Max Reger - schwere Kost oder einfach nur unverstanden?

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    • Wulf schrieb:

      Ja, an Ives und seine Collagen dachte ich auch - Stockhausen klingt aber radikaler und noch irrwitziger im Zusammenhang mit Reger. Zwei Komponisten, eine Nation. :D


      Wie? Ich dachte, Stockhausen käme vom Sirius ...

      SCNR

      Liebe Grüße Peter
      .
      Auch fand er aufgeregte Menschen zwar immer sehr lehrreich, aber er hatte dann die Neigung, ein bloßer Zuschauer zu sein, und es kam ihm seltsam vor, selbst mitzuspielen.
      (Hermann Bahr)
    • Meine aktiven Erfahrungen mit Regers Mozart-Variationen im vergangenen Dezember haben dazu geführt, dass ich mir zwei neue Reger-CDs zugelegt und diese richtig intensiv gehört habe. Und jetzt weiß ich auch endlich, warum Michael Schlechtriem vom Klavierkonzert op. 114 so begeistert ist - der Zugang zu diesem herben, fraglos nicht leicht verdaulichen Schinken ist mir nicht zuletzt dank des Booklets der Korstick-Aufnahme



      gelungen. Die in dem insgesamt wirklich hervorragend geschriebenen Text enthaltene "Straßenkarte" hat mir vieles so klar gemacht, dass ich das Konzert jetzt mir ganz anderen Ohren höre. Besonders der langsame Satz mit seinen kunstvoll eingewobenen, nicht immer direkt leicht zu entziffernden Choralzitaten hat es mir angetan. Was für eine tiefgründige, weit ins Metaphysische weisende Musik!

      Bei der zweiten CD handelt es sich um die Digitalisierung älterer DDR-Produktionen:



      Die Ballettsuite ließ mich auch beim zweiten Hören ziemlich kalt; mit Tanz- und Hopsmusik jedweder Art konnte ich allerdings noch nie sonderlich viel anfangen. Deutlich besser gefiel mir dann schon das teilweise erstaunlich unromantisch klingende "Konzert im Alten Stil", aber die große Überraschung brachten schlussendlich die "Variationen und Fuge über ein Thema von Beethoven". Puh, ich muss gestehen, dass ich die Nr. 11 aus Beethovens Bagatellen op. 119 bislang noch gar nicht kannte.... :hide:....was für eine in ihrer scheinbaren Schlichtheit großartige Musik ist das denn! Alleine dieses Thema könnte ich hundertmal hintereinander hören, ohne das es mir über würde - und was macht Reger dann alles mit dieser an sich schon wunderbaren Vorlage!

      Die Mozart-Variationen wirken vielleicht noch einmal einen Hauch abgeklärter uhd "kompletter", aber mir ist völlig unverständlich, warum dieses op. 86 so gut wie nie in den Konzertsälen erklingt und in meinem ollen Reclam-Führer nicht einmal Erwähnung findet! Unter meinen Entdeckungen der letzten Jahre rangiert die wunderbare Variationenreihe über ein noch wunderbareres Thema jedenfalls ganz weit vorne.

      Einen sehr guten Ersteindruck kann man sich hier verschaffen:

      "http://www.youtube.com/watch?v=QxKOtWGpw5w"

      Viele Grüße

      Bernd
    • Also mich wundert bei diesem Thread, daß niemand auf die teilweise wunderbaren Streichquartette von Reger eingeht



      So, warum das Cover hier nicht angezeigt wird, weiß ich nicht, es ist die Einspielung des Berner Streichquartettes auf dem Label CPO, drei CDs, etwa 15 Euro bei JPC. [Coverbild von mir eingefügt: bei Dir war ein Leerzeichen zu viel. ;+) Gurnemanz]

      Diese sind immer noch sehr günstig erhältlich und ich kann diese Einspielung mit dem Berner Quartett sehr empfehlen. Dabei hat es mir besonders das sehr lange Streichquartett Opus 74 sehr angetan, ein wirklich tolles Werk, daß allerdings im sehr langen ersten Satz eine sehr ausufernde Exposition hat, die schon etwa die Hälfte des Satzes einnimmt, während die Reprise reichlich konzentriert und zusammengestrichen ist. Also auch Opus 74 ist schwere Kost, aber sie lohnt sich, auch Opus 109, die anderen Streichquartette wollten sich mir in dem Maße nicht erschließen, werden aber auch lohnenswert sein. Trotzdem war diese wiegesagt nicht teure kleine Box mit das lohnenswerteste, was ich von Reger gehört habe.

      Andere hier gegebene Tips bestätige ich, zweifellos ist die Berlin Classics Box mit den Orchesterwerken sehr lohnenswert, ansonsten habe ich noch einiges an Kammermusik, Cellosonaten, Violinsonaten, Klaviertrios, bestimmt lohnenswert, von mir auch gelegentlich gehört, aber doch schwere Kost, da beißt die Maus keinen Faden ab.

      Gruß
      Macolm
      Der Hedonismus ist die dümmste aller Weltanschauungen und die klügste aller Maximen.
    • Malcolm schrieb:

      Also mich wundert bei diesem Thread, daß niemand auf die teilweise wunderbaren Streichquartette von Reger eingeht
      Hier gibt es etwas dazu: Reger, Max - die Kammermusik. Neben der Einspielung durch das Berner Streichquartett habe ich die des Mannheimer Streichquartetts, die ich deutlich bevorzuge. Habe mir schon lange vorgenommen, mich etwas näher dazu zu äußern (Regers Streichquartette verdienen m. E. etwas Eigenes), aber man kommt ja hier zu nix. :D

      :wink:
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
      Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
      Helmut Lachenmann
    • Braccio schrieb:

      ein paar Stichworte

      In Eile, irgendwann genauer: Die Mannheimer sind deutlich weniger hallig als die Berner; das Ganze wirkt klarer, strukturierter: das Klischee "Reger als schwere Kost" wird abgebaut: Der konnte auch leicht, flockig, zart, sogar witzig - nicht immer nur zäh, dick und unverdaulich. Die Mannheimer gehen energisch und lebendig zur Sache.

      Für mich aufschlußreich: clarté und esprit gibt's nicht nur bei Debussy & Co.!

      :wink:
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
      Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
      Helmut Lachenmann
    • Es ist zwar länger her, dass ich die gehört habe und ich besitze von den Mannheimern auch nur zwei Quartette (und zwei andere CDs mit gemischten Besetzungen) und ich bin alles andere als gut vetraut mit dieser Musik, aber ich fand die cpo-Aufnahme durchaus gleichwertig. Der Klang mag nicht so gut sein wie bei MDG (aber für mich lange gut genug), die Interpretationen habe ich als etwas "strenger", vielleicht auch trockener in Erinnerung. Und das Set kostet weniger als eine einzige CD der Mannheimer...
      ...a man who refuses to have his own philosophy will not even have the advantages of a brute beast, and be left to his own instincts. He will only have the used-up scraps of somebody else’s philosophy; which the beasts do not have to inherit; hence their happiness. Men have always one of two things: either a complete and conscious philosophy or the unconscious acceptance of the broken bits of some incomplete and shattered and often discredited philosophy. (G. K. Chesterton)
    • Wenn ich es richtig sehe, haben wir noch gar keinen "Jubiläumsthread" für Ma(x)estro Reger, oder?

      Auch in diesen Thread passt allerdings ein heute erschiener Artikel aus Wiesbaden anlässlich seines 100. Todestages, der auch in diesem Thread einen passenden Platz findet:
      "http://www.wiesbadener-tagblatt.de/lokales/kultur/lokale-kultur/100-todestag-von-max-reger--eine-wuerdigung-aus-sicht-des-wiesbadener-organisten-gabriel-dessauer_16884648.htm"

      Die dortige Darstellung finde ich sehr gut getroffen. Ich erlebe es auch desöfteren in Konzerten mit Regers Musik, wie sehr die Meinungen zwischen Musizierenden und "Nur-Hörenden" genau in besagter Richtung auseinandergehen...
    • Werk statt Leben

      Na sowas... ^^ Gerade wollte ich auch einen Beitrag in diesem Thread verfassen.

      In der heutigen Ausgabe der Süddeutschen Zeitung rezensiert Jens Malte Fischer die neue Reger-Biographie - angeblich die erste umfassende seit 1939 - von Susanne Popp (Leiterin des Max-Reger-Instituts in Karlsruhe) sehr positiv. Die Fischer-Rezension ist leider nicht frei im Netz zugänglich, ich verlinke mal auf eine andere, ebenfalls sehr angetane:
      "http://ifb.bsz-bw.de/bsz455060274rez-1.pdf;jsessionid=77B34D3F61B891A3D14D18ECD7B03482?id=7724"
      Anscheinend ist das Buch nicht nur eine gründliche Biographie, sondern enthält vor allem auch ausführliche Werkbesprechungen, wie der doppeldeutige Untertitel "Werk statt Leben" schon nahelegt.
      Vergleiche auch das aufschlussreiche Inhaltsverzeichnis: "https://www.breitkopf.com/assets/pdf/BV450_Inh.pdf"







      Viele Grüße


      Bernd
      Details are always welcome. (Vladimir Nabokov)
    • Es gibt wohl kaum jemand der kompetenter wäre als Frau Dr. Popp, ein Buch über max Reger zu schreiben. Insofern bin ich sehr gespannt auf die Lektüre. Die Biografie von Rainer Cadenbach (Max Reger und seine Zeit, Laaber Verlag), die ich bisher habe, ist zwar stellenweise recht informativ aber recht zäh zu lesen, wie viele Bände dieser Reihe.

      Die Beschäftigung mit Reger empfinde ich als ausgesprochen gewinnbringend. Ich würde mir wünschen dass diesem großen Musiker zumindest in seinem Todesjahr etwas mehr Aufmerksamkeit zuteil wird.

      Peter
      "Sie haben mich gerade beleidigt. Nehmen Sie das eventuell zurück?" "Nein" "Na gut, dann ist der Fall für mich erledigt" (Groucho Marx)
    • Danke für die

      Zwielicht schrieb:

      In der heutigen Ausgabe der Süddeutschen Zeitung rezensiert Jens Malte Fischer die neue Reger-Biographie
      Danke für die Buchempfehlung - von dieser Veröffentlichung hatte ich noch gar nichts mitbekommen. Susanne Popp war mir auch ein Begriff... zufälligerweise ist mir gestern dann diese Radiosendung mit einem Gespräch zwischen Frau Popp und Andreas Bomba über den Weg gelaufen:

      "http://mp3.podcast.hr-online.de/mp3/podcast/hr2_doppelkopf/hr2_doppelkopf_20160511_68498171.mp3"

      Viel Spaß beim Hören, wer mag...
    • Auf die Schnelle ein Hinweis: Nachher kommt im MDR:


      um 23.05 Uhr: Lebensläufe - Max Reger - Ein musikalischer Koloss. Film von Anna Schmidt


      um 23.35 Uhr: Erlebnis Musik - Max Reger: Variationen und Fuge über ein Thema von Mozart, op. 132


      um 0.10 Uhr: Erlebnis Musik: Max Reger: Der 100. Psalm op.106, Aufzeichnung aus der Kreuzkirche Dresden 1984


      Beste Grüße, Ansgar
    • Da das Klavierkonzert op. 114 hier mehrfach besprochen und u. a. die Aufnahme mit Serkin/Ormandy empfohlen wurde:

      Sind diese beiden Aufnahmen identisch:

      und amazon.de/dp/B001PQG05C/ref=wl…LS6&coliid=I33W8GQ6MMSB1T ?

      Und wenn ja: Sind sie klangleich gleich oder bietet das Sony-Remastering eine Verbessrerung? In diesem Fall erwäge ich, diese irgendwann mal zu beschaffen (wird momentan bei Amazon etwas hoch gehandelt :S ).

      :wink:
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
      Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
      Helmut Lachenmann
    • Hallo,
      ich habe die CD mit Serkin in der Ausgabe mit der oberen blauen Hälfte. Sie klingt recht gut für 1959! Dass die Partitur recht "dick" orchestriert ist, merkt man schon und Ormandy mochte einen "fetten Sound"
      Zusätzlich habe ich seit 40 Jahren die LP, damals in der CBS 61XXX Serie erschienen. die rauschte wie ein Wald im Wind.

      Die anderen Aufnahmen, die ich schätze, sind mit Eduard Erdmann, Erik Then-Bergh, beide mit Rosbaud, leider in Mono aber viel schlanker. Vor allem gefällt mit das Team Gerhard Oppitz/Horst Stein/Bamberger. Letztere ist klanglich am besten. Sie ist ja auch die Jüngste.
      Gruß aus Kiel
      Ich vergesse niemals ein Gesicht. Doch bei Ihnen mache ich eine Ausnahme! (Groucho Marx)
    • Doc Stänker schrieb:

      Die anderen Aufnahmen, die ich schätze, sind mit Eduard Erdmann, Erik Then-Bergh, beide mit Rosbaud, leider in Mono aber viel schlanker. Vor allem gefällt mit das Team Gerhard Oppitz/Horst Stein/Bamberger.
      Kenne ich alle nicht. Ich habe bisher de Groote/Gielen und neuerdings Douglas/Janowski. Beide sind recht unterschiedlich, demnächst gern genauer, falls gewünscht.

      :wink:
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
      Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
      Helmut Lachenmann


    • möglicherweise wären diese beiden Einspielungen noch was zum Nachhören. Immerhin sind es exzellente Pianisten, die hier am Werk sind.
      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)