Cilea, Adriana Lecouvreur - Veilchen sind mitnichten immer unschuldig...

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    • Cilea, Adriana Lecouvreur - Veilchen sind mitnichten immer unschuldig...

      Ich hatte dieses von alternden Operndiven geliebte Vehikel zuletzt in Chisinau gesehen (richtig, mit Maria Biesu, zu dem Zeitpunkt 72 Jahre alt...) und mich innerlich auch wegen der wirren Geschichte mit dem vergifteten Veilchenstrauß davon entfernt, jedenfalls dämmerte diese DVD unangesehen in meinem Schrank vor sich hin. Dann fiel sie mir soch einmal wieder in die Hände, und faute de mieux startete ich einen Versuch. Ich muß gestehen, daß ich's bei der Hälfte fast drangegeben hätte.
      Mirella Freni braucht nämlich ziemlich lange, bis sie sich in Form singt - ungeachtet der Tatsache, daß die Scala-spezifische Claque auch an den falsche Stellen so jubelt, als wäre es eine überragende Leistung gewesen. Im ersten Akt kann ich das aber nicht feststellen, sie bleibt stimmlich und schauspielerisch seltsam unengagiert. Das bessert sich allerdings fühlbar zu Ende des 2. Aktes, und danach singt und spielt die Freni große Oper - die letzten beiden Akte sind wunderschön rund gesungen, dramatischer Ausbruch (bei Freni!!!) an genau den richtigen Stellen, und sie kann die Verzweiflung im letzten Akt auch glaubhaft darstellen.

      Zwischendrin verlor ich ziemlich die Lust. Die Keiferei von Fiorenza Cossotto als Principessa de Bouillon anzuhören, ist nachgerade peinlich. Die Aufnahme stammt vom Ende der 80er Jahre; für diese Sängerin viel zu spät, offensichtlich. Da gibt es keinen Stimmkörper mehr, keine Formung, nur noch Schreierei. Diesen Auftritt hätte sie besser gelassen. Die Claque jubelt, als hätten sie alle miteinander eine ziemlich große Leistung abgeliefert...Zum Glück kommt die Principessa im letzten Akt nicht mehr vor.

      Um den dazugehörigen Fürsten auch gleich abzuhandeln - Ivo Vinco, zeitweiliger Ehemann der Cossotto, singt bräsig-wichtig, ganz ordentlich, aber nicht weiter bemerkenswert. Dumm, daß es keine 2. größere Baßrolle in der Oper gibt, dann hätte man auch Ghiaurov engagieren können und es wäre sozusagen eine Familienangelegenheit gewesen :rolleyes:

      Den Grafen Moritz von Sachsen singt Peter Dvorsky mit einem für seine stabile Figur ein wenig dünnen Tenor. Der rauschhafte Ausbruch (1. Akt im Duett) ist seine Sache nicht, aber nachher wird auch das besser, bis zu einer sehr differenzierten Leistung in den letzten beiden Akten.

      Alessandro Cassis singt den unglücklichen Impressario Michonnet mit schlanker, gut geführter Stimme und darstellerisch so berührend, wie ich es selten erlebt habe- die wahrhaft tragische Figur dieser Oper ist ja er.

      Altmeister Gianandra Gavazzeni, der jede der Noten dieser Oper mit Vornamen kennt, dirigiert präzise, differenziert und mit soviel Herzblut, wie das Scala-Orchester ihm erlaubt.

      Also: bei der Cossotto bitte weghören, alles andere kommt von Akt zu Akt besser in Gang und zum Schluß ist es wirklich sehr gut.

      Den Vergleich mit dieser Aufnahme liefere ich nach, wenn ich draußen ein wenig Schnee geschoben haben werde, denn ich fürchte, wenn ich's nicht tue, schaffe ich's morgen nicht in's Büro :cry:

      Grüße!

      Honoria
      "...and suddenly everybody burst out singing." (Busman's Honeymoon)
    • Liebe Honoria,

      ich bin dieser Oper bislang auch erst einmal begegnet. Im Februar 2009 war ich für ein Wochenende in New York und wollte mir bei dieser Gelegenheit unbedingt etwas in der MET anschauen. Für "Il Trovatore" gab es nur noch sündhaft teure Karten, weswegen ich auf "Adriana Lecouvreur" auswich. Ich hatte noch nie etwas von dieser Oper gehört, aber - und da staunte ich nicht schlecht - Placido Domingo sollte auf der Bühne stehen. "Was? Der singt noch?" dachte ich damals. Wie ich dann herausfand, war die Rolle des Maurizio ja sein MET-Debüt im Jahr 1968, insofern also etwas ganz besonderes für ihn. Die Oper fand ich in Ordnung, die Musik erinnerte mich entfernt an Puccinis "Tosca" (ohne dessen Qualität zu erreichen), die Inszenierung war wenig überraschend recht altbacken, darüber war ich allerdings als Nicht-Kenner der Oper in dem Moment gar nicht so unglücklich ... ansonsten fühlte ich mich natürlich geehrt, den alten Star-Tenor zum ersten und vermutlich auch letzten Mal live auf der Bühne erlebt zu haben. Er macht seine Sache ziemlich gut, auch stimmlich war er noch erstaunlich solide - ich hatte aufgrund von diversen Aufnahmen / Mitschnitten jüngeren Datums Schlimmes befürchtet ... Lustig war auch, dass das Publikum schon zu jubeln anfing, als er auf die Bühne kam und noch keinen Ton gesungen hatte. :D

      Nun ja, vielleicht werde ich irgendwann mal wieder in diese Oper reinhören ... vom Hocker gehauen hat sie mich damals nicht.

      DiO :beatnik:
      "Wer Europa in seiner komplizierten Verschränkung von Gemeinsamkeit und Eigenart verstehen will, tut gut daran, die Oper zu studieren." - Ralph Bollmann, Walküre in Detmold
    • Lieber Diabolus in Opera,

      dann solltest Du Dir -zum Angedenken, sozusagen- die Sony-Produktion mit Domingo, Scotto, Milnes, Obraztsowa zulegen. Diese Aufnahme lohnt sich nämlich wirklich. Es stimmt alles, und ausnahmsweise gefällt mir sogar Renata Scotto, bei der ich sonst immer den Impuls habe, mir die Ohren zuzuhalten. Irgendwie hat die Partie der Adriana etwas Besonderes - selbst Diven, die über ihre beste Zeit längstens hinaus sind, schaffen es doch immer noch, den Zuhörer zumindest im 4. Akt zu berühren. Das passiert auch hier, weil die Scotto sich fühlbar zurücknimmt, und da kommen wirklich schöne Töne, die man auch im Aufnahmejahr1978 von ihr nicht mehr unbedingt gewohnt war.

      Placido Domingo nimmt man den Feldherrn Moritz v. Sachsen genauso wie den Höfling wirklich ab, er singt mit einer wunderbar volltönenden, zum dramatischen wie zum leidenschaftlichen Ausbruch gleichermaßen fähigen Stimme; er gestaltet seine Partie auch textlich insbesondere in der Schlachtenerzählung im 2. Akt, die ziemlich öde klingen kann, wenn man sich damit nicht die richtige Mühe gibt, hervorragend. Es ist ja nun sicher keine bedeutende Musik, aber immerhin eine Oper mit sehr, sehr schönen Melodien, in denen man auch ein bißchen schwelgen kann - das gelingt ihm zusammen mit Frau Scotto herivorragend.

      Den Michonnet singt der treffliche Sherrill Milnes, der ein bißchen stärker den Impressario gibt als den vergebens Liebenden, aber das ist ein Detail,auf das es in einer Audio-Aufnahme mglw. nicht so sehr ankommt. Seine gesangliche Leistung ist auf dem gewohnt hohen Niveau, und auch seinetwegen kann man diese Aufnahme gut mehrere Male hören.

      Elena Obraztsowa gibt die Principessa, und auch sie hatte bei der Aufnahme gerade einen guten Tag: ihr satter Mezzo orgelt düster-drohend, ganz ohne die häßlichen Töne, die sie z.B. in der ungefähr zur gleichen Zeit entstandenen Maskenball-Aufnahme als Ulrica von sich gab. Ihre große Arie "Acerba volutta" ist unendlich viel besser als das, was Fiorenza Cossotto abliefert, eine Übung in leidenschaftlichem, aber immer korrekt gesungenen Ausbruch. Ihre wahrhaft große Stimme klingt natürlich sehr russisch, aber in dieser Partie einer ziemlich bösen Frau paßt diese volltönende Fülle gut.

      Den Prinzen singt Giancarlo Luccardi unauffällig korrekt. Erwähnenswert ist in dieser Aufnahme, in der James Levine das Philharmonia Orchestra mit feinem Gespür für Details dirigiert (und mit Mut zum Schwelgen in Melodien, s.o) noch das Quartett der Schauspieler, bestehend aus Lilian Watson, Ann Murray, Paul Hudson, Paul Crook: das klingt ganz außerordentlich schön und viel besser, als man es den meisten Comprimarii oft zubilligt.

      Grüße aus dem Schnee!

      Honoria
      "...and suddenly everybody burst out singing." (Busman's Honeymoon)
    • Liebe Honoria,

      danke für den Tipp. Falls mir mal irgendwann nach einer Aufnahme dieser Oper sein sollte, dann werde ich die Levine-Scheibe in Betracht ziehen, zumal sie ja auch sehr preisgünstig zu haben ist.

      DiO :beatnik:
      "Wer Europa in seiner komplizierten Verschränkung von Gemeinsamkeit und Eigenart verstehen will, tut gut daran, die Oper zu studieren." - Ralph Bollmann, Walküre in Detmold


    • Diese DVD ist auch deshalb ein Glücksfall, weil hier die Wiederaufnahme der Inszenierung vom Ende der 80er Jahre abgefilmt wurde, in der damals Mirella Freni spielte. Man kann also hervorragend vergleichen.

      Diesmal also Daniela Dessi als Adriana. Diese Sopranistin hat ja ohnehin immer so einen leidenden Zug um den Mund, das paßt zu der Adriana hervorragend. Es ist aber auch stimmlich eine sehr, sehr gute Leistung: erstens kann Frau Dessi eindrucksvoll deklamieren (3. Akt, Phèdre), dann hat sie die erforderlichen Piani in vielen Abstufungen parat, und sie schafft auch den leidenschaftlichen Ausbruch. Im Finale rührt sie zu Tränen. Außerdem ist sie einfach sehr schön anzusehen in den überlegt und sehr passend zur Zeit des Dramas kreierten Kostümen. Das Publikum bejubelt sie nicht so sehr wie die Freni (in der Scala weiß ich aber auch nie, ob da jemand die Claque üppig, gerade ausreichend oder zu wenig bezahlt hat), aber es spendet ihr warmen, anhaltenden Applaus. Hätte ich auch getan..

      Bei Sergej Larin als Maurizio fällt das schwerer. Er hat ja eine schöne Stimme, und er macht so weit alles richtig, aber ich kann nicht sehen und hören, daß er innerlich besonders stark engagiert wäre. Nun paßt das auch wieder irgendwie zum Charakter - Moritz v. Sachsen hat tendenziell außerhalb des Schlachtfelds nichts wirklich ernst genommen. In der Summe wird seine Leistung ähnlich zu bewerten sein wie die Peter Dvorskys 10 Jahre früher; befriedigend, nicht mehr.

      Dafür ist Olga Borodina als Principessa di Bouillon umso besser. Blendende Erscheinung, satte, runde Töne ohne Glucksen oder sonstiges Mezzo-Gehabe, differenzierte Gestaltung einer eigentlich ein wenig eindimensionalen Rolle. Eine wirklich sehr gute Leistung. Auch hier warmer, aber nicht jubelnder Applaus.

      Den Michonnet singt Carlo Guelfi in einer anrührenden, stimmlich ebenfalls souveränen Gestaltung der Rolle.

      Die übrigen Rollen -allesamt kurz und überwiegend wenig wichtig für den Fortgang der Handlung- sind ordentlich besetzt; die Equipe im Jahr 1989 unter Muti war aber ein wenig besser.

      Roberto Rizzi Brignoli dirigiert unauffällig korrekt.

      Wenn es an der geheiligten Scala so etwas wie Repertoirevorstellungen gibt, dann ist das hier eine sehr gute. Kann man sich unbedingt ansehen, wenn man diese Oper mag.

      Grüße!

      Honoria
      "...and suddenly everybody burst out singing." (Busman's Honeymoon)
    • Die von Honoria eingangs vorgestellte DVD mit dem Scala-Mitschnitt von 1989 gibt es auch von Videoland:

      (Das Verlinken funktioniert nicht, wie bei Amazon leider oft, wenn die nicht selbst Verkäufer sind)

      Bis jetzt konnte ich nur bis Anfang des 2.Aufzugs hören und sehen und muß Honoria vorläufig in allem recht geben. Gavazzeni sehr gut, Dvorsky, Vinco annehmbar, aber nicht aufregend, die anderen ordentlich. Freni bis auf ein paar schöne Töne nicht in Glanzform, Cossotto leider, leider mies. Die Mängel liegen vielleicht auch an der Tontechnik.
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      Homo sum, ergo inscius.
    • Hallo Waldi , ich habe diese 3 gefunden.....

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      wenn ich dir behilflich sein konnte , gerne !

      LG palestrina
      „ Die einzige Instanz, die ich für mich gelten lasse, ist das Urteil meiner Ohren. "
      Oolong
    • Nach langem Bemühen und mehreren Anläufen habe ich es jetzt geschafft, und gebe Honoria weiterhin recht. Diese Aufführung gewinnt in der zweiten Hälfte in allen Belangen (Inszenierung eingeschlossen) erst so richtig an Niveau. Der große Star ist Gavazzeni, der zweite Star ist die Freni (trotzdem kann sie nicht verbergen, daß sie eben im Empfindsamen überragend ist, in den dramatischen Momenten "nur" sehr gut). Ivo Vinco und Peter Dvorsky hatten damals ihren Höhepunkt schon hinter sich und bieten Repertoirequalität. Die Cossotto ist natürlich relativ enttäuschend. Wo es tief bleibt, merkt man, was für eine wunderbare Sängerin das einmal war, wenn es höher geht, ist leider nichts mehr los. Natürlich wirkt bei allen die große Bühnenerfahrung mit und läßt es nicht so schmerzlich erscheinen. Um nicht ungerecht zu sein: Ich vermute, die Aufnahmetechnik ist nicht ganz unschuldig, denn auch die ist in den beiden letzten Akten deutlich besser und das Hörerlebnis auch.
      Cilea hat schöne und gute Musik geschrieben, aber das Kaliber von Verdi oder Puccini besitzt er natürlich nicht.
      Gänsehaut kann ich also nicht empfinden, aber insgesamt ist es ein teilweise wirklich schöner Opernabend (und teilweise halt kein besonderer).
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      Homo sum, ergo inscius.
    • Waldi schrieb:

      Cilea hat schöne und gute Musik geschrieben, aber das Kaliber von Verdi oder Puccini besitzt er natürlich nicht.
      Gänsehaut kann ich also nicht empfinden,
      Dann hört euch mal diese Aufnahme an: ^^



      Das ist in allen vier Hauptpartien exzellent besetzt. Die Olivero mit ihrem speziellen Timbre, trifft hier in allen Bereichen sozusagen den richtigen Ton ;) , aber v.a. ist sie Diva und das muss eine Adriana eben und vielleicht vor allem sein.
      Simionato ist wie stets eine wunderschön singende und engagierte Gegenspielerin, Corelli ein leidenschaftlicher, stimmsicherer Moritz mit seinen bekannten vokalen Macken. Aber man verzeiht sie ihm. :D Bastianini, stets ein wenig steif, passt wunderbar in die Rolle hinein und singt, wie sollte es anders sein, traumhaft. Aber es ist v.a. allem das Zusammenspiel der Vier, das einen überragenden Theaterabend hervorbringt. Und Mario Rossi unterstützt sie dabei lebhaft und engagiert.

      Cilea ist nicht Verdi und auch nicht Puccini. Das ist richtig. Aber wenn er so dargeboten wird, dann ist er ein Garant für spannende, packende, dramatische Unterhaltung.

      Die oben angeführte Scala-Produktion habe ich damals in Mailand gesehen, allerdings mit Natalia Troitskaya und Michael Sylvester und der Milcheva, wenn ich mich nicht irre. Gavazzeni stand am Pult und war der einzige Lichtblick. Ebenso wie bei Rossi zeigte sich da das Verständnis für diese Musik. Aber er konnte gegen das lethargische Geschehen auf der Bühne auch nicht so recht aufkommen. Die 'Adriana' ist ein Sänger-Vehikel und wehe man hat da kein Kleeblatt zur Verfügung!

      :wink: Wolfram
    • Ich möchte auf zwei Aufnahmen der Oper mit Alfredo Simonetto hinweisen . Durch eine Besprechung von Christopher Howell , der seit Jahrzehnten in Italien lebt , wurde ich auf die Cetra-Aufnahme aus dem Jahr 1951 aufmerksam . ( musicweb-international.com/classrev/2003/feb03/cilea_CH.htm) .


      Die andere Einspielung stammt aus 1955 und ist - soweit ich weiß - nur teuer als CD zu bekommen . ASIN B01KB100HK
      amazon.de/Cilea-Adriana-Lecouv…=8-1&keywords=Cilea+Pobbe

      Aber man kann sie streamen oder auch ansehen : youtube.com/watch?v=2tMV1YYviww

      Mir gefallen beide !
      Good taste is timeless / "Ach, ewig währt so lang " - Don't all thank me at once (Scott Miller) - Jung sterben , aber so spät wie möglich ( F. Jourdain )
    • Diabolus in Opera schrieb:

      Die Oper fand ich in Ordnung, die Musik erinnerte mich entfernt an Puccinis "Tosca" (ohne dessen Qualität zu erreichen)
      Ich habe jetzt beide hintereinander gehört, was ja auch angesichts der Entstehungszeiten naheliegend ist, und war doch über das Ausmaß der Ähnlichkeit überrascht. Es sind eigentlich nur Nuancen, die den Unterschied machen. Schon wegen der Handlung ist Puccinis Musik "zielgerichteter", aber auch sonst ist bei ihm jede Entscheidung, so delikat sie für sich wirken mag, im Dienste der jeweils angestrebten Wirkung. Cilea freut sich an Effekten, die Überraschungen und Abwechslungen bewirken, auf der anderen Seite werden manche Wiederholungen oder Sequenzen etwas eintönig. Trotz Raffinement der Orchestrierung wirkt diese manchal etwas schematisch. Und sein Hauptmangel ist wohl die geringere melodische Eingebung. Dennoch ist der letzte Akt wirklich toll und berührend und doch ausreichend von Puccini unterschieden, um nicht als "schlechterer Puccini-Ersatz" gelten zu müssen.

      Ich hatte zum Vergleich auch quasi dieselbe Mannschaft: Scotto/Levine.
      :thumbsup:
      This play can only function if performed strictly as written and in accordance with its stage instructions, nothing added and nothing removed. (Samuel Beckett)
    • Ich habe leider nicht den Text, aber auf IMSLP gibt es zwei Arien, und da lese ich nun, dass eine der effektvollen harmonischen Wendungen auf dem Text "Io son l'umile ancella del Genio creator" zu stehen kommt - womit Cilea ja witzigerweise seinerseits keine umile ancilla ist und seinen Wow-Effekt gerade an der eher unpassenden Textstelle anbringt. Aber vielleicht soll diese auch dynamisch hervorgehobene Wendung Mitgefühl für die Bescheidenheit hervorrufen.

      Ansonsten ist das natürlich eine tolle Arie mit einer wirklich berückenden Melodie (ich mag das Herumgemäkele an den "Kleinmeistern" eigentlich nicht).
      This play can only function if performed strictly as written and in accordance with its stage instructions, nothing added and nothing removed. (Samuel Beckett)
    • putto schrieb:

      Cilea freut sich an Effekten, die Überraschungen und Abwechslungen bewirken, auf der anderen Seite werden manche Wiederholungen oder Sequenzen etwas eintönig.
      Vielleicht war Puccini aber auch hemmungsloser an der Ausnutzung solcher Effekte. Damit will ich sagen, dass er schon ein sehr gutes Gespür für die Steigerung dramatischer Situation durch die Musik und den Gesang hatte. Ich habe bei ihm immer das Gefühl, das er genau wusste, was kommen musste und auch genau wann. Er hatte diesen 'Theaterinstinkt'. Eine mittelmäßige 'Bohème' rührt das Publikum immer noch, eine ebensolche 'Adriana''? Ich bin mir nicht sicher.

      :wink: Wolfram