Franz Liszt: Klaviersonate h-moll - Die große Klavierreise ins Ich

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • Maurizio Pollini (geb. 1942) – Der noble Weltmann
      CD DGG 427 322-2
      Aufnahme: Juni 1989, München, Herkulessaal
      Spielzeit 29:08 Minuten
      Elegant und weltmännisch. Hütet sich, alle Karten aufzudecken. Klar überschaubare Strukturen sind ihm wichtig. Übt bewusste Zurückhaltung. Eine der kontrolliertesten, auch intellektuellsten Aufnahmen. Gleichzeitig enorme musikalische Leuchtkraft in den lyrischen, rezitativischen, religiös interpretierbaren Passagen. Also: weltmännisch beseelt.

      Zur Info: Bis auf weiteres keine aktive Moderationstätigkeit meinerseits.
      Herzliche Grüße
      AlexanderK
    • Jorge Bolet (1914 – 1990) – Kultivierte, große Liebeserklärung
      Doppel CD DECCA 444 851-2
      Aufnahme: 1982
      Spielzeit 29:26 Minuten
      Empfindsam, leidenschaftlich. Ein authentisch Liebender. Differenziertes Achten auf Details des Notentextes, ohne je ins Buchstabieren zu verfallen. Eine einzige große Liebeserklärung. Es ist eine jener Aufnahmen, aus denen man „verwandelt“ im positivsten Sinn hervorgehen kann - wenn man bereit ist, sich ihr ganz hinzugeben.



      Gedanken zwischendurch:
      Theoretisch ist es möglich, sich binnen kürzester Zeit weit über 100 verschiedene Aufnahmen dieses Werks zu beschaffen (CDs, LPs, Rundfunkmitschnitte, Videodokumente, mp3 Downloads, youtube etc.). Eine unglaubliche Zeit mit solchen Möglichkeiten!
      Eine unglaubliche Zeit, in der das pianistische Niveau derer, die Tondokumente veröffentlichen, so hoch ist, dass fast jede/r diese technisch wie musikalisch höchst anspruchsvolle Sonate (teilweise mehrmals) aufnimmt.
      Alleine seit 2007 haben mindestens sieben Menschen die Sonate für CD aufgenommen: Yuja Wang, Margarita Höhenrieder, Nareh Arghamanyan, Hélène Grimaud, Klaus Sticken, Boris Berezovsky und Lars Vogt.
      Im Netz findet man eine Liste, auf der allein von Lazar Berman 17 (!) Aufnahmen verzeichnet sind (nicht alles offizielle CDs).
      Jewgeni Kissin ist mit einem Liszt-Programm, das auch die Sonate beinhaltet, heuer auf Welttournee - man stelle sich vor: 21mal allein die Sonate spielen, von Jerusalem bis Sydney, im Wiener Musikverein, in der Scala, in der Met, die Reisestrapaz, dem Erwartungsdruck standhalten (Gegenargument: kriegt ja auch genug dafür bezahlt - trotzdem: wer könnte das sonst, und man sehe sich Pianistenkarrieren von Horowitz abwärts an, die Brüche darin)...
      Eine Tendenz zeichnet sich mit den bisherigen Hörerfahrungen meinerseits ab (Ausnahmen bestätigen die Regel):
      Aufnahmen von anerkannt großen Pianisten zumal nicht am Beginn ihrer Karriere, also ab einem "persönlichkeitsstarken Reifestadium", belegen, warum diese Menschen zurecht so große Namen haben.
      (Und bestätigen allgemein anerkannte Charakterbilder bzw. Vorurteile.)
      Immer wieder findet sich die Sonate auf Debütplatten oder zumindest zu Beginn von Karrieren - also ist sie doch auch vor allem ein Aushängeschild zur Selbstpräsentation. Alle diese Aufnahmen haben ihre individuellen Qualitäten (technisch wie musikalisch). Was daran wirkliche Individualität ist oder Entwicklungsprozeß, sei dahingestellt.
      Ich bin nach wie vor der Meinung, man kann sich mit diesem Werk nicht verstellen. Blender haben keine Chance, dazu ist die Sonate technisch wie musikalisch zu anspruchsvoll. Als Blattspieler weiß ich das nur zu gut. Liszt hat Passagen komponiert, die man beinhart üben muss, und wenn sie technisch "sitzen", kommt das musikalische Feilen. Es hört sich in nahezu allen Aufnahmen spielerisch leicht an, eine Melodie in der Mittelstimme und allerlei Zerlegungen rundum, es zu erarbeiten und dann niemanden spüren zu lassen dass es erarbeitet ist sondern es "wie von selbst" wirken zu lassen, ist die Kunst.
      Höchster Respekt vor Livemitschnitten oder ungeschnittenen Studioaufnahmen, gleichzeitig genau solcher Respekt vor in mehreren Sitzungen im Studio erarbeiteten "letztgültigen" Fassungen, bei denen man die Schnitte nicht hört und allenfalls durch "Insider" erfahren kann, wie viele "Takes" benötigt wurden.
      Beim zweiten Hören (ohne Noten) "spürte" ich übrigens die Einspielung mit Yung Li ungleich inniger als beim ersten Mal. Ich war da (beim zweiten Hören) in einer persönlich sehr sensiblen Phase und offenbar empfänglicher für die "Seele" dieser Aufnahme. Schlußfolgerung: Eine "Wertung" sollte ich erst nach mehrmaligem Hören abgeben. (Und trotzdem: Einige Aufnahmen sind sofort SO AUSSERORDENTLICH GUT, da "funkt´s" gleich...)
      Die Abenteuerreise geht weiter...
      Zur Info: Bis auf weiteres keine aktive Moderationstätigkeit meinerseits.
      Herzliche Grüße
      AlexanderK
    • Ich finde diesen Thread interessant - allerdings ist er mir mit Verlaub ein bißchen zu schöngeistig. Nicht alles kann ich nachvollziehen. Liszts H moll Sonate besitze ich denke ich in 5 Aufnahmen. Charles Rosen habe ich endlos lange nicht gehört und dazu kann ich nichts mehr sagen - offensichtlich hat er mir die Musik damals nicht nahegebracht. Claudio Pizarro war dann der erste, mit dem ich mich für diese Musik begeistern konnte. Die hier in diesem Thread böse verrissene Life Aufnahme mit Sviatoslav Richter fand ich dagegen gar nicht schlecht - irgendwie rhapsodisch und mir sehr zusagend. In eine Clifford Curzon Aufnahme hörte ich dagegen nur kurz rein und sie gefiel mir nicht. Dagegen konnte ich dem Alfred Brendel in der Box mit den alten Aufnahmen, die jetzt bei Brilliant erschienen ist, sehr viel abgewinnen.

      Daß diese Lisztsonate allerdings ein absoluter Höhepunkt der Klavierliteratur ist - das kann ich auch aus meinem Laienverständnis heraus sagen. An sich kann ich Liszt nämlich wenig abgewinnen - hörte neulich mal wieder etwas Liszt mit Brendel und war doch ziemlich gelangweilt. Aber diese Sonate ist wirklich toll. Beständig hören mag ich sie trotzdem nicht. Gerade weil ich sie liebe, will ich sie nicht abnutzen. Aber speziell in den Brendel werde ich sicher wieder hinein hören. Und sicher lese ich auch diesen Thread mit Interesse, wenn er auch für mein Gefühl die "Charaktersierungskunst" seiner Schreiber mehr darlegt, als die kritische und dann notwendigerweise auch wertende Schreibweise. Schön etwa, das Pollini die Sonate "weltmännisch" spielt, aber ob ich diese Sonate unbedingt "weltmännisch" hören möchte - also das ist doch sehr die Frage.

      Gruß Malcolm
      Der Hedonismus ist die dümmste aller Weltanschauungen und die klügste aller Maximen.
    • Tschä. Ist nun mal wahrhaftig nicht einfach, über Hörerfahrungen zu schreiben - das stellen wir doch alle hier mehr oder weniger täglich fest. Ich habe jedenfalls großen Respekt davor, und sehr viel Freude damit, wie Alexander die seinen hier verschriftet. Und ist "weltmännisch" wirklich eine so viel misslungenere Beschreibung als "irgendwie rhapsodisch"?

      Grüße
      vom Don
    • Hallo Don,

      ja, es ist wahrhaftig schwer, über Hörerfahrungen zu schreiben und auch ich tue mich schwer damit. Ich hoffe, mein Beitrag ist nicht zu kritisch rüber gekommen - das täte mir leid.

      Die Erfahrung, die ich nur immer wieder gemacht habe ist die Banalität, daß die Interpretation doch sehr wichtig ist. Übrigens habe ich tatsächlich nicht den Rosen ( der spielt andere Stücke auf der CD), sondern den Andre Watts. Und eben diese CD von Sony Essential Classics war mein Einstieg in diese Sonate von Liszt. Ich habe heute noch mal rein gehört, aber das war so langweilig gespielt, angefangen bei den ersten Tönen, die dort irgendwie stumpf klingen, daß ich nach etwa 10 Minuten aufgegeben habe. Danach legte ich mir den Brendel wieder auf und das war wirklich um so viel spannender gespielt - es ist herrliche Musik. Diese Andre Wattsaufnahme dagegen hat einen so geringen Eindruck auf mich gemacht, daß ich sie erst vor ein paar Tagen bei mir entdeckte und überrascht war, daß ich sie hatte - ich hatte sie über die Jahre schlicht vergessen. Ich kann vor ihr sogesehen nur warnen, ohne Agogik, Dynamik, Pedaleinsatz, die Klaviermusik erst zum Leben erweckt - einfach langweilig. Den Clifford Curzon müßte ich aber auch mal wieder hören.

      Bei Sviatoslav Richter life muß man halt die Konzession machen, daß es eine Lifeaufnahme ist, aber diese Richteraufnahme ist nun bei Gott nicht langweilig gespielt. Deshalb störte mich die Bezeichnung dieser Aufnahme als "scheußlich" doch etwas, aber auch das ist selbstverständlich legitim. Ich meine nur, daß man sich mit dem Richter den Zugang zu Liszt keinesfalls verbaut.
      :wink:
      Gruß Malcolm
      Der Hedonismus ist die dümmste aller Weltanschauungen und die klügste aller Maximen.
    • Malcolm schrieb:

      Claudio Pizarro war dann der erste, mit dem ich mich für diese Musik begeistern konnte.


      8| :D :mlol:

      Hallo Malcom,

      Claudio Pizarro ist mir ja durchaus für seine leidenschaftliche Spielweise bekannt....allerdings im Sturm von Werder Bremen...
      Sollte er seine Verletzungspausen für ein zweites Standbein genutzt haben...?
      Also ich kenne die Pianisten Claudio Arrau und Arturo Pizarro, aber einen Pianisten Claudio Pizarro konnte mir auch Google nicht finden...
      Erwarten uns also demnächst auch LISZT-Aufnahmen von Bastian Schweinsteiger und Lukas Podolski?

      Gruß petit_concours
      W o h n z i m m e r w e t t b e w e r b:
      Petit concours à la maison... (S. Richter, 1976)
    • Hallo Pt Concours,

      das kommt dabei raus, wenn man weder von Fußball noch von Pianisten irgendeine Ahnung hat. Ich meinte natürlich Arturo Pizarro. Freut mich aber sehr, zur Erheiterung beigetragen zu haben - auch wenns ein bißchen auf meine Kosten ging. Aber wie heißt es so schön: Namen sind Schall und Rauch.

      Gruß Malcolm
      Der Hedonismus ist die dümmste aller Weltanschauungen und die klügste aller Maximen.
    • Yuja Wang (geb. 1987) – Kraftvolle Aura des 21. Jahrhunderts
      CD DGG 477 8140
      Aufnahme: November 2008, Hamburg-Harburg, Friedrich-Ebert-Halle
      Spieldauer 31:13 Minuten



      Technisch hochklassig perfekt, dazu kraftvoll und energiegeladen, die „Power“ konsequent durchhaltend, stringent die ganz großen Bögen „in einem durch“ spannend (Anfang, Fugato, Reprise), das Werk auf dieser Debüt-CD immerhin neben die jeweils zweiten Sonaten von Chopin und Skrjabin und zwei Ligeti Etüden stellend. Selbst die Rezitativteile und poetischeren Abschnitten behalten diese stringente, kraftvolle Aura – und das alles wirkt verblüffend reif und vollkommen einheitlich.

      Ein Hinweis: Besprechung und Interpretationsvergleich (acht Aufnahmen) in hifi & records 1/2011
      Zur Info: Bis auf weiteres keine aktive Moderationstätigkeit meinerseits.
      Herzliche Grüße
      AlexanderK
    • Die Wirkungsgeschichte der h-moll Sonate betrifft auch Werke, die von ihr inspiriert oder beeinflusst wurden. Häufig genannt werden diesbezüglich die Sonaten von Draeseke und Reubke. Beide will ich schon seit längerem kennenlernen. Da ich heute seit langer Zeit erstmals wieder die h-moll-Sonate gehört habe, nahm ich das zum Anlass, um die Draeseke-Sonate folgen zu lassen. Im Netz fand ich eine Aufnahme des Pianisten "http://www.andreas-benend.de/index.php?option=com_docman&task=cat_view&gid=7&Itemid=9&limit=5&limitstart=0&order=name&dir=ASC" Andreas Benend. Bei der "http://www.draeseke.org/essays/sonata_op6.htm" Draeseke-Gesellschaft gibt es eine Besprechung der Sonate und bei youtube findet man den sehenswerten Dokumentarfilm "Ein Schicksal zwischen Lizt und Brahms", in dem u.a. Alfred Brendel zu Wort kommt. Draesekes hat einen soliden Ersteindruck hinterlassen. Die Themen scheinen griffig und eingängig zu sein. Ausführlicher kann ich selbstredend erst nach mehrmaligem Hören werden. Es ist sicherlich interessant, sich mit den Gemeinsamkeiten und Unterschieden zur h-moll Sonate zu beschäftigen.

      Beste Grüße,
      Falstaff
    • Falstaff schrieb:

      Häufig genannt werden diesbezüglich die Sonaten von Draeseke und Reubke.


      Liszts h-moll Sonate und Reubkes Sonate werden auch gerne gekoppelt. Empfehlen möchte ich die Aufnahme von Klaus Sticken:



      Sowohl der Liszt als als auch Reubkes Sonate sind es wert. Sticken erinnert mich ein wenig an Pollini. Sticken nimmt Liszt´s Tempo- und Dynamikvorschriften sehr ernst, besonders den Schluss der Sonate, dieses leise Verklingen im Nirgendwo ist unglaublich gut gelungen.

      :wink: :wink:

      Christian
      Rem tene- verba sequentur - Beherrsche die Sache, die Worte werden folgen

      Cato der Ältere
    • Soeben habe ich erstmals die Reubke-Sonate gehört. Sie scheiint der h-moll Sonate weitaus ähnlicher zu sein als Draesekes Sonate. Und das liegt nicht nur an der Einsätzigkeit (Draeseke änderte die ursprüngliche einsätzige Anlage durch Einfügen eines Intermezzos zu einer dreisätzigen ab). Es scheint ein Thema entsprechend zu Liszts Grandioso-Thema zu geben, das ebenfalls im langsamen Teil zum Höhepunkt geführt wird. Einige Passagen werden als Rezitative angegeben. Im Notenbild gibt es häufige Läufe in kleingedruckten Noten. Ein entscheidender Unterschied ist der Fortissiomo-Schluss von Reubkes Sonate. Genaueres auch hier evtl. nach mehrmaligem Hören.

      Beste Grüße,
      Falstaff
    • Ich habe die Sonate bisher noch nicht gehört, wollte mich da evtl mal dran wagen.

      Die Aufnahme die ich habe ist von Josef Bulva.

      Kennt jemand die Aufnahme?

      wie ist sie zu beurteilen?
      Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum (Nietzsche)
      In der Tat spuckte ... der teuflische Blechtrichter nun alsbald jene Mischung von Bronchialschleim und zerkautem Gummi aus, welchen die Besitzer von Grammophonen und Abonnenten von Radios übereingekommen sind Musik zu nennen (H Hesse)
      ----------------------------
      Im übrigen bin ich der Meinung, dass immer Sommerzeit sein sollte (gerade im Winter)
    • Erzherzog schrieb:

      Die Aufnahme die ich habe ist von Josef Bulva.

      Kennt jemand die Aufnahme?


      Entschuldige die verspätete Antwort Erzherzog ;+) leider kenne ich die Aufnahme Josef Bulvas nicht. Von wann ist sie denn?

      Neulich fiel mir beim Umräumen eines Stapels CD´s folgende Aufnahme der h-moll-Sonate in die Hände:



      Markus Groh spielt neben der h-moll-Sonate Fantasie und Fuge über B A C H und den Totentanz, in der Fassung für Klavier solo. Erschienen ist die Aufnahme im Jahr 2007, die Aufnahme selbst wurde 2004 gemacht.

      Gehört habe ich die Aufnahme allerdings länger nicht mehr, jedenfalls habe ich keine bewusste Erinnerung an irgendwelche Höreindrücke. Markus Groh´s Aufnahem der späten Klavierstücke von Brahms habe ich jedenfalls als sehr gelungen im Gedächtnis. Wenn ich im Laufe des Tages dazu kommen sollte die Liszt-CD zu hören, werde ich versuchen ein paar Zeilen dazu zu schreiben.

      :wink: :wink:

      Christian
      Rem tene- verba sequentur - Beherrsche die Sache, die Worte werden folgen

      Cato der Ältere
    • Hallo zusammen!

      Herzlichen Dank für diesen interessanten Beitrag. Auch ich gestehe, dass mir Liszts Musik bisher nur in Form der Faustsymphonie und der h-Moll Sonate untergekommen ist.

      Von der h-Moll-Sonate besitze ich diese Einspielung von Stephen Hough hier:



      Ich finde die Darbietung darauf ausgesprochen gut :juhu: :juhu: :juhu: - kennt von euch jemand noch diese Aufnahme?

      Liebe Grüße

      Peter
    • Hallo Christian!

      Vielleicht noch kurz zur "Houghschen Aufnahme": Sie ist meiner Meinung nach eine der "romatischsten Einspielungen" der h-Moll Sonate, die ich bisher kenne.

      Daher gefällt mir diese Aufnahme besonders und hebt sich dadurch für meinen Geschmack etwas ab. Aber wahrscheinlich ist das (wie immer) eine Frage des Geschmacks ;+)


      Liebe Grüße

      Peter
    • Kurz auftauchend aus der h-moll Welt…

      Hier einige Rechercheergebnisse der letzten Wochen, ohne Anspruch auf Vollständigkeit. So schlecht kann es dem Klassik CD Markt nicht gehen, wenn man allein die Neuerscheinungen mit Liszts h-moll Sonate nur seit 2006 (abgesehen von Neu- und Wiederveröffentlichungen älterer Aufnahmen oder Konzertmitschnitte, zum Teil in Boxen) auflistet…

      1999 soll es bereits 239 Aufnahmen des Werks gegeben haben, mittlerweile geht die Zahl sicher, rechnet man Rundfunkmitschnitte, youtube etc. dazu, locker über 300…

      Bereits zuvor in diesem Thread genannte Aufnahmen wurden bewusst noch einmal berücksichtigt, um sie hier zeitlich einzuordnen.

      Aufnahmen 2006 (in Klammer jeweils der Aufnahmemonat):

      Oleg Marshew (2/2006) / Lovro Pogorelich (2/2006)



      George-Emmanuel Lazaridis (4/2006) / Thomas Hitzlberger (4/2006) - zu dieser CD weiter unten noch ein Hinweis...



      Aufnahmen 2007 (in Klammer jeweils der Aufnahmemonat):

      Nelson Goerner (4/2007) / Polina Leschenko (4/2007)



      Olga Kozlova (7/2007) – zu dieser CD folgt weiter unten auch noch ein Hinweis…



      Aufnahmen 2008 (in Klammer jeweils der Aufnahmemonat):

      Gábor Farkas (7/2008) / Wolfgang Leibnitz (7/2008)



      Yingdi Sun (9/2008) / Dora Deliyska (11/2008)



      Yuja Wang (11/2008)



      Aufnahmen 2009 (in Klammer jeweils der Aufnahmemonat):

      Nareh Arghamanyan (3/2009) / Boris Berezovsky (3/2009)



      Aufnahmen 2010 (in Klammer jeweils der Aufnahmemonat):

      Andrea Kauten (3/2010) / Lars Vogt (5/2010)



      Kirill Gerstein (5/2010) / Haiou Zhang (7/2010)



      Marc-André Hamelin (8/2010) / Hélène Grimaud (9/2010)



      Francois-Frédéric Guy (11/2010)



      Von 2006 bis 2011 ist diese Sonate also mindestens in 21 (!) verschiedenen Einspielungen auf CD veröffentlicht worden.

      Kuriosa, über den Tellerrand:

      Thomas Hitzlberger (4/2006)
      Spielt neben der lyrischen Endfassung des Schlusses auch Liszts zuerst komponierten, dann verworfenen, auftrumpfenden Schluss des Werks (und belegt damit auch akustisch in mehrfacher Hinsicht eindrucksvoll, wie richtig Liszts Entscheidung war, den Schluss zu ändern)



      Stefan Schaub, Autor und Sprecher (P. 5/2006)
      Eine Werkeinführung auf CD, incl. Aufnahme Jenó Jandó (12/1990)



      Nicolás Pasquet (Dirigent) und das Orchester der Hochschule Franz Liszt Weimar (Orchesterfassung von Leó Weiner, 10/2006)



      Anthony und Joseph Paratore (Fassung für 2 Klaviere von Camille Saint-Saëns, 6/2007)



      Winfried Lichtscheidel (Orgelfassung von Bernhard Haas, 5/2010)



      Zwei Korrekturen zu weiter oben:

      Margarita Höhenrieder hat nur die 3. Chopin Sonate neu aufgenommen, die Liszt Aufnahme entstand bereits im Juni 1986 und wurde hier neuveröffentlicht.



      Und Klaus Sticken nahm die Sonate bereits im März 1998 auf, sie wurde aber erst zusammen mit der 2007 veröffentlichten Aufnahme der Reubke Sonate auf zu kaufende CD gepresst.



      Kostenloses Hören der Sonate im Netz:

      Hier gibt es eine Konzertaufnahme mit Valentina Lisitsa (Audio anklicken):

      "http://www.valentinalisitsa.com/multimedia.php"

      Und hier gibt es zwei Konzertaufnahmen der Sonate, neben vielen anderen Konzertaufnahmen anderer Werke:

      Nelson Goerner (6/2007)
      "http://www.rsi.ch/argerich/welcome.cfm?lng=0&ids=489&idc=18526"

      Khatia Buniatishvili (6/2008)
      "http://www.rsi.ch/argerich/welcome.cfm?lng=0&ids=489&idc=26500"

      Konzerte mit der Sonate in nächster Zeit (ohne Anspruch auf Vollständigkeit; Irrtümer und Änderungen vorbehalten):

      07.05.2011 Igor Kamenz Sondershausen Haus der Kunst
      08.05.2011 Igor Kamenz Nordhausen Theater
      12.05.2011 Arcadi Volodos Istanbul Is Sanat
      14.05.2011 Martin Stadtfeld Sondershausen Schloss, Riesensaal
      14.05.2011 Arcadi Volodos Schwetzingen Rokokotheater
      15.05.2011 Haiou Zhang Bonn Beethoven-Haus, Kammermusiksaal
      17.05.2011 Arcadi Volodos Bologna Teatro Manzoni
      18.05.2011 Pierre-Laurent Aimard Wien Konzerthaus
      18.05.2011 Noriko Ogawa Norwich St. Peter Mancroft Church
      19.05.2011 Vasselin Stanev Hamburg Laeiszhalle Kleiner Saal
      19.05.2011 Maurizio Barboro Tübingen Universität
      23.05.2011 Arcadi Volodos Zürich Tonhalle
      20.05.2011 Anthony & Joseph Paratore Dortmund Harenberg City-Center Saint-Saëns
      25.05.2011 Vasselin Stanev London Wigmore Hall
      26.05.2011 Vasselin Stanev London Guildhall School of Music and Drama, Music Hall
      27.05.2011 Pierre-Laurent Aimard Duisburg Landschaftspark-Nord, Gebläsehalle
      29.05.2011 Arcadi Volodos Duisburg Mercatorhalle im CityPalais
      31.05.2011 Jewgeni Kissin Bergen Grieghallen
      31.05.2011 Arcadi Volodos Berlin Konzerthaus
      01.06.2011 Arcadi Volodos Dresden Semperoper
      03.06.2011 Bernd Glemser Seesen St. Andreas
      03.06.2011 Stephen Hough Bristol St. George´s
      04.06.2011 Arcadi Volodos Elmau Schloss Elmau
      04.06.2011 Jewgeni Kissin Stockholm Konserthuset, Stora Salen
      06.06.2011 Arcadi Volodos Bergamo Teatro Donizetti
      07.06.2011 Arcadi Volodos Brescia Teatro Grande
      09.06.2011 Lucille Chung Elmau Schloss Elmau
      11.06.2011 Stephen Hough London Wigmore Hall
      11.06.2011 Francois-Frédéric Guy Nohant (F) Bergerie-Auditorium Frédéric Chopin
      14.06.2011 Hélène Grimaud Baden-Baden Festspielhaus
      15.06.2011 Hélène Grimaud Strasbourg (FR)
      15.06.2011 Jewgeni Kissin Luxemburg Philharmonie
      18.06.2011 Arcadi Volodos Weimar Schloss Belvedere Großer Saal
      18.06.2011 Hélène Grimaud Lille (FR) Nouveau Siécle
      19.06.2011 Hélène Grimaud Dortmund Konzerthaus
      19.06.2011 Jewgeni Kissin Amsterdam Concertgebouw Grote Zaal
      20.06.2011 Sophie Pacini Lugano Chiesa san Rocco
      21.06.2011 Valery Afanassiev Weimar Schloss Belvedere Großer Saal
      22.06.2011 Hélène Grimaud Palästina Ramallah
      22.06.2011 Grigory Gruzman oder Michael Wessel Weimar MHS Saal am Palais
      23.06.2011 Jewgeni Kissin Genf Victoria Hall
      23.06.2011 Logan Skelton Salt Lake City Jeanne Wagner Theatre
      25.06.2011 Logan Skelton Salt Lake City Jeanne Wagner Theatre
      25.06.2011 Chiyan Wong Rysum Fuhrmannshof
      26.06.2011 Chiyan Wong Oldenburg Kulturzentrum PFL
      26.06.2011 Lukas Geniusas Düsseldorf Museum Kunst Palast Robert Schumann Saal
      26.06.2011 Olivier Besnard Nohant (F) Bergerie-Auditorium Frédéric Chopin
      26.06.2011 Francesco Piemontesi Khatia Buniatishvili Lugano Fassung Saint-Saëns
      28.06.2011 Arcadi Volodos Madrid Auditorio Nacional de Musica
      29.06.2011 Denys Proshayev München Schloss Nymphenburg Hubertussaal
      02.07.2011 Chiyan Wong Simonswolde „Moorhaus“
      02.07.2011 David Kadouch Gauting Bosco
      03.07.2011 Chiyan Wong Papenburg Villa Dieckhaus
      07.07.2011 Marc-André Hamelin Aspen (USA) Aspen Music Festival
      13.07.2011 Bernd Glemser Meiningen Michaelskirche
      13.07.2011 Jewgeni Kissin Montpellier Festival
      16.07.2011 Sophie Pacini München Gasteig Kleiner Konzertsaal
      23.07.2011 Jewgeni Kissin Verbier Salle des Combins
      24.07.2011 Hélène Grimaud Bayreuth Stadthalle Großes Haus
      29.07.2011 Marc-André Hamelin New York Mannes College of Music
      31.07.2011 Bernd Glemser Mettlach Alte Abtei
      31.07.2011 Jura Margulis Bayreuth Steingraeber, Kammermusiksaal
      05.08.2011 Igor Levit Ansbach Orangerie im Hofgarten
      05.08.2011 Chiyan Wong Esslingen Konzertsaal im Alten Rathaus
      08.08.2011 Khatia Buniatishvili London Cadogan Hall
      12.08.2011 Arcadi Volodos Salzburg Großes Festspielhaus
      14.08.2011 Chiyan Wong Soest Kulturhaus Alter Schlachthof
      21.08.2011 Chiyan Wong Altena Burg Holtzbrinck
      23.08.2011 Dénes Várjon Johannisberg Schloß, Fürst Metternich Saal
      10.09.2011 Chiyan Wong Aurich Piqueurhof
      11.09.2011 Jewgeni Kissin Brisbane
      12.09.2011 Hélène Grimaud Bremen Glocke
      15.09.2011 Jewgeni Kissin Sydney
      25.09.2011 Chiyan Wong Bremen DKV Residenz in der Contrescarpe
      08.10.2011 Arcadi Volodos Bonn Beethovenhalle
      11.10.2011 Arcadi Volodos Brüssel Palais des Beaux-Arts
      16.10.2011 Arcadi Volodos Porto Sala Suggia
      18.10.2011 Arcadi Volodos Lissabon Fundacao Gulbenkian Grand Auditorium
      20.10.2011 Arcadi Volodos München Prinzregententheater (?)
      22.10.2011 Arcadi Volodos Raiding Konzertsaal
      24.10.2011 Arcadi Volodos Wien Großer Musikvereinssaal
      26.10.2011 Arcadi Volodos Raiding Konzertsaal
      27.10.2011 Arcadi Volodos Graz Stephaniensaal
      29.10.2011 Pianisten in h-moll 3. Runde Wettbewerb MHS Weimar
      07.12.2011 Pierre-Laurent Aimard London Queen Elizabeth Hall
      31.12.2011 Chiyan Wong Meerbusch
      17.02.2012 Khatia Buniatishvili Frankfurt Alte Oper, Mozart-Saal
      22.05.2012 Arcadi Volodos London Queen Elizabeth Hall

      Welche soll man kaufen?

      Auch wenn das zu schöngeistig für so ein Forum sein mag ;+) – alle Interpretationen, die ich seit Dezember 2010 gehört habe (59, davon drei live im Konzert, Sermet, Kissin und Pogorelich), mag ich auf ihre Art. Mit den ganz großen Namen von einst und jetzt macht man sicher nichts falsch. Horowitz und Berman spielen auf Leben und Tod, das hat schon was. Man kann auch die "Zeitänderung" an der diskographischen Geschichte der Sonate beobachten. Früher wurde mehr auf totales Risiko gespielt, heutzutage ist eine früher außergewöhnliche immens hohe Perfektion geradezu selbstverständlich, aus der heraus wird unterschiedlich akzentuiert, zwischen durchhörbaren Konzepten und freier Musikantik. Am preisgünstigsten im Neukauf (von den CDs seit 2006) ist wohl derzeit Yingdi Suns Aufnahme, interpretatorisch sicher nicht die schlechteste Wahl für die, die weniger auf vordergründig Virtuoses, sondern mehr auf die Poesie, quasi auf die „Musik innerhalb der Musik“, Wert legen:



      Meine Nummer 1 (immer noch), neben unzähligen weiteren Nr. 1 Aufnahmen (Horowitz 32, 49 und 76, Demidenko, Wild 49, Argerich, Brendel 58 und 92, Berman 55 und 58, Cziffra, Arrau live 1982, Hough, Korstick u.v.a. - und viele Marksteine kenne ich noch überhaupt nicht), bleibt weiter diese hier – unglaubliche Geschlossenheit in sich, technisch und musikalisch verblüffend einheitlich:



      Und die nächste (?) Neuerscheinung folgt bald (20.5.2011):



      Tauche wieder ab, in h-moll…
      Zur Info: Bis auf weiteres keine aktive Moderationstätigkeit meinerseits.
      Herzliche Grüße
      AlexanderK


    • Carsten Dürer hat hierzu bereits eine Rezension in der aktuellen PianoNews veröffentlicht. Eher ein Verriss, denn er schreibt u.a.: „Was denkt sich diese junge Pianistin dabei, derart hart zu spielen, den Flügel so donnern zu lassen, so sehr die Tempi zu forcieren? Nein, diese junge Pianistin hat entweder den Sinn der Sonate in h-Moll nicht verstanden, oder aber wollte unbedingt Aufmerksamkeit erregen.“

      Die Hamelin-Einspielung werde ich in Kürze hören können. Obgleich ich mir eigentlich keine Aufnahmen dieser Sonate mehr zulegen wollte, konnte ich nicht widerstehen....

      Gruß, Cosima