Jazz mit Laser und Nadel: Gerade goutiert

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    • music lover schrieb:

      Zitat von »Matthias Oberg«
      wo digital-elektronische Klänge und Synthies mitwirken, geht bei mir in der Regel gar nichts. Wo dann etwa noch ein Don Grolnick, brrr :shake: mitwirkt, ist für mich auch live nichts mehr zu retten.

      Erster Satz: vollständig einverstanden! Zweiter Satz: jein.
      Erster Satz: Gar nicht einverstanden! ;+) Für mich haben unzählige Musiker bereits bewiesen, dass man auch mit "digital-elektronischen Klängen" aber sowas von spannender und kreativer Musik erzeugen kann. Zweiter Satz: Ja! Don Grolnick wird geschmacklich nur noch von Dave Grusin und Kenny G. unterboten... :P Da ist der Fahrstuhl und seine Musik bereits unterhalb der Tiefgarage.

      LG
      C.
      „Beim Minigolf lernte ich, wie man mit Anstand verliert.“ (Element of Crime)
    • Ich mach weiter mit dieser grandiosen Freien-Improvisations-Scheibe eines dänisch-französisch-japanischen Ladies-Trio:



      :juhu: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu:

      Lotte Anker (sax), Sylvie Courvoisier (p), Ikue Mori (electronics)

      Hier, diese Electronics von Ikue Mori finde ich auch klasse! Aber Mori ist viel näher an Boulez als an allen Fusionschablonen. Besonders das auch klangliche Zusammenwirken von Courvoisier und Mori gefällt mir. Ihr Wechsel zwischen eher Begleitung der Ausbrüche Lotte Ankers und plötzlichen Miteinfall in diese Ausbrüche erhalten ständig eine enorme Spannung. Lotte Anker zeigt sich hier als die herausragende Top-Saxophonistin, die sie ist.

      :wink: Matthias
    • music lover schrieb:

      ...bei welchem Don Grolnick am Klavier saß. Meine Fresse, konnte er sich auf diese Musik einstellen.


      Zugegeben, ich habe auch irgendeine älter Scheibe von ca. um 1970, ich weiß jetzt gar nicht mehr, von wem, bei der ich drei mal nachgelesen habe, ob das wirklich derselbe Don ist, denn wo er dort nur akustisches Klavier oder Rhodes spielt, ist er dort in der Begleitung, wie solistisch verdammt gut. Aber wo er andere Keyboards spielt, ist er, abgesehen davon, dass ich seine Sounds hasse, für mein Empfinden die Verkörperung der Einfallslosigkeit und Unsensibilität, jede Musik um ihn rum zerstörend - eine Art Kampfroboter zur gewaltsamen Okkupation durch Fahrstuhlmuzak. Warum macht jemand so etwas, der auf dem Piano auch anders kann? ?( :shake:

      :wink: Matthias
    • Matthias Oberg schrieb:

      eine Art Kampfroboter zur gewaltsamen Okkupation durch Fahrstuhlmuzak. Warum macht jemand so etwas, der auf dem Piano auch anders kann? ?( :shake:

      Das fragte ich mich auch, als Maria Schneider ein Konzert in der Hamburger "Fabrik" gab, in welchem sie die Arrangements ihres Lehrmeisters Gil Evans dirigierte, welche Gil für Miles Davis in den späten 50er und frühen 60er Jahren geschrieben hatte. Als Solisten (den Part des Trompeters Miles übernehmend) wählte sie den Altsaxofonisten David Sanborn aus. Ich dachte mir: Hallo??? Geht's noch??? Den Fahrstuhlmusiker schlechthin??? Zugeben musste ich, dass Sanborn immerhin bei Gil Evans' Doppel-LP "The Individualism of Gil Evans" mit in der Big Band saß, also "Stallgeruch" hatte. Und was wurde daraus? Es war schlichtweg genial. David Sanborn improvisierte - live, wohlgemerkt, nicht unter der Ägide irgendeines Hollywood-Studioproduzenten - wie Hölle. Es war einfach der Hammer, da er etwa 80 Prozent der solistischen Passagen zu bewältigen hatte. Und er war überaus sympathisch. Zum Schluss des Konzerts stammelte er nur ein "Thank you, Maria, for being so absolutely great" heraus.

      In vielen US-Jazzmusikern, die man wegen ihrer unsagbar kommerziellen Betätigungen mit Recht ablehnt, schlummerten und schlummern große kreative Potenziale. Selbst in Bob James. Wer es nicht glaubt, höre bitte mal in diese CD herein:

      Ist das nicht völlig genial? Zum Beispiel der vierte Track "Trilogy"? Wenn man bedenkt, was ein solch talentierter Pianist aus sich hat machen lassen :cry:
      Wenn ein Komponist nicht von sich sagen kann, etwas getan zu haben, was vor ihm noch niemand getan hat, kann er nicht behaupten, überhaupt etwas getan zu haben.
      (Paavo Heininen)
    • Ja, diese Bob James finde ich auch sehr gut. Ich mag vor allem seine Version von "Softly as in the Morning Sunrise", die ein paar schöne kleine Überraschungen bereithält..

      Und David Sanborn ist ein fantastisch guter Saxophonist. Er ja auch schon bei Gil Evans selbst häufig gespielt, aber auch mit Paroah Sanders und sogar Anthony Braxton!

      Einige neuere eigene CDs sind zwar sehr Mainstream, gewürzt mit viel Soul, aber gar nicht übel. Nur etwas schade, dass er dazu zwar Leute wie Derek Trucks, Howard Johnson, Joey DeFrancesco, Christian McBride, Lew Soloff dazuholt, die aber kaum selbst zum Zuge kommen läßt, sondern fast ganz die Schiene 'großer Solist mit Begleitung' fährt, was den Alben viel Lebendigkeit nimmt, wie sie besser in gleichgewichtigerer Interaktion entsteht.



      :wink: Matthias
    • Dann vom Bob James Trio auch gar diese 1965 auf ESP!!!:



      Ziemlich experimentell und frei - auch schon teilweise elektronisch, aber dabei mit Tonbändern eher an die frühen elekro-akustischen Experimente der Neuen Musik der Zeit anknüpfend.

      Nicht experimentell, aber auch sehr schön:



      Und er kann es immer noch:



      Von 2003 mit James Genus (b) und Billy Kilson (dr) mit besonders einer wunderbaren Version von "Nardis" oder von Mal Waldrons "Soul Eyes".
    • Adam Rogers: Tyranny of fixed numbers

      "http://www.youtube.com/watch?v=3_vZmRLmhBc&feature=related"

      Eigentlich hatte ich gerade nur ein kleines Päuschen und klickte mich ohne große Erwartungen durch youtube durch. Über den obigen Track bin ich erstmal wegen des lustigen Titels gestolpert. Ich kenne keinen der Musiker, der Sound und die Sorte Jazz haben mir aber gut gefallen.

      Kann jemand etwas über den Gitarristen Adam Rogers oder den Saxophonisten der Aufnahme, Chris Potter, erzählen? Würde mich interessieren.

      Tharon.
    • Tharon schrieb:

      Kann jemand etwas über (...) den Saxophonisten der Aufnahme, Chris Potter, erzählen? Würde mich interessieren
      Chris Potter ist durch seine langjährige Mitwirkung im Dave Holland Quintet sowie durch seine ausgiebige Sideman-Tätigkeit bei allen möglichen Leuten (z.B. JoAnne Brackeen, Patricia Barber, Paul Motian, Dave Douglas) und selbst bei einer Band wie Steely Dan eine feste Größe in der US-Szene. Es gibt auch einige Alben mit ihm als Leader. Ich lege mir mal eines der vier Alben auf, die ich von ihm habe

      Dieses Album war durch die Mitwirkung von John Scofield und Bill Stewart natürlich (als Sco-Fan) ein "Pflichtkauf" für mich. Wobei ich persönlich Potter als Saxofonist jetzt nicht sooo stark finde wie etwa einen Michael Brecker oder einen Bob Berg. Von einem Roland Kirk oder einem Wayne Shorter mal ganz zu schweigen. Geschmackssache. Je mehr ich mich in das von mir verlinkte Album hineinhöre, umso schwächer finde ich es eigentlich. Das gilt zumindest für die Titel, bei welchen Scofield nicht mitwirkt (er ist nur auf den Tracks 1, 4 und 7 dabei). Soliert Sco hingegen, ist selbstverständlich wie üblich ein :juhu:-Smiley angebracht :D

      Übrigens: der von Dir ebenfalls erwähnte Gitarrist Adam Rogers übernimmt auf diesem Album bei den Titeln 3 und 8 den Gitarrenpart. Fällt mir jetzt gerade erst auf (ich hatte ihn bisher irgendwie gar nicht auf der Rechnung, kenne auch sonst nichts von ihm).

      Wenn Du einen "Einstieg" bei Chris Potter haben möchtest, würde ich eine Dave Holland-CD empfehlen, z.B. diese hier

      die beide sehr schön sind. Und Chris Potter ist m.E. unter Dave Hollands "Fittichen" am besten.
      Wenn ein Komponist nicht von sich sagen kann, etwas getan zu haben, was vor ihm noch niemand getan hat, kann er nicht behaupten, überhaupt etwas getan zu haben.
      (Paavo Heininen)
    • An sich habe ich heute Abend, wartend auf den Asia-Lieferservice (man isst nirgends besser Ente als bei ihnen), Don Pullen aufgelegt

      Aber Dein Posting inspiriert mich, zum Duke überzuwechseln. Einer der ganz, ganz, ganz großen Musiker des 20. Jahrhunderts :juhu: :juhu: :juhu:
      Wenn ein Komponist nicht von sich sagen kann, etwas getan zu haben, was vor ihm noch niemand getan hat, kann er nicht behaupten, überhaupt etwas getan zu haben.
      (Paavo Heininen)
    • music lover schrieb:

      Aber Dein Posting inspiriert mich, zum Duke überzuwechseln. Einer der ganz, ganz, ganz großen Musiker des 20. Jahrhunderts :juhu: :juhu: :juhu:


      Klar, das war er, - der Größte!, aber Don Pullen war auch ein sehr guter, orgineller Pianist.

      Bei mir lief heute auch nicht nur Indie-Rock aus Kambodscha, Jazz-Nahes aus Äthiopien und Soul-Funk aus Detroit, sondern über den Tag verteilt die wunderbare Brass-Band des genialen Trompeters der keine Genre-Grenzen kennenden New Yorker Downtown Scene, Dave Douglas.



      :juhu: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu:

      Und live beim Newport Jazz Festival:



      :juhu: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu:

      Und die dritte gibt es noch nicht bei den Partnern:

      Dave Douglas: Greenleaf Portable Series, Vol. 1 "Rare Metals" (2011)

      :juhu: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu:

      Alle mit der Brass Ecstasy: Dave Douglas (tp) Vincent Chancey (fr-horn) Luis Bonilla (tb) Marcus Rojas (tuba) Nasheet Waits (dr)

      So ekstatisch mitreißend wie Lester Bowies Brass Fantasy in Bestform finde ich sie zwar nicht, aber dafür noch fantasievoller im Hinblick auf die Kompositionen mit ihren bunten Mischungen aus Diversem und die Stimmführungen und Interaktionen der 4 Blechbläser. Alle 4 sind sehr gute Solisten, - beim Orchesterhorn ja im Jazz immer noch seltener als sogar auf der Tuba, obwohl es seit Julius Watkins ersten Solo- Scheiben schon ein paar gab, eben auch Chancey, von dem ich auch eine sehr gute eigene CD habe. Was Douglas hier ausgiebig solistisch spielt, dürfte aber derzeit kaum zu übertreffen sein. Und wenn auch keine Ekstase verursachend, sehr mitreißend ist ihre Musik schon.

      Dass ein US-Musiker mit "Rava" eine Hommage an seinen italienischen Trompetenkollegen, den wunderbaren Enrico Rava, gleichfalls einer der ganz Großen auf diesem 'Horn', verfasst, ist auch nicht alltäglich, macht mir Douglas aber ganz besonders sympathisch.
    • Außerdem gab es noch die:



      :juhu: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu:

      Ich bin enorm positiv überrascht, schon das Return to Forever-Comeback war endlich wieder ziemlich gut, jetzt - ohne "Forever" -legen Chick Corea, Stanley Clarke und Lenny White eine sehr schöne weitere Doppel-CD vor, die dem 'richtigen' Jazzfreund noch mehr gefallen dürfte, denn auf der ersten CD spielen sie auschließlich akustisch im Trio, live aufgenommen in Clubs wie "Yoshi's" während 2009. Ob nun in tollen Versionen von "On Green Dolphin Street", Bill Evans "Waltz for Debbie" und Monks "Hackensack" oder ob sie Corea- und einen Clarke-Titel aus dem Repertoire oder nach Art von Return to Forever jetzt zum packenden, feinnervigen Pianotrio-Jazz verwandeln, das klingt alles richtig frisch, lebendig, mit spannenden geistesgegenwärtigen Interaktionen voller feiner Überraschungen und Clarke hat auch noch jede Menge Zeit für grandioser Kontrabass-Soli. Was kann ich mehr wollen.

      Die zweite Studio-CD ist kaum schlechter. Zwar wechselt Corea hier auf den meisten Titeln zu den Keyboards, wählt aber sehr Fender Rhodes-ähnliche Klänge und beschränkt sich so auf "E-Piano". Auch Clarke wechselt bei einigen Stücken zum E-Bass. Dass geht jetzt überwiegend schon in die Retun to Forever-Richtung, bietet aber immer noch ihre 'Jazz-Ausgabe' auch, wo sie sich Unterstützung geholt haben von Jean-Luc Ponty, der hier ebenfalls seine übertechnisierten Kram zu Hause gelassen hat und endlich wieder als der gute Jazz-Geiger operiert, der er vor immer sterileren Fusion-Produkten mal war, und Bill Connors, der mir hier an der E-Gitarre sehr gut gefällt, was sonst meist auch nicht so ist. Für gershwins "I love you Porgy" haben sie sich außerdem Chaka Kahn geholt. Von der Art, wie sie das singen will und phrasiert, zeigt sie, dass sie eine erstklassige Jazzsängerin seien konnte, hätte seien können, nur die Stimme macht leider die vielen von der Idee her schön gewählten Spitzentöne nicht mehr so ganz mit, klingt dann dünn und gepresst. Schade ist nur, dass Coltrane "Crescent" als Duo zwischen Corea und White nur eingeblendet wirdund dann, fast mittendrin abbricht, worauf man sie reden hört. Hier hat ihnen wohl eine aus versehen mitgeschnittene Nebensession im Studio selbst so gut gefallen, dass sie das kurze bnadstück, trotz dieser Mängel dennoch ungeplant auf die CD packten. Recht so, aber das hätten sie ruhig noch mal ganz aufnehmen sollen. Bitte auf der Nächsten in dieser Art! Zum Abschluß gibt es dann auch auf der 2. CD noch mal ein altbekanntes Corea-Stück als Akustik-Trio live.

      Mann, Mann, Mann, was haben die drei für Zeit verplempert mit bestenfalls nur sehr mediokrem, schlimmstenfalls dem unsäglich sterilen Zeug der Electric-Band oder gar der Disco-Anbiederungen Clarkes und Whites. Zu hoffen, dass diese drei jetzt für immer in Rente gegangen sind und jetzt drei Wiedergeborene, frisch wie zu besten Zeiten, aber musikalisch um einiges gereifter, noch einmal richtig durchstarten.

      :wink: Matthias
    • Abschließend gab es dann noch die, bei der ich gar nicht weiß, wohin ich sie stellen soll, denn irgendsoetwas wie Rock und sehr krass :sev: ist das schon, aber auch freie Improvisation und Free Jazz; - "Jazz-beeinflußter Free Rock" ?



      :juhu: :juhu: :juhu: :juhu:

      Fire! sind Mats Gustafsson (The Thing, Ken Vandermark's Territory Band, Börtzmann Tentet und Sonore Trio....) vor allem am Baritonsax, volle Kanne Free Jazz blasend, wie immer, Jim O'Rourke (Sonic Youth, Gastr Del Sol...) an der zerklüftet-bizarre Soundlandschaften mit viel Rückopplungseffekten erzeugenden E-Gitarre und zwei jüngeren Mitglieder der schwedischen Kreativ-Szene: Johan Berthling (e-b) und Andreas Verliin (dr, perc). Die beiden fügen sich hier in eine sehr dienende Rolle und wiederholen tranceartige einfache Rock-Pattern, auf denen Gustafsson und O'Rourke sich austoben können, was sie erwartungsgemäß auch bestens ausnutzen. Der Kontrast ist gut und trotz der ausgezeichnet, aber heftigen Free-Soli der beiden, entsteht so eine trance-artige Stimmung. - Mir vielleicht über die ganze CD etwas zu viel Trance, aber das mag Geschmackssache sein. Gut gemacht ist es.

      :wink: Matthias
    • music lover schrieb:

      Matthias Oberg schrieb:

      wo digital-elektronische Klänge und Synthies mitwirken, geht bei mir in der Regel gar nichts. Wo dann etwa noch ein Don Grolnick, brrr :shake: mitwirkt, ist für mich auch live nichts mehr zu retten.
      Ich habe ein Konzert meines Lieblings-Singersongwriters James Taylor in der Hamburger Musikhalle gesehen, bei welchem Don Grolnick am Klavier saß. Meine Fresse, konnte er sich auf diese Musik einstellen. Er schaffte es, James optimal herauszustellen und sich und seine Band völlig im Hintergrund zu halten, gleichwohl seine Musik mit höchster Sensibilität zu unterstützen. Aber als Jazzmusiker auf seinen eigenen Alben: da gebe ich Dir völlig Recht. Das war nicht, wie unser Außenminister sagen würde, the yellow from the egg.

      Um mein harsches Urteil über Don Grolnicks Alben unter seinem eigenen Namen zu überprüfen, höre ich gerade seine ziemlich latin-inspirierte CD "Medianoche" aus dem Jahr 1996
      [Blockierte Grafik: http://ecx.images-amazon.com/images/I/51P69iA4XFL._SS500_.jpg]
      Und ertappe mich bei dem Gedanken: "Ist das wirklich soooo schlecht?" :hide: Kompositionen von Andrew Hill, Wayne Shorter, Horace Silver und Chick Corea neben Eigenkompositionen Grolnicks - man könnte sich ein schlechteres Tracklisting vorstellen. Dazu bläst Michael Brecker auf diesem Album wie Hölle und Mike Mainieri steuert tolle Vibraphonsoli bei. Don Grolnick spielt übrigens ausschließlich (akustisches) Klavier, keine Synthesizer oder sonstige Keyboards. Was allerdings nervt, ist die Querflöte von Dave Valentin (ein Instrument, das ich im Jazz ausschließlich von Roland Kirk geblasen ertragen kann. Bei jedem anderen von Herbie Mann bis James Moody kommt mir das Essen wieder hoch). Naja, schau'n mer mal, wie ich das Album nach dreimaligem Hören finden werde. Möglicherweise muss ich mein Urteil ein ganz klein wenig revidieren.
      Wenn ein Komponist nicht von sich sagen kann, etwas getan zu haben, was vor ihm noch niemand getan hat, kann er nicht behaupten, überhaupt etwas getan zu haben.
      (Paavo Heininen)
    • music lover schrieb:

      Und ertappe mich bei dem Gedanken: "Ist das wirklich soooo schlecht?" Kompositionen von Andrew Hill, Wayne Shorter, Horace Silver und Chick Corea neben Eigenkompositionen Grolnicks - man könnte sich ein schlechteres Tracklisting vorstellen. Dazu bläst Michael Brecker auf diesem Album wie Hölle und Mike Mainieri steuert tolle Vibraphonsoli bei. Don Grolnick spielt übrigens ausschließlich (akustisches) Klavier, keine Synthesizer oder sonstige Keyboards. .... Naja, schau'n mer mal, wie ich das Album nach dreimaligem Hören finden werde. Möglicherweise muss ich mein Urteil ein ganz klein wenig revidieren


      Wenn er da ohne Synthies und Keyboards auskommt, höre ich bei Gelegenheit auch mal rein.

      Was allerdings nervt, ist die Querflöte von Dave Valentin (ein Instrument, das ich im Jazz ausschließlich von Roland Kirk geblasen ertragen kann. Bei jedem anderen von Herbie Mann bis James Moody kommt mir das Essen wieder hoch).


      Gegen die Querflöte im Jazz habe ich hingegen nichts, besonders wenn sie, neben Kirk, von Eric Dolphy geblasen wird, - oder von dem Größten der Jazzflöte, James Newton :juhu: und, nachdem der sich anscheinend ganz auf die Neue Musik verlegt hat, - er leitet und dirigiert heute ein Kammerorchester für Neue Musik und seitdem habe ich von ihm leider im Jazz nichts mehr gehört - , seine Nachfolgerin im Dauerabo der Jazzkritikerumfragen nach der besten Flötistin, Nicole Mitchell, Angehörige der dritten Generation des Chicagoer AACM und bis vor kurzem dessen Präsidentin.

      Zufällig hörte ich gestern Nicole Mitchells neuste Scheibe:



      :juhu: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu:

      Nicht ganz so experimentell und frei klingend, wie viele andere Projekte von ihr, dafür ganz wunderbar entspannte, leichtfüssige Improvisationen, mal mehr oder weniger melodiegebunden, mal weitgehend ohne Netz frei improvisiert, wie der Höhepunkt der CD, "Momentum". Die verständnisvolle Interaktion mit dem äußerst sensibel agierenden Jeff Palmer (e-g) findet zumeist zu sehr lyrischen Formen. Es sind die kleinen Überraschungen, das geistesgegenwärtige Aufeinandereingehen, dass die CD bei entspannender Grundstimmung doch spannend macht. Harrison Bankhead (b) und Avreeayl Ra (dr) sorgen ebenso sensibel dafür, dass es abwechslungsreich swingt. Diese unanstrengende Scheibe dürfte auch etwas für Free-/Creative-Jazz-Skeptiker sein.

      Heute gab es nach einem guten Konzert noch zum Laphroig als Absacker, etwas ganz anderes, aber ebenfalls wunderschön entspannend, voller Swing und kongenial sich ergänzender Improvisation:



      :juhu: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu:

      Ron Carter (b) und Cedar Walton (dr) waren in Bestform, als sie sich 1982 zu dieser Duo-Aufnahme für das holländisch Label trafen. Seit Duke Ellington/Jimmie Blanton sind Aufnahmen in dieser Duett-Kombination zwar immer mal wieder entstanden, aber insgesamt eher überschaubar geblieben. Mir liegt sie sehr und das ist ein besonders schöner Vertreter mit 4 Eigenkompositionen und 4 Standards. Etwa in einer der schönsten Fassungen von John Lewis "Django" kann man hören, was für ein ausgezeichneter Pianist Cedar Walton ist, der immer etwas 'underrated' geblieben ist. Er hat außerdem die Gabe, meist sehr bluesgebundene Songs zu schreiben, die doch individuell klingen und im Ohr bleiben.

      :wink: Matthias
    • Matthias Oberg schrieb:

      Gegen die Querflöte im Jazz habe ich hingegen nichts, besonders wenn sie, neben Kirk, von Eric Dolphy geblasen wird, - oder von dem Größten der Jazzflöte, James Newton :juhu: und, nachdem der sich anscheinend ganz auf die Neue Musik verlegt hat, - er leitet und dirigiert heute ein Kammerorchester für Neue Musik und seitdem habe ich von ihm leider im Jazz nichts mehr gehört - , seine Nachfolgerin im Dauerabo der Jazzkritikerumfragen nach der besten Flötistin, Nicole Mitchell, Angehörige der dritten Generation des Chicagoer AACM und bis vor kurzem dessen Präsidentin.

      Da stand ich gestern abend aber auf dem Schlauch: wie konnte ich Dolphy vergessen! Klar, von ihm mag ich Flötenspiel im Jazz auch, z.B. hier

      Zu James Newton habe ich eigentlich keine Meinung, obwohl mir sein Name natürlich bekannt ist. Und Nicole Mitchell kenne ich nicht einmal. Ich habe die Jazzentwicklung auf diesem Instrument seit Kirk und Dolphy wirklich nicht besonders intensiv verfolgt.
      Wenn ein Komponist nicht von sich sagen kann, etwas getan zu haben, was vor ihm noch niemand getan hat, kann er nicht behaupten, überhaupt etwas getan zu haben.
      (Paavo Heininen)
    • music lover schrieb:

      Zu James Newton habe ich eigentlich keine Meinung, obwohl mir sein Name natürlich bekannt ist. Und Nicole Mitchell kenne ich nicht einmal.


      Die haben beide viele, ganz großartige Scheiben aufgenommen. Obwohl die Querflöte nun auch nicht gerade mein Lieblinginstrument ist, höre ich mir von James Newton sogar Solo-Flöten-CDs an oder sogar seine Flöten-Quintett-Aufnahme, bei der auch Nicole Mitchell im Quintett ihrers lehrers mitwirkt.

      Inzwischen habe ich recherchiert, dass Newton doch nicht nur als Komponist und Dirigent von Neuer Musik noch aktiv ist, sondern auch als Flötist, aber auch fast auschließlich im 'klassischen' Bereich Neuer Musik. Ein klassisch ausgebildeter professioneller Flötist meinte zu mir auch mal, besser als Newton geht nicht, ob nun im Bereich des Jazz oder der Klassik. Inzwischen hat er durch mich Nicolle Mitchell kennengelernt und rief mich begeistert an: "Hey, die ist ja ähnlich obergeil!".

      Bei mir lief aus den jpc-Angeboten von Hat Hut eine Scheibe, die ich nur allerwärmstens empfehlen kann:



      :juhu: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu:

      Daniele D'Agaro war lange Teil der Amsterdamer Szene. Der Italiener ist technisch wie musikalisch exzellent. Am Tenorsax oszilliert er zwischen einem warmen, lyrischen Ton a la Paul Gonsalves, der hier besonders die Standards zum wunderbaren Erlebnis macht, und 'Abweichungen' a la Archie Shepp und agressiveren, tonal erweiterten oder ungebundenen Tönen eines Sam Rivers, an der Klarinette verbindete er die ganze Palette erweiterter Möglichkeiten eines John Carter mit der konzeptionell überaus durchdachten Entwicklung von Linien eines Jimmy Giuffre, der Energie eines Tony Scott und der leichthändigen Brillianz eines Artie Shaw.

      Mit Ernst Glerum (b) und Han Bennink (dr), die ebenfalls zu den Besten ihres Faches gehören, hat er kongeniale Partner, die stänig einfallsreich variierend, stets für Spannung sorgen. Die drei verstehen sich hier blind, sowohl in den freien Tracks über Eigenkompositionen D'Agaros, wie im Standard "Old Folks", der schlicht schön und quasi 'klassisch' straight an der Vorlage gespielt wird und in dem sich D'Agaros Gonsalves-Ton wunderbar macht. Ich liebe die Kompositionen des südafrikanischen, bis zu seinem Tod in Kopenhagener Exil lebenden Bassisten Johnny Dyani heiß und innig. Bei seinem "I wish you Sunshine" scheuen die mit allen Wassern des Free Jazz gewaschenen Musiker nicht, die Hörer im Wohlfühlbad zu baden. Schon im wunderbaren Bass-Intro zeigt hier Glerum seine ganze Klasse. Bei der abschließenden Mercer Ellington-Komposition verbinden sie schließlich die zutiefst traditionsgebundene mit der freien Musizierhaltung. Am straight und traditionsverhaftetet gespielten Anfang und Ende wärmt D'Agaro mit seinem wunderbar warmen, sanften Gonsalves-Ton, um dazwischen ein langes, feuriges Wahnsinnssolo zu geben, dass mich etwas an die Standardverarbeitungen David Murrays erinnert, auch in dem technischen Ausnahmekönnen, aber mit viel Rivers und Shepp-Elementen.

      Zum Abschluß gab es dann eben noch eine Timeless-Produktion von 1975, "Eastern Rebellion" :



      :juhu: :juhu: :juhu: :juhu:

      Nichts weniger als sehr guter Hardbob-basierter Mainstream mit George Coleman (ts), Billy Higgins (dr), Sam Jones (b), Cedar Walton (p) mit einer schönen Version von Coltrane "Naima" und sehr schönen Eigenkompositionen von Walton, Jones und Coleman. Besonders in "Bolivia" von Walton und der 5/4-taktigen von Coleman kann Higgins seine unglaubliche Fantasie für höchst subtile und raffinierte, wie mitreissende rhythmische Auflösungen des Gruntaktes zur Geltung bringen. Coleman und Walton liefern sehr schöne Soli und Sam Jones war sowieso ein Bass-Meister, was aber hier eher dezent zu hören ist.

      :wink: Matthias
    • Matthias Oberg schrieb:

      Zum Abschluß gab es dann eben noch eine Timeless-Produktion von 1975, "Eastern Rebellion" :

      :juhu: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu:
      Nichts weniger als sehr guter Hardbob-basierter Mainstream mit George Coleman (ts), Billy Higgins (dr), Sam Jones (b), Cedar Walton (p) mit einer schönen Version von Coltrane "Naima" und sehr schönen Eigenkompositionen von Walton, Jones und Coleman. Besonders in "Bolivia" von Walton und der 5/4-taktigen von Coleman kann Higgins seine unglaubliche Fantasie für höchst subtile und raffinierte, wie mitreissende rhythmische Auflösungen des Gruntaktes zur Geltung bringen. Coleman und Walton liefern sehr schöne Soli und Sam Jones war sowieso ein Bass-Meister, was hier eher dezent zu hören ist.

      Diese Timeless-Empfehlung nehme ich nun allemal mit Dank auf - alle beteiligten Musiker gefallen mir über die Maßen gut!

      Von Cedar Walton habe ich sowieso viel zu wenig in der Sammlung. Kennst Du diese CD (mit Roy Hargrove, Vincent Herring, Ralph Moore, Christian McBride und Victor Lewis)?

      Alle Titel wurden von Cedar Walton komponiert. Aufgenommen im Januar 1996. Für mich eine der besten Walton-CDs.

      Gute Nacht!
      Dein music lover
      Wenn ein Komponist nicht von sich sagen kann, etwas getan zu haben, was vor ihm noch niemand getan hat, kann er nicht behaupten, überhaupt etwas getan zu haben.
      (Paavo Heininen)