VERDI: La Traviata – Kommentierte Diskographie

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    • VERDI: La Traviata – Kommentierte Diskographie

      Wenn jemand meint, daß es unnötig ist, für eine Diskografie ein eigenes Thema aufzumachen, würde er das dann bitte verschieben?



      Vermutlich dürfte es wenige Opern geben, die so oft auf Schallplatte und CD gebannt wurden wie Verdis „La Traviata“, und nahezu jede Sopranistin die die vokalen Voraussetzungen auch nur annähernd erfüllt, dürfte sich an dieser Rolle versucht haben.

      Die erste Operngesamtaufnahme die überhaupt jemals erschienen ist, soll

      eine französische Traviata gewesen sein. Sie wurde für das Grammophon aufgenommen und man mag sich gar nicht vorstellen, wie viele Platten das gewesen sein müssen. Ich habe sie vor vielen Jahren auf Schallplatte bei SATURN in Köln ergattert. Sie befindet sich zur Zeit in irgendeinem Umzugskarton, aber wenn ich sie wiederfinde, werde ich nochmal reinhören und was dazu sagen.

      Daher also: „Zeigt her Eure Aufnahmen!“

      Ich habe ja bei „Davon interessiert mich alles“ erwähnt, saß ich von dieser Oper nahezu 30 Aufnahmen und DVDs besitze, denn sie gehört, (mit Hoffmann und Don Giovanni) zu meinen Lieblingsopern.

      Es gibt viele großartige Violettas, aber die Wunderbarste ist für mich immer noch Maria Callas. Hier gefällt mir vor allem die Live-Aufnahme aus Lissabon aus dem Jahre 1958.
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      Ich werde nicht müde zu betonen, daß Callas nicht nur eine Meisterin der großen, emotionalen Ausbrüche war, sondern auch, und vielleicht vor allem, der stillen Momente. Es gibt bei dieser Aufnahme viele Momente, die mich sehr berühren, aber

      keinen, der so zu Herzen geht wie Violettas stilles, resigniertes „E vero, è vero“ im Duett mit Germont.

      Violettas Alfredo ist hier der junge Alfredo Kraus und er gefällt mir sehr gut, auch wenn er in der Ballszene durchaus etwas mehr aus sich hätte herausgehen können. Ein wenig von der kalten Wut eines Rolando Villazón in Salzburg wäre da nicht verkehrt gewesen. Extrem störend allerdings ist der nicht zu überhörende Souffleur.

      Es gehört m.E. zu den ganz großen Unterlassungssünden der Musikgeschichte, daß Callas’ Violetta niemals für den Film festgehalten wurde, wie es ja überhaupt überraschend wenige Filmdokumente dieser größten aller Singschauspielerinnen gibt.

      Ihre einzige Studioaufnahme dieser Oper hat mich nie wirklich begeistern können, Callas gefällt mir auch hier, aber ihr Alfredo (Francesco Albanese) singt doch arg schaumgebremst.



      Bei beiden Mitschnitten überzeugen mich die Sänger des Germont nicht wirklich, meine Lieblingsgermonts heißen Sherill Milnes in der Aufnahme mit Cotrubas und Domingo





      Josef Metternich in der alten (und leider nur als Querschnitt erhältlichen) Aufnahme mit Melitta Muszely und Rudolf Schock, und Thomas Hampson, dessen (auch darstellerisch) phänomenale Leistung 2005 in Salzburg mich immer wieder begeistert.





      Meine Lieblingstraviatas auf DVD:



      Eine Inszenierung, in der m.E. einfach alles stimmt, und in der erzählt wird, warum gerade diese drei Menschen aufeinander treffen und diese Begegnung in einer Katastrophe enden musste. Die Elemente deren Decker sich bedient (große Uhr, leere Bühne, Gevatter Tod in Persona etc.) sind alle nicht wirklich neu, aber was er und seine Darsteller daraus machen ist schon beeindruckend.

      Die zweite Lieblings-Traviata ist die von Oper337 bereits erwähnte Zeffirelli-Verfilmung mit Teresa Stratas und Placido Domingo



      Ich habe den Film als junges Mädchen im Kino gesehen, und natürlich war ich am Ende in Tränen aufgelöst und bin es wenn ich ihn heute sehe immer noch. Geärgert haben mich allerdings die m.E. unnötigen musikalischen Striche, der letzte Akt zum Beispiel beginnt nach dem Vorspiel sofort mit der Briefszene und „Addio del passato“, auch klingt Stratas im ersten Akt manchmal etwas angestrengt („Sempre libera“) dennoch: da ich Maria Callas in dieser Rolle nie auf der Bühne gesehen habe, und sie bei mir ohnehin außer Konkurrenz läuft, ist Stratas für mich eine nahezu ideale Violetta, darstellerisch, optisch, und über weite Strecken auch gesanglich. Placido Domingo war über Jahrzehnte mein Lieblings-Alfredo.



      Teresa Stratas Rollendebüt fand 1965 in München an der Seite von Fritz Wunderlich und Hermann Prey statt. Die Aufführung ist auf CD erhältlich und ich mag sie sehr. Ich habe niemals eine so ermattete, buchstäblich zu Tode erschöpfte Violetta gehört wie Stratas in der Sterbeszene, Wunderlich ist ein großartiger Alfredo. Nebenbei kann man ihm bei einem seiner seltenen Patzer erleben: kurz vor „Parigi o cara“ verbaselt der Gute einen Einsatz, und ich finde es ausgesprochen sympathisch und beruhigend, daß selbst einem Wunderlich sowas passieren konnte.

      Ein Paradies ist immer da, wo einer ist, der wo aufpasst, dass kein Depp reinkommt...
    • DVD Decca 2006

      Liebe Mina,

      danke für die Eröffnung dieses Threads, den ich bei der Überfülle des Angebotes keineswegs überflüssig finde. Deine Lieblingsaufnmahmen sind grosso modo auch meine, und ich werde zu gegebener Zeit sicher auch auf diese zu sprechen kommen. Ich möchte aber meine Betrachtungen der TARVIATA-Aufnahmen mit einigen DVDs beginnen, denn gerade bei der TRAVIATA ist die darstellerische Dimension für mich von entscheidender Bedeutung. Also sollte man sie nach Möglichkeit auch sehen. Die erste Aufnahme ist schon ein Favorit:



      Los Angeles Opera Orchestra and Chorus; James Conlon :)

      Ein sehr solides bis gutes Dirigat, bei dem mir vor allem gefällt, dass Conlon auf zügige Tempi achtet und kaum schleppt oder gar leiert, selbst wenn der CGor nicht immer dabei mitkommt. Ob es an ihm oder an dem Orchester liegt, dass das gerade in dieser Oper absolut notwenige Piano mindestens mezzoforte klingt, kann ich nicht beurteilen, ist im Ergebnis aber auch egal. Jedenfalls liegen Welten zwischen dieser Facon und den atmosphärischen Abstufungen eines Carlos Kleiber oder Maazel (im Filmsoundtrack), die natürlich den Vorteil der Studioaufnahme hatten.

      Violetta Valéry: Renee Fleming :) :) [Blockierte Grafik: http://www.cosgan.de/images/midi/set/d041.gif]
      Eigentlich bin ich ein großer Anhänger der schönen Stimme Renée Flemings, aber bei meinen bisherigen Verdi-Erfahrungen mit ihr war ich doch meist etwas enttäuscht. Um so angenehmer die Erfahrung mit dieser Aufzeichnung. Leider neigt sie hier noch stärker als sonst zum Verschleifen von Tönen und Vokalen, aber was sie in den Koloraturen des "Sempre libera" und durchweg auch darstellerisch bietet, ist mehr als bemerkenswert. Natürlich glaubt man auch ihr nicht die schwindsüchtig Leidende, da ist Teresa Stratas mit dem großen Vorteil der Filmaifnahme unschlagbar. Aber neben ihr ist Renée Fleming für mich bislang die beste Violetta auf DVD.

      Alfredo Germont: Rolando Villazon: :) :) [Blockierte Grafik: http://www.cosgan.de/images/midi/set/d041.gif]
      Obwohl ich schon seinen Salzburger Alfredo bewunderte, scheint Villazon mir hier stimmlich noch besser disponiert zu sein. Vielleicht half es auch, dass er neben Frau Fleming nicht ganz so enthemmt auftreten konnte oder wollte wie neben einer Anna Netrebko. Dafür singt er mir eine Spur zu oft auf den sängerischen Effekt hin, aber er macht das schon sehr gut. Sängerisch tadellos, schauspielerisch der fast ideale Alfredo mit den richtigen Spuren des Überschwangs und der Unsicherheit, das ist schon sehr nahe an der Höchstnote und auf DVD m. E. bislang unerreicht.

      Père Germont: Renato Bruson: :) :)

      Natürlich sind die 70 Lebensjahre, die Bruson bei diesem Auftritt schon auf dem Buckel hatte, nicht spurlos an seiner Stimme vorüber gegangen, aber was er dennoch hier schauspielerisch wie stimmlich über die Rampe bringt, stellt die meisten jüngeren Germonts in den Schatten. Für mein Gefühl hat er ein ideales Timbre für diese Rolle, und er schafft es sogar, dass man mit dem in seinen traditionellen Zwängen und Nöten gefangenen, alten Herrn etwas Mitleid hat, was mir bei sonst kaum einem Germont passiert.

      Sonstige: :)
      Ein routiniertes Ensemble ohne große Ausfälle oder auffällige Qualitäten. Nur der Chor neigt zum Schleppen, bewegt sich dafür aber ganz ordentlich.

      Regie: Marta Domingo :)
      Eine solche Inszenierung wird durchaus auch bei uns mit Beifall begrüßt, obwohl sie sich auf die reine Ausstattung beschränkt, die weder falsch ist noch begeistert. Immerhin lässt sie der Geschichte und den Sängerdarstellern, von denen man hier zum Glück durchweg sprechen kann, den Raum, sich zu entfalten.

      Präsentation: :)
      Die Industrie hat es sich leider schon sehr früh angewöhnt, außer mehrsprachigen und beliebig zuschaltbaren Untertiteln, die immer der große Vorteil der DVD-Päsentation sind, keine nennenswerte Ausstattung zu bieten, so dass man das hier Gebotene schon als Standard nehmen muss. Dem wird aber bei guter Bild- und Tonqualität auch entsprochen.

      Gesamteindruck: :) :)
      Es gibt schon jetzt mehr als 20 TRAVIATAs auf DVD, und natürlich kann und will ich sie nicht alle kennen. Ich finde es aber beachtlich, dass diese Aufzeichnung in ihrem Gesamtwert keineswegs gegenüber den mir bekannten mit Stratas, Gheorghiu, Schäfer oder Netrebko zurücksteht. Anhänger des sogenannten Regietheaters werden vielleicht eher zu Deckers Salzburger Inszenierung greifen, obwohl sie einen der schwächsten Dirigenten mitbringt, und der Kinofilm hat natürlich ganz eigene Qualitäten, aber wenn jemand ohne irgendwelche Vorlieben für bestimmte Sänger eine TRAVIATA - DVD empfohlen haben möchte, würde ich velleicht sogar zu dieser raten.

      :wink: Rideamus
      Ein Problem ist eine Chance in Arbeitskleidung
    • Die von Rideamus vorgestellte Aufnahme mit Renée Fleming kenne ich leider (noch) nicht. Unbedingt in eine Reihe mit den schon genannten Traviata-DVDs gehört auch diese:

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      Da mir die Kompetenz fehlt, sie musikalisch so umfassend zu bewerten wie Rideamus, hier nur ein paar subjektive Anmerkungen: Die Aufführung wurde im Dezember 1994 am Royal Opera House Covent Garden in London zunächst für eine Fernsehausstrahlung aufgezeichnet. Die musikalische Leitung hatte Sir George Solti, der trotz seiner schon 82 Jahre an diesem Abend in Hochform war (ich habe irgendwo gelesen, es sei sein erstes "Traviata"-Dirigat gewesen, was ich aber im Moment nicht verifizieren kann). Die Inszenierung des britischen Theater- und Filmregisseurs Richard Eyre könnte man solide-konventionell nennen; kein Vergleich mit den spektakulären und auf ihre je eigene Weise überzeugend umgesetzten Regie-Konzepten von Zeffirelli und Willy Decker.

      Was die Covent Garden-Aufführung absolut sehens- und hörenswert macht, ist die überragende Leistung der damals 29jährigen Angela Gheorghiu in der Titelrolle, die damit quasi über Nacht zum Weltstar wurde. Was immer man auch von der weiteren Entwicklung dieser Sängerin halten mag (sie gilt als zickig und als "seelenlose Koloraturmaschine") - hier ist sie wirklich grandios. Sie hat das richtige Alter und die Stimme für die Violetta, und ich finde sie darstellerisch in jeder Phase absolut überzeugend: Sie ist ebenso glaubwürdig als kapriziöse, umschwärmte Edelkurtisane im 1. Akt (hier hat Teresa Stratas bei Zeffirelli deutlich mehr Mühe) wie als Todkranke im 3. Akt (da wiederum kann Anna Netrebko beim besten Willen nicht mithalten). Gheorghius Sterbeszene, ihr letztes verzweifeltes Aufbäumen ist ergreifend, ja erschütternd und für mich ganz große Kunst der Menschendarstellung. (Vielleicht hat ihr der erfahrene Richard Eyre dabei doch mehr Regie-Hilfestellung gegeben als man vermuten würde; wer weiß.)

      Schwachpunkt der Aufführung ist eindeutig der farblose Frank Lopardo als Alfredo; ein Placido Domingo oder ein Rolando Villazon sind da natürlich von ganz anderem Kaliber.

      So sehr auch ich die beiden anderen "Traviatas" von Zeffirelli und Decker liebe und bewundere, ertappe ich mich doch immer wieder dabei, dass ich zuerst zu dieser DVD mit Angela Gheorghiu greife, wenn ich Lust auf diese Oper habe. Daher von meiner Seite eine klare Empfehlung (und günstig zu haben ist sie auch noch ;) )
    • @Rideamus
      Für mich ist Rolando Villazón DER Alfredo unserer Zeit und ich finde auch, daß er alles mitbringt, was es für diese Rolle braucht: die Stimme, die darstellerische Begabung, die schwärmerische Zärtlichkeit im ersten Akt und die kalte Wut und bittere Reue im Zweiten und Dritten. Er und sein Idol Placido Domingo sind für mich bisher die Einzigen geblieben, die aus dieser Rolle mehr machen als den schön singenden Stichwortgeber für die Primadonna..
      Die DVD aus L.A. habe ich auch, musikalisch gefällt sie mit durchaus sehr gut, ich finde die Inszenierung aber tatsächlich ziemlich öde und einfallslos. Sowas kann man, wenn auch etwas weniger üppig in Kostüm und Bühnenbild, in jedem Stadttheater sehen. Sehr beeindruckt hat auch mich Renato Bruson, er zeigt m.E. eindrucksvoll, was dabei herauskommen kann wenn ein Sänger zwar nicht mehr in der Blüte seiner Kunst steht, aber auf eine solide Technik zurückgreifen kann. Ich fand es sehr schön, diesen großen Sänger noch einmal erleben zu können.
      Bei Villazón hat mich begeistert, daß dieser Alfredo einen völlig anderen Charakter hat als der aus Salzburg, er schafft es wirklich der gleichen Rolle verschiedene Facetten abzugewinnen, und da hier Alfredos Verhältnis zu seinem Vater ein völlig Anderes ist, ist das auch sehr stimmig.
      Ein kleines Problem habe ich mit dem Alter von Rene Fleming, sie ist eine wunderschöne Frau, und es muß ja nicht immer das Partygirl Anna sein (die ich grundsätzlich nicht für eine ideale Violetta halte, ich denke, sie hat Deckers Inszenierung und ihren beiden Bühnenpartnern viel von ihrem Erfolg in dieser Rolle zu verdanken), aber Flemings reife Ausstrahlung verleiht dem Stück schon einen anderen Akzent. Hier ist Violetta keine blutjunge, lebensgierige, Kokotte, die zum ersten und einzigen Mal liebt und geliebt wird, und schließlich sehr zur Unzeit stirbt, sondern eine nicht mehr ganz junge, erfahrene Frau, die einen schwärmerischen und eher unerfahrenen jungen Mann unter ihre (auch erotischen) Fittiche nimmt und ihn mit mehr Melancholie und Dankbarkeit als Leidenschaft liebt. Eher Marschallin als Kameliendame. Das ist kein Fehler, verändert aber das Stück. Als Thais fand ich sie da schon wesentlich passender besetzt.
      Ich habe allerdings kaum jemals eine so ergreifende Sterbeszene gesehen, wie mir überhaupt der ganze letzte Akt schon sehr, sehr gut gefällt.

      @Local Hero
      Diese DVD steht auf meiner To-Do-Liste, wird aber wohl aus pekuniären Gründen noch warten müssen. (Spare gerade auf die Felsenstein-Edition...). Ich mag Angela Gheorghiu auch sehr und empfinde sie nicht als seelenlos, daß sie privat eine kleine Miss Draculette sein soll habe ich auch gelesen, aber okay, wenn sie meint.
      (Ich habe sehr bedauert, daß der „Liebestrank“ den sie in New York mit Villazón singen sollte dessen Stimmbandzyste zum Opfer gefallen ist. Ich hatte mich schon auf die Radioübertragung gefreut. Endlich mal ein anderer Partner als ihr unsäglicher Ehemann :stumm: ).
      Ein Paradies ist immer da, wo einer ist, der wo aufpasst, dass kein Depp reinkommt...
    • Meien Lieben!

      Jetzt kommt eine ältere Aufnahme, die es auch als Gesamtaufnahme gegeben hat, ich habe sie:

      ,

      aber ich habe meine Traum -Traviata, noch auf 3er LPs Gesamtaufnahme unter Erede auch, mit Hilde Güden als Violetta, leider ist das Cover kaputt, ich habe sie - leider - verborgt gehabt, und zerkratzt zurück bekommen.

      Aber das ist mir bei Hilde Güden egal, Mario del Monaco als Alfredo und Aldo Protti als Giorgio Germont. Aus den frühen 1950er Jahren. In Italienisch, natürlich!
      Gibt nicht wieder, leider wirklich!

      Liebe Grüße sendet Euch Euer Peter aus Wien. :wink: :wink:
    • Diabolus in Opera schrieb:

      "Kommentierte Diskographie" - sind das jetzt die neuen TMOOs?

      Best, DiO 8)
      Jein. :stern:

      Ich habe das ein wenig im Sinn gehabt und entsprechend bei den TROYENS und meiner Besprechung hier praktiziert, wobei ich gerne auf Sperenzchen wie Durchschnittswertungen verzichtete, denen ursprünglich ja ein ganz anderer Charakter zugrunde lag.

      Sagen wir also, sie sind eine mögliche Weiterentwicklung der TMOOs, aber es ist letztlich Eure Sache, was Ihr daraus macht. Ich sehe schon ein leichtes Problem darin, die Analysethreads auszuhungern, wenn man sich hier wie dort über Aufnahmen unterhält statt sie einzeln zu analysieren. Andererseits gibt es im Hauptthread interessante Äußerungen zur Werkgeschichte, die hier gar nicht gut hinein passten.

      Wie gesagt, letztlich ist es Eure Sache, aber mir wäre schon lieber, die kommentierten Diskographien wären nichts als das.
      Dann wären auch die Entscheidungen einfacher, was man wo hin schieben sollt. :hide:

      :wink: Rideamus
      Ein Problem ist eine Chance in Arbeitskleidung
    • Liebe La Traviatafreunde,

      es wurden schon einige Einspielungen genannt, die auch mir sehr gefallen. Dazu gehört ohne Zweifel die DVD der Salzburger Inszenierung von Willy Decker, wie auch die unter Sir Georg Solti.

      Ich möchte an dieser Stelle jedoch eine Lanze für eine deutschsprachige Einspielung brechen.

      Meine bewertenden musikalischen Einschätzungen beruhen auf reines Bauchgefühl und Höreindruck. Leider ist es mir mir nicht möglich, eine Stimme bzw ein Dirigat auf Korrektheit, Intonation, Tempi usw. einzuschätzen bzw zu bewerten. Hierzu fehlt mir einfach die fachliche Kompetenz. Nichtsdestotrotz möchte ich Euch diese Einspielung ans Herz legen.

      CD Walhall 1953




      Chor und Sinfonieorchester des westdeutschen Rundfunks - Mario Rossi :) :) :)
      Das Orchester spielt einfühlsam und keinesfalls langweilig. Die Sänger und das Orchester harmonieren mE nach hervorragend. Die wechselnden Tempi sind präzise ausgelotet und somit ist für eine ständige Spannung und Entspannung gesorgt.


      Violetta Valéry - Teresa Stich-Randall :) :) :)
      Eine schöne Stimme, die auch in der Höhe noch warm klingt. Besonders gefällt mir, die eindrucksvolle Interpretation der Rolle. Teresa Stich-Randall verkörpert die zärtliche Geliebte ebenso glaubhaft wie die sterbenskranke Frau. Durch die sehr gute Textverständlichkeit wird dieser Eindruck mE nach zusätzlich verstärkt.


      Alfredo Germont - Karl Terkal :) :) :)
      Dieser Alfred ist wirklich zum verlieben. Eine Stimme und Interpretation die unter die Haut geht.


      Giorgio Germont - Robert Blasius :) :)
      Ich gebe zu eine Schwäche für Baritone zu haben. Möglicherweise bin ich daher etwas zu kritisch. Das Timbre Blasius sagt mir nicht ganz so zu, aber das ist selbstverständlich eine reine Geschmacksfrage. Die Interpretation der Rolle der Vaters Germont ist dem Sänger mE recht gut gelungen.


      La Traviata in der Originalsprache ist eine großartige Oper, dass ist mir sehr wohl bewußt. Ich liebe aber eben auch die deutschsprachigen Einspielungen. Sicher gibt es berechtigte Kritikpunkte, aber letztenendes, wann und wo gibt es die nicht.

      :wink:

      gilestel
      Wenn Einer kümmt un tau mi seggt, Ick mak dat allen Minschen recht, Dann segg ick: Leiwe Fründ, mit Gunst, O, liehr'n S' mi de swere Kunst. - Fritz Reuter
    • Lange Zeit war die Kleiber/Cotrubas Aufnahme meine Lieblingseinspielung.

      Dann hörte ich folgende:





      A. Harteros als Violetta und Pjotr Beczala als Alfredo finde ich sehr gut.

      Paolo Gavanelli als Giorgio passt in seine Rolle, aber mir gefällt die Stimme nicht so sonderlich.

      Zubin Mehtas Dirigat gefällt mir sehr gut und ist spannend.

      Einen "Nachteil" hat die Aufnahme für mich: Ich muß sie immer bis zum Ende hören, kann nicht zwischendurch aufhören. :)

      Ach ja, die Klangqualität: Eine Liveaufnahme, klingt super und gibts als SACD.


      Gruß Ralf




    • Diese 1968 in Bukarest entstandene Studioaufnahme (1996 digital bearbeitet und 1998 bei Cantus Cassics herausgekommen) ist noch immer die Aufnahme, die zu Unrecht am wenigsten bekannt ist, aber zu den besten gehört. Zwar wird vereinzelt immer wieder dem falschen Vorurteil gegen anno-dazumalige Studioaufnahmen hinter dem Eisernen Vorhang widersprochen, aber diese Hinweise konnten sich offenbar bis jetzt nicht durchsetzen. Wirklich schade, denn das wenige Geld, das sie kostet, ist sie mehr als wert.


      Jean Bobescu gehört zu den verläßlichsten Verdi-Dirigenten, oder vielleicht sollte man sagen, zu den verläßlichsten Verdi-Kapellmeistern. Denn es geht hier nicht um eine besonders individuelle Interpretation, sondern um eine saubere, bei der im Grund alles stimmt und keine manieristischen Extras angestrebt werden. Das Orchester ist nicht unbedingt höchste Spitzenklasse, aber alle spielen mit Herz und Elan.

      Das paßt auch zu den Stimmen, bei denen vor allem Virginia Zeani als Violetta und Ion Buzea als Alfredo vielleicht nicht immer jeden Sechzehntelton exakt treffen, aber eine - für Studioaufnahmen - so leidenschaftliche Intensität entwickeln, daß man es fast wie Live empfindet. Die Zeani, in Italien eine der berühmtesten Violettas des 20.Jahrhunderts, ist 1968 zwar schon über ihren lyrischen Zenit hinaus gewesen, aber trotzdem phänomenal. Sie singt die Violetta beinahe hochdramatisch à la Tosca oder Leonore. Natürlich fehlt der Stimme, besonders im 1. und 2.Akt, das Jugendliche. Im dritten Akt findet Zeani aber zu dieser Färbung zurück und hat außerdem ein paar Momente, in denen sie sogar Ileana Cotrubas hinter sich läßt. Ich bin doch ein leidenschaftlicher, hartgesottener Traviatist, aber da schnürt es mir stets die Kehle zu. Sicher, man darf - so wie die Interpreten - keine Angst vor Gefühl und etwas Sentimentalität haben. Es wird mit einer Unmittelbarkeit gesungen, die etwas Entwaffnendes hat. Die Rumänen schöpfen da aus einem beneidenswerten Fundus. Dünne Stimmen, Verzittern oder Angst vor hohen Tönen gibt es nicht, es strömt bei allen warm und voll. Dafür strebt man auch nicht solche Subtilitäten an, wie sie etwa Carlos Kleiber realisiert. Buzea singt den Alfredo wie einen Manrico - ein extremer Gegensatz etwa zu Gedda unter Krips (mit Cotrubas - siehe Florians geniale Analyse in unserem Ex-Forum). Kein unreifes Gesäusel, kein Komplexlergehaben, ein Gefühlssturm. Nicolae Herlea als Giorgio Germont steht ebenbürtig neben den Großen wie Bastianini, McNeil und wie sie alle heißen. Sein warmes, sonores Timbre hören und es lieben, ist eins. Ein Vater, dem alle Register zu Gebot stehen, von entrüstetem Zorn bis zur majestätischen Autorität und zum "edlen" Leiden.

      Auch die kleineren Rollen sind hervorragend besetzt, die Tonqualität gut. Wer als Verdianer dieser Aufnahme nicht verfällt, kennt keine Leidenschaft.

      LG

      Waldi
      ______________________

      Homo sum, ergo inscius.



    • Deutsche Grammophon 1963 (Aufnahme in der Scala 1962), mit obigem Cover 2007 neu aufgelegt.


      Gegenüber der geradlinigeren Bobescu-Einspielung haben wir hier eine typisch italienische Interpretation, sehr formbetont, elastisch, nuancenbewußt und dennoch ein wenig zu äußerlicher Routine neigend, wenn auch nur teilweise. Antonino Votto weiß mit Verdi Bescheid und liefert mit dem Scala-Orchester eine sehr gute Leistung; ein bißchen selbstverliebt wirkt es trotzdem auf mich. Quasi: Hört her, wie gut wir die "Traviata" spielen können. Da bleibt ein klein wenig zuviel an Künstlichkeit haften. Einerseits also ziemlich modellhaft, andererseits hätte etwas mehr Tiefgang nicht geschadet.

      Die beste Leistung bringt Gianni Raimondi als Alfred, der sowohl den jugendlich-ungestümen Hitzkopf wie den hingerissenen Verehrer intensiv und mit stimmlicher wie ausdrucksmäßiger Intensität zum Ausdruck bringt und sich nicht mit Schöngesang allein begnügt. Er besitzt das nötige Feuer und strahlt auch die liebenswerte Unreife aus, die dem Alfred so gut steht.

      Ettore Bastianini als Giorgio Germont weckt maßstäbliche Erwartungen. Er ist stimmlich super drauf, setzt sein Organ allerding wiederholt etwas plakativ ein. In punkto glaubhaftes Gefühl überzeugt er diesmal nicht ganz so - obwohl das noch immer eine Spitzeninterpretation bleibt. Das stimmliche Auftrumpfen ist jedoch etwas überzogen.

      Zwiespältig bleibt bei mir der Eindruck von Renata Scottos Violetta. Im ersten Akt hat man den Eindruck, daß die - von mir an sich hochgeschätzte - Sängerin mit der Partie noch nicht zurecht kommt. Ihre Schärfen in der Höhe wirken wiederholt unangenehm und nehmen viel von der Wirkung. Während sich derlei bei ihr sonst eher als leidenschaftliches Engagement anhört, empfinde ich es hier als Mangel. Im Bemühen, die bekannten Schwierigkeiten zu bewältigen, bleibt der Ausdruck zudem oft unvollkommen. Im zweiten und vor allem im dritten Akt wirkt die Scotto dann sicherer und glaubhafter und trifft den Charakter der Violetta viel besser. Aber man hat nicht das Gefühl, daß sie prinzipiell für diese Rolle geschaffen ist. Redliches Bemühen und Teilerfolge sind etwas zu wenig, denn Gänsehaut will sich nicht einstellen. Insgesamt eine ganz gute Violetta, aber doch klar hinter der Spitzengruppe.

      Die restliche Besetzung: Gut und routiniert.

      Fazit: Eine Empfehlung mit Einschränkungen. Wer schwankt, möge die Aufnahme vor allem wegen Raimondi kaufen.


      LG

      Waldi
      ______________________

      Homo sum, ergo inscius.
    • Meine Lieben,

      Unlängst fiel mir eine "Traviata" des Labels Michelangelo in die Hände, hinter dem die wohlbekannte niederländische Firma Weton-Wesgram steht. Erschienen ist die Box 2003, angegeben war nur Metodi Matakiev als Dirigent und die Compagnia Teatro Lirico d'Europa. Es war also ein Risiko zuzugreifen, bei "Traviatas" kann ich aber oft nicht widerstehen. Glücklicherweise, denn diese Katze im Sack war kein Fehlkauf. Matakiev stammt aus Sofia und wurde 1949 geboren. Er hat in Osteuropa schon wichtige Positionen bekleidet und ist ein recht renommierter Dirigent, nicht gerade Spitzenklasse, aber sehr gutes Repertoire gleichsam.
      Das Teatro Lirico d'Europa tourt regelmäßig in den Vereinigten Staaten mit Inszenierungen, die einen eher konservativen Geschmack bedienen und mit jungen, oft vielversprechenden Sängern, die meist aus Osteuropa stammen. Da die "Traviata" schon wiederholt von dieser Gruppe dargeboten wurde, konnte ich die Besetzung nicht identifizieren. Es handelt sich um einen technisch tadellosen Aufführungsmitschnitt. Alle Protagonisten sind überzeugend bei der Sache, verfügen über schöne, unverbrauchte Stimmen, sind in punkto Gestaltung natürlich noch nicht ausgereift (vermutlich geht die Tendenz des Organisators ohnehin mehr in eine stimmkulinarische Richtung), vermitteln aber sehr anständigen Hörgenuß und lassen von diesem Material noch Beachtliches erwarten. Die Violetta könnte eventuell die ukrainische Sopranistin Marina Viskvorkina sein, der Alfredo der russische Tenor Evgeni Akimov (aber es gibt, wie angedeutet, auch andere Möglichkeiten). Jedenfalls scheint das osteuropäische Wunderstimmreservoir erfreulicherweise nach wie vor zu funktionieren. Das Finale wird hinreißend gesungen und musiziert!

      Liebe Grüße

      Waldi
      ______________________

      Homo sum, ergo inscius.
    • Hallo Freunde,



      meine Lieblings-"Traviata" ist ein Mitschnitt aus Stockholm 1939 mit der hervorragenden Hjördis Schymberg in der Titelpartie, die keinen Vergleich zu scheuen braucht :juhu: :juhu: :juhu: (Callas ist fantastisch, aber es gibt auch andere Sängerinnen, die es können).

      Über Jussi Björling als Alfredo ist eigentlich alles gesagt.

      Conny Molin als Germont père ist vielleicht kein "Hockerreisser", bietet aber ein ausdrucksvolles Portrait der Partie.

      Herbert Sandberg am Pult hält die Spannung vom Beginn bis zum Schluß aufrecht.

      Die Tonqualität ist für das Alter der Aufnahme hervorragend.

      Ich möchte sie nicht missen.



      :wink: Bassbariton
      Wie aus der Ferne längst vergang´ner Zeiten...

      GB
    • Was ist eigentlich mit Anna Moffo als Violetta? Sie hat die Rolle immerhin über 800 Mal gesungen und ich habe sie neulich in einem Porträt, das mir netterweise Emotione aufgenommen hat, mit Ausschnitten gesehen.
      Da mein Vater sehr für sie schwärmte, ich aber noch keine Gesamtaufnahme gehört oder gesehen habe, interessiert mich, was ihr von ihr haltet.
      Optisch war sie sicher eine serh gute Besetzung, die Koloraturen von Sempre libera klangen in dem Ausschnitt (Otto Schenk Regie, glaube ich ) auch gekonnt, aber die Stimme selbst reisst mich nun wahrlich nicht vom Hocker.

      Ich bleibe vorerst bei Cortubas und Callas. Kenne aber Bassbariton Empfehlung noch nicht.

      F.Q.
      Jede Krankheit ist ein musikalisches Problem und die Heilung eine musikalische Auflösung (Novalis)
    • FairyQueen schrieb:

      Sie hat die Rolle immerhin über 800 Mal gesungen .


      Eine Anmerkung am Rande: Das halte ich für ein Gerücht (das sie selbst in einem Interview mit Opera Monthly in die Welt gesetzt hat). 800 ist eine unglaubliche Zahl. Das würde ja angesichts ihrer kurzen Karriere (wenn wir ihr großzügigerweise 20 Jahre anerkennen) bedeuten, daß sie ungefähr eine Traviata pro Woche gesungen hätte - d.h. ununterbrochen, ohne Urlaub, ohne Krankheit, ohne Reisen, Stimmkrisen, ihre ganzen Filmpausen und Aufnahmen im Studio... und natürlich all die anderen Rollen, die sie noch gesungen hat.

      :wink:

      M.
      "To me, Eurotrash is Zeffirelli." Graham Vick
    • Das hat sie selbst im Interview mit August Everding in der Sendung "Da Capo" gesagt, bzw er hat sie danach gefragt.

      Den Wahrheitsgehalt kann ich leider nciht überprüfen, Everding hat das aber als selbstverständlich hingenommen und schien nicht weiter erstaunt.

      F.Q.
      Jede Krankheit ist ein musikalisches Problem und die Heilung eine musikalische Auflösung (Novalis)
    • FairyQueen schrieb:

      Was ist eigentlich mit Anna Moffo als Violetta?


      Ich habe die Frage zum Anlass genommen, die von ThomasBernhard abgebildete Gesamtaufnahme mal wieder durchzuhören.

      Ab und zu mag ich Moffos leicht hauchiges, gurrendes Timbre gerne, diese etwas verhangene und verschattete, durchaus erotische Stimme. Die Art, wie sie sich häufig von unten an die Töne heranschmiert, gefällt mir oft auch, obwohl sie schon etwas maniriert ist. Das permanent gleiche und offenbar nicht willentlich modifizierbare Vibrato nervt mich allerdings etwas. Und eine erstklassige Koloraturistin ist Moffo zwar nicht, das "Sempre libera" besteht sie jedoch ohne Unfälle - aber natürlich gibt es da einige, die es erheblich klarer und sauberer hinkriegen.
      Richard Tucker ist ein Sänger für die energiegeladenen, vorwärtsstürmenden Rollen - das Lyrisch-Leidende liegt ihm m.E. nicht. Im "Parigi, o cara" klingt er, als müsse er seiner Stimme Fesseln anlegen. Großartig ist aber sein Wutausbruch am Ende des Zweiten Aktes.
      Robert Merrill enttäuscht in einer Hinsicht nicht: er ist zuverlässig langweilig wie immer. Kartoffelig dröhnt er sich durch den Vater Germont.

      Insgesamt ist die Aufnahme deutlich auf oberflächlichen Effekt gebürstet. Das liegt vor allem am Dirigenten Previtali, der genau zwei Register kennt, die er abwechselnd zieht: "Schwulst" und "Knalltüte". Überdies hört man ihn mehrmals laut stöhnen, und zwar an durchaus unpassenden Stellen. Zweitens liegt es an den überreichlich eingesetzten Stereoeffekten, durch die die totkranke Violetta manchmal wie ein Irrwisch über die Klangbühne zu fegen scheint: gerade hat sie mir noch "Teneste la promessa" direkt ins linke Ohr geflüstert, ein Augenzucken später steht sie schon wieder zehn Meter vor mir mitten im Orchester. Diese GA ist ein frühes Beispiel jener Stereo-HiFi-"Kunst", mit der in den 70er Jahren so vielfach Musiktheater in Hörspiel verwandelt wurde, und zwar durchweg zu seinem Schaden. Und drittens setzt Moffo ab ihrer Szene mit Vater Germont so reichlich Schluchzer und Huster zwischen ihren Gesang, dass die ganze Sache vollends zu hollywoodesker Melodramatik verkommt und ich mir den 3. Akt eigentlich nur noch aus einer Art pervers-voyeuristischem Verlangen angehört hatte: ich wollte erleben, wie weit sie es treibt. Sie treibt es sehr sehr weit, und nicht nur sie allein: Geigen schluchzen, Violetta schluchzt, Alfredo schluchzt, Germont schluchzt, alle Musik ertrinkt in einem Tränenmeer - diese "Traviata" geht in unglaublicher Geschmacklosigkeit zuende.

      Grüße,
      Micha
    • Micha schrieb:

      FairyQueen schrieb:

      Was ist eigentlich mit Anna Moffo als Violetta?
      Und drittens setzt Moffo ab ihrer Szene mit Vater Germont so reichlich Schluchzer und Huster zwischen ihren Gesang, dass die ganze Sache vollends zu hollywoodesker Melodramatik verkommt und ich mir den 3. Akt eigentlich nur noch aus einer Art pervers-voyeuristischem Verlangen angehört hatte: ich wollte erleben, wie weit sie es treibt. Sie treibt es sehr sehr weit, und nicht nur sie allein: Geigen schluchzen, Violetta schluchzt, Alfredo schluchzt, Germont schluchzt, alle Musik ertrinkt in einem Tränenmeer - diese "Traviata" geht in unglaublicher Geschmacklosigkeit zuende.

      Grüße,
      Micha
      Lieber Micha,
      danke, Du hast mich überzeugt, dass diese Aufnahme ganz oben auf meiner "never-buy"-Liste stehen wird! :D
      lg Severina :wink:
      "Das Theater ist ein Narrenhaus, aber die Oper ist die Abteilung für Unheilbare!" (Franz Schalk)