Neues auf dem Büchermarkt

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    • Neues auf dem Büchermarkt

      Ab sofort wälzbar (ich warte auf das TB): der fünfte (?) Roman von Michel Houellebecq in deutscher Übersetzung. (wobei mir da gerade auffällt, dass bereits der vierte unbemerkt an mir vorrübergegangen ist...)

      Ins Gebüsch verliert sich sein Pfad, hinter ihm schlagen die Sträuche zusammen.
    • War lange vergriffen, ab 9. April wieder erhältlich und bereits auf meiner Bestellliste:



      Zitat amazon:

      "Wunderbar und lebendig geschrieben, spannt Nataschas Tanz den Bogen vom Glanz des Petersburger Zarenhofs bis zur Macht der stalinistischen Propaganda, von der Volkskunst bis zu den magischen Ritualen der asiatischen Schamanen, von der Dichtung Puschkins bis zur Musik Mussorgskis und den Filmen Eisensteins. Die Beleuchtung dieser oft widersprüchlichen Impulse und sinnlichen Gemeinsamkeiten würdigt die Größe der russischen Kultur und die bemerkenswerten Persönlichkeiten, die sie geprägt haben. Nach seinem Meisterwerk zur russischen Revolution, Die Tragödie eines Volkes, legt der junge Londoner Historiker Orlando Figes nun sein nächstes großes Russland-Buch vor, das ebenfalls das Zeug zu einem Standardwerk hat."
      Unsre Freuden, unsre Leiden, alles eines Irrlichts Spiel... (Wilhelm Müller)
    • amelia grimaldi schrieb:

      War lange vergriffen, ab 9. April wieder erhältlich und bereits auf meiner Bestellliste:

      Ein wirklich empfehlenswertes Buch! Habe es seinerzeit mit viel Gewinn gelesen: Wer auf fundierte Weise etwas über "russische Seele" erfahren will, ohne in Klischees ertränkt zu werden, ist hier genau richtig. Und lebendig geschrieben ist es auch.

      :wink:
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
      Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
      Helmut Lachenmann
    • Gurnemanz schrieb:

      Ein wirklich empfehlenswertes Buch! Habe es seinerzeit mit viel Gewinn gelesen: Wer auf fundierte Weise etwas über "russische Seele" erfahren will, ohne in Klischees ertränkt zu werden, ist hier genau richtig. Und lebendig geschrieben ist es auch.
      Im vorigen Jahr habe ich "Die Flüsterer" gelesen, das fand ich sehr beeindruckend. "Nataschas Tanz" habe ich jetzt ebenfalls vorbestellt (dem Capriccio-Verein wird die Provision ausnahmsweise entgehen, weil ich Bücher immer in der örtlichen Buchhandlung bestelle...). Bin sehr gespannt. Vielen Dank für den Tipp!

      Viele Grüße,

      Christian
      Jeder Eindruck, den man macht, schafft Feinde. Um populär zu bleiben, muss man mittelmäßig sein.
      Oscar Wilde
    • Liebe Carola,

      da ich das Buch gerade nicht vor mir habe (auch die Lektüre liegt schon etwas zurück), aus dem Gedächtnis und etwas holzschnittartig geantwortet: "Nataschas Tanz" bezieht sich tatsächlich auf Tolstoi: Eine russische Adlige hört von ferne eine russische Musik, einen Bauerntanz o. ä., und obwohl sie der eigenen nationalen Tradition völlig entfremdet ist (der russische Adel sprach damals fast ausschließlich französisch), beginnt sie intuitiv, in russischer Art zu tanzen (das originale Russentum bricht durch die verwestlichte zivilisierte Fassade, so in etwa Tolstois Intention). Orlando Figes entwickelt daraus so etwas wie die Entstehung des russischen Nationalbewußtseins im 19. Jahrhundert. Auch das Klischee der "russischen Seele" ist wohl eine Erfindung dieser Zeit.

      Aufschlußreich finde ich auch, wie die Entstehung der russischen Sprache erläutert wird, als mehr oder weniger künstliche Synthese der Sprache a) der Bauern, b) der Bürokratie und c) der Kirche (aus dem Altslawischen). Die drei Sphären existierten bis ca. 1800 noch relativ getrennt voneinander. Die Bedeutung von Krylow, Puschkin u. a. besteht offenbar nicht nur darin, daß sie bedeutende Literatur schufen, sondern damit auch die russische Sprache selbst "erfanden". Daß z. B. Puschkin in Rußland so große Verehrung fand, liegt wohl auch darin.

      Zu Deiner Frage: Tolstoi (und Dostojewski) werden ausführlicher gewürdigt, wenn ich mich richtig erinnere.

      :wink:
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
      Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
      Helmut Lachenmann
    • Der Humangeologe/Soziologe/Historiker/... Karl Schlögel macht seinem neuesten Moskau-Buch (Terror und Traum: Moskau 1937) dadurch selbst Konkurrenz, indem sein Stadtportrait aus dem Jahre 1984 nun in erweiterter Form wiederveröffentlicht wurde: Moskau lesen

      (mit "Blick ins Buch"-Funktion)

      Schlögel erzählt Geschichte anhand von Stadtgeschichte (um Missverständnissen vorzubeugen: es geht hier nicht um die Literaturgeschichte Moskaus!). Der Hauptteil ist einigermaßen reich bebildert, der Anhang, aus neueren kurzen Texten über Moskau bestehend, ist nicht bebildert. Insofern "täuscht" der Buchtitel mit der Silhouette von "Moscow City". Schlögels Moskaubücher scheinen sich mir auf den ersten Blick zu ergänzen statt sich zu wiederholen - kurzweiliger, leserfreundlicher und immer noch aktuell scheint mir "Moskau lesen" zu sein. Aber das ist nur eine Prognose nach dem ersten Durchblättern.

      :wink:
      Ins Gebüsch verliert sich sein Pfad, hinter ihm schlagen die Sträuche zusammen.
    • "Walküre in Detmold" von Ralph Bollmann

      Vor etwa dreissig Jahren hatte ich den Traum, wenigstens einmal in jedem deutschen Opernhaus zu Gast gewesen zu sein. Damals war das Gebiet der alten Bundesrepublik noch etwas kleiner und auch wenn heute in meiner persönlichen Statistik sogar solche Theater wie Altenburg oder Gera auftauchen, in jenen von z. B. Dortmund oder Gelsenkirchen war ich bisher noch nie.

      Einer, der genau das getan hat, nämlich alle Opernhäuser in unserem grösser gewordenen Land zu besuchen (es sind über 80), ist der Journalist Ralph Bollmann. Im Zeitraum zwischen 1997 und 2010 hat er Aufführungen an vielen Bühnen besucht, die manchen nur dem Namen nach, wenn überhaupt, bekannt sind. Das Buch heisst „Walküre in Detmold“ und ist bei Klett-Cotta zum Preis von € 19,95 erschienen.



      Ralph Bollmann ist kein Feuilletonist, er war 13 Jahre lang Politredakteur bei der in Berlin erscheinenden „tageszeitung“ und wechselte im Jahr 2011 zur Sonntagszeitung der „Frankfurter Allgemeinen“. Von Haus aus hat Bollmann Geschichte, Politik und öffentliches Recht studiert – und da liegt auch ein Problem seines Buches. Man erfährt viel über die politischen und historischen Zusammenhänge in den besuchten Orten, aber manchmal verhältnismässig wenig über die Aufführungen, die Bollmann gesehen hat. Von etwa drei Buchseiten pro Ort entfallen so schon mal gerade zehn Zeilen auf das örtliche Theater und die dazugehörige Vorstellung. Im Extremfall wird noch nicht mal diese erwähnt, man kann sie in der Legende am Ende des Buches heraus suchen (so z. B. beim „Poro“ von Händel in Halle). Kurioserweise erfährt der Leser zwar, dass auf Bollmanns persönlichem Spielplan für Essen die „Walküre“ von Wagner stand, aber statt zu dieser Produktion etwas mitzuteilen, gibt es zur „Götterdämmerung“ am gleichen Ort ungleich mehr Information im Text. Hagens Mannen als Skinheads werden vorgestellt und auch der Name des Regisseurs, Barrie Kosky, wird genannt – der von Dietrich Hilsdorf, der die „Walküre“ inszeniert hat, fällt nicht.

      Ein letzter, kleiner Kritikpunkt: die Reise wird im Buch nach Bundesländern zusammengefasst, nicht in der zeitlichen Abfolge, wie Bollmann die einzelnen Städte besucht hat. Die kann man dann in der Legende, die das Buch abschliesst, nachlesen. Dadurch entstehen Zeitsprünge, die im Einzelfall etwas verwirren können.

      Dass man das knapp dreihundert Seiten starke Buch ungern wieder aus der Hand legt, ist der individuell gefärbten, leicht verständlichen Erzählweise von Ralph Bollmann geschuldet. Bollmann schafft es, die historischen Zusammenhänge kurz zu umreissen, so dass man Lust bekommt, sich damit auch einmal näher zu beschäftigen. Er beschreibt Städte und ihre Schönheiten und Probleme so, dass man sich im Internet nach Bildmaterial umsieht, um einen Eindruck von der Orten zu gewinnen und, im günstigsten Fall, einen Besuch in Erwägung zu ziehen (so z. B. im Pückler Schloss und Garten in Branitz, was mir bislang völlig unbekannt war) und auch, wenn die Reiseberichterstattung manchmal ein wenig durcheinander gerät zwischen persönlich-anekdotischem und aktueller (Stadt-)Politik – unterhaltsam ist die Lektüre allemal.

      Wenn man selbst immer wieder einmal Theatervorstellungen jenseits der grossen Metropolen besucht, dann weiss man, worüber Ralph Bollmann spricht, wenn er von den Schwierigkeiten erzählt, zu ungewöhnlichen Zeiten ein geöffnetes Restaurant zu finden oder eine annehmbare Unterkunft im voraus zu buchen.

      Als „roter Faden“ dienen die Theaterbesuche und wenn auch Ralph Bollmann manchmal eine Aufführung gesehen hat, die er als nicht gelungen bewertet, es sind die vielen, positiven Erfahrungen, von denen Bollmann berichtet, die ein echtes Loblied auf die sog. Provinz sind. Mit welchem Engagement manch kleines Haus seine Aufgabe angeht und selbst Wagner-Aufführungen mit gerade einmal 50 oder 60 Musiker/innen zum Erfolg werden lässt, wie sehr auch jenseits der grossen Städte spannende, zeitgemässe Inszenierungen ihr Publikum finden, macht staunen. Leider auch, wie wenig manchmal die Verantwortlichen und die Bürger vor Ort diese Schätze zu würdigen wissen.

      Die titelgebende „Walküre“ von Wagner in Detmold war jedenfalls für Bollmann ein voller Erfolg, musikalisch, wie szenisch. Neugierig geworden, habe ich mir die Homepage des Detmolder Hauses angeschaut und habe gesehen, dass der gesamte „Ring“ auf dem Plan steht, die Bilder sind vielversprechend und Detmold schafft es, alle vier tragenden Tenorpartien mit einem einzigen Sänger zu besetzen, Johannes Harten. Die Inszenierung stammt von Kay Metzger, dem Detmolder Intendanten, der lange Jahre leitende Funktionen am Theater in Halberstadt inne hatte und für eine „Lohengrin“-Neuinszenierung in der kommenden Spielzeit dorthin als Gast zurückkehren wird. In Detmold steht eine „Parsifal“-Inszenierung von Metzger an, vielleicht passt es bei mir terminlich.

      Überhaupt war es für mich erstaunlich, wie wenig provinziell die Inszenierungen gerade an den kleineren Häusern im Osten aussehen. Einen „Faust“ von Gounod in Freiberg hätte ich mir nie so vorgestellt, wie ihn Kay Kuntze auf die Bühne gebracht hatte, mit einem Faust im Pflegeheim und einem Mephisto, der auf einem modernen Flachbildschirm auftaucht.

      Kay Kuntze hat gerade jetzt die Intendanz in Altenburg/Gera übernommen – er löste dort Matthias Oldag ab, der beachtliches in den beiden Thüringer Städten geleistet hat, aber ob der finanziellen Situation vor Ort entnervt aufgab.

      Wer also Freude an einer kleinen Lesereise durch unser Land und seine Opernhäuser hat, dem sei „Walküre in Detmold“ empfohlen, es macht Spass, mit Ralph Bollmann auf Tour zu gehen.
      Der Kunst ihre Freiheit
    • Das muß ich wohl auch noch bei den Regisseuren einsortieren, dennoch:

      Der Beitrag in der Kulturzeit (3sat.de/page/?source=/kulturzeit/lesezeit/156894/index.html) vom Montag, dem 19.9.2011 sowie die abschliessenden Worte von Cecile Schortmann über das Buch haben mir so gut gefallen, daß ich es gleich bestellt habe, und eben kam es. Ich freue mich schon auf eine sehr unterhaltsame Lektüre:



      Matthias
      "Bei Bachs Musik ist uns zumute, als ob wir dabei wären, wie Gott die Welt schuf." (Friedrich Nietzsche)
      "Heutzutage gilt es schon als Musik, wenn jemand über einem Rhythmus hustet." (Wynton Marsalis)
      "Kennen Sie lustige Musik? Ich nicht." (Franz Schubert)
      "Eine Theateraufführung sollte so intensiv und aufregend sein wie ein Stierkampf." (Calixto Bieito)
    • Einer Zeitungsnotiz verdanke ich den Hinweis. Die Ludwiggalerie im Schloss Oberhausen zeigt ab dem kommenden Wochenende eine Ausstellung über den Schöpfer des Käpt`n Blaubär: Walter Moers. Und für den 5.10. wird die Veröffentlichung dieses Wälzers angekündigt

    • Books on Demand

      Als hätte es früher nicht genug Scheiße auf dem Büchermarkt gegeben, wird mit Books on Demand alles noch schlimmer.
      "Books on Demand" kosten dem Verlag nicht viel Geld. Man schreibt eine Inhaltsangabe, die man irgendwo veröffentlicht, und wenn jemand Interesse hat, wird das Buch dann als Ein-Stück-Auflage zusammengeschustert und dem Käufer zugestellt. Ist eine ganz praktikable Lösung für beispielsweise Diplom/Magisterarbeiten, die für andere fünf Menschen auf diesem Planten interessant sein könnten (Das Sexualverhalten von 15 Wochen alten Regenwürmern bei 20 Gard Celsius in der Raumstation Mir).
      Mittlerweile wird, wie ich gerade zufällig bei amazon rausgefunden habe, jeder Dreck als Book on Demand angeboten. Es gibt da reihenweise Bücher, die wohl schnellschnell zusammengestrickt wurden, die wikipedia-Beiträge missbrauchen für das schnelle Geld mit windigem Mist. Die Produktbeschreibung gesteht das sogar ein: "Dieser Inhalt ist eine Zusammensetzung von Artikeln aus der frei verfügbaren Wikipedia-Enzyklopädie."

      schaut euch mal beispielsweise dieses überteuerte Ding an:



      Zu jeder Metrostation in St. Petersburg gibt es ein englischsprachiges Book on Demand, das mit wikipedia-Artikeln und anderem zusammengeklauten Zeug Kohle machen will. 33,99 für beispielsweise 52 Seiten.

      Ich finde das übel. Das ist Spam auf dem "Büchermarkt" bzw. bei amazon. Eine solche Geschäftemacherei sollte der Buchhandel und amazon nicht unterstützen!

      :wink:
      Ins Gebüsch verliert sich sein Pfad, hinter ihm schlagen die Sträuche zusammen.
    • Es gibt wohl auch eine Reihe von Verlagen, die sich auf diese Verwurstung von WP-Inhalten spezialisiert haben. Schon früher sind mir bei Amazon und jpc Book-on-demand-Ausgaben von Klassikern aufgefallen, die bereits im Titel schwerwiegende Verschreiber aufwiesen. Auf der anderen Seite scheint es nun nicht mehr sonderlich schwierig zu sein, eigene Texte gedruckt zu veröffentlichen.

      :wink:
      Nur weil etwas viel Arbeit war und Schweiß gekostet hat, ist es nicht besser oder wichtiger als etwas, das Spaß gemacht hat. (Helge Schneider)
    • Ich sehe darin nichts Schlimmes. 'Das Buch' stand noch nie für Qualität. Allenfalls standen Verlage oder Reihen für Qualität. Und On Demand ist eine Möglichkeit für jeden, sein Zeug rauszubringen, ob es Müll ist oder nicht, ohne von vornherein Papier zu verschwenden.
      Ich bin weltoffen, tolerant und schön.
    • kunnukun schrieb:

      Ich sehe darin nichts Schlimmes. 'Das Buch' stand noch nie für Qualität. Allenfalls standen Verlage oder Reihen für Qualität. Und On Demand ist eine Möglichkeit für jeden, sein Zeug rauszubringen, ob es Müll ist oder nicht, ohne von vornherein Papier zu verschwenden.


      Na ja, wenn man im Netz nach Büchern sucht, ist es schon nervig intellektuellen Extra-Aufwand betreiben zu müssen, um diese Ausfälle auszusieben.
      Nur weil etwas viel Arbeit war und Schweiß gekostet hat, ist es nicht besser oder wichtiger als etwas, das Spaß gemacht hat. (Helge Schneider)