Jazz mit Laser und Nadel: Gerade goutiert

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    • Heute diese hier gehört :
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      Mainstream Jazz vom Feinsten! Ich habe diese Scheibe im Nachlass meines Vaters gefunden, leider nur als gebrannte CD, dementsprechend hat sie schon einige Macken. Werd sie wohl bestellen, denn ich liebe sie, weil sie einfach fröhlich macht.
      Allein die Kornett- Klarinetten Arrangements... :juhu:
      Wenn eine Vergewaltigung unvermeidlich ist - einfach stillhalten und geniessen.
      Konfuzius
    • amelia grimaldi schrieb:

      Mir war diese Formation unbekannt, aber ich fand sie absolut hörenswert. Weiß jemand von unseren Jazz-Kennern Näheres?
      Von Tord Gustavsen habe ich neben dem von Dir eingebundenen ECM-Album "The Ground" auch nur noch das weitere ECM-Album "Changing Places"

      in identischer Besetzung: Tord Gustavsen (p), Harald Johnson (b), Jarle Vespestad (dr).

      Dieses Klaviertrio ist quasi die (ehemalige) Begleitcombo von Silje Nergaard, nur ohne Silje Nergaard. Mir persönlich ist die Musik zu ruhig, aber ich habe festgestellt, dass gerade Menschen, die nicht so im Jazz zu Hause sind, regelmäßig aufhorchen, wenn man diese beiden Alben auflegt. "Das ist ja schön!", ist eine typische Reaktion von Gästen, die ich mit dieser Musik bekannt gemacht habe. Es gibt noch ein fellow up bei ECM zu den beiden obigen Trio-Produktionen: "Being There"

      welches ich mir dann allerdings nicht mehr angeschafft habe. Generell habe ich seit vielen Jahren meine Probleme mit diesem "Nur die Stille ist schöner"-Motto, welches das Label ECM zur Leitlinie erhoben hat. Aber wenn man sich darauf einlässt, lohnt sich bestimmt auch dieses dritte Trio-Album.


    • Der Sampler stellt Aufnahmen vor, die in den Jahren zwischen 1954 und 1961 entstanden sind, überwiegend in Stereo. Am interessantesten finde ich den an zwei Nummern beteiligten und dem Free Jazz schon sehr nahe stehenden Multiinstrumentalisten Eric Dolphy.

      :wink: Wolfgang
      He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.
    • andréjo schrieb:

      Am interessantesten finde ich den an zwei Nummern beteiligten und dem Free Jazz schon sehr nahe stehenden Multiinstrumentalisten Eric Dolphy.


      :klatsch: :klatsch: :klatsch:

      Wenn du auf Entdeckungsreise gehen willst, denn versuch es doch mal mit "Out To Lunch", zweifellos einem der wichtigsten Alben der Jazzgeschichte, aber auch sonst kann man bei Dolphy kaum etwas falsch machen.

      Zu Tord Gustavsen: "The Ground" ist sogar in die norwegischen Pop-Charts gekommen. Außerdem gibt es auch noch Aufnahmen mit dem zum Tord Gustavsen Ensemble erweiterten Trio im gleichen Stil, genauso geradezu phänomenal langweilig. Ich habe nichts generell gegen ruhigen und auf's Wesentliche reduzierten Jazz. Aber dafür muß man dann erst recht Wesentliches zu sagen haben, auf das man sich dann beschränken kann. Gustavsen hat das nicht. Ich findes es geradezu sensationell, wie man so langweilig, langsam und belanglos hin- und her mäandern kann. Geschenkt die Frage, ob es noch Jazz ist, wenn es überhaupt nicht swingt, auch nicht auf die sanfteste Weise und es auch sonst keine andere Art von Drive oder Fluß gibt. Das sind Aufnahmen, die wirklich alle alten und längst überholten Vorurteile über europäischen und speziell Doc Stänkers Vorurteile über norwegischen Jazz bestätigen. Dabei gibt es in Norwegen so viel Spannendes und gibt es auch überall so viele bessere Piano-Trios, auch viele, mit zumeist eher ruhigerem Grundton, sogar auch bei ECM, wie das Bobo Stenson Trio.

      Es trifft sich, das ich erst neulich die neue Scheibe der in den USA lebenden Russin Yelena Eckemoff gehört habe:

      Yelena Eckemoff Trio: Glass Songs, 2013 L & H Production

      Yelena Eckemoff (p), Arild Andersen (b), Peter Erskine (dr)


      :juhu: :juhu: :juhu: :juhu:

      Eckemoff schreibt als ‚klassische’ Komponistin ganz fürchterlichen neo-romantischen New Age-Kram, aber für ihr Jazz-Piano-Trio schreibt sie sehr gekonnt sehr lyrische Stücke in vergleichsweise etwas avancierterer, modernerer Harmonik, ungefähr Debussy verlängernd und ihre Stücke haben meist einen sehr ruhigen Grundton. Es gibt aber dennoch meist sanften subtilen Swing und wo es statisch wirken soll, dann passiert dafür anderes, was doch auch für Spannung sorgt. Ebenso überwiegt die eine reduktionistische Spielhaltung, aber die Stücke haben genug Substanz, dass dies funktioniert, außerdem gibt es auch immer dazwischen auch mal wieder Passagen, in denen die Notendichte zunimmt und Eckemoff und ihre exzellenten Begleiter ganz unaufgeregt, lässig zeigen können, was sie drauf haben. Hier, auf dieser CD, ist es besonders der Norweger (!)Arild Andersen, der dann auch mal mit wesentlich mehr Noten etwas schneller und immer wunderschön die Themen variirend, soliert. Eckemoff selbst ist eine sehr gute Pianistin, hat auch improvisatorisch ihre eigene Klangsprache gefunden. Da hört man schon die exzellente Technik der seit frühster Jugend in der russischen Klavierschule klassisch Ausgebildeten, aber sie kann auch wirklich Jazz, hat die Kniffe heraus, wie man durch Phrasierungen mit wenigen Noten unaufgeregt-lässige Spannung auch in ruhigen Stücken erzeugt. Besonders aber ist sie klug genug, sehr viel Raum zur Improvisation zu lassen und hat stets exzellente Partner, mit denen sie diese Räume in beeindruckender Interaktion füllen kann. Besonders Erskine erweist sich hier als Meister des subtilen Andeutens und mit wenigen, aber sehr vielseitigen Klangfarben Unterstützens. Eckemoff bespielt auf dieser CD auch unterschiedlich mit Wasser gefüllte Gläser, in dem sie sanft über deren Ränder kreist. Das gibt ja bekanntlich sehr eigentümliche Töne. Hat wahrscheinlich jeder, der über gute Gläser verfügt, schon mal ausprobiert. Aber hier wird es auf beeindruckend fantasievolle Weise in den Piano-Trio-Sound integriert. Erskine erzeugt dann häufig Mischklänge, in dem er die Glassklänge mit Becken- und Metallteil-Klängen verlängert. Aber alle drei spinnen stets beeindrucken fort, was einer/eine andeutet.

      Insgesamt ist das, wie jede ihrer Jazz-Trio-CDs, spannend genug zum aufmerksamen Zuhören, aber in seiner überwiegenden Ruhe auch völlig Unanstrengend, durchaus auch zum Runterkommen oder zum entspannenden Nebenbeihören geeignet.

      Da ich die letzte Woche gut etwas zum ‚Runterkommen’ und Entspannen brauchen konnte, gab es dann auch noch diese:

      Yelena Eckemoff Trio: Cold Sun, 2010 L & H Production

      Yelena Eckemoff (p), Mads Vinding (b), Peter Erskine (dr)


      :juhu: :juhu: :juhu: :juhu:

      Über weite Strecken die CD zur weiten und klaren, sonnigen Winterlandschaft. Viele Stücke sind noch reduzierter und geradezu kristallkar. Große Ruhe überwiegt. Jedoch gibt es auch 3 Stücke, die sich sogar bis zum Mid-Tempo vorwagen und dabei sanft grooven. Mads Vinding sorgt insgesamt für mehr Puls als Andersen, dessen Melodiebassspiel eher die Themen subtil umkreist. Erskine spielt hier noch etwas vielseitiger. Aber auch hier überzeugt das Zusammenspiel voller Auslassungen, Anspielungen und Andeutungen. Doch dann gibt es um so spannender auch in einem Stück mal die Steigerung bis zur kurzen heftigeren, tonal nicht mehr gebundenen, freien Kollektivimprovisation mit sehr vielen Tönen von allen drei - sehr toll. Aber das bleibt die spannende Ausnahme in einer sehr relaxten Aufnahme. Damit machte sogar der zu lange Winter Spaß.

      Besonders gut soll noch eine CD mit dem fantastischen polnischen Bassisten Darek "Oles" Oleszkiewicz sein, aber die habe ich leider noch nicht.

      :wink: Matthias
    • Die interessanteste Piano-Trio-CD, die mir in letzter Zeit unterkam, ist aber diese:



      Søren Kjærgaard Trio: Femklang, 2011 ILK-Music

      :juhu: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu:

      Ein ungewöhnliches intergenerationelles Trio bestehend aus Søren Kjærgaard (p), Mitte 20, aus Kopenhagen, dem mittelalten, wohletablierten Ben Street (b) aus New York und dem Veteranen der US-Jazz-Avantgarde, Andrew Cyrille, dem vielleicht subtilsten ihrer Meister am Schlagzeug.

      Das ist schon ihr drittes Album. Auch die Vorgänger waren fantastisch, aber dies ist ein Meisterwerk. In einer ausführlicheren italienischen Rezension für ein Jazz-Magazin habe ich mich zu der Meinung verstiegen, das dies wohl zu den wichtigsten und innovativsten Piano-Trio-Aufnahmen der Jazz-Geschichte gerechnet werden muß.An den wenigen Stellen, wo diese Aufnahme bemerkt und kompetent besprochen wurde, hat sie aber überall Höchstwertungen bekommen, auch von damit sonst sehr geizenden Rezensenten, z.B. hier: "http://www.freejazzblog.org/2013/01/soren-kjaergaard-ben-street-andrew.html" (nebenbei, einer der besten Jazz-Blogs) und ich kenne einige, die meine Meinung teilen.

      Stanley hat recht, sie ist perfekt! Besser geht das Spiel von gezielten Auslassungen, Andeutungen und Anspielungen nicht! Und besser geht es nicht, dabei zu einem wirklichen Zusammenklang zu kommen: Solisten gibt es hier nicht mehr. Die große Ruhe ihrer Musik, die innere Ruhe ausstrahlt, und hellwache Spannung fallen in Eins. Waren die ersten beiden CDs noch überwiegend von Cecil Taylor nahen Spielweisen geprägt, ist hier in der spontenen Kollektivkomposition/Improvisation eine Konzentration und gezielte Beschränkung auf das Wesentliche von Anton Webernschem Format erreicht. Und so wunderschön kann 'atonale' Musik sein. Das fordert freilich hellwache Aufmerksamkeit, ist, anders als das Yelena Eckemoff Trio, nicht mehr auch nebenbei goutierbar. Dafür wird man reichhaltig belohnt - und immerhin ein Thema kann ich schon pfeiffen :D .

      :wink: Matthias
    • Heute früh entdeckt (spotify sei dank):

      Dave Douglas: Parallel Worlds



      1993 erschienen, und wohl das erste Album von Douglas unter eigenem Namen. Trompete mit "Streichtrio" (Geige, Cello, Bass) und Schlagzeug. Zwischen Eigenkompositionen von Douglas tauchen auch schonmal Webern, Strawinsky und Weill auf.

      Der Junge war auch mit 30 schon unverwechselbar gut :thumbup:
      Es gibt kaum etwas Subversiveres als die Oper. Ich bin demütiger Diener gegenüber diesem Material, das voller Pfeffer steckt. Also: Provokation um der Werktreue willen. (Stefan Herheim)
    • Ansonsten gab es bei mir nach besondres tollen Konzerten noch zwei Mitschnitte des neuen

      Alexander von Schlippenbach - Henrik Walsdorff Quartets

      Alexander von Schlippenbach (p) Henrik Walsdorff (as) Antonio Borgini (b) Christian Lillinger (dr)


      :juhu: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu:

      Eine CD gibt es leider nocht nicht. Wieder neue und wieder sehr anders als mit schlippenbachs "Monk's Casino" klingende Monk-Interpretationen wechseln mit ganz freien Improvisationen. Lillinger sorgt immer für ganz viel Drive bei äußerster Klangvielfalt. Lillinger klingt, obwohl auch noch deutlich in den 20ern, klingt längst wie Lillinger, aber wenn man sich eine Synthese aus Günther Baby Sommer, bei dem er studiert hat, Paul Lovens, Han Bennink und vor allem Raschied Ali vorstellt, kommt man dem, was er macht, schon sehr nahe. Bei den Schlagzeugern seiner Generation - und da gibt es durchaus viele gute - kommt weltweit allenfalls Roy Haynes Grofneffe Marcus Gilmore da ran. Lillinger gehört jetzt schon zur absoluten Weltspitze. Seine beiden CDs mit seiner eigenen Gruppe bei Clean Feed sind ebenso exzellent. Borgini aus Italien hat sich aber auch sehr schnell als einer der interessantesten Bassisten in Berlin etabliert, sehr wandlungsfähig und auf schöne Weise auch in den freiesten Experimentalimprovisationen meist sehr singend. Walsdorff wird immer besser. Ein besonders schönes Alleinstellungsmerkmal finde ich, wie er auch in ganz freie und atonale Kontexte oft Charlie Parker oder Jackie McLean nahe Läufe und Sounds einspeist. Solch ein Meister des Free Bops gibt es sonst in Deutschland nicht, so im besten Sinne traditionsverbunden und doch radikal modern. Walsdorff kann aber auch noch ältere Sounds, warm, vibratoreich und zärtlich und von da aus aber auch fleißend ins wilde Atonale mit dem scharfen Ton McLeans oder Ornette Colemans wechseln. Eine Aufnahme mit einer der Zentralfiguren des New Yorker Avantgarde-Jazz, dem Bassisten William Parker, - und mit Lillinger, ist im Erscheinen.

      Außerdem nach einem, wie stets bei dieser Formation, begeisternden Konzert, liefen viel die bislang drei CDs der Soko Steidl:



      :juhu: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu:



      :juhu: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu:



      :juhu: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu:

      Oliver Steidle (dr), Jan Roder (b), Rudi Mahall (bcl, cl), Henrik Walsdorff (as) spielen in dieser Formation schon 9 Jahre zusammen. Es wird ausschließlich vpllig frei ohne jede vorherige Absprache improvisiert. Aber es klingt, wie äußerst raffiniert vorkomponiert und arrangiert, bloß viel lebendiger und mit enormen energiereichem Drive und nicht zu vergessen, ganz viel musikalischem Humor, in den das Publikum auch direkt einbezogen wird..

      In der Pause sprach ich mit Oliver Steidle, ebenfalls ein exzellenter Drummer, und Jan Roder, der zu den Kontrabassisten gehört, die mühelos auch mit Solo-Auftritten fesseln können, was eine sehr gute Solo-CD bei Jazzwerkstatt bezeugt. Ich fragte, alle eure Konzerte, die ich gehört habe, klangen einfach immer so gelungen, alles immer so spannend und passend aufeinander bezogen, wie ich das von kaum einer anderen Band kenne - wie macht ihr das? Jan Roder fand es selbst irgendwie magisch, könne sich das nicht ganz erklären. Es sei auch für ihn immer noch seine spannenste Band und er hätte auch bei jedem Konzert den Eindruck, das hier immer alles stimme, wie sonst bei keiner seiner vielen Bands. Sicherlich, langes Zusammenspiel mit etwa 30 Konzerten im Jahr in dieser Formation machten etwas aus. Oliver Steidle führte an, das sie eben immer sich ganz auf die Improvisation völlig ohne Vorgaben oder gar auch nur Gespräche über die kommende Musik konzentriert hätten. Offensichtlich versteht man sich auch über die Musik hinaus noch immer gut. Wie auch immer, Konzerte und CDs sind jedenfalls hochspannend. Und immer Sommer kann man sich auf die Premiere der Erweiterung zum Bikini Orchestra freuen, mit u.a. Christoph Thewes (tb) Tobias Delius (ts) Matthias Schubert (ts) Olaf Rupp (g) u.v. a. der Berliner Szene, eine Art Global Unity Orchestra 2.0.

      Beide Formationen stellen für mich das gelungenste dar, was die Berliner Szene zu bieten hat, die derzeit so stark ist, wie noch nie und auch immer mehr internationale Aufmerksamkeit erregt. So ziehen immer mehr gute Musiker hier hin oder kommen, um mit Leuten hier zu spielen. In Berliner Großschnäuzigkeit hat man sich ja schon immer als eine führende Jazzmetropole gesehen, Aber inzwischen trifft es zu und selbst wenn man immer öfter hört, Berlin sei inzwischen die führende Jazz-Metropole nach New York, jedenfalls Europas, selbst das klingt nicht mehr ganz absurd. Insofern komme ich auch hier immer weniger zum Schreiben. Jazz ist in erster Linie Musik des Moments der Improvisation, Live-Musik. Übrigens live auch viel leichter zu verstehen, wo es ansruchsvoller wird, wenn man die Musiker aufeinander reagieren sieht.

      :wink: Matthias
    • Le Merle Bleu schrieb:

      Dave Douglas: Parallel Worlds



      1993 erschienen, und wohl das erste Album von Douglas unter eigenem Namen. Trompete mit "Streichtrio" (Geige, Cello, Bass) und Schlagzeug. Zwischen Eigenkompositionen von Douglas tauchen auch schonmal Webern, Strawinsky und Weill auf.

      Der Junge war auch mit 30 schon unverwechselbar gut


      O, ja! :juhu: Sogar besonders gut.

      Außerdem waren, ähnlich wie heute bei Clean Feed, fast alle Soul Note und Black Saint LPs/CDs sehr gut bis ganz exzellent. Jammerschade, dass es dieses italienische Doppel-Label nicht mehr gibt. Immerhin sorgt Cam Jazz für Teilverfügbarkeit durch Downloadangebote und sehr günstige Boxen mit dem gesammelten Output der Bekannteren auf diesen beiden Labels, wie David Murray, Charlie Haden, Enrico Rava, Anthony Braxton, aber auch so wichtiger, etwas weniger bekannter wie Henry Threadgill und Bill Dixon.

      Die vorletzte Scheibe hat mir aber auch wieder ganz besonders gut gefallen, erstmals mit Sängerin:



      :juhu: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu:

      Die neuste, wieder in fast gleicher Besetzung, aber nun wieder ohne Gesang, liegt mir auch schon vor. Aber darüber darf ich erst schreiben, wenn sie auch offiziell erschienen ist. Beide mit erstklassiger, relativ junger Line Up, unter der für mich besonders die junge chinesisch-malaysische Kontrabassistin Linda Oh herausragt, eine enorm vielversprechende New-Comerin mit auch bereits zwei ausgezeichneten CDs als Leader, auf dem zweiten sie auch ihr Zweitinstrument, das im Studium ursprünglich ihr Erstinstrument war, spielt, Fagott und Kontrafagott.



      Linda Oh: acoustic and electric bass, bassoon; Fabian Almazan: piano, Fender Rhodes; Rudy Royston: drums; Dayna Stephens: tenor saxophone; Jen Shyu: vocals.

      :juhu: :juhu: :juhu: :juhu:

      Noch interessanter finde ich die ältere, die noch in Eigenproduktion/Selbstvertrieb erschienen ist.



      Ambrose Akinmusire: trumpet; Obed Calvaire: drums: Linda Oh: acoustic bass.

      :juhu: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu:

      Gute Rezension hier: "http://www.allaboutjazz.com/php/article.php?id=35192#.UWLMnErNg4c"

      :wink: Matthias
    • Matthias Oberg schrieb:

      Beide mit erstklassiger, relativ junger Line Up, unter der für mich besonders die junge chinesisch-malaysische Kontrabassistin Linda Oh herausragt, eine enorm vielversprechende New-Comerin mit auch bereits zwei ausgezeichneten CDs als Leader, auf dem zweiten sie auch ihr Zweitinstrument, das im Studium ursprünglich ihr Erstinstrument war, spielt, Fagott und Kontrafagott.



      Linda Oh: acoustic and electric bass, bassoon; Fabian Almazan: piano, Fender Rhodes; Rudy Royston: drums; Dayna Stephens: tenor saxophone; Jen Shyu: vocals.
      Danke für den Tipp! Strömt gerade über spotify und mein Handy hier ins Büro 8+)
      Es gibt kaum etwas Subversiveres als die Oper. Ich bin demütiger Diener gegenüber diesem Material, das voller Pfeffer steckt. Also: Provokation um der Werktreue willen. (Stefan Herheim)
    • Matthias Oberg schrieb:

      Zu Tord Gustavsen: "The Ground" ist sogar in die norwegischen Pop-Charts gekommen. Außerdem gibt es auch noch Aufnahmen mit dem zum Tord Gustavsen Ensemble erweiterten Trio im gleichen Stil, genauso geradezu phänomenal langweilig. Ich habe nichts generell gegen ruhigen und auf's Wesentliche reduzierten Jazz. Aber dafür muß man dann erst recht Wesentliches zu sagen haben, auf das man sich dann beschränken kann. Gustavsen hat das nicht. Ich findes es geradezu sensationell, wie man so langweilig, langsam und belanglos hin- und her mäandern kann. Geschenkt die Frage, ob es noch Jazz ist, wenn es überhaupt nicht swingt, auch nicht auf die sanfteste Weise und es auch sonst keine andere Art von Drive oder Fluß gibt. Das sind Aufnahmen, die wirklich alle alten und längst überholten Vorurteile über europäischen und speziell Doc Stänkers Vorurteile über norwegischen Jazz bestätigen. Dabei gibt es in Norwegen so viel Spannendes und gibt es auch überall so viele bessere Piano-Trios, auch viele, mit zumeist eher ruhigerem Grundton, sogar auch bei ECM, wie das Bobo Stenson Trio.

      Ich bin jetzt mal ehrlich: ich erkenne mich in Deinen Worten über Tord Gustavsen sehr deutlich wieder. Teile Deine Meinung vollkommen. Und habe das nur aus Respekt gegenüber Renate in Posting #565 nicht so deutlich formuliert, sondern nur angedeutet, indem ich schrieb, dass ich mir das dritte Tord Gustavsen-Album dann schon nicht mehr gekauft habe. Aber ich hoffe, Renate fühlt sich jetzt nicht abgeschreckt, weil wir eine Band niedermachen, die sie mag und die ja immerhin auch einen ECM-Vertrag innehat und große kommerzielle Erfolge erzielt? Liebe Renate: höre lieber diesen Jazz als gar keinen Jazz. Es muss ja einen Grund geben, warum Tord Gustavsen mit seinem Spiel die Menschen erreicht. Ich beschrieb dies ja auch im obigen Posting, indem ich erzählte, dass ich diese CDs öfter mal Nicht-Jazzfans vorspielte und die waren immer hin und weg. Also behielt ich sie in der Kategorie "Musik zum Nebenbeihören" in meiner Sammlung, statt sie gleich wieder zu verscheuern. Dem Argument von Matthias, ob das überhaupt noch Jazz ist, wenn die Musik nullkommanull swingt, kann ich mich aber natürlich nicht verschließen...
    • :D. Man muss mich nicht schonen! Ich habe nach Eurer Meinung gefragt und warum sollte die nicht auch harsch ausfallen dürfen... Jetzt kann es natürlich passieren, dass ich die CD noch einmal besonders kritisch höre und versuche sie nach Matthias Obergs Kriterien zu überprüfen.... ;+)

      Liebe Grüße
      :wink:
      Renate
      Unsre Freuden, unsre Leiden, alles eines Irrlichts Spiel... (Wilhelm Müller)
    • Matthias Oberg schrieb:

      Dabei gibt es in Norwegen so viel Spannendes und gibt es auch überall so viele bessere Piano-Trios, auch viele, mit zumeist eher ruhigerem Grundton, sogar auch bei ECM, wie das Bobo Stenson Trio.

      amelia grimaldi schrieb:

      Jetzt kann es natürlich passieren, dass ich die CD noch einmal besonders kritisch höre und versuche sie nach Matthias Obergs Kriterien zu überprüfen....

      Ein guter Ansatz ;+) Liebe Renate, höre Dir doch zum Vergleich mal die beiden ECM-Aufnahmen des jungen polnischen Pianisten Marcin Wasilewski an (der aus dem Tomasz Stanko Quartet hervorging). Das ist gut zugängliche, locker swingende Musik, die oft wie die perfekte Begleitung zum romantischen Diner klingt, phasenweise aber dennoch ahnen lässt, das die Musiker interessante freie Ausflüge starten können. Natürlich alles im sehr speziellen ECM-Sound aufgenommen.




      Cheers,

      Lavine :wink:
      "You gotta grab'em by Debussy" (DJ Trump)
    • music lover schrieb:

      Ich bin jetzt mal ehrlich: ich erkenne mich in Deinen Worten über Tord Gustavsen sehr deutlich wieder. Teile Deine Meinung vollkommen. Und habe das nur aus Respekt gegenüber Renate in Posting #565 nicht so deutlich formuliert, sondern nur angedeutet, indem ich schrieb, dass ich mir das dritte Tord Gustavsen-Album dann schon nicht mehr gekauft habe. Aber ich hoffe, Renate fühlt sich jetzt nicht abgeschreckt, weil wir eine Band niedermachen, die sie mag und die ja immerhin auch einen ECM-Vertrag innehat und große kommerzielle Erfolge erzielt? Liebe Renate: höre lieber diesen Jazz als gar keinen Jazz. Es muss ja einen Grund geben, warum Tord Gustavsen mit seinem Spiel die Menschen erreicht. Ich beschrieb dies ja auch im obigen Posting, indem ich erzählte, dass ich diese CDs öfter mal Nicht-Jazzfans vorspielte und die waren immer hin und weg. Also behielt ich sie in der Kategorie "Musik zum Nebenbeihören" in meiner Sammlung, statt sie gleich wieder zu verscheuern.


      Lieber Music Lover,

      so hatte ich dich auch bereits so verstanden. :D

      amelia grimaldi schrieb:

      Jetzt kann es natürlich passieren, dass ich die CD noch einmal besonders kritisch höre und versuche sie nach Matthias Obergs Kriterien zu überprüfen...


      Liebe Renate,

      Stichhaltige Kriterien habe ich ja nicht mal genannt. Insofern habe ich es mir auch einfach gemacht. Leider habe ich die Gustavsen-CDs nicht mehr da, um am Material konkret erklären zu können, was mir an ihnen mißfällt. Ich hatte mir mal zwei Trio und eine Ensemble-CD ausgeliehen.

      Ich will auch niemand den Spaß an was auch immer verderben. Einige der Musiker, mit denen Tord Gustavsen zusammenspielt, kann ich in anderen Formationen durchaus schätzen. Aber es gibt so viel bessere Musik, gerade auch unter eher ruhigen Piano-Trios, die eher 'gut aufgeräumte', eher übersichtliche Musiklandschaften errichten. Deswegen nannte ich als Beispiel das Yelena Eckemoff Trio. Das Marcin Wasilewski Trio hätte ich auch nennen können. Das Bedürfnis nach Musik zum Nebenbei-Hören oder Entspannen habe ich auch. Auch manchmal nach eher ruhiger, kontemplativerer Musik. Aber ich finde es dann schön, etwas hören zu können, was diesen Bedürfnissen entgegenkommt, aber gleichzeitig auch bestehen kann, auch wenn man aufmerksamer zuhört.

      Entspannen und Runterkommen kann ich mich aber verrückterweise am besten mit Free Jazz oder Neuer Musik der extremsten Sorte, die ganz meine Aufmerksamkeit fordert, so dass mir gar nichts anderes übrig bleibt , als ganz in die Musik abzutauchen, so dass alle Alltags- und Arbeitssorgen usw. verschwinden. Das ist für mich wie heilsame Meditation oder so etwas. "Jeder Ton, eine Rettungsstation", wie es mal der leider kürzlich verstorbene Kornettist und Komponist Butch Morris ausgedrückt hat. Da steckt natürlich auch das Ideal einer Musik dahinter, in der jeder Ton wichtig ist, wie im Ritual, das sich geradezu dadurch definiert, das in ihm jede Einzelhandlung gleich wichtig ist und das in ihm damit auch die Trennng zwischen Publikum und Ausführenden aufgehoben ist. Alle sind Ritualteilnehmer. Afro-Amerikanische Musik kommt von der afrikanischen Ritualmusik. Im Jazz ist, wo er gelingt, noch etwas davon spürbar oder sollte, m.E. noch etwas davon spürbar sein. Das gelingt wirklich häufig noch am besten den Free Jazzern, wo oft auch die Kommunikation nicht nur zwischen den Musikern, sondern auch zwischen den Musikern und einem zwangsläufig aufmerksamen Publikum am intensivsten ist. Das jeder Ton gleichberechtigt wichtig ist, das mitdenkende Publikum Teil der Aufführung ist, das war aber auch das Ideal von Darmstadt. Boulez, der sich intensiv mit außereuropäischer Musik auseinandergesetzt hat, nicht nur bei Messiaen und Strawinsky studiert hatte, sondern auch bei den damals klügsten französischen struturalistischen Musikethnologen und der das als den wichtigsten Teil seiner Ausbildung, seines Einflusses bezeichnet hat, war auch dieser Zusammenhang klar. In Kompositionstiteln wie "Ritual for Maderna" wird das auch explizit. Mit dem Posaunisten, Komponisten und Philosophen George Lewis, gibt es sogar jemanden, der sowohl der einflußreichen Chicagoer Selbstorganisation afro-amerikanischer Creative Jazz und Free Jazz Musiker, dem AACM angehört, aber auch an Boulez IRCAM geforscht und mit Boulez und andren zusammengearbeitet hat. Aber wo es in der Tradition von Darmstadt über das Mitdenken geht, spielt beim Jazz die gemeinsame Bewegungsenergie der Körper eine gleichberechtigte Rolle: Das Publikum wippt mindestens mit. Deswegen: "It don't mean a thing, (if it ain't got that Swing)", wie es im Songtitel von Duke Ellington heißt. Aber guter Jazz ist eben auch gleichberechtigt Mitdenken, nicht nur oder primär die Bewegungsenergie der Körper, wie überwiegend im Rock, Funk, Soul. Deswegen meine ich, das im guten Jazz dieses afrikanische und afro-amerikanische Erbe immer irgendwie spürbar bleiben sollte, obwohl der Jazz immer von Anfang an auch ein Bastard war, ein Bastard zwischen afrikanischen und diversen europäischen Musiken. Insofern besteht kein Grund für irgendeinen "Purismus". Guter Jazz hatte immer offene Ohren für alles mögliche. Europäische Musiker spielen nicht ganz so wie Afro-Amerikaner. Sie tuen gut daran, ihre eigenen Traditionen mit einzubringen. Und in den 60er kamen beiderseits des Atlantiks auch Musiker darauf, wie Musik auch ohne traditionellen Swing, etwa im taktfreien Spiel, dennoch Drive bekommen kann. Ich meine das also wirklich gerade nicht puristisch. Die Musik der Diplom-Beboper ist eher langweilig. Aber die Haltung zu diesem afrikanischen Erbe ist wichtig: Jazz als "Rettungstation", als Musik, bei der es um etwas geht. Wie er das umsetzt, da muß jeder Musiker seine eigenen Formen finden.

      Was ebenso zu diesem Erbe gehört, ebenso dieses ritualistische Alles-ist-gleichberechtigt-wichtig beinhaltet, ist ein anderes Verhältnis von Individualität und Kollektivität. Guter, gelungener Jazz ist in dieser Hinsicht gelebte Utopie: Im Jazz ist die Individualität wichtig, aber ebenso das verwirklichte Zusammenspiel. Es wird hoch geschätzt, einen eigenen 'Sound' zu entwickeln. Die Geschichten von Leuten wie Charles Mingus oder Miles Davis, wie sie Musiker zur Schnecke machten, die nur gut wie x oder y spielten, sind bekannt. Höchstes Lob war aber: "Hey Jimmy, heute abend klangst du wie Jimmy Knepper!" Aber diese Individualität kann am besten im Zusammenspiel in der Gruppe erreicht werden. Der Ego-Trip, von dem es im real-existierenden Jazz natürlich auch jede Menge gibt, macht die Musik schwächer. So berichtet David Murray: “Sieben Jahre spielte Blackwell in meinem Quartett, bis er eines Abends nach einem Konzert im Village Vanguard zu mir sagte, dass ich heute zum ersten Mal mit der Rhythmusgruppe zusammen gespielt hätte. Dann fragte ich ihn, was ich denn vorher gemacht hätte, und er sagte, ich hätte den Star gemacht und all das, aber nicht mit der Band gespielt. Er meinte, dass ich mir das früher von ihm nicht hätte sagen lassen – und wahrscheinlich hatte er Recht. Ich brauchte eine ganze Weile, um die Message zu verarbeiten und bedankte mich dann bei ihm. Das ist, was man lernt, wenn man mit den Alten spielt.” Es ist von dem alten, aus New Orleans stammenden afro-amerikanischen Schlagzeuger Ed Blackwell die Rede, der, außer mit Murray, viel mit Don Cherry, Ornette Coleman und Dewey Redman spielte.
      Improvisation kann enorm viel Individualitätsentwicklung ermöglichen, aber nicht, wenn man nur aus sich selbst schöpft. Dann wiederholt man sich schnell und Freiheit wird zu Illusion. Gelungene gemeinsame Improvisation braucht die Aufmerksamkeit für den Anderen, lebt davon, schnell auf den anderen reagieren zu können, in einer Weise, die etwas von ihm aufnimmt. Freiheit ist hier auch Affirmation einer produktiven Abhängigkeit von den anderen. Im westlichen Denken der Moderne wird hingegen, mit Ausnahme weniger, wie Spinoza, Feuerbach, Marx, Freud, Freiheit zumeist als "Selbstverwirklichung" mit Autonomie-Ideal, als Lösung von allen Abhängigkeiten verstanden. Aber das ist Illusion. Nicht nur der Ego-Trip, sondern überhaupt die Begrenzung an die Fesseln im Gefangen-Sein dieser Illusion ist das Problem. Es ist wieder Boulez, der das davon durchschaut und in seiner Kritik an einer jazzfernen europäischen freien Improvisation formuliert hat: Das sei "geschriebene Improvisation", wie gefesselt an eine vorgegebene Schrift, die bloß nicht ausgeführt sei, insofern schwächer als ausgeschriebene Komposition, wo sich der Komponist doch ebenso wie der Interpret doch immerhin mit dem Anderen des Materials bewußt auseinandersetzen müsse. Gelungene Improvisation ist hingegen immer Assoziation, die die anderen und, das, was sie einzubringen haben, gleichberechtigt zur Geltung kommen läßt und die das als die Bedingung der eigenen individuellen Entfaltung akzeptiert, weil ich nur so, nur mit anderen, mein eigenes enges Ich mit seinen Fesseln überschreiten kann. Gelungener Jazz ist deswegen immer die Bejaung des Anderen, ist Hinauswagen ins Offene, ist Dekonstruktion. Im gelungenen Jazz ist insofern etwas von der Utopie der "frei assoziierten Produzenten" bereits verwirklicht. Die eigene Abhänigkeit meiner freien Individualitätsentfaltung von der der anderen ist in der gelungenen Improvisation akzeptiert. Nur so ist volle Responsivität für den anderen und volle Geistesgegenwärtigkeit, auf das, was er einbringt, zu erreichen und dann merke ich auf einmal, das ich Sachen spielen kann, die ich sonst eigentlich gar nicht spielen kann oder auf die ich sonst nie gekommen wäre. Das ist in der gemeinsamen Improvisation ein unglaublich beglückendes Erlebnis. Etwas, wie hellwache Berauschung. Daran kann man aber auch als nur mithörender, miterlebender Teil eines Konzerts viel mitbekommen. Was auf Platte zu Hause noch als undurchdringliches Chaos erschien, wird in der miterlebten Interaktion viel lichter, viel leichter kenntlich, wenn ihr die Interaktion auch miterlebt, euer Körper mitschwingt. Deswegen, geht in Konzerte! Jazz ist in erster Linie Live-Musik! Und die Musiker brauchen eure Unterstützung. Von CDs kann niemand leben. Und ihr habt was davon, was über einen ganz unterhaltsamen Abend hiausgeht. Ich habe oft erlebt, das ich Freunde zu Konzerten mitgenommen habe, die das Vorurteil hatten, moderner Jazz sei nur eine ernste Angelegenheit für grauschöpfige Eggheads und dann staunten sie, wieviel Humor meist in guter improvisierter Improvisation steckt und oft haben ihnen die freisten, extremsten Gruppen am besten gefallen, weil da am meisten passierte, in der Offenheit die lebendigste Musik geschaffen wurde. Wenn ich ihnen die gleiche Musik zu Hause von der CD vorgespielt hätte, wäre sie ihnen viel zu anstrengend gewesen.

      Ich halte hingegen gar nicht mehr von Argumenten des leichten Einstiegsangebots. Mit solchen Argumenten werden nur die Musiken oder die Medienprogramme immer seichter, aber die Pop-Hörer die sich mal eine Nora Jones oder Diana Krall-CD kaufen und darüber zum Jazz kämen, von denen habe ich noch nie jemand kennengelernt. Gibt es die überhaupt? Mit solchen Argumenten, davon bin ich inzwischen fest überzeugt, wird die Musik, der es wirklich um etwas geht, nur weiter marginalisiert. Gerade den Einsteigern nur das Beste!

      Trifft man dabei den richtigen Zeitpunkt der Muße und Aufnahmefähigkeit und vielleicht noch etwas, was zu dem Besten der jeweils individuellen Hörgewohnheiten der potentiellen Einsteiger/Einsteigerin Brücken schlagen kann, läßt sich hingegen viel gewinnen. Also am besten an die Hand genommen und in's kalte Wasser gesprungen, zu einem richtig guten Live-Konzert!

      Und auch von der CD vorgespielt, nur etwas, woran ich die eigene Begeisterung zeigen kann und vielleicht davon etwas vermitteln kann. Ich habe da gute Erfahrung gemacht mit italienischem und französischem Jazz. Der ist oft auch in seinen anspruchsvolleren Varianten sehr melodisch, cantabel, irgenwie freundlich und für europäisch geprägte Ohren und Körper zum Mitswingen einladend, z.B. besonders schön, alles 5-Sterne/Jubelmännchen-Produkte, mit denen ich in dieser Hinsicht gute Erfahrung gemacht habe:



      Gianluigi Trovesi (cl) Gianni Coscia (acc)



      Michel Portal (cl, acl, bcl, bandoneon) Richard Galliano (acc)



      Lucilla Galleazzi (voc), Vincent Courtois (cello), Michel Godard (tuba, serpent)

      Besonders für HörerInnen, die auch Klassik, besonders Alte Musik hören:



      Accordion – Jean-Louis Matinier
      Cello – Paolo Ballanti
      Clarinet [Piccolo], Bass Clarinet, Alto Saxophone – Gianluigi Trovesi
      Double Bass – Renaud Garcia-Fons
      Drums, Percussion – Fulvio Maras
      Guitar – Paolo Manzolini
      Percussion [Tamburello], Voice – Carlo Rizzo
      Violin – Stefania Trovesi, Stefano Montanari


      Musiker, wie Portal, Trovesi, Coscia, Vincent Courtois haben aber genauso auch wichtige Beiträge zum europäischen Free Jazz und Creative Jazz geleistet, spielen das nach wie vor auch und auch bei diesen freundlich-zugänglichen Aufnahmen kommt in ihren Spielhaltungen viel davon mit hinein.

      :wink: Matthias
    • Général Lavine schrieb:

      , höre Dir doch zum Vergleich mal die beiden ECM-Aufnahmen des jungen polnischen Pianisten Marcin Wasilewski an (der aus dem Tomasz Stanko Quartet hervorging).


      Ist nicht meine Musik, aber die sind auf ihre Art schon gut. Gute Filmmusik für einen überwiegend sehr ruhigen,aber romantischen Film mit vielen langen Kamerafahrten, ohne schnelle Kameraschwenks, der ganz auf seine aufgerufenen Bilder vertraut, trifft es, würde ich sagen. Aber dabei irgendwie elegantes, feines Spiel, deswegen vielleicht deine Diner-Assotiation. Mir etwas zu 'fein', zu einseitig 'elegant', aber auch das muß man erst mal können und die Jungs können es.

      Das damals noch sehr junge Marcin Wasilewski Trio gab es übrigens schon, bevor Tomasz Stanko zeitweilig mit ihm sein Quartett bildete und es dadurch sehr fördern konnte

      :wink: Matthias
    • Matthias Oberg schrieb:

      Was auf Platte zu Hause noch als undurchdringliches Chaos erschien, wird in der miterlebten Interaktion viel lichter, viel leichter kenntlich, wenn ihr die Interaktion auch miterlebt, euer Körper mitschwingt. Deswegen, geht in Konzerte! Jazz ist in erster Linie Live-Musik!


      Das kann ich nach einer nicht mal Handvoll Konzerte in München sehr gut nachvollziehen. Ich höre ja schon lange immer mal wieder unsystematisch ein bisschen Jazz, war aber praktisch nie in Konzerten. So war ich tatsächlich erst im Rahmen der letzten (noch andauernden) Jazz-Phase das erste mal in der Unterfahrt, dem Jazzclub in München :hide:

      Und tatsächlich fand ich das Live-Erebnis noch viel besser als die Platten. So anders als in der Klassik ist das aber eigentlich nicht, wenn ich ehrlich bin. Man bekommt einfach viel mehr von den Interaktionen der Musiker mit und das reißt mich mit und ich kann auch besser zuhören. Am ehesten vergleichbar mit Kammermusik in einem kleinen Saal, wenn man wirklich nahe bei den Musikern ist. Also ich kann auch nur empfehlen es mal zu probieren.

      Das Problem ist nur, daß jetzt mein Konzertkalender noch voller ist ;(


      Matthias Oberg schrieb:

      Und die Musiker brauchen eure Unterstützung. Von CDs kann niemand leben.



      Ist das denn so, daß sie von den Konzerten besser leben können. Im Rahmen der Wollny-Sauer Promotion Tour habe ich mal versucht hochzurechnen, was denn da für die Musiker rauskommen könnte und so arg viel fand ich das nicht. Aber meine Vermutung, daß durch den anschließenden CD-Verkauf mehr hereinkommt ist dann wohl auch verkehrt?

      Aber die Konzertkalender der Musiker sind teilweise schon wirklich gut gefüllt.

      Bei Spotify gibt's übrigens (fast) alle Clean Feed Platten, für die Matthias ja hier immer Werbung macht. Höre also gerade:



      Es spielt das Carlos Barretto Trio in dieser Besetzung Carlos Barretto (b), François Corneloup (bsx), José Salgueiro (d), Mário Delgado (g) (OK, wer der Gast ist, weiß ich jetzt nicht).

      Da bin ich noch nicht ganz so sicher, ob mir das so gut gefällt. Es klingt schon teilweise sehr interessant - es ist eher ruhige Musik in der die Musiker sich immer wieder in kleineren Formationen zusammentun (was mir sehr gut gefällt), häufiger zerfällt die Musik aber auch in meinen Ohren in unzusammenhängende Einzelmomente (kann's nicht besser erklären).

      Vielleicht gibt's gleich diese:



      Joao Paulo spielt Solo-Piano. Definitiv eine sehr ruhige und für mich beruhigende Platte, die mir ausgezeichnet gefällt und nach dem heutigen Tag gut tut, bevor ich den zweiten Teil des Arbeitstags beginne :(

      Viele Grüße,

      Melanie
      With music I know happiness (Kurtág)