Der Nominierungsthread zu Verfolgt, emigriert, ermordet...

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    • Huberman, Bronislaw (1882 – 1947). Violinist und Humanist



      Der Geiger Bronislaw Huberman wurde am 19. Dezember 1882 in Częstochowa (Tschenstochau, Polen) geboren. Seine musikalische Ausbildung erhielt er ab 1888 u. a. bei Mihalowicz, Joachim, und Gregorowitsch, obwohl er hauptsächlich Autodidakt war. Sein Debüt absolvierte er siebenjährig mit Spohrs zweitem Violinkonzert. Seinen Durchbruch als Solist kann man mit dem Konzert vom 12. Januar 1895 in Wien festmachen (mit A. Patti). 1896 spielte er erstmalig öffentlich das Violinkonzert von Brahms. Der anwesende Komponist war begeistert. Huberman gastierte weltweit und galt als technisch hervorragender und eigenwilliger Musiker. Seine Fixpunkte waren Beethoven und Brahms. Seine Einspielung des Violinkonzertes von Tschaikowsky gilt als herausragend. Huberman war Mitbegründer des Palestine Orchestras und weigerte sich in ‚Nazi-Deutschland’ zu spielen bzw. es war ihm nicht mehr möglich. („...In Wirklichkeit geht es nicht um Violinkonzerte; es handelt sich auch nicht um Juden. Es handelt sich um die elementarsten Voraussetzungen unserer europäischen Kultur: Die Freiheit der Persönlichkeit und ihre vorbehaltlose, von Kasten- und Rassenfesseln befreite Selbstverantwortlichkeit.“ Aus einem Brief an Furtwängler vom 10.07.1933). Am 16. Juni 1947 ist Bronislaw Huberman in Corsier-sur-Vevey (Schweiz) gestorben.
    • Laks, Szymon (1901-1983). Komponist und Schriftsteller.




      Szymon Laks wurde am 1.11.1901 in Warschau geboren. Laks beginnt zunächst ein Mathematikstudium, bevor er sich 1921 am Konservatorium in Warschau einschreibt. 1926 übersiedelt er nach Wien, 1927 dann nach Paris, wo er bis 1929 seine Studien am dortigen Konservatorium weiterführt. Laks lebt danach weiter in Paris, seine Kompositionen werden regelmäßig in der Stadt gespielt.

      1941 wird Laks seiner jüdischen Herkunft wegen verhaftet und zunächst im Lager Pithiviers (bei Orléans) interniert. Im Juli 1942 wird er nach Auschwitz-Birkenau deportiert. Er überlebt das Lager als Mitglied des Lagerorchesters, das er später auch leitet. Im Oktober 1944 wird Laks nach Dachau evakuiert, wo er bis zu der Befreiung des Lagers durch die amerikanische Armee im April 1945 bleibt. Laks kehrt nach Paris zurück. Dort stirbt er an 11.12.1983.

      Neben seiner Tätigkeit als Komponist hat Laks auch mehrere Bücher veröffentlicht, unter anderem „Musiques d'un autre monde“ (1948), das erst 1998 unter dem Titel „Musik in Auschwitz“ in deutscher Sprache erschienen ist.
      Es gibt kaum etwas Subversiveres als die Oper. Ich bin demütiger Diener gegenüber diesem Material, das voller Pfeffer steckt. Also: Provokation um der Werktreue willen. (Stefan Herheim)
    • Rostal, Max (1905 – 1991). Violinist, Musikpädagoge



      Der Geiger Max Rostal wurde am 07. August 1905 in Teschen (Österreich; heute die polnisch-tschechische Doppelstadt Czeski Cieszyn/Český Těšín) geboren*. Bereits mit 6 Jahren trat er öffentlich auf und unternahm zahlreiche Konzertreisen. Danach erst erfolgte die eigentliche musikalische Ausbildung u. a. bei Arnold Rosé und Carl Flesch. Er galt bald als Konkurrent von M. Elman sowie Nachfolger von F. Kreisler, dessen Spiel er nicht sonderlich schätzte, ihm im Klang jedoch ähnlich ist. Nach dem Gewinn des renommierten Mendelssohn-Preises wurde er mit ca. 20 Jahren Assistent von Flesch und 1928 Professor an der Berliner Hochschule für Musik. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten emigrierte Rostal nach England, wo er von 1944 bis 1957 an der Guildhall School of Music unterrichtete. Von 1957 bis 1982 war er Professor an der Hochschule für Musik in Köln und gab Meisterkurse in Bern. Zu seinen Schülern zählten u. a.: N. Brainin, E. Peinemann, Th. Zehetmair und U. Hoelscher. Neben seiner umfangreichen Lehrtätigkeit gab Rostal weiterhin Konzerte. Am 06. August 1991 ist Max Rostal in Bern (Schweiz) gestorben. – Nach ihm ist der Max-Rostal-Wettbewerb benannt.

      * Einige Quellen geben den 07.07.1905 an.
    • Fröhlich, Alfred (1875 – 1942). Dirigent, Komponist


      Der Dirigent Alfred Fröhlich wurde am 25. Februar 1875 in Wien geboren. Nach seiner musikalischen Ausbildung an der Akademie der Tonkunst in Wien (Konservatorium der Gesellschaft der Musikfreunde) u. a. bei Jakob Grün und Sigismund Bachrich gründete er ein Streichquartett und studierte währenddessen bei Franz Kenn und den Brüdern Johann Nepomuk und Robert Fuchs Komposition. Danach arbeitete er als Chordirektor, Solorepetitor, Konzertmeister und Operetten-Kapellmeister in Preßburg (Bratislava), Olmütz (Olomouc), Aachen und Salzburg. Ab 1900 war Fröhlich in Düsseldorf tätig, von 1904 bis 1920 als Oberkapellmeister. 1906 organisierte er in Düsseldorf ein zehntägiges Fest anlässlich des 150. Geburtstages von Wolfgang Amadeus Mozart. Nach seiner Düsseldorfer Kapellmeistertätigkeit gründete er in Bonn das „Collegium musicum", dessen Konzerte im Rundfunk übertragen wurden. Am 30. Januar 1942 ist Alfred Fröhlich an Herzversagen gestorben, kurz bevor er nach Auschwitz deportiert werden sollte. – Alfred Fröhlich war mit der Sängerin Hermine Förster-Fröhlich verheiratet.

      Der Nachlass von Alfred Fröhlich wurde von seiner Schülerin Elfriede Bauer zusammengestellt und befindet sich beim Stadtarchiv Düsseldorf. Ansonsten ist die Quellenlage extrem dürftig.
    • Bachrich, Ernst (1892 – 1942). Komponist, Dirigent, Pianist



      Der Komponist Ernst Bachrich wurde am 30. Mai 1892 in Wien geboren. Seine musikalische Ausbildung fand am Konservatorium der Wiener Philharmonie Gesellschaft u. a. bei C. Prohaska und als Privatschüler bei A. Schönberg statt. In dessen „Verein für musikalische Privataufführungen“ war er Pianist und Sekretär. Seine beruflichen Anfänge absolvierte er als Pianist und Korrepetitor. Von 1920 bis 1925 dirigierte er an der Wiener Volksoper. Es folgten Engagements in Düsseldorf und Duisburg. Der Schwerpunkt seines kompositorischen Schaffens lag bei Klavier- und Kammermusik sowie Liedern. Am 11. Juli 1942 wurde Ernst Bachrich im Konzentrationslager Majdanek ermordet.
    • Pauly, Rose (1894 – 1975). Sängerin, Gesangspädagogin



      Die Sopranistin Rose Pauly (oder auch Rosa Pollak, Rose Pauly-Dreesen, Rose Fleischner) wurde am 15. März 1894 in Eperjes/Prešov (heute: Slowakei) geboren. Nach ihrer musikalischen Ausbildung u. a. bei Rosa Papier-Paumgartner in Wien debütierte sie während des 1. Weltkriegs am Hamburger Stadttheater und 1918 an der Wiener Staatsoper. Es folgten Engagements in Gera, Karlsruhe, Köln, Mannheim und Berlin (Kroll-Oper). Ihre Karriere setze sie mit Auftritten an den anderen großen Bühnen Berlins, in Wien, Dresden, Budapest und Paris fort. Sie hatte ein sehr großes Repertoire von ca. 60 Rollen, darunter auch einige Operettenrollen. Bereits in den frühen 1930er Jahren bekam sie Probleme mit der nationalsozialistischen Hetze, welche nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten zum Auftrittsverbot führte, so dass sie ihre Tätigkeit zuerst in die Tschechoslowakei, dann nach Österreich (Wien, Salzburger Festspiele u. a.) und später in die USA verlagerte. Sie gab weltweit Gastspiele und musste nach einer Verletzung um 1942 herum ihre Bühnenkarriere beenden. 1944/1946 übersiedelte sie nach Palästina, wo sie als Gesangslehrerin arbeitete (Schülerin: Hilde Zadek u. a.). Rose Pauly verstarb am 14. Dezember 1975.
    • Book, Rose (1907 – 1995). Sängerin, Gesangspädagogin *


      Die Koloratur-Sopranistin Rose Book wurde am 20. August 1907 in Wien geboren. In ihrer Heimatstadt absolvierte sie ihre musikalische Ausbildung am Neuen Wiener Konservatorium. Es folgten feste Engagements in Nürnberg, Mainz, Breslau sowie europaweite Gastauftritte. In der Saison 1932/1933 wurde sie an das Hamburger Stadttheater verpflichtet. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde Book 1934 entlassen und verlegte ihre Tätigkeit an das Deutsche Theater in Prag. Daneben sang sie u. a. für den Jüdischen Kulturbund, am Deutschen Theater in Brünn und an der Wiener Staatsoper. 1938 wurde ihr auch in Prag gekündigt, und sie emigrierte 1939 in die Vereinigten Staaten von Amerika, wo sie u. a. an der Metropolitan Opera sang, jedoch zwang sie ein schwerer Bühnenunfall zu einer mehrjährigen Pause. Nach ihrer Bühnen- und Konzertkarriere arbeitete sie als Gesangslehrerin. 1995 ist Rose Book in New York gestorben.

      * in manchen Quellen steht: Rosa
    • RE: Hilde Zadek - die Primadonna, und der bescheidene Star der Wiener Staatsoper.

      oper337 schrieb:

      Lieber Rideamus!

      Das dachte ich mir jetzt auch. Natürlich bin ich einverstanden.


      Bitte kannst Du den Beitrag zu den Sängern rüber geben, dort hätte er eher hin gepasst.

      Herzlichen Dank für Deine Bemühungen.

      Liebe Grüße sendet Dir Peter aus Wien. :wink: :wink:
      [Dein Beitrag Nr. 100]


      Lieber Oper337,

      leider finde ich Deine Kurzfassung über Hilde Zadek nicht in der Capriccio-Gedenktafel. Anbei mein Kurzbeitrag über Hilde Zadek. Wäre es Dir so Recht oder möchtest Du ihn selbst verfassen?



      Zadek, Hilde (geb. 1917). Sängerin, Gesangspädagogin




      Die Sopranistin Hilde Zadek wurde am 15. Dezember 1917 in Bromberg (heute: Bydgoszcz) geboren. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten emigrierte Zadek 1935 nach Palästina. Ihre musikalische Ausbildung absolvierte sie u. a. bei den Gesangspädagoginnen Rose Pauly und Edith Boroschek am Konservatorium in Jerusalem. 1937 kehrte sie zur Rettung ihrer Eltern nach Stettin zurück und emigrierte 1939 endgültig nach Palästina. 1945 übersiedelte sie in die Schweiz und studierte nun bei Ria Ginster. 1947 feierte sie ihr Debüt als ‚Aida’ am Theater an der Wien und wurde Ensemblemitglied der Wiener Staatsoper. Zadek wirkte 1949 bei der Uraufführung der Oper „Antigonae“ von C. Orff bei den Salzburger Festspielen mit. Ihre weltweite Bühnenkarriere beendete sie erst 1972 und lehrte bereits ab 1964 als Gesangspädagogin und Professorin an der Musikakademie Wien. – Nach ihr ist der Hilde Zadek Gesangswettbewerb benannt.
    • Lieber Keith!

      Jetzt weiß ich was gemeint war, die Nr. 100 wurde, Seinerzeit, in die Sängerliste verschoben.

      Danke für Deine Beschreibung, von Kms. Hilde Zadek, die ist doch sehr aufschlußreich und richtig. :juhu: :juhu:

      Liebe Grüße sendet Dir Peter aus Wien. :wink: :wink:
    • Lieber Oper337,

      vielen Dank!

      _________


      Hussa, Maria (1983 – 1980). Sängerin, Gesangspädagogin


      Die Sopranistin Maria Hussa wurde am 07. Dezember 1893* in Wien geboren. Nach ihrer musikalischen Ausbildung bei Elise Elizza und Senja Arnold Greve (ihrem späteren Mann) debütierte sie 1917 an der Wiener Volksoper. Es folgten Engagements in Wien (Hofoper bzw. Staatsoper), Graz, Prag und Berlin (Staatsoper). Von 1926 bis 1932 war Hussa Ensemblemitglied am Hamburger Stadttheater. Hier sang und spielte sie am 07. Oktober 1927 die Rolle der ‚Heliane’ in der Uraufführung von Korngolds Oper „Das Wunder der Heliane“. Außerdem wirkte sie am 18. November 1927 in der Uraufführung von Respighis Oper „Die versunkene Glocke“ („La campana sommersa“) mit. Nach einer Spielzeit in Düsseldorf (1933) führte sie ihr Weg an das Theater an der Wien (1934-1935) und gab europaweit Gastspiele. Nach dem sog. „Anschluss“ Österreichs 1938 emigrierte sie - aufgrund der jüdischen Herkunft ihres Mannes - in die Vereinigten Staaten von Amerika, wo sie bereits 1934 an der Oper von San Francisco gesungen hatte und wurde nun Mitglied der Oper von Chicago. Danach arbeitete sie als Gesangslehrerin. Mit dem Ende des 2. Weltkriegs wurde Hussa Vorsitzende des „Reconstruction Committee of the Vienna Opera“. Am 19. April 1980 ist Maria Hussa in Chicago gestorben.

      * Einige Quellen geben 1894 bzw. 1896 an.
    • Schwarz, Paul (1887 – 1980). Sänger


      Der Tenor Paul Schwarz wurde am 30. Juni 1887 in Wien geboren. Nach Stationen in Bielitz (Biala), Wien (Volksoper) und Zürich kam er 1912 an das Hamburger Staattheater. Hier sollte er eine Stütze des Opernhauses werden. Er sang bis 1933 ca. 140 Partien in mehr als 4000 Vorstellungen. Sein Fach reichte vom Tenor-Buffo bis zum Heldenfach des Wagner-Gesangs, von Operette bis Oper. 1911 wirkte er bei der Uraufführung der Oper „Der Kuhreigen“ von W. Kienzel an der Wiener Volksoper mit. In Hamburg war er 1927 in der Uraufführung von E. W. Korngolds Oper „Das Wunder der Heliane“ zu hören sowie im selben Jahr in O. Respighis Oper „Die versunkene Glocke“. Gastspiele führten ihn an zahlreiche europäische Opernhäuser. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde er zwangspensioniert bzw. gekündigt. Der Umstand, dass er mit einer sog. „Arierin“ verheiratet war, schützte ihn zunächst vor weiteren Verfolgungen der Nazis. Schwarz engagierte sich beim „Jüdischen Kulturbund“ und setzte seine internationale Karriere fort, bis 1938 sein österreichischer Pass eingezogen und er zur Zwangsarbeit verpflichtet wurde. 1949 beendete Schwarz seine lange - aber zwangsweise unterbrochene - Karriere an der Hamburgischen Staatsoper in W. A. Mozarts „Die Hochzeit des Figaro“ als ‚Basilio’. Paul Schwarz, Träger der Brahmsmedaille, starb am 24. Dezember 1980 in Hamburg.

      Kutsch/Riemens gehen von der Emigration in die USA aus. Dieses dürfte falsch sein.
    • Pollak, Egon (1879 – 1933). Dirigent


      Der Dirigent Egon Pollak wurde am 03. Mai 1879 in Prag (Praha) geboren. 1901 wurde er Assistent von L. Blech an der Oper in Prag. Weitere Stationen seiner Karriere waren Bremen, Leipzig und Frankfurt am Main. 1917 wurde Pollak Generalmusikdirektor des Hamburger Stadttheaters (Staatsoper). 1920 dirigierte er zeitgleich mit O. Klemperer in Köln die Uraufführung von E. W. Korngolds Welterfolg „Die tote Stadt“. Aufgrund der nationalsozialistischen, rassistischen Diffamierungskampagne kündigte er 1931 seinen Vertrag in Hamburg - Nachfolger wurde K. Böhm - wechselte kurzzeitig an die Oper von Chicago und dirigierte dann in Kairo (Gastspiel der Wiener Staatsoper) sowie in der Sowjetunion. 1932 emigrierte Pollak in die Tschechoslowakei und wurde Chefdirigent des Deutschen Theaters in Prag. Am 14. Juni - während einer "Fidelio"-Aufführung - verstarb Egon Pollak.
    • Iannis Xenakis (1922 - 2001) Komponist

      schloss während der Besatzung Griechenlands durch die Deutschen sich dem kommunistisch geführten antifaschistischen Widerstand an. Xenakis wurde in Kampfhandlungen verwickelt, in Abwesenheit zum Tode verurteilt. Durch eine Granate erlitt er eine schwere Gesichtsverletzung, verlor sein linkes Augenlicht und war bis zu seinen Lebensende gezeichnet.

      :wink:
      „Ein Komponist, der weiß, was er will, will doch nur was er weiß...“ Helmut Lachenmann
    • Re: Xenakis

      Xenakis schloß sich zwar der ELAS, der griechichischen Volksbefreiungsarmee unter kommunistischer Führung, an und kämpfte aktiv gegen die deutschen Besatzer, aber die schwere Gesichtsverletzung, durch die seine ganze eine Gesichthälfte sichtbar zerstört blieb, zog er sich in der Schlacht um Athen durch eine britische Panzergranate zu.

      Die ELAS hatte große Teile Griechenlands im Kampf gegen die deutschen Besatzer befreit, die in Griechenland wüteten, wie sonst nur in Rußland und nahezu alles Wertvolle und Essbare den Griechen raubte, es gab ca. 300 000 Hungertote, über 100 000 Emordete, die deportierten griechischen Juden nicht mitgerechnet, in dem kleinen Land - angemessene deutsche Reparationen wurden nie gezahlt, Viele Kommentare deuter Politiker, Banker und Wirtschaftsjournalisten heute gegenüber Griechenland sind deswegen einfach ekelhaft.

      Die ELAS war aber auf der Konferenz von Jalta von Stalin verraten worden. Griechenland wurde den Briten zugesprochen und die setzten die vor der deutschen Besatzung autoritär-faschistoid herrschende Exil-Regierung des Monarchen wieder ein und schreckte dabei auch nicht zurück, die Terrormilizen der griechischen faschistischen Kollaborateure mit den Deutschen wiederzuaktivieren. Es kam zum Bürgerkrieg zwischen der ELAS und ihren Verbündeten und der britischen Armee und den raktionären Kräften. Die ELAS war so stark, dass die Briten schließlich auch die US-Amerikaner zum Eingriff bitten mußten. In der Schlacht von Athen eroberte die britische Armee die von großen Teilen der Bevölkerung und der ELAS selbst befreite Hauptstadt.

      Xenakis geriet schwer verwundet in Haft, wurde von dem von den Briten eingesetztem rechtem griechischen Regime zum Tode verurteilt, jedoch gelang ihm vor der Erschießung auf abenteuerlichem Weg die Flucht über Italien nach Frankreich.

      Die Sache ist also etwas diffizil. Auch, weil die ELAS selbst unter stalinistischer Führung stand und für Massaker an einigen Tausend in Griechenland relativ starken Trotzkisten und Archaeomarxisten, einer eigenen griechischen Strömung antistalinistischer Sozialisten,mit eigenen Guerillaverbänden, verantwortlich ist.

      Ich kann mir mal einen Eintrag zu Xenakis, den ich sehr begrüßen würde, überlegen, möchte das aber nicht schnell übers Kreuz brechen. Mein Vorschlag kann dann natürlich auch noch mal hier diskutiert werden.

      Xenakis blieb übrigens bis zu seinem Tod radikaler Linker, war aber später scharf antistalinistisch und gehörte nie einer KP an, sondern war, wie auch mit seinen Kompositionen, immer ein ganz unabhängiger Denker.

      Ein interessanter, noch sehr untererforschter Aspekt ist übrigens auch, dass ca. 1000 übergelaufene deutsche Soldaten auf Seiten der ELAS kämpften. Das hat möglicherweise auch damit zu tun, dass in Griechenland viele deutsche Strafbatallione stationiert waren, die eigentlich in Nordafrika im Wüstenkrieg verheizt werden sollten, wozu es für viele nicht mehr kam. Sprecher des "Nationalkomitees Freies Deutschland bei der ELAS" war übrigens Veit von Harnack, dessen Bruder ein Anführer der roten Kapelle war, ein Neffe des großen protestantischen Theologen Theodor von Harnack, der sich mit Leo Beck scharf gefetzt hatte. Auf von Harnacks scharf antijüdisches Buch "Wesen des Christentum" antwortete Leo Beck mit seinem "Wesen des Judentum" mit scharfer Abgrenzung vom Christentum. Schon Theodor von Harnack war jedoch trotzdem einer der wenigen scharfen und engagierten Gegner des Antisemitismus unter protestantischen akademischen Theologen.

      Naja, jetzt ist mit das Thema etwas ausgefranst, aber in diesem Vorbereitungs-Thread geht das vielleicht mal.

      :wink: Matthias
    • Ich könnte mir sehr gut vorstellen, dass diese Erläuterungen auch für einen Thread über Xenakis gut geeignet wären und würde einen solchen Thread sehr begrüßen... gestern habe ich mir über Youtube Keqrops (1986) (piano concerto, Claudio Abbado conducts, Roger Woodward) reingezogen.
      "www.youtube.com/watch?v=Cc3ZV9cSZC0"
      "www.youtube.com/watch?v=obW7GIa-XzE&feature=related"
      Sehr beeindruckende Musik. Schade, dass es nur in Monoqualität zu hören ist.... eine andere Frage wäre z.B. , ob überhaupt + in wie weit in seinen Kompositionen politische Implikationen zu finden wären. Das würde u.a. mich (als "Xenakis-Neuling") auch interessieren.....

      :wink:
      „Ein Komponist, der weiß, was er will, will doch nur was er weiß...“ Helmut Lachenmann
    • Re: Xenakis

      Direkte politische Implikation gibt es wohl in Xenakis Werk nicht, allenfalls über mehrere Ecken als Auseinandersetzung mit klassischer griechischer Philosophie und Literatur der Polis, aber Beeinflussungen durch den Lärm und den Wechsel von Aggregatzuständen, bzw Ordnungs-/Ordnungsauflösungszuständen von Massenaufmärschen, militanten Demos, so jedenfalls Xenakis selbst in den wenigen Äußerungen zu seiner Musik.

      Einen Xenakis-Thread bereite ich schon seit längerem vor. Aber da hat sich bei mir zum Thema einiges angesammelt, so dass ich noch etwas brauche.

      :wink: Matthias
    • Ruffo, Titta (1877 – 1953). Sänger, Gesangslehrer



      Der weltberühmte Bariton Titta Ruffo (Ruffo Cafiero Titta) wurde am 09. Juni 1877 in Pisa geboren. Nach seiner musikalischen Ausbildung bei Venceslao Persichini (dieser hielt ihn jedoch für einen Bass) und Lelio Casini u. a. debütierte er 1898 am Teatro Costanzi in Rom als ‚Heerrufer’ in „Lohengrin“. Es folgte eine der bemerkenswertesten Welt-Karrieren eines Sängers. Nach der Ermordung seines Schwagers Giacomo Matteotti - der Generalsekretär der Sozialistischen Partei Italiens (PSU) war - durch die Faschisten, weigerte er sich ab 1925* in Italien aufzutreten. 1935 gab er sein letztes Konzert in Cannes und arbeitete ab 1936 in Florenz als Gesangslehrer, nachdem er nach seiner Ankunft in Italien vorübergehend verhaftet wurde. Mit der Nachricht vom Sturz Mussolinis sang er am Fenster seiner Wohnung vor applaudierenden Zuhörern die Marseillaise. Am 06. Juli 1953 ist Titta Ruffo (der Löwe, welcher nicht nur 'Organ' hatte....) in Florenz verstorben.

      * Kutsch/Riemens geben 1924 an.
    • Keith M. C. schrieb:

      Nach der Ermordung seines Schwagers Giacomo Matteotti - der Sekretär der Kommunistischen Partei Italiens war


      Lieber Keith,

      danke für deine schöne Erinnerung an Titta Ruffo, nur Matteotti war Generalsekretär der Partito Sozialista Unitario. Beide Parteien waren zwar miteinander verbündet, dennoch ein wichtiger Unterschied. Matteotti stand in seiner Partei auch eher für einen reformistischen Weg. Vor seiner Ermordung, 1924, hatte Matteotti in einer Aufsehen erregenden Parlamentsrede vor der Auflösung der Demokratie in Italien unter Mussolini gewarnt. Diese scharfe Anklage war gerade deswegen besonders wirkungsvoll über die Linke hinaus gewesen, weil Matteotti in seiner Partei als einer der Gemäßigten galt. Nach seiner Ermordung gab es im Parlament eine berühmte Rede von Antonio Gramsci, dem Gründer der PCI, in der er die Verantwortung von Mussolinis Faschisten für den Mord nachweisen konnte und mit der er sich den besonderen Haß Mussolinis zuzog und bald darauf verhaftet wurde. Als Ergebnis der sog. Matteotti-Krise zogen die Gegner Mussolinis ihre Abgeordneten aus dem Parlament, das immer mehr zur Staffage geworden war, zurück. Daraufhin wurden die antifaschistischen Parteien endgültig verboten und systematisch verfolgt.

      :wink: Matthias
    • Lieber Matthias,

      vielen Dank, dass Du mitgelesen hast. Ich habe mich bei dieser Position lediglich auf eine Quelle verlassen. Das war unrichtig. Ich habe es im Beitrag korrigiert, ohne weitere Fakten bzgl. Matteottis "Einstellung" quellenmäßig prüfen zu wollen.

      Bis dann.
    • Lieber Keith,

      tausche besser noch "Sekretär" durch "Generalsekretär" aus. Das sind unterschiedliche Funktionen. Sekretär ist so etwas wie Ortsbevollmächtigter, Generalsekretär ist so etwas wie der geschäftsführende Parteichef.

      Ansonsten lese ich deine Beiträge hier natürlich immer gerne.

      :wink: Matthias

      P.S.: ich sehe, ist inzwischen schon passiert.