Franz Liszt: Klaviersonate h-moll - Die große Klavierreise ins Ich

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    • Rosamunde schrieb:

      Ich selber, als Privatperson mit rudimentär musikalischer Vorbildung, möchte mir aber weiterhin vorbehalten nicht alles Top Sahne zu finden und es auch öffentlich zu sagen, so lange ich es einigermassen respektvoll tue. Denn ansonsten könnte man es nicht ernstnehmen, wenn ich etwas in den Himmel hoch lobe. So ungefähr denke ich
      Liebe Rosamunde
      meine Bemerkungen waren gar nicht als Kritik an Deinen Höreindrücken gedacht, sondern völlig wertneutral. Du hast die Aufnahme gehört, ich (noch) nicht. Werde aber versuchen es zeitnah zu tun, der Stapel der noch zu hörenden Neuanschaffungen ist allerdings hoch. :D

      Bei der Liszt-Sonate liegt die Latte natürlich auch extrem hoch: Arrau, Argerich, Brendel, Gilels, Richter... Das sind/waren alles Jahrhundertpianist*innen.
    • Abendroth schrieb:

      Hier sind zwei Live-Aufnahmen mit Mariam Batsashvili.
      Ich habe mir nun den 2. Link angestellt, die Konzertaufnahme von 2016. Mein Eindruck ist derselbe, wie im Wettbewerb: Es bleibt pianistisch oberhalb meiner Toleranzschwelle. Sie macht zu viele Fehler. Sie hat nicht genug Wucht und auch in den leisen Stellen nicht genug Selbstbewusstsein. Viele, viele Noten werden vernachlässigt, als seien sie nicht wichtig.
      Ich bin eben bei 5 Minuten 30 Sekunden angelangt. Hier macht sie einen Fehler und überspringt um sich zu fangen eine ganze Passage. Gut, sowas kann mal passieren, und man sieht darüber hinweg, wenn der Rest wirklich mitreissend ist, aber hier sieht es im Gesamtbild nicht gut aus. Da kommt ein Abstrich zum anderen......
      Ich höre noch eine Weile weiter, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass sich mein Eindruck verbessern wird.

      EDIT: bin inzwichen am Ende angelangt. Diese Aufnahme ist noch weniger technisch ausreichend, als die vom Wettbewerb. Sie macht zu viele wirkich gewichtige Fehler. Da kommt die Musik gar nicht in den Gang.
    • Wieland schrieb:

      meine Bemerkungen waren gar nicht als Kritik an Deinen Höreindrücken gedacht, sondern völlig wertneutral.
      ist klar, ich hatte Dich so verstanden. :)

      Wieland schrieb:

      Bei der Liszt-Sonate liegt die Latte natürlich auch extrem hoch: Arrau, Argerich, Brendel, Gilels, Richter... Das sind/waren alles Jahrhundertpianist*innen.
      Hm. Was soll man dazu sagen....das wird eine Riesendiskussion.

      1. Die Latte ist hoch bei jedem Stück.

      2. Gibt es überhaupt einfache Stücke? Oder besser : hört man nicht auch gerade bei einfachen Stücken, wie gut ein Pianist ist ?

      3. Ist es ok, wenn man Liszt nicht spielen kann, ihn dennoch technisch unzulänglich zu spielen, aber dann als Entschuldigung zu sagen: "na, hör mal, ich bin doch kein Brendel, das kannste nicht von mir erwarten?" Ja, Moment mal! Liszt erwartet es. Er hat ein Stück geschrieben, in dem die und die Noten stehen, von denen diese Pianistin im Vergleich zu Brendel zu viele weglässt oder falsch spielt. Da sind wir an der Toleranzschwelle angelangt und wie hoch oder tief sie liegt. Wieviele falsche Noten sind zu tolerieren?

      4. Ich meine, dass falsche Noten zu tolerieren sind, solange der Musiker die Musik noch ausreichend transportieren kann. Hier gibt es subjektiven Auslegungsspielraum. Für mich war Frau B so gehemmt durch ihre pianistischen Fähigkeiten, dass sie mit ihrer Musik bei dieser Sonate gar nichts transportieren konnte. Sie hat sich von einem zum nächsten Fehler durchgehangelt, brauchte jedesmal etliche Takte um sich wieder zu erholen, und schon kam die nächste Schwäche.

      4. Dieselben ganz grossen Pianisten, die sich mit der Liszt Sonate durchaus aufs Podium wagen können, haben auch "einfache" Sachen eingespielt und auch dort werden sie meiner Vermutung nach "besser" sein. Dieser Unterschied in der pianistischen Fähigkeit zeigt sich eben nicht nur an den Stellen, wo man (um b-majors Ausdruck zu benutzen) eine Liszt Pranke braucht, sondern erstaunlichderweise auch gerade an den "leichten" Stellen. Hier kann Frau B mehrere Dinge eben nicht, die die ganz grossen können. Da müsste man mal Christian Köhn fragen, was da eigentlich los ist, bei ihr. Ich würde sagen: eben leider nicht viel. Für meine Ohren stimmt was mit ihrem Anschlag nicht. Sie kann ihn nur laut oder leise machen, aber weitere Variationen sind nicht drin, darüber hinaus ist das piano säuselnd, was ab und zu angebracht sein mag, aber die ganze Zeit eben einfach langweilig wird. Ihre Musikalität kann sich gar nicht in dem Masse entfalten, wie sie es bei Levy oder Brendel kann. Denn sie hat nicht das Werkzeug dazu. Ich würde sogar vermuten, dass sie gar nicht die Musikalität eines Brendels, Levys, oder einer Argerich usw besitzt, denn selbst wenn die Noten mal eine Weile lang stimmten, hat sie nichts in der Art hingezaubert, was Brendel oder Argerich eben scheinbar einfach mal so aus dem Ärmel schütteln. Es stecken viele Stunden (Monate, Jahre, ein ganzes Leben) Arbeit dahinter und ein wahnsinniges Talent, bis man so mit der Musik so entzückend spielen kann wie zB auch Jorge Bolet oder Annie Fischer. Also, für mich liegen genau hier Welten zwischen Frau B und den ganz grossen. Es sind noch nicht mal die groben Fehler an den Liszt-Pranken-Stellen, die mich stören. Es ist der ganze Rest ihres Spiels, der nicht herankommt an was diese Sonate für mich braucht.

      Es kann aber sein, dass sie Angst hatte und dadurch insgesamt gehemmt war. Ich sollte mir mal andere, durchgehend "einfachere" Sachen von ihr anhören. Dann würde man es ja merken.
    • Für jemanden, der so "gehemmt" ist und sich von Fehler zu Fehler hangelt, programmiert sie die Liszt Sonate aber verdammt oft. Es gibt auf youtube z.B. noch eine Aufnahme aus Korea. Und sie spielt relativ viel Liszt, es scheint geradezu ihr 'Aushängeschild' zu sein. Auch auf der CD bei Warner gibt's nur Liszt. Ich würde sagen, es fehlt ihr (noch) an Gestaltungskraft. Ihr Spiel hat nicht das Zwingende, das man bei Brendel oder Arrau empfindet. Wie viel Noten sie weglässt, kann ich nicht beurteilen. Es bleiben ja noch recht viele übrig. Und Cortot war ja auch berüchtigt für seine Fehler. Offensichtlich muss mit meinen Ohren etwas nicht stimmen, da ich ihr Spiel nicht als so katastrophal empfinde. Merkwürdig, dass sie schon wiederholt in die Wigmore Hall eingeladen war, auch für dieses Jahr ist ein Auftritt vorgesehen! (Apropos Wigmore Hall: da ist für dieses Jahr ein farewell Konzert von Christian Zacharias angekündigt.)
    • Hier lief gerade eine ganz wunderbare Version.
      Michele Campanella, ich glaube von 2017, also eine moderne Aufnahme, bei der nun endlich auch mein Anspruch an den Aufnahmeklang erreicht wird. Es klingt herrlich.

      Mir fällt gerade auf, dass ich wohl ein Solo Klavier Fetischist sein muss. Erste Tendenzen zeigten sich im Alter von 18, als ich wie Lucy aus den Peanuts bei meinem Freund, der kein Schroeder war, am Flügel abhing und er mir die erste Chopin Ballade vorspielte :D .

      Michele Campanellas Version ist eher nüchtern. Weniger ist mehr. Aber aus einem Guss geformt, wie auch seine Annees des Pelerinage. Vielleicht wirkt Liszt gerade dann vollkommen, wenn er leicht zurückgehalten wird. Ich bin sehr beeindruckt.
      Und das Klavier klingt wie Glocken.

      Diese Aufnahme wird eventuell mein 3. Favorit.

    • Tja, mir scheint, sie ist es:

      Die perfekte Liszt Sonate.
      Jeno Jando

      Keine falschen Noten, keine verschluckten Noten, eine einzige split note auf 2:27 ( :versteck1: ), kein strategisch eingesetztes Pedal. Souveräner, technischer Superlativ. Kein Moment der Schwäche. Nichts in Frage zu stellen. The ultimate Liszt paw.

      Mir kommt die Assoziation einer aus edelstem Stein gemeisselten griechischen Statue auf - auch musikalisch kann man es absolut gerechtfertigt so empfinden, wenn der Geschmack danach ist. Es kracht, es kämpft, fliesst, schwelgt, singt, reflektiert, träumt. Vollendete Form.

      (Eine kleine Warnung: man kann Jando stellenweise mitsummen hören. Mich nervt das mit Kopfhörern, ohne Kopfhörer nicht, aber da ist jeder anders. Es ist aber sehr viel weniger deutlich als bei Gould.)




      Und trotzdem nicht mein Favorit. ;)
    • Rosamunde schrieb:

      Tja, mir scheint, sie ist es:

      Die perfekte Liszt Sonate.
      Jeno Jando

      Keine falschen Noten, keine verschluckten Noten, eine einzige split note auf 2:27 ( :versteck1: ), kein strategisch eingesetztes Pedal. Souveräner, technischer Superlativ. Kein Moment der Schwäche. Nichts in Frage zu stellen. The ultimate Liszt paw.

      Mir kommt die Assoziation einer aus edelstem Stein gemeisselten griechischen Statue auf - auch musikalisch kann man es absolut gerechtfertigt so empfinden, wenn der Geschmack danach ist. Es kracht, es kämpft, fliesst, schwelgt, singt, reflektiert, träumt. Vollendete Form.

      (Eine kleine Warnung: man kann Jando stellenweise mitsummen hören. Mich nervt das mit Kopfhörern, ohne Kopfhörer nicht, aber da ist jeder anders. Es ist aber sehr viel weniger deutlich als bei Gould.)




      Und trotzdem nicht mein Favorit. ;)
      Sehr interessant, ich bin nämlich noch auf der Suche nach "meiner H-Moll". Und ich bin schon oft bei Jando positiv überrascht worden.
      Mit herzlichen Grüßen

      Mercurio
    • Hier nun Yuja Wang mit ihrer Liszt h-moll Sonate. (Habe diese Sonate seit einigen Wochen etwa 5 mal in der Woche mindestens einmal pro Tag an. Meist Zhukov, aber auch Levy oder Campanella)

      Ich weiss nicht, wie ich es sonst sagen soll, aber Yuja Wang spielt für meine Ohren den gesamten Verein, den ich bisher gehört habe, an die Wand, sogar Jando. Man sollte aber auf jeden Fall mindesten 5 Minuten lang hinhören, nicht eher abschalten. OK? :)

      Ihre musikalische Intelligenz ist umwerfend, ihre Technik ist ohne Makel. Ihre Stimmführung und sehr ausgeprägte Fähigkeit nicht nur in verschiedenen Händen, nein, sogar verschiedenen Fingern :D stimmige Ausdrucksvariationen zu bieten, gehört in den siebten Himmel.
      Was ein Talent.
      Ihr Fugato ist zum Heulen (für alle anderen, die es jemals probiert haben und daran gescheitert).
      So, ich glaub ich hab alles gesagt. :verbeugung1:

      Natürlich hilft es, dass die Aufnahme modern ist, die Tontechnik wohl sehr gut, nehme ich an.

      (Ich habe sie mir auch schon mal live auf YT damit angehört, aber war damals überhaupt nicht angetan.....wer weiss. Man verzeihe mir, falls ich mich heute andersherum verhört haben sollte.)

    • Gerade auf YT diese etwas ältere Aufahme entdeckt, gespielt von Paul von Schilhawsky.
      Es steht auf Amazon als Aufnahmejahr 1961 dabei, aber ich bin mir nicht sicher, ob es stimmt. Vielleicht weiss es jemand hier?

      Für mich eine sehr schöne Version dieser Sonate. Wenn man es schafft, ihm die kritischen Passagen zwischen 1:50 und 3.00 zu schenken, dann wird man ansonsten reich belohnt.

      Hier der YT link
      youtube.com/watch?v=Isl_DC0ZERM

      oder auch: