture 1812 sein)

      Huberman/Steinberg
      Heifetz/Barbirolli
      Heifetz/Reiner
      Menuhin/Fricsay
      Oistrakh/Ormandy (ich weiß nicht mehr, woher ich die habe, vielleicht Beifang, denn wg. der Kopplung (PIT op.23) sicher nicht gekauft)
      Francescatti/Schippers
      Accardo/Davis

      Ich werde vielleicht mal die beiden Heifetz-Aufnahmen anhören; ausführliche Vergleiche kann ich bei dem Stück nicht anstellen, weil es mir bei wiederholtem Hören sehr schnell auf die Nerven geht.
      ...a man who refuses to have his own philosophy will not even have the advantages of a brute beast, and be left to his own instincts. He will only have the used-up scraps of somebody else’s philosophy; which the beasts do not have to inherit; hence their happiness. Men have always one of two things: either a complete and conscious philosophy or the unconscious acceptance of the broken bits of some incomplete and shattered and often discredited philosophy. (G. K. Chesterton)
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      RE: Chung

      Braccio schrieb:

      Jugendlich, energetisch, selbstbewusst, technisch souverän. Nach wie vor eine meiner Lieblingsaufnahmen dieses Konzerts. Die 22-jährige Chung Kyung-Wha mit dem LSO unter André Previn 1970.
      Hallo Braccio,

      ich hatte bis vor einigen Jahren die spätere Chung-Aufnahme mit Dutoit (Decca-Doppel-CD). Auf der Doppel-CD waren die 3 KK in einer fürchterlich in die Länge gezogenen Int mit V.Postnikowa (orchestral allerdings unter Roshdestwensky sehr gut).
      Das VC mit Kyung-Wha Chung/Dutoit gefiel mir aber aufgrund der sehr konservativen und mir zu überromantischen Darstellung ebenso wenig .. habe die Decca-Doppel-CD inzwischen verkauft ... war sowohl bei den KK wie VC einfach nicht meine Welt.

      Wer wie ich von den zügigen Aufnahmen mit Oistrach/Ormandy, Heifetz/Reiner und Francescatti/Schippers (alles SONY) geprägt ist, bei dem "zieht" wohl Chung nicht mehr ... mir geht es aber in der Regel bei Chung fast immer so, dass ich andere VC-Aufnahmen als die Ihren bevorzuge (so u.a. bei Prokofieff, Bartok, Tschaikowsky).

      Die frühere VC-Aufnahme mit Chung/Previn (Decca, 1970) muss ja nach deinem Zuspruch krass anders sein !?!
      ______________

      Gruß aus Bonn

      Wolfgang
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      Kater Murr schrieb:

      Ich werde vielleicht mal die beiden Heifetz-Aufnahmen anhören; ausführliche Vergleiche kann ich bei dem Stück nicht anstellen, weil es mir bei wiederholtem Hören sehr schnell auf die Nerven geht.
      Hallo Kater Murr,

      kann ich zumindest bei einer ganzen Menge Int auf dem Markt gut nachvollziehen - mir geht es ähnlich ... weil man hier und da wirklich Schmalzgefiedel hört ...
      *** Allerdings hast Du mit Deinen Oistrach - Heifetz - Francescatti-Aufnahmen genug Hörmaterial zur Verfügung, die Dich "bekehren" könnten !
      ______________

      Gruß aus Bonn

      Wolfgang
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      teleton schrieb:

      Wer wie ich von den zügigen Aufnahmen mit Oistrach/Ormandy, Heifetz/Reiner und Francescatti/Schippers (alles SONY) geprägt ist, bei dem "zieht" wohl Chung nicht mehr ... mir geht es aber in der Regel bei Chung fast immer so, dass ich andere VC-Aufnahmen als die Ihren bevorzuge (so u.a. bei Prokofieff, Bartok, Tschaikowsky).

      Die frühere VC-Aufnahme mit Chung/Previn (Decca, 1970) muss ja nach deinem Zuspruch krass anders sein !?!
      Habe mir gerade auf Deine Frage hin mal die spätere Aufnahme mit Chung und Dutoit angehört und fand die auch nicht schlecht, u. a. nicht überromantisierend und auch nicht lahm. Dass das Finale in der älteren Aufnahme eine Minute weniger dauert, dürfte eher an Tempomodifikationen in den langsameren Abschnitten als am Grundmetrum liegen. Dafür müsste ich aber beide intensiv vergleichshören, und dafür fehlt mir trotz einer deutlich ausgeprägteren Zuneigung zu diesem Repertoire als sie etwa Kater Murr hat doch der Nerv. Alles in allem glaube ich, dass wir hier einfach nicht den gleichen Geschmack haben und sich die Anschaffung der 70er Aufnahme nicht für Dich lohnen würde.

      Oistrach zumindest ist übrigens doch bei Tschaikowsky gar nicht so viel schneller unterwegs, oder? Heifetz, klar, noch dazu die Kürzungen der von ihm bevorzugten Fassung. Tempo ist ja aber eh nicht das einzige Kriterium.
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      Die Kürzungen betreffen anscheinend nur das Finale. Wobei ich mir beim Kopfsatz nicht ganz sicher bin. Auer hat jedenfalls den Violinpart bearbeitet, teils angeblich "griffiger", teils aber auch noch spektakulärer gemacht.


      en.tchaikovsky-research.net/pa…:_Recordings:_Finale_Cuts

      gramophone.co.uk/feature/inside-tchaikovskys-violin-concerto
      ...a man who refuses to have his own philosophy will not even have the advantages of a brute beast, and be left to his own instincts. He will only have the used-up scraps of somebody else’s philosophy; which the beasts do not have to inherit; hence their happiness. Men have always one of two things: either a complete and conscious philosophy or the unconscious acceptance of the broken bits of some incomplete and shattered and often discredited philosophy. (G. K. Chesterton)
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      Ha, dieser Thread hat mich angeregt, mal wieder dieses Violinkonzert zu hören. In der Tat, es ist recht populär oder habe ich es früher nur zu oft gehört?
      Ich kann mir vorstellen, dass im 2. Satz mancher Geiger da einfach zuviel "Sahne" rein gibt und das Ganze daher recht fett, schwer und schwülstig wird.
      Diese Gefahr läuft die Heifetz Aufnahme sicherlich nicht, aber ich mag noch eine andere Aufnahme sehr gerne, die ebenfalls sehr straight daherkommt.
      Auch ne recht "Alte:" Leonid Kogan, Alexander Gauk Live 1953. Vor allem mag ich seinen "Ton" sehr gern, die Geige ist sehr präsent aufgenommen.
      Die Aufnahme habe ich vor Jahren in dieser Box erworben. Damals 9,99€ heute fast zu Mondpreisen.

      Gruß aus Kiel
      Ich vergesse niemals ein Gesicht. Doch bei Ihnen mache ich eine Ausnahme! (Groucho Marx)
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      Kater Murr schrieb:

      Die Kürzungen betreffen anscheinend nur das Finale. Wobei ich mir beim Kopfsatz nicht ganz sicher bin. Auer hat jedenfalls den Violinpart bearbeitet, teils angeblich "griffiger", teils aber auch noch spektakulärer gemacht.
      Ich habe jetzt mal den Kopfsatz in der Heifetz/Reiner-Einspielung angehört und in der Partitur (aus der sowjetischen Tschaikowsky-Gesamtausgabe von 1947; bei IMSLP) mitgelesen: Soweit ich sehe, gibt es nur eine Kürzung - sie betrifft nicht den Geigenpart, sondern die längere Orchesterpassage am Beginn der Durchführung (nachdem das Hauptthema zum erstenmal tutti im Polonaise-Rhythmus erklungen ist): da werden 8-10 Takte ausgelassen. Ansonsten diverse Änderungen im Geigenpart: z.B. sind die einfachen Arpeggien vor der besagten Polonaise-Stelle (und in der analogen Stelle der Reprise) durch etwas wesentlich Virtuoseres ersetzt, ab und zu wird die Geigenstimme nach oben oktaviert, der erste Teil der Kadenz ist erweitert und mit zusätzlichen Gimmicks versehen.

      Ansonsten ist das natürlich alles perfekt in überwiegend zügigen Tempi gespielt. Wem's reicht...

      :wink:
      Details are always welcome. (Vladimir Nabokov)
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      Oistrach / Ormandy (CBS)

      Braccio schrieb:

      Oistrach zumindest ist übrigens doch bei Tschaikowsky gar nicht so viel schneller unterwegs, oder? Heifetz, klar, noch dazu die Kürzungen der von ihm bevorzugten Fassung. Tempo ist ja aber eh nicht das einzige Kriterium.
      Das mit dem Tempo ist richtig. Oistrach ist hier auch nicht so rasent wie Heifetz und Francescatti, aber hier ist es das geniale Zusammenspiel zwischen Ormandy und Oistrach und das megafeurige voll russisch anmutende Dirigat Ormandy´s mit dem glänzenden Philadelphia Orchestra, dass diese CBS-Aufnahme so fastzinierend macht.

      Es gibt diese tollen Oistrach-Aufnahmen auf CD natürlich auch auf SONY - ich habe noch die alte CD-Erstausgabe auf CBS -klanglich voll OK,denn sonst hätte ich zu SONY gewechselt -
      - das Sibelius _ VC ist mir mit Oistrach/Ormandy ebenso wertvoll -


      CBS, 1974, AAD



      *** Mit Leonid Kogan und das genau der "Sahne" vermeidet hat DocStänker recht.
      Egal was Kogan spielt - Khatchaturian - Schostakowitsch - Tschaikowsky - es hat grosse Klasse ...... nur schade das ausgerechnet diese Kogan-Aufnahmen sehr historisch sind und auch so klingen, meist in Mono --> ihr wisst "wie sehr" ich diese Art von Aufnahmen liebe ...
      ______________

      Gruß aus Bonn

      Wolfgang
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      Kogan/Silvestri (EMI) müsste in stereo sein und soll hervorragend sein. Ich kenne sie allerdings nicht.
      ...a man who refuses to have his own philosophy will not even have the advantages of a brute beast, and be left to his own instincts. He will only have the used-up scraps of somebody else’s philosophy; which the beasts do not have to inherit; hence their happiness. Men have always one of two things: either a complete and conscious philosophy or the unconscious acceptance of the broken bits of some incomplete and shattered and often discredited philosophy. (G. K. Chesterton)
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      teleton schrieb:

      Egal was Kogan spielt - Khatchaturian - Schostakowitsch - Tschaikowsky - es hat grosse Klasse
      Ja, Wolfgang, da hast Du vollkommen Recht. Die Passacaglia aus dem Konzert Schostakowitsch kenne ich nicht besser als von Kogan! (Dirigent Kondrashin!) Sowas von streng und intensiv!
      Da muss meines Erachtens selbst der große Oistrach passen.
      In aktueller Tonqualität schätze ich übrigens die Aufnahme seiner Schülerin Viktoria Mullova.
      Gruß aus Kiel
      Ich vergesse niemals ein Gesicht. Doch bei Ihnen mache ich eine Ausnahme! (Groucho Marx)
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      Ich riskiere mal ne dicke Lippe: In den 50igern gab es unter den ganz ganz großen Geigern diese vier, die oben standen.
      Heifetz, Kogan, Milstein und Oistrach in alfa(romeo)bethischer Reihenfolge
      Das reichte vollkommen!
      Gruß aus Kiel
      Ich vergesse niemals ein Gesicht. Doch bei Ihnen mache ich eine Ausnahme! (Groucho Marx)
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      Ich habe jetzt Kogan gehört in einer Aufnahme von 1950 mit Vassily Nebolsin und dem Staatlichen Radio-Sinfonieorchester der UdSSR.

      Ich muss gestehen, dass ich mit Kogans Ton grundsätzlich nicht sofort warm werde. Aber dann packt er mich immer wieder und so auch hier. Eigentlich habe ich die Aufnahme schon sehr lange, nur noch nie gehört, da ich das VK nur alle Jubeljahre mal auflege.

      In diesem Fall ein Fehler. Das ist wirklich großartig. Menuhin hat mal sinngemäß gesagt: Es gibt keine Grenze zwischen Gefühl und Sentimentalität, man darf sie nur nicht überschreiten. Und genau auf dieser Linie bewegt sich Kogan ohne aber jemals abzurutschen. Was beim VK ja durchaus leicht wäre.

      :wink: Wolfram