Franz Liszt: Klaviersonate h-moll - Die große Klavierreise ins Ich

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • Valery Afanassiev

      Doch, den hatten wir schon hier, wenn auch nur kurz abgehakt und sinnigerweise :D im gleichen Atemzug mit Horowitz:

      Zwielicht schrieb:

      Verschlossen bleiben mir dagegen bisher sowohl die klassische Virtuoseninterpretation von Horowitz wie auch die unglaublich langsame Lesart Afanassievs (43 Minuten, wenn ich nicht irre).

      Titel und Spielzeiten der oben gezeigten CD:

      Sonate h-Moll (1853) - 41:38
      Klavierstück in Fis-Dur, S 192/3 (1873) - 1:50
      Klavierstück in Fis-Dur, S 192/4 (1876) - 1:50
      La lugubre gondola II (1882) - 11:00
      Unstern! (1883/86) - 10:02

      aufgenommen im Dezember 2000

      Obwohl Afanassievs Spielzeit durch Maximianno Cobra nochmal um 5 Minuten überboten wird, ist das natürlich schon sehr langsam. Allerdings braucht er die Zeit in erster Linie für die tempomäßig stark abgesetzten langsameren Abschnitte. Allein vom ersten zum zweiten Ton vergehen fast 6 Sekunden. Afanassiev denkt bzw. fühlt eben in solchen Dimensionen, und oft genug üben seine langen Spannungsbögen auf den, der sich darauf einläßt, eine ungemeine Sogwirkung aus.
      Persönlich ist mein Interesse an der Sonate nicht soo stark, daher lasse ich es mal bei diesen etwas platten Anmerkungen.
      Die CD scheint es übrigens nur in einer japanischen Version zu geben. Interessenten können, statt sich über die Marketplace-Mondpreise zu ärgern, gleich in Japan ordern.

      Gerade lese ich in einer amerikanischen Leserrezension zur Cobra-CD, dass Afanassiev die Sonate schon einmal 1976 für EMI aufgenommen hat. Damals noch mit 28:12 Spielzeit.
      Vielleicht kennt irgendjemand diese Aufnahme?

      Gruß,
      Khampan
    • Khampan schrieb:

      oft genug üben seine langen Spannungsbögen auf den, der sich darauf einläßt, eine ungemeine Sogwirkung aus.


      Absolut. Einlassen ist überhaupt das Zauberwort bei Afanassiev. Gilt ebenso für seinen Bach wie für seinen Schubert.
      "...es ist fabelhaft schwer, die überflüssigen Noten unter den Tisch fallen zu lassen." - Johannes Brahms
    • Ich lass mich ja ein, aber es lässt mich nicht ein. Eine Viertelpause von fast sechs Sekunden Dauer...


      Khampan schrieb:

      Obwohl Afanassievs Spielzeit durch Maximianno Cobra nochmal um 5 Minuten überboten wird


      Herr Cobra ist ja auch Anhänger der berüchtigten Tempotheorien Schwandts, Talsmas u.a., die wir schon mal ab hier diskutiert hatten.


      Viele Grüße

      Bernd
      Details are always welcome. (Vladimir Nabokov)
    • Zwielicht schrieb:

      Ich lass mich ja ein, aber es lässt mich nicht ein. Eine Viertelpause von fast sechs Sekunden Dauer...

      Nicht nur das: Die beiden G-Oktaven, mit denen die Sonate beginnt, sind ja auf Zählzeit 2 und 4, also synkopisch. Das kann man wenn überhaupt nur mit einem deutlichen rhythmischen Puls hörbar machen. Bei zehn Pulsschlägen pro Minute kann man sich den Arzt ersparen ;+) . Ich kenne diese Aufnahme nicht, aber bei Afanassievs Schubert-Sonaten ist für meine Wahrnehmung über weite Strecken die Grenze zur unfreiwilligen Komik überschritten. Es gab mal eine Zeitlang eine Art Wettbewerb, bei dem manche Pianisten einander mit der langsamsten B-Dur- oder G-Dur-Sonate zu überbieten versuchten. Ich halte das für einen Irrweg, der auch durch die Notentexte (sowohl bei Schubert als auch bei Liszt) klar widerlegt werden kann. "Molto moderato" bedeutet eben nicht "Largo sostenuto".

      Viele Grüße,

      Christian
      Jeder Eindruck, den man macht, schafft Feinde. Um populär zu bleiben, muss man mittelmäßig sein.
      Oscar Wilde
    • Bei amazon.com gibt es eine Kundenbewertung (der Sammler dort will 570 Aufnahmen der Sonate besitzen, und das mir als Möchtegernsammler ;(), die Cobra und Afanassiev vergleicht (und Cobras Aufnahme "vernichtet") - allerdings führt der Link hier zur europäischen Angebotsseite, man findet die Rezension, wenn man das Produkt bei amazon.com aufruft):



      Ich habe im April Ivo Pogorelich mit der Sonate in Raiding gehört. Er hat ziemlich genau 45 Minuten mit ihr vor Publikum zugebracht. Es war eine einerseits faszinierende, andererseits enorm langatmige Interpretation. Das Bemühen war deutlich spürbar, mit der Langsamkeit besondere Intensität erzielen zu wollen, auf mich wirkte es aber imnmer wieder zu kalkuliert, an der Grenze zur Frage "Will er jetzt provozieren oder wirklich besonders intensiv spielen?" - oft hatte ich das Gefühl, ersteres traf zu. Ein Freund von mir erlebte es völlig anders. Und ich als Gespaltener stimme ihm teilweise zu. Zumal der Schluß, den Pogorelich wirklich als endloses Versinken im Nichts gestaltete, hatte was wirklich eigenartig Spirituelles an diesem Abend. Wie er sich buchstäblich nicht lösen konnte von der Musik, das wird auch mir als "Jahrhundertmoment" in Erinnerung bleiben.
      Herzliche Grüße
      AlexanderK
    • Jean-Philippe Collard hat die Sonate zwischen 4.4.2011 und 11.5.2011 21mal in Paris öffentlich gespielt.

      "http://www.anneeliszt.com/concerts/details/74-jean-philippe-collard-dans-une-serie-exceptionnelle-de-21-recitals"

      Die mit ihm verfügbare CD Aufnahme stammt allerdings schon vom November 1991.

      Herzliche Grüße
      AlexanderK
    • Eine recht eindrucksvolle neue Aufnahme mit Khatia Buniatishvili:



      Auf der CD ist Liszts h-moll-Sonate umrahmt vom Liebestraum in As-Dur und dem Mephistowalzer Nr. 1, eine schöne Programmzusammenstellung. Meine ersten Eindrücke: Buniatishvilis Interpretation ist sehr intensiv und emotional aufgeheizt. Selbst in den langsamen lyrischen Teilen kommt sie kaum zur Ruhe und drängt immer vorwärts. Mir gefällt's, auch wenn ich mir vorstellen kann, dass diese Einspielung nicht bei allen Zustimmung finden wird. Falls es jemanden interessiert: Buniatishvili benötigt für die Sonate rund 31 Minuten.

      Die Bonus-DVD lohnt sich kaum. Auf ihr befindet sich nur der viereinhalbminütige Videoclip, der auch bereits im Internet online zu finden ist. Außerdem auf der CD: Die Trauergondel und Präludium und Fuge in a-moll nach Bach BWV 543.

      :wink: Frank
    • Frank Pronath schrieb:

      Eine recht eindrucksvolle neue Aufnahme mit Khatia Buniatishvili:



      Auf der CD ist Liszts h-moll-Sonate umrahmt vom Liebestraum in As-Dur und dem Mephistowalzer Nr. 1, eine schöne Programmzusammenstellung. Meine ersten Eindrücke: Buniatishvilis Interpretation ist sehr intensiv und emotional aufgeheizt. Selbst in den langsamen lyrischen Teilen kommt sie kaum zur Ruhe und drängt immer vorwärts. Mir gefällt's, auch wenn ich mir vorstellen kann, dass diese Einspielung nicht bei allen Zustimmung finden wird.



      Hallo Frank,

      ich kenne die Aufnahme noch nicht, allerdings war in der letzten Ausgabe der Piano News ein kapitaler Verriss zu lesen. Mephisto-Walter und h-moll-Sonate gerieten in ihrer [Buniatishvilis] Darstellung zu einer harschen und wenig differzenzierten Aussage. Die Pianistin gehe unsensibel mit Agogik und Dynamik um. Es gebe keine klare Linie. Ebenso fehle die emotionale Aussagekraft. Wörtlich schreibt Carsten Dürer: Was denkt sich diese junge Pianisten dabei, derart hart zu spielen und den Flügel so donnern zu lassen, so sehr die Tempi zu forcieren?" Buniatishvili habe entweder den Sinn der Sonate nicht verstanden oder wolle partout Aufmerksamkeit erregen, was ihr gelungen sei, so Dürer weiter. Effekthascherei also, und keine durchdachte Interpretation.

      Offenkundig polarisiert diese Aufnahme.

      :wink: :wink:

      Christian
      Rem tene- verba sequentur - Beherrsche die Sache, die Worte werden folgen

      Cato der Ältere
    • Caesar73 schrieb:

      Ebenso fehle die emotionale Aussagekraft. Wörtlich schreibt Carsten Dürer: Was denkt sich diese junge Pianisten dabei, derart hart zu spielen und den Flügel so donnern zu lassen, so sehr die Tempi zu forcieren?"
      Die Auffassung teile ich überhaupt nicht. Ob die Aufnahme gefällt ist sicherlich Geschmackssache. Aber der Pianistin einen Mangel an emotionaler Aussagekraft zu bescheinigen, ist m. E. völlig vefehlt. Kann es sein, dass C. D. (Verleger, Herausgeber, Chefredakteur, teilweise auch Autor und Rezensent in Personalunion) manchmal etwas überarbeitet ist?

      :wink: Frank
    • Mein Höreindruck:

      Das Motto der von der Sony stark beworbenen CD, die sich aufs Liszt-Jahr setzt und zur Erstauflage eine zusätzliche DVD liefert, heißt „Faust-Margarethe-Mephisto“. Im Zentrum steht die Sonate h-moll, inhaltlich wie optisch, denn das Video versetzt die ambitionierte Künstlerin zu einer Kurzfassung der Sonate videoclipartig in alle drei Rollen. Khatia Buniatishvili (geboren 1987 in Tiflis) spielt bewusst impulsiv, sie spekuliert auf die Verblüffung des Publikums mit ihrer atemberaubenden Virtuosität, schafft es, irrwitzig schnell davonzuziehen, bleibt dabei erstaunlich treffsicher und weiß mit ihren grimmigen Weiterführungen den Hörer ein- ums andere Mal in Atem und bei Laune zu halten. Als Kontrast dazu pflegt sie mystisch verklärtes Innehalten bis zum Stillstand. Ihre Impulsivität wirkt dann doch etwas kalkuliert und wohldurchdacht. Sie spielt quasi mit dem Werk. Das ist immerhin sehr spannend, abwechslungsreich, erfrischend „anders“ und lässt auf jeden Fall aufhorchen. In der Unberechenbarkeit erinnert die Pianistin an Ivo Pogorelich, im Zugriff an Martha Argerich. Eine Aufnahme der Extreme, und allemal ein starkes Ausrufezeichen einer CD Debütantin im Liszt-Jahr.
      Herzliche Grüße
      AlexanderK
    • AlexanderK schrieb:

      In der Unberechenbarkeit erinnert die Pianistin an Ivo Pogorelich, im Zugriff an Martha Argerich. Eine Aufnahme der Extreme


      Die beiden Interpreten kamen mir spontan ebenfalls in den Sinn, als ich die Besprechung las. Vor allem Pogorelich. Einen ähnlich impulsiven Zugriff wählt Polina Leschenko:



      Allerdings scheint Khatia Buniatishvili manuell sicherer zu sein, nachdem was Alexander schreibt. Denn Leschenko hat da doch den einen oder anderen Hänger.

      Eine Randnotiz: Das Cover von Buniatishvilis Aufnahme finde ich freilich furchtbar kitschig, aber wichtig ist ja die Musik ;+)

      :wink: :wink:

      Christian
      Rem tene- verba sequentur - Beherrsche die Sache, die Worte werden folgen

      Cato der Ältere
    • Ich habe diesen Thread nach dem ersten vollkommen unvorbereiteten Live-Erlebnis mit der Sonate soeben entdeckt und danke Alexander (was für eine tolle Recherche!)und den Anderen ganz herzlich für die spannenden Beitrâge

      AlexanderK schrieb:

      Liszts h-moll Sonate lässt bei einer spannenden Interpretation die etwa 30 Minuten Spieldauer wie im Fluge vergehen, außer die Interpretation legt es auf bewusste Längen an.
      Ja, die Zeit verging wirklich wie im Flug und es war allein schon spannend immer wieder auf bekannte Themen/Versatzstücke zu warten. Was mich oft an liszt ein bisschen stört ist die aufs erste Hören struktuerelle Zerrissenheit der Musik, die ein Hören für mich anstrengend macht. Bei dieser Soante fiel mi das Folgen viel leichter.


      AlexanderK schrieb:

      Eine der neuesten Aufnahmen. Lebendige Spontaneität, vieles wirkt auch bei ihr wie aus dem Augenblick heraus. Beim Fortissimo nimmt sie sich aber eher verhalten zurück. Vorliebe für Arpeggien, für gebrochene Akkorde.
      :juhu: :juhu: :juhu: Nein, sie hat nicht die Tasten verprügelt und auch nicht versucht das Klavier kleinzukriegen.... und ihre Arpeggi klingen wie Engelsharfen, man kann die Töne wirklich nicht mehr unterscheiden, so fliessend spielt sie. Grimaud spielt keienrlei Virtuositât aus udn tritt auf wie das nette Mâdchen vo nnebenan. die Virtuositât die es für diese Musik bracuht merkt man kaum, sie wird in keiner weise ausgespielt.
      Nach zwei Zugaben bekam sie statt Blumen einen Mini-Wolf als Stofftier geschenkt . Wahrscheinlcih hat sie eine Riesensammlung.
      ich habe gestern auch erfahren, dass sie ien serh lesenswertes Buch über ieen Künstlerkrise und ihren Aufenthalt in einem kloster geschreiben haben soll udn werde mich mal auf die Suche begeben. kennt das shcon jemand hier?


      AlexanderK schrieb:

      Ich glaube es ist auf keinen Fall Musik zum Nur-Nebenbeihören. Es kann durchaus ein Gewinn sein, den Themen zu folgen (wann tauchen sie wieder auf, wie tauchen sie auf, Beispiel Fugato - "Faust diskutiert mit Mephisto"). Ich kann mir auch vorstellen, dass 30 Minuten hier sehr lang werden können wenn man so eine Klaviermusik nicht gewohnt ist. Leichte Kost ist diese Sonate "für Ungeübte" sicher nicht.
      Ich fand es wie gesagt auch superspannend den Themen zu folgen (allerdings ohne Partitur, meine Freundin hatte sie zwar dabei, aber man konnte nichts sehen,Konzeertsäale sind gewöhnlich ja verdunkelt :rolleyes:


      Malcolm schrieb:

      allerdings ist er mir mit Verlaub ein bißchen zu schöngeistig
      ?( ?( ?( Liszt war ein ausgesprochener Schôngeist mit einer universellen Bildung. So schôngeistig wie er es verdient hätte, kônnen wir gar nciht sein, fürchte ich.....


      AlexanderK schrieb:

      18.06.2011 Hélène Grimaud Lille (FR) Nouveau Siécle
      Was für ein Genuss! :juhu: :juhu: :juhu:
      Ich habe sie zum ersten mal live erlebt und war von ihrem Mozart zwar nciht so ganz begeistert (dser klang mehr wie Beethoven und war mir zu wuchtig) aber die Liszt-Soante war genial. Sie hat ausserdem eien Klaviersonate von Alban berg und rumânsiche Tänze von Bartok gespielt. Mich hat der liszt aber so erschlagen, dass ich kaum Ohren fûr Anderes hatte.


      Liszt ist dieses Jahr der Fokus des Pïanofestival Lille, das noch bis heute abend dauert. Ich mache ständig neue Entdeckungen! Gestern die Variationen über Bachs Kantate "Weinen Klagen"(gespielt von Tatjana Stefanovich) haben mich fast noch stârker gepackt als die h-moll Sonate. Heute abend warten noch die Transkription der pasotrale und der Wanderer-Phantasie auf mich(gespielt von Piemontesi).
      Dazwischen gab es Lotte Reinigers Stummfilm "Die Abenteuer des Prinzen Achmed" von 1926 auf Riesenleinwand und mit Live-Klavier- Begleitmusik.
      Dieses festival wird jedes Jahr besser. zum Schwelgen und Abheben.
      Nächstes Jahr ist frz. Musik das Hauptthema.

      :fee:
      Jede Krankheit ist ein musikalisches Problem und die Heilung eine musikalische Auflösung (Novalis)
    • Vielen Dank etwas verspätet an FairyQueen für diese so wunderbar emotionale Reflexion!

      Liszts 200. Geburtstag rückt näher, und die aktuellste Aufnahme der h-Moll Sonate, live aufgenommen im Wiener Konzerthaus im Mai 2011, soeben erschienen, ist integriert in ein ambitioniertes „Liszt Project“ von Pierre-Laurent Aimard, das auf zwei CDs Liszt Werke Kontexten einordnet, die Sonate etwa Sonatenkompositionen von Wagner, Scrjabin und Berg (letztere hat auch Hélène Grimaud mit Liszts Sonate gekoppelt) gegenüberstellt, andere Werke Kompositionen von Bartok, Stroppa, Ravel und Messiaen – eine von der Abfolge her wie ich finde unglaublich spannende Zusammenstellung, die auch reizvoll ist einfach so zu hören, also ohne zu wissen welches Werk folgt, denn da hört man die Klavierstücke (egal von wem) „gelöster“, unvoreingenommener, und man kann völlig neue Details heraushören. Was die Sonate betrifft, so gehört Aimard zu jenen, die keine Brüche mögen, vielmehr ein in sich geschlossenes Ganzes vorzustellen versuchen, ein gewissermaßen analytischeres, intellektuelles Konzept.



      Bereits im Mai erschien eine Aufnahme der Sonate mit Garrick Ohlsson (Gewinner des Chopin Wettbewerbes 1970, somit zwischen Argerich 1965 und Zimerman 1975), eingespielt im April 2009. Ohlsson koppelt das Werk mit Busonis selten zu hörender Klavierfassung des wie die Sonate ungefähr halbstündigen Liszt-Werks Fantasie & Fuge über "Ad Nos, Ad Salutarem Undam". Für mich ist diese Aufnahme besonders interessant, weil sie als erste von ca. 80 mir bisher bekannten CD Aufnahmen nach unzähligen Steinways erstmals einen Bösendorfer Imperial Flügel als gespieltes Instrument nennt.



      Hinweise auf neu bzw. erstmals veröffentlichte historische Aufnahmen:

      Emil Gilels´ Aufnahme (entstanden am 24.12.1964) wurde ebenfalls im Mai 2011 neu veröffentlicht, gekoppelt mit Schuberts großer B-Dur Sonate.



      Neben Gilels ist Claudio Arrau für mich nach wie vor einer der allergrößten Interpreten der Sonate (beide zumal mit ihren Liveaufnahmen, ungeheure Dokumente zeitlos großen Klavierspiels), diese ebenfalls im Mai 2011 veröffentlichte Aufnahme entstand im Jänner/Januar 1976.



      Arthur Rubinsteins "coole" Studioaufnahme vom April 1965 war in letzter Zeit auf CD vergriffen (nur als mp3 Download erwerbbar), wurde aber zum Liszt Jahr im März neu aufgelegt:



      In seiner Sendereihe über Franz Liszt präsentierte Michael Stegemann heute (11.9.2011) in rbb Kulturrradio eine Stunde lang die Sonate. Den Fugatoabschnitt stellte er in drei analytischeren Aufnahmen (Cortot, Zimerman, Hamelin) sowie in drei emotionaleren (Horowitz 1932, Demidenko, Buniatishvili) vor. Und die ganze Sonate mit dem New Yorker Livemitschnitt von 1947 mit Simon Barere. Das Manuskript dieser Folge wird wohl in Kürze hier nachzulesen sein:
      "http://www.kulturradio.de/programm/schema/sendungen/franz_liszt.html"
      Die Musikliste findet man hier:
      "http://www.kulturradio.de/programm/schema/sendungen/franz_liszt/playlisten/2011/09/110911_1500.html"

      Die von Stegemann bevorzugte Barere Aufnahme gibt es hier:



      Hier noch einmal die mir bekannten Neuaufnahmen seit 2009 – eine Nachfrage ist wohl da nach diesem Werk (und der Ehrgeiz der Interpreten, die eigene Sichtweise der unüberschaubaren Diskografie dieses Werks hinzuzufügen, scheint ungebrochen), so oft wie die Sonate aufgenommen wird (in Klammer der Aufnahmemonat):

      Nareh Arghamanyan (3/2009)
      Boris Berezovsky (3/2009)
      Garrick Ohlsson (4/2009)
      Andrea Kauten (3/2010)
      Lars Vogt (5/2010)
      Winfried Lichtscheidel, Orgel (Fassung von Bernhard Haas, 5/2010)
      Kirill Gerstein (5/2010)
      Haiou Zhang (7/2010)
      Marc-André Hamelin (8/2010)
      Hélène Grimaud (9/2010)
      Khatia Buniatishvili (10/2010)
      Francois-Frédéric Guy (11/2010)
      Pierre-Laurent Aimard (5/2011)

      Ich habe heuer das Werk schon ein paar Mal in Konzerten gehört und werde es noch mindestens zweimal hören (Volodos und Pogorelich in München). Evgeny Kissin (gehört im Februar) und Arcadi Volodos (noch zu hören im Oktober) wünsche ich mir als unbedingte diskografische Ergänzungen, am besten mit Livemitschnitten von heuer.
      Herzliche Grüße
      AlexanderK
    • Vielen vielen Dank für diesen Thread !!!!

      Für mich ist diese Sonate in der Romantik ungefähr das, was die c-moll Sonate opus 111 von Beethoven in der Klassik für mich bedeutet .......





      Cziffra ist irgendwie eine Kategorie für sich - temperamentvoll und mit gewaltigen Kraftreserven (man höre sich die Ungarischen Rhapsodien oder die Polonaise an!). Höre ich sehr gerne mal. Trotzdem liegt er mir bei der h-moll Sonate im Ansatz zu nahe an Horowitz, ohne diesen Ansatz dann auch wirklich umsetzen zu können. Horowitz (vor allem in der Aufnahme von 1932) ist aus meiner Sicht bei Weitem unerreicht - vorausgesetzt, man kann mit dieser Intensität und Elektrizität umgehen.
      Sehr gute Aufnahmen sind für mich sonst von Martha Argerich (berauschend, wie absolute Musik funkeln kann), Alfred Brendel (nach wie vor ein Lehrstück, wie durchdacht Interpretationen sein können) und Claudio Arrau (zeitlos edle Klavierkunst).

      Don Fatale schrieb:

      Herzlichen Dank, lieber Alexander, für diese tolle Einführung! Ich war mal eine Zeit lang sehr angetan von dieser so leidenschaftlichen und vielschichtigen Musik. In der Zeit haben sich ganze 18 Aufnahmen bei mir angesammelt, ich glaube, die gleiche Menge habe ich sonst nur noch von Schumanns "Carnaval".
      Das ist aber lange her, und ich erinnere mich nur noch, dass mir die Aufnahme von Alexis Weissenberg und die von Clifford Curzon besonders gut gefielen; beide versuchen den leidenschaftlichen Gestus der Musik nicht noch durch eine besonders exaltierte Interpretation zu verdoppeln, was dieser Sonate m.E. nicht gut tut, sondern bleiben relativ sachlich und dabei genau.

      Aber, wie gesagt: ewig nicht mehr gehört. Ich stelle mal die Liste meiner Aufnahmen rein. Höre auch gerne mal wieder in eine rein und schreibe was drüber, falls an irgendeiner Stelle besonderes Interesse besteht:
      Weissenberg, Cortot, André Watts, Arrau, Curzon, Gilels, Ernst Levy, Cziffra, Jean-Marc Luisada, Zimerman, Berman (2), Argerich, Pollini, Pletnev, Demidenko, Richter, Horowitz.

      Richter (live 1965, aus der Brilliant-Box) läuft gerade:

      Finde ich scheußlich. Übertrieben bedeutungsschwanger zu Anfang, besinnungsloses Gehacke und mengenweise falsche Töne in den schnellen Passagen, sang- und klanglos in den lyrischen, dazu die ewig viel zu schwere linke Hand, die mich bei Richter immer wieder stört.

      Grüße
      vom Don
      Gibt es die Aufnahme mit Alexis Weissenberg noch?
      Ich habe - Himmel, das ist ewig her ..... - als Schüler am Radio eine Live-Übertragung aus dem Schleswig-Holstein Musik Festival gehört. Weissenberg spielte damals erst die C-Dur Fantasie von Schumann und dann die h-moll Sonate von Liszt (und ein paar Zugaben). Ich kannte bis dato nur die Aufnahme von der jungen Martha Argerich (immer wieder faszinierend, diese Frau). Von dem Weissenberg-Konzert habe ich mir damals einen Kassettenmitschnitt gemacht - ich glaube, daß Band kann nur noch aus einem Atom-Monolayer bestehen ........

      lg

      tastenrabe
    • Tastenrabe schrieb:

      Gibt es die Aufnahme mit Alexis Weissenberg noch?

      Offenbar nicht, leider. Meine ist eine französische EMI-LP.
      Überhaupt ist Weissenberg wohl sehr aus der Mode geraten, was ich schade finde - die wenigen Aufnahmen, die ich von ihm kenne, gefallen mir sehr; ein genauer, sensibler und technisch herausragender Pianist mit einem scharfen Sinn für Strukturen.

      Grüße
      vom Don
    • Vor kurzem habe ich per Download den Guy erworben:


      Eigentlich erwarb ich die CD wegen der Harmonies — ich war auf der Suche nach einer Gesamteinspielung.

      Aber wenn die h-moll-Sonate schon mal 'mitgeliefert' wird, kann man sie sich auch mal anhören.

      Vielleicht habe ich andere Erwartungen und kenne auch nicht zu viele Einspielungen, war aber begeistert. Mit gefällt sein runder, gepflegter Anschlag, ich empfand vieles als 'nicht so gehämmert'.

      Mich würde interessieren, wie Ihr diese Einspielung seht, ob ich einen abstrusen Geschmack habe oder nicht.
      Lucius Travinius Potellus
      Those who would give up essential Liberty, to purchase a little temporary Safety, deserve neither Liberty nor Safety. (B.Franklin)
    • Mein Eindruck:
      Die Sonate nimmt Guy empfindsam-kontrolliert, aus einer tief empfunden scheinenden inneren Ruhe sich entfaltend. Ihm geht es um den großen Überblick, aus dem heraus er im Detail besonders intensiv das Poetische modellieren kann. Sein sehr transparentes Spiel, mit weichem Anschlag, führt zu einer vollkommen abgerundeten Aufnahme der Sonate, die andere Pianisten viel brüchiger und existenzialistischer verstehen. Hier ist die Sonate eine Frage der inneren Energie, bei den anderen oft eine Schicksalsfrage.
      (Bei mir war´s umgekehrt, ich habe die Doppel CD der Sonate wegen gekauft und bin nun auch hin und weg von den Harmonies.)

      Hier noch ein weiterer Sampler zum Liszt-Jahr, seit 15.9.2011 im Handel (h-Moll Sonate: eine private Mono-Aufnahme aus den frühen 70ern):

      Herzliche Grüße
      AlexanderK
    • Hallo Don,

      Don Fatale schrieb:

      Überhaupt ist Weissenberg wohl sehr aus der Mode geraten, was ich schade finde - die wenigen Aufnahmen, die ich von ihm kenne, gefallen mir sehr; ein genauer, sensibler und technisch herausragender Pianist mit einem scharfen Sinn für Strukturen.

      ja, das ist Weissenberg wohl. Hat, denke ich, auch mit seiner "Konzertkrise" zu tun - Depressionen usw. - aber da ist er in der Gesellschaft des musikalischen Olymps, sozusagen.
      Viele seiner Aufnahmen sind einfach Klasse, auch wenn er immer im Dauerfeuer der Nörgler gestanden hat, er sei ein reiner Techniker (das mußte sich sogar Gulda anhören), er verzögere die Konzerte (das lag, mit Verlaub, wohl zu einem erheblichen Anteil auch an den Dirigenten) ........
      Ich habe ihn damals im Radio gehört und später in Hannover mit dem d-moll Konzert von Brahms. Letzteres litt leider ein wenig unter einem Gestaltungskonflikt mit dem Dirigenten Gerd Albrecht ....... aber allein die Solopassagen waren eine Klasse für sich - aus meiner Sicht deutlich besser als z.B. die hochgerühmte (und von mir durchaus sehr geschätzte) Hélène Grimaud. Und selbst mit dem Orchester zusammen war er noch Spitzenklasse - man hörte und spürte nur leider stellenweise ein gewisses gegenseitiges Drängen und Bremsen. Die Aufnahmen, die ich besitzte, mag ich allesamt sehr gerne - und sein Bach setzt für mich so eine Größe wie Gould durchaus unter Druck (ich finde Weissenberg hier überzeugender).

      lg

      Tastenrabe

      "http://schattenspiegelungen.wordpress.com/"