Jazz mit Laser und Nadel: Gerade goutiert

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    • Diese:



      Ben Monder: Amorphae (2015)
      Ben Monder (g), Pete Rende (synth), Andrew Cyrille/Paul Motian (dr)

      Ist das Jazz? Vielleicht nicht im traditionellen Sinne. Aber es ist sehr intensive, schöne Klangkunst, manchem vielleicht zu sehr Richtung Ambient. Mich macht das grade ziemlich an! Sehr relaxed und zugleich spannend und ein bissel gruselig. Gefällt!

      Adieu
      Algabal
      Keine Angst vor der Kultur - es ist nur noch ein Gramm da.
    • Algabal schrieb:

      Neuer Hörstoff für Algabals Ohren:



      Paul Bley/Gary Peacock/Paul Motian: When will the Blues Leave (2019)
      Bley (p), Peacock (b), Motian (dr)

      Am Mittwoch i-wo in Berlin erworben, gestern Abend mit ganz viel Spaß im Ruhrgebiet gehört! Ein Konzertmitschnitt aus 1999. Großteils Bley- oder Bley/Peacock-Kompositionen, ein Stück von Ornette Coleman (das Titelstück eben) und als Zugabe die Interpretation eines Gershwin/Gershwin-Songs. Ich mag dieses gleichermaßen inspirierte wie abgeklärte, freie Kammerspiel der drei Herren ungemein gern. Es ist echt eine Freude, dass ECM offenbar noch ein paar Schätze in den Archiven (oder sonstwo) hat ... Gestern Abend war ein guter Tag!

      Adieu
      Algabal
      Auf RONDO gibt es heute eine sehr schöne Rezension zur gezeigten Scheibe:

      rondomagazin.de/kritiken.php?kritiken_id=10707

      Adieu
      Algabal
      Keine Angst vor der Kultur - es ist nur noch ein Gramm da.
    • Algabal schrieb:

      Algabal schrieb:

      Neuer Hörstoff für Algabals Ohren:



      Paul Bley/Gary Peacock/Paul Motian: When will the Blues Leave (2019)
      Bley (p), Peacock (b), Motian (dr)

      Am Mittwoch i-wo in Berlin erworben, gestern Abend mit ganz viel Spaß im Ruhrgebiet gehört! Ein Konzertmitschnitt aus 1999. Großteils Bley- oder Bley/Peacock-Kompositionen, ein Stück von Ornette Coleman (das Titelstück eben) und als Zugabe die Interpretation eines Gershwin/Gershwin-Songs. Ich mag dieses gleichermaßen inspirierte wie abgeklärte, freie Kammerspiel der drei Herren ungemein gern. Es ist echt eine Freude, dass ECM offenbar noch ein paar Schätze in den Archiven (oder sonstwo) hat ... Gestern Abend war ein guter Tag!

      Adieu
      Algabal
      Auf RONDO gibt es heute eine sehr schöne Rezension zur gezeigten Scheibe:

      rondomagazin.de/kritiken.php?kritiken_id=10707

      Adieu
      Algabal

      ... "Es gab Zeiten, da empfanden gestandene Jazzfans den Begriff „Free Jazz“ als Warnsignal. Heute ist er eher ein Qualitätsbegriff ..." :thumbsup:
      "Wer Werte verteidigen will, hat sie schon aufgegeben. Man kann Werte nur leben, sodass sie manifest werden und Strahlkraft erlangen." (Hagen Rether)
    • Newbie69 schrieb:

      Es gab Zeiten, da empfanden gestandene Jazzfans den Begriff „Free Jazz“ als Warnsignal.
      Weißt Du, warum Ornette Coleman und seine Mitmusiker vom Publikum ausgepfiffen wurden, als sie ihre ersten Free Jazz-Konzerte gaben? Die Konzerte wurde mit dem Begriff "Free Jazz" angekündigt. Die Menschen gingen hin und dachten, der Eintritt sei frei. "Free Jazz" eben. Und als sie dann dort waren, mussten sie plötzlich bezahlen. Das verursachte bei ihnen Unmut und sie pfiffen. Sie pfiffen aber nicht, weil sie die Musik schlecht fanden.

      Bei mir läuft eine der besten Big Band-Scheiben, die ich kenne:


      Es ist einfach nur Weltklasse, was Phil Collins am Schlagzeug (ohne einen Ton zu singen!) mit hochkarätigen Jazz- und Rockmusikern (u.a. James Carter, Gerald Albright, George Duke, Luis Conte) mit Arrangements u.a. von Arif Mardin, Gerald Albright und Sammy Nastico aufführt.

      Bei der Keimzelle dieses Big Band-Projekts war ich anwesend. Anlässlich des 10. Todestages von Schlagzeug-Legende Buddy Rich fand am 3. Oktober 1998 im Manhattan Center in New York City ein Buddy Rich Tribute-Konzert statt mit dessen ehemaliger Big Band. Seine Big Band-Mitglieder waren auf der Bühne, nur musste natürlich der verstorbene Schlagzeuger ersetzt werden. Auf den Plakaten in New York waren drei Schlagzeuger für diesen denkwürdigen Abend angekündigt: Steve Smith, Dennis Chambers und (natürlich am größten und fettesten gedruckt) Phil Collins. Meine damalige Ehefrau und ich dachten, dass Phil Collins als Gallionsfigur vermutlich ein oder zwei Stücke spielt, der Rest des Konzerts wird dann von den anderen beiden bestritten. Aber es kam ganz anders. Erst spielte Steve Smith in einer Quintett-Besetzung mit Mitgliedern der Big Band, dann Dennis Chambers mit der kompletten Big Band. Dann war Pause. Nach der Pause hieß es: "Phil Collins wird etwa zwei Stunden spielen" =O :thumbsup: :clap:

      Es war der absolute Hammer. Phil Collins spielte sich in diesen zwei Stunden die Seele aus dem Leib. Ein Big Band-Event vom Aller-, Aller-, Allerfeinsten. Nur ganz zum Schluss sang er, auf ausdrücklichen Wunsch von Buddy Richs Tochter, einen einzigen Song als Zugabe. Sonst gab es von ihm nur Schlagzeug pur. Und wie!

      Wenig später stellte er sich dann diese Big Band zusammen, deren Pariser Konzert auf der Phil Collins Big Band-CD verewigt ist. Phil Collins hat dieses Album Buddy Rich und Sonny Payne gewidmet und hebt in seinen liner notes hervor, wie sehr ihn diese beiden Musiker sowie Count Basie, Harold Jones, Jo Jones und Duke Ellington geprägt haben.
      Er tut so gut.
      (Swjatoslaw Richter über Joseph Haydn)
    • music lover schrieb:

      Weißt Du, warum Ornette Coleman und seine Mitmusiker vom Publikum ausgepfiffen wurden, als sie ihre ersten Free Jazz-Konzerte gaben? Die Konzerte wurde mit dem Begriff "Free Jazz" angekündigt. Die Menschen gingen hin und dachten, der Eintritt sei frei. "Free Jazz" eben. Und als sie dann dort waren, mussten sie plötzlich bezahlen. Das verursachte bei ihnen Unmut und sie pfiffen. Sie pfiffen aber nicht, weil sie die Musik schlecht fanden.
      Nein, war mir neu. ^^
      "Wer Werte verteidigen will, hat sie schon aufgegeben. Man kann Werte nur leben, sodass sie manifest werden und Strahlkraft erlangen." (Hagen Rether)
    • music lover schrieb:

      Weißt Du, warum Ornette Coleman und seine Mitmusiker vom Publikum ausgepfiffen wurden, als sie ihre ersten Free Jazz-Konzerte gaben? Die Konzerte wurde mit dem Begriff "Free Jazz" angekündigt. Die Menschen gingen hin und dachten, der Eintritt sei frei. "Free Jazz" eben. Und als sie dann dort waren, mussten sie plötzlich bezahlen. Das verursachte bei ihnen Unmut und sie pfiffen. Sie pfiffen aber nicht, weil sie die Musik schlecht fanden.
      Das halte ich für falsch. Das mag vielleicht so gewesen sein bei einem Teil der Leute, aber ist historisch sicher nicht DER Punkt gewesen. Man hat die Musik nicht verstanden, und ich gebe zu, ich verstehe sie bis heute nicht.

      Es waren, wie es bereits bei der Entstehung des Bop in der Zeit von ca. 1940-1945 gewesen war, ja erneut Musiker, die bereits zuvor noch "Bop" spielten, etwa Eric Dolphy, Charles Mingus, George Russell, John Coltrane oder auch Jaki Byard und Booker Little, die man durchaus noch im anderen Zusammenhang kennen wird. Don Cherry und Ornette Coleman, Archie Shepp, Albert Ayler bekamen wegen ihres Spielens kaum Engagements. Es war in etwa so, wie es bei Charlie Parker war am Anfang. Man warf sie aus den Bands wieder hinaus.

      Man denke an Roland Kirk, der zugleich drei Saxophone spielte, und zwischendurch noch in eine Pfeife blies, das war den Leuten schlicht und ergreifend "to much". Die "neue Musik" war weder tanzbar, noch hatte sie für die Leute einen gängigen Rhythmus oder war harmonisch noch nachvollziehbar.

      Daher halte ich die Begründung von "music lover", den ich sonst sehr schätze, doch für wirklich nicht entscheidend, warum diese Musik am Anfang nicht ankam.

      Der Jazz der 1950-er Jahre war ja am Ende doch recht festgefahren: Typische Besetzung war das Quintett: Trompete, Sax, Klavier, Bass und Drums. Die "Formel" war ausgereizt, man war an der Hauswand, das Ende war erreicht. Sicher, die Musiker waren großartig, aber sie hatten sich einmal im Kreis gedreht. Das richtig wilde, das Feuer, wo es kochte und brodelte, das fehlte den jungen Leuten irgendwie. Der Hang zum Protest wurde unterkühlt, etwa durch das perfekt klingende Modern Jazz Quartett, durch Dave Brubeck oder den Quintetts von Max Roach, Art Blakey und Kenny Dorham. Tolle Musik sicher, aber auch festgefahren.

      Ich empfehle hier als Literatur unbedingt mal die Seiten von Joachim Ernst Berendts "Das Jazzbuch" zu lesen, etwa aus dem Jahre 1981, als man Free Jazz" bereits rund 20 Jahre kannte. Dort wird man keinerlei Hinweise zum Punkt "Free Jazz = freier Eintritt" finden.
      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)
    • music lover schrieb:

      Ich weiß jetzt nicht mehr, woher ich das habe. Vielleicht aus dem "down beat"-Magazin, das ich viele Jahre abonniert hatte. Aber für unplausibel halte ich die Geschichte mit "Free Jazz = Jazz umsonst" nicht.
      Ich habe davon wirklich niemals etwas gelesen, gehört, sonst wie registriert. Auch wenn Free Jazz nicht mein Bereich ist, habe ich zumindest darüber gelesen, und da war wirklich keine Rede von Deiner Geschichte. Und Du weißt auch, dass ich recht fit bin im Jazz, wenn auch nicht mehr so fit an der Zeit um 1960 herum.

      Da ich aber weiß, dass Du auch keinen "Schmarrn" von Dir gibst, würde ich es zumindest nicht als völlig absurd jetzt abtun, was ich bei vielen anderen Unsern wohl gleich getan hätte.

      Gerade Berendt hat nie was davon geschrieben, und der war wirklich sehr lange sehr nahe an der Musik und den Künstlern gewesen. Auch kenne ich keinerlei Aussagen von Musikern, die damals aktuell waren, die darauf verweisen würden. Hast Du da mehr irgendwo mal gelesen, also außerhalb des "Down Beat" jetzt?
      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)
    • Ist so. :cincinbier: :cincinbier:

      Bei der Hitze soll man viel Flüssigkeit zu sich nehmen. Da können wir uns mal zwei Gläser gönnen :megalol:
      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)
    • Maurice schrieb:

      Hast Du da mehr irgendwo mal gelesen, also außerhalb des "Down Beat" jetzt?
      Mein Gedächtnis ist zwar sehr gut, aber nicht so elefantenmäßig, dass ich Dir nach Jahren oder Jahrzehnten noch präzise Quellenangaben machen kann (etwa: "Das stand so am 26. Juni 1988 in der Süddeutschen Zeitung" oder "Das wurde in einer Deutschlandfunk-Sendung am 28. November 2009 so behauptet"). Ich sagte ja: Ich habe das irgendwo gelesen oder gehört, und ich halte es für plausibel.

      Dass bei den ersten Free Jazz-Konzerten von Ornette Coleman "Free Jazz" als "Jazz bei freiem Eintritt" verstanden wurde, klingt übrigens fast vollständig wortgleich in zwei Artikeln der Tageszeitung "DIE WELT" vom 9. März 2010 und vom 11. Juni 2015 an. Der eine geschrieben zum 80. Geburtstag von Coleman, der andere dann (einfach mit copy & paste rüberkopiert) zu seinem Tod. Hervorhebungen durch mich:
      Die Reaktionen waren vielfältig: Kollegen boten Coleman Prügel an (Max Roach) oder erklärten ihn zum Visionär (Charles Mingus). Manchen hielten Free Jazz für die Vorwehen der Anarchie, und wieder andere freuten sich auf Jazz bei freiem Eintritt.
      (Quelle: welt.de/welt_print/kultur/lite…us-den-kuehlen-50ern.html)
      Die Reaktionen waren vielfältig: Kollegen boten Ornette Coleman Prügel an (Max Roach) oder erklärten ihn zum Visionär (Charles Mingus). Manche hielten Free Jazz für die Vorwehen der Anarchie, und wieder andere freuten sich einfach auf etwas Jazz bei freiem Eintritt.
      (Quelle: welt.de/kultur/pop/article1423…es-Free-Jazz-ist-tot.html)
      Er tut so gut.
      (Swjatoslaw Richter über Joseph Haydn)
    • music lover schrieb:

      Mein Gedächtnis ist zwar sehr gut, aber nicht so elefantenmäßig, dass ich Dir nach Jahren oder Jahrzehnten noch präzise Quellenangaben machen kann (etwa: "Das stand so am 26. Juni 1988 in der Süddeutschen Zeitung" oder "Das wurde in einer Deutschlandfunk-Sendung am 28. November 2009 so behauptet"). Ich sagte ja: Ich habe das irgendwo gelesen oder gehört, und ich halte es für plausibel.
      Danke Dir. Das hatte ich auch nicht erwartet, aber manchmal weiß man dann, an welcher Stelle oder Quelle man selbst nachschauen kann. Als wirklich bedeutend halte ich das nicht wirklich, aber es eignet sich halt auch wunderbar, um immer mal wieder damit hausieren zu gehen als Presseorgan. Die andere Seite ist die: Wer hätte damals dafür Geld bezahlt? Das klingt jetzt brutal, aber im Grunde konnte man das nur "free" anbieten, den "Free Jazz", der damals bestimmt noch nicht mal einen Namen hatte.
      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)
    • music lover schrieb:

      Es wurde ja damals gerade nicht "for free" angeboten. Auch Free Jazz-Musiker mussten leben, benötigten Eintrittsgelder. Deshalb ja gerade dieses Missverständnis.
      Sorry, ich hatte den Ironie-Smiley vergessen. Das war jetzt auch ein Missverständnis. Ich sags doch, der "Free Jazz" ist im Grunde ein reines "Missverständnis" gewesen. :versteck1: :D
      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)
    • Oha :versteck1:


      Lieber Music Lover, ich hab ja hier hin und wieder mal geschrieben, daß ich, obgleich ein großer Coltrane Fan, mit seinen sehr späten Sachen bedeutend weniger anfangen kann als mit der Musik andrer Freejazzer (Ayler, Shepp, AEoCh), oder auch der FMP-Szene. Gerade die Seattle Live fand ich ganz besonders... Wie soll ich das sagen? Schrecklich? Hilflos? Nichtssagend? Und ich hab sie oft durchgehört, bemüht zu verstehen was der Mann da eigentlich wollte, und sie dann doch irgendwann verscherbelt. Blieb ein Buch mit 7 Siegeln für mich. Auch Sanders fand ich erschreckend, wenn ich mal seine Reihe an großartigen Impulsealben zum Vergleich heranziehe.

      Vielleicht (sehr wahrscheinlich) liegt das ja nur an mir und ich habe eben nicht das Ohr dafür, aber gerade diese Platte, zusammen mit dem Japan-4CD Ding und auch der Village Vanguard Again, die lassen mich vermuten, daß Coltrane am Ende in einer Sackgasse gelandet ist.

      Wäre er älter geworden, er hätte hinausgefunden. Wir werden nur nie wissen auf welche Weise. Aber der Weg in diese Sackgasse (wenn es denn eine war, das ist ja nur mein eigenes Gefühl), den finde ich spannend wie sonst fast nix im Bereich der Musik.
      Mußte ich mal loswerden weil ich dieses Cover wieder sah...

      Wenn du Freude hast an dieser Musik beneide ich dich darum, ich will das keinesfalls schmälern, nicht falsch verstehen :clap:



      LG :)
      "Verzicht heißt nicht, die Dinge dieser Welt aufzugeben, sondern zu akzeptieren, daß sie dahingehen."
      (Shunryu Suzuki)
    • Ich muß doch gleich mal eine der Stationen dieses so faszinierenden Weges hören :)




      Nie war er so toll wie in der Zeit mit Dolphy...


      LG :)
      "Verzicht heißt nicht, die Dinge dieser Welt aufzugeben, sondern zu akzeptieren, daß sie dahingehen."
      (Shunryu Suzuki)
    • Maurice schrieb:

      der "Free Jazz" ist im Grunde ein reines "Missverständnis" gewesen.
      Das ist wohl richtig, allerdings würde ich sagen, der "Free Jazz" ist im Grunde ein reines "Missverständnis" (gewesen), denn den hat es nie gegeben und den gibt's fürderhin nicht. Das Missverständnis besteht wohl vor allem darin zu glauben, mit "Free Jazz" eine mehr oder minder bestimmte Stilrichtung beschreiben zu können wie "Swing", "Bebop", "Cool Jazz" oder "Hardbop". Der "Free Jazz", den etwa Bley/Peacock/Motian auf dem von mir weiter oben verlinkten Album spielen, hat aber mit dem "Free Jazz" der 1960er weder in der Haltung noch hinsichtlich des Gehalts sehr viel gemein. Das ist näher an moderner "E-Musik" als an (um nur vier big names zu nennen) Coleman/Coltrane/Ayler/Taylor - doch auch Colman, Coltrane, Ayler und Taylor verbindet stilistisch doch eigentlich sehr, sehr wenig, so wenig, dass es eigentlich ziemlich blödsinnig ist, sie unter ein gemeinsames Rubrum packen zu wollen. Klar, ein Kennzeichen von "Free Jazz" ist das "freie Spiel", eine bestimmte Haltung gegenüber Melodik, Harmonik und Rhythmus (die nämlich ihre Verbindlichkeit verlieren) und damit eine weitgehende bis vollständige Emanzipation der Improvisation vom zugrunde liegenden "Material" (wenn denn überhaupt noch welches zugrunde liegt). Aber sonst? Ist vielleicht auch kein Zufall, dass die bedeutenden Vertreter der verschiedenen Spielarten von frühem "Free Jazz" (also etwa die genannten big names) so gut wie nie zusammen gespielt haben.

      Und dann: Der Pharoah Sanders seiner frühen Impulse!-Alben - ist das Free Jazz? Die Improvisationen sind ziemlich bis völlig frei, aber darunter laufen durchgehend meist Zwei- oder Drei-Harmonie-Ostinati oder gar einfache Ein-Akkord-Drones. Was hat das etwa mit dem völlig ungebundenen (und zugleich völlig relaxten) Spiel von Bley/Peacock/Motian gemein? Aber alles "Free Jazz". Vermutlich ist das das Missverständnis. :)

      Adieu
      Algabal
      Keine Angst vor der Kultur - es ist nur noch ein Gramm da.
    • Gestern Abend hab ich übrigens diese hier gehört:



      The Paul Bley Synthesizer Show (1970)
      Paul Bley (synth, p, el-p), Glen Moore / Frank Tusa / Dick Youngstein (b), Steve Hass / Bobby Moses (dr)

      Das ist krasser Stoff! Also, musikalisch gefällt mir das sehr, sehr, sehr gut - Paul Bley ist hier in Topform und seine Mitspieler ziehen richtig toll mit. Aber der Sound der Analog-Synths ist immer wieder echt gewöhnungsbedürftig bis grotesk. Streckenweise klingt das wie Game Boy breaks free... :ohnmacht1:

      Die Improvisie werde ich später auch mal wieder hören.

      Adieu
      Algabal
      Keine Angst vor der Kultur - es ist nur noch ein Gramm da.
    • garcia schrieb:

      Lieber Music Lover, ich hab ja hier hin und wieder mal geschrieben, daß ich, obgleich ein großer Coltrane Fan, mit seinen sehr späten Sachen bedeutend weniger anfangen kann als mit der Musik andrer Freejazzer (Ayler, Shepp, AEoCh), oder auch der FMP-Szene. Gerade die Seattle Live fand ich ganz besonders... Wie soll ich das sagen? Schrecklich? Hilflos? Nichtssagend? Und ich hab sie oft durchgehört, bemüht zu verstehen was der Mann da eigentlich wollte, und sie dann doch irgendwann verscherbelt. Blieb ein Buch mit 7 Siegeln für mich. Auch Sanders fand ich erschreckend, wenn ich mal seine Reihe an großartigen Impulsealben zum Vergleich heranziehe.

      Vielleicht (sehr wahrscheinlich) liegt das ja nur an mir und ich habe eben nicht das Ohr dafür, aber gerade diese Platte, zusammen mit dem Japan-4CD Ding und auch der Village Vanguard Again, die lassen mich vermuten, daß Coltrane am Ende in einer Sackgasse gelandet ist.

      Wäre er älter geworden, er hätte hinausgefunden. Wir werden nur nie wissen auf welche Weise. Aber der Weg in diese Sackgasse (wenn es denn eine war, das ist ja nur mein eigenes Gefühl), den finde ich spannend wie sonst fast nix im Bereich der Musik.

      garcia schrieb:

      Nie war er so toll wie in der Zeit mit Dolphy
      Du wirst lachen, lieber garcia: Ich unterschreibe jedes Deiner Worte. Sehe alles absolut so wie Du. Mit dem "Live in Seattle"-Album konnte ich nie etwas anfangen, und als dann wenig später auch noch McCoy Tyner und Elvin Jones durch Alice Coltrane und Rashied Ali ersetzt wurden, hörte das Verständnis bei mir endgültig auf.

      Der einzige Unterschied zwischen uns: Ich habe meine CDs aus dieser letzten Coltrane-Periode nicht verscherbelt, sondern sie stehen immer noch im Regal. Und gelegentlich höre ich mal rein. So wie gestern. Aber auch gestern sagte mir "Live in Seattle" nullkommanull.

      Volle Übereinstimmung auch mit Deiner Meinung, dass die Zeit mit Eric Dolphy die beste Zeit von Coltrane war. Die Live-Alben aus dieser Phase: Wahnsinn...
      Er tut so gut.
      (Swjatoslaw Richter über Joseph Haydn)
    • music lover schrieb:

      Bei mir läuft


      Nach eurem kurzen Austausch hier, hörte ich auch mal wieder da rein.

      Es spielen:

      John Coltrane (ts, ss), Pharoah Sanders (ts), McCoy Tyner (p), Donald Rafael Garrett (b-cl, b), Jimmy Garrison (b), Elvin Jones (dr)

      Ich kann nicht sagen, dass mir das "nullkommanull" sagen würde - und "hilflos" (wie garcia schrieb) kann ich das tatsächlich gar nicht finden. Auf mich wirkt dieses Konzert suchend, in alle Richtungen gleichzeitig tastend, sehr unentschieden. Man höre mal "Out of this World": Da steht ein stockkonservatives (aber natürlich großartiges) Solo von Tyner zwischen einem ebenfalls großartigen, aber eben total krassen, beinahe spektral wirkenden Solo von Sanders, der die "Melodie-Linien" völlig atomisiert und einem Coltranesolo, das sehr lyrisch beginnt, diese Lyrik dann aber in affenschnellen Skalenläufen auflöst, sprengt, zerreißt, zerfetzt . Das ist in gewisser Weise echt schizoid, aber auf mich wirkt das sehr, sehr anregend und fesselnd, da einem Künstlerkollektiv auf dem Weg-wohin-auch-immer zuzuhören. Eigentlich finde ich diese Übergangsphase von Coltrane fast am interessantesten bei ihm (aber ich mag seinen Ton weiterhin nicht besonders) ...

      Was diese Konzert im Ganzen aber auch ist: Anstrengend, ja, über alle Maßen anstrengend. Durchhören kann ich die beiden CDs nicht. Deshalb hab ich auch nach "Out of this World" wieder aus gemacht. Aber da hatte ich ja auch schon 35 Minuten zugehört.

      Dieses 4-CD-Japan-Monster müsste ich vielleicht auch mal wieder aus dem Regal nehmen.

      Adieu
      Algabal

      p.s.: Jetzt hab ich doch noch weiter gehört - Mensch, das Tyner-Solo in "Body and Soul" haut einen doch aus den Socken! Das ist doch ganz großes Kino, wie er hier seine typischen pedalisierten Akkord-Impros mit Coltranesken, beinahe schon atonal wirkenden Skalenläufen und Sandersartigen Meldiefragmentatomen kombiniert! Wie kann das denn nullkommanull-sagend sein? ?( ^^
      Keine Angst vor der Kultur - es ist nur noch ein Gramm da.