Vagn Holmboe

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    • Vagn Holmboe

      Liebe Forumsmitglieder!

      Wer von Euch kennt Musik des Komponisten Vagn Holmboe? In der Literatur werden ua immer wieder seine Streichquartette positiv erwähnt, im Konzertsaal werden diese aber kaum aufgeführt.

      Mich würden Eure Meinungen zu dem Werk dieses Komponisten interessieren. Ist die Musik leicht zugänglich zu machen?

      Besten Dank

      Gerhard
    • Der Mann hat ja 20 Streichquartette geschrieben! Eine 7-CD-Box, die JPC heftig bewirbt (und die ich nicht kenne, ebenso wie anderes von Holmboe):



      :wink:
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
      Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
      Helmut Lachenmann
    • Holmboe ist am ehesten vergleichbar mit Allan Pettersson: Auch Holmboes Musik ist zumeist dunkel, bohrend intensiv und wirkt emotional so aufgewühlt wie aufwühlend. Wie beim Schweden, so liegen auch bei Holmboe klare konstruktive Prinzipien zugrunde, die sich dem Zuhörer unterschwellig mitteilen, und wie Pettersson, so bleibt auch Holmboe einer stark erweitert "tonalen" Harmonik treu. Bei Holmboe ist es eine Variationstechnik, die man gerne Variantentechnik nennt. Das bedeutet, dass Themen in bestimmten Aspekten umgeformt werden, in simpelster Form etwa Beibehaltung des Rhythmus bei geänderter Tonhöhe und/oder umgekehrt. Dadurch ergibt sich eine permanente Entwicklung, die letzten Endes aber aus einem einzigen Keim hervorgegangen ist.
      Holmboes Musik wird man dann reizvoll finden, wenn man sich für die skandinavische und finnische Musik begeistert. Mit etwas Vorsicht gesagt: Mag man Nielsen, Sibelius und Pettersson, wird man Holmboe als Bereicherung empfinden.
      :wink:
      Na sdarowje! (Modest Mussorgskij)
    • Edwin schrieb:

      Auch Holmboes Musik ist zumeist dunkel, bohrend intensiv und wirkt emotional so aufgewühlt wie aufwühlend.
      Gerade habe ich entdeckt, daß sich bei mir doch etwas zum Thema findet:

      Vagn Holmboe (1909-96)
      - Symphonie Nr. 4, "Sinfonia Sacra", op. 29 (1941, rev. 1945)
      - Symphonie Nr. 5, op. 35 (1944)
      Den Jyske Operas Kor; Aarhus Symfoniorkester; Ltg.: Owain Arwel Hughes
      BIS, aufg. 1992



      Edwins Charakterisierung kann ich hier durchaus nachvollziehen, auch wenn ich in der Fünften relativ deutliche Anklänge an Strawinskis Psalmensinfonie höre, was ja nicht gegen Holmboe spricht. Im Unterschied zu Pettersson scheint mir Holmboe nach geschlossenen Formen zu streben; gerade die Vierte ist eher bündig, mit sechs Sätzen, insgesamt nur knapp 30 Minuten: Es fehlt das Mäandernde, zum Amorphen Tendierende des Schweden, das jedenfalls mein spontaner Eindruck, den ich ggf. zu korrigieren hätte.

      Das Booklet (bei BIS wie so oft recht informativ) erwähnt, daß Holmboe die Vierte dem Gedenken seines 1944 im Konzentrationslager umgekommenen Bruders gewidmet hat.

      Die Fünfte, die ich eben höre, spricht mich mehr an, eine insgesamt düstere Trauermusik mit einigen harschen Aufschwüngen, in der Tonsprache neoklassizistisch und tonal, aber nicht so spielerisch wie bei Strawinski. Und auch sie findet einen klaren Punkt am Ende. Pettersson (gerade zwei Jahre jünger als Holmboe) finde ich dann doch avancierter und kühner.

      Es gibt neben der Gesamtaufnahme der Streichquartette auch eine der 13 Symphonien:



      Wäre eine Überlegung wert, wenn es nur nicht so viel anderes noch gäbe...

      :wink:
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
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      Helmut Lachenmann
    • Ich konnte sehr kürzlich zwei CDs aus der BIS-Reihe erwerben, enthaltend die Sinfonien 1 (1935), 2 (1938-39), 3 (1941) und 10 (1970-71) sowie die Symfonisk metamorfose (op. 65; 1954). Nach dem Hören der Sinfonien Nr. 1 und 3 zeigt hier ein noch ganz (?) anderer Vagn Holmboe, sehr neoklassizistisch (aber nicht wirklich in französischer Weise) und dabei trotzdem nicht gerade schwergewichtig.
      Ich komme mit dieser Richtung von Musik gut zurecht, da ich Neoklasszismus eigentlich ganz gerne mag. :hide:

      Die lange Lebenszeit dieses Komponisten müsste eigentlich einen dickerern Thread wert sein - schließlich spannt es sich zwischen seinem Lehrer Carl Nielsen (und Ernst Toch) und seinem sehr bedeutenden Schüler Per Nørgård.

      LG, Kermit :wink:
      Es ist vielfach leichter, eine Stecknadel in einem Heuhaufen zu finden, als einen Heuhaufen in einer Stecknadel.
    • Es ist ja erfreulich, dass der Thread zu Vagh Holmboe doch ein paar Resonanzen zeigt.
      Ich habe auch die hervorragende Sinfonien _ GA (BIS), die Gurnemanz in Beitrag 4 abgebildet hat. Bereits 2005 hatte ich einen Thread zu dieser Sinfonien -GA bei TAMINO gestartet, der erst dieses Jahr erste Resonanzen zeigte.

      Die Sinfonien hatte mir in den 90er-Jahren ein Kollege empfohlen, dessen Affinität zum Norden durch seine Reisen und CD-Alben sehr hoch ist - er hat fast alles was von "da oben"(auf der Landkarte) kommt.

      Ich hatte mit zunächst einige Holmboe-CD´s ausgeliehen und war positiv überrascht. Ein nordischer Komponist aus Dänemark, der nicht immer tonale Wege einschlägt und trotzdem nicht ins ungenießbare ausschlägt.
      JA, die Sinfonien sind äuberst interessante, beachtenwerte, neoklassische Stücke, die man sich unbedingt zulegen sollte, wenn man einen Draht zur skandinavischen Sinfonik hat.
      Die BIS-6CD-Box habe ich mir natürlich zugelegt, diese war zudem mit 56,99€ sehr preiswert, denn jede Einzel-CD daraus kostet 17,99€ - die BIS-Klangqualität ist wiedermal sehr gut und natürlich.

      Da mir die informative RONDO-Rezension von Thomas Schulz, RONDO 1/97 sehr gut gefallen hat und diese so aussagekräftig ist, das ich mit eigenen Worten auch nicht mehr schreiben könnte, habe ich diese angefügt:

      Vagn Holmboe (1909 - 1996)
      Sinfonien Nr. 1- 13
      Owain Arwel Hughes, Aarhus Sinfonieorchester
      BIS/Disco-Center CD-843/846 (6 CDs)

      Zitat Schon unzählige Male wurde die Sinfonie in unserem Jahrhundert totgesagt. Komponisten, die ungeachtet aller Unkenrufe dieses Genre pflegen und bereichern, werden gern als „letzte Sinfoniker“ klassifiziert – mittlerweile eine äußerst individuenreiche Gattung. Auch der Däne Vagn Holmboe, der im September 1996 im Alter von sechsundachtzig Jahren verstarb, schrieb mit Vorliebe Sinfonien – dreizehn an der Zahl, hinzu kommen noch weitere sinfonische Werke ohne Numerierung. Holmboe studierte in Kopenhagen und später bei Ernst Toch in Berlin. Den Durchbruch errang er 1939 mit seiner Zweiten Sinfonie. Bei uns ist er noch wenig bekannt, in Skandinavien, England und den USA hingegen äußerst geschätzt; ein englischer Kritiker nannte seine Sinfonien die „vielleicht besten seit Sibelius und Nielsen“.
      Diese beiden Namen bieten sich auch zuerst an, wenn man Holmboes Tonsprache zu charakterisieren trachtet. Er gehört nicht zu der Sorte Sinfoniker vorwiegend deutsch-österreichischer Provenienz, die in ihren Werken, wie Gustav Mahler, „eine Welt erschaffen“ wollen. Im Vordergrund stehen strenge motivische Arbeit und logisch-organische Entwicklung. Holmboes Prinzip der „Metamorphose“ besteht in der allmählichen Umwandlung einer thematischen Gestalt.
      Von den Neuerungen der zweiten Jahrhunderthälfte bleibt Holmboe im wesentlichen unberührt, wenn er auch gelegentlich die Grenzen der Tonalität überschreitet. Seine Werke sind hervorragend gearbeitet und gekonnt instrumentiert, von vorwiegend neoklassischem Charakter, jedoch nicht neoklassizistisch im Sinne der zwanziger Jahre.
      In den ersten acht Sinfonien bewegt sich Holmboes Stil in einem vorwiegend modalen Rahmen, sicher beeinflußt durch die dänische Folklore. Darin liegt auch die teilweise Schwäche dieser Werke. Trotz aller klug geformten Spannungsbögen bleibt die Melodik stets im jeweiligen Modus gefangen, wandert hin und her und kommt trotzdem nicht vom Fleck. Es findet wohl eine motivische Transformation statt, der melodische Duktus bleibt jedoch stets gleich und wirkt auf Dauer ermüdend. Auch fehlt den vielen Steigerungen und Ausbrüchen der frühen und mittleren Sinfonien die innere Notwendigkeit, die etwa parallele Stellen bei Schostakowitsch – an den diese Musik bisweilen erinnert – so zwingend gestaltet. Dies gilt für die ersten acht Sinfonien, mit Ausnahme der Siebten, einer sehr konzisen und überzeugenden einsätzigen Komposition.
      Nach Vollendung der Sinfonie Nr. 8 im Jahre 1951 ließ sich Holmboe sechzehn Jahre Zeit, bevor er mit der Neunten begann. Wenn sich Holmboes Tonsprache in dieser langen Zeit auch nicht grundlegend änderte, so klingen seine letzten fünf Sinfonien doch wesentlich reifer, variationsreicher und farbiger als früher. Die Sinfonie Nr. 9, in der drei kraftvoll bewegte, dramatische Satzgebilde zwei fein gesponnene Streicherintermezzi umschließen, gehört für mich zu den packendsten und persönlichsten Sinfonien Holmboes – ebenso wie Nr. 11 (1980) in drei Sätzen, heiter, anmutig und abgeklärt, zeitgenössische Sinfonik ohne Materialschlachten. Die Aufnahmen entstanden unter der Ägide des Komponisten (er schrieb seine Dreizehnte 1994 auf Anregung des Dirigenten dieser Gesamteinspielung) und bewegen sich musikalisch wie technisch auf sehr hohem Niveau.
      Für Liebhaber skandinavischer Sinfonik ist der Zyklus ein Muß; ansonsten empfiehlt es sich, mit einer Auswahl aus Holmboes reichhaltigem sinfonischem Werk zu beginnen – die CDs sind alle einzeln erhältlich.

      Thomas Schulz, RONDO 1/97



      Holmboe hat nicht wenige Konzerte für Soloinstrumente und Orchester geschrieben: Da gibt es noch ein Konzert für Blockflöte, Streicher und Schlagzeug; mehere für diverse Bläser (Tuba, Flöte, Oboe, Trompete, Posaune); für Viola; für Cello; für Violine; für Violine und Viola.
      Daneben dann auch noch 9 Kammerkonzerte für Soloinstrumente und K-Orchester.

      Bei den Konzerten für Orchester wird es fast undurchsichtig. Da gibt es eine BIS-CD und ebenfalls seine Werkliste, die bereits die Konzerte für Orchester Nr.8 und 10 enthält.
      Neben den 13 Sinfonien für grosses Orchester, liegen auch noch 3 Kammersinfonien vor.
      ______________

      Gruß aus Bonn

      Wolfgang
    • Hier gibt es in reply #26 ff ein paar Empfehlungen, um diesem Komponisten näher zu treten:
      "http://www.good-music-guide.com/community/index.php?topic=11711.20

      Ohne Gewähr ...

      Gruß
      MB

      :wink:
      Un homme d'esprit est perdu s'il ne joint pas à l'esprit l'énergie de caractère. Quand on a la lanterne de Diogène, il faut avoir son bâton. (Nicolas-Sébastien de Chamfort)
    • Edwin schrieb:

      Holmboes Musik wird man dann reizvoll finden, wenn man sich für die skandinavische und finnische Musik begeistert. Mit etwas Vorsicht gesagt: Mag man Nielsen, Sibelius und Pettersson, wird man Holmboe als Bereicherung empfinden.
      Wie so oft, eine sehr treffende Aussage von Edwin (schade das er sich hier gar nicht mehr zu Wort meldet),
      wobei ich den Pettersson bis jetzt noch nicht "gewagt" habe (diese Mammutaufgabe schiebe ich etwas vor mir her :hide: )

      teleton schrieb:

      JA, die Sinfonien sind äuberst interessante, beachtenwerte, neoklassische Stücke, die man sich unbedingt zulegen sollte, wenn man einen Draht zur skandinavischen Sinfonik hat.
      Die BIS-6CD-Box habe ich mir natürlich zugelegt, diese war zudem mit 56,99€ sehr preiswert,
      Die Symphonien sind wirklich eine mehr als große Bereicherung und die Box, die ich jetzt seit einigen Jahren sehr oft und intensiv anhöre, ist absolut zu empfehlen, wie übrigens die zahlreichen Solokonzerte Vagn Holmboes ebenfalls!
      Ich habe die Box damals für sogar nur knapp 45 Euro erhalten (neu) ^^




      Herzliche Grüße:
      KALEVALA :wink:
      Die Wahrheit ist hässlich: wir haben die Kunst, damit wir nicht an der Wahrheit zugrunde gehen. (Nietzsche)


      Es gibt nichts Überflüssigeres und Schädlicheres als wie Musik. Wenn ein Mensch eine gewisse Zeit lang Musik hört, wird sein Gehirn faul und unseriös. (Ayatollah Khomeini)
    • Die Symphonien sind wirklich eine mehr als große Bereicherung und die Box, die ich jetzt seit einigen Jahren sehr oft und intensiv anhöre, ist absolut zu empfehlen, wie übrigens die zahlreichen Solokonzerte Vagn Holmboes ebenfalls!
      Ich besitze die Box schon lange, die Solo-Werke habe ich mit der Zeit auch gekauft, und finde beide Bereiche sehr interessant. Die Werke sind tonal gehalten, was gerade die Romantiker eher dazu bewegen könnte, auch hier mal reinzuhören. Man muss hier vor allem dem Dirigenten Owain Arwel Hughes ein Kompliment machen, der sich als ein hervorragender Sachverwalter dieser Musik erwiesen hat. Mal nicht Järvi, Kamu oder Oramo, sondern ein an sich eher wenig bekannter Dirigent.
      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)
    • Hallo,
      Ich habe das Bedürfnis diesen seit zweieinhalb Jahren im Dornröschenschlaf liegenden Thread wieder wachzuküssen :) da der Holboe ja sehr intensiv gehört wird gerade, vor allem von AlexanderK und Mauerblümchen (guckt im "Jeden Tag ein Streichquartett" Thread). Ich kenne diesen Komponisten nicht. Aber bin sehr neugierig geworden und bin gespannt auf berufene Charakterisierungen! Gern auch zu den Sinfonien, etwaigen Konzerten, aber ausgehend gern von den Quartetten...

      Ist an den Pettersonvergleichen was dran? In welchem Licht stehen seine Quartette wenn man Schostakowitsch, Weinberg mag,? Wie ist es mit den Orchestersachen im Vergleich zu den Quartetten? Solche Fragen bewegen mich...

      Dank im Voraus :fee:
      "Verzicht heißt nicht, die Dinge dieser Welt aufzugeben, sondern zu akzeptieren, daß sie dahingehen."
      (Shunryu Suzuki)
    • Lieber Garcia
      das Kennenlernen der Musik von Vagn Holmboe ist wohl für jeden, der sich für die gemässigtere Musik des 20. Jahrhunderts interessiert, sehr bereichernd.
      Die Symphonien sind dabei sicher ein leichterer Einstieg als die Streichquartette, die ich doch ein wenig sperrig finde.

      Eine gute kompetente Übersicht findest Du hier:

      musicweb-international.com/classrev/2000/mar00/holmboe.htm

      Ansonsten haben teleton und ich beim anderen Forum einige Aufnahmen kommentiert.

      Wenn ich meine Aussage von damals lese:

      ..und ich habe mir die 8te und die 10te Symphonie angehört. Wow, das ist starke Musik, Leute, hört mehr Holmboe (ich werde es jedenfalls tun).

      muss ich allerdings realisieren, dass ich den formulierten Vorsatz dann doch wieder nicht umgesetzt habe. Was nicht an der Musik liegt, sondern daran, dass dann schnell wieder andere neue Sachen in den Blickfeld rückten... es ist schon eine Crux. ;)
    • Danke Wieland,
      Für diese erste Übersicht, die ja mehr Lust auf die Sinfonien (und Konzerte?) macht als auf die Quartette :D

      Teuer wird das auf jeden Fall. Ich guck nochmal was hier einläuft, aber was in dem alten Taminothread da steht macht mir Lust auf die Sinfonien. Vor allem auf die späten...

      Erstmal vielen lieben Dank. Und du hast diesen Komponisten nach Erstkontakt nie weiterverfolgt?

      LG :)
      "Verzicht heißt nicht, die Dinge dieser Welt aufzugeben, sondern zu akzeptieren, daß sie dahingehen."
      (Shunryu Suzuki)
    • Lieber Garcia
      Als ich das geschrieben habe, war es nicht der Erstkontakt, sondern eine von mehreren Wiederbegegnungen. Die Box mit den Symphonien habe ich seit sie erschienen ist. Und natürlich damals auch komplett durchgehört.

      Viel Freude bei den Entdeckungen, ich "muss" jetzt in die Liederhalle zu Julia Fischer und Brittens Violinkonzert.


    • Vagn Holmboes dreizehn Sinfonien gehe ich - nach wenigen Jahren Abstand - zur Zeit zum zweiten Mal durch. (Die Streichquartette habe ich mir (noch immer) nicht zugelegt.)

      Das Booklet liefert interressante Hintergrundsinformationen, verzichtet aber weitgehend auf eine strukturelle Analyse der Einzelwerke. Das hat auch eine positive Seite, die ich wohl nicht erklären muss ... :P

      Nachvollziehbar erscheint das Metamorphose-Prinzip auf einer allgemeineren Ebene durchaus, wenn man den Werken nicht nur beiläufig sein Ohr leiht. Die ersten drei Sinfonien erklingen klassizistisch bei nordisch-folkloristischem Einschlag. Dann folgen die drei im Krieg entstandenen Werke, die aber erst gegen Ende beziehungsweise danach uraufgeführt wurden. Hier fällt die vierte [nicht die fünfte, wie oben gesagt - ein kleines Versehen!] als eine Art Psalmensinfonie aus dem Rahmen. Sie integriert des Komponisten eigene bekenntnishaft religiöse Kurztexte liturgischen Zuschnitts; diese wurden von einem Freund des Komponisten auf Lateinisch übersetzt und sie werden vom Chor in den Orchesterklang der recht kurzen sechs Sätze eingebettet. Ich gehe mit Gurnemanz konform, dass die Fünfte auf der selben CD trotzdem interessanter sein dürfte.

      Bei den anderen mittleren Sinfonien, die vielfach sehr motorisch-horizontal angelegt sind, weniger auf origineller Harmonik basierend, ist mir - zum Teil ganz deutlich - die Tradition Carl Nielsens bewusst geworden. Edwin Baumgartners durchaus gut begründete Analogien zu Allan Pettersson, den ich sehr oft gehört habe, leuchten mir nur bedingt ein. Petterssons Musik ist viel grüblerischer und komplexer, strukturell weitaus weniger durchschaubar - sie geht mich überdies bei Weitem persönlicher an, benötigt aber stets mehr Zeit zur Einzelbegegnung.

      Zwar soll das auch aus meiner Sicht den Wert von Holmboes Sinfonien keineswegs in Abrede stellen. Sie sind jedoch mit Sicherheit viel bequemer zu hören. Das kann ich nur empfehlen! :)

      :cincinbier: Wolfgang
      He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.
    • andréjo schrieb:

      Vagn Holmboes dreizehn Sinfonien gehe ich - nach wenigen Jahren Abstand - zur Zeit zum zweiten Mal durch.
      Hallo Wolfgang,

      Dein Beitrag hat mich angeregt, die Holmboe-Sinfonien auch wieder einmal auf mein Hörprogramm zu setzen.
      Nebenbei empfinde ich Holmboe (1909-1996) auch als zugänglicher als sein zeitgenosse Joonas Kokkonen (1921.1996), der allerdings auch einiges sehr hörenswertes zu bieten hat - wie "... durch einen Spiegel"(1977).

      Von Holmboe habe ich als Ergänzung zu der Sinfonien-GA auch diese wichtige CD mit den Vier Sinfonischen Metharmorphosen:
      - solche RAR-CDs sind teuer -

      [Blockierte Grafik: https://images-na.ssl-images-amazon.com/images/I/218niuImXoL.jpg] ==>
      BIS, 1996/7, DDD
      ______________

      Gruß aus Bonn

      Wolfgang
    • Die von Dir verlinkte CD mit den Metamorphosen, werter Namensvetter, werde ich mir wohl noch zulegen. :)



      Sie ist doch gar nicht teuer, diese Scheibe.

      Auf den folgenden Platten sind Solokonzerte enthalten, die ich mir jetzt auch ein zweites oder drittes Mal angehört habe. Eingängig und unkompliziert, aber meines Erachtens nicht ganz so spannend und stiltypisch wie die Sinfonien. Das Konzert für die Blockflöte ist vielleicht das interessanteste.



      Kokkonen finde ich nicht schlecht. Er mag eine Nuance abstrakter klingen, einverstanden!

      :cincinbier: Wolfgang
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