Der Nominierungsthread zu Verfolgt, emigriert, ermordet...

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    • Haas, Pavel (1899 - 1944) Komponist

      Pavel Haas, am 21.06.1899 in Brünn geboren, gehörte zu den grossen Begabungen seines Landes in der Nachfolge von Leos Janacek, dessen Schüler Haas war. Neben den Einflüssen der tschechischen Volksmusik oder auch der geistlichen, jüdischen Musik war Haas offen für die Musik der 20er Jahre, wie z. B. des Jazz. Das Spektrum seiner Musik ertreckte sich von Kammermusik über Chormusik bis hin zu Filmmusik und der Oper "Sarlatan". Eine 1940 begonnene grosse Sinfonie konnte Haas nicht vollenden, er wurde 1941 nach Theresienstadt deportiert, komponierte dort weiter, u. a. für Karel Berman und Gideon Klein. 1944 wurde Pavel Haas nach Auschwitz deportiert. Dort wurde Haas am 17.10.1944, einen Tag nach seiner Ankunft, in der Gaskammer ermordet.
      Der Kunst ihre Freiheit
    • Joseph Schmidt (1904-1942). Sänger

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      Joseph Schmidt wurde am 4. März 1904 in Dawideny (Bukowina) geboren. Bereits als Kind war er in der Synagoge als Kantor tätig.

      Seine Gesangsausbildung erhielt er ab 1924 in Berlin. Schmidt besaß eine lyrische Tenorstimme mit strahlender, und scheinbar mühelos erreichbarer Höhe. Obwohl seine geringe Körpergröße eine dauerhafte Bühnenkarriere verhinderte, war er zeitweise der beliebteste deutsche Tenor, der vor allem durch seine Film- und Rundfunkauftritte bekannt wurde.

      Wenige Wochen nach der Machtergreifung trat er am 20. Februar 1933 zum letzten mal im Rundfunk auf, einige Tage später wurde ihm der Zugang zum Gebäude verweigert. Es begann eine Hetzkampagne gegen den Tenor .

      Schmidt verließ Deutschland im Dezember des gleichen Jahres.

      Zunächst gab er weiterhin Konzerte, sang mit großem Erfolg u.a. in Holland, in Palästina, und 1937 in der Carnegie Hall in New York.

      1942 floh er in die Schweiz wo er in einem Internierungslager untergebracht wurde.

      Am 16. November 1942 starb er in einem Gasthof in der Nähe des Lagers an Herzschwäche und Erschöpfung. Sein Grab befindet sich auf dem jüdischen Friedhof in Zürich.

      Schmidts Repertoire umfasste neben Operetten- und Filmschlagern auch Opernarien und Kunstlieder.
      Ein Paradies ist immer da, wo einer ist, der wo aufpasst, dass kein Depp reinkommt...
    • "Terezin" DGG

      Wegen der thematischen Nähe, erlaube ich mir, hier eine CD vorzustellen:



      Anne-Sofie von Otter und Christian Gerhaher singen Lieder von Komponisten aus dem KZ Theresienstadt, u. a. von Krasa, Schulhoff, Ullmann und Haas, mit dabei u. a. der Violinist Daniel Hope und Bengt Forsberg am Flügel.

      Die Mezzosopranistin Anne-Sofie von Otter tritt beim "Rheingau Musikfestival" am 26.08.09 in Schloss Johannisberg mit einem ähnlichen Programm auf: "Ich wandre durch Theresienstadt" heisst der Abend nach einem Gedicht von Ilse Weber, das auch auf der o. a. CD zu hören ist.
      Der Kunst ihre Freiheit

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Alviano ()

    • Rothmüller, Aaron Marko (1908- 1993), Sänger und Komponist



      Aaron Marko Rothmüller wurde am 31.12.1908 in Trnjani (in der Nähe von Zagreb) geboren. In Wien studierte er Gesang bei Franz Steiner und Komposition bei Alban Berg. Er komponierte in dieser Zeit eine Sinfonie, Werke im Bereich der Kammermusik und Lieder. Als Bariton debütierte er 1932 an der Hamburger Staatsoper, wurde jedoch nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten entlassen. Als jüdischem Sänger blieb ihm eine weitere künstlerische Laufbahn in Deutschland versperrt. Nach einer kurzen Zeit in Zagreb kam er 1935 an das Opernhaus in Zürich, das bis 1947 sein Stammhaus blieb. Er übernahm Rollen im Mozart-, Wagner- und Verdi-Repertoire, mehr noch aber in Opern zeitgenössischer Komponisten (Hindemith, Schoeck, Sutermeister, Zemlinsky), und er galt auch als intelligenter und sensibler Liedinterpret. 1951 erschien sein Buch Die Musik der Juden. Versuch einer geschichtlichen Darstellung ihrer Entwicklung und ihres Wesens. 1955 übernahm er eine Professur an der Indiana University in Bloomington. Er starb am 20.01.1993 in Bloomington.
    • Bilder und Erweiterungen

      Bilder sind in diesem Thread ein besonders diffiziles Thema, aber es muss angesprochen werden.

      Auch hier unterliegt die Veröffentlichung von Bildern natürlich dem Urheberrecht, und das ist gerade in den Fällen, wo es kaum Bilder gibt, und im Netz noch weniger, besonders problematisch. Der gute Zweck wird vielleicht vor Nachstellungen durch Verwandte der Opfer schützen, nicht aber vor professionellen Abmahnern, deren Interesse nicht in dem behaupteten Schutz geistigen Eigentums, sondern allein in dessen materiellem Gegenwert liegt. Und dass es schon jetzt in unserem Kreis offenbar interessierte Denunzianten gibt, die dem Forum oder einzelnen Mitgliedern schaden wollen, steht mittlerweile leider auch fest.

      Da wir in etwa einem Monat an die Öffentlichkeit gehen wollen, müssen wir Derartiges bedenken, ob es uns einleuchtet und gefällt oder nicht.

      Ich bitte daher dringend darum hier möglichst nur Platten- oder Buchcover unserer Partner Amazon oder jpc einzustellen, denn die sind automatisch autorisiert. Darüber hinaus ist aber zu prüfen, ob die Bilder wirklich gemeinfrei sind. Wenn z.B. Google das offen schreibt, können wir uns guten Glaubens darauf verlassen. Wenn nicht, ist Diskretion und im Zweifelsfall die Vorsicht einer Würdigung ohne Bild (oder nur eines Links zum Bild) angebracht.

      Jedenfalls sieht sich die Moderation außerstande, dies in jedem Einzelfal zu prüfen. Wir müssen uns daher darauf verlassen, dass Ihr Euch der Problematik bewusst seid und entsprechend handelt.

      Im übrigen finde ich diese Aktion wichtig genug um sie auszuweiten. Ich werde in Kürze ähnliche Threads in das Filmforum einstellen und möchte anregen, dass sich Leute, die sich dazu berufen fühlen, Gleiches im Literatur- und Kunstforum auflegen. Ein Moderator, der sich dann um die Vereinheitlichung eines Gedenkthreads kümmert, wird sich sicher finden.

      :wink: Rideamus
      Ein Problem ist eine Chance in Arbeitskleidung
    • Gál, Hans (1890-1987). Komponist

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      Der österreichische Komponist Hans Gál, geboren am 5. August 1890 in Brunn am Gebirge, ist durch seinen Lehrer, den Brahms-Schüler Eusebius Mandyczewski, mit dem Stil Brahms' verbunden.
      1929 geht Gál nach Mainz, um den Posten eines Direktors des Konservatoriums zu übernehmen. 1933 verliert Gál diesen Posten und flieht nach Wien. Nach dem Anschluß Österreichs 1938 emigriert Gál nach Großbritannien. An der Universität von Edinburgh lehrt er von 1945 bis zu seiner Emeritierung 1965 Musiktheorie, Kontrapunkt und Komposition. Am am 3. Oktober 1987 stirbt Gál in Edinburgh.
      Gáls Musik basiert auf der brahms'schen Polyphonie, die mit den harmonischen Errungenschaften der Musik der Jahrhundertwende angereichert wird. Gál gehört freilich auch schon in der Zeit vor seiner Emigration zu den konservativen Komponisten.
      Wesentliche Werke Gáls sind seine vier Sinfonien, die seinerzeit erfolgreiche Oper "Die heilige Ente" (1921 uraufgeführt) sowie die Kantate "De profundis" (1937). Gál schrieb darüber hinaus auch Werke für eine Nische der Klassik, nämlich das Mandolinenorchester.
      Na sdarowje! (Modest Mussorgskij)
    • RE: "Terezin" DGG

      Alviano schrieb:


      Wegen der thematischen Nähe, erlaube ich mir, hier eine CD vorzustellen:

      ...

      Hallo zusammen,

      in diesem Zusammenhang würde ich dann gerne auf dieses Buch hinweisen: Joža Karas: Music in Terezín, 1941 - 1945.

      Ich habe dieses Buch auf französisch, habe im Rahmen meiner Internet-Recherchen für die oberen Einträge gesehen, dass dieses Buch in der englischen Originalausgabe vollständig bei Google Books lesbar ist:

      "http://books.google.de/books?id=9OY4JogxlpkC"

      Grüße,

      Melanie
      With music I know happiness (Kurtág)
    • Ben-Haim, Paul (auch Ben-Chaim) (1897-1984). Komponist.

      Paul Ben-Haim wurde als Paul Frankenburger in München geboren. Er studierte Komposition an der Akademie der Tonkunst in München und arbeitete als Assistent und Korrepetitor für Bruno Walter. 1924 wurde er Kapellmeister am Stadttheater Augsburg. Die zunehmende antisemitische Bedrohung bewog ihn 1933 dazu nach Palästina zu emigrieren. Nach seiner Ankunft in Palästina änderte er seinen Namen in Ben-Haim. In Palästina (ab 1948 Israel) komponierte Ben-Haim weiter, er schrieb auch liturgische Musik und ließ orientalische Elemente in seine Kompositionen einfließen. Lange Jahre arbeitete er mit der jemenitischen Sängerin Braha Zefira zusammen.
      Ben-Haim gilt als einer der bedeutendsten israelischen Komponisten und Lehrer. Seine Werke wurden nicht nur in Israel, sondern auch in den USA von den New Yorker Philharmonikern unter Leonard Bernstein aufgeführt, und von Musikern wie Jascha Heifetz, Yehudi Menuhin, Zino Francescatti, Leopold Stokowski und vielen anderen. Anlässlich seines 75. Geburtstages besuchte Ben-Haim seine Geburtsstadt München, die ein Konzert zu seinen Ehren veranstaltete. Als er eine Straße überquerte, wurde er von einem Auto erfasst und blieb für den Rest seines Lebens halbseitig gelähmt. Doch auch mit dieser Behinderung komponierte und arbeitete er weiter. Paul Ben-Haim starb am 14. Januar 1984 in Jerusalem.
      One word is sufficient. But if one cannot find it?
      Virginia Woolf, Jacob's Room
    • Toch, Ernst (1887 - 1964) Komponist



      Der am 07.12.1887 in Wien geborene Komponist Ernst Toch eignete sich seine musikalischen Grundkenntnisse autodidaktisch an. Obwohl er bereits mit 17 Jahren mit seiner Kammermusik erfolgreich war, studierte er in Wien zunächst Medizin. Erst als Toch den Frankfurter "Mozart-Preis" gewann, begann er ein ordentliches Klavier- und Kompositionsstudium in Frankfurt. Nach Zwischenstationen in Mannheim und Heidelberg ging Ernst Toch Ende der zwanziger Jahre nach nach Berlin. Zu diesem Zeitpunkt hatte er bereits einiges an Kammermusik, an Klavier- und Orchestermusik und zwei Opern ("Die Prinzessin auf der Erbse" und "Egon und Emilie") geschrieben. Ernst Toch, aus jüdischem Elternhaus stammend, wurde von den Nazis schon früh angefeindet und als 1933 deren Partei die politische Führung in Deutschland übernahm, entschloss sich Toch, der sich zu diesem Zeitpunkt in Florenz befand, nicht mehr nach Deutschland zurückzukehren. Er floh über London nach New York, wo er später auch amerikanischer Staatsbürger wurde. Neben seiner Lehrtätigkeit an verschiedenen Hochschulen komponierte Toch u. a Filmmusiken, von denen einige für den "Oscar" nominiert wurden. Während Ernst Toch in Amerika bekannt blieb, war sein Name nach dem Krieg in Deutschland und Österreich weitgehend vergessen. Ernst Toch starb am 01.10.1964 in Santa Monica.
      Der Kunst ihre Freiheit
    • Korn, Peter Jona (1922-1998 ). Komponist

      Der deutsche Komponist Peter Jona Korn wird am 30. März 1922 in Berlin geboren. Er flieht mit seiner Familie zunächst nach England, wo er bei Edmund Rubbra Komposition studiert. Von England zieht er weiter nach Palästina und setzt in Jerusalem seine Studien bei Stefan Wolpe fort. Von Jerusalem zieht er nach Los Angeles und nimmt weiteren Unterricht bei Arnold Schönberg und Ernst Toch. Nach 1945 lebt Korn für kurze Zeit in München, nimmt dann eine Stelle als Kompositionslehrer in Los Angeles an. 1967 wird er zum Direktor des Richard-Strauss-Konservatoriums in München ernannt, wo er bis zu seinem Tod am 12. Jänner 1998 lebt.
      Korns Musik ist avanciert tonal, er bevorzugt dünne polyphone Linien in oft sperrig dissonanten Überschneidungen. Seine wirkungsvollsten Werke sind "Exorzismus eines Liszt-Fragments" und "Beckmesser-Variationen". Weitere wichtige Werke sind die "Variationen über ein Lied aus der Bettler-Oper" sowie die Dritte und Vierte Symphonie. Außerdem hat Korn eine Oper geschrieben, nämlich "Heidi in Frankfurt", die keine Kinderoper ist, sondern eine Oper über Kindheit und wahrscheinlich auch über Kindheitserinnerungen.
      Korn war auch ein streitbarer Essayist, der in seiner Schrift "Musikalische Umweltverschmutzung" eine scharfzüngige Polemik gegen die Aleatorik geschrieben hat.
      Na sdarowje! (Modest Mussorgskij)
    • Bitte um eine kleine Verbesserung im Hauptthread bei Wellesz:

      Richtig muß es heißen: Er entzifferte noch während seiner wissenschaftlichen Tätigkeit in Wien die byzantinische Notenschrift, was ihn in eine Reihe mit den führenden Byzantinisten der Zeit katapultierte. An der Universität von Oxford arbeitete er als Byzantinist, war als Komponist aber sogar vielen seiner Kollegen unbekannt.

      :wink:
      Na sdarowje! (Modest Mussorgskij)
    • Wolpe, Stefan (1902 - 1972) Komponist



      Stefan Wolpe wurde am 25.08.1902 in Berlin geboren, wo er auch seine ersten Musikstudien absolvierte. Der Versuch, in die Kompositionsklasse von Feruccio Busoni aufgenommen zu werden, scheiterte, aber Busoni interessierte sich trotzdem für die Partituren von Stefan Wolpe und gab diesem wertvolle Tips für seine Arbeit, die Wolpe dankbar aufgriff und umsetzte. Prägend wurde für Stefan Wolpe sein Kontakt zum Bauhaus und zur Dada-Bewegung. Besonders die Bestrebung des Bauhauses, verschiedenen Künste miteinander zu verbinden, interessierte Wolpe sehr. Für Wolpe war klar, dass ein progressiver Komponist "links" zu sein hat und die Zwölftontechnik bevorzugen muss. In den Jahren nach 1923 agierte Wolpe viel in linken Gruppen und schrieb auch entsprechende Musik auf Texte kommunistischer Autoren oder Musik für die Gewerkschaftsbewegung. Als eine kommunistische Gruppe, der Wolpe vorstand, 1933 verboten wurde, floh Stefan Wolpe nach Wien. Schon vier Monate später musste Wolpe, der von der Deportation bedroht war, Wien wieder verlassen, diesmal in Richtung Palestina. Obwohl Wolpe nie ein religiöser Jude war, wandte er sich dort den Wurzeln der jüdischen Kultur zu und versuchte deren Elemente in der ihm eigenen, radikalen Weise in seine Musik zu integrieren. Das stiess oft auf Ablehnung, so dass Wolpe 1938 in die USA emigirierte, wo er vor allem als Dozent Erfolg hatte. Populäre Musik, Jazz, Zwölftonreihen, Dada und Bauhaus, das alles war für Wolpe nie ein Widerspruch. Im Gegenteil, er versuchte, diese Dinge in seiner Musik zusammenzuführen. Stefan Wolpe starb am 04.04.1972 in New York.
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    • Luria, Juan (1862 – 1942 o. 1943). Sänger



      Juan Luria (eigentlich: Johannes Lorié) war ein bedeutender hoher Bariton, der am 20.12.1862 in Warschau geboren wurde. Er studierte u. a. bei Joseph Gänsbacher. Sein Debüt hatte er 1884 an der Wiener Hofoper. Engagements in Stuttgart und New York (Met) folgten. 1891 wechselte er nach Italien und sang unter dem Namen Giovanni Luria an der Mailänder Scala. Es folgten Engagements in Genua, Berlin, Wien, Brüssel und München. Luria sang 1901 am Stadttheater in Elberfeld in der Uraufführung von Pfitzners „Rose vom Liebesgarten“.

      Nach seiner Sängerkarriere widmete er sich der Gesangsausbildung (u. a. M. Bohnen). 1937 floh er nach Holland. Später wurde der hochbetagte Luria nach Auschwitz verschleppt und dort 1942 oder gem. Kutsch/Riemens 1943 ermordet.
    • Brandenburg, Inge (18. 2. 1929 - 23. 2. 1999) Jazzsängerin, Schauspielerin



      Ihre Eltern waren kommunistische Aktivisten einer antistalinistischen Oppositionsorganisation. Der Vater wird direkt 1933 interniert und 1941 im KZ Mauthausen ermordet. Die Mutter, im Widerstand aktiv, wird später denunziert und wegen "staatsfeindlicher Äußerungen" verurteilt und stirbt im KZ Ravensbrück. Inge Brandenburg ist dadurch noch im Mädchenalter allein auf sich gestellt, versucht sich den Nazischergen zu entziehen, wird aufgegriffen und muß spezielle Heime für Kinder von NS-"Staatsfeinden", eher grausame Kinderknäste, erdulden.

      Von 1945-49 jobt Inge Brandenburg orientierungslos in der SBZ, bekommt als Kind von oppositionellen Kommunisten keine Ausbildung, keine Unterstützung, keine erträgliche Arbeitsstelle.

      1949 geht sie in den Westen, 1950 beginnt sie, in US-Soldatenclubs Jazz und Blues zu singen. 1958 gelingt der Durchbruch mit einer Schweden-Tournee und Auftritten, auf internationalen Jazzfestivals. Sie wird zur "besten europäischen Jazzsängerin" gewählt und spielt u.a. mit Hans Koller, Albert Mangelsdorff und Wolfgang Dauner, in den sechziger Jahren wird sie jedoch weitgehend auf Schlager reduziert: Sie bekommt keine anderen Verträge, obwohl sie immer nur Jazz singen wollte. 1965 macht sie dennoch mit Gunter Hampel Aufnahmen und Auftritte und singt auch Ornette-Coleman-Stücke. Zieht sich schließlich, weil sie nicht weiter Schlager singen will, als Sängerin zurück. Verschiedene Comeback-Versuche scheitern trotz vereinzelter hochgelobter Auftritte.
    • Alpar, Gitta (1900 - 1991) Sängerin




      Auch wenn sie als Koloratursopran in vielen Opernpartien auftrat und angeblich von Erich Kleiber entdeckt wurde, bis 1930 sogar zum Ensemble der Berliner Staatsoper gehörte, zu ihrer eigentlichen Stärke fand Gitta Alpar erst in der Operette. Mit der Budapester Uraufführung und später der Leipziger Deutschlandpremiere von Paul Abrahams VIKTORIA UND IHR HUSAR
      wurde sie 1930 zum Star, und in den folgenden drei Jahren wurde sie zur deutschen Operettendiva schlechthin. Schon kurz nach Göbbels' Verkündung im Jahr 1933, dass Juden fortan in der deutschen Kulturlandschaft unerwünscht seien, floh sie nach Wien, wo sie 1935 von ihrem Ehemann, dem Schauspieler und Regisseur Gustav Froehlich geschieden wurde, und später nach England, wo sie aber nur bedingt an ihre alten Erfolge anknüpfen konnte. 1937 musste sie eine Welttournee mangels Erfolg in den USA abbrechen und sich zeitweise in Hollywood als Gesangslehrerin verdingen. Nach dem Krieg blieb sie in den USA und kehrte nur noch einmal nach Deutschland zurück um 1987 das Filmband in Gold entgegen zu nehmen. Sie starb am 17. Februar 1991 im kalifornischen Palm Springs.
      Links:
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    • Eisler, Hanns (1898 - 1962) Komponist





      Obwohl Hanns Eisler am 06.07.1898 in Leipzig geboren wurde, war er, familiär bedingt, Österreicher und wuchs auch in Wien auf. Dort begann Eisler schon als Autodidakt Musik zu komponieren, bevor er nach dem ersten Weltkrieg ein ordentliches Kompositionsstudium bei Arnold Schönberg aufnahm. Durch das Elternhaus war Eissler politisch vorgeprägt, Eisler stand links und engagierte sich in der Arbeiterbewegung genauso, wie für die Ziele der kommunistischen Partei. Zahlreiche seiner Kompositionen stehen mit dieser Weltanschauung in direktem Zusammenhang, z. B. seine zahlreichen Arbeiterlieder oder seine Vertonungen von Texten von Bert Brecht, mit dem ihm eine lange Freundschaft verbunden hat. So sehr Eisler sich für die Zwölftontechnik interessierte (und auch selbst verwendete), so stark waren doch auch seine Zwefel, dass sein Lehrer Schönberg nicht doch auf einem elitären, abgehobenen Weg war, der seinem eigenen Verständnis von Musik zuwider lief. Nach Wien folgte Berlin, 1933 dann die Emigration, die Eisler erst nach Paris, später nach London und schliesslich in die USA führen sollte. Dort komponierte Eisler u .a auch Filmmusiken, aber auch Kammermusik oder Lieder. Nach dem Krieg kehrte Eisler nach Europa zurück, zuerst nach Wien und Prag, dann in die DDR, wo er der Komponist der DDR-Nationalhymne wurde. Obwohl Eisler politisch dem zweiten deutschen Staat nahestand, war er auch in Ost-Berlin nie unumstritten, dazu war Eisler doch zu unbequem geblieben. In Ost-Berlin starb Eisler am 06.09.1962.
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    • Meyer, Henri W. (1923-2006). Geiger

      http://www.juilliard.edu/update/journal/j_articles1021.html

      Henri W. Meyer wurde ab 1948 bekannt als zweiter Geiger des LaSalle-Quartetts, dem er von 1949 bis zur Auflösung 1988 angehörte. Er begann als Wunderkind in seiner Geburtsstadt Dresden und trat schon im Alter von 8 Jahren in der Dresdner Philharmonie auf. Während seiner Studien am Konservatorium in Prag folgte er einer Konzerteinladung nach Dresden, um dort am 9. November 1938 aufzutreten. Er wurde seiner jüdischen Herkunft wegen Opfer der Novemberpogrome und in das KZ Buchenwald verschleppt. Nach seiner Freilassung gelang es seinen Eltern, für Henri eine Ausreisegenehmigung nach London zu erhalten, die er aber wegen des Kriegsausbruchs nicht wahrnehmen konnte. 1942 wurde sein Vater nach Dachau deportiert, Henri selbst 1943 nach Ausschwitz und von dort Ende 1944 beim Herannahen der Roten Armee über Sachsenhausen nach Buchenwald. Dort gelang ihm die Flucht und er erreichte nach einwöchigem Fußmarsch die amerikanische Front und damit die Freiheit. Meyer blieb bis 1948 in Paris und übersiedelte dann nach New York, wo er an der Juilliard School seine Studien fortsetzte und Walter Levin kennen lernte, den Primarius des LaSalle-Quartetts.

      Es gibt kaum etwas Subversiveres als die Oper. Ich bin demütiger Diener gegenüber diesem Material, das voller Pfeffer steckt. Also: Provokation um der Werktreue willen. (Stefan Herheim)
    • Horovitz, Joseph (geb. 1926). Komponist

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      Joseph Horovitz wird am 26. Mai 1926 in Wien geboren. Sein Vater ist Verleger und Gründer des Phaidon-Verlags. Nach dem Anschluß Österreichs an Hitler-Deutschland 1938, emigriert die Familie Horovitz nach London. Joseph Horovitz studiert bei Gordon Jacob Komposition. Er ist als Dirigent und Komponist tätig und unterrichtet am Royal College of Music in London Komposition.
      Horovitz' Musik versprüht Charme und Leichtigkeit, sie wirkt sehr französisch, was auf den Einfluß von Lektionen bei Nadia Boulanger zurückzuführen ist. Horovitz komponierte zahlreiche Ballette, darunter eines seiner Hauptwerke "Alice in Wonderland". Für die Oper "The Dumb Wife" schreibt Peter Shaffer das Libretto. Zahlreiche Werke widmet Horovitz dem Genre der in Großbritannien sehr beliebten Brass-Bands. Im deutschsprachigen Raum am bekanntesten wird er aber durch seine brillanten Musiken für die Fernsehserie "Rumpole".
      Horovitz' bedeutendstes Werk, das jegliche Leichtigkeit ablegt und sich in die Tradition der großen einschlägigen Werke einreiht, ist sein Fünftes Streichquartett, das die traumatischen Erfahrungen des nationalsozialistischen Umsturzes in Österreich aufzuarbeiten versucht. An der beklemmendsten Stelle des Werks zitiert Horovitz das österreichische Volkslied "Mei Muatterl war a Weanarin" in Kontrast zum Horst-Wessel-Lied.
      Na sdarowje! (Modest Mussorgskij)
    • Friedrich Schorr (1889-1953), Sänger



      Friedrich Schorr wurde am 2. September 1889 (nach Angaben seines jüngeren Bruders, andere Quellen geben auch 1888 an) im damaligen Großwardein in Ungarn geboren. 1892 kam die Familie nach Wien, wo der Vater die Stelle des ersten Kantors an der Synagoge übernahm. Nach der Schule studierte Friedrich Schorr zunächst auf Anraten seiner Eltern Jura, ließ jedoch gleichzeitig seine Stimme bei Adolf Robinson ausbilden, der auch Leo Slezaks Lehrer war. Einigen kleinen Rollen an der Chicago Opera folgte 1912 sein Wotan an der Oper von Graz, zu deren Ensemble er bis 1916 gehörte. Otto Klemperer rief ihn an die Kölner Oper, wo er bis 1923 der erste Bariton war. Er sang dort ein vielfältiges Repertoire, jedoch in erster Linie Wagner-Partien, und er wurde vor allem für seine Darstellung des Hans Sachs bewundert. 1923 kam er an die Met und in den folgenden Jahren sang er auch am Covent Garden, wo er seit 1930 regelmäßig auftrat, bis 1933 eine Intervention der Nationalsozialisten seinen dortigen Engagements ein Ende bereitete. Von 1925-1931 trat er bei den Bayreuther Festspielen auf. 1931 emigrierte er in die USA, sang dort noch bis 1943 auf der Bühne und unterwies auch Kollegen in den Gesangsstil der deutschen Oper. 1943 wurde er Direktor der Manhattan School of Music und leitete ein Opernstudio in Hartfort (Connecticut). Am 14. August 1953 starb Friedrich Schorr in Farmington. Seine Aufnahmen bewahren eine große, dunkle und weiche Stimme, sowie ein stilsicheres Singen mit feiner Piano- und Legatokultur.
    • Kreiten, Karlrobert (1916-1943) Pianist

      Kreiten wird am 26. 6. 1916 in Bonn geboren, die Familie zieht aber bereits 1917 nach Düsseldorf um, weil der Vater eine Stelle als Lehrer am dortigen Konservatorium erhalten hat. Schon früh wird die außerordentliche musikalische Begabung Karlroberts erkannt und von seinen Eltern gefördert. Mit 13 Jahren studiert er an der Musikhochschule Köln, gewinnt bald bedeutende Wettbewerbe und geht als bereits bekannter Pianist 1937 nach Berlin, wo er Meisterschüler von Claudio Arrau wird, der ihn sein Leben lang für "eines der größten Klaviertalente, die mir persönlich begegnet sind“ hält.

      Weil er im Frühjar 1943 gerade in Umzugswirren steckt, übt er auf dem Flügel der Ellen Ott-Monecke, einer früheren Bekannten seiner Mutter, in deren Wohnung. Im Gespräch mit ihr äußert er, dass er Hitler für einen Wahnsinnigen und den Krieg für verloren halte, ohne zu wissen, dass er eine überzeugte Nationalsozialistin vor sich hat. Zusammen mit der Sopranistin Tiny Debüser und Annemarie Windmöller erstattet Ott-Monecke Anzeige gegen ihn bei der Reichsmusikkammer, wo man die Anzeige zunächst unter den Tisch fallen lässt. Sie wird aber nach sechs Wochen von den drei Frauen beim Propagandaministerium erneut eingereicht und von dort an die Gestapo weitergeleitet.

      Am 3. Mai 1943 wird Kreiten in Heidelberg, wo er am selben Abend ein Konzert geben wollte, verhaftet und nach zwei Wochen ins Gestapo-Gefängnis Berlin überstellt.
      Am 3. September 1943 verurteilt ihn Ronald Freisler, Präsident des Volksgerichtshofs, zum Tode.
      Rettungsversuche, an denen sich auch Wilhelm Furtwängler beteiligt, scheitern.
      In der Nacht vom 7. auf den 8. September 1943 wird Karlrobert Kreiten zusammen mit 184 anderen Verurteilten in der Strafanstalt Plötzensee gehenkt.

      1987 wird der Fall erneut aktuell, als bekannt wird, dass Werner Höfer, renommierter Journalist und Moderator des landesweit bekannten ‚Internationalen Frühschoppens’ in der ARD, 1943 die Verurteilung Kreitens in einem Zeitungsartikel ausdrücklich gutgeheißen hatte. Höfer versucht zu leugnen und verstrickt sich in Widersprüche, seine Karriere ist beendet.