Telemann: Tafelmusik

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    • Fugato schrieb:

      Wenn ich mich richtig erinnere, gab es früher bei Erato noch eine Gesamtaufnahme mit einem französischen Kammerorchester auf modernen Instrumenten (Orchestre de Chambre de Irgendwas, der genaue Name ist mir entfallen).

      Kermit schrieb:

      Könnte das Orchestre de chambre Jean-Francois Paillard [...] gewesen sein.
      Paillard wird wohl stimmen:


      Die CD beinhaltet aber nur einen Teil der Ausgabe; die LP-Box war umfangreicher:

      (P) 1982 Erato 750043 (3 LPs) [138:38]
      rec. Juni 1980 (Notre-Dame-du-Liban, Paris)

      Orchestre de chambre Jean-François Paillard
      D: Jean-François Paillard


      Johns Hopkins Libraries schrieb:

      1
      • Overture in E minor for two flutes, string orchestra, and continuo (25:22)
      • Concerto in A major for flute, violin, string orchestra, and continuo (21:00)
      • Conclusion in E minor for two flutes, string orchestra, and continuo (4:55)
      2
      • Overture in D major for oboe, trumpet, string orchestra, and continuo (25:37)
      • Concerto in F major for three violins, string orchestra, and continuo (14:00)
      • Conclusion in D major for oboe, trumpet, string orchestra, and continuo (6:35)
      3
      • Overture in B-flat major for two oboes, string orchestra, and continuo (22:28)
      • Concerto in E-flat major for two horns, string orchestra, and continuo (17:00)
      • Conclusion in B-flat major for two oboes, string orchestra, and continuo (1:41)


      Somit fehlt die andere Hälfte der drei Produktionen - die Einspielung ist nicht vollständig.
      "Interpretation ist mein Gemüse."
      Hudebux
      "Derjenige, der zum ersten Mal anstatt eines Speeres ein Schimpfwort benutzte, war der Begründer der Zivilisation."
      Jean Paul
    • Discogs spuckt die gleiche Information aus, hier bei einer anderen Veröffentlichung für den amerikanischen Markt (Musical Heritage Society) der 1980 erstellten Aufnahmen aus dem Jahr 1983:
      "https://www.discogs.com/de/Georg-Philipp-Telemann-Jean-Fran%C3%A7ois-Paillard-Chamber-Orchestra-Jean-Fran%C3%A7ois-Paillard-Musique-De-/release/3801640"

      LG, Kermit :versteck1:
      Es ist vielfach leichter, eine Stecknadel in einem Heuhaufen zu finden, als einen Heuhaufen in einer Stecknadel.


    • Bei Erato gibt es auch noch die Koopman-Einspielung. Wie schauts mit der aus? Ich kenne sie nicht, daher frage ich mal nach.
      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)
    • Es sind zwei einzelne Veröffentlichungen, die zusammengefaßt wurden:

      CD 2
      [Blockierte Grafik: https://images-na.ssl-images-amazon.com/images/I/91pDPEO4-rL._SL300_.jpg] (P) 1989
      Auszüge aus der Tafelmusik

      CD 1
      (P) 1994
      Kammermusik (mit dem Quartett aus Production I)

      Ich kenne sie auch nicht. Wird vermutlich nicht schlecht klingen, aber da sollten andere etwas dazu sagen. Ist halt nicht vollständig.
      "Interpretation ist mein Gemüse."
      Hudebux
      "Derjenige, der zum ersten Mal anstatt eines Speeres ein Schimpfwort benutzte, war der Begründer der Zivilisation."
      Jean Paul
    • Josquin Dufay schrieb:

      Ich kenne sie auch nicht. Wird vermutlich nicht schlecht klingen, aber da sollten andere etwas dazu sagen. Ist halt nicht vollständig.
      Danke für die Info erst mal. Ich dürfte mit Belder ganz gut bedient sein, denke ich mal. Mir machen sie einen spritzigen, vitalen Eindruck. So oft hört man sie auch nicht an.
      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)
    • Ich finde die Belder-Einspielung auch sehr gelungen; man könnte es auch schlechter treffen... :jaja1:
      "Interpretation ist mein Gemüse."
      Hudebux
      "Derjenige, der zum ersten Mal anstatt eines Speeres ein Schimpfwort benutzte, war der Begründer der Zivilisation."
      Jean Paul
    • ..besser aber auch.
      Telemanns "Tafelmusik" ist doch ein Kompendium des damaligen Gebrauchs von Musik, dazu ist mir die Brilliant- Aufnahme mit Belder zu glattgebürstet.
      Stilistische Feinheiten, die Telemann wie kaum einer sonst zu formulieren verstand, gehen schlicht unter.
      Das ist Musik, die den Zirkel sucht zwischen allen Stilen und so sollte man sie musizieren.
      Harnoncourt geht sehr ernst zu Werke, sehr überlegt- Tafelmusik für Veganer :love: .
      Goebel übertreibt wieder, die Eleganz der Musik ist ihm fremd.

      So seltsam es klingen mag: die Uralt- Aufnahmen Wenzingers und Brüggen sind differenzierter, wie ich finde.

      Ich persönlich mag Harnoncourts Aufnahme sehr, auch wenn ihr alles Spielerische abgeht. Todesfälle von Musikern während er Aufnahmen haben die Aufnahmen mitgeprägt.
      Die glücklichste Lösung für alle bietet für mich Hünteler mit seiner Camerata. Telemanns Musik ist ein "Wechselbalg" und ist sowohl italienisch, französich, polnisch und deutsch und stellt die Interpreten vor die Aufgabe, diesen Stilen zu folgen.
      Aber was ist Europa, daran knabbern wir politisch zur Zeit immer noch. Rhetorisch könnte das ein Roger Willemsen erklären, musikalisch eben Hünteler.
      Die Basis stimmt: die "Camerata des 18. Jahrhunderts" ist letztlich das Orchester Brüggens in Kammermusikformation.
      Das ist sensibles Musizieren, was nicht immer sanft meint. In der Lage ist, stilistisch Charaktere nachzuvollziehen ohne auf Eigenheiten um jeden Preis zu bestehen.

      Belders Aufnahme scheint zunächst einen ähnlichen Weg zu gehen, wählt aber den der Nivellierung. Ich finde sie fade und langweilig.
      Hünteler hingegen sucht eher ein kulturelles Zentrum, das zu verbinden sucht, wie verschieden ein französisches Quartett klingt nebst einem "italiänischen" Concerto.
      Das macht Reibungsflächen auf. Und somit spannende Musik.

      Sogar relevante Kunst im Heute, da das Thema "Europa", "EU", Verbindendes versus Scheidendes aktuell ist wie nie. Telemann hat eine schöne Antwort komponiert und eine schlüssige: Respekt voreinander statt "Eindeutschen" .
      Irgendwie finde ich es lustig, dass Telemanns Musik Abbild sein kann für heutige Verhältnisse.
      Oder umgekehrt, wie man es zu sehen eben gewillt ist.
      Die "Tafelmusik" ist ihrer Zeit voraus, heutige Querelen sind inbegriffen.
      Im großzügigen Miteinander, Nebeneinander aller europäischen Stile, könnte Telemann Maßstab sein für heutige Lösungsansätze.
      Die "Tafelmusik" ist wirklich europäische Musik.

      Herzliche Grüße,
      Mike
      "Ich mag verdammen, was du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass du es sagen darfst." Voltaire
    • Ich besitze nur die Aufnahmen Goebels und Brüggens und schätze letztere 10 x mehr. Telemanns Kunst, für die Instrumente so schön zu schreiben, geht für mich bei Goebel total unter. Dementsprechend langweilig wird das ganze nach 20 Minuten. Brüggen hingegen ist ein echter Ohrenschmaus!
      Im Zweifelsfall immer Haydn.
    • Hallo zusammen,

      ich mag noch eine Lanze für eine der neueren Gesamtaufnahmen brechen, nämlich die des Freiburger Barockorchesters.



      Sie umgeht das Grobschlächtige der Goebel-Aufnahme, kann aber bei Bedarf ordentlich Pfeffer geben und prunkt wie ich finde mit einer ordentlichen Klang- und Spielkultur.

      Weil sich hier (quasi) für jedes Stück eine neue Besetzung zusammenfindet, kommt auch keine Routine auf. Kann ich umumschränkt empfehlen.

      Gruß Benno
    • Lieber Felix Meritis,
      so lebt Brüggens Geist in der Neuaufnahme Hüntelers ja weiter, nur jetzt mit entsprechendem Instrumentarium. Macht die alte Aufnahme damit nicht überflüssig, sondern ergänzt sie um das "HIP".

      So verschieden sind die Geschmäcker, lieber Benno: die Aufnahme des FBO habe ich angehört und als routiniert und öde wieder verworfen. Mir fehlt hier der Zugang zur Differenziertheit Telemanns Musik, etwas boshaft würde ich sie als eine gemilderte Goebel- Aufnahme ablehnen.
      Und, noch boshafter, als die Hochpreis- Ausgabe Belders bei Brilliant....

      Ich weiß, das ist mies und hässlich formuliert....aber ich liebe Telemanns Musik einfach zu sehr, als dass ich Freund von Aufnahmen wäre, die lieblos mit seiner Musik umgehen, Besonderheiten nicht lebendig werden lassen, stilistische Vielfalt übersehen....irgendwie "Barock- Routine" spielen.
      Bin Deiner Meinung diametral entgegengesetzt, was das FBO angeht mit Telemann.
      Zur Ergänzung kann ich noch die Zweite Produktion empfehlen mit dem Ensemble Pian & Forte mit dem Trompeter Gabriele Cassone:

      Nicht nur, dass der ohne Grifflöcher spielt, womit sein Klang sehr variabel wird, schmettern kann, aber auch intim kammermusikalisch, die ganze CD klingt wie Kammermusik auf höchstem Niveau, Besetzungsgröße nachrangig.
      Ein sehr italienischer Telemann, sehr geschmeidig musiziert ohne glatt zu sein.

      Herzliche Grüße,
      Mike
      "Ich mag verdammen, was du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass du es sagen darfst." Voltaire
    • Hempel schrieb:

      Zur Ergänzung kann ich noch die Zweite Produktion empfehlen mit dem Ensemble Pian & Forte mit dem Trompeter Gabriele Cassone:

      Nicht nur, dass der ohne Grifflöcher spielt, womit sein Klang sehr variabel wird, schmettern kann, aber auch intim kammermusikalisch, die ganze CD klingt wie Kammermusik auf höchstem Niveau, Besetzungsgröße nachrangig.
      Steht das im Booklet, dass Cassone ohne Grifflöcher, d. h. ohne Intonationslöcher, spielt?
      "Musik ist für mich ein schönes Mosaik, das Gott zusammengestellt hat. Er nimmt alle Stücke in die Hand, wirft sie auf die Welt, und wir müssen das Bild zusammensetzen." (Jean Sibelius)
    • ...ob in diesem speziell, weiß ich nicht, aber bei anderen Aufnahmen Cassones wird es explizit erwähnt, so doch auch beim Zweiten Brandenburgischen mit Il Giardino. Ebenso bei den zahlreichen Aufnahmen, die er für Nuova Era gemacht hat.
      "Ich mag verdammen, was du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass du es sagen darfst." Voltaire
    • Also ich finde Goebel hervorragend. Natürlich nicht annähernd konkurrenzlos wie sie beim Erscheinen gewirkt haben muss oder wie bei etlichem anderem Telemann, wo man kaum andere Optionen hat, aber von den dreien, die ich habe (und die Naxos hatte ich mal zu 3/4) würde ich Goebel/MAK als erste empfehlen. Dann Hünteler, da ich die Minimalbesetzung zwar nicht schlecht finde, aber wie oben schon jemand schrieb, eben auch etwas an Kontrast verloren geht, und auch sonst manchmal etwas die Power von MAK fehlt. Meine dritte ist Belder; m.E. sehr ordentlich, aber doch von den beiden anderen übertroffen. Mehr brauche ich beim besten Willen nicht.
      ...a man who refuses to have his own philosophy will not even have the advantages of a brute beast, and be left to his own instincts. He will only have the used-up scraps of somebody else’s philosophy; which the beasts do not have to inherit; hence their happiness. Men have always one of two things: either a complete and conscious philosophy or the unconscious acceptance of the broken bits of some incomplete and shattered and often discredited philosophy. (G. K. Chesterton)
    • Generell wird mir Telemann von vielen Ensembles zu zackig gespielt, denn für mich ist Telemann ein Komponist, dem es sehr um den schönen Ton gegangen ist, was ich bei Goebel eben nicht heraushöre. Telemann ist mMn sehr beredte Musik, die man ziemlich aufmerksam hören muss. Das "Gespräch" zwischen Musikern, dass es angeblich in den Streichquartetten Haydns zu hören gibt, vernehme ich bereits bei Telemanns Werken - wobei mir zugegebenermaßen v.a. seine Kammermusik (sehr) nahe steht.
      Im Zweifelsfall immer Haydn.
    • Hempel schrieb:

      Lieber Felix Meritis,
      so lebt Brüggens Geist in der Neuaufnahme Hüntelers ja weiter, nur jetzt mit entsprechendem Instrumentarium. Macht die alte Aufnahme damit nicht überflüssig, sondern ergänzt sie um das "HIP".

      So verschieden sind die Geschmäcker, lieber Benno: die Aufnahme des FBO habe ich angehört und als routiniert und öde wieder verworfen. Mir fehlt hier der Zugang zur Differenziertheit Telemanns Musik, etwas boshaft würde ich sie als eine gemilderte Goebel- Aufnahme ablehnen.
      Und, noch boshafter, als die Hochpreis- Ausgabe Belders bei Brilliant....

      Ich weiß, das ist mies und hässlich formuliert....aber ich liebe Telemanns Musik einfach zu sehr, als dass ich Freund von Aufnahmen wäre, die lieblos mit seiner Musik umgehen, Besonderheiten nicht lebendig werden lassen, stilistische Vielfalt übersehen....irgendwie "Barock- Routine" spielen.
      Bin Deiner Meinung diametral entgegengesetzt, was das FBO angeht mit Telemann.
      ...

      Herzliche Grüße,
      Mike
      Lieber Mike,

      wir haben gelegentlich in unseren Mails festgestellt, dass Du zuletzt wenig vom FBO magst. Ich kann das ja auch gut verstehen, ich brauche bloße Routine beim Musizieren auch nicht. Wobei ich das Ganze gar nicht so routiniert finde wie Du. Ich müsste mal bei Hünteler reinhören, seine Aufnahme von Johann Christian Bachs op. 11 mag ich außerordentlich.

      Lieber Felix Meritis,

      das, was Du für Telemann schreibst ('zu zackig'), gilt ja für die gesamte Barockmusik und auch noch die Bach-Söhne: da wird viel zu viel schnell abgefertigt, viel zu wenig nachgehört und in die Musik reingedacht. Das ist es ja, was ich bei Nicholas McGegans Interpretationen immer so bewundert habe, wie liebevoll-charmant er an alles rangeht, was er spielt.

      Gruß Benno
    • Giovanni di Tolon schrieb:

      Lieber Felix Meritis,

      das, was Du für Telemann schreibst ('zu zackig'), gilt ja für die gesamte Barockmusik und auch noch die Bach-Söhne: da wird viel zu viel schnell abgefertigt, viel zu wenig nachgehört und in die Musik reingedacht. Das ist es ja, was ich bei Nicholas McGegans Interpretationen immer so bewundert habe, wie liebevoll-charmant er an alles rangeht, was er spielt.
      Prinzipiell gebe ich Dir da Recht. Dieses Geschrubbel zerstört oft die Wirkung. Ich denke aber, dass die Jahreszeiten von Vivaldi oder andere seiner Konzerte das wesentlich besser aushalten als die feine, ziselierte Musik Telemanns. Hier liegt der große Wert v.a. im Detail, und nicht im Impetus wie bei vielen Italienern aus der Zeit.
      Im Zweifelsfall immer Haydn.
    • wolfgangnonamadeus schrieb:

      Ich werde mich demnächst im Vorstellungsfaden auch ordentlich vorstellen, aber im Augenblick habe ich nur ein Problem:
      Habe mich wenig mit Telemann beschäftigt (um so mehr mit J.S. Bach) und höre mich gerade durch die Neuerscheinung bei "Brilliant Classics" durch.
      Und beim Hauptthema des ersten Satzes des Konzertes für 3 Violinen, TWV 53 hört man doch.... ja was denn nu?
      Ist das Konzert aus der 2. Tafelmusik-Produktion gemeint? Da erinnert mich das erste Ritornell an den "Einzug der Königin von Saba". Aber obwohl Händel sich bei anderen Stücken der Tafelmusik explizit bedient hat, dürfte dies ein solcher Allgemeinplatz der Zeit sein, dass es unabhängig voneinander sein könnte, zumal die einsetzenden Soloinstrumente (Violinen bzw. bei Händel Oboen) dann jeweils andere Musik haben.
      ...a man who refuses to have his own philosophy will not even have the advantages of a brute beast, and be left to his own instincts. He will only have the used-up scraps of somebody else’s philosophy; which the beasts do not have to inherit; hence their happiness. Men have always one of two things: either a complete and conscious philosophy or the unconscious acceptance of the broken bits of some incomplete and shattered and often discredited philosophy. (G. K. Chesterton)