Beethoven: "Fidelio" - Bayerische Staatsoper München, 21.12.2010

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    • Beethoven: "Fidelio" - Bayerische Staatsoper München, 21.12.2010

      Ein riesiges Labyrinth aus Metall, Glas und weissen Leuchtstoffröhren, bestehend aus zwei Teilen und aufrecht aufgestellt, sodass der Eindruck entsteht, das Publikum würde von oben auf die Wege und Irrwege dieses Labyrinths schauen, füllt die Bühne der Bayerischen Staatsoper komplett aus. Kein Gefängnis im herkömmlichen Sinn ist in dieser Neuproduktion der Beethoven-Oper „Fidelio“ durch den Regisseur Calixto Bieito (Bühne: Rebecca Ringst, Kostüme: Ingo Krügler) zu sehen, sondern ein irreal-albtraumhafter Raum, in dem sich Menschen verlieren können, in dem sie aneinander vorbeilaufen und sich nicht begegnen, obwohl sie sich sehen können. Wer einen anderen sucht, findet vielleicht nur immer sich selbst oder zumindest nicht das, was er sich erhofft hat.

      Noch vor einsetzen der Ouvertüre „Leonore III“ kann das Bühnenbild seine Wirkung entfalten. Durch eine Lichtwirkung scheint Wasser über die Bühne zu fliessen, in deren Mitte eine Frau sitzt, die auch ein Mann sein könnte, weisses Hemd, blaue Jeans, dunkle Weste, zumindest auf die Entfernung hin und ohne, dass man sie sprechen hören würde. Nach einem Moment der Stille beginnt die Frau zu reden. Sie rezitiert aus dem „Labyrinth“ von Jorge Luis Borges. Von Borges stammen fast alle kurzen Texteinschübe dieses Abends (neben einem Text von Cormac McCarthy), rein assoziativ, die Bilder unterstützend – mehr Text braucht es in dieser Produktion nicht.

      Während die Frau noch spricht, kriechen Menschen aus dem Orchestergraben auf die Bühne und klettern an den Gestängen des Labyrinthes hoch, akrobatisch sieht das aus und alle Darstellerinnen und Darsteller sind mit Sicherheitsleinen ausgestattet, die sie mittels Karabinerhaken am Gestänge verankern, auch Sinnbild für eine immer vorhandene Absturzgefährdung der Menschen auf der Bühne.

      Die Frau zieht ihr Hemd aus und bindet sich die Brüste flach an den Körper, sie verändert ihre weibliche Identität und gibt nun vor, ein Mann zu sein.

      Unter den Menschen auf der Bühne, die durch das Labyrinth irren, ist auch Florestan erkennbar, jener Mann, nach dem Leonore, die Ehefrau, die wir nun schon kennen gelernt haben, sucht.

      Die anderen Personen der Handlung kommen dazu: Jaquino, der Verlierer in der Gunst der Marzelline, die ihr Interesse auf die verkleidete Leonore gerichtet hat, später dann Rocco im Business Anzug mit Brille und Geldkoffer und Pizarro als getriebener zwischen Hass und Selbsthass, der sich wie bei einem Borderline-Syndrom mit einem Messer selbst verletzt.

      Aufgewertet hier die Rolle des Jaquino, der mit einer beeindruckenden Körperlichkeit Bilder von Entfernung und Alleingelassensein darstellt, bis hin zu einem Kopfstand, wo seine nackten Füsse, getrennt durch eine Scheibe des Labyrinths unter denen der Marzelline zu stehen kommen.

      Die Gefangenen sind Alltagsmenschen, denen Bilder angeheftet werden, wie man sie sehen kann, wenn Menschen gesucht werden, der 2. Gefangene löst sich von seiner Sicherheitsleine, aber nur, um sich mit ihr zu erdrosseln. Ausweglosigkeit, die Freiheit nur im Tod zu finden scheint.

      Der zweite Teil beginnt mit einem stillen Bild von beeindruckender Wirkung. Ganz langsam senkt sich der erste Teil des Labyrinthes nach hinten hinunter, während Menschen an Drahtseilen vom Bühnenboden herunterschweben, sie scheinen durch den Raum zu fallen, kommen auf dem Labyrinth zu stehen, sie balancieren, suchen Halt, und schweben auch schon mal ganz ruhig unisono über dem Labyrinth mit ausgebreiteten Armen. Die Aufhängung ermöglicht es tatsächlich, dass diese Menschen sich um die eigene Achse drehen können und die Darsteller/innen sind in der Lage, auch kopfüber hängend auszuharren.

      Aus dem Labyrinth tritt Florestan heraus, er ist ein traumatisierter, voll Angst und ohne Hoffnung auf Rettung aus seiner Situation. Ob er wirklich realisiert, dass seine Frau gekommen ist, um ihm zu helfen, bleibt offen. Am Ende des Bildes übergiesst Leonore den Pizarro mit Säure und Florestan tötet sich mit einem Messer. Hier ist das Stück eigentlich zu Ende.

      Aus dem Bühnenboden herab senken sich drei Käfige. In ihnen sitzen zwei Musikerinnen und zwei Musiker und spielen einen Ausschnitt aus Beethovens Streichquartett op. 132 a-moll, daraus das gekürzte Molto Adagio. Überschrieben ist das Stück mit „Heilige Dankgesang eines Genesenen an die Gottheit, in der lydischen Tonart“ und das „Molto Adagio“ soll mit „innigster Empfindung“ vorgetragen werden. Tatsächlich wirkt die Musik im grossen Raum der Bayerischen Staatsoper fragil und von ferne kommend, ein wunderbar poetischer Moment, der vielleicht wirklich in eine bessere Zukunft weisen könnte.

      Leonore und Florestan, mitunter merkwürdig fern von einander, trotz vermeintlicher Nähe, haben sich umgezogen zur Jubelfeier, ein böser Clown, der aussieht wie der „Joker“ im „Batman“-Film, gibt den Minister und kaltlächelnd erschiesst der Minister Florestan. Nach dem Schluss am Ende des letzten Bildes auch in der Utopie keine Hoffnung. Die Menschen tragen Schilder um den Hals, auf denen nichts steht, einzig auf jenes, das Florestan umgehängt wird, schreibt der Minister das Wort „Frei“.

      Mit einer für ihn fast ungewohnten Ruhe entwickelt Bieito Bilder, die in ihren besten Momenten eine hohe, suggestive Kraft entwickeln können. Er verlangt viel von seinen Darstellerinnen und Darstellern, aber weniger, als man in manch anderer seiner Produktionen sehen kann. Das Eingeschlossensein, dieses labyrinthartige, erinnert an Kafka. Das Programmheft unterstreicht diesen Aspekt, in den Stücktext sind Bilder der Orson-Welles-Verfilmung von Kafkas „Prozess“ eingefügt.

      Dass das Orchester der Bayerischen Staatsoper ein wirklich guter Klangkörper ist, muss kaum betont werden und natürlich beeindruckt der Klang für sich genommen durchaus. Was allerdings Daniele Gatti, der Dirigent des gestrigen Premierenabends, anbietet, ist ein etwas unentschiedener Beethoven, der weitgehend ignoriert, dass man dieser Musik weder mit den Klangvorstellungen, wie sie in etwa vor rund 50 Jahren üblich waren, beikommen kann, noch, dass eine extreme Tempoverschleppung dem Stück gut tut. Selbst mässige Tempi kommen einem plötzlich schnell vor, weil die langsamen wirklich schlimm sind und – man muss es so deutlich sagen – am Nerv der Musik vorbeigehen. Dass auch den Sängerinnen und Sängern diese zerdehnten Tempi nicht unbedingt helfen, liegt auf der Hand.

      Anja Kampe ist keine ideale Leonore. Es fehlt vor allem an sicheren Höhen und an Durchschlagskraft, sie umschifft die Klippen der Partie alle mit mehr oder weniger Fortune und geht manche Passage – nachvollziehbar – vorsichtig an.

      Jonas Kaufmann (Florestan) gestaltet seine Partie recht gut, er traut sich, seinen ersten Ton auf dem Wort „Gott“ in einem langen Crescendo zu entwickeln, ansonsten bietet die Stimme neben gaumig-verhangenen Tönen bei einer dunklen Grundierung einiges an Strahlkraft bei eingeschränkter Flexibilität.

      Nach gutem Beginn zeigte Franz-Josef Selig (Rocco) recht schnell leichte Ermüdungserscheinungen, die den Gesamteindruck trübten.

      Etwas pauschal, aber stimmlich präsent bei Problemen in der Tiefe der Pizarro von Wolfgang Koch, leichtgewichtig der Bass Steven Humes als Minister und nicht ganz überzeugend die Sopranistin Laura Tatulescu als Marzelline, die u. a. Probleme mit der Geläufigkeit nicht überspielen konnte. Jussi Myllys, der Jaquino, blieb ebenfalls sängerisch blass, konnte eber, wie alle anderen Mitwirkenden auch, darstellerisch überzeugen.

      Ein Sonderlob gebührt den Mitgliedern des Staatsopernballetts, die unter Anleitung der Choreographin Heidi Aemisegger in ihren akrobatischen Aktionen umwerfend gut waren.

      Der Chordirektor des Hauses, Sören Eckhoff, konnte mit der Leistung seines Klangkörpers zufrieden sein, der Regisseur positionierte den Chor allerdings auch meistens sänger/innenfreundlich mit Blickkontakt zum Dirigenten im weit hochgefahrenen Orchestergraben.

      Schon nach der Pause gab es Buh-Rufe für Daniele Gatti, am Ende dann auch eine heftige Schlacht zwischen Zustimmung und Ablehnung für das Team um Regisseur Calixto Bieito, ansonsten Jubel für alles, was sich auf der Bühne oder vor dem Vorhang zeigte.
      Der Kunst ihre Freiheit
    • Nur einige kurze Bemerkungen zur Produktion und zu Alvianos schönem Bericht: die Aufführung hat mich doch ein wenig enttäuscht. Gerade der erste Akt wirkte, was die Interaktion zwischen den zentralen Figuren anbetrifft, fast unfertig (Jaquino nehme ich mal aus). Viel Statik, teilweise überraschend konventionelle Personenarrangements (Quartett und die beiden nachfolgenden Nummern sowie Teile des Finales im ersten Akt). Stärker der zweite Akt, in dem Bieito mehr mit den Körpern der Sänger arbeitet und nicht nur mit denen des Staatsopernballetts: Rocco und Leonore graben keine Gruben und rollen keine Steine, sondern versuchen zunehmend gewaltsam, Florestan auf die linke Seite der Bühne zu schleifen - dieser flüchtet sich immer wieder nach rechts zurück. Im Quartett des zweiten Akts agierte man dann aber wieder merkwürdig unbeholfen.

      Beeindruckend das Bühnenbild, und in der Tat großartig dessen Kippen zum Beginn des zweiten Akts: aus dem vertikalen Labyrinth wird ein horizontales. Die Tänzer leisten Enormes, aber die Bespielung durch die Sänger - siehe oben - war manchmal wenig suggestiv.

      Die Streichung der Dialoge verstärkt die latente "Oratorisierung" dieser Oper, bewirkt eine Verminderung realistisch-psychologischer Motivation. Damit war aber m.E. zu wenig eine entsprechende Anti-Psychologisierung der Personenführung verbunden, nur an einigen Stellen kam es zu entsprechenden "Verschiebungen" - wenn Pizarro zu seiner Arie Leonore mit der Waffe bedroht oder wenn Leonore sich zum Schluss des ersten Akts um den zweiten Gefangenen kümmert, als handle es sich bereits um Florestan. Oder beim zweifachen Tod Florestans (erst durch das eigene Messer, dann durch die Pistole des Ministers).

      Stark die Interpolation des Dankgesangs aus op. 132 vor dem Finale des zweiten Akts und bewegend die visuelle Umsetzung. Warum man sich aber nicht traute, den Quartettsatz vollständig zu spielen, sondern eine barbarisch verstümmelte Version darbot (nur der erste Themenkomplex und dessen zweite Wiederkehr wurden gespielt, also Anfang und Ende des Satzes - alles dazwischen, einschließlich der Teile "Neue Kraft fühlend", war gestrichen), weiß ich nicht.

      Leonore III am Anfang der Oper halte ich nach wie vor für eine problematische Lösung. Ich habe in Aufführungen am Beginn der Oper schon Leonore I (Cambreling/Marthaler), Leonore II (Gielen/Kusej) und die Fidelio-Ouvertüre gehört - Leonore III ist für mich aufgrund der geschlossenen, regulären Formgebung als eigentliche Ouvertüre am wenigsten geeignet.

      Bei der Bewertung der musikalischen Seite der Premiere kann ich Alviano nur zustimmen. Ich habe ja schon an anderer Stelle das Gatti-Dirigat als Flop bezeichnet. Die wenigen positiven Seiten: sauberes Spiel des Orchesters und schöne Einzelleistungen der Bläser. Die Tempodramaturgie war jenseits von Gut und Böse: schon die Einleitung von Leonore III kam ziemlich verschleppt, aber bei der entsprechenden Passage in Florestans Szene (In des Lebens Frühlingstagen) nahm Gatti das Tempo nochmal erheblich zurück... Armer Jonas Kaufmann! Schlimm auch das suppige Terzett des zweiten Akts und das extrem statische Quartett im ersten Akt. Noch schlimmer, dass überhaupt keine dramatischen Impulse aus dem Graben kamen: schon Leonore III wurde recht beiläufig und ohne große dynamische Spitzen realisiert. Richtig breiig die Einleitung zum ersten Akt mit zurückgenommenen dynamischen Kontrasten, ohne gestopfte Horntöne. Apropos Hörner: beim Beginn des Quartetts im zweiten Akt konnte man sehen, wie Gatti die Hornisten explizit zur Zurückhaltung aufforderte, damit ihre crescendierenden Töne bloß nicht zu bedrohlich klingen - es lebe der wohlig-philharmonische Mischklang!

      Vielleicht hätte ich mit einem anderen Dirigat auch die szenische Seite der Produktion mehr zu schätzen gewusst, denn das "abstrahierende" Konzept finde ich nach wie vor interessant. Aber so...


      Viele Grüße

      Bernd
      Details are always welcome. (Vladimir Nabokov)
    • Hallo zusammen,

      @Alviano: Danke für die gute Beschreibung der Aufführung!

      Dennoch teile ich die Einschätzung Bernds. Vor allem der erste Akt erschien mir recht blass. Nachdem Bieito für einige seiner letzten Inszenierungen doch häufiger kritisiert wurde, immer wieder dieselben Stilmittel zu nutzen, hat er in dieser Aufführung fast auffällig darauf verzichtet (ob bewußt oder unbewußt ist mir natürlich nicht klar). Leider wirkte das Resultat aber seltsam statisch und wenig ausdrucksstark - um nicht zu sagen blutleer ;+)

      Viele der Ideen, finde ich im Ansatz sehr interessant und überzeugend: Der eher abstrakte, oratorienhafte Ansatz, der Austausch der Dialoge durch die Texte von Borges und McCarthy verstärkt wird , das Bild des Labyrinths, die Zeichnung des traumatisierten Florestans. Der Einschub des Quartetts war trotz der verstümmelten Fassung tatsächlich magisch. Dennoch haben mich andere Inszenierungen gerade auch von Bieito schon stärker mitgerissen. Allerdings hat Gatti sicher einen hohen Anteil daran, über sein Dirigat muß ich hier nichts mehr hinzufügen. Bin ich froh, das er nicht der Nachfolger von Nagano wurde...

      Wir saßen übrigens ganz oben in der Galerie und hatten daher immer einen Blick von schräg oben auf das Bühnenbild. Ich bin ziemlich sicher, daß der Eindruck aus dem Parkett ziemlich anders ist. Mal sehen, wir werden doch noch ein zweites Mal reingehen...

      Alviano schrieb:

      Der Chordirektor des Hauses, Sören Eckhoff, konnte mit der Leistung seines Klangkörpers zufrieden sein, der Regisseur positionierte den Chor allerdings auch meistens sänger/innenfreundlich mit Blickkontakt zum Dirigenten im weit hochgefahrenen Orchestergraben.


      Hierzu noch etwas, was ich in der Einleitung durch den Bayerischen Rundfunk aufgeschnappt habe, der vor Beginn im Foyer im ersten Stock den Chorleiter interviewt hat. Er hat erzählt, daß die Chorsänger sich beim Gefangenenchor durch die Plexiglas-Scheiben untereinander nicht oder nur schlecht hören konnten, was eine besondere Sorgfalt in der Einstudierung erfordert hat. Wahrscheinlich bilde ich mir das nur ein, aber ich dachte, das sich das augezahlt hat.

      Viele Grüße,

      Melanie
      With music I know happiness (Kurtág)
    • Für meinen Teil muss ich sagen, dass die Inszenierung in meiner Erinnerung im Lauf des heutigen Tages besser geworden ist, als ich sie gestern in der ersten Reaktion wahrgenommen habe. Das hängt vermutlich mit der Erwartungshaltung zusammen - wer einen "typischen Bieito" erwartet, mit Blut, Schweiß und Tränen, mit Gewalt und Spannung bis zum Bersten, wird verblüfft sein durch den ungewohnt abstrahierenden Ansatz. Ich bin jedenfalls auch gespannt, wie sich das im zweiten Durchlauf am 5. Januar anfühlen wird - für den Termin haben Melanie und ich nämlich noch Karten ergattern können.

      Bieito gelingen in jedem Fall zusammen mit der wieder einmal großartigen Bühnenbildnerin Rebecca Ringst einige tolle Bilder – Alviano und Zwielicht haben das schon erwähnt. Stark der Anfang mit den aus dem Orchestergraben kriechenden Gestalten, überwältigend das umfallende Labyrinth zu Beginn des 2. Aktes, und geradezu magisch das in Käfigen schwebende Streichquartett vor dem Finale 2. Ich bin gespannt, wie die Bühne aus dem Parkett wirken wird – von dort scheinen die meisten Bühnenbildner ihre Arbeit zu konzipieren und von dort wirken sie daher meist am stärksten.

      Auch der abstrahierende Ansatz, das ganze Stück in einem kafkaesken Labyrinth spielen zu lassen, ist durchaus fesselnd. Schließlich ist Fidelio keine Oper, die von Menschen, sondern eine, die von Ideen handelt. Ich teile allerdings Bernds Einwände, dass die Personenführung hier nicht mithalten kann und gelegentlich etwas unfertig wirkt.

      Vielleicht war aber wirklich der Dirigent das eigentlich Problem des Abends und alles hätte unter anderer Leitung ganz anders gewirkt. Was Gatti hier abgeliefert hat, war wirklich völlig indiskutabel. Bernd hat dazu schon alles gesagt. Unfassbar.

      Später mehr, nach einem weiteren Besuch.

      Michel
      Es gibt kaum etwas Subversiveres als die Oper. Ich bin demütiger Diener gegenüber diesem Material, das voller Pfeffer steckt. Also: Provokation um der Werktreue willen. (Stefan Herheim)
    • Le Merle Bleu schrieb:

      Für meinen Teil muss ich sagen, dass die Inszenierung in meiner Erinnerung im Lauf des heutigen Tages besser geworden ist, als ich sie gestern in der ersten Reaktion wahrgenommen habe.


      Ein wenig geht es mir auch so - ich bin mir durchaus nicht sicher bei der Beurteilung der Inszenierung. Nochmaliges Hingehen wäre hilfreich, ist aber leider für mich nicht drin.

      Auch die ersten Presserezensionen (u.a. FAZ, SZ) zeigen eine große Spannweite des Urteils. Von seltener Einmütigkeit, und das ist doch etwas beruhigend, sind die Rezensenten aber beim Thema Gatti.


      Viele Grüße

      Bernd
      Details are always welcome. (Vladimir Nabokov)
    • Michel & Melanie, ich freue mich, dann sind wir gemeinsam am 5.1. in der Staatsoper... :)

      Zur musikalischen Leistung (denn nur die kann ich bisher beurteilen, ich habe gestern die Live-Übertragung auf BR-Klassik verfolgt) ist evtl. noch hinzuzufügen, daß es im Radio, eben ohne das Geschehen auf der Bühne, noch "trauriger" wirkte. Evtl. ist das aber dennoch "Konzept", weil es ja um die Unauflöslichkeit der Ideen geht? Und damit eben auch die Trostlosigkeit, von der ja viele Inszenierungen Bieitos geprägt sind, unterstützen soll? Leider wirkte es eben aber "langweilig" und zum Teil auch unsauber, und mir schien es so, daß die musikalische Leistung gegen Ende nachließ... Haben sich die Musiker ob ihrer Spielweise selbst in den Schlaf gespielt? Wäre schade, denn die Hoffnung in Form der Einspielung soll ja doch integriert werden...

      Nun bin ich aber auf die Geschnisse auf der Bühne gespannt, ich werde im Parkett sitzen...

      Matthias
      "Bei Bachs Musik ist uns zumute, als ob wir dabei wären, wie Gott die Welt schuf." (Friedrich Nietzsche)
      "Heutzutage gilt es schon als Musik, wenn jemand über einem Rhythmus hustet." (Wynton Marsalis)
      "Kennen Sie lustige Musik? Ich nicht." (Franz Schubert)
      "Eine Theateraufführung sollte so intensiv und aufregend sein wie ein Stierkampf." (Calixto Bieito)
    • leider muss ich den Vorrednern beipflichten. Die Übertragung (bzw. der Mitschnitt) begann so langweilig, dass bald das Interesse daran erlahmte. Auch vor 40 bis 50 Jahren wurde Fidelio musikalisch bereits beherzter aufgeführt (und das nicht nur unter Toscanini) .... da helfen auch guter Solisten nichts, um diese Vorstellung musikalisch interessanter zu gestalten. (Das ist sehr schade, da Wiedergaben von Mahlers Sinfonie Nr. 3 in Paris, Mahlers 4. Sinfonie in Münschen, Bergs 3 Orchesterstücken und der Lulu-Suite deutlich aufwiesen, dass Gatti als Musiker sehr viel mehr Potential hat, als an diesem Abend zur Geltung kam)
      :wink:
      „Ein Komponist, der weiß, was er will, will doch nur was er weiß...“ Helmut Lachenmann
    • Zwielicht schrieb:

      Stärker der zweite Akt, in dem Bieito mehr mit den Körpern der Sänger arbeitet und nicht nur mit denen des Staatsopernballetts: Rocco und Leonore graben keine Gruben und rollen keine Steine, sondern versuchen zunehmend gewaltsam, Florestan auf die linke Seite der Bühne zu schleifen - dieser flüchtet sich immer wieder nach rechts zurück. Bernd


      Die arme Leonore hat sich bei dieser Schleiferei höchstwahrscheinlich einen Bruch geholt, denn heute hing an den Füßen ein, wahrscheinlich 2 1/2 Ztr.-Mann (Macallister), der ganz kurzfristig für Kaufmann eingesprungen war. Vor lauter Glück in der BSO singen zu dürfen, hatte er wohl vergessen, dass er die Rolle nicht mehr auf dem Schirm hat (wie es JK zu sagen pflegt). Vom ersten Akt schon nicht angetan (wirkte alles total einschläfernd auf mich), war dann der Rest mehr als Alptraum zu bezeichnen. Warum Macallister auch noch viel Applaus bekam, wird mir ewig ein Rätsel bleiben. Gatti bekam allerdings erneut eine gehörige Abreibung.

      Kann also nur raten, wenn man nicht masochistisch veranlagt ist, bei weiteren Einsätzen dieses supertollen Tenors :faint: doch lieber daheim zu bleiben. Um Inszenierungen von Herrn Bieito werde ich in Zukunft wirklich einen großen Bogen machen, denn er schafft es nun schon zum 2. Mal, dass ich dann auch die entsprechende Oper nicht mehr mag.

      Gute Nacht
      Ingrid
    • Liebe Ingrid,

      das tut mir sehr leid. Auch wenn ich gestehen muß, daß mir Kaufmann zwar gut, aber nicht überragend gefallen hat. Seine Lohengrin-Aufführung hat mir wesentlich besser gefallen, aber da hat ja auch Nagano dirigiert ;+) Was wurde denn als Begründung angegeben?

      Aber es ist sicher auch kein reiner Spaß in so einer Produktion so kurzfristig einspringen zu müssen (dürfen?).

      Wir werden die Aufführung im Januar nochmal besuchen. Hoffentlich ist JK dann wieder dabei. Alles weitere zu Inszenierung nach dem zweiten Besuch.

      Viele Grüße,
      Melanie
      With music I know happiness (Kurtág)
    • Liebe Melanie,

      die Premiere erlebte ich ja nur am Rundfunkgerät und da war ich von Kaufmanns "Gott, welch Dunkel hier"auch nicht so begeistert, wie z.B. seiner Darbietung im Gasteig oder Zürich. Trotzdem lagen Welten zwischen diesen beiden Sängern. Vielleicht hatte diese Inszenierung und Gatti doch dazu beigetragen, dass einige ihre Leistung nicht wie gewohnt abrufen konnten (Tatulescu z.B.). Und Kaufmann hat sich ja durchaus bei seinen Arien noch kräftig bewegen müssen (Ausschnitte im TV), was Macallister total vermied und wohl auch nicht geschafft hätte. Evtl. wäre sogar die Statik des Gerüsts gefährdet gewesen ;+) Er kämmte nicht einmal seine Haare, obwohl die es bitter nötig hatten :stumm:

      Sollte Kaufmann tatsächlich wieder gesund werden (plötzlicher Infekt), dann stehe ich am 1. und 8. wohl doch meine Karten ab. Vielleicht verstehe ich dann sogar ein klein wenig mehr von der Handlung, aber irgendwie interessieren mich die Gedankengänge des Herrn Bieito einfach nicht so sehr (ist in dem Fall sicher ein Fehler) und das Gerenne und Geklappere nervt mich total. Über das Ballett und den maschinellen Kraftakt hätte ich mich aber nie im Leben so aufgeregt, wie einige im Publikum. Das war doch optisch sehr schön, nur hinter den Sinn kam ich natürlich noch nicht und kostengünstig war diese Produktion bestimmt nicht.

      Noch eine gute Zeit und liebe Grüße
      Ingrid
    • Aufführung vom 5.1.2011

      Vorgestern waren nun Mela, Le Merle Bleu und ich in der Aufführung. Jonas Kaufmann war wieder genesen, das war die wichtigste Frage im zweiten Einführungsvortrag. :)

      Zuvor aber erstmal ein kurzer Hinweis für alle, die, wie ich, noch nie in der Bayerischen Staatsoper waren, und dies auch als Hinweis für die Verantwortlichen der Bayerischen Staatsoper (ich muß meinen Ärger darüber einfach loswerden!):

      Die Haupttüren des Opernhauses werden erst um Punkt 18:00 geöffnet (genauso wie die Abendkasse und die Garderoben!), und die Einführungsvorträge finden auch ab Punkt 18:00 statt. Das ist so vollkommener Schwachsinn, wie ich selten einen erlebt habe, insbesondere für die, die eben nicht wissen, daß es auch noch Seiteneingänge (Maximilianstraße) gibt, die früher öffnen, so daß man dann auch pünktlich zum Einführungsvortrag kommen KÖNNTE, wenn man denn dies wüßte (und NICHT an der Abendkasse Karten abholen muss!)! Zum Glück für mich war der erste Einführungsvortrag so schnell so voll, daß er, als ich um 18:03 vor'm Capriccio-Saal ankam, schon nicht mehr offen war, und auch niemand mehr hineingelassen wurde. Zum Glück regten sich mit mir dann noch sehr viel mehr Gäste massiv auf, so daß dann um 18:20 der Vortrag noch ein zweites Mal gehalten wurde (beide Male durch die Dramaturgin, Andrea Schönhofer, der zweite Vortrag übrigens war etwa 30 Minuten lang, das belegt, daß der erste Vortrag wohl schon gegen 17:45 angefangen haben muß). An anderen Opernhäusern habe ich noch nie erlebt, daß Einführungsvorträge in geschlossenen Sälen gehalten werden, es ist absolut üblich, dies in Foyers im ersten Rang zu tun, wo dann eben halt ein wenig mehr Bewegung ist. Hier sollte sich die Bayerische Staatsoper nochmals Gedanken über die Kundenfreundlichkeit Ihrer Abläufe und Prozesse und auch Beschilderungen und Hinweise machen. Denn: NIRGENDWO im ganzen Haus stand ein Schild mit Hinweisen zum EINFÜHRUNGSVORTRAG (man weiß es eben, daß es einen solchen gibt, und man weiß wohl eben auch, wo er stattfindet!), oder wo sich denn der Capriccio-Saal befindet. Naja, die gehen wohl davon aus, daß dort eben nur Besucher kommen, die den Laden schon seit über hundert Jahren in- und auswendig kennen. Selten habe ich ein so schlecht ausgeschildertes Opernhaus gesehen, wie dieses...

      OK, zurück zum Einführungsvortrag: Frau Schönhofer wies uns (das war jedenfalls für mich der einzig neue Aspekt im Einführungsvortrag) gegen Ende noch darauf hin, daß in der Schlußszene Fernando in Anlehnung an den Joker von Heith Ledger in der Batman Verfilmung The Dark Night inszeniert wird (am erinnere sich an ihn in Brokeback Mountain!). Im Einführunsgvortrag selbst gab es eine kurze Inhaltsangabe, dann aber befaßte sie sich mit Aspekten des Regiekonzeptes von Bieito (nicht der Freiheitsaspekt stehe im Vordergrund, sondern die Liebesbeziehungen zwischen allen Agierenden (im Publikumsgespräch (s.u.) sagte Bachler dann, daß Fidelio wohl die einzige Oper sei, in der alle Beteiligten irgendwie in alle Beteiligten verliebt seien (und sei es nur die Macht oder das Geld).)) Für mich ein brauchbarer Einführungsvortrag, ich habe an anderern Häusern schon viel weniger Erhellendes gehört.

      Nach der Aufführung gab es auch noch ein etwa einstündiges Publikumsgespräch mit dem Intendanten Nikolaus Bachler und der Dramaturgin Andrea Schönhofer, das primär von Herrn Bachler bestritten wurde, und mir gut gefallen hat. Anfänglich kamen zwar die immer wieder typischen Fragen, wie "Was sollte denn die Akrobatiktruppe? oder "Hätte man das Labyrinth nicht schon in der Pause umlegen können? Der Lärm war extrem belastend!", Bachler lies sich aber nicht dazu verleiten, die Antworten auf solche Fragen zu geben, sondern band das Publikum mit in die Diskussion ein, obwohl dann, als die Fragen spezifischer zu einzelnen Aspekten wurden, er doch sehr eloquent von z.B. seinem Treffen mit Bieito und der Art und Weise der Erarbeitung der Inszenierung sprach. Also, kurz gesagt: Sowohl Einführungsvortrag, als auch das Publikumsgespräch haben sich gelohnt!

      Nun zur Aufführung selbst.

      Dies war nun für mich die 5. Bieito Inszenierung, und meine Wahrnehmung ist: Es war seine Abstrakteste. Und das paßt ganz ausgezeichnet, und dazu möchte ich kurz wiedergeben, was der Herr, von dem ich eine Karte erhalten hatte, weil er sie nicht brauchen konnte, der daher also neben mir saß, mir in der Pause sagte (es war seine erste Bieito Inszenierung):

      "Fidelio ist eine extrem langweilige Oper, da passiert eigentlich gar nichts, und sie ist auch schon extrem verstaubt. Außerdem hat sie noch nicht mal wirkliche musikalische Highlights. Diese Inszenierung schafft es aber, den Staub wegzupusten, und man merkt, daß der Regisseur das Stück ernst nimmt!"

      Nach der Aufführung haben wir uns dann nicht mehr über den zweiten Teil unterhalten, aber allein, daß er dies schon in der Pause so wahrnahm, ist ein Indiz dafür, daß Bieito, wie in allen Inszenierungen, die ich von ihm bisher gesehen habe, etwas schafft, was sich auch den Zuschauern offenbart: In allen beteiligten Künstlern eine Liebe zu ihrer Arbeit so zu erwecken, daß diese Hingabe, und Intensität sich unmittelbar auf das Publikum überträgt.

      Und damit komme ich dann zu den Punkten, die mir im Unterschied zur Liveübertragung im Radio aufgefallen sind. Daß Gatti langsam ist, haben wir ja schon diskutiert, mir erschien er aber schneller (diese Aufführung war um 21:55 zu Ende, und nicht wie die Premiere erst um 22:25, das lag aber partiell auch daran, daß die Pause wirklich nur 30 Minuten lang war, und keine 45 wie am Premierenabend), und außerdem ist das, was auf der Bühne passiert, so spannend, daß man die "Langeweile" aus dem Orchestergraben gar nicht sehr wahrnimmt. Anfänglich war da noch Einiges nicht richtig zusammen (verträumte Einsätze, mehrfach!), gegen Ende wurde dann auch die Leistung aus dem Graben wieder Spitze.

      Ja, manchmal kommt es Einem so vor, als ob Bieito anfängt, sich selbst zu zitieren (Schilder/Zettel vor der Brust in den Chorszenen, oder das Klettern in Gerüsten), dennoch erreicht dies nun hier in der Fidelioinszenierung eine so abstrakte (oder kondensierte) Stufe, daß dadurch die zwischen den Menschen sich "befindenden Beziehungen" überdeutlich werden können. Extrem symbolisiert z.B. dadurch, daß Fernando Florestan erschießt, er dann aber wieder durch Leonores Liebe auferweckt wird (auch das ein kleiner Hinweis aus dem Einführungsvortrag, das ist aber so offensichtlich, daß man es nicht im Einführungsvortrag erwähnen müßte...)

      Andererseits kamen mir an einigen Stellen dann doch auch zu viele "Rampensäue" ins Bild, man kann auch mal, wenn man eh schon vorne steht, nach links singen (wo die/der Besungene sich befindet), und muß sich nicht immer beim Singen zum Publikum wenden.

      Alles in Allem sicherlich nicht Bieito's beste Leistung, dennoch eine sehr gute, die mir sehr gefallen hat, auch, wenn ich mir noch etwas mehr "Elan" aus dem Orchestergraben gewünscht hätte.

      Mal sehen, ob Mela und/oder Le Merle Bleu noch etwas aus ihrer Parkettsicht (im Unterschied zur Rangsicht der Premiere) erzählen wollen, auch ich saß im Parkett (die Stühle sind nicht so der Hit... :) ).

      Matthias
      "Bei Bachs Musik ist uns zumute, als ob wir dabei wären, wie Gott die Welt schuf." (Friedrich Nietzsche)
      "Heutzutage gilt es schon als Musik, wenn jemand über einem Rhythmus hustet." (Wynton Marsalis)
      "Kennen Sie lustige Musik? Ich nicht." (Franz Schubert)
      "Eine Theateraufführung sollte so intensiv und aufregend sein wie ein Stierkampf." (Calixto Bieito)
    • Hallo Matthias,

      pfuetz schrieb:

      Die Haupttüren des Opernhauses werden erst um Punkt 18:00 geöffnet


      vielleicht präzisierend: Sie werden immer genau eine Stunde vor der Veranstaltung geöffnet. Stimmt schon, hätten wir auch drauf hinweisen können...

      pfuetz schrieb:

      NIRGENDWO im ganzen Haus stand ein Schild mit Hinweisen zum EINFÜHRUNGSVORTRAG (man weiß es eben, daß es einen solchen gibt, und man weiß wohl eben auch, wo er stattfindet!), oder wo sich denn der Capriccio-Saal befindet.


      Na, aber einem Mitglied hier sollte das doch klar sein. Wo sollte er denn sonst stattfinden, wenn nicht in diesem, nach einem bekannten Internet-Forum benannten Raum :D

      pfuetz schrieb:

      die Stühle sind nicht so der Hit... :)


      Hm, fällt mir wohl nicht mehr so auf. Ist oben eher schlimmer...

      Aber zum eigentlichen Thema: Der Eindruck war von unten anders und wesentlich überzeugender, als von oben. Zunächst wirks es wesentlich wuchtiger und raumfüllend (was es nicht ist). Die Licht- und Stroboskob-Effekte waren so von oben gar nicht zu sehen. In der Gallerie sitzt man wirklich über dem Labyrinth und kann zwar die Bewegungen der Einzelteile nach hinten, vorne und zur Seite gut mitverfolgen. Die Effekte, die sich aber ergeben, wenn man frontal darauf schaut und eigentlich nur sieht, wie sich die Konturen verändern, ohne zu wissen, warum, gehen von oben aber verloren. Das Bühnenbild wirkt wesentlich beunruhigender von vorne und im zweiten Akt, in dem es gekippt ist, kann man die Struktur des Labyrinths natürlich nicht mehr erkennen. Daher sieht man die Sänger nur verschwommen sich von hinten quasi herantastend.

      Aber auch unabhängig davon war die Aufführung für mich packender, als beim ersten Mal. Gerade der zweite Akt hat mich berührt. Wieder magisch war das schwebende Streichquartett vor der Finalszene, trotz der Kürzungen.

      Ich kann nicht so genau begründen, warum es anders gewirkt hat. Es lag sicher nicht nur an der anderen Wahrnehmung des Bühnenbilds. Die Einschränkungen, die Alviano, Zwielicht und Prütz genannt haben, gelten ja auch weiterhin. Vielleicht war die Erwartungshaltung am Premierenabend zu hoch.

      Ein Wort noch zu Kaufmann: Auch von ihm war ich bei der Premiere etwas enttäuscht. Vorgestern hat er mir aber ausgezeichnet gefallen. Die Einschränkungen Alvianos (gaumig verhangene Töne, der Anfang des Gott klingt irritierend) waren immer noch da, aber insgesamt schien er mir freier zu singen. Beeindruckend war auf jeden Fall auch seine darstellerische Leistung. Wie der den traumatisierten, gequälten Gefangenen spielt, der auch vor seiner Frau noch ängstlich zurückweicht, war bewegend.

      Viele Grüße,

      Melanie
      With music I know happiness (Kurtág)
    • Mela,

      da ich dazu nichts sagte. Ja, die darstellerische Leistung von Kaufmann und Kampe war sehr gut, und, ja, auch das Streichquartett, von oben leise einschwebend, und auch nach oben leise entschwindend, hinterlassen große Eindrücke!

      Matthias
      "Bei Bachs Musik ist uns zumute, als ob wir dabei wären, wie Gott die Welt schuf." (Friedrich Nietzsche)
      "Heutzutage gilt es schon als Musik, wenn jemand über einem Rhythmus hustet." (Wynton Marsalis)
      "Kennen Sie lustige Musik? Ich nicht." (Franz Schubert)
      "Eine Theateraufführung sollte so intensiv und aufregend sein wie ein Stierkampf." (Calixto Bieito)
    • Ein paar Eindrücke zum Fidelio möchte ich auch noch gern loswerden (ich war in der Vorstellung am 1.1.). Ich hatte bisher kein besonderes Verhältnis zu dem Stück. Hab es nur einmal live, vor Jahren unter Zubin Mehta, gesehen, und, vor noch längerer Zeit zwei, dreimal auf CD gehört (Harnoncourt und Bernstein, glaub ich). Mein Vorstellung, wie das Werk klingen soll, ist also nicht sehr ausgeprägt, und eine besondere Anziehung zu diesem Werk hatte ich auch nie verspürt. Auch war meine Erwartung (wie sehr einen das doch immer wieder beeinflusst) nach den vielen schlechten Kritiken sehr, sehr niedrig. Um so überraschte war ich, wie sehr mich die Musik fasziniert hat. Ich hab an diesem Neujahrstag Fidelio als ganz großes Meisterwerk für mich entdeckt, gerade wegen Daniele Gattis Lesart. Er könnte es sich und uns leichter machen. Flottere Tempi, einen "moderneren" Klang - was hieße, sich an den historisierenden Dirigenten zu orientieren - und keine zu großen Eigenheiten (nennt man heute wohl Texttreue - wir machen nur, was ausdrücklich in den Noten steht). Als der erste Ton erklang, dachte ich erst: "So ein stumpfer Orchesterklang". Aber irgendwie zog mich dieser ruhige, erdige, dunkle Klang und auch die langsamen Tempi immer mehr in ihren Bann. Ich hab viele Details gehört, eine wunderbar homogene Orchesterleistung, einen einmalig schönen Fluß der Spannung innerhalb der Phrasen und sensationelle Farben. Allein, was in den Bässen passiert war immer wieder faszinierend. Ich bin mir bewusst, dass das nur mein subjektives Erleben war, nicht etwa die Wahrheit (es gibt sowieso keine Wahrheit, sondern 2200 verschiedene Aufführungen - im Kopf jedes Besuchers eine andere). Aber, gerade weil Daniele Gatti so arg gerupft wurde, möchte ich meine Eindrücke gern dagegen stellen.

      Was passiert in unserem Verstand? Wir kommentieren und bewerten die Erfahrung, die wir gerade haben in jedem Aufblick in unseren Gedanken. Was ist die Grundlage unserer Bewertung? Das was wir schon kennen, also die Vergangenheit. Und unsere Ideal. So und so stellen wir uns eine ideale Aufführung vor. Und dann vergleichen wir das, was durch unsere Sinne in jedem Moment wahrgenommen wird (und was auch noch durch den augenblicklichen Zustand an Spannung oder Entspannung in unserem Nerversystem und durch eventuell vorhandene Emotionen gefärbt und verfälscht wird) mit dem Ideal im Kopf. Nun wird fast jeder von uns das Glaubenssystem haben, dass ein Ideal eine feine Sache ist. Und es hat seinen Wert. Aber Wesen eines Ideals ist Unerreichbarkeit. Und es heißt auch immer, das was gerade ist, ist nicht gut genug, es sollte alles noch viel besser sein. In vielen Fällen (ich finde das bei Stücken, die ich gut kenne, und in Aufführungen erlebt habe, die mein Verstand als toll bewertet hatte, extrem in mir) ist das Ideal eine vergangene Erfahrung (was war das doch toll damals mit "Kleiber und Varady" - sowas in der Art), an das ich mich klammere - so und nicht anders. Was können wir nun gegen dieses für uns alle automatisch gewordene Vergleichen im Kopf tun? Ich stelle bei mir fest, dass es schwer ist, das abzustellen. Nun - der erste Schritt ist für mich, dass ich es überhaupt bemerke. Und auch den dauernden Drang, zu bewerten, in sich zu erkennen - und nicht nur Musik, auch Menschen, Situationen, einfach alles wird bewertet. Und meistens ist das nicht sehr freundlich und liebevoll, was mein Gehirn da ausspukt. Und die Bewertungen erscheinen so wahr. Liegt nicht das, was ich für meine Weisheit halte in den Urteilen? Weiß ich nicht, wie es sein sollte? Ich halte mich ja, auch wenn man sich gern bescheiden gibt, doch insgeheim für einen tollen Experten (obwohl ich weiß, wenn ich ehrlich bin, dass ich es überhaupt nicht bin. Aber zum Klugscheißen reicht es meistens. Also versuch ich wenigstens den Eindruck zu erwecken, dass ich was weiß [Blockierte Grafik: http://forum.festspiele.de/wcf/images/smilies/wink.png] ). Wenn ich genauer hinschaue, ist die ganze Weisheit nicht mehr als eine Menge Gedanken und Urteilen, alten Emotionen, Dingen, die ich ablehen und Dingen, die mich anziehen. Und leider steht das Bewerten dem Erleben im Weg. Ich lebe dann in einer Welt mentaler Vorstellungen, und nicht im Moment.

      Aber zurück zum Fidelio und zu meinen Urteilen und Bewertungen dazu (in der Welt der Sprache ist das wohl unvermeidlich). Ich fand also die Orchesterleistung und das Dirigat wunderbar, weil es mich zu Ruhe kommen lies. Mein Nervensystem hat sich entspannt im Laufe des Abends, nachdem sich die Ungeduld, dass es schneller gehen sollte, der nächste Moment schneller da sein sollte, gelegt hatte! Dass es "interessanter" sein sollte! Ruhe und Langsamkeit reichen dem Verstand nicht. Es muss immer was zum Nachdenken und zum Analysieren geben. Mein Verstand hat irgendwann aufgegeben (was mir leider nur selten passiert), und Momente ohne Denken sind Momente großen Glücks und absoluter Freiheit. Und sie sind nicht willentlich herbeizuführen. Denn Wille ist Denken, ist Zwang, ist eng, ist verkrampft. Der Verstand weiß nicht, wie er anhalten soll. Er weiß überhaupt recht wenig. Und ich höre trotzdem dem ganzen Tag dieser Stimme im Kopf gebannt zu, als ob sie eine große Erkenntnis nach der anderen ausspucken würde (dabei erzählt sie meistens großen Unsinn). Aber im Fidelio wurde es - und, wie immer, wenn das auftritt, völlig unerwartet - innerlich still. Nun ist das mein ganz individuelles Erlebnis und muss nichts mit der Qualität oder Nicht-Qualität der Aufführung zu tun haben. Schön war es trotzdem.

      Ich interpretiere die Inszenierung (die ich eigentlich nicht wirklich verstehe) so, dass es darum geht: wie können wir frei werden? Was ist unser Gefängnis? Und das Gefängnis ist unser Denken. Ob das mit Beethoven in Einklang zu bringen ist weiß ich nicht. So richtig stimmig wurde es in meinem Erleben noch nicht. Aber es ist ein Thema, das mich sehr interessiert. Ich fand die Inszenierung sehr ästhetisch, verstanden hab ich aber wohl nur wenig. Wir sehen vielleicht, dass wir alle das Glück suchen, und kaum einer es findet. Der eine (Rocco) sucht es im Geld, im Erfolg (ein Geschäftsmann), Pizarro schaut aus wie ein Krieger, ein Kämpfer, der versucht, die Welt zu seinen Gunsten zu ändern durch Brutalität, Rache, Hass. Leonore opfert sich für andere auf und sucht ihr Glück dort. Oder liegt das Glück in Bezeihungen, Liebe? Vielleicht sind es auch unsere Teilpersönlichkeiten, die da agieren. Oder die Rollen, die wir spielen. Der Businessman, der Liebhaber, der Idealist, der Brutalo, der Freund, der Vater, der Gewalttäter, der Rächer, der Untertan, der Rebell, der Politiker, der Lügner, der Samariter. Das alles sind Teilaspekte von uns, und jeder erlebt Momente, in denen er wohl ist wie eine der Figuren da auf der Bühne.

      Wo aber ist nun der Ausgang aus dem Labyrint, aus dem Leiden? Denn leiden tun alle auf der Bühne, und leiden tun wohl auch wir alle, denn Leiden ist Teil des Menschseins. Ist der Ausgang vielleicht in innerer Stille, im Nicht-Denken zu finden? Ist das die Erlösung, das Königreich des Himmels, der Frieden, der ohne Grund über uns kommt? Ist das unsere wahre Natur? Und wenn, dann kann die Erlösung nur mit innerlicher, stiller Musik dargestellt werden. Und so verstehe ich dieses wunderbare Streichquartett. Diese Minuten sind Freiheit, Frieden, Glück. Was danach kommt, ist der Wiedereintritt der Welt, des Leidens. Wir müssen zurück ins Labyrint. Der Verstand gibt seine Regentschaft nicht kampflos auf. Er zieht uns zurück ins Leiden. So ist der Auftritt des Jokers als Lügner (die Lügen des Verstandes, der behautet, er wüsste die Lösungen, er würde den Frieden kennen, der uns lockt, der uns Angst macht, der Projektionen einer wunderbaren oder schrecklichen Zukunft erschafft) sehr stimmig. Wenn es ein Happy End hätte werden sollen, hätte man nach dem Streichquartett abbrechen müssen. So kommt es, auch durch die lärmige und gar nicht stille Musik (die von Daniele Gatti auch nicht jubelnd, sondern eher plump und hohl dirigert wird) zu einem "zurück auf Los". Alles geht von vorne los. Vielleicht auch das nächste Leben, die nächste Reinkarnation. Wie immer man das deuten will. Für mich ein sehr bewegender Abend, den auch die Buh-Rufer nicht stören konnten (wenn man schon mal in Frieden ist für ein paar Stunden, was mir selten genug passiert, dann ist alles so klar und so einfach, und man hat auch keine Lust aus dem Frieden raus zu gehen. Der Verstand kommt früh genug wieder ins Spiel, zum Beispiel, wenn er versucht, die Eindrücke zu analysieren und in eine Rezension zu fassen [Blockierte Grafik: http://forum.festspiele.de/wcf/images/smilies/wink.png] ).
    • Du bringst hier ein paar Aspekte ins Spiel, dic ich mir im Vorfeld auch schon überlegt hatte: Ist es ABSICHT, daß hier so langsam dirigiert wird (sicherlich!)? Könnrte es sein, daß damit der Leidensdruck, den die Menschen alle innerlich empfinden, so ausgedehnt weden soll, daß auch wir Zuschauer sie empfinden? Du kommst nun aber mit einer anderen Wahrnehmung, nämlich, daß Dir die Langsamkeit Ruhe gibt. Das verblüfft mich, andererseits aber eben auch nicht, denn ich habe, wegen der Langsamkeit des Dirigats, Zeit gehabt, mich mehr auf die Aktionen auf der Bühne konzentrieren zu können, und empfand es eben nun NICHT MEHR als zu langsam. Bei anderen Bieito-Inszenierungen habe ich am Ende immer das Gefühl gehabt, es mir nochmals ansehen zu müssen (Parsifal in Stuttgart habe ich zweimal gesehen, den Holländer in Stuttgart werde ich im Juli ein zweites Mal sehen, aber insbesondere beim "La Vida breve" in Freiburg war ich ganz sicherlich mit der Menge an Aktionen auf der Bühne bei nur einmaligen Sehen überfordert. Und bei der Armida in Berlin ging es mir so (ich kannte die Oper nicht, und habe mir erst anschliessend ein CD-Version gekauft, die ich dann aber beim Hören nicht wiedererkannt habe, für mich sind die CD und die Bieito-Inszenierung in Berlin zwei ganz verschiedene Dinge!)), daß erst das Lebendige auf der Bühne die Oper für mich interessant machte. Auch ich habe mir im Vorfeld nur die Live-Übertragung der Premiere angehört, und meine davor letzte Fidelio-Begegnung liegt damit sicherlich mehr als 20 Jahre zurück. Daher ist das, was Bachler im Publikumsgespräch sagte, sicher wichtig und richtig: Oper ist ein ganzheitliches Erlebnis, es geht eben nicht nur um die Musik oder nur um die Inszenierung. Ich sagte ja auch nicht, daß es ZU langsam ist, ich sagte, daß es langsam ist, und zumindest zu mir am Radio dadurch uninspiriert rüberkam. Dieser Eindruck hatte sich dann ja vorgestern in der Aufführung relativiert. Es paßte. Und ja, der Moment mit dem Quartett bewirkt sicherlich genau das, was Du sagst: Wir entfliehen (aus der Flucht (aber auch dem Leben), denn auch ein Opernbesuch ist ja sicherlich eine Flucht aus dem tagtäglichen "Wahnsinn"), und geniessen damit die Freiheit.

      Ob nun die Freiheit oder die Unfähigkeit, zur Liebe zu finden (oder die Verknüpfung davon) hier in dieser Fidelio-Inszenierung im Vordergrund steht, ist doch eher eine persönliche Wahrnehmung. Ich empfinde bei Bieito jedenfalls in allen seinen Inszenierungen immer eine unendliche Liebe zu den Menschen, die in all ihren Facetten, Irrungen, Wirrungen, und Abhängigkeiten ernst genommen werden, und damit zutiefst menschlich werden können.

      Matthias
      "Bei Bachs Musik ist uns zumute, als ob wir dabei wären, wie Gott die Welt schuf." (Friedrich Nietzsche)
      "Heutzutage gilt es schon als Musik, wenn jemand über einem Rhythmus hustet." (Wynton Marsalis)
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      "Eine Theateraufführung sollte so intensiv und aufregend sein wie ein Stierkampf." (Calixto Bieito)
    • pfuetz schrieb:

      Ist es ABSICHT, daß hier so langsam dirigiert wird (sicherlich!)? Könnrte es sein, daß damit der Leidensdruck, den die Menschen alle innerlich empfinden, so ausgedehnt weden soll, daß auch wir Zuschauer sie empfinden?


      Darum geht's m.E. Herrn Gatti bestimmt nicht: sonst müsste das ganz zufällig auch auf seinen Bayreuther-Zeitlupen-Parsifal (der im Lauf der Zeit allerdings schneller wurde) und auf seinen Mailänder Zeitlupen-Don Carlo zutreffen, den ich z.T. im Fernsehen erlebt habe. Auch der "weiche" Orchesterklang scheint mir zumindest im klassisch-romantischen Repertoire ein Kennzeichen des dirigentischen Stils Gattis zu sein, unabhängig von den jeweiligen Inszenierungen.


      Ulisse schrieb:

      Ich hab an diesem Neujahrstag Fidelio als ganz großes Meisterwerk für mich entdeckt, gerade wegen Daniele Gattis Lesart. Er könnte es sich und uns leichter machen. Flottere Tempi, einen "moderneren" Klang - was hieße, sich an den historisierenden Dirigenten zu orientieren - und keine zu großen Eigenheiten (nennt man heute wohl Texttreue - wir machen nur, was ausdrücklich in den Noten steht). Als der erste Ton erklang, dachte ich erst: "So ein stumpfer Orchesterklang". Aber irgendwie zog mich dieser ruhige, erdige, dunkle Klang und auch die langsamen Tempi immer mehr in ihren Bann. Ich hab viele Details gehört, eine wunderbar homogene Orchesterleistung, einen einmalig schönen Fluß der Spannung innerhalb der Phrasen und sensationelle Farben. Allein, was in den Bässen passiert war immer wieder faszinierend.


      Man muss übrigens keineswegs nur historisch informierte Dirigate schätzen, um Gattis Interpretation als verharmlosend, weichzeichnerisch und verschleppt zu erleben: Die Sprengkraft der klanglich aufgeladenen Bernstein-Einspielung oder Klemperers Härte (z.B. im Marsch des ersten Akts) zeigen das im Vergleich mit Gattis akkuratem Mischklang. Von den live erlebten Dirigaten Cambrelings in Frankfurt oder Gielens in Stuttgart, die wirklich eine Korrespondenz zur jeweiligen Inszenierung gesucht haben, ganz zu schweigen.


      Viele Grüße

      Bernd
      Details are always welcome. (Vladimir Nabokov)
    • Zwielicht schrieb:

      pfuetz schrieb:

      Ist es ABSICHT, daß hier so langsam dirigiert wird (sicherlich!)? Könnrte es sein, daß damit der Leidensdruck, den die Menschen alle innerlich empfinden, so ausgedehnt weden soll, daß auch wir Zuschauer sie empfinden?


      Darum geht's m.E. Herrn Gatti bestimmt nicht: sonst müsste das ganz zufällig auch auf seinen Bayreuther-Zeitlupen-Parsifal (der im Lauf der Zeit allerdings schneller wurde) und auf seinen Mailänder Zeitlupen-Don Carlo zutreffen, den ich z.T. im Fernsehen erlebt habe. Auch der "weiche" Orchesterklang scheint mir zumindest im klassisch-romantischen Repertoire ein Kennzeichen des dirigentischen Stils Gattis zu sein, unabhängig von den jeweiligen Inszenierungen.


      Bernd,

      ich meinte auch nicht Gatti... :) Denn: Nagano ist GMD, er hätte ja auch selbst dirigieren können. Meine Frage ist so zu verstehen, daß evtl. das Regie-Team absichtlich Gatti gewählt hat, um die Langsamkeit ins Spiel zu bringen...

      Matthias
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    • pfuetz schrieb:

      Meine Frage ist so zu verstehen, daß evtl. das Regie-Team absichtlich Gatti gewählt hat, um die Langsamkeit ins Spiel zu bringen...


      Das ist jetzt aber eine sehr kühne Hypothese :D. Hoffen wir, dass die Inszenierung auch noch funktioniert, wenn im Sommer Fabio "Ich hau jetzt mal drauf" Luisi das Dirigat übernimmt... ;+)


      Viele Grüße

      Bernd
      Details are always welcome. (Vladimir Nabokov)
    • War ja nur 'ne Frage, die ich mir gestellt hatte... ;) Wie kühn auch immer... :) Wer schaut es sich denn im Sommer an? Und kann dann berichten?
      "Bei Bachs Musik ist uns zumute, als ob wir dabei wären, wie Gott die Welt schuf." (Friedrich Nietzsche)
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      "Eine Theateraufführung sollte so intensiv und aufregend sein wie ein Stierkampf." (Calixto Bieito)
    • Es könnte natürlich schon am Dirigat liegen, dass mir auch heute wieder im ersten Akt die Augen zufielen, aber dafür war der 2. Spannung pur. Zwischen MacAllister und Kaufmann liegen wirklich Welten und höchstwahrscheinlich funktioniert diese Inszenierung nur mit Sängern, die diesem Florestan Leben einhauchen. Ein dicker Frosch, der fast nur vor dem Soufleurkasten hing, konnte das natürlich nicht. Ist natürlich gemein, aber in dem Fall wäre es wirklich besser gewesen, die Vorstellung ausfallen zu lassen.

      Heute gab es nur bei dem Schrei der Leonore laute Buhrufe, was gerade an dieser Stelle absolut unsinnig war, aber ansonsten blieben diese Leute stumm. Selbst Gatti konnte aufatmen, auch wenn der Applaus bei ihm nicht so stürmisch wie bei den Sängerinnen und Sängern ausfiel. Insgesamt hat sich diese Vorstellung für mich wirklich gelohnt. Dank auch allen, die mir durch ihre Rezensionen geholfen haben, einen anderen Blick auf diese Inszenierung zu haben.

      Herzliche Grüße
      Ingrid