Operette des Monats April "Das kleine Hofkonzert" von Edmund Nick

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • Operette des Monats April "Das kleine Hofkonzert" von Edmund Nick

      Operette des Monats April "Das kleine Hofkonzert"

      Nick, Edmund
      Edmund Nick wurde am 22. September 1891 in Reichenberg (Böhmen) geboren. Er studierte Jura in Wien und Graz, promovierte 1918 und besuchte die Wiener Musikakademie und das Dresdener Konservatorium. Nick war musikalischer Leiter des Schlesischen Rundfunks und wirkte bei dem Kabarett „Die Katakombe“ mit. Er war u.a. Konzertbegleiter und Musikkritiker. 1949 erhielt er eine Professur an der Musikhochschule in München und war später in leitender Stellung im WDR in Köln tätig. Er schrieb Bühnen- und Filmmusiken sowie musikalische Lustspiele und Operetten, von denen „Das kleine Hofkonzert“ die größten Erfolge hatte. Edmund Nick starb am 11. April 2974 in Geretsried bei München.

      Das kleine Hofkonzert
      Ein musikalisches Lustspiel in 3 Akten (10 Bildern) Musikalisches Lustspiel aus der Welt Spitzwegs
      UA: München 1935, T.: Paul Verhoeven und Toni Impekoven

      Personen:
      Christine Holm, Sängerin – Sopran
      Serenissimus, Herrscher eines Kleinstaates – Sprechrolle
      Hofmarschall von Arnegg – Sprechrolle
      Leutnant Walter von Arnegg, sein Sohn – Tenor
      Zunder, ein sächsischer Kaufmann – Sprechrolle
      Oberst von Flumms und seine Gattin, der Hofmedikus, der Hofkapellmeister, der arme Poet Emil Knipp – Sing- und Sprechrollen
      Der Apotheker und seine Frau Mona – Sprechrollen
      Hanne, ihre Tochter – Sopran
      Jakob, Provisor- Buffo
      Bürgermeister, der Wirt „Zum silbernen Mond“, Hofdamen und –herren, Hofbeamte, Bürger, Wachen, Musikanten, Soldaten

      Kleine deutsche Residenz um 1840

      1.Akt
      Um ihren Vater zu besuchen, reist Christine Holm mit der Postkutsche und einem weiteren Reisenden, Kaufmann Zunder, in eine kleine Residenzstadt.
      Am Zolltor werden sie von Leutnant Walter von Arnegg angehalten und kontrolliert, wobei Walter sich mehr für die Dame, als für die Zollpapiere interessiert zum Ärger von Zunder, der auf seinen Wutausbruch nun noch strenger unter die Lupe genommen wird, er ist auch als Schmuggler bekannt. Er beschwert sich über diese Behandlung.

      Christine wohnt im Hotel „Zum silbernen Mond“, dass ihr der Leutnant empfohlen hat. Sie ist froh wieder in ihrer Heimatstadt zu sein und genießt den Abend. Sie beobachtet ein junges Liebespaar, Hanne und Jakob, die sich herzlich umarmen und küssen. Leutnant Walter kann das kurze Zusammentreffen an der Grenze nicht vergessen und sie geht im nicht mehr aus dem Sinn.
      Ein Hofkonzert ist geplant und Oberst Flumms, Hofmarschall von Arnegg und der Hofmedikus beraten über das bevorstehende Ereignis. Auf dem Balkon des Hotel sehen sie Christine und sind von ihrem Anblick und ihrem Liebreiz überwältig. Leutnant Walter, der „zufällig“ vorbeikommt, bringt Zunder dazu sich bei Christine wegen der Beschwerde am Zollpunkt über die zuvorkommende Behandlung zu entschuldigen, dabei erfahren die Herren wer sie ist.
      Um der Liebelei zwischen Hanne und Jakob ein Ende zu machen, schickt der Apotheker seine Tochter auf ihr Zimmer. Die Herrengesellschaft geht ins Haus und Walter nähert sich charmant Christine, die natürlich von seiner draufgängerischen Art sehr angetan ist.
      Zunder kann den Vorfall an dem Zollpunkt nicht vergessen und beschwert sich bei den zuständigen Honoratioren, das geht so weit, dass diese überlegen Christine auszuweisen, falls es zu Problemen irgendwelcher Art kommen sollte. Schnell bekommen sie heraus, dass Christine ein uneheliches Kind ist und hier nach ihrem Vater sucht. Walter belauscht das Gespräch und verteidigt Christine, die er als seine Braut ausgibt. Christine ist erleichtert und geht auf das Spiel ein.

      2.Akt
      Der Tratsch in der Kleinstadt wütet und schnell spricht sich herum, dass der Sohn des Hofmarschalls mit Christine verlobt sei. Gerne würde der Leutnant in Wirklichkeit mit der hübschen Christine verlobt sein, doch sein Vater verbietet es ihm, er soll sie über die Grenze bringen.
      Christine besucht inzwischen den armen Poeten, sie hoffe von ihm etwas über ihren Vater zu erfahren. Doch der alte Herr möchte oder kann nichts sagen, nur dass er ihre Mutter, die eine bekannte Sängerin war, gekannt hat. Er lebt mehr oder weniger schlecht von gelegentlich geschriebenen Gedichten. Gerade hat er einen Auftrag von Hanne und Jakob bekommen. Christine selber hat ein Gedicht von Knipp aus dem Nachlass ihrer Mutter das mit den Worten beginnt: „Wenn des Abends dunkle Schleier“.
      Leutnant Walter will seinen Dienst quittieren, er möchte Christine nicht abschieben müssen, im Gegenteil, er möchte sie heiraten.
      Die Vorfreude Serenissimus für das morgige Konzert wird getrübt als er erfährt, dass die Sängerin erkrankt ist. Da ist guter Rat teuer. Sein Bibliothekar rät ihm die Sängerin Christine Holm zurückzuholen, die für die erkrankte Sängerin singen könnte. Dabei erinnert sich der Herrscher an seine Jugendzeit, dass er vor 25 Jahren eine Affäre mit einer Sängerin hatte.
      Christine wird auf dem Wege zur Stadtgrenze von Leutnant Walter gestoppt und er überredet sie doch zurückzukommen. Sie willigt ihm zuliebe ein.

      3.Akt
      Der Herrscher Serenissimus empfängt Christine sehr galant. Doch sie ist nicht sehr begeister, da ihr niemand bei der Suche nach ihrem Vater hilft. Serenissimus verspricht ihr zu helfen und sie verspricht im Gegenzug zu singen.
      Doch die Nachforschungen ergaben nichts. Da der Fürst aber sein Versprechen halten möchte, befiehlt er dem Poeten mit 500 Gulden den Vater Christines zu spielen. Er weiß nicht so recht wie ihm geschieht, schickt sich aber drein.
      Das Konzert ist ein großer Erfolg und Christine singt als Zugabe das von Knipp für ihre Mutter verfasste Lied. Serenissimus allerdings schweigt über diese Erinnerung und erhebt stattdessen den alten Knipp in den Adelsstand und Leutnant Walter kann nun endlich seine Christine heiraten.

      Noch mal jung sein, noch mal dumm sein
      Einen Sommer lang
      Wunderschön ist es verliebt zu sein
      Leben ohne Liebe kann man nicht
      Wenn des Abends dunkler Schleier
      viele Grüße von musica
    • musica schrieb:

      Nick, Edmund
      Edmund Nick wurde am 22. September 1891 in Reichenberg (Böhmen) geboren. Er studierte Jura in Wien und Graz, promovierte 1918 und besuchte die Wiener Musikakademie und das Dresdener Konservatorium. Nick war musikalischer Leiter des Schlesischen Rundfunks und wirkte bei dem Kabarett „Die Katakombe“ mit. Er war u.a. Konzertbegleiter und Musikkritiker. 1949 erhielt er eine Professur an der Musikhochschule in München und war später in leitender Stellung im WDR in Köln tätig. Er schrieb Bühnen- und Filmmusiken sowie musikalische Lustspiele und Operetten, von denen „Das kleine Hofkonzert“ die größten Erfolge hatte. Edmund Nick starb am 11. April 2974 in Geretsried bei München.
      ... und er hat sich am Versuch beteiligt, einen "nordischen Sommernachtstraum" zur Verdrängung Mendelssohns zu etablieren. Fred Prieberg ("Musik im NS-Staat") schreibt über Nick:

      "Der erste, der den zweifelhaften Ruhm für sich in Anspruch nehmen konnte, eine neue, eigene 'Sommernachtstraum'-Musik geschaffen zu haben, scheint Edmund Nick gewesen zu sein. Die Premiere fand am 15. September 1934 im Großen Schauspielhaus in Berlin statt, das gerade in 'Theater des Volkes' umgetauft worden war."

      Laut Nick war Intendant Walther Brügmann "begeistert" von seiner Musik, während selbst ein strammer Nazi wie Fritz Stege vom "Kampfbund für Deutsche Kultur" zugab:

      "Von Mendelssohn hätte Nick lernen können, wie man dem Wesen der dramatischen Vorlage gerecht zu werden vermag, ohne sich auf die Abwege musikalischer Geistreicheleien oder trivialer Salonmusik zu begeben."

      Viele Grüße,

      Christian
      Jeder Eindruck, den man macht, schafft Feinde. Um populär zu bleiben, muss man mittelmäßig sein.
      Oscar Wilde
    • Lieber Christian!

      Ich trete hoffentlich jetzt nicht in Nessel rein wenn ich Dir Recht gebe, die Musik zum "Hofkonzert" ist etwas "schal", um eine Ausdruck zu gebrauchen, der nicht Fadsein beinhalten soll. Einzig die kleine Arie "Wunderbar ist es verliebt zu sein" scheint mir gelungen, der Rest in Belangmusik um ein wenig Musik reinzubringen.

      Vielleicht gehe ich da zu scharf mit diesem Werk um, aber es ist eben meine Meinung.

      Liebe Grüße sendet Dir Peter aus Wien. :wink: :wink: :wink:
    • Naja Peter, stimmt schon, eigentlich ist es Klamauk und nicht mit anderen bekannten Operetten zu vergleichen, Warum diese nun gerade Operette des Monats wird, kann ich mir nicht erklären.
      Die beiden bekannten Lieder "Einen Sommer lang" und "Wunderschön ist es verliebt zu sein, sind ja ganz nett. :wink:
      viele Grüße von musica
    • musica schrieb:

      Naja Peter, stimmt schon, eigentlich ist es Klamauk und nicht mit anderen bekannten Operetten zu vergleichen, Warum diese nun gerade Operette des Monats wird, kann ich mir nicht erklären.
      Die beiden bekannten Lieder "Einen Sommer lang" und "Wunderschön ist es verliebt zu sein, sind ja ganz nett. :wink:


      "Operette des Monats" ist wohl nicht eine Qualitätsanzeige, sondern meint, dass dies die Operette ist, die im Monat April gesendet und mehrfach wiederholt wird.

      Was Nicks Rolle im Dritten Reich angeht, sollte man es mE nicht so hochhängen. Er war mit einer Halbjüdin verheiratet und ein strammer Konservativer, aber kein Weismann. Die Kompositon der Sommernachtstraum-Musik entstand im Zusammenhang mit einer konkreten Inszenierung. Ursprünglich sollte er Purcell-Musik auswählen, hat dann das "Elfen-Lied" komponiert, das dem Regisseur so gefiel, dass er ihn bat, doch die ganze Musik zu komponieren. Der Kritiker im Völkischen Beobachter fand sogar, dass diese Musik im Vergleich zu der von Mendelssohn deutlich schwächer sei und (wie sind noch im Jahr 1934) dass die Musik von Mendelssohn nicht ersetzbar sei (Quelle: Prieberg: Handbuch)

      Wenn es interessant ist, mache ich zu Nick einen eigenen Thread auf.

      Liebe Grüße Peter
      .
      Auch fand er aufgeregte Menschen zwar immer sehr lehrreich, aber er hatte dann die Neigung, ein bloßer Zuschauer zu sein, und es kam ihm seltsam vor, selbst mitzuspielen.
      (Hermann Bahr)
    • Peter Brixius schrieb:

      musica schrieb:

      Naja Peter, stimmt schon, eigentlich ist es Klamauk und nicht mit anderen bekannten Operetten zu vergleichen, Warum diese nun gerade Operette des Monats wird, kann ich mir nicht erklären.
      Die beiden bekannten Lieder "Einen Sommer lang" und "Wunderschön ist es verliebt zu sein, sind ja ganz nett. :wink:


      "Operette des Monats" ist wohl nicht eine Qualitätsanzeige, sondern meint, dass dies die Operette ist, die im Monat April gesendet und mehrfach wiederholt wird.


      Liebe Grüße Peter


      OK, vielleicht nimmt man gerade die etwas unbekannten Operetten, damit sie bekannter werden. Im Juni wird die Operette des Monats "Die Zirkusprinzessin sein", auch eine Operette, die wenig gespielt wird.
      Gestern sah ich im Fernsehen "die Geisha",.. .. selten und wenig bekannte Operette.

      Quellcode

      1. Wenn es interessant ist, mache ich zu Nick einen eigenen Thread auf.


      Das wäre sehr schön Peter, ich werde versuchen den Inhalt seiner Operette "Das Halsband der Königin" zu schreiben.
      viele Grüße von musica

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von musica ()

    • Liebe Musica!

      "Die Geisha" das ist eine der Operetten die, unverdientermaßen, kaum gepielt wird. Früher als es in Wien noch eine Operettenbühne gab - das Raimundtheater - da gab es die englische Operette auch, auch den "Mikado" und die französische Operette, jeden Tag en suite.

      Be der "Geisha" habe ich nur bemerkt, dass man in den 1970er Jahren manchmal Schauspieler nahm, wie den Chinesen der in Japan im Teehaus sich nicht wohlfühlt, gänzlich schlecht besetzt hat. Aber es ist wieder dem ZDF Theaterkanal, rühmlich, nachzutragen, dass diese Operetten überhaupt gespielt werden, wenn auch in Wiederholungen, denn die "Zirkusprinzessin" war erst im Vorjahr dran, jetzt warte ich nur noch auf's "Schwarwaldmädel" mit Wolfgang Windgassen, denn das habe ich leider mit sehr leisen Ton bekommen, wobei derjenige nichts dafür kann der es mir machte.

      Liebe Grüße und Handküsse sendet Dir Peter aus Wien. :wink: :wink:
    • Operette des Monats April "Das kleine Hofkonzert" von Edmund Nick

      Hallo Peter,

      ich hoffe, Ihr habt Euch in Wien von der Zweitbesetzung des Radames in Aida erholt.

      Windgassen leise, wie denn das. Als Orlofsky in der Fledermaus unter Böhm war er aber laut genut.

      LG, Eva Maria
    • oper337 schrieb:

      wie den Chinesen der in Japan im Teehaus sich nicht wohlfühlt, gänzlich schlecht besetzt hat


      Lieber oper337,



      meinen Sie Kurt Großkurth als Wun-Hi? Falls ja kann ich Ihre Einschätzung nicht teilen - ich finde Großkurth ist ein ausgezeichneter Operetteninterpret, der ja eine wesentliche Stütze des Radioensembles unter Franz Marszalek war. Er ist auch ausgebildeter Sänger. Vielleicht könnten Sie noch ein wenig ausführen, weshalb Sie ihn als "schlecht besetzt" empfinden.



      Was an diesen Fernsehinszenierungen wirkliche zu verdammen ist, sind die oft haarsträubenden Re-Orchestrierungen, die teilweise soweit gehen, daß die Eigenart des Originals soweit verlorengeht, daß man den Komponisten gar nicht mehr erkennt (etwa in der ZDF-Produktion der Dollarprinzessin oder auch der Geisha).



      Das Kleine Hofkonzert: ich finde man sollte nicht allzu streng mit diesem "musikalischen Lustspiel" ins Gericht gehen und es als historisches Relikt der Operettenliteratur betrachten. Thematisch liegt es im Jahr 1935 im Trend mit all jenen Biedermeier-Operetten um Maria Teresia u.a. etwa August Pepöcks Der Reiter der Kaiserin, die teilweise ideologisch so verbrämt sind, daß man sie nicht mehr genußvoll anhören kann. Man muß gar nicht allzu genau hinhören um die antisemitischen Seitenhiebe und die den Stücken imanente Nazi-Ideologie zu verstehen. Besonders abschreckendes Beispiel neben dem erwähnten sind die Kattnigg-Operetten Balkanliebe und Der Prinz von Thule.



      Im Vergleich dazu finden sich in Nicks Werkchen, daß ein wenig an den schlichten Tonfall der Opera-comique des 18.Jahrhundert erinnert, kaum Konzessionen an das Regime, in dessen Weltbild es dennoch paßt.
    • Kurth Großkurth war ein hervorragender Schauspieler, der in vielen Filmen und Operetten gespielt hat. Im Operettenfilm "Gräfin Mariza" spielte und sang er den Dragomir, neben Rudolf Schock und Christine Görner u.a.
      In Mörbisch spielte er in der Operette "Die ungarische Hochzeit" die Rolle des Kismarty.
      viele Grüße von musica
    • Liebe Musica,



      JA ich bin ein großer Fan von Kurt Großkurth und bedauere, daß man heutzutage allzu wenige Operettendarsteller von seinem Format findet beziehungsweise vor allem in Deutschland die Operette oft mit zu lyrischen Stimmen besetzt. Der französische Rundfunk hatte gleich mehrer Charakterkomiker dieses Formats allen voran Gaston Rey und die Operette lebt einst von diesen Darstellern und braucht sie wieder.



      In diesem Punkt sind die Fernseh-Operetten oftnals aufschlußreich. ich habe mir gerade gestern wieder einmal den ZDF-Ball im Savoy angeschaut, den ich sehr gelungen finde (auch wenn das Fernsehprodukt mit dem Original wenig zu tun hat). Verblüffend wie sich der nicht singen könnende Bert Fortell durch die Partie des Aristide mogelt - einfach großartig! Auch Klaus Löwitsch als Buffo ist eine tolle Besetzung, der dem Regiekonzept vollauf entspricht: statt Eleganz der 1920er Jahre Sportivität der 1970er. Grit Böttcher, die zwar gut singt nimmt man die Daisy allerdings nicht ab, da wirkt sie etwas zu brav (und leider auch etwas aufgesetzt).
    • Hallo Daniel,
      ich muss ganz ehrlich sagen, Operette verfilmt, ist überhaupt nicht mein Ding. Vor einigen Wochen brachte das Fernsehen den Vogelhändler mit Cornelia Frobess als Christel von der Post. Nicht das die Texte der Lieder nicht stimmten, auch die Rollen waren teilweise umbenannt und einige schöne Szenen und Lieder wurden einfach gestrichen. Schade drum.
      Ähnlich war es auch im Bettelstudent, in dem Ivan Rebroff den Oberst Ollendorf verkörperte. Diese Filme sind für mich mehr Klaumauk. :wink:
      viele Grüße von musica
    • Daniel Hirschel schrieb:


      Was an diesen Fernsehinszenierungen wirkliche zu verdammen ist, sind die oft haarsträubenden Re-Orchestrierungen, die teilweise soweit gehen, daß die Eigenart des Originals soweit verlorengeht, daß man den Komponisten gar nicht mehr erkennt (etwa in der ZDF-Produktion der Dollarprinzessin oder auch der Geisha).


      Ich denke, das braucht man dieser TV-Verfilmung nicht vorzuwerfen. Es handelt sich um die dritte Verfilmung, Regie führt Liebeneiner, der sehr sorgsam mit dem Stoff umgeht. Witz des Lustspiels ist es ja, 10 Bilder von Spitzweg zum Leben zu verhelfen und durch eine Handlung zu verbinden (einer der ursprünglichen Titel des Lustspiels war ja. 10 Szenen von Spitzweg)

      Das Kleine Hofkonzert: ich finde man sollte nicht allzu streng mit diesem "musikalischen Lustspiel" ins Gericht gehen und es als historisches Relikt der Operettenliteratur betrachten. Thematisch liegt es im Jahr 1935 im Trend mit all jenen Biedermeier-Operetten um Maria Teresia u.a. etwa August Pepöcks Der Reiter der Kaiserin, die teilweise ideologisch so verbrämt sind, daß man sie nicht mehr genußvoll anhören kann. Man muß gar nicht allzu genau hinhören um die antisemitischen Seitenhiebe und die den Stücken imanente Nazi-Ideologie zu verstehen. Besonders abschreckendes Beispiel neben dem erwähnten sind die Kattnigg-Operetten Balkanliebe und Der Prinz von Thule.


      Halten wir fest, musica hat zu Recht den Unterschied gemacht, bei dem "Kleinen Hofkonzert" handelt es sich um keine Operette. Nick hat auch Operetten geschrieben, dieses ist keine. Ein Vergleich mit Maria Theresia (deren gelungenste musikdramatische Vergegenwärtigung ja "Der Rosenkavalier" war) ist bei diesem sanft satirischen Duodez-Staat-Lustspiel. das in einer Kleinstadt spielt, mit dem großstädtischen Wien doch ein wenig daneben. Es ist deutlich Mitte des 19. Jahrhunderts situiert, nicht im Spätbarock. Ausgerechnet die Kleinstaaterei mit einem Serenissimus wird eher positiv gesehen als (NS-ideologiegetreu) einem "gesamtdeutschen" Denken entgegengesetzt. Negativ gesehen werden eher die Repräsentanten des kleinbürgerlichen "Sittlichkeitsvereins".

      Im Vergleich dazu finden sich in Nicks Werkchen, daß ein wenig an den schlichten Tonfall der Opera-comique des 18.Jahrhundert erinnert, kaum Konzessionen an das Regime, in dessen Weltbild es dennoch paßt.
      Gegenteil scheint sich das Stück eher in dieser Zeit wohl zu finden. Mit der opéra comique des 18. (war da nicht eher das 19. gemeint?) hat das Stück nichts zu tun, von der deutlich aufklärerischen Tendenz der opéra comiqur mit ihrer z.T. scharfen Satire kann ich nichts sehen.

      Dass sich Serenissimus am Ende nicht als Vater erklärt, scheint mir der Strickfehler der Inszenierung zu sein, als kinderloser Herrscher - und auch sonst so - wäre die offizielle Anerkennung der Tochter logisch - dass sie wohl wie er auch weiß, wie die tatsächlichen Verhältnisse sind, ist offensichtlich.

      Just my 5 cts

      Liebe Grüße Peter
      .
      Auch fand er aufgeregte Menschen zwar immer sehr lehrreich, aber er hatte dann die Neigung, ein bloßer Zuschauer zu sein, und es kam ihm seltsam vor, selbst mitzuspielen.
      (Hermann Bahr)
    • Nach der ausführlichen Antwort von Herrn Brixius gilt es nun einige Mißverständnisse auszuräumen:



      Diese Fernsehinszenierung des Hofkonzerts halte ich für eine der gelungenen - aber die originalen Orchestrierungen von Edmund Nick liefert sie dennoch nicht.



      Zitat Peter Brixius:



      "Ein Vergleich mit Maria Theresia (deren gelungenste musikdramatische Vergegenwärtigung ja "Der Rosenkavalier" war) ist bei diesem sanft satirischen Duodez-Staat-Lustspiel. das in einer Kleinstadt spielt, mit dem großstädtischen Wien doch ein wenig daneben"



      Ich habe den Vergleich nicht auf Kleinstadt-Großstadt bezogen sondern lediglich darauf, in welcher Weise das Kleinbürgertum in jenen Werken dargestellt wird und in diesem Sinne scheint ein Vergleich mit anderen im gleichen Zeitraum uraufgeführten Operetten durchaus legitim und keineswegs "daneben".



      Es wäre zu überprüfen, inwieweit die Fernsehinszenierung die Akzente gesetzt hat und inwieweit diese tatsächlich im Libretto, das ich besitze, angelegt sind. Neben einer Hörfunkaufnahme des NDR aus dem Jahre 1948 kenne ich das Werk aus einer weiteren Fernsehinszenierung des NDR (Regie: John Olden).





      Zitat Peter Brixius:



      " Mit der opéra comique des 18. (war da nicht eher das 19. gemeint?) hat das Stück nichts zu tun, von der deutlich aufklärerischen Tendenz der opéra comiqur mit ihrer z.T. scharfen Satire kann ich nichts sehen"



      Gemeint habe ich ausdrücklich die Opéra-comique des 18.Jahrhunderts als sie noch "comédie mêlée d'ariettes" gennant wurde - genau dieses dramaturgische Modell wurde im Kleinen Hofkonzert wiederbelebt und auch stofflich bewegt es sich im Rahmen eines wahrhaften und heiteren "tableau parlant".



      Von scharfer Satire ist in der Opera-comique kaum etwas auszumachen, schon gar nicht in den ländlich idyllischen Werken des 18.Jahrhunderts, auf die auch Offenbach rekurierte und die "Opéra-comique" à la Mozarts "Bastien und Bastienne" etc. wiederbeleben wollte. Die "scharfe Satire" ist wohl vor allem ein imanenter Bestandteil der Opéra-bouffe. Eine Ausnahme in diesem Zusammenhang bildet freilich Lecocqs La Fille de Madame Angot, die dem Trend ab etwa 1870 folgend wieder Opéra-comique hieß aber dennoch Gesellschaftssatire zu ihrem Gegenstand machte.