Franz Schubert - seine Lieder im Spiegel ihrer Interpret/innen

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    • Franz Schubert - seine Lieder im Spiegel ihrer Interpret/innen

      Franz Schubert, geboren am 31.01.1797 in Wien, hat bis zu seinem frühen Tod am 19.11.1828 mehr als 500 Lieder komponiert, die nur zu einem kleinen Teil schon zu seinen Lebzeiten veröffentlicht wurden. Heute kaum vorstellbar, gehören doch Schuberts Lieder zum festen Bestandteil der Liedprogramme aller Sängerinnen und Sänger, die sich mit dem Liedgesang beschäftigt haben oder beschäftigen und erfreuen sich doch viele seiner Lieder des ungebrochenen Interesses des Publikums.

      Erste Versuche mit dem Thema „Lied“ sind vom 13-jährigen Schubert bekannt („Lebenstraum“ auf einen Text von Gabriele von Baumberg aus dem Jahr 1810), die letzten Lieder stammen aus dem Oktober 1828, so der „Hirt auf dem Felsen“ auf einen Text von Wilhelm Müller und Helmina von Chezy oder „Die Taubenpost“ (Text: Johann Gabriel Seidl).

      Lässt sich beim jungen Schubert noch ein Hang zum Führen der Gesangsstimme in für die Interpret/innen unangenehme Höhen beobachten („Hagars Klage“, Text: Clemens August Schücking oder „Der Vatermörder“, Text: Gottlieb Conrad Pfeffel), achtet Schubert im Laufe der Zeit auch mehr auf die Haltung und den Ausdruck der von ihm vertonten Texte, man denke hier nur an „Nacht und Träume“ (Text: Matthäus von Collin) oder die Goethe-Vertonungen „Meeres Stille“ und „Wanderers Nachtlied: Über allen Gipfeln ist Ruh“.

      Entsprechend der Beliebtheit der Schubert-Lieder ist das vorliegende Material auf Tonträgern umfangreich. Viele berühmte Namen finden sich unter den Interpret/innen. Erste Aufnahmen sind schon 1898 entstanden („Ave Maria“, Text von Walter Scott, gesungen von Edith Clegg). Manches hat die Zeiten überdauert, so die Interpretation der „schönen Müllerin“ durch Lotte Lehmann aus dem Jahr 1942, die hier, für die damalige Zeit ungewöhnlich, einen Zyklus interpretierte, der männlichen Stimmen vorbehalten war, aber auch Aufnahmen des gleichen Werks durch z. B. Aksel Schiötz oder die (sehr langsame) Einspielung der „Winterreise“ durch Jon Vickers, zeigen die Spannbreite der möglichen Interpretationen des Schubertschen Liedschaffens. Heute kommt noch die Frage der historisch korrekten Begleitung dazu, Konzertflügel oder Fortepiano, der Klangeindruck und die Balance zwischen dem Sänger oder der Sängerin und dem Begleitinstrument verändert sich je nach der Wahl des Instrumentes. Und wem der Vergleich zwischen den unterschiedlichen Tasteninstrumenten nicht reicht, kann sich die „Müllerin“ auch noch von der Gitarre begleitet anhören – von Peter Schreier existieren Aufnahmen, begleitet vom Flügel, vom Hammerklavier und der Gitarre.

      Hier soll vorgestellt werden, was jede/r in Sachen Lieder von Franz Schubert für erwähnenswert hält, das können Recitals, aber auch einzelne Lieder in einer bestimmten Interpretation sein und natürlich sollen auch die Begleiter nicht unerwähnt bleiben, finden sich doch neben gestandenen Liedbegleitern wie Gerald Moore, Geoffrey Parsons oder Iwrin Gage auch Konzerpianist/innen wie Svjatoslav Richter, Alfred Brendel oder Mitsuko Uchida als Begleiter/innen wieder.

      Zum Einstieg möchte ich diese Doppel-CD empfehlen:



      Eine ausgezeichnete Interpretin von Schubert-Liedern ist die englische Mezzosopranistin Janet Baker. In Aufnahmen aus dem Jahr 1970 (begleitet von Gerald Moore) und 1980 (am Flügel: Geoffrey Parsons) zeigt Janet Baker die ganze Bandbreite ihres Könnens. Die Stimme von Janet Baker mag, was die Schönheit angeht, mit dem Timbre von Christa Ludwig oder Brigitte Fassbaender nicht wirklich konkurrieren zu können, da sind leichte Schärfen zu hören, aber interpretatorisch ist Janet Baker bei enormer Beherrschung ihrer stimmlichen Möglichkeiten faszinierend. Wie sie auf der einen Seite mit grossem, opernhaftem Ton Lieder gestaltet (man höre sich die eine Opernarie parodierende „Epistel“ an), dann aber auf der anderen Seite mit ganz zurückgenommenen Tönen bei perfekter Atemkontrolle mit Liedern wie „Nacht und Träume“ oder „Wiegenlied“ punktet, macht verständlich, warum Dietrich Fischer-Dieskau sich für seine geplante Gesamteinspielung der Schubert-Lieder Janet Baker als Gesangspartnerin gewünscht hat. Janet Baker konnte die Einladung des deutschen Baritons damals nicht annehmen – sie stand bei EMI unter Exklusivvertrag, die Aufnahmen von Fischer-Dieskau wurden für die DGG gemacht und zeigen ihn nun auf immerhin 21 CDs solitär.

      Egal, ob Janet Baker die „Mignon“-Lieder oder „Ellens Gesänge“ singt, ob sie sich den Liedern „Du bist die Ruh“ oder „Der Tod und das Mädchen“ widmet, jeder Takt erhält seine eigene Ausgestaltung, jede Phrase ist wohlüberlegt, jede Farbe ist stimmig.
      Der Kunst ihre Freiheit
    • "I-innen"- Aufnahmen mit Schubertzyklen gibt es ja nicht allzu viele, wenn man bedenkt, dass Schubert die großen Liederzyklen ausschließlich dem männlichen Geschlecht gewidmet hat, den Damen dagegen nur kleine Schmuckstücke in die Kehle geschrieben hat. Gerade deswegen überrascht und beeindruckt gerade diese Einspielung der Winterreise




      mit Brigitte Fassbaender und Aribert Reimann, die unter dem Gesichtspunkt einer Neuentdeckung und Neuerkundung dises Werkes bestens geeignet ist.
    • oder auch diese:





      Hohe Gestaltungskunst wird hier gefordert, die auch notwendig ist, wenn man bedenkt, dass Schubert z.B. der Bürgschaft rund 17, zum Teil äußerst dramatische, Gesangsminuten widmet. So mögen vielleicht die Schubertiaden geklungen haben, spielt doch Staier auf einem Hammerflügel nach 1815er Bauart. Deutlich wird, und das macht diese Aufnahme nach meinem Eindruck so einmalig schön, dass moderne Steinway-Einspielungen gerade dieses Zyklus häufig meilenweit von dem intimen Klang von Instrumenten nach (Schubert-) zeitgenössischer Bauart entfernt sind.
    • Wenn wir schon bei den Frauenstimmen sind - ich hänge sehr an folgender Scheibe, die anscheinend vergriffen (aber trotzdem leicht erhältlich) ist:



      Enthalten sind Der Musensohn, Ganymed, Die Allmacht, Der Tod und das Mädchen, Erlkönig, Gretchen am Spinnrade, An die Natur, Der Zwerg, Rastlose Liebe, Auf dem See, Auflösung und Suleika I.

      1984 aufgenommen, das war vielleicht Jessye Normans beste Zeit. An ein paar Dingen kann man herummäkeln: manchmal ein Zuviel des Guten bei der Textausdeutung, etwa beim theatralischen ...war tot aus dem Erlkönig. Und kleine, sehr kleine, aber doch merkbare Probleme bei der deutschen Aussprache: in schnelleren Stücken wie dem Musensohn deutlicher, aber auch beim Erlkönnick im (fast) gleichnamigen Lied.

      Jedoch: Die atemberaubende Differenzierung der verschiedenen Personen und Stimmlagen im Erlkönig. Die dramatische Interpretation im Zwerg. Die enorme Steigerung bis zu den orgiastischen Spitzentönen bei Gretchen am Spinnrade. Die furchterregende stimmliche Tiefe bei den Worten des Tods in Der Tod und das Mädchen. Überhaupt der Ambitus und die pure Schönheit dieser Stimme! :juhu: :juhu: :juhu:

      Sehr zu loben ist hier auch der Pianist Phillip Moll, der etwa bei Gretchen am Spinnrade manchen bekannteren Kollegen an Gestaltungsreichtum in puncto Anschlag und Pedalisierung übertrifft.


      Viele Grüße

      Bernd
      Details are always welcome. (Vladimir Nabokov)


    • Einen Überblick über die Geschichte der Schubert-Lieder Interpretationen bietet diese Box mit 10 CDs. Ich kann diese Box nur empfehlen, hier sind mehr als 30 Sängerinnen und Sänger aus der Vergangenheit versammelt. Manche sind noch bekannt, aber von anderen hat man vielleicht noch nichts gehört.

      lg vom eifelplatz, Chris.
    • Sängerinnen

      Elisabeth Schumann ist eine Liedinterpretin, die es verdient, dass man auf sie hinweist. Sicher, manche Worte werden von ihr überbetont, darunter leidet die Gesangslinie, ein Ton verrutscht dann leicht oder es gibt kleine Eintrübungen bei der Geläufigkeit, wie man sie in der Stolberg-Vertonung "Auf dem Wasser zu singen" hören kann. Aber interpretatorisch überzeugt Elisabeth Schumann genauso, wie mit dem Klang ihres runden und ausdrucksstarken Soprans. Die Aufnahmen stammen hauptsächlich aus den 30-er Jahren, eine Aufnahme von "Der Vollmond strahlt" (Text: Helmina von Chezy) zeigt aber auch im Jahr 1945 eine gut aufgelegte Sängerin, die zum Aufnahmezeitpunkt 57 Jahre alt war.

      Die Aufnahmen mit Elisabeth Schumann finden sich auch in der 10 CD Box wieder, die Chris hier vorgestellt hat. Die Anschaffung lohnt wegen des niedrigen Preises allemal, bekommt man doch z. B. jeweils zwei Aufnahmen der "Müllerin" und der "Winterreise" geboten, den ersten Zyklus singen Aksel Schiötz und Lotte Lehmann, den zweiten Hans Hotter und Gerhard Hüsch. Aber auch Heinrich Schlusnus (fälschlich als Tenor bezeichnet) und Karl Erb werden umfangreich als Schubert-Interpreten vorgestellt und in Einzelliedern kann man z. B. Jussi Bjoerling als Liedsänger kennnenlernen.

      Bei den Sopranistinnen darf eine CD nicht fehlen, die ich sehr schätze. Arleen Augér hat 1978, begleitet von Walter Olbertz, Goethe-Lieder von Schubert eingespielt. Interessant dabei, dass sie die "Mignon"-Lieder in beiden Vertonungen vorstellt und so einen direkten Vergleich ermöglicht. Arleen Augér ist mit ihrer mädchenhaften, klaren Sopranstimme eine bewegende Mignon, vielleicht am stärksten und anrührensten in der zweiten Vertonung von "So lasst mich scheiden, bis ich werde".



      Auf ein Einzellied möchte ich noch hinweisen, mit dem mich die englische Mezzosopranistin Sarah Walker überrascht hat.

      Der 18-jährige Schubert hat im Jahr 1815 eine Schauerballade des mit 28 Jahren an der Schwindsucht gestorbenen Ludwig Hölty mit dem Titel "Die Nonne" vertont. Sarah Walker beginnt ihren Vortrag (am Flügel von Graham Johnson begleitet) mit dem leicht übersilberten Timbre einer älter gewordenen Sängerin. Aber spätestens bei der zweiten Strophe hat Sarah Walker jede Aufmerksamkeit auf ihre fulminante Gestaltung gezogen. Mit grossem, dramatischen Aplomb geht sie die Ballade an, um dann, gegen Ende, auch plötzlich völlig zurückgenommene, leise Töne perfekt in ihre Interpretation einbringen zu können.

      Der Kunst ihre Freiheit


    • Sarah Walker, begleitet von Roger Vignoles sowie Arleen Auger, begleitet von Walter Olbertz (mit Goethe-Liedern) finden sich auch in der oben gezeigten CD-Box von Brilliant.

      Die CDs dieser Box sind in den 1970er bis 90er Jahren aufgenommen - wenn ich mich nicht sehr täusche, sind einige davon auch in den 40-CDs oder größeren Schubert-Boxen von Brilliant.

      In der oben gezeigten Box findet man, außer den CDs von Sarah Walker und Arleen Auger, eine Müllerin mit Peter Schreier und Walter Olbertz, die Winterreise mit Robert Holl und Naum Gruber, den Schwanengesang mit John Shirley-Quirk und Steuart Bedford, 16 Lieder mit Fischer-Dieskau und Hartmut Höll sowie 15 Lieder mit Gundula Janowitz und Charles Spencer. Sicher sind einige von den Aufnahmen schon bekannt. Schön an dieser Box ist, dass man neben den Hits auch eine Reihe von unbekannteren Liedern findet. Obwohl - seit dem letzten Schubertjahr mit der tollen WDR 3-Reihe mit allen Schubertliedern hat sich doch einiges getan, bei den jüngeren Sängern und Sängerinnen findet man nun nicht mehr nur die "Schlager" in den Programmen.

      lg vom eifelplatz, Chris.
    • 1959 habe ich meinen ersten Plattenspieler bekommen und zu den ersten Aufnahmen, die ich erstanden habe, gehörten Schubert-Lieder mit Irmgard Seefried. Ihre Interpretationen finde ich auch heute noch sehr gelungen, auf neu herausgegebenen CDs findet man auch einige Schubert-Lieder:







      Auch Elly Ameling und Agnes Giebel waren als Schubert-Sängerinnen bekannt. Ihre vergleichsweise “leichten” Stimmen waren für Schubert-Lieder sehr geeignet. Auch ihre Aufnahmen sind heute wieder zugänglich:







      Nach soviel liedhafter Leichtigkeit wird es verwundern, dass ich hier Elisabeth Schwarzkopf nenne. Aber in ihren frühen Aufnahmen konnte sie, wie ich finde, schon überzeugen. Gern erinnere ich mich an “Seligkeit” (Freuden sonder Zahl) oder “Liebhaber in allen Gestalten” (ich wollt ich wär ein Fisch). Auch ihre Aufnahmen sind bei unseren Hoflieferanten zugänglich:




      In die Reihe der Sängerinnen dieser Zeit gehört sicherlich auch die Altistin Kathleen Ferrier. Sosehr ich ihre Stimme mag, ihre Schubert-Interpretationen konnten mich nicht überzeugen.






      lg vom eifelplatz, Chris.
    • Zum Thema Schubert-Lieder fallen mir zunächst die beiden Winterreisen mit Fischer-Dieskau bzw. Prégardien ein, die wir vor ewigen Zeiten in Köln erleben konnten - Melanie hat die beiden Konzerte schon im "was bleibt"-thread erwähnt.

      Was Tonträger betrifft, so gibt es zwei Aufnahmen von Einzelliedern, die sich mir so eingebrannt haben, dass ich die Lieder kaum noch in anderen Versionen hören kann, ohne irgendwie enttäuscht zu sein - so was kommt vor, jedenfalls bei mir.

      Einmal ist das ein "Erlkönig" von Fischer-Dieskau, mit Gerald Moore am Klavier, eine Aufnahme von 1958. Keine Ahnung, auf welcher der gerade verfügbaren CDs diese Aufnahme enthalten ist.

      Und dann "Der König in Thule" mit Prégardien und Andreas Staier am Hammerklavier, von der folgenden, nur noch gebraucht oder als Download erhältlichen CD:



      - der erzählende Tonfall Prégardiens und die wunderbare Begleitung Staiers, der hier auf geniale Weise die klanglichen Möglichkeiten seines Instruments ausnutzt, schaffen eine einzigartige Atmosphäre. Nach dieser Aufnahme frage ich mich immer, ob die Erfindung des modernen Flügels so ein tolle Idee war :hide: :D


      Michel :wink:
      Es gibt kaum etwas Subversiveres als die Oper. Ich bin demütiger Diener gegenüber diesem Material, das voller Pfeffer steckt. Also: Provokation um der Werktreue willen. (Stefan Herheim)
    • Meien Lieben!

      Eine der ergreifendsten Aufnahmen der "Winterreise" ist diese hier. Anton Dermota begleitet von seiner Gattin Hilde Dermota wird für mich eine der Besten sein, wenn sie auch von 1996/97 stammt, bleibt sie ein Vermächtnis des großen Künstlers [es war ein der letzten Aufnahmen und auch Liederabende der Beiden], ganz im Dienst des Komponisten. :juhu: :juhu:



      Liebe Grüße sendet Euch Euer Peter :wink: , dem nach dieser Aufnahme zumute ist.
    • Alviano schrieb:

      Der 18-jährige Schubert hat im Jahr 1815 eine Schauerballade des mit 28 Jahren an der Schwindsucht gestorbenen Ludwig Hölty mit dem Titel "Die Nonne" vertont. Sarah Walker beginnt ihren Vortrag (am Flügel von Graham Johnson begleitet) mit dem leicht übersilberten Timbre einer älter gewordenen Sängerin. Aber spätestens bei der zweiten Strophe hat Sarah Walker jede Aufmerksamkeit auf ihre fulminante Gestaltung gezogen. Mit grossem, dramatischen Aplomb geht sie die Ballade an, um dann, gegen Ende, auch plötzlich völlig zurückgenommene, leise Töne perfekt in ihre Interpretation einbringen zu können.
      Nun bin ich mal wieder voll in die Schubert-Falle getappt und höre Schubert-CDs statt zu arbeiten, Vorteil einer Rentnerin.

      Gerade höre ich die Walker-CD aus der Brilliant-Box mit einem anderen Pianisten als in der großen Hyperion-Box: Sarah Walker ist wirklich unglaublich gut. Nicht nur Die junge Nonne, die auch auf dieser CD ist, auch die vielen "Hits" singt sie wunderbar, den Musensohn, Ganymed. Wanderers Nachtlied, ich mag gar nicht aufhören zu loben und zu preisen.


      lg vom eifelplatz, Chris.
    • Liebe Chris,

      "Die junge Nonne" stammt von Jakob Nikolaus Craigher de Jachelutta ("Wie braust durch die Wipfel der heulende Sturm") - die singt Sarah Walker auf der CD, die von Vignoles begleitet wird, ich meinte "Die Nonne" (Hölty) - "Es liebt in Welschland irgendwo". Es ist die Geschichte einer Nonne, die ihren ungetreuen Liebhaber von gedungenen Mördern töten lässt und die dann ganz naturalistisch dem Untreuen das Herz aus dem Leib reisst. Ansonsten: ist doch prima, wenn der Thread zum Liederhören einläd... (ich kann tagsüber nicht so mitmachen, wie ich möchte... :D )

      :wink:
      Der Kunst ihre Freiheit
    • Sängerinnen

      Mit der Stimme und dem Vortrag von Irmgard Seefried habe ich mich nie so richtig anfreunden können, das ist mir teilweise zu artifiziell, wie sie die Texte behandelt. Das ist nochmal was anderes, als bei Schwarzkopf, deren Manierismen nun auch nicht ohne sind, die ich aber sängerisch besser finde.

      Eine meiner grossen Favoritinnen unter den Sopranstimmen: Elly Ameling. Ich mag diese jugendlich wirkenden, intonationssicheren Stimmen sehr, in die gleiche Richtung geht ja auch Agnes Giebel (die vorgestellte CD fehlt mir - eine Lücke, die es zu schliessen gilt) und Arleen Augér. Mir gefallen z. B. die Mignon-Lieder von einer solchen Stimme vorgetragen etwas besser, als wenn sie von einem Mezzosopran gesungen werden. Das ist, so finde ich, "rollendeckender", unabhängig davon, dass z. B. Janet Baker diese Lieder mit grosser Delikatesse zu singen versteht.

      Bei Kathleen Ferrier werde ich ganz schwach: eine jener Alt-Stimmen, die nach wenigen Tönen schon erkannt werden kann, die immer so eine ganz leichte Melancholie mitschwingen lässt...

      Die Aufnahme mit Sarah Walker und Roger Vignoles möchte ich bei Gelegenheit nochmal ganz hören, ich finde auch, dass Sarah Walker eine interessante Liedsängerin ist, auch, wenn mir z. B. ihr "Erlkönig" - auf der CD mit Graham Johnson am Flügel zu hören - nicht wirklich gut gefällt, da gibt es (vielleicht bei diesem Lied zwangsläufig) bessere Interpretationen. Sie stellt die unterschiedlichen Figuren (Vater, Erlkönig und Sohn) gut dar - allein, wie sie dem Sohn diese Schärfe mitgibt, ist beachtlich, aber das fügt sich für mich nicht zu einem wirklich runden Gesamteindruck.
      Der Kunst ihre Freiheit
    • Le Merle Bleu schrieb:

      Einmal ist das ein "Erlkönig" von Fischer-Dieskau, mit Gerald Moore am Klavier, eine Aufnahme von 1958. Keine Ahnung, auf welcher der gerade verfügbaren CDs diese Aufnahme enthalten ist.
      diese aufnahme finde ich auch die schönste aufnahme von erlkönig, die ich je gehört habe.

      ich erinnere mich noch, daß ich um etwa '65 im radioprogram "Vergelijkenderwijs" (vergleichenderweise), drei musiker einige aufnahmen von diesem lied beurteilen hörte. jedenfalls war auch dabei eine ausführung von marion anderson.

      DFD bekam das prädikat "summa cum laude"

      lg, paul

      PS ich schlage vor, du änderst dein einmal in einmalig
      Wirklich schöne Musik rührt


    • Diese sehr preisgünstige Box mit ( frühem) Fischer Dieskau habe ich mir vor einiger Zeit zugelegt, zumal sie einigen schönen Schubertgesang enthält, ingesamt 3 CDs einschließlich einer frühen Winterreise, schöne Müllerin und Schwanengesang und einigen anderen Liedern wie zum Beispiel dem Erlkönig. Aber auch die Schumannlieder ( eine CD) haben mir sehr gut gefallen. Natürlich ist der Klang etwas betagt, aber weit weniger historisch als etwa in dieser oben genannten Membranbox mit wirklich historischen Aufnahmen, die ich auch habe, aber nie sehr gründlich gehört habe.

      Ansonsten höre ich bei Schubert auch den Fritz Wunderlich gerne - er hat halt eine herrliche Stimme, die er in vielleicht etwas naiver Weise auch auskostet. Ich bin mir nicht sicher, ob Fritz Wunderlich wirklich den "besten" Schubert gesungen hat, aber er hatte eine herrliche Stimme und ist von daher für mich unverzichtbar. Ich habe eine schöne Müllerin ( Eurodisk) und eine CD mit dem kitschigen Titel "Ich liebe Dich" und einem kitschigen Cover der Deutschen Grammophon. Peter Schreier höre ich in der schönen Müllerin aber auch gerne. Aus der Hyperionbox habe ich nur eine Auswahl CD, die natürlich alle Sänger vorstellt, was aber auch seinen Reiz hat, weshalb ich diese CD auch sehr gerne höre.

      Daneben habe ich noch so 7 CDs Schubertliedinterpretation in meiner Schubert Masterworksbox von Brilliant, die mir recht gut gefällt, auch wenn mir dieser Sänger der Winterreise mit seinem mir zu dunklen Baßbariton nicht wirklich gut gefalllen hat - da höre ich den Fischer Dieskau doch lieber - aber insgesamt sind auch das recht bekannte Schubertinterpreten.

      Gruß Malcolm
      Der Hedonismus ist die dümmste aller Weltanschauungen und die klügste aller Maximen.
    • Kurz en passant: nichts gegen die alten Schubert-Recken und Reckingen, die ich auch sehr bewundere, von Elisabeth Schumann über Erna Berger, Arleen Auger, Elly Ameling, Hans Hotter, Kathellen Ferrier, Lotte Lehmann, Jessye Norman, Margaret Price (eine der Besten in diesem Fach, wurde leider noch nciht genannt) bis Gerard Souzay, um mal einen herausragenden nicht-deutschen Schubertinterpreten zu nennen.
      Aber der derzeit schönstimigste und für mich überzeugendste deutsche Schubert-Interpret, der live sogar noch besser ist als auf Cd und mit seinem Klavierpartner Gerold Huber ein wirklich kammermusikalisches Duo bildet, wurde bisher unterschlagen (wahrscheinlich , weil er zu jung ist und noch auf den Bühnen steht ... :rolleyes: :( Christian Gerhaher. :klatsch: :klatsch: :klatsch:
      Man(n) kann auch 2011 noch Schubertlieder singen, welch ein Glück!Für die "Frauenlieder" gibt oder gab es eine 3-Cd Box (also gar nciht so wenige!) mit Gundula Janowitz, die allerwärmstens zu empfehlen ist. Das Ave Maria -Ellens Gesang habe ich von Konserve nie schöner und un-abgenudelter bzw inniger gehört.
      F.Q.

      Jede Krankheit ist ein musikalisches Problem und die Heilung eine musikalische Auflösung (Novalis)
    • Margaret Price 1941 - 2011



      Vor wenigen Tagen verstarb die britische Sopranistin Margaret Price. Die Sängerin, die über eine solch typische Stimme verfügte, dass man sie gut wiederkennen konnte, war nicht nur eine gefragte Interpretin von Mozart-Partien, sie wagte sich auch vor rund dreissig Jahren an die Isolde von Richard Wagner heran und wurde mit dieser Partie neben dem Dirigenten Carlos Kleiber zum Ereignis der bei der DGG erschienen Gesamteinspielung. Vielleicht eine Grenzüberschreitung für die lyrische Stimme der Margaret Price, aber eine, für die ihr die Dankbarkeit nicht weniger Hörerinnen und Hörer der Einspielung gewiss sein dürfte.

      Margaret Price gehörte zu den Sängerinnen, die nicht nur im Opernfach Karriere gemacht haben, sie trat auch immer wieder als Interpretin von Liedern positiv in Erscheinung: Brahms, Mendelssohn, Strauss, Schumann und, fast möchte man sagen: natürlich, Schubert gestaltete sie mit der Schönheit ihrer leicht silbern schimmernden Sopranstimme und erwies sich dabei immer als eine am Wort arbeitende Sängerin. Hört man sich z. B. auf der oben gezeigten CD die Lieder "Der blinde Knabe" und "Die junge Nonne" an, wird man feststellen, dass Price für jede ihrer Figuren eine eigene Haltung, eine eigene Farbe anbieten kann und auch die Ausgestaltung der einzelnen Teile der Lieder sowohl das Detail, als auch den Gesamtaufbau des Liedes berücksichtigt. Besonders schön sind, finde ich, die melancholisch zurückgenommenen Töne, die ganz natürlich wirken. Mit auf der CD zu hören u. a "Der Winterabend" nach Leitner, "An die untergehende Sonne" nach Kosegarten oder "Kolmas Klage" nach Ossian - ein insgesamt schön zusammengestelltes Programm.
      Der Kunst ihre Freiheit
    • Nun bin ich ja nicht gerade die Operngängerin schlechthin, eher das Gegenteil - und so sind mir manche Sängerinnen und Sänger, die für ihre guten Opernpartien bekannt sind, aus dem Gebiet der Lieder doch sehr unvertraut. Also habe ich etliche Stunden bei youtube verbracht, das ich eigentlich immer noch unterschätze. Dabei kann man dort im Paradies landen ...

      Margaret Price kannte ich auch nur dem Namen nach, eine wunderbare Stimme! Anfangs mußte ich mich mal wieder ans Vibrato gewöhnen, das in der Musik, die ich bevorzugt höre, nicht so ausgeprägt ist. Aber ich gewöhne mich auch rasch daran. (Youtube veführt natürlich dazu, auch mal links und rechts vom Suchpfad abzuweichen Dove sono und Ich bin der Welt anhanden gekommen mußte ich mir auch anhören.)
      Und hier also der Link zu einer Liste von Aufnahmen für alle, die keine CDs von ihr haben:
      "http://www.google.de/search?hl=de&client=firefox-a&tbs=vid:1&&sa=X&ei=SeJXTZSqA4PLtAaO7NClCw&ved=0CEMQBSgA&q=margaret+price+schubert&spell=1

      Und weil ich beim Rumsuchen soviele interessante SängerInnen gefunden habe mit vorzüglichen Interpretationen oder tollen Stimmen, habe ich mir einfach zwei Lieder, von denen es sehr viele Aufnahmen gibt, rausgesucht: einmal Auf dem Wasser zu singen D774 (177 Aufnahmen) und dann Nacht und Träume D827 (233 Aufnahmen). Nein, keine Angst, ich habe nicht alle gehört.

      Neu war für mich, wie unglaublich toll Lucia Popp Schubert-Lieder singt, etwas enttäuscht war ich von den Youtube Aufnahmen von Christa Ludwig und Brigitte Fassbänder. Gut gefallen hat mir auch Lisa delle Casa, und absolut hingerissen war ich von den Uralt-Aufnahmen von Frida Leider und Wilma Drissen.

      Und um auch mal eine Männerstimme hervorzuheben: Was Ian Bostridge aus Nacht und Träume macht verdient höchste Bewunderung. Viele Melodiephrasen verlangen da einen sehr langen Atem, er singt das so, als wäre Schwerelosigkeit das normalste auf der Welt.

      Hier die Links zu den Aufnahmen:

      Auf dem Wasser zu singen:
      "http://www.youtube.com/results?search_query=schubert+auf+dem+wasser+zu+singen&aq=0

      Nacht und Träume:
      "http://www.youtube.com/results?search_query=schubert+nacht+und+tr%C3%A4ume&aq=f

      lg vom eifelplatz, Chris.