Der Nominierungsthread zu Verfolgt, emigriert, ermordet...

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    • Kálmán, Emmerich (1882 - 1953) Komponist



      Der ungarische Komponist Emmerich Kálmán, geboren am 24.10.1882 in Siófok, erlernte zuerst das Klavierspiel, musste dieses aber wegen einer Erkrankung aufgeben. An der Musikakademie in Budapest nahm Kálmán dann ein Kompositionsstudium auf, als Mitschüler von u. a. Béla Bartók und Zoltán Kodály. Anders, als die beiden genannten, wandte sich Kálmán aber der sog. "leichten Muse" zu. Seine Operetten waren von Anfang an erfolgreich, eroberten schnell auch Wien und wurden bald auch in den Vereinigten Saaten von Amerika auf das Programm der Theater gesetzt. Dort lernte Emmerich Kálmán, anlässlich eines Aufenhaltes in New York, die neuesten Musicals kennen und begeisterte sich für den Jazz, den auch er in seinen Stücken zum Einsatz brachte. Ab 1933 versuchten die Nazis, die beliebten Operetten irgendwie weiter aufführen zu können, obwohl die Komponisten und Librettisten nicht selten jüdischer Abstammung waren. Emmerich Kálmán wollte man z. B. zum "Ehrenarier" machen, was allerdings nicht gelang. Nach dem Anschluss Österreichs im Jahr 1938 floh Emmerich Kálmán über Zürich und Paris in die USA. Dort hatte er während des Krieges nur mässigen Erfolg mit seinen Musicals und Operetten. Das war in Europa nach dem Krieg ganz anders, Kálmán war in der "alten Welt" nicht vergessen worden. Am 30.10.1953 starb Emmerich Kálmán in Paris.
      Der Kunst ihre Freiheit
    • Hartmut Lange Das Konzert

      Hartmut Lange schrieb eine ausgezeichnete Erzählung (Das Konzert), die vom Schicksal des Pianisten Karlrobert Kreiten angeregt wurde und dabei auch Bezug auf Beethovens Klaviersonate Nr. 30 E-Dur op. 109 nimmt. In dieser Erzählung wird das Verhältnis von Mördern und Opfer während der Nazizeit und danach thematisiert. Sie ist preisgünstig als Taschenbuch erhältlich.

      Hartmut Lange hat Jahre später eine (auch sehr beeindruckende) Erzählung geschrieben mit dem Titel Das Streichquartett und in der ein Geiger seine mentale Stabilität während der Erarbeitung von Schönbergs 4. Streichquartett verliert.

      :wink:
      „Ein Komponist, der weiß, was er will, will doch nur was er weiß...“ Helmut Lachenmann
    • Schul, Zikmund (1916-1944), Komponist

      "http://holocaustmusic.ort.org/index.php?id=schulzikmund"

      Schul wurde in Chemnitz geboren und wuchs dort und in Kassel auf. 1933 siedelte die Familie nach Prag über. Später studierte Schul in Berlin bei Hindemith Komposition. Ab 1937 studierte er in Prag unter anderem bei Szell und Haba. In Prag arbeitete Schul an der Transkription mittelalterlicher Manuskripte hebräischer Gesänge. Am 11.11. wurde er nach Terezín deportiert. Dort fuhr er fort zu komponieren. Er lernte u.a. Viktor Ullmann kennen. Ullmann verwahrte auch Schuls Manuskripte, die zusammen mit Ullmanns Manuskripten aus Theresienstadt gerettet werden konnten. Schuls Musik war stark von hebräischer Musik und hebräischen Themen geprägt. Schul starb am 20.06.1944 in Terezín an Tuberkulose.



      Link: Eine Aufnahme eines chassidischen Tanzes von Schul: "http://www.youtube.com/watch?v=c_OT4nTtgvs"
      With music I know happiness (Kurtág)
    • Taube, Carlo S. (1897 – 1944), Komponist und Pianist





      http://en.wikipedia.org/wiki/File:Sketch_of_Carlo_Taube.gif



      Taube wurde 1897 in Galizien geboren. Er studierte mehrere Jahre in Wien bei Busoni. Allerdings musster er seine geplante Virtuosenkarriere aus wirtschaftlichen Gründen abbrechen. Er verdiente seinen Lebensunterhalt al Pianist in Nachtclubs in Wien, später Brno und schließlich in Prag. 1941 wurde er mit Frau und Kind nach Terezín deportiert. Dort nahm er regen Anteil am musikalischen Leben. Er gab mehrere Klavierkonzerte mit Werken von Beethoven, Brahms, Schumann, Liszt und Chopin mit wechselndem Erfolg. In Terezín begann er größer dimensionierte Werke zu komponieren. Seine Kompositionen aus Terezín sind jedoch verschollen. Das einzige Zeugnis ist ein Wiegenlied an seine Tochter auf einen Text seiner Frau, das auch auf der Terezín / Theresienstadt-CD mit Anne-Sofie von Otter enthalten ist. Er starb mit seiner Familie in den Gaskammern von Auschwitz am 11.10.1944.
      With music I know happiness (Kurtág)
    • Landowska, Wanda (1879-1959). Cembalistin




      Wanda Landowska wurde am 5.7.1879 in Warschau geboren, in eine zum Katholizismus konvertierte Familie jüdischen Ursprungs. Sie studierte Klavier in Warschau und Komposition in Berlin, 1900 übersiedelte sie nach Paris. Ab etwa 1904 spielt sie in ihren Konzerten immer häufiger Cembalo, um sich nach und nach ganz diesem Instrument zu widmen. Es ist wohl nicht übertrieben zu behaupten, dass Wanda Landoswka quasi im Alleingang das Cembalo als Konzertinstrument im 20. Jahrhundert wiederbelebt hat. Sie inspirierte Manuel de Falla und Francis Poulenc dazu, für ihr Instrument zu komponieren. Ab 1925 lehrt sie in ihrer eigenen "École de Musique Ancienne" in Saint-Leu-la Forêt, nördlich von Paris.
      Im Juni 1940 muss die 61jährige vor den nahenden deutschen Truppen fliehen. Sie erreicht nach etlichen Umwegen im Dezember 1941 New York und baut sich mühsam in den USA eine neue Existenz auf. Ihr gesamtes Hab und Gut hat sie bei der Flucht in ihrem Haus zurücklassen müssen. Der Besitz wurde von den NS-Musikwissenschaftlern des "Sonderstabs Musik" geplündert, die wertvolle Instrumentensammlung sowie Tausende von Büchern, Autographen und Briefen gestohlen.

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      Es gibt kaum etwas Subversiveres als die Oper. Ich bin demütiger Diener gegenüber diesem Material, das voller Pfeffer steckt. Also: Provokation um der Werktreue willen. (Stefan Herheim)
    • Stiedry, Fritz (1883 - 1968 ) Dirigent



      Fritz Stiedry, am 11.10.1883 in Wien geboren, studierte gleichzeitig am Wiener Konservatorium und und an der Universität. An letzterem Institut Jura, das Studium schloss Stiedry mit der Promotion ab. Gustav Mahler, der auf den jungen Studenten Stiedry aufmerksam wurde, verschaffte ihm eine erste Anstellung an der Wiener Hofoper. Über Kapellmeisterpositionen in Dresden, Prag, Nürnberg und Posen kam Fritz Stiedry schliesslich nach Kassel und 1916 wurde Stiedry 1. Kapellmeister an der Berliner Staatsoper. Nach sieben Jahren in Berlin wechselte Stiedry nach Wien an die dortige Volksoper. Berlin blieb Stiedry aber als Gastdirigent verbunden. Schon 1933 emigrierte der aus einer jüdischen Familie stammende Stiedry zuerst nach Leningrad, 1937 folgte dann die Übersiedlung in die USA. Dort arbeitete Stiedry zunächst als Konzertdirigent, später dann wieder als Operndirigent in New York und Chicago. Fritz Stiedry starb am 08.08.1968 in Zürich.
      Der Kunst ihre Freiheit
    • Lahusen, Christian: (1886-1975) Komponist

      In Argentinien als Spross einer hanseatischen Kaufmannsfamilie zur Welt gekommen, studierte er in Leipzig, brach sein Studium jeoch nach kurzer Zeit ab und bildete sich von da an autodidaktisch weiter.
      Lauhsen schuf überwiegend geistliche Chormusik. Der Altersgenosse von Heinrich Kaminiski und Rudolf Mauersberger war mit einer Jüdin verheiratet. Meines Wissen nach war er der EINZIGE deutsche Komponist, der die Abgesandten des Herrn Goebbels, die ihm die Trennung von seiner Frau "nahelegten" in hohem Bogen aus seinem Hause warf.
      Lahusen behauptete, er sei nach wie vor argentinischer Staatsbürger, (der er im übrigen nie war) und sein Verleger stützte diese
      "Notlüge". Zwar ging der Komponist seiner Ämter verlustig und erhielt Aufführungsverbot; doch blieben er und seine Familie bis zum Ende jener Schreckensherrschaft unbehelligt.
      Lahusens Werk war zu Zeiten der "Singebewegung" ausserordentlich populär. Er strebte an, qualitativ hochwertige Chorsätze zu schreiben, die ohne allzugrosse Mühe auch von Laien ausführbar sind.
      Nach dem Kriege liessen seine schöpferischen Kräfte leider schnell nach und nach über 10jährigem "Verdämmern" starb er, schon zu Lebzeiten weitgehend vergessen, 1975 am Bodensee.
      Einen gediegenen Eindruck von Lahusens Vokalkunst bietet diese CD:
      „Es muss demokratisch aussehen, aber wir müssen alle Fäden in der Hand haben"
      Walter Ulbricht, (1893-1973), Deutscher Realpolitiker
    • Brainin, Norbert (1923-2005). Geiger



      Norbert Brainin wurde 1923 in Wien geboren. Mit 15 Jahren musste er wegen seiner jüdischen Herkunft Österreich verlassen. Er emigrierte nach London, wo er wie viele Flüchtlinge zunächst als "feindlicher Ausländer" in einem Lager interniert wurde. Dort lernte er seine Schicksalsgenossen Siegmund Nissel und Peter Schidlof kennen, ebenfalls aus Österreich geflohene junge Musiker. Nach ihrer Freilassung konnten alle drei ihre Studien in London fortsetzen. Im Jahre 1947 gründeten sie zusammen mit dem britischen Cellisten Martin Lovett das Brainin-Quartett, das sich 1948 umbenannte zu "Amadeus-Quartett".

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      Es gibt kaum etwas Subversiveres als die Oper. Ich bin demütiger Diener gegenüber diesem Material, das voller Pfeffer steckt. Also: Provokation um der Werktreue willen. (Stefan Herheim)
    • Nissel, Siegmund (1922-2008 ). Geiger



      Siegmund Nissel wurde als Sohn einer jüdischen österreichischen Familie 1922 in München geboren. Nach den Tod seiner Mutter 1931 kehrte er mit seinem Vater nach Wien zurück, wo er ersten Geigenunterricht erhielt. Nach dem "Anschluss" 1938 musste er Österreich verlassen. Er ging nach England und lernte dort in einem Internierungslager für "feindliche Ausländer"seine Schicksalsgenossen Norbert Brainin und Peter Schidlof kennen. Nach ihrer Freilassung konnten alle drei ihre Studien in London fortsetzen. Im Jahre 1947 gründeten sie zusammen mit dem britischen Cellisten Martin Lovett das Brainin-Quartett, das sich 1948 umbenannte zu "Amadeus-Quartett".

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      Es gibt kaum etwas Subversiveres als die Oper. Ich bin demütiger Diener gegenüber diesem Material, das voller Pfeffer steckt. Also: Provokation um der Werktreue willen. (Stefan Herheim)
    • Schidlof, Peter (1922-1987). Bratscher.



      Peter Schidlof wurde 1922 in Wien geboren. Seiner jüdischen Herkunft wegen floh er 1938 nach dem "Anschluss" Österreichs nach England. In einem Internierungslager für "feindliche Ausländer" lernte er seine Schicksalsgenossen Norbert Brainin und Siegmund Nissel kennen. Nach ihrer Freilassung konnten alle drei ihre Studien in London fortsetzen. Im Jahre 1947 gründeten sie zusammen mit dem britischen Cellisten Martin Lovett das Brainin-Quartett, das sich 1948 umbenannte zu "Amadeus-Quartett".

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      Es gibt kaum etwas Subversiveres als die Oper. Ich bin demütiger Diener gegenüber diesem Material, das voller Pfeffer steckt. Also: Provokation um der Werktreue willen. (Stefan Herheim)
    • Blech, Leo (1871 – 1958 ) Dirigent

      Leo Blech wurde am 21.04.1871 in Aachen geboren und machte zuerst eine kaufmännische Ausbildung, bevor er in Berlin Musik studierte. Schon mit Anfang 20 übernahm Blech in seiner Heimatstadt Aachen eine Kapellmeisterstelle, zuerst beim Sinfonieorchester, dann am Stadttheater in Aachen. Seine Studien vervollständigte Leo Blech in dieser Zeit bei Engelbert Humperdinck. Über Prag kam Leo Blech dann nach Berlin, wo er sowohl an der Städtischen, als auch an der Staatsoper dirigierte, an der letzteren arbeitete Blech auch als Generalmusikdirektor, unterbrochen von einer Zeit, wo Blech an der Wiener Volksoper engagiert war. Leo Blech konnte sich längere Zeit auf die Unterstützung von Hermann Göring verlassen, musste aber dann aufgrund seiner jüdischen Abstammung doch im Jahr 1937 Deutschland verlassen. Erste Station wurde für Blech Riga, es folgten Leningrad und Moskau, wieder Riga und schliesslich Stockholm. Nach dem Krieg kehrte Leo Blech nach Berlin zurück, er leitete ab 1949 als Generalmusikdirektor die Bismarckstrassenoper. Leo Blech starb am 25.08.1958 in Berlin.
      Der Kunst ihre Freiheit
    • Krenek, Ernst (1900 - 1991) Komponist



      Ernst Krenek, am 23.08.1900 in Wien geboren, studierte zuerst Musik (bei Franz Schreker), dann auch Philosophie und nach Zwischenstationen in Berlin, in der Schweiz und in Frankreich kam Krenek 1925 an das Staatstheater in Kassel. Zu diesem Zeitpunkt hatte Krenek bereits einige Kompositionen vorgelegt, die sich - im atonalen Rahmen bewegend - beim Publikum nicht durchsetzen konnten. In Kassel begann Krenek, an einer Oper zu arbeiten, die - inspiriert durch eine Revue mit Musik von Duke Ellington - 1927 in Leipzig uraufgeführt werden sollte: "Jonny spielt auf", ein Riesenerfolg für Ernst Krenek. Schon 1933 wurden Kreneks Werke in Deutschland verboten und nach dem "Anschluss" Österreichs im Jahr 1938 emigrierte Krenek in die USA. Dort verdiente sich Krenek seinen Lebensunterhalt vor allem durch Lehrtätigkeiten an verschiedenen Universitäten des Landes, dessen Staatsbürger er 1945 wurde. Krenek komponierte Opern und Sinfonien, aber auch Chorwerke oder Lieder und er versuchte sich in vielen Stilen. Neben der Zwölftonmusik (z. B. in seiner Oper "Karl V.") finden sich Anklänge an die Lieder Schuberts ("Reisetagebuch aus den österreichischen Alpen") oder eben an die Musik der späten zwanziger Jahre im "Jonny". Krenek starb am 22.12.1991 in Palm Springs.
      Der Kunst ihre Freiheit
    • Lehmann, Lotte (1888 - 1976), Sängerin


      Lotte Lehmann wurde in Sankt Petersburg geboren. Nach Gesangsstudien bei verschiedenen Lehrern, u.a. an der Musikhochschule München begann sie ihre Bühnenlaufbahn 1910 an der Hamburger Oper. 1914 wechselte sie an die Wiener Staatsoper und wurde insbesondere als Wagner- und Strauss-Sängerin berühmt. 1933 verweigerte sie sich der Aufforderung Görings, sich als berühmte deutsche Sängerin dem NS-Staat zur verfügung zu stellen. Danach wurden ihr Auftritte in Deutschland unmöglich gemacht. Nach dem Anschluss Österreichs migrierte sie mit ihrem jüdischen Mann in die USA. 1938 - 1951 sang sie an der Metropolitan Opera in New York. Auch danach wirkte sie weiter als Gesangslehrerin. Sie starb 1976 in Santa Barbara und wurde ein Jahr später auf dem Wiener Zentralfriedhof beerdigt.
      With music I know happiness (Kurtág)
    • Meyer, Ernst Hermann (1905-1988 ). Komponist

      Ernst Hermann Meyer wurde am 8. Dezember 1905 in Berlin geboren. Nach der Schule begann er zunächst eine Lehre an einer Bank, entschied sich dann aber doch für ein Musikwissenschafts- und Kompositionsstudium (unter anderem bei Max Butting und Paul Hindemith). Im Jahre 1930 trat er der KPD bei. Als Kommunist jüdischer Abstammung floh Meyer 1933 nach England; seine Eltern und ein jüngerer Bruder blieben jedoch in Deutschland und wurden ermordet. In England nahm Meyer zahlreiche Gelegenheitsarbeiten wahr und schrieb vornehmlich Gebrauchsmusik. Nach dem Krieg litt er zeitweilig an Tuberkulose; erst 1948 konnte er nach Deutschland zurückkehren. In der in jenen Jahren neu gegründeten DDR nahm Meyer sogleich eine wichtige Rolle im Musikleben ein; von 1949 bis 1968 war er Professor für Musiksoziologie an der Berliner Humboldt-Universität, er übernahm Posten im Komponistenverband und war Gründungsmitglied der Deutschen Akademie der Künste Berlin (Ost). Auch politisch war er sehr aktiv: im Jahre 1963 wurde der Kanditat, von 1971 bis zu seinem Tod Mitglied des Zentralkomitees der SED. Er schrieb eine grundsätzlich traditionsverwurzelte, recht komplexe, herbe und durchdachte Musik, die deutlich von seinen politischen Ansichten motiviert ist. Meyer starb am 8. Oktober 1988 in Berlin.
    • Wittgenstein, Paul (1887-1961). Pianist

      Link: "http://www.youtube.com/watch?v=FI7tnBmGnq4"

      Paul Wittgenstein wurde 1887 in Wien geboren, als Sohn einer zum Protestantismus konvertierten jüdischen Industriellenfamilie, die im Wiener Kulturleben um die Jahrhundertwende eine wichtige Rolle spielte. Er war der ältere Bruder des berühmten Philosophen Ludwig Wittgenstein. Paul gab 1913 sein Debüt als Pianist im Wiener Konzertverein. Seine Karriere wurde durch den Ausbruch des ersten Weltkriegs unterbrochen. Paul wurde eingezogen und verlor an der Front seinen rechten Arm. Dennoch wollte er nach dem Krieg weiter ein Pianistenlaufbahn verfolgen: Er bearbeitete selbst Klavierwerke für linke Hand alleine und gab zahlreiche Kompositionen in Auftrag. Neben dem bekannten Konzert für Klavier linke Hand von Maurice Ravel gehören dazu auch Werke von Benjamin Britten, Paul Hindemith, Erich Wolfgang Korngold, Sergei Prokofiev, Franz Schmidt und Richard Strauss. Ab 1931 leitete Paul Wittgenstein eine Klavierklasse am Neuen Wiener Konservatorium.
      Nach dem sogenannten "Anschluß" Österreichs wurde ihm das Unterrichten und jedes öffentliche Auftreten verboten. Wittgenstein emigrierte noch 1938 in die USA und nahm 1946 die amerikanische Staatsbürgerschaft an.
      Es gibt kaum etwas Subversiveres als die Oper. Ich bin demütiger Diener gegenüber diesem Material, das voller Pfeffer steckt. Also: Provokation um der Werktreue willen. (Stefan Herheim)
    • Erl, Hans (1882–1944). Sänger



      Der Bass Hans Erl wurde am 08.10.1882 in Wien geboren und sang bereits 1904 in seiner Heimatstadt bei der Uraufführung der Operette „Die lustigen Nibelungen“ von Oscar Straus mit. In der Spielzeit 1908/1909 setzte er seine Karriere am Raimund-Theater in Wien fort.
      Es folgten Engagements in Augsburg (1911-1913) und Elberfeld (1913-1914). Danach wurde er Soldat im ersten Weltkrieg. Darauf folgte ein Vertrag in Chemnitz.
      Von 1918 an und den folgenden 15 Jahren bis zur Machtergreifung der Nationalsozialisten war Erl ein prägender Sänger der Frankfurter Oper. Er sang im Fach des basso profondo und im Wagner-Fach. Am 20.01.1920 wirkte er in der Uraufführung „Der Schatzgräber“ von Franz Schreker mit.
      1933 erfolgte seine Entlassung und später seine Verschleppung nach Auschwitz. Vor dem Abtransport musste Erl in der Frankfurter Festhalle für die zusammengetriebenen Juden die Arie des Sarastro aus Mozarts Zauberflöte singen („In diesen heil’gen Hallen“). Hans Erl wurde am 19.10.1944 in Auschwitz ermordet.
    • Rieß, Walter (1885-1943). Sänger


      Walter Rieß wurde am 29.12.1885 in Berlin geboren. Seit 1910 trat er als Schauspieler und Operettensänger auf, bis er 1914 zum Kriegsdienst eingezogen wurde. Der Bassist Rieß setzte seine Karriere mit Kriegsende in Krefeld fort. 1920/21 war er am Theater in Elberfeld beschäftigt, dann folgte ein Engagement an das Opernhaus in Düsseldorf, wo er 1923 an der Uraufführung der Oper „Die heilige Ente“ von Hans Gál mitwirkte (Dirigent: George Szell). Von 1926 an war Rieß an der Staatsoper in München tätig.

      Nachdem er 1933 entlassen wurde, sang er zuerst beim Jüdischen Kulturbund in Frankfurt am Main und zuletzt für den Jüdischen Kulturbund in Berlin bis März 1941. Danach folgte die Verschleppung und Ermordung in Auschwitz (vermutlich 1943).
    • Strauss, Grete bzw. Margarete (1882-1944). Sängerin



      Grete Strauss, eigentlich Regine Weiss wurde 1882 in Wien geboren, wo sie auch ihre Ausbildung absolvierte und ihre Karriere in der Spielzeit 1903/1904 begann. Für eine Saison 1909/1910 war sie der gefeierte Sopran am Theater in St. Gallen, verließ jedoch St. Gallen, da sie sich um ihre Familie kümmern wollte.

      Während ihre Tochter Edith Kronenberger mittels eines Kindertransports nach England fliehen konnte, wurde Grete Strauss mit ihrem Mann 1944 zuerst nach Theresienstadt deportiert und später, wahrscheinlich im Oktober oder November 1944, in Auschwitz ermordet.
    • Serkin, Rudolf (1903-1991). Pianist



      Rudolf Serkin wurde am 28.3.1903 in Eger (heute Tschechien) geboren, als Sohn einer jüdischen Familie russischer Herkunft. Schon mit 12 begann in Wien seine Karriere als Konzertpianist. Serkin lebt danach in Berlin bei der Familie des Geigers Adolf Busch, mit dem er auch häufig auftrat. Nach der Machtübernahme der Nazis emigrierte Serkin 1933 mit der Familie Busch zunächst in die Schweiz, nach Kriegsausbruch 1939 dann weiter in die USA.
      Es gibt kaum etwas Subversiveres als die Oper. Ich bin demütiger Diener gegenüber diesem Material, das voller Pfeffer steckt. Also: Provokation um der Werktreue willen. (Stefan Herheim)