Puccini: "Tosca" - Oper Frankfurt, 16.01.2011

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    • Puccini: "Tosca" - Oper Frankfurt, 16.01.2011

      Vor einigen Jahren konnte man eine eigenwillige Produktion von „Tosca“ an der „Volksbühne“ in Berlin erleben. In der Inszenierung von Sebastian Baumgarten arbeiteten sich Schauspieler/innen, die dafür nicht ausgebildet sind, an den Gesangspartien der Puccini-Oper ab, das Ergebnis hatte etwas rührendes. Immerhin spielte das Filmorchester Babelsberg originalen Puccini, ansonsten war viel aus dem Stück von Sardou zu hören. Dieses Experiment in der – wenn man denn so will - typischen Volksbühnen-Ästhetik hatte etwas ganz leicht respektloses und war vielleicht genau deswegen ziemlich unterhaltsam.

      Es scheint eine Ewigkeit her zu sein, dass der Regisseur Andreas Kriegenburg eben dort am Rosa-Luxemburg-Platz in Berlin das Gesicht der „Volksbühne“ mit seinen Inszenierungen entscheidend mitgeprägt hat. Aber auch an andere Arbeiten, so am „Thalia“-Theater in Hamburg oder für das Schauspielhaus in Bonn Bad Godesberg, darf man nicht denken, wenn man nun in einer Inszenierung von Andreas Kriegenburg die Puccini Oper „Tosca“ geboten bekommt.

      Sicher, der Dauerbrenner von Puccini, der vor etwas mehr als 100 Jahren erstmals gezeigt wurde, gehört zum festen Bestandteil unserer Opernhäuser und wird immer sein Publikum finden, unabhängig von der jeweiligen Inszenierung. Aber vielleicht bedarf es doch wenigstens einer spannenden Nacherzählung, besser noch, einer zwingenden Idee, einer überzeugenden Interpretation, damit die „Tosca“ auch bei allbekannter Handlung noch wirklich packt.

      Ein ausladendes Bühnenbild, modischer Schick, etwas staunenswerte Bühnentechnik, das alles können Zutaten zur Unterstützung einer Produktion sein, ersetzen können sie eine Inszenierung nicht, bestenfalls lenken sie von den allzu gefälligen Arrangements der Szene ab.

      Andreas Kriegenburg zeigt vor allem in den ersten beiden Akten der „Tosca“ letztendlich reine Konvention, angereichert durch einige Effekte, die – der dritte Akt bestätigt das – zu einer überzeugenderen Produktion hätten werden können, das, was zu sehen ist, ist im schlimmsten Falle langweilig.

      Helles Holz bestimmt die Bühne (Bühnenbild: Harald Thor) und zu Beginn verschliesst auch eine Holzwand, in die ein stilisiertes Kreuz eingelassen ist, den Blick in den Bühnenhintergrund. Links vorne die Utensilien des Malers, an beiden Proszeniumsseiten riesige Türen. Angelotti stürzt herein, der Mesner reinigt die Pinsel, der Maler kommt, immerhin jetzt gibt es was erwähnenswertes zu sehen, Cavaradossi zaubert das Bild der Madonna mit seinen Händen auf die Holzwand, später wird es auch noch farbig werden.

      Zum Auftritt der Tosca klappt dann die gesamte Holzwand nach hinten und gibt den Blick auf eine fast leere Spielfläche frei. Kriegenburg bemüht sich, seine Personen nicht herumstehen zu lassen, aufregend ist das aber alles nicht. Das gilt auch für den Auftritt des Scarpia und sein Gespräch mit Floria Tosca.

      Erst am Ende wird die Aufmerksamkeit des Zuschauers gefordert, die Kirchenleute, die auftreten, wirken seltsam effeminiert in ihren Glitzerumhängen und die dunklen Sonnenbrillen, die sie tragen, erinnern nicht nur an Blinde, sondern an Vertreter verbrecherischer Gemeinschaften. Überhaupt scheint auch Scarpia, nicht nur weltlicher Politiker zu sein, ein Messdiener kniet folgerichtig zum „Te deum“ in Anbetungshaltung in Richtung Scarpia nieder.

      Der zweite Akt spielt in einem verglasten Raum, hinter diesen Fenstern steht zuerst das Volk und schaut zu Scarpia herein, eine Holzwandkonstruktion kann aber herabgesenkt werden und diese Fenster verschliessen. Ebenfalls lässt sich die Deckenplatte absenken, sodass ein zweiter Raum gezeigt werden kann. Ansonsten sieht es aus, wie in vielen anderen „Tosca“-Inszenierungen auch, Schreibtisch für Scarpia rechts, links der Tisch fürs Abendessen und die Inszenierung bietet nichts, was man nicht schon woanders so oder so ähnlich gesehen hat.

      Die Folterung des Cavaradossi wird nur angedeutet, sie spielt auf der abgesenkten Deckenplatte. Mit roter Farbe wird Cavaradossi übergossen, sodass sein weisses Hemd langsam Blutspuren bekommt. Fast ganz herabgesenkt ermöglicht diese Deckenplatte, dass Tosca auf dem Bühneboden stehend mit dem oben liegenden Cavaradossi Kontakt bekommen kann.

      Ein schöner Effekt auch, wenn später ein Trommler dort oben stehend seine Trommel schlägt. Das berühmte „Vissi d´arte“ singt Tosca im Bühnevordergrund, Scarpia liegt derweil auf seinem Schreibtisch. Die vielleicht am wenigsten geglückte Szene dieses Abends ist der Schluss des zweiten Aktes. Der Mord an Scarpia wird verschenkt, geradezu beiläufig tötet Tosca ihren Widersacher.

      Überraschend dann der dritte Akt. Man sieht eine Hinrichtungsstätte, in der Mitte auf dem Boden eine Blutlache des letzten Opfers, einfache Holzsärge stehen auf der Bühne, vorne rechts lehnt ein leerer Sarg für den neuen Delinquenten an der Wand. Die Soldaten sind in ihren Bewegungen erstarrt, während ein Todesengel, ganz in weiss gekleidet, das Hirtenlied singt. Der Junge spielt die Hinrichtung nach und landet in der Blutlache, die seine weisse Kleidung beschmutzt.

      Akribisch wird nun der Boden geschrubbt, ein Priester kümmert sich um die Hingerichteten, Tosca und Cavaradossi dürfen ihr Duett an der Rampe singen. Das Hinrichtungskommando nimmt zwar Stellung, wird aber weggeschickt. Einer von Scarpias Schergen erschiesst Cavaradossi mit der Pistole. Leider kommt das nicht überraschend, man ahnt, wie die Szene ablaufen wird, wenn man vorher sieht, wie die Pistole überprüft wird.

      Tosca kann nicht mehr fliehen – der Raum ist umstellt, statt sich irgendwo herunterzustürzen, fällt ein ewig langes rotes Tuch vom Bühnenboden und bedeckt Tosca unter sich.

      Kriegenburg erzählt wenig über die Gesellschaft, in der das Stück spielt, letztendlich buchstabiert er nur das Libretto herunter, die Beziehungen der Figuren zueinander werden wohl als bekannt vorausgesetzt, eine Zeichnung der Scarpia-Figur unterbleibt weitgehend, was dem Stück schon viel von seiner Wirkung nimmt.

      Möglicherweise liegt das aber auch an dem darstellerisch schwachen Sänger des Scarpia, Jason Howard, der mit der Figur überhaupt nichts anzufangen wusste. Dass Howard auch sängerisch blass bleibt, wiegt hier doppelt schwer. Der farbarme Bariton hat im ersten Akt ordentlich Mühe, sich überhaupt Gehör zu verschaffen, der verpatzte Erstauftritt kam da noch additiv dazu, aber auch im zweiten Akt gelang Howard kaum mehr als eine eher langweilige Routine, denn ein glühendes Portrait eines Macht- und Gewaltmenschen.

      Auch der Tenor Aleksandrs Antonenko (Cavaradossi) startete mit reichlich verwackelten Tönen und bot auch den Abend über Anschauungsmaterial für einige Tenorunarten, immer wirkungsvoll ist die kraftvoller Abstrahlung von Spitzentönen, aber am stärksten war Antonenko vielleicht doch bei dem ordentlich gesungenen „E lucevan le stelle“.

      Eine Aufführung der Oper „Tosca“ steht und fällt nicht zu letzt durch die Titelrolleninterpretin. In Frankfurt war das Erika Sunnegardh, sicher keine ideale Interpretin dieser Rolle, Erika Sunnegardh wirkte dann doch zu schmalbrüstig (vor allem im ersten Akt), sie ist zu wenig in der Lage aus einem satten Fundament zu schöpfen und dramatische Akzente mit perfekt gesetzten Spitzentönen zu präsentieren. Auch stimmdarstellerisch ist da zu wenig an Ausdruck, als das die Leistung wirklich überzeugen könnte.

      Ein richtiger Höhepunkt aber ist der Klang, der aus dem Orchestergraben zu hören ist. Kirill Petrenko dirigiert diese „Tosca“ mit soviel Freude am Detail, dass man glaubt, viele Stimmen so noch nie gehört zu haben. Petrenko lässt der Musik mitunter viel Zeit sich zu entwickeln, schlägt breite Bögen, packt dann aber auch mächtig zu und lässt die Musik immer kontrolliert explodieren. Dass er mitunter sehr langsam (auf der anderen Seite aber manche Passage sehr schnell nimmt) dirigiert, ist nicht nur von Vorteil, aber: Petrenko wird nie kitschig-sentimental oder auch nur effektvoll knallig, das ist schon alles sehr überlegt und zumindest eine interessante Wiederbegegnung mit einem doch sehr bekannten Stück.

      Viel Beifall, durchsetzt mit Ovationen, für alle, besonders für Kirill Petrenko und das Orchester, für Andreas Kriegenburg gab es dazu noch einige Buhrufe
      Der Kunst ihre Freiheit
    • Merci, Alviano, für Deinen Bericht! :)

      Ja, ich weiß auch nicht, warum Kriegenburg so wenig eingefallen ist. In seinem Münchner Wozzeck gab es auch schon ästhetisierende Arrangements, aber ansonsten war das damals eine weitaus packendere Aufführung als die gestrige (und das lag nicht am Stück).

      Ein paar Dinge an der Peripherie des Werks gelingen Kriegenburg gut: der von Alviano erwähnte Hirtenknabe als Todesengel, der sich durch das Wälzen im Blut dem gefolterten Cavaradossi anverwandelt und der den ebenfalls kindlichen Trommler im zweiten Akt spiegelt. Dann Scarpias Schergen, bei denen der Kafka-Regisseur Kriegenburg sich offenbar an den Gehilfen aus Das Schloss orientiert hat (gut erkannt von FR-Rezensent Jungheinrich, der ansonsten allerdings inzwischen für die PR-Abteilung der Oper Frankfurt zu schreiben scheint): zwischen Komik und Sadismus schwankend, teils mit übertriebener Höflichkeit, teils mit pedantischer Gewalttätigkeit agierend. Mit seinen Schergen hat auch der ansonsten in der Tat blass agierende Jason Howard als Scarpia seine besten Szenen: er spielt mit ihnen, wechselt unvermittelt zwischen Lob und Demütigung.

      Aber sobald es an die Beziehungen zwischen den drei zentralen Figuren ging: pure Konvention, unterstrichen durch die darstellerische Hilflosigkeit insbesondere Antonenkos und Howards. Sunnegardh (die man nicht wiedererkannte: so war sie mit Perücke und Kleidung ins visuelle Tosca-Klischee verwandelt worden) agierte noch am überzeugendsten.


      Zwei Szenen, die besonders in ihrer Verbindung frappierend waren und auf das Herz des Stücks zielten, gab es:

      Alviano schrieb:

      Zum Auftritt der Tosca klappt dann die gesamte Holzwand nach hinten und gibt den Blick auf eine fast leere Spielfläche frei.


      Alviano schrieb:

      statt sich irgendwo herunterzustürzen, fällt ein ewig langes rotes Tuch vom Bühnenboden und bedeckt Tosca unter sich.


      Der erste Auftritt Toscas und ihr Ende waren als theatralische Coups miteinander verbunden: im ersten Akt ist das ein durchaus beeindruckender Moment, der "große Auftritt" schlechthin, die Inszenierung Toscas als Primadonna. Im dritten Akt ist es dann der herunterstürzende rote Vorhang, ein Theaterrequisit, das Tosca "tötet". Der Auftritt im ersten Akt wird auch ikonographisch verdichtet: Über das Kreuz ist Cavaradossis Magdalenen-Porträt projiziert, wenn die Wand stürzt, präsentiert sich Tosca wieder vor einem Kreuz und neben einer Marienstatue. Dieses Ineinander von religiöser und theatralischer Inszenierung, die Entdeckung einer selbstreflexiv auf das Theater bezogenen Ebene in der veristischen Oper - das wäre ein Thema gewesen. Aber es wurde nichts davon eingelöst.


      Alviano schrieb:

      Die Folterung des Cavaradossi wird nur angedeutet, sie spielt auf der abgesenkten Deckenplatte. Mit roter Farbe wird Cavaradossi übergossen, sodass sein weisses Hemd langsam Blutspuren bekommt.


      Hier fühlte ich mich an das aus Guantanamo bekannte Waterboarding erinnert - auch wenn Cavaradossi, dessen Mund und Nase von einem Tuch bedeckt sind, nicht mit Wasser, sondern mit roter Farbe/Blut übergossen wird.


      Alviano schrieb:

      Möglicherweise liegt das aber auch an dem darstellerisch schwachen Sänger des Scarpia, Jason Howard, der mit der Figur überhaupt nichts anzufangen wusste. Dass Howard auch sängerisch blass bleibt, wiegt hier doppelt schwer. Der farbarme Bariton hat im ersten Akt ordentlich Mühe, sich überhaupt Gehör zu verschaffen, der verpatzte Erstauftritt kam da noch additiv dazu, aber auch im zweiten Akt gelang Howard kaum mehr als eine eher langweilige Routine, denn ein glühendes Portrait eines Macht- und Gewaltmenschen.

      Auch der Tenor Aleksandrs Antonenko (Cavaradossi) startete mit reichlich verwackelten Tönen und bot auch den Abend über Anschauungsmaterial für einige Tenorunarten, immer wirkungsvoll ist die kraftvoller Abstrahlung von Spitzentönen, aber am stärksten war Antonenko vielleicht doch bei dem ordentlich gesungenen „E lucevan le stelle“.

      Eine Aufführung der Oper „Tosca“ steht und fällt nicht zu letzt durch die Titelrolleninterpretin. In Frankfurt war das Erika Sunnegardh, sicher keine ideale Interpretin dieser Rolle, Erika Sunnegardh wirkte dann doch zu schmalbrüstig (vor allem im ersten Akt), sie ist zu wenig in der Lage aus einem satten Fundament zu schöpfen und dramatische Akzente mit perfekt gesetzten Spitzentönen zu präsentieren. Auch stimmdarstellerisch ist da zu wenig an Ausdruck, als das die Leistung wirklich überzeugen könnte.


      Dem ist wenig hinzuzufügen. Howard mit einem ganz schlechten ersten Akt, im zweiten etwas überzeugender. Antonenko mit heftigen intonatorischen Schwierigkeiten am Anfang, E lucevan le stelle geriet ihm dagegen passabel (die Qualität der fantastischen Soloklarinette erreichte er allerdings bei weitem nicht). Sunnegardh würde ich etwas besser bewerten als Alviano, aber ausgerechnet in ihrer Arie im zweiten Akt sang sie wenig imaginativ, wurde die Farbarmut ihrer Stimme deutlich. Und eine Oper wie Tosca lebt nunmal von den gesanglichen und darstellerischen Fähigkeiten der Hauptprotagonisten.


      Alviano schrieb:

      Ein richtiger Höhepunkt aber ist der Klang, der aus dem Orchestergraben zu hören ist. Kirill Petrenko dirigiert diese „Tosca“ mit soviel Freude am Detail, dass man glaubt, viele Stimmen so noch nie gehört zu haben. Petrenko lässt der Musik mitunter viel Zeit sich zu entwickeln, schlägt breite Bögen, packt dann aber auch mächtig zu und lässt die Musik immer kontrolliert explodieren. Dass er mitunter sehr langsam (auf der anderen Seite aber manche Passage sehr schnell nimmt) dirigiert, ist nicht nur von Vorteil, aber: Petrenko wird nie kitschig-sentimental oder auch nur effektvoll knallig, das ist schon alles sehr überlegt und zumindest eine interessante Wiederbegegnung mit einem doch sehr bekannten Stück.


      Das Ereignis des Abends! Tosca klang frisch wie am ersten Tag. Ein eher trocken-federnder Klang des Orchesters mit harten Pauken im Fortissimo. Darunter enorme dynamische Schattierungen, bis hin zu dem sich im körperlosen Pianissimo auflösenden Schluss des zweiten Akts. Nie gehörte Nebenstimmen, Synkopen und Farbvaleurs (besonders Beimischungen gedämpfter Hörner und Trompeten zum Streicherklang fielen mir auf), pointierte Spieltechniken der Streicher. Nur die Celli zu Cavaradossis Abschied im dritten Akt durften vibrieren wie gewohnt. Manchmal harte Schnitte und unvermittelte Übergänge beim Tempo. Bei Cavaradossis Arie markiert Petrenko durch Tempo und Artikulation insbesondere die Abstürze sehr stark, so dass dem viel malträtierten Stück nicht Sentimentalität, sondern ein katastrophisch-verzweifelter Zug eigen war.

      Dafür hat sich der Besuch der Premiere unbedingt gelohnt. Der Rest...


      Viele Grüße

      Bernd
      Details are always welcome. (Vladimir Nabokov)
    • Lieber Bernd,

      vielen Dank für Deine Ergänzungen.

      (...) FR-Rezensent Jungheinrich, der ansonsten allerdings inzwischen für die PR-Abteilung der Oper Frankfurt zu schreiben scheint


      Den Bericht von Jungheinrich habe ich heute früh auch gelesen, da ist man schon versucht, sich ein wenig fremd zu schämen für soviel Hofberichterstattung.

      Der Auftritt im ersten Akt wird auch ikonographisch verdichtet: Über das Kreuz ist Cavaradossis Magdalenen-Porträt projiziert, wenn die Wand stürzt, präsentiert sich Tosca wieder vor einem Kreuz und neben einer Marienstatue. Dieses Ineinander von religiöser und theatralischer Inszenierung, die Entdeckung einer selbstreflexiv auf das Theater bezogenen Ebene in der veristischen Oper - das wäre ein Thema gewesen. Aber es wurde nichts davon eingelöst.


      In diesen Kontext gehört auch der Auftritt der Tosca im zweiten Akt, wo die Sängerin genauso gekleidet auftritt, wie das Madonnengemälde des Cavaradossi aus dem ersten Akt aussieht. Es ist schon richtig: die Bühne im ersten Teil des ersten Aktes beschränkt sich auf ganz wenige, betonte Elemente, ohne damit wirklich etwas anzufangen.

      Hier fühlte ich mich an das aus Guantanamo bekannte Waterboarding erinnert


      Das ging mir genauso - hatte aber in dieser Darstellung nichts sonderlich bedrohliches.

      Das Orchester spielte wirklich mit Hingabe - aber wenn die Szene so durchhängt...?

      :wink:
      Der Kunst ihre Freiheit
    • Lieber Alviano!

      Dein Zitat:

      während ein Todesengel, ganz in weiss gekleidet, das Hirtenlied singt. Der Junge spielt die Hinrichtung nach und landet in der Blutlache, die seine weisse Kleidung beschmutzt.

      Bin ich froh, dass ich, an die 90mal, nicht in einer Blulache landete, ich bin erstaunt, aber heute ist alles möglich.

      Liebe Grüße sendet Dir Peter aus Wien, ehemaliger Hirtenbua und kein Todesengel. :wink:
    • Zwielicht schrieb:


      Alviano schrieb:

      Die Folterung des Cavaradossi wird nur angedeutet, sie spielt auf der abgesenkten Deckenplatte. Mit roter Farbe wird Cavaradossi übergossen, sodass sein weisses Hemd langsam Blutspuren bekommt.
      Hier fühlte ich mich an das aus Guantanamo bekannte Waterboarding erinnert - auch wenn Cavaradossi, dessen Mund und Nase von einem Tuch bedeckt sind, nicht mit Wasser, sondern mit roter Farbe/Blut übergossen wird.

      Sagt Scarpia nicht sinngemäß zu Tosca, daß Cavaradossi einen Dornenkrone auf`s Haupt gesetzt wird? Damit fand ich die Folterszene schlüssig mit dem blutigen Haupt. Das kam bei mir auch mehr als `nur angedeutet` an, unabhängig davon, daß m.W. im Libretto und den Szenenanweisungen nichts davon steht, daß die Folter auf offener Bühne stattfindet.

      Die Kritik an Jason Howard als Scarpia kann ich nur bedingt nachvollziehen. Auch für meine Ohren hat er nicht die durchschlagende brutale bzw. brachiale Stimme. Für einen Scarpia wirkte er sogar erstaunlich zurückhaltend, sowohl stimmlich als auch szenisch. Gefallen hat er mir trotzdem sehr: seine Gestalt strahlt eher sowas von einem kalt-eleganten Mefistofele aus, dämonisch und er hat ein bißchen was von Dracula. Fand ich toll. Umgeben ist er von seinen Schergen, die ihm auch die Drecksarbeit erledigen (ähnlich wie bei Gunther).