Brahms: Symphonie Nr. 1 c-Moll op. 68 - Aufnahmen

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • Brahms: Symphonie Nr. 1 c-Moll op. 68 - Aufnahmen

      [IMG:http://ecx.images-amazon.com/images/I/51NlVPVrGYL._SL500_AA300_.jpg]
      Norringtons HIP-Aufnahme erscheint mir dynamisch häufig zu vorsichtig bzw. zu undifferenziert - f und ff werden z.B. nicht wirklich unterschiedlich dargestellt. Vor allem ist sie rhythmisch und agogisch manchmal sehr starr, selbst in der Partitur eindeutig vorgeschriebene agogische Effekte wie das stringendo in der Einleitung zum IV. Satz werden nur halbherzig ausgeführt, was sehr schade ist. Hier und da schlägt auch Norringtons Neigung, stur die Eins zu akzentuieren, äußerst störend durch - meist da, wo Brahms rhythmisch "gegen den Strich" notiert, was er häufig tut.
      Einige interessante stereophone Wirkungen werden durch die "deutsche" Sitzordnung, in der die 1. und 2. Violinen sich links und rechts gegenübersitzen, erzielt, vor allem im IV. Satz. Ebenfalls im IV. Satz, nämlich in der "Choral"-Passage, fällt mir eine interessante klangliche Wirkung auf, die offenbar durch das verwendete "historische" Blasinstrumentarium bedingt ist - sind es die Fagotte oder die Posaunen, die da so anders als gewohnt, leicht schnarrend, klingen?
      Insgesamt aber ist das, vor allem durch ihre agogische Sturheit, eine sehr sehr langweilige Aufnahme.

      Die Zeiten:
      I. 14'56'' (mit Wh.)
      II. 8'03''
      III. 4'27''
      IV. 15'36''



      Das ist schon ziemlich absurd, dass Furtwängler offenbar nicht in der Lage war, einen Unisono-Schlag im Orchester zu koordinieren. Dass etwa das eminent wichtige fortissimo-C, mit dem der Hauptsatz des I. Satzes nach der langsamen Einleitung beginnt, als orchestrales Trommelfeuer daherkommt (und es gibt noch mehr solcher Momente, wenn auch keine an so exponierter Stelle), das ist doch eigentlich gar nicht akzeptabel. Auch sonst ist das in Hinblick auf das Rhythmische keine besonders gelungene Aufnahme. Furtwängler versucht einige recht interessante rubati, aber auch hier gilt: wenn der Rhythmus ständig ins Schwimmen gerät, verliert auch ein an sich richtig und klug gedachtes rubato seinen Sinn. - Die Wiederholung der Exposition im I. Satz lässt Furtwängler aus.

      I. 14'29'' (ohne Wh.)
      II. 10'22''
      III. 5'07''
      IV. 16'51''



      (Bei mir aus der Sony-Bernstein-Symphonien-Box)
      Eine ziemlich beeindruckende Aufnahme von großer dramatischer Wirkung. Wie so häufig bei Bernstein gibt es ziemlich eindrucksvolle Tempo- und Dynamikmodifikationen zu bewundern. Häufig empfinde ich bei Bernstein solche rubati aber als extrem exzentrisch, als maßlos übertrieben, als nahezu kitschig - hier und da in seiner New Yorker Aufnahme der Schumann-Symphonien beispielsweise. In Brahms Erster scheint mir das jedoch alles Sinn zu machen: das plötzliche ritardando im Seitensatz des I. Satzes, der riesige crescendo-Bogen in der Durchführung kurz vor der Reprise (so ein ein sehrendes Ziehen ab T. 294), die sind schon sehr toll. Leider lässt er die Coda des I. Satzes nicht wie vorgeschrieben piano musizieren, was dieser Stelle erheblich die Wirkung nimmt - unverständlich in einer Interpretation, die so sehr auf Wirkung bedacht ist...
      Im IV. Satz hörte ich bei Bernstein erstmals, was ich schon ahnte: wie sehr die (von den Hörnern kräftig und entschieden gespielte) Alphorn-Passage bereits auf Mahler vorausweist. Die Gegensätze dieses so dramatischen Satzes sind überhaupt großartig herausgearbeitet. Gegen Ende ist ein wunderbares accellerando auf das "più allegro" hin zu hören, direkt darauf wieder ein perfektes ritardando vor dem letzten Auftritt des "Chorals" - das steht so nicht in der Partitur verzeichnet, macht aber absolut Sinn. - Die Wiederholung der Exposition im I. Satz lässt Bernstein leider ebenfalls aus.

      I. 12'59'' (ohne Wh.)
      II. 9'31''
      III. 5'16''
      IV. 16'20''

      Grüße
      vom Don


    • (Eine Kombination zweier älterer Texte - mein Eindruck hat sich inzwischen bei wiederholtem Hören bestätigt):

      Am meisten Schwierigkeiten habe ich mit dem ersten Satz. Die Tempi finde ich eigentlich goldrichtig, besonders das zügige der Einleitung. Aber Gardiners historisch begründete rubatierende Tempogestaltung wirkt insb. im Allegro-Hauptsatz nicht originell, sondern konventionell - und verwischt auch mal die rhythmischen Strukturen, z.B. in den Takten vor dem Meno Allegro ganz am Schluss. Sehr interessant trotzdem, an vielen Stellen horcht man auf.

      Wunderbar die beiden Mittelsätze. Das Andante sostenuto fern von aller Erdenschwere, ganz zart, mit vielen Orchesterfarben. Und am Schluss nicht plötzlich in ein Violinkonzert mutierend, wie sonst fast immer: Das Violinsolo ist wunderbar eingebunden, schmalzt nicht (ja, es liegt auch am zurückgenommenen Vibrato). Sehr schön auch das ebenfalls zügig genommene, aber ganz fein durchhörbare Allegretto-Intermezzo.

      Grandios aber das Finale, das mich wieder berührt hat, fast wie beim erstenmal. Ganz fahle Klangfarben am Anfang. Und der Hornruf: tatsächlich mit Alphorncharakter, ganz urig, wunderbar (ja, die Naturhörner, Brahms wusste schon, was gut ist). Und dagegen dann die vibratolos schwebende Flöte (ich hasse es, wenn hier "geflattert" wird - schlimm etwa in der sonst guten Aufnahme mit Dohnanyi und dem Cleveland Orchestra). Klug aufgebaut, nicht vorzeitig alle Reserven ausspielend, vom (ausgeklügelten) Tempokonzept her weitgehend überzeugend, vor allem aber tief empfunden dann das Allegro non troppo. Die Stretta, die ja wirklich leicht aufgesetzt wirken kann, ist hier einmal als bewegende Steigerung zu erleben und lärmt nicht bloß.

      Ich finde die Gardiner-Aufnahme außerordentlich anregend. Und zwar als (mit Ausnahme Norringtons) so noch nicht vorhandene Alternative zu den verschiedenen "traditionellen" Interpretationsansätzen, nicht als deren "Überbietung" oder gar Ablösung.

      Tatsächlich ist Gardiner in vielen Parametern gar nicht soweit weg von Interpretationen à la Günter Wand. Was ihn davon unterscheidet, ist zum einen die agogische Komponente: für mich, wie gesagt, zweifelhaft im ersten Satz, im Finale aber sehr überzeugend. Für die Betonung der Agogik führt Gardiner zeitgenössische Quellen an, er macht das ja nicht aus Jux und Dollerei. Insofern ist es legitim, das mal "zur Diskussion zu stellen", wie es immer so schön in universitären Referaten heißt.

      Der zweite Unterschied ist der Klang, klar. Ich empfinde es als Gewinn, im zweiten Satz das Violinsolo mit weniger Vibrato zu hören (oder die Bratschen in T.4-5 des letzten Satzes). Und es macht einen Unterschied, den Hornruf mal von dem von Brahms so geschätzten Naturhorn gespielt zu hören. Besonders hübsch finde ich ja das ein oder andere Streicherportamento, ganz toll bei den Geigen kurz vor der Stretta des Finales (T. 368 u. 370).

      Von all diesen Punkten abgesehen reißt mich die Aufnahme mit, gerade im Finale.


      Viele Grüße

      Bernd
      Details are always welcome. (Vladimir Nabokov)


    • István Kertész Zugang zur Ersten erscheint mir weniger dramatisch als tragisch-pathetisch, weniger narrativ-entwickelnd als vielmehr auf Überwältigung angelegt. Kann man natürlich machen - mir behagt es nicht, und es scheint mir auch den Kern der Komposition zu verfehlen.
      Der Klang der Wiener in dieser Aufnahme ist äußerst basslastig, recht dumpf (vor allem in den Pauken), das Blech sehr dominant. Wie so häufig bei diesem Orchester zeigen die Violinen in den hohen Lagen einen leichten Hang zum Mikrotonalen.
      Der Erste Satz gerät äußerst schwerblütig, aber noch nicht schwerfällig. Der Zweite beginnt zunächst wunderschön gesanglich, mit dem schluchzenden Violonsolo im Caféhausgeigerstil wird dann jedoch die Grenze zum Kitsch deutlich überschritten. Im Dritten Satz gelingt es Kertész vollends nicht mehr, die Instrumentengruppen klanglich gegeneinander auszubalancieren (abgezeichnet hatte sich das schon im Ersten), die Musik geht in einem Klangwust unter.
      Erst im Vierten Satz ist wieder ansatzweise etwas von einer gemeinsam geprobten Interpretation zu spüren. Einige besondere, differenziert ausgehörte Momente gibt es vor dem Eintritt des Hauptthemas, so erscheinen die Streicherfiguren in der Alphorn-Stelle nicht wie so häufig als Irgendwie-Tremolo, sondern als feingezeichnetes rhythmisches Muster. (Die Flöten allerdings wären mit ihrem molto vibrato nicht nach Bernds Geschmack - nach meinem auch nicht.) Beim Eintritt des Hauptthemas nimmt jedoch wieder die Lust am Triumphal-Gewaltigen überhand.
      Eine für mich ziemlich verzichtbare Aufnahme, von einigen wenigen schönen Momenten abgesehen.

      Grüße
      vom Don

      Nachtrag:
      Die Zeiten:
      I. 16'01 (mit Wh.)
      II. 9'06''
      III. 4'46''
      IV. 16'43''
    • Ich stelle gerade fest, dass ich von Brahms`1. Sinfonie nur eine einzige Aufnahme besitze und zwar diese hier:



      Es handelt sich dabei um einen Live-Mitschnitt vom Januar 1989 aus der Orchestra Hall in Chicago und das war gleichzeitig Günter Wands Debüt beim Chicago Symphony Orchestra. Im CD-Booklet steht, dass Wand bis dahin nie in den USA arbeitete, weil kein us-amerikanischees Orchester seinen gründlichen Probenzeiten nachgekommen wäre. In jenem Jahr machte das Chicago Symphony Orchestra eine Ausnahme und gewährte Günter Wand für ein Programm, das ausser Brahms`1. Sinfonie noch Schuberts "Unvollendete" beinhaltete eine Probenzeit von immerhin 11 Stunden und das bei zwei absoluten Standardwerken der Orchesterliteratur, die das Orchester sicherlich "im Schlaf" beherrscht.

      Meiner Meinung macht sich die penible Probenarbeit bei dieser Aufnahme voll bezahlt. Wand versteht es für meinen Geschmack sehr gut, die Spannungsbögen nicht nur aufzubauen, sondern diese auch aufrecht zu halten. Vielleicht liegt das auch an der Intensität, die eine Live-Aufnahme i. d. R. auszeichnet. Des weiteren finde ich, dass Details wie Einzel- und Nebenstimmen sehr gut herausgearbeitet werden. In den Mittelsätzen kommen die intimeren kammermusikalischen Stellen auch schön zur Geltung. Das Violinsolo im 2. Satz empfinde ich auch nicht als zu süsslich.

      Die Spielzeiten:
      1. Satz: 14:10 (mit Wh.) / 2. Satz: 09:24 / 3. Satz: 05:00 / 4. Satz: 17:17

      Jedenfalls gefällt mir diese Aufnahme so gut, dass ich bis jetzt nicht das Bedürfnis hatte, eine andere kennenzulernen. Allerdings würde mich Gardiners Interpretation durchaus reizen, sozusagen als HIPe -Alternative, denn dessen Interpretation von Brahms` 3. Sinfonie fand ich überzeugend.

      Lionel
      "Musik ist für mich ein schönes Mosaik, das Gott zusammengestellt hat. Er nimmt alle Stücke in die Hand, wirft sie auf die Welt, und wir müssen das Bild zusammensetzen." (Jean Sibelius)


    • Nach seinem Erscheinen wurde James Levines Zyklus der Brahms’schen Symphonien mit dem Chicago Symphony Orchestra durchweg gepriesen.
      Hurwitz meint:

      “His RCA complete symphony cycle with the Chicago Symphony is one of the best ones, [...].”


      Richard Osborne schreibt im Gramophone zur Ersten:

      “It was a reading, graphically detailed by EG in his original review, which swept all before it. Hearing it initially, I wondered whether it would be too unyielding, but was immediately captivated not only by the sweep of the performance but also by its moments of special wistfulness, a beguiling innocence in the slow movement's great oboe solos, which disarmed criticism.”

      EG, das ist Edward Greenfield, ebenfalls Kritiker für das Gramophone, hatte Levines Einspielung 1976 folgendermaßen beurteilt:

      “On any count Levine's reading is breathtaking, and naturally takes its place as a distinct contribution to the gallery of interpretations currently available.”


      Das die Sicht der Experten, die meine Erwartungshaltung in die Höhe schnellen ließen. Einem solchen seligen Reigen von Lob muss man erst einmal gerecht werden.

      Schafft diese Aufnahme das?

      Levines Zugang zum ersten Satz ist in der Tat packend, getrieben, unerbittlich. Vergleiche ich das mit Klemperers EMI-Einspielung, so liegen interpretatorisch Welten dazwischen. Während ich Klemperer im ersten als ungeheuer vertikal empfinde, immer Akkorde wie Findlinge nebeneinander setzend, so steht dieser Satz bei Levine unter einer ungeheuren nach vorn drängendem Dynamik, die auch in ruhigen Momenten (wie um Takt 124 ff. herum) immer für eine gewisse Grundnervosität sorgt, die den Satz niemals wirklich zur Ruhe kommen lässt. Besonders herb gelingt dann 185 ff., eine Stelle, die mich immer besonders stark angeht (wie auch zu Beginn der Coda 458 ff.).

      Sehr schön auch der zweite Satz. Nicht kitschig oder gar süßlich, sondern – sowohl in den Soli der Oboe als auch im problematischen Violinsolo – immer auf Schlichtheit bedacht, auf idyllischen, darin jedoch nicht überzeichneten Ton. Osborne spricht hier von klanglicher „Unschuld“. ich meine, viel treffender kann man das nicht charakterisieren.

      Der dritte Satz wird zügig genommen, leicht, mit viel Swing, sehr tupfig, im Ton stark in Schubert-Nähe gerückt.

      Wovon ich allerdings enttäuscht bin ist der Beginn des Finales. Hier gelingt es Levine und dem CSO meiner Ansciht nach nicht so recht, das dräuend-ungewisse Moment der Einleitung herauszuschälen. Der Ruf des Alphorns dann und die Wiederholung durch die Flöte erscheinen mir dann seltsam matt. Nicht, dass das technsich nicht ordentlich wäre. Es fehlt etwas, von dem ich einmal sagen möchte, dass es das Klare, Lichte, im besten Fall weniger Pathetische, sondern mehr Mystische dieser Stelle ist. Diese Dimension scheint den Ausführenden hier abzugehen. Das ist solide, aber nicht exzeptionell – eine Aussage, die dann auch für den Rest des Satzes gilt.

      Eine in den ersten drei Sätzen also sehr starke Aufnahme, die man – trotz des leichten Abfalls der Intensität im Finale – doch einmal gehört haben sollte.

      Spielzeiten:

      12:25 (ohne Wdh.) / 8:51 / 4:35 / 17:02

      :wink: Agravain

      Ich habe das schon oft bemerkt; die Leute von Profession wissen oft das Beste nicht.
      Georg Christoph Lichtenberg

      Sei nicht wie der Frosch im Brunnen. Der Frosch kennt nichts Größeres als den Brunnen, in dem er sitzt. So sind alle Frömmler; ihnen gelten nur ihre eigenen Glaubenssätze.
      Shrî Ramakrishna


    • Selten hat mich eine Einspielung so gelangweilt wie Sawallischs Londoner Aufnahme der ersten Symphonie von Brahms. Nicht, dass das handwerklich wirklich schlecht musiziert wäre. Manchmal reicht das gute Handwerk, manchmal indes nicht. Hier ist letzteres der Fall. Was Brahms 1 braucht, ist ein Dirigent, der sowohl die charakterliche Eigenart jedes einzelnen der Sätze als auch den großen Zusammenhang herausarbeitet und der ein Orchester dazu motivieren kann, dieses Kernstück des Repertoires auch nach der 1000. Aufführung nicht ohne innere Anteilnahme herunterzuhudeln. Beides gelingt Sawallisch nicht sonderlich gut.

      Gleich der erste Satz ist ein Paradebeispiel. Vom ersten Ton an klingt der Satz schwerfällig, dumpf, undifferenziert laut und dabei nicht wirklich dramatisch. Man musiziert so (gemächlich) vor sich hin, ohne das die ungeheure Spannung des musikalischen Geschehens wirklich vermittelt werden kann. Was bei Klemperer, Levine und Bychkov an der Seele reißt, das ist hier so matt und altväterisch, dass es die Seele erst gar nicht erreicht.

      Und das Schlimme ist: Es geht so weiter. Der langsame Satz dudelt so vor sich hin, das Violinsolo schrammt nur ganz knapp am Kitsch vorbei. Man sitzt quasi nicht am Tisch, den der Stehgeiger mit der Melodei beglückt, man sieht und hört ihn aber aus der Ferne.

      Das Allegretto wird zwar zürgig genommen, klingt nun aber wieder viel zu schwerfällig, den Swing und das Perlende, das man in anderen Aufnahmen hören kann (s.o. mit Ausnahme von old Klemp) gibt es hier nicht.

      Der Beginn des letzten Satzes wird weniger gestaltet, denn vielmehr herunterexerziert. Gleiches Manko wie zu Beginn ist die unnachahmliche Spannunglosigkeit, die Sawallisch hier produzieren lässt. Darum hat auch der Eintritt des Alphorn-Themas, das im Übrigen recht hölzern gespielt wird, auch so überhaupt nichts Erlösendes, Befreidenes. Naja und dann? Dann geht es eben gemütlich weiter (Hauptthema vollkommen kraftlos), bis das Ganze so belanglos endet wie es angefangen hat.

      Spielzeiten:

      13:48 (ohne Wh.) / 8:59 / 4:49 / 16.55

      :wink: Agravain

      Ich habe das schon oft bemerkt; die Leute von Profession wissen oft das Beste nicht.
      Georg Christoph Lichtenberg

      Sei nicht wie der Frosch im Brunnen. Der Frosch kennt nichts Größeres als den Brunnen, in dem er sitzt. So sind alle Frömmler; ihnen gelten nur ihre eigenen Glaubenssätze.
      Shrî Ramakrishna
    • RE: weitere herausragende Aufnahmen u.a. Solti (Decca)

      Hallo Agravain,

      ich bin in den 70er-Jahren praktisch mit Klemperers Aufnahmen der 4 Brahms - Sinfonien (EMI-LP´s)aufgewachsen. Damit war ich jahrelang zufrieden.
      Bis dann in den 80ern die CD kam:
      Und da war es die Solti-Aufnahme / Chicago SO (Decca), die mich nun jeder Beziehung vom Hocker gerissen hatte. Das ist absolut weit entfernt von den Attributen, die Du Sawallisch zugeordnet hast ! Solti beachtet zudem alle Wdh-Zeichen (was ich als als positiven Nebeneffekt ansehe, aber keineswegs für mich entscheidend ist).
      :!: Mich würde sehr interessieren, wie deine Eindrücke zu Soltis Brahms sind.

      :thumbup: Bis heute sind noch jede Menge weitere herausragende Aufnahmen dazugekommen: Szell (SONY), Bernstein (DG) - leider oft viel zu langsam und seltsam spannungsarm bei der Ersten !, Karajan / BPO (DG, analog = finde ich astrein - aber wohlgemerkt nicht seine alterweisen DDD-Aufnahmen), Karajan / WPO (Decca, 1960) und mein Favorit noch vor Solti --- Bernstein / New Yorker PH (SONY).
      ______________

      Gruß aus Bonn

      Wolfgang
    • RE: Brahms mit Karajan

      Hallo agravain,

      Du hättest Deine Antwort auch hier und nicht als PN geben können.

      Auf Deine Meinung zu Soltis Aufnahme der Brahms 1, die Du inzwischen geordert hast, bin ich gespannt. Bekannterweise liegt Dir Solti oft,aös ja weniger. Aber ich denke hier wird er auch Dich überzeugen können !


      Noch etwas intertessantes zu Karajan:
      Du schreibst:
      Karajans Decca-Einspielung mit den Wienern, die Du ja auch erwähnst, halte ich für eine der gelungensten, die ich kenne. Ich schreibe dazu eventuell auch noch etwas, wenn mir nicht jemand zuvorkommt.
      :thumbup: Das muss ich auch sagen !

      Im Prinzip bin ich erst recht spät zu den Karajan-Aufnahmen der Brahms - Sinfonien gelommen. Das lag einfach daran, das ich mit Solti, dann Szell u.a. bereits gut ausgestattet war.
      Zufällig war mir aus der Decca-Mittelpreisserie Emotions die CD mit Brahms 1 + Tragischer Ouvertüre mit dem Wiener PH (Decca, 1960/62, ADD) billig in die Hände gefallen.
      - keine Abb dieser CD mehr zu finden -
      Ich war von Karajan´s wuchtig - dramatischer Brahms - Sicht höchst angetan; auch die Tragische Ouvertüre ist dort mit den Wienern eine absolute Wucht.

      Etwas später kamen mir dann durch meine Sammlungsübernahme in 2008 die Brahms-Sinfonien in der DG-Analog-Aufnahme von 1978 in die Hände. Dort setzte sich dieser Aha-Effekt, den ich zuvor in seiner Decca-Aufnahme erlebte fort.
      :!: Den nöch späteren Karajan-Brahms-Aufnahmen in DDD fehlt allerdings das vorwärsdrängende der früheren Analogaufnahmen; sie klingen mehr abgeklärt, etwas altersweise und für mich "zu artig" - diese Digitalaufnahmen besitze ich daher nicht mehr.


      ;+) Im Prinzip hätte ich mir gleich denken können, das der Beethoven-Dirigent Karajan auch "Beethovens Zehnte" und die weiteren Brahms - Sinfonien bestens hinbekommen würde. Aber die CD-Auswahl hatte mich diesesmal einen anderen Weg beschreiten lassen.
      ______________

      Gruß aus Bonn

      Wolfgang
    • [IMG:http://ecx.images-amazon.com/images/I/517VOxdnL8L._SL500_AA300_.jpg]

      Diese Aufnahme der ersten Symphonie von Brahms unter der Leitung von Sir George Solti hat mich überrascht, weil sie nicht das liefert, was ich erwartet hatte. Ich gebe ja zu, dass ich bisweilen mit Soltis zackiger Gangart, die in meinen Ohren manchmal etwas unerfreulich Lärmendes haben kann, so meine Schwierigkeiten habe. Und eben dieses Moment hatte ich erwartet, gibt es doch besonders in den Ecksätzen der Ersten einiges, das man auch zu zackig und zu brachial angehen kann. Und ich dachte mir: Wenn das einer übertreibt, dann ist es der Schorsch.

      Pustekuchen.

      Soltis Einspielung hat etwas geradezu Lehrbuchhaftes. Liest man mit, dann wird deutlich, wie genau sich Solti an die Vorgaben der Partitur hält und seinen dirigentischen Personalstil hintanstellt. Nehmen wir die Dynamik. Da wird stets sauber Piano gegen Mezzopiano oder Pianissimo abgestuft. Gleiches gilt umgekehrt. Ein Forte ist nie ein Fortissimo, ein Mezzoforte nie ein Forte. Die Tempi sind ebenfalls äußert differenziert, es wird zu keinem Zeitpunkt durchgeprescht. Auch die Sanglichkeit des langsamen Satzes wird von Solti schön umgesetzt, der dritte Satz, den ich bald für den am schwierigsten überzeugend zu gestaltenden halte, ist mir etwas zu schwer, aber das mag wirklich an mir liegen. Die Einleitung des Finale gelingt ganz ausgesprochen gut, das Alphorn-Thema klingt satt, aber nicht forciert und Solti nutzt jenen Trick, dessen sich auch HvK in seiner Wiener Decca-Einspielung bedient. Dadurch, dass die unterliegenden Streichertremoli nicht ganz im Pianissimo genommen werden, stellt sich der Effekt eines das Horn und die Flöte umwehenden goldenen Scheins ein, der dem Moment etwas ausgesprochen Feierliches verleiht. Der Hauptteil des Satzes, den man auch effekthascherisch durchholzen kann, wird von Solti zügig, aber nicht übertrieben schnell genommen, sodass stets die Zeit für solide Gestaltungsarbeit bleibt.

      Eine mich in allen Punkten überzeugende Scheibe.

      Die Spielzeiten:

      16:47 (mit Wdh.) / 9:49 / 4:40 / 17:31

      :wink: Agravain

      Ich habe das schon oft bemerkt; die Leute von Profession wissen oft das Beste nicht.
      Georg Christoph Lichtenberg

      Sei nicht wie der Frosch im Brunnen. Der Frosch kennt nichts Größeres als den Brunnen, in dem er sitzt. So sind alle Frömmler; ihnen gelten nur ihre eigenen Glaubenssätze.
      Shrî Ramakrishna
    • BIS hat gerade eine neue Aufnahme der Symphonie vorgelegt:

      "http://www.bis.se/images/covers/BIS-1756_72_150.jpg"

      Brahms � Symphony No.1

      BIS-1756 | SACD EAN 7318599917566 TT: 64'34

      Johannes Brahms:
      Symphony No.1 in C minor, Op.68
      Liebeslieder-Walzer from Op.52 & Op.65 (orchestrated by the composer)
      Hungarian Dances Nos 1, 3 & 10 (orch. by the composer)

      Swedish Chamber Orchestra / Thomas Dausgaard

      Kennt die CD schon jemand?

      :wink: :wink:

      Christian
      Rem tene- verba sequentur - Beherrsche die Sache, die Worte werden folgen

      Cato der Ältere
    • Da im Eingangsposting hinsichtlich der EMI-Studioaufnahme mit Wilhelm Furtwängler und den Wiener Philharmonikern vom November 1947 das Fazit "keine besonders gelungene Aufnahme" lautet, von mir die Anregung, es doch einmal mit einem der verschiedenen Live-Mitschnitte Furtwänglers zu versuchen. Besonders gerühmt wird seine am 27. Oktober 1951 in der Hamburger Musikhalle entstandene Live-Aufnahme mit dem NWDR-Sinfonieorchester (das heute NDR Sinfonieorchester heißt). Wie ich der durch einen Klick auf das CD-Cover

      abrufbaren Amazon-Kundenrezension entnehme, hat ein französisches Magazin für diesen Hamburger Live-Mitschnitt sogar die Goldene Stimmgabel des Jahrhunderts (!) verliehen. Der Rezensent selbst hält Furtwänglers Dirigat für "außerhalb jeder Konkurrenz" und die Hamburger Aufnahme für ein "Monument". Ich weiß, dass viele Furtwängler-Kenner ähnlich über diesen Mitschnitt denken. Abgesehen von der bereits abgebildeten Einzel-SACD kann man ihn zum Beispiel auch in dieser Music & Arts-Box

      beziehen.

      Übrigens bin ich bei Brahms Nr. 1 ein Fan von Toscaninis Version

      Das liegt daran, dass ich das Werk mit dieser Aufnahme kennengelernt habe. So geprägt, ist mir persönlich Furtwängler einfach zu langsam im Kopfsatz. Aber das ist natürlich reine Geschmackssache.
      Für Rapper ist das Wort "ficken" dasselbe wie für Schlümpfe das Wort "schlumpfen". Es ersetzt einfach alle anderen Tu-Wörter. "Alter, hab' ich voll gefickt, ey" kann auch heißen: "Die Überweisung ist gestern bei uns rausgegangen."
      (Dieter Nuhr)
    • Caesar73 schrieb:

      Johannes Brahms:
      Symphony No.1 in C minor, Op.68
      Liebeslieder-Walzer from Op.52 & Op.65 (orchestrated by the composer)
      Hungarian Dances Nos 1, 3 & 10 (orch. by the composer)

      Swedish Chamber Orchestra / Thomas Dausgaard

      Kennt die CD schon jemand?



      Amazon kann sie noch nicht liefern. Aber es gibt schon eine Seite mit Cover.
    • Meine erste Brahms Erste war



      die unter Beecham (natürlich auf LP), heute schätze ich neben Furtwängler und Toscanini nicht zuletzt diese



      unter Abendroth

      Liebe Grüße Peter
      .
      Auch fand er aufgeregte Menschen zwar immer sehr lehrreich, aber er hatte dann die Neigung, ein bloßer Zuschauer zu sein, und es kam ihm seltsam vor, selbst mitzuspielen.
      (Hermann Bahr)
    • Vielleicht kann jemand (allen voran Christian selber!?) noch diese Aufnahme charakterisieren:


      Ich bin nur im Besitz der Aufnahmen der 3. und 4. Sinfonie, finde die aber fantastisch. So muss für mich die Brahmsche "sinfonische Klaviermusik" klingen: sinnlich aber nicht quarkig, leidenschaftlich aber nicht hysterisch, mitdenkend aber nicht trocken, toll!
    • El Duderino schrieb:

      Vielleicht kann jemand (allen voran Christian selber!?) noch diese Aufnahme charakterisieren:
      Das möchte ich aus Prinzip nicht machen, außerdem habe ich die Aufnahme lange nicht mehr gehört. Ich möchte nur vorsichtshalber vor dem "Triumphlied" warnen: Das ist schon in der Originalfassung das wohl schlechteste Werk, welches Brahms zur Veröffentlichung freigegeben hat, und die vierhändige Bearbeitung macht es nicht eben besser... Außer es möglichst fetzig zu spielen, fiel uns ehrlich gesagt nicht viel ein, womit wir immerhin in guter Gesellschaft sind: U.a. hat sich Giuseppe Sinopoli anlässlich seiner Gesamtaufnahme der Brahmsschen Chorwerke ganz ähnlich dazu geäußert. Das ist nur der Vollständigkeit halber dabei.

      Christian
      Jeder Eindruck, den man macht, schafft Feinde. Um populär zu bleiben, muss man mittelmäßig sein.
      Oscar Wilde
    • ChKöhn schrieb:

      Das möchte ich aus Prinzip nicht machen, außerdem habe ich die Aufnahme lange nicht mehr gehört.
      Schade, Innenansichten wären sicher eine Bereicherung. So bleibt's bei Annäherungen an viele lang getrocknete (und ein paar ganz wenige halb-rohe) alte Schinken...

      ChKöhn schrieb:

      Ich möchte nur vorsichtshalber vor dem "Triumphlied" warnen
      Das habe ich jetzt schon mehrmals gehört, und ganz verstanden hab ich es nicht. Beim unbedarften Drüberhören hatte ich immer Freude dran und was am angeblich zweifelhaften politischen Hintergrund so wild ist, habe ich auch nicht verstanden. Wäre vielleicht einen eigenen Thread wert.. Aber zurück zu Brahms Erster!
    • El Duderino schrieb:

      Zitat von »ChKöhn«
      Das möchte ich aus Prinzip nicht machen, außerdem habe ich die Aufnahme lange nicht mehr gehört.

      Schade, Innenansichten wären sicher eine Bereicherung. So bleibt's bei Annäherungen an viele lang getrocknete (und ein paar ganz wenige halb-rohe) alte Schinken...
      Ich kann bei Bedarf ja mal etwas über die vierhändige Fassung schreiben. Aber über eigene Aufnahmen zu schreiben wäre für mich ein unangemessenes und etwas peinliches Wiederkäuen.

      El Duderino schrieb:

      Zitat von »ChKöhn«
      Ich möchte nur vorsichtshalber vor dem "Triumphlied" warnen

      Das habe ich jetzt schon mehrmals gehört, und ganz verstanden hab ich es nicht. Beim unbedarften Drüberhören hatte ich immer Freude dran und was am angeblich zweifelhaften politischen Hintergrund so wild ist, habe ich auch nicht verstanden. Wäre vielleicht einen eigenen Thread wert.. Aber zurück zu Brahms Erster!
      Ok, vielleicht habe ich übertrieben. Den politischen Hintergrund finde ich auch nicht weiter schlimm, aber musikalisch finde ich das Stück einfach harmlos.

      Christian
      Jeder Eindruck, den man macht, schafft Feinde. Um populär zu bleiben, muss man mittelmäßig sein.
      Oscar Wilde
    • ChKöhn schrieb:

      Ich kann bei Bedarf ja mal etwas über die vierhändige Fassung schreiben.


      Das wäre doch spannend. Vielleicht allgemein zu den Brahmssinfonien. Ich hab mal die vierte in der Fassung für zwei Klaviere mit einem Freund eine paar Mal vom Blatt gedudelt (brauchte einige Anläufe) und fand das Werk so fast spannender als für Orchester. Zumindest in mancher Hinsicht. Der vertrackte metrisch-rhythmische Bau, welcher für mich den großen Reiz dieser Sinfonie ausmacht, kommt auf dem Klavier besonders gut zur Geltung
    • Da ich gerade so am HerumBrahmsen bin :



      Die zweite Version, die von dieser Sinfonie höre (die andere ist HvK). Vom leichten Abzug in der Tonquali natürlich mal abgesehen, sagt mit Toscaninis Herangehensweise sehr zu, er zieht nicht unnötig in die Länge.
      Mir gefällt ja ganz besonders der zweite Satz mit seinem Thema, aber überhaupt halte ich sie für eine sehr, sehr gelungenes Werk. Der große Beethoven-Schatten, der immer gemunkelt wird und Brahms wohl selbst auch beschäftigt hat, ist meiner Meinung nach nicht so übermächtig, dass Brahms sich nicht davon los machen konnte.
      Und wenn immer davon gesprochen wird, Brahms sei so "ernst" und "schwer" kann ich das ebenfalls nicht ganz nachvollziehen, vielleicht nicht spritzig wie ein Italiener, aber mir gefällt seine Musik ausnehmend und das vom ersten Ton an, wo doch immer geunkt wird, Brahms gäbe einen kluftigen Einstieg.
      "Allwissende! Urweltweise!
      Erda! Erda! Ewiges Weib!"