Damrau, Diana, Sopranistin voller Charme und Natürlichkeit

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    • Leider nur kleine Ausschnitte. ;( Die Perlenfischer gehören zu meinen Lieblingsopern und die Rolle der Leila ist m.E. wie gemacht für Diana Damraus Stimme (weniger für ihren blonden bayrischen Typ.......) Dass sie zusammen mit ihrem Ehemann darin aufgetreten ist, war mir neu. Nachdem ich Christa Ludwigs autobiographie gelesen habe, frage ich mich immer , wie solche Sängerpaare überleben.
      Leila ist eine sehr anspruchsvolle Partie mit Koloratur plus Dramatik, und dazu noch die französische Sprache. Die Arie Anrufung des Brahma ist in vielerlei Hinsicht richtig schwierig.Ich finde Damrau stimmlich für diese Rolle sehr überzeugend, aber die Kostüm- und Maskenbildner mussten schon ganze Arbeit leisten, um sie halbwegs glaubwürdig erscheinen zu lassen. Gibt es irgendwo einen Gesamtmitschnitt zum Ansehen?
      Meine Lieblings Leila ist weiterhin Ileana Cotrubas. :fee:
      Jede Krankheit ist ein musikalisches Problem und die Heilung eine musikalische Auflösung (Novalis)
    • Danke für Deine Eindrücke, Fairy! Was Ausschnitte angeht: Habe noch nicht nachgesehen, aber ich könnte mir vorstellen, dass auf YouTube etwas zu finden ist.
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      Cato der Ältere
    • Damraus Stimme hat sich in den letzten Jahren verändert. Und ich sehe noch nicht genau, in welche Richtung sie gehen wird. Sicher ist, dass sie Koloraturpartien wie Konstanze, Königin der Nacht, Olympia und Zerbinetta nicht mehr singt (schon ihre von mir live gehörte Zerbinetta 2008 war nicht mehr ganz so souverän wie früher). Insgesamt klingt die Höhe nicht mehr ganz so frei - auffällig bei den Vier letzten Liedern von Strauss im Herbst 2016 (live gehört). Das Stimmvolumen ist nach wie vor nicht groß. Z.Zt. singt sie Violetta (auch eine Grenzpartie), Figaro-Gräfin, Elvira (I puritani), Adina, Lucia di Lammermoor, Manon (Massenet), Leila, Antonia, demnächst Marguerite (Gounod). Und sie hat im letzten Jahr das Meyerbeer-Recital aufgenommen, das ich aber nicht kenne (ich kaufe fast nie Recitals):



      :wink:
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    • Hallo Bernd, ich habe Diana Damrau jetzt seit einiger Zeit nicht mehr gehört. Ist die Entwicklung, die ihre Stimme genommen hat, eigentlich "normal" für einen Koloratursopran, also das Partien wie die Königin der Nacht für einen bestimmten Zeitraum möglich sind?

      Mit welchem Repertoire könntest Du sie Dir denn im Moment vorstellen?
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      Cato der Ältere
    • Merci! Übrigens: eine Anmerkung zu meiner Frage nach Frau Damraus stimmlicher Entwicklung. Die Frage war zwar an Bernd gerichtet, aber wenn sich jemand anderes berufen fühlt, gerne! Ich wäre wirklich interesssiert!
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      Cato der Ältere
    • Caesar73 schrieb:

      Hallo Bernd, ich habe Diana Damrau jetzt seit einiger Zeit nicht mehr gehört. Ist die Entwicklung, die ihre Stimme genommen hat, eigentlich "normal" für einen Koloratursopran, also das Partien wie die Königin der Nacht für einen bestimmten Zeitraum möglich sind?
      Königin der Nacht ist mit dem dreigestrichenen f schon extrem - fast jeder Koloratursopran legt diese Rolle im mehr oder weniger fortgeschrittenen Alter mal ab, würde ich behaupten. Ansonsten gibt es je nach Stimme und Stimmcharakter alle Varianten: man singt bis ins hohe Alter fast nur verziertes Repertoire, verstärkt aus dem Belcanto-Bereich (Gruberova), man geht meist in die dramatischere Richtung Gilda-Violetta (wie schon Erna Berger, Gruberova, viele andere - und jetzt eben auch Damrau), oder bis zu Puccini oder den lyrischeren Wagner-Rollen Elisabeth und Elsa (wie etwa Lucia Popp) oder noch weiter wie Edda Moser, die auch Sieglinde und Elektra gesungen hat. Irgendwann wird Damrau auch bei Mimi, Elsa & Co landen, vermute ich.

      :wink:
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    • Dem, was Zwielicht aus der Beobachtung von aussen zur Stimmentwicklung bei Koloratursopranen oben sagt, füge ich sozusagen von innen noch etwas hinzu. Wenn auch nur auf sehr bescheidenem Niveau, habe ich selbst diesen Stimmweg gemacht und kenne etliche mehr professionelle Koloratur-Soprane, persönlich.Es gibt m.E. zwei entscheidende Komponenten: zum Einen die technischen Möglichkeiten des Stimmapparates, der -auch bei bestem Training im professionellen Bereich -unweigerlich altert und an Elastizität verliert. Bei Frauen kommt die wichtige hormonelle Komponente dazu (Menopause mit sinkendem Östrogenspiegel) und man findet selten Koloraturstimmen, die rein technisch gesehen mit 50noch dasselbe singen können wie mit 25. Ausnahmen gibt es natürlich , aber auch bei denen klingt es nicht mehr genauso ( z.B. Gruberova) Eklatantes Beispiel für die altersbedingten technischen Probleme ist Nathalie Dessay, die mit der Menopause dann auch im Opernbereich aufgehört hat, ohne den Weg in ein anderes Fach zu gehen. Dafür kann es viele Gründe geben und da kommt dann auch die 2. Komponente ins Spiel: die künstlerische Entwicklung, die mit der der persönlichen Entwicklung engstens zusammenhängt. Die Rollen für Koloraturstimmen sind begrenzt au oft sehr junge soubrettige ( .B. Blondchen), oder halbdurchgedrehte , abgehobene,ätherische (Bellini), übermenschliche, feenhaften (Königin, Titania, Olympia...) etc Gestalten- von Bellini bis Mozart, Hoffmann, Strauss, das frz Repertoire usw. Das Singen von extrem hohen Koloraturen hat per se etwas Übermenschliches an sich und gehört nicht ins sinnliche, erdverbundene, urmenschliche Wesen. Ein "normaler" Mensch macht solche Töne allenfalls in Extase oder extremen Angst, Schmerz, Ekelzuständen. Wenn meine Tochter ein Spinne sieht quietscht sie auch ein hohes f :versteck2: ansonsten ist sie eher Alt.......Man sieht also schon die emotionale Färbung. 8)
      Als erfahrene und reifende Persönlichkeit will frau irgendwann auch mal weg von dieser Schiene, zumal es in diesen Gefilden nicht allzu viel Gestaltungsfreiraum gibt, da es schwierig genug ist, die Töne überhaupt zu treffen und zu halten........ Von der Glaubwürdigkeit auf der Bühne will ich gar nicht erst reden. Maske und Kostüm schaffen zwar eine ganze Menge, aber bei den brutalen Medienmethoden unserer Tage mit Nahaufnahmen etc hilft auch das irgendwann nicht mehr. Ich habe z.B. keine Lust mehr , eine Gruberova in Rollen jugendlicher Feenwesen zu sehen (auch nicht zu hören, aber das ist Geschmacksache). Selbst zierliche und sehr jugendlich wirkende Kolratursoprane wie Nathalie Dessay oder Patricia Sciofi wissen, wann damit Schluss ist oder haben keine Lust mehr darauf. Die verschiedenen Entwicklungsmöglichkeiten, die Zweilicht oben aufgezeigt hat, sind dann sehr individuell verschieden und hängen im Profibereich natürlich auch vom guten oder schlechten Coaching, der Konstitution und der Ökonomie der Mittel ab. Wer immer nur auf Koloraturtechnik gedrillt wurde wird vielleicht den Weg ins leichtere lyrische Fach gehen können, "robustere" Stimmen à la Edda Moser ins Dramatische etc Etliche Karrieren brechen aber auch einfach ab, freiwillig , weil frau nichts Anderes singen will oder weil die Stimme einfach nichts Anderes hergibt. Die Rolle eines guten Gesangslehrer oder Stimmcoachs ,wie es heute oft heisst, ist entscheidend in solchen Fällen. Das gilt genauso für die sogenannten Tenore die Grazia wie z.B. Juan Diego Flores- die stehen vor demselben Dilemma, nur ohne die starken Auswirkungen dieser hormonelle Zäsur um die 50. Selbst wenn Männer auch eine Midlife crisis haben, sie ist weniger biochemisch relevant als bei Frauen.
      Was nun Diana Damrau angeht, kann ich mir nicht wirklich ein Urteil erlauben, da ich sie live leider nicht gehört habe. Wenn sie keine grosse Stimme hat (was man nur live wirklich beurteilen kann, ich vergesse nie mein Schockerlebnis mit Cecilia Bartoli. von Cd zum Konzert..) ist sie im Opernfach sehr auf die Mitarbeit der Mitsänger,Dirigenten und Orchester angewiesen. Gut getragen geht Vieles. Das Zeug zu lyrischen Koloraturrollen mit dramatischen Einsprengsel wie etwa Leila oder Traviata hat sie allemal. Vielleicht wird sie auch noch andere Verdi-Rollen singen, Puccini, Mozart... sehr viel frz. Repertoire, das mir ziemlich ideal scheint. Ich habe sie sehr sehr gerne auch im Lied, wer weiss, wozu sie Lust hat. Sie scheint intelligent und bodenständig zu sein und wird sicher ihren Weg gehen.
      Ich habe übrigens den Eindruck, dass frühere Koloraturkarrieren wie etwa Erna Berger, Rita Streich, Wilma Tipp etc einfacher und gradliniger waren, weil nicht erwartet wurde, dass man solche Wandlungen vollzieht und bis 65 auf der Bühne steht. ausserdem gab-gibt es auch die Operette , die oft ideal für leichtere Stimmen ist .Aber vielleicht irre ich mich da auch. mangels hinreichender Informationen. Liebe Grüsse aus Frankreich :fee:
      Jede Krankheit ist ein musikalisches Problem und die Heilung eine musikalische Auflösung (Novalis)
    • Danke für die Erläuterungen, Fairy! :thumbup:

      FairyQueen schrieb:

      Als erfahrene und reifende Persönlichkeit will frau irgendwann auch mal weg von dieser Schiene, zumal es in diesen Gefilden nicht allzu viel Gestaltungsfreiraum gibt, da es schwierig genug ist, die Töne überhaupt zu treffen und zu halten.....
      Kann ich mir gut vorstellen.

      FairyQueen schrieb:

      Was nun Diana Damrau angeht, kann ich mir nicht wirklich ein Urteil erlauben, da ich sie live leider nicht gehört habe. Wenn sie keine grosse Stimme hat (was man nur live wirklich beurteilen kann, ich vergesse nie mein Schockerlebnis mit Cecilia Bartoli. von Cd zum Konzert..) ist sie im Opernfach sehr auf die Mitarbeit der Mitsänger,Dirigenten und Orchester angewiesen. Gut getragen geht Vieles. Das Zeug zu lyrischen Koloraturrollen mit dramatischen Einsprengsel wie etwa Leila oder Traviata hat sie allemal. Vielleicht wird sie auch noch andere Verdi-Rollen singen, Puccini, Mozart... sehr viel frz. Repertoire, das mir ziemlich ideal scheint. Ich habe sie sehr sehr gerne auch im Lied, wer weiss, wozu sie Lust hat. Sie scheint intelligent und bodenständig zu sein und wird sicher ihren Weg gehen.
      Damraus Stimme hat mehr Volumen als Bartolis, aber eben doch Grenzen. Mozart-Rollen klar, französisches Fach ja (Meyerbeer steht momentan im Fokus), Puccini teilweise ja (Mimi und Lauretta hat sie ja schon in Ausschnitten getestet), bei Verdi außer Violetta und Gilda vielleicht noch Luisa Miller, Boccanegra-Amelia (?), Don Carlo-Elisabetta (Arie aus dem 4. bzw. 5. Akt hat sie schon einmal ausprobiert)? Bei Strauss hat sie Sophie und Zerbinetta hinter sich gelassen, als Marschallin oder Ariadne höre ich sie erstmal nicht, als Salome kann ich sie mir nicht vorstellen. Dann vielleicht irgendwann Lohengrin-Elsa...

      Alles Spekulation. Als Liedsängerin schätze ich Damrau auch sehr, z.B. ihre Mahler- und inb. die Liszt-CD. Bei den Vier letzten Liedern hatte ihre Textgestaltung fast etwas schwarzkopfhaftes, das fand ich frappierend. Ihre nächsten Auftritte im Februar hat sie zusammen mit Jonas Kaufmann, sie singen das Italienische Liederbuch von Hugo Wolf. Leider in viel zu großen Sälen mit über 2000 Plätzen - Philharmonien in Berlin, Hamburg, München, Alte Oper in Frankfurt, Festspielhaus in Baden-Baden, am geeignetsten ist wohl noch der Wiener Musikvereinssaal. Während man mit dem Italienischen Liederbuch sonst kaum einen Kammermusiksaal füllen kann, reißen sich die Leute bei dieser Besetzung natürlich um die Karten. Für viele wahrscheinlich der Erstkontakt mit Hugo Wolf...

      :wink:
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    • Zwielicht schrieb:

      Für viele wahrscheinlich der Erstkontakt mit Hugo Wolf...
      Vermute ich auch :D Schade ist das. Gehört hier natürlich nicht hierher, aber ich empfinde es als Sakrileg, diese Miniaturen in solchen großen Sälen aufzuführen, die dem intimen Charakter dieser Miniaturen völlig zuwiderlaufen.

      Die Liszt-Platte fand ich ganz hervorragend! Und ehrlich gesagt, mein erster umfassender Kontakt mit dem Liedschaffen Franz Liszts.
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      Cato der Ältere
    • Lieber Zwielicht und lieber Caesar, Ich bin von den Mahler- und Liszt Lieder auch ganz begeistert. :clap: :spock1:
      Und ich habe Diana Damrau schon vor Jahren dafür bewundert. Als Koloratursopran ist sie weder bei Mahler noch bei Liszt wirklich gut bedient und "brillieren" kann man damit auch nicht gerade. Wenn man Recitals anderer Fachkolleginnen damit vergleicht, fällt sie jedenfalls ziemlich aus dem Rahmen. Das zeigt, dass es ihr nicht in erster Linie um die Lorbeeren sondern um die Kunst geht.
      Ich finde Hugo Wolf-Lieder in Riesensäalen auch total unangebracht und stelle mir gerade vor, wie man sich als Sänger und Pianist dabei fühlt...... ich hoffe, das wird keine ästhetischen Auswirkungen auf die Interpretation haben oder gar zum Forcieren verleiten. . Für das von mir sehr geliebte Liedrepertoire selbst kann es allerdings nur gut sein, wenn Stars wie Damrau und Kaufmann (DAS deutsches Spitzentraumpaar) es aus seiner Nische holen. Wie wir erfahren haben, werden ja sogar renommierte Forianer erst durch Starbesetzung ans Lied herangeführt...... :thumbsup:
      Hier im Forum wird ja hoffentlich davon berichtet werden, wenn die oder der ein oder andere eines dieser Konzerte besuchen kann. Was Damraus weiteren Opernweg angeht, hängt das sicher auch von ihrem persönlichen Geschmack ab. Mittlerweile ist sie ja in einer Liga angekommen, in der sie selbst bestimmt , was sie singen will und was nicht ;und wie schon gesagt hängt ganz viel auch von den Partnern, Orchestern, Dirigenten und Räumlichkeiten ab. In kleineren Häusern kann man manchmal Rollen singen, von denen man in grossen Häusern nicht mal zu träumen wagt. Beruhigend, zu lesen, dass sie live dann doch etas mehr Stimme hat als Bartoli......wobei das nichts gegen Bartoli herausragende künstlerische Leistung sagt, mit der sie den Mangel an Volumen vergessen lässt. Zumindest dann, wenn sie allein auf der Bühne steht oder auf Händen getragen wird.

      Danke für den Hinweis zur Perlenfischer DVD. :fee:
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    • Liebe Fairy, ich habe gerade einmal auf YouTube geschaut, dort findest Du Ausschnitte aus den Perlenfischern, Du kannst ja mal reinhören :D
      Herzliche Grüße
      Christian
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      Cato der Ältere