Der Nominierungsthread zu Verfolgt, emigriert, ermordet...

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    • Kaprálová, Vítězslava (1915 – 1940). Komponistin, Dirigentin



      Vítězslava Kaprálová wurde am 24. Januar 1915 in Brno (Brünn) geboren und ist die Tochter der Sängerin V. Kaprálová und des Komponisten V. Kaprál und war die Frau des Schriftstellers Jiří Mucha. Ihre umfangreiche musikalische Ausbildung erhielt sie u. a. bei V. Petrželka, Z. Chalabala, V. Novák, V. Talich, Ch. Munch und bes. B. Martinů, zu dem sie ein sehr enges Verhältnis hatte. Sind in den früheren Kompositionen die tschechischen Komponistenvorbilder erkennbar, so machen sich später besonders französische Einflüsse bemerkbar. Nach der Eroberung der Tschechoslowakei durch die Nationalsozialisten blieb sie in Paris im Exil. 1940 wurde sie vor den vorrückenden deutschen Truppen nach Montpellier evakuiert, wo sie aufgrund einer schweren Krankheit, vermutlich Tuberkulose, am 20. Juni 1940* verstarb. - Obwohl Kaprálová nicht sehr alt wurde, hinterlässt sie ein Gesamtwerk von ca. 50 Werken, darunter das Klavierkonzert in d-moll op. 7, die Militär-Sinfonietta op. 11 (Smetana-Preis), den Liederzyklus „Für Immer“ op. 12, die Variationen über das Thema der Kirchenglocken von Saint Etienne du Mont op. 16 und das Streichquartett op. 8. – Das Kapralova Quartett ist nach Vítězslava Kaprálová benannt.

      * Einige Quellen geben den 16.06.1940 an.


      In die Gedenktafel übernommen - Michel
    • Zweig, Fritz (1893 – 1984). Dirigent, Pianist, Musikpädagoge und Komponist

      Der Dirigent Fritz Zweig wurde am 8. September 1893 in Olomouc (Olmütz) in Tschechien geboren. Seine musikalische Ausbildung erhielt er u. a. von A. Schönberg als Privatschüler in Wien und Berlin. Von 1913 bis 1921 war er zunächst als Korrepetitor und zuletzt als Kapellmeister am Hoftheater/Nationaltheater Mannheim engagiert, mit Unterbrechung während der Kriegszeit. Von 1921 bis 1923 arbeitete er am Stadttheater in Barmen-Elberfeld. Danach ging er nach Berlin, wo er an der Volksoper, der Städtischen Oper und der Staatsoper dirigierte. Im Mai 1931 dirigierte er die vorerst letzte Premiere der Krolloper: Leoš Janáček: ‚Aus einem Totenhaus’. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten emigrierte Zweig zunächst nach Frankreich bis er 1934 eine Anstellung am Deutschen Theater in Prag erhielt. 1938 musste er wieder fliehen und ging bis zum Einmarsch der Deutschen nach Paris. Dann emigrierte Zweig in die Vereinigten Staaten von Amerika, wo er u. a. in New York, Baltimore, Cincinnati, Detroit, San Francisco und Hollywood dirigierte. Ab 1946 verlegte er seine Tätigkeit vorwiegend auf das Unterrichten (Music Academy of the West in Santa Barbara) und lebte mit seiner Frau der Sängerin und Gesangspädagogin Tilly de Garmo in Los Angeles. Fritz Zweig ist am 28. Februar 1984 in Los Angeles gestorben. Bekannte Schüler sind: Lawrence Foster, Karan Armstrong, James Tuggle u. a.


      In die Gedenktafel übernommen - Michel
    • De Garmo, Tilly [Jansen, Mathilde Klara] (1888 – 1990). Sängerin, Gesangspädagogin


      Die Sopranistin de Garmo wurde am 3. April 1888 in Dresden geboren und erhielt ihre musikalische Ausbildung am Stern’schen Konservatorium in Berlin und danach bei C. Hoche in Wiesbaden. Von 1911 bis 1913 war sie am Stadttheater in Lübeck engagiert, wechselte für die Saison 1913/1914 an das Stadttheater in Hamburg und ging ab 1914 bis 1916 an das Hoftheater in Wiesbaden. Im Jahr des Kriegsbeginns heiratete sie den amerikanischen Bariton Harry de Garmo, der jedoch bereits 1919 verstarb. Weitere Stationen waren Essen, Elberfeld und Prag (hier von 1923-1926). Dort heiratete sie den Dirigenten Fritz Zweig. Ab 1926 wurde sie an die Staatsoper Berlin verpflichtet und gab Gastspiele an den anderen Opernhäusern Berlins sowie in Dresden, Frankfurt am Main u. a. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten musste sie emigrieren und ging mit ihrem Mann über Paris, Prag und wieder Paris in die Vereinigten Staaten von Amerika, wo sie in Los Angeles ab 1940 als Gesangspädagogin arbeitete. Am 21. März 1990 ist Tilly de Garmo in Los Angeles verstorben. - De Garmo wirkte in der Uraufführung der „Sieben Lieder mit Kammerorchester“ von V. Ullmann in Prag und in der Uraufführung „Der singende Teufel“ von F. Schreker in Berlin mit. Karan Armstrong zählte zu ihren Schülerinnen.


      In die Gedenktafel übernommen - Michel
    • Józef Koffler (1896 - 1944)

      Bei Eingabe seines Namens über Youtube wurde Aufmerksamkeit für seine Musik entfacht. Sofort sprang der Funke beim Streichtrio rüber.
      Die klar strukturierte Tonsprache seiner beiden wunderbaren Stücke (in Youtube), sind an Schönbergs Kompositionsstil bzw. den der NWS orientiert und der sog. Atonalität verpflichtet
      Kein Wunder, denn er war in den 20ger Jahren Schüler des großen Meisters Arnold Schönberg.
      Zu Kofflers Schülern zählte z.B. der geniale Komponist Haubenstock-Ramati
      Als die Deutschen mit Hilfe der Wehrmacht Polen überfielen und in Lemberg einmarschierten, wurden er und seine Familie in ein Getto gezwungen.
      Nach Auflösung des Gettos scheiterte Kofflers Flucht.
      Er wurde gefangen genommen und von den Deutschen 1944 öffentlich hingerichtet.
      Zahlreiche seiner Werke gelten als verschollen

      Diese beiden wunderbaren Stücke sind fester Bestandteil meiner Sammlung geworden. Für alle Gern-Hörer der klassischen Moderne sehr zu empfehlen:

      Józef Koffler: Stringtrio (1928)
      "www.youtube.com/watch?v=7tP40tEXIr4%E2%80%9C"www.youtube.com/watch?v=7tP40tEXIr4“

      Józef Koffler: Die Liebe – Kantate op.14 (1931)
      "www.youtube.com/watch?v=FOokFET9Qg0%E2%80%9C" "www.youtube.com/watch?v=FOokFET9Qg0"

      Es scheint dringend erforderlich, dass alle seine verfügbaren Kompositionen schnellstens auf Tonträger zur Verfügung stehen.
      :wink:

      In die Gedenktafel übernommen (in der ergänzten Version von Keith M.C., siehe nächsten Beitrag) - Michel
      „Ein Komponist, der weiß, was er will, will doch nur was er weiß...“ Helmut Lachenmann
    • Lieber Amfortas09,

      ich habe mich 'mal ein wenig "schlau" gemacht:
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      Koffler, Józef (1896 – 1944). Komponist, Musikpädagoge, Musikwissenschaftler



      Józef Koffler wurde am 28. November 1896 in Stryj (Polen, heute Ukraine) geboren. Seine musikalische Ausbildung absolvierte er u. a. ab 1914 und wieder ab 1920 in Wien. Unterbrochen wurde das Studium 1916 mit dem Einzug in die Österreichisch-Ungarische Armee. Seine Dissertation trägt den Titel: Über orchestrale Koloristik in den symphonischen Werken Mendelssohn Bartholdys. Nachdem er 1924 nach Lwów (heute: Lwiw (Lemberg)) zurückkehrte, wurde er 1928 Professor für atonale Harmonielehre und Komposition. 1939 bekam er einen Lehrstuhl am neugegründeten Sowjetischen Staatlichen Konservatorium am selben Ort. Nachdem die Wehrmacht Lwów einnahm, wurden Koffler und seine Familie zuerst in das Ghetto Wieliczka bei Kraków (Krakau) verbracht und 1944 bei Krosno von der Gestapo ermordet. - Obwohl er sich der musikalischen Ästhetik der Neuen Wiener Schule verpflichtet fühlte (A. Schönberg war einer seiner Lehrer) sind seine Werke besonders dem Neoklassizismus nahe stehend (Maciej Gołąb: „ein Paradoxon“ und weiter: „Koffler war einer der wenigen europäischen Künstler des 20. Jahrhunderts, die mit ihrem eigenen kompositorischen Schaffen die adornosche Dialektik des Fortschritts und der Tradition neutralisierten.“). – Koffler schuf ein umfassendes – leider z. T. verschollenes – Gesamtwerk, darunter u. a.: 4 Symphonien, Suiten, Variationen, Kammermusik (Streichtrio op. 10 u. a.), Klaviermusik und eine Orchestrierung der Goldberg-Variationen von J. S. Bach.

      Quellen:
      Sternlicht, Elzbieta und Gołąb, Maciej, Wegbereiter der polnischen Avantgarde – Józef Koffler, ein Komponist zwischen Zwölftontechnik und osteuropäischer Folklore, 15.06.1996, in: Brand, Bettina (Hrsg.), Verdrängte Musik 18: Verfolgung und Wiederentdeckung, Protokolle der Gesprächskonzerte des Vereins „musica reanimata“ über die Komponisten Max Brand, Alfred Goodmann, Jósef Koffler und die Komponistin Ursula Mamlok, Saarbrücken 2001, S. 49-58.

      Jósef Koffler, in Komponisten der Gegenwart, hrsg. Von Hanns-Werner Heisler und Walter-Wolfgang Sparrer, München 1992.

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      "Es scheint dringend erforderlich, dass alle seine verfügbaren Kompositionen schnellstens auf Tonträger zur Verfügung stehen." Ja, mich würden besonders die Symphonien interessieren...

      In die Gedenktafel übernommen - Michel
    • Goodman, Alfred (1920 – 1999). Komponist, Arrangeur, Pianist, Schlagzeuger, Musikwissenschaftler


      Alfred Goodman wurde am 1. März 1920 in Berlin geboren. Seine musikalische Ausbildung erhielt Goodman bei seinem Vater Oskar Guttmann, J. Prüwer und am Konservatorium Berlin. Bis 1938 war er Mitglied des Jüdischen Kulturbunds. Über England emigrierte Goodman in die Vereinigten Staaten von Amerika. 1942 wurde Goodman in die Armee der USA einberufen und spielte in einem Militärorchester, wo er sich ebenfalls als Arrangeur hervortat. Nach Beendigung des Krieges wurde er freischaffender Komponist und Arrangeur für verschiedene Jazz- und Swingorchester (u. a. B. Goodman) bis er 1947 ein Studium an der Columbia University New York aufnahm. Hier war er Schüler u. a. von H. Cowell, N. Lockwood und insbes. O. Luening. 1956 wurde er Lehrbeauftragter an der Henry Street Settlement und unterrichtete darüber hinaus an der Columbia University. 1961 übersiedelte Goodman nach München und wurde neben seiner Kompositionstätigkeit 1963 zunächst freier Mitarbeiter beim Bayerischen Rundfunk; ab 1971 in Festanstellung (Lektor). 1972 promovierte er mit der Arbeit: "Die Amerikanischen Schüler Franz Liszts" bei C. Dahlhaus. 1976 bis 1990 hatte Goodman einen Lehrauftrag an der Staatlichen Hochschule für Musik München für Tonsatz, Kontrapunkt sowie angewandte Musik (Geschichte des Jazz). Am 14. August 1999 ist Alfred Goodman in Berlin verstorben. – Alfred Goodman hat ein sehr umfassendes Werk hinterlassen, welches von Orchestermusik, Kammermusik, Musik für Soloinstrumente, Orgelmusik, Oper („The Audition“ u. a.) bis zu Unterhaltungsmusik, Werbemusik, Film- und Fernsehmusik reicht.

      Quellen:
      Ein kompromissloses Leben: Alfred Goodman im Gespräch mit Albrecht Dümling und Reinhard Schmiedel, 21. August 1995, in: Brand, Bettina (Hrsg.), Verdrängte Musik 18: Verfolgung und Wiederentdeckung, Protokolle der Gesprächskonzerte des Vereins „musica reanimata“ über die Komponisten Max Brand, Alfred Goodmann, Jósef Koffler und die Komponistin Ursula Mamlok, Saarbrücken 2001, S. 31-45.


      "http://www.alfredgoodman.de/"]


      In die Gedenktafel übernommen - Michel
    • Brand, Max (1896 – 1980). Komponist


      Max Brand wurde am 26. April 1896 in Lwów (heute: Lwiw (Lemberg)) geborgen. 1907 zog die Familie nach Wien. Während des 1. Weltkriegs war Brand Kavallerieoffizier in der Armee Österreich-Ungarns. Nach dem Krieg studierte er als Privatschüler bei F. Schreker in Wien und ab 1920 in Berlin. 1926 wurde im Anbruch sein Aufsatz „’Mechanische’ Musik und das Problem der Oper“ veröffentlicht. 1929 wurde mit sehr großem Erfolg die Oper „Maschinist Hopkins“ in Duisburg aufgeführt. K. Böhm war als Uraufführungsdirigent seiner zweiten Oper „Requiem“ an der Deutschen Staatsoper vorgesehen. Dieses scheiterte jedoch durch die Machtübernahme der Nationalsozialisten; die Oper gilt als verschollen. Brand ging nach Wien zurück und gründete eine Filmfirma. Nach dem sog. Anschluss folgte eine Odyssee über Prag, Lausanne, Paris, Rio de Janeiro, wo es zur Zusammenarbeit mit H. Villa-Lobos kam und endlich den Vereinigten Staaten von Amerika (1940). Er komponierte einige Werke, welche an der Metropolitan Opera u. a. von E. Ormandy aufgeführt wurden. 1956 baute er auf Long Island in Zusammenarbeit mit R. Moog (Moog-Synthesizer) ein Privatstudio auf, um sich ausschließlich mit elektroakustischer Musik - heißt: ohne Komponieren für Instrumente und Notenschreiben - zu befassen. 1975 kehrte er nach Wien zurück, wo er am 05. April 1980 verstarb (Langenzersdorf). – Durch die Emigration, Brand ließ sein Gesamtwerk in Prag einlagern, sind viele Kompositionen bis heute verschwunden. Krankheitsbedingt hat Brand seine Tondokumente/Tonbänder in den letzten Jahren teilweise selbst unbrauchbar gemacht. – Werke u. a.: Fünf Balladen nach Texten von Else Lasker-Schüler, eine Zwölftonstudie (1927); Maschinist Hopkins (1928); The Astronauts… (1962).

      Quellen:
      Neuwirth, Gösta und Scheib, Christian, Der Komponist Max Brand – Sein Weg von Berlin über Rio de Janeiro in die USA, 19.01.1995, in: Brand, Bettina (Hrsg.), Verdrängte Musik 18: Verfolgung und Wiederentdeckung, Protokolle der Gesprächskonzerte des Vereins „musica reanimata“ über die Komponisten Max Brand, Alfred Goodmann, Jósef Koffler und die Komponistin Ursula Mamlok, Saarbrücken 2001, S. 17-27.


      "http://de.wikipedia.org/wiki/Max_Brand_(Komponist)"


      In die Gedenktafel übernommen - Michel
    • Obwohl er sich der musikalischen Ästhetik der Neuen Wiener Schule verpflichtet fühlte (A. Schönberg war einer seiner Lehrer) sind seine Werke besonders dem Neoklassizismus nahe stehend
      erstemal Danke für die Infos. Merkwürdig, obwohl das Streichtrio - nach meinem Eindruck - sich auf traditionelle Formenteile bezieht, habe ich bisher Kofflers beide Stücke (aus Youtube) am allerwenigsten mit Neoklassizismus in Verbindung gebracht.
      ... aber OK, denn z.B. in Schönbergs Klaviersuite und auch in seinem Bläserquintett finden sich auch Elemente davon..und Neoklassizismus war ja vor dem 2. Weltkrieg nicht gerade untrendig...
      :wink:
      „Ein Komponist, der weiß, was er will, will doch nur was er weiß...“ Helmut Lachenmann
    • Mandl, Herbert Thomas (1926 – 2007). Violinist, Musikwissenschaftler, Schriftsteller


      Der vielbegabte Violinist Herbert Thomas Mandl wurde am 18. August 1926 in Bratislava (Pressburg) geboren. Seine musikalische Ausbildung erhielt er u. a. von H. Taussig und einer Geigerin namens Spielmann in Theresienstadt. Mit 16 Jahren wurde Mandl nach Theresienstadt deportiert, wo er im symphonischen Streichorchester unter K. Ančerl sowie im Café-Haus-Orchester z. B. unter C. Taube (ein Schüler F. Busonis) mit einer geliehenen Geige spielte. Im September 1944 wurde Mandl nach Auschwitz verlegt, danach in das Dachau-Außenlager Kaufering IV. Nach seiner Befreiung studierte er Violine und Klavier in Ostrava (Ostrau) und wurde Professor für Violine am selben Ort. Bei einer Auslandsreise nach Kairo setzte sich Mandl ab und kam über Umwege nach Deutschland wo er Privatsekretär H. Bölls wurde. Mandls Frau gelang durch persönliche Hilfe der Familie Böll die Flucht aus Ostrau. Mehrmals versuchte Mandl in die USA auszuwandern, wurde dann aber Lehrer am Bischöflichen Abendgymnasium in Neuss und Schriftsteller. Am 22. Februar 2007 ist Herbert Thomas Mandl in Meerbusch-Büderich gestorben.

      Quellen:
      Klein, Hans-Günter, Persönliche Erinnerungen an das Musikleben im „Ghetto“ Theresienstadt, 26.05.1994, in: Brand, Bettina (Hrsg.), Verdrängte Musik 18: Verfolgung und Wiederentdeckung, Protokolle der Gesprächskonzerte des Vereins „musica reanimata“ über die Komponisten Max Brand, Alfred Goodmann, Jósef Koffler und die Komponistin Ursula Mamlok, Saarbrücken 2001, S. 73-82.


      http://www.rp-online.de/region-duesseldorf/meerbusch/nachrichten/trauma-und-traum-1.880623

      http://de.wikipedia.org/wiki/Herbert_Thomas_Mandl


      In die Gedenktafel übernommen - Michel
    • Hansen, Max - Sänger und Schauspieler 1897 - 1961



      Es ist heute kaum mehr zu glauben, dass Max Hansen einst zu den populärsten Unterhaltungskünstlern der deutschen Sprache gehörte. So sehr ist er in Vergessenheit geraten, obwohl er sich 1932 als Sänger des Liedes "War'n Sie schon mal in mich verliebt?" bei den Nazis früher und stärker verhasst gemacht hatte als die meisten seiner Kollegen, weil er es gewagt hatte, Hitler als Schwulen darzustellen (s. "http://www.youtube.com/watch?v=ItLpBTy_-Jc"). Er konnte den Krieg überhaupt nur überleben, weil er als Sohn einer dänischen Schauspielerin in Dänemark Zuflucht finden konnte.

      Geboren in Mannheim als unehelicher Sohn der Schauspielerin Eva Haller, wuchs er in München bei Stiefeltern auf. Dort entdeckte man bald sein musikalisches Talent, und bereits zu Schulzeiten erwarb er sich den Namen „Der kleine Caruso“. Während seines Musikstudiums trat er im Kabarett Simplizissimus auf, aber schon 1914 hatte er den für ihn logischen Weg auf die Operettenbühne gefunden und erhielt Engagements in den ersten Häusern von Berlin und Wien, wo er sich mit Franz Lehar anfreundete, als Erik Charell ihn für die Wiederaufnahme seiner LUSTIGEN WITWE engagierte. Sein größter Erfolg wurde die Rolle des Zahlkellners Leopold in Ralph Benatzkys IM WEISSEN RÖSSL, den er bereits 1926 in Richard Oswalds stummer Verfilmung der Vorlage von Richard Oswald und deren Fortsetzung, ALS ICH WIEDERKAM verkörpert hatte. Sein überragender Erfolg führte zu einer weiteren Zusammenarbeit mit Benatzky an dessen Operette AXEL AN DER HIMMELSTÜR, für die Hansen die damals unbekannte Sängerin Zarah Leander entdeckte.

      Bald darauf musste er jedoch Deutschland verlassen. 1938 gründete er sein eigenes Theater in Kopenhagen, wo er auch noch eine Reihe von Filmen drehen konnte, die uns jedoch nie erreichten. 1951 spielte er den König Menelaus in einer dänischen Verfilmung von Offenbachs SKÖNE HELENA und kehrte noch einmal in seiner alten Rolle als Zahlkellner Leopold nach Deutschland zurück, das er nach bescheidenen Erfolgen in Hamburg und Berlin zwei Jahre später endgültig verließ um seine letzten Jahre in Dänemark zu verbringen.

      Während der 30er Jahre war er mit der Schauspielerin Lizzi Waldmüller verheiratet. Diese ließ sich 1939 von ihm scheiden um eine eigene Filmkarriere an der Seite von Stars wie Willi Forst (BEL AMI) und Johannes Heesters (ES LEBE DIE LIEBE), Hansens beliebtestem Nachfolger in der Rolle des Danilo, zu machen, bevor sie, nur einen Monat vor Kriegsende bei einem Bombenangriff der Alliierten auf Wien umkam.

      Heute erinnern wir ihn am ehesten noch als Sänger frecher Lieder - gelegentlich mit unüberhörbar schwulem Unterton - wie "Der schöne Sigismund", "Ich reiß' mir eine Wimper aus" oder "Ich möcht' so gerne wissen, ob sich die Fische küssen" aus den leider meist nicht mehr erinnerten, frechen Teilen von IM WEISSEN RÖSSL. Eine Fahndung nach seinen besten Liedern in YouTube gehört fraglos zu den vergnüglichsten Entdeckungsreisen, die man dort machen kann.

      :wink: Rideamus







      In die Gedenktafel übernommen - Michel
      Ein Problem ist eine Chance in Arbeitskleidung
    • Rideamus schrieb:


      Heute erinnern wir ihn am ehesten noch als Sänger frecher Lieder - gelegentlich mit unüberhörbar schwulem Unterton - wie "Der schöne Sigismund", "Ich reiß' mir eine Wimper aus" oder "Ich möcht' so gerne wissen, ob sich die Fische küssen" aus den leider meist nicht mehr erinnerten, frechen Teilen von IM WEISSEN RÖSSL. Eine Fahndung nach seinen besten Liedern in YouTube gehört fraglos zu den vergnüglichsten Entdeckungsreisen, die man dort machen kann.


      2004 gab es ein Fernsehfeature "Warn Sie schon mal in mich verliebt", das vor kurzem wiederholt wurde und vor kurzem habe ich ein schönes Radiofeature aufgezeichnet.

      Liebe Grüße Peter
      .
      Auch fand er aufgeregte Menschen zwar immer sehr lehrreich, aber er hatte dann die Neigung, ein bloßer Zuschauer zu sein, und es kam ihm seltsam vor, selbst mitzuspielen.
      (Hermann Bahr)
    • Spinner, Leopold (1906 – 1980). Komponist

      Leopold Spinner wird am 26. April 1906 als Sohn österreichischer Eltern in Lemberg geboren. 1926 bis 1930 studiert er in Wien bei dem dem Schönberg-Kreis zugehörigen Komponisten Paul Amadeus Pisk in Wien Komposition. Spinners Werke werden bei ISCM-Festivals erfolgreich aufgeführt, dennoch geht Spinner nochmals in die Lehre, diesmal (1935-1938) bei Anton von Webern. 1939 ist der Jude Spinner zu emigrieren, er wandert nach England aus. Dort schlägt er sich zuerst als Arbeiter in einer Lokomotiven-Fabrik durch, später als Notenkopist, ehe er bei Boosey & Hawkes zum Herausgeber aufsteigt und mit seiner akribischen Arbeit sogar Igor Strawinski beeindruckt. Da Spinner einerseits eine avancierte Musik schreibt, andererseits die Darmstädter Nachkriegs-Avantgarde heftig kritisiert, findet er sich in einer isolierten Position und verliert praktisch alle Aufführungsmöglichkeiten. Zum Zeitpunkt seines Todes am 12. August 1980 in London ist Spinner de facto vergessen. Wiederbelebungsversuche der Musik Spinners knapp nach seinem Tod bleiben weitgehend ohne Folgen.
      In seiner Musik übernimmt Spinner die strenge Reihen- und Formentechnik Weberns, denen er allerdings großformatige Werke abgewinnt, womit er seine Musik deutlicher als Webern in die Tradition stellt, ohne eine traditionelle Sprache zu gebrauchen.
      Na sdarowje! (Modest Mussorgskij)
    • Hallo,

      da hast Du ohne Zweifel recht, dass Wikipedia und das Online-Lexikon der Universität Hamburg "lediglich" als Ergänzung zu den überaus interessanten und verdienstvollen Beiträgen dieses Threads, an dem Du maßgeblich beteiligt bist, dienen können. Deshalb mein uneingeschränkter Respekt.

      Viele Grüße
    • Gielen, Michael (*1927). Dirigent, Komponist



      Gielen wurde am 20. Juli 1927 in Dresden geboren. Seine Eltern sind der Schauspieler, Regisseur und Intendant Josef Gielen und die Schauspielerin Rosa (Rose) Steuermann. Sein Onkel ist der Pianist und Komponist Eduard (Edward) Steuermann. Seine musikalische Ausbildung erhielt Gielen u. a. in Argentinien bei Rita Kurzmann-Leuchter, ihrem Mann Erwin Leuchter, einem Schüler Guido Adlers und später in Wien bei Josef Polnauer, einem Schüler Arnold Schönbergs. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten siedelte die Familie zuerst nach Wien über, nach 1938 erfolgte die Emigration nach Argentinien. 1947 wurde Gielen Repetitor am Teatro Colón in Buenos Aires. Danach folgte für ca. 10 Jahre ein Engagement an der Wiener Staatsoper als Repetitor, wo er auch zum ersten Dirigat kam (A. Honegger: Jeanne d'Arc). 1960 wurde er Nachfolger S. Ehrlings an der Stockholmer Staatsoper, dann Leiter des Belgischen Nationalorchesters in Brüssel. Als eine herausragende Ära der Frankfurter Oper wird seine musikalische Leitung von 1977 bis 1987 bewertet. Nach einem Engagement in Cincinnati leitete er ab 1986 bis 1999 das SWF Sinfonieorchester Baden-Baden (1996 SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg). Michael Gielen pflegte immer die Verbindung von älterer und neuer sog. Klassischen Musik z. B. durch experimentelle Programmgestaltung („Es gibt für mich – wie ich schon sagte – nur eine einzige und ungeteilte Musik.“ *).

      Gielen zum Jahr der Emigration: „Das letzte Jahr in Wien war für mich die schlimmste Zeit meines Lebens. Von meinen Klassenkameraden ausgesondert und geschlagen, war ich, als Elf-, Zwölfjähriger, unfähig zu verstehen, was da vor sich ging. Das einzig Positive: daß die Idee der Gerechtigkeit sich unverlierbar in meinem Kopf festsetzte.“…“Ich hatte Glück. Andere mußten in Deutschland zum Volksturm oder kamen ins KZ und wurden umgebracht oder waren nach dem Krieg, wie ein Freund aus Berliner Tagen, auch ein Halbjude, jahrelang als Kriegsgefangene in Sibirien.“ **

      * Fiebig, Paul (Hrsg.), a. a. O., S. 15.
      ** Fiebig, Paul (Hrsg.), a. a. O., S. 97 und S. 100.


      Quellen:
      Fiebig, Paul (Hrsg.), Michael Gielen - Dirigent, Komponist und Zeitgenosse, Stuttgart 1997.
      Hoffmann, Hilmar, Frankfurts Stardirigenten, Frankfurt am Main, 2008.
      Das Atlantisbuch der Dirigenten – Eine Enzyklopädie, Zürich 1985, S. 151-156.
    • Schwalbé, Michel (1919 – 2012). Violinist, Musiklehrer



      Der Geiger Michel Schwalbé wurde am 27.10.1919 in Radom (Polen) geboren. Seine musikalische Ausbildung hat er in jungen Jahren bei Maurycy Frenkel in Warschau erhalten. Ab 1933 studierte er am Pariser Conservatoire bei Georges Enescu und Jules Boucherit sowie Pierre Monteux. Nach Station in Lyon als Konzertmeister begann während des 2. Weltkriegs die Zeit des Versteckens, Untertauchens und der Flucht, die ihn in die Schweiz führte, wo er 2 Jahre interniert wurde. Schwalbés Familie wurde in Treblinka ermordet. E. Ansermet holte ihn als 1. Konzertmeister in „sein“ Orchestre de la Suisse Romande. Dort spielte er bis 1957, wobei er dazu noch 1. Konzertmeister des Festspielorchesters Luzern und kammermusikalisch tätig war sowie ab 1948 Professor am Conservatoire Genf. Leicht ist es Schwalbé nicht gefallen dem Angebot Herbert v. Karajans als 1. Konzertmeister der Berliner Philharmoniker zu folgen (1957). Er prägte den Berliner Philharmoniker-Streicherklang maßgeblich und blieb bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1985*, neben seiner Professur an der Berliner Hochschule für Musik (ab 1963), dem Orchester treu. Michel Schwalbé ist am 08. Oktober 2012 verstorben.

      Quelle:
      Variationen mit Orchester, 125 Jahre Berliner Philharmoniker, Band 2, Bioografien und Konzerte, Hrsg.: Stiftung Berliner Philharmoniker, Berlin 2007, S. 110


      FAZ ["http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buehne-und-konzert/zum-tod-von-michel-schwalbe-karajans-konzertmeister-11920999.html"] und Wikipedia geben 1986 an.
    • Sander, Berthold, (18.4.1890 Emmerich/ Rhein - Nov. 1943 Theresienstadt), Kapellmeister und Chorleiter

      Heinrich Schlusnus, der berühmte Sänger, nahm 1933 den in Hildesheim entlassenen jüdischen Kapellmeister Berthold Sander († November 1943 im KZ Theresienstadt) in seine Zehlendorfer Wohnung auf. Sander hatte auch als Kapellmeister des Mainzer Stadttheaters gewirkt und gründete 1934 den Chor des jüdischen Kulturbundes.

      Ein Foto gibt es hier:

      "http://claude.torres1.perso.sfr.fr/GhettosCamps/Kulturbund/SanderBerthold1940_akg_426479.jpg"

      Die einzig mir bekannte Aufnahme, bei der er auch vertreten ist als Dirigent (CD 3, Titel 8: Gemischter Chor, Leitung Berthold Sander: Moaus Zur [Schutz und Feste meines Heils])



      leider habe ich nicht viel mehr als diese spärlichen Informationen gefunden. Vielleicht kann noch jemand ergänzen?
      „Orchester haben keinen eigenen Klang,den macht der Dirigent"
      Herbert von Karajan


      „nicht zehn Prozent meiner Musikleute verstehen so viel von Musik wie diese beiden Buben“.
      Karajan nach einem Gespräch mit den Beatles George Harrison und Ringo Starr.