PUCCINI: Turandot - Kommentierte Diskographie

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    • Liebe Capricciosi,

      die Partie der Turandot hat ja unter Sopranistinnen einen ziemlich üblen Ruf ("tötet die Soprane", etc.), und wirklich überzeugende Turandots auf der Bühne sind tatsächlich dementsprechend selten. Mir ist aber ehrlich gesagt nicht ganz klar, woran das liegt, oder präziser gesprochen: was an der Partie das besonders Mörderische ist im Verhältnis zu, sagen wir, den großen dramatischen Verdi-Heroinen oder einer Cio-Cio-San oder Minnie. Im Vergleich zu denen ist die Partie nämlich vor allem eines: kurz. Die durchgedrehte Prinzessin hat ja eigentlich nur "In questa reggia", die Rätselszene und das Finale zu singen. Die Arie liegt zwar zugegebenermaßen etwas hoch, ist aber über weite Strecken eher lyrisch als dramatisch und auch für Puccini vergleichsweise zart instrumentiert (Anna Netrebko hat ja anlässlich ihrer neuen Verismo-CD überhaupt die Koketterie besessen, "In questa reggia" zur einfachsten Arie ihres Programms zu erklären!). Das gegenseitige "Übertrumpfen" von Calaf und Turandot ("L'enigmi sono tre") ist natürlich dann schon sehr dramatisch. Die Rätsel scheinen mir aber dafür keine außergewöhnlichen Anforderungen zu stellen. Und das Alfano-Finale ist doch größtenteils auch eher auf der lyrischen (Spinto-)Seite, und wenn es ausgerechnet an dem scheitern sollte, wäre ich sehr dafür, es zu entschärfen, zu streichen, oder weitere Alternativfinales zu komponieren. Irgendwie scheint mir am Papier der Calaf die weitaus anstrengendere Partie zu sein - nun die Frage an Stimmexperten und praktizierende Sänger/-innen: Wo liegt mein Denk- oder Hörfehler?

      Liebe Grüße,
      Areios
      "Wenn [...] mehrere abweichende Forschungsmeinungen angegeben werden, müssen Sie Stellung nehmen, warum Sie A und nicht B folgen („Reichlich spekulativ die Behauptung von Mumpitz, Dinosaurier im alten Rom, S. 11, dass der Brand Roms 64 n. Chr. durch den hyperventilierenden Hausdrachen des Kaisers ausgelöst worden sei. Dieser war – wie der Grabstein AE 2024,234 zeigt – schon im Jahr zuvor verschieden.“)."
      Andreas Hartmann, Tutorium Quercopolitanum, S. 163.
    • Lieber Areios!

      Ja Du hast zum Großteil Recht, jedoch ohne dem Alfano-Finale würde etwas mir fehlen, was die Aufführungen beweisen, dass nach Liús Tod die Oper zu Ende ist.

      Birgit Nilsson hatte mmer gemeint, bevor sie die Turandot das erste Mal sang die Partie wäre leicht, das ist sie keinesfalls und mit einem lyrischen Sopran sie zu besetzen wäre nicht mein Fall. Diese Prinzessin weiß zwar vom Anfang an dass Calaf ihr Schicksal ist und die Kälte die sie ausstrahlt kann ich mir bei Anna Netrebko kaum vorstellen. Ja die Partie des Calafs ist schwerer doch gerade die Rätselszene ist für mich in Gedanken an ihre Ahnin geprägt. Sie hasst nicht weil sie kein Herz hat sondern weil sie Rache spürt.

      Ein neuer Schluss ist für mich problematischer als es zu belassen wie es ist.

      Liebe Grüße sendet Dir Peter aus Wien. :wink:


    • Münchner Rundfunkaufnahme 1992, SONY 2009

      Auch wenn sich das Interesse immer wieder auf Birgit Nilsson konzentriert, so sollte man doch gerecht sein und nicht überhören, daß es auch andere ideale Turandot-Interpretinnen gab und gibt, unter denen Éva Marton sicher eine herausragende ist. Es stimmt zwar, daß sie bei dieser Aufnahme ihren Höhepunkt schon hinter sich hatte, aber einige wenige Schärfen und Schrillitäten in den höchsten Höhen vermögen die Spitzenleistung nicht wirklich zu beeinträchtigen. Marton singt eine Turandot, die mehr Menschlichkeit und Gefühl durchschimmern läßt als die Nilsson. Sonst müßte man sich ja auch wundern, daß Calaf nicht der Liù verfällt, die Margaret Price wirklich wunderschön singt. Einziger Einwand: Sie hört sich nicht mädchenhaft an, sondern ausgesprochen weiblich.
      Ben Heppner ist ein vorzüglicher Calaf, in dessen völlig unverbrauchter Stimme Farbe und Ausdruck, Metall und Gefühl großartig verschmelzen. Ausgezeichnet auch der Timur Jan-Hendrik Rooterings. Claes H.Ahnsjö als Altoum beweist Sangkultur, klingt aber teilweise zu jugendlich. Das Ministertrio: Nicht schlecht, aber ich habe es schon besser gehört. Den Herren liegt das Dramatische besser als das Lyrische. Dem Terzett im 2.Akt fehlt es ein bißchen an Farbe. Aber sie singen sehr sauber.
      Nicht schlecht ist auch der Dirigent Roberto Abbado (der Neffe Claudio Abbados), Doch finde ich, daß er die Feinheiten nicht so sehr herausarbeitet. Die Effekte liegen ihm besser, was gelegentlich auch die Balance zwischen Stimmen und Orchester stört. Einige Male wird es fast breiig. daran dürfte aber auch die Tontechnik mit schuld sein, denn es gibt ein paar minimale Übersteuerungen.
      Eine schöne Aufnahme, der ich subjektiv vier Sterne zuerkenne und die teilweise Fünfsternniveau erreicht.
      ______________________

      Homo sum, ergo inscius.
    • Areios schrieb:

      die Partie der Turandot hat ja unter Sopranistinnen einen ziemlich üblen Ruf ("tötet die Soprane", etc.), und wirklich überzeugende Turandots auf der Bühne sind tatsächlich dementsprechend selten. Mir ist aber ehrlich gesagt nicht ganz klar, woran das liegt, oder präziser gesprochen: was an der Partie das besonders Mörderische ist
      Ich denke, dass es die unangenehm hochliegende Tessitura der Partie ist. Ständig muss sie da oben herumsegeln, v.a. auch in der Rätselszene und dazu oftmals gegen ein volles Orchester. Da mag manche Verdi-Partie mit einem einmaligen Spitzenton in der Region einfacher sein. (Schlicht ausgedrückt. ;) )

      Zudem, jedenfalls in den Inszenierungen, die ich gesehen habe, wurde die Turandot weit hinten und oben postiert (2. Akt), so dass sie stimmlich einfach auch noch einen weiten Raum zu überbrücken hatte.

      :wink: Wolfram
    • Waldi schrieb:

      Zugelegt habe ich mir die Aufnahme natürlich auch wegen Maria Callas in der Titelpartie - im Bewußtsein, daß sie sich damit an eine Partie gewagt hat, von der sie besser hätte lassen sollen.
      Zu Beginn ihrer Karriere hat sie die Partie ja regelmäßig gesungen und auch die Studio-Aufnahme der Arie von 1954 zeigt sie noch bei besserer Stimme. Sie scheint die Partie 'drauf' gehabt zu haben. Nur 1957 kam eine GA einfach zu spät. Da trafen sich wohl die Marktinteressen der EMI, sprich Legges, aber wohl auch ihr eigenes Trachten nach dem weiterhin gültigen Titel 'Assoluta'.

      Ein weiterer Grund mögen die Umstände gewesen sein. Rückkehr aus Edinburgh und Feiern in Venedig (also für sie ein relativ undiszipliniertes Leben), dann Aufnahmen von Manon Lescaut, Medea und eben Turandot direkt hintereinander. Also schon alles recht kraftzehrend.

      Aber immerhin ist es ein faszinierendes und sensibles Porträt geworden.

      :wink: Wolfram
    • Waldi schrieb:

      Nach der - sehr verständlichen - Corelli-Hymnistik weiter oben möchte ich aber auch den Kalaf Giuseppe di Stefanos in den Himmel heben. Obwohl damals längst über seinen Höhepunkt hinaus, gibt er eine maßstäbliche Interpretation mit einer vokalen Beseeltheit und einer Gestaltungskraft, die ihresgleichen sucht, ohne tenorale Mätzchen.
      Oh ja, das unterschreibe ich sofort. Die Frage ist, ob er diese Partie überhaupt hätte singen sollen, aber was er daraus macht, ist schon, gerade im Finale I. Akt, atemberaubend.

      Ich liebe diese Aufnahme daher auch sehr. Auch wegen der wunderbaren Liù der Price und jemand wie Zaccaria sollte man hier auch nicht vergessen. ^^

      Deshalb hier nochmal das Bild dazu:



      :wink: Wolfram
    • Ja das kann ich wohl sagen, es war in der Wallmann Inszenierung in Wien und di Stefano tat sich als Calaf nicht ganz leicht damit,

      sein Nachfolger d.h.. andere Besetzung war dann Franco Corelli als Calaf der die Partie mühelos sang. Bei der Prinzessin von Birgit Nilsson war der Idealere. Leontyne Price war als Liú auch ideal.

      Ich war ja schon bei der Premiere mit di Stefano der kleine Chinese mit der Laterne und man kam zum Staunen wie mühelos Franco in der Rätselszene es packte.

      Birgit Nilsson erzählt in Ihrem Buch dass sie dache die Partie wäre ja nicht lang, aber wie schwer sie war das dachte sie, anfangs, doch nicht. Wie sie es erzählte ist mit Humor gespickt.

      Liebe Grüße von Eurem Streiferl aus Wien. :wink:
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    • oper337 schrieb:

      di Stefano tat sich als Calaf nicht ganz leicht damit
      Da bin ich mir sicher. Man hört es ja auch. Aber es ist einfach immer wieder unglaublich, welche Emotionen er aus einer Partie herausholen konnte, wenn er wollte und wie er sich dann auch hemmungslos hineinschmiss.

      Corelli war, was die Sicherheit diese Partie singen zu können, natürlich ein ganz anderes Kaliber. Das war halt sein Stimmfach und das füllte er als Calaf bewundernswert aus. Di Stefano hatte da vom Stimmtypus her von vornherein die schlechteren Karten. Und natürlich hätte er bei seinen 'Leisten' bleiben sollen. Aber das war ja eben nicht sein Naturell und hier ging es wenigstens nicht schief.

      Übrigens beneide ich dich regelmäßig ^^ , was und wen du alles auf der Bühne und dahinter erlebt hast, du Glücklicher.

      :wink: Wolfram
    • Lieber Wolfram!

      Ja mit 20 gab ich dann Ruhe und das Publikum hat sich bestimmt gefreut darüber - aber schön war es doch mit diesen lieben Leuten auf der Bühne zu sein,

      bei der Turandot habe ich ja nicht gesungen, bei der Zauberflöte und Tosca, Carmen und La Bohéme, Evangelimann da habe ich gesungen, hatte ja so lange noch einen hohen Knabensopran. Und klein war ich ja auch dazu, bin nicht viel größer geworden, nur 168 cm halt.

      Liebe Grüße von Peter. :wink: :wink:
    • Deutschsprachige Turandots

      Hallo,
      ich besitze einen Querschnitt in deutscher Sprache mit Ingrid Bjoner in der Titelrolle. Sie imponiert schon, aber man versteht kein Wort ihres Textes. Ludovic Spiess als Kalaf war vielleicht eine Notlösung für die Aufnahme, er kämpft mit Sprache und Stimme. Da ist dann die so viel geschmähte Anneliese Rothenbeetwas rger als Liu der eigentliche Star der Aufnahme. Und sie macht das auch gut.

      Eine andere Aufnahme aus Köln bietet mit Christel Goltz eine sehr gute Turandot, daneben Hans Hopf, ein Wagner-Tenor bei Puccini, das geht aber. Auch Teresa Stich-Randall als Liu überzeugt.

      Eine problematische Aufnahme ist die alte Aufnahme mit Maria Cebotari, die liebte die Rolle, aber wie auch bei Salome gerät sie an ihre Grenzen. Carl Hauss als Kalaf stemmt die Partie als Kraftakt, sehr schwer erträglich. Wieder siegt die Liu: Trude Eipperle.

      Schöne Grüße
      wegan
    • wegan schrieb:

      Ludovic Spiess als Kalaf war vielleicht eine Notlösung für die Aufnahme, er kämpft mit Sprache und Stimme.
      Bei dem berühmt-berüchtigten Live-Ausschnitt der Rätselszene von 1949 mit Callas und del Monaco (alles wohl zusammengebastelt und mit ordentlich Rauschen kombiniert), soll von Spieß der tenorale Schlusston stammen. So hat er immerhin ungewollt über lange Zeit die ganzen Callas-Fans begeistert. :D

      :wink: Wolfram


    • Die weiter oben schon mehrfach gelobte Vorstellung der Wiener Staatsoper 1983 kam 2015 bei Arthaus als Blue-ray Disc heraus. Die Bildqualität ist natürlich trotzdem nicht mit heutigen Standards zu vergleichen, aber im großen und ganzen akzeptabel, mit ganz kleinen Abstrichen ist auch die Tonqualität sehr ordentlich.
      Die Inszenierung von Harold Prince hat etwas Revuehaftes an sich (bei einem Broadway-Regisseur ist das ja auch kein Wunder), aber trotzdem hohe professionelle Qualität. Sie bietet eine Mischung aus romantischem Lichtzauber, folkloristisch gefärbter Exotik, symbolhaften Zügen, Art deco-Elementen und Anlehnungen an Op-Art mit ein wenig unterschwelliger Pop-Art-Farbigkeit. Die Personenführung besticht vor allem bei den drei Hofwürdenträgern, ist aber auch sonst durchgehend meilenweit über das zu stellen, was man auf der Bühne der Staatsoper seither mitunter erleben konnte. Daß selbst Prince mit Kalaf und Turandot weniger anzufangen wußte als mit den Nebenfiguren, liegt einfach in den Rollen selbst begründet, deren Zwiespältigkeit aber doch recht schön herauskommt.
      Rein musikalisch ist das eine mehr als eindrucksvolle Aufführung, bei der Lorin Maazel für mein Empfinden eine seine besten Leistungen liefert (und natürlich bewies er damals als Direktor des Hauses, daß er ein glänzender Leiter des Hauses war, der später zu Unrecht hinausgemobbt wurde). Eva Marton in der Titelrolle benötigt einen kurzen Anlauf, ist sängerisch dann tadellos. Eine große Gestalterin war sie ja nicht unbedingt, sie agiert dennoch rollendeckend auf Staatsopernniveau. José Carreras hatte zu diesem Zeitpunkt den Kalaf wirklich "drauf" und wirkt nicht einmal überanstrengt. Das "Nessun dorma" scheint mir absichtlich nicht als Prunk- und Protzarie gestaltet, der Schlußton kommt nur ganz kurz und wird nur vom Orchester weitergetragen. Dagegen ist nichts zu sagen. Hervorragend natürlich Katia Ricciarelli in eine ihrer Leib- und Lebensrollen, das "Minister"-Trio Robert Kerns/Helmut Wildhaber/Heinz Zednik. Sehr gut der dem zeremoniellen Pomp schon fast entrückte Altoum Waldemar Kmentts, der Mandarin Kurt Rydls und John-Paul Bogart als Timur.
      Insgesamt eine einigermaßen dicke Empfehlung (zumal durchaus preiswert)!
      ______________________

      Homo sum, ergo inscius.
    • Waldi schrieb:

      Insgesamt eine einigermaßen dicke Empfehlung
      danke für den Tip! auf yt hier: zu sehen

      youtube.com/watch?v=eTjtBmQJjfQ

      (gibt auch noch ein älteres schlechtes upload offenbar vom Video).
      ---
      Es wäre lächerlich anzunehmen, daß das, was alle, die die Sache kennen, daran sehen, von dem Künstler allein nicht gesehen worden wäre.
      (J. Chr. Lobe, Fliegende Blätter für Musik, 1855, Bd. 1, S. 24).


      Wenn du größer wirst, verkehre mehr mit Partituren als mit Virtuosen.
      (Schumann, Musikalische Haus- und Lebensregeln).
    • Wolfram schrieb:

      Areios schrieb:

      die Partie der Turandot hat ja unter Sopranistinnen einen ziemlich üblen Ruf ("tötet die Soprane", etc.), und wirklich überzeugende Turandots auf der Bühne sind tatsächlich dementsprechend selten. Mir ist aber ehrlich gesagt nicht ganz klar, woran das liegt, oder präziser gesprochen: was an der Partie das besonders Mörderische ist
      Ich denke, dass es die unangenehm hochliegende Tessitura der Partie ist. Ständig muss sie da oben herumsegeln, v.a. auch in der Rätselszene und dazu oftmals gegen ein volles Orchester. Da mag manche Verdi-Partie mit einem einmaligen Spitzenton in der Region einfacher sein. (Schlicht ausgedrückt. ;) )

      Zudem, jedenfalls in den Inszenierungen, die ich gesehen habe, wurde die Turandot weit hinten und oben postiert (2. Akt), so dass sie stimmlich einfach auch noch einen weiten Raum zu überbrücken hatte.
      In mir verfestigt sich immer mehr die Meinung, dass die Partie in der Rezeption des 20. Jh. komplett missverstanden wurde (Puccini selbst konnte da ja nicht mehr mitreden) und gemessen an den Noten eigentlich für einen großen lyrischen Sopran mit guter Höhe komponiert ist. Wieso müssen wir da immer völlig überforderte metallische Schreckschrauben hören, die sich vorher an Brünnhilde abgesungen haben? Wo doch Turandot eine zerbrechliche traumatisierte junge Frau ist, die in ihrer großen Arie (und die ist definitiv das wichtigste, was sie zu singen hat, jede Besetzung muss sich vor allem daran orientieren) vor allem melancholisch schwebende Pianissimi ohne Orchesterbegleitung benötigt? Die Calaf nicht mit opernhaftem Machismo erobern kann, sondern nur dadurch, indem er der erste Mann in ihrem Leben ist, der ihr die Möglichkeit zu autonomem Handeln zugesteht? Ich mag die lahmen Ausreden nicht mehr hören, dass wir keine guten Turandots haben können, weil die Partie für einen hochdramatischen Sopran leider viel zu hoch liege. Dann muss man eben mal die Konsequenzen ziehen und einen Stimmtyp besetzen, der zu Puccinis Musik passt. So wie 1981 in Paris, als Montserrat Caballé gezeigt hat, dass man die Turandot auch singen und nicht nur brüllen und kreischen kann:

      youtube.com/watch?v=-vQgDmULFq0

      Liebe Grüße,
      Areios
      "Wenn [...] mehrere abweichende Forschungsmeinungen angegeben werden, müssen Sie Stellung nehmen, warum Sie A und nicht B folgen („Reichlich spekulativ die Behauptung von Mumpitz, Dinosaurier im alten Rom, S. 11, dass der Brand Roms 64 n. Chr. durch den hyperventilierenden Hausdrachen des Kaisers ausgelöst worden sei. Dieser war – wie der Grabstein AE 2024,234 zeigt – schon im Jahr zuvor verschieden.“)."
      Andreas Hartmann, Tutorium Quercopolitanum, S. 163.
    • Meine Liebling Turandot ist Dame Gwyneth Jones, sie nimmt diese Partie lyrisch und Franco Bonisolli ist der Calaf. Beide sind schon etwas über ihrer ehemaligen Stimmkraft hinaus singen es aber ausgezeichnet und wahrhaft und spielen es auch ausgezeichnet.

      Liebe Grüße von Streiferl / Peter. :wink: :wink:
    • oper337 schrieb:

      Meine Liebling Turandot ist Dame Gwyneth Jones, sie nimmt diese Partie lyrisch und Franco Bonisolli ist der Calaf. Beide sind schon etwas über ihrer ehemaligen Stimmkraft hinaus singen es aber ausgezeichnet und wahrhaft und spielen es auch ausgezeichnet.
      Ich hatte mal eine Aufnahme mit den beiden von 1986 oder sogar 1982 (zur Feier irgendeiner Olympiade aufgezeichnet). Da war die Jones wirklich sensationell, weil sie ihre eigenen eher lyrischen Anfänge immer noch in dieser Partie zeigen konnte. Jahre später in Hamburg war sie leider wirklich über ihren stimmlichen Zenit hinaus und es klang so, wie man es bei der Jones eben kannte. Nicht, dass ich das nicht mochte. Ich habe sie immer sehr geliebt, aber im Sinne von Areios war das sicherlich nicht mehr.

      Bonisolli habe ich häufiger in der Partie erlebt und fand ihn auch an guten Tagen durchaus fähig (und willens ^^ ) diese Partie mit einer wunderbaren Mischung von empfindsamer Dramatik und Stamina anzugehen. Vergleichbar hier mit Corelli.

      Ich weiß gar nicht, ob ich die Partie der Turandot allzu lyrisch hören möchte und das nicht nur, weil man es kaum gewohnt ist. Natürlich möchte ich keine vokale Protzerei, aber das Harte, Unmenschliche, eben Eiskalte muss auch rüberkommen. Inwieweit das Schein ist und sie darunter eine ganz andere ist, finde ich zunächst nicht so wichtig. So tritt sie auf und das muss auch durchscheinen, auch in ihrer Arie und der Rätselszene.

      Die Ricciarelli scheitert für mein Empfinden an dieser Partie, obwohl sie sie nun wirklich lyrisch angeht und auch entsprechend unterstützt wird. Aber das ist mir einfach zu wenig Durchschlagskraft in den Momenten, wo es darauf ankommt. Turandot ist keine Mimi. Cebotari finde ich, trotz der deutschen Version schon interessanter.

      Ich würde hier übrigens auch die Callas ins Spiel bringen, die zwar in der GA nicht mehr optimal war, deren frühere Aufnahmen aber zeigen, dass sie durchaus vom lyrisch-dramatischen Sopran kommt und nicht vom hochdramatischen.

      :wink: Wolfram
    • Guten Morgen

      Katia Ricciarelli scheiterte auch an der Tosca. Sie war es eben nicht wie hier in der Turandot da hat mir Eva Marton bedeutend besser gefallen als sie mit Carreras die Turandot sang. José Carreras war ihr ein wunderbarer Calaf, einige Jahre später mit Placido war sie etwas ausgesungen und Domingo eindeutig schlecht. Beim "Nessun dorma" setzte er zu tief an und "halbierte" den Calaf und setzt neu an um auf die Höhe zu kommen.
    • Lieber Areios,

      Dein Argument gegen das allzu Metallische hat viel für sich. Die Turandot verlangt sicher eine ausgeprägte lyrische Komponente in der Stimme. Man muß aber aufpassen, daß diese sich nicht zu sehr dem lyrischen Typ der Liu annähert, denn sonst wäre es schwer begreiflich, daß sich Kalaf nicht entschieden der treuen Sklavin zuwendet (und aus solchem Blickwinkel ist von vornherein klar, daß die Ricciarelli als Turandot unmöglich reüssieren konnte; sie besaß nicht die Wandlungsfähigkeit der Callas).
      Auch wenn Puccini nicht mehr mitreden konnte: Überblickt man sein OEuvre, dann hat er seine Sopranpartien stets auf einer ausgeprägten Gefühlsbasis konzipiert, siehe Tosca! Du hast das ja in Deinen Ausführungen auch durchschimmern lassen. Metall ist bei der Turandot für mich zulässig, wenn deutlich bleibt, daß das nur der umgürtende Panzer ist, worauf indirekt ja auch Peter hingewiesen hat.

      :wink: :wink: Waldi
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      Homo sum, ergo inscius.
    • Turandot und Liù sind natürlich total komplementäre Frauenrollen, aber ich bin mir nicht sicher, inwieweit man das stark stimmlich differenzieren kann: Liù ist äußerlich schwach, verfügt aber über eine große und unbeugsame innere Stärke, Turandot hat sich nach außen mit einem Panzer umgeben, ist dahinter aber sehr verletzlich und fragil. Von den Arien ist aber "In questa reggia" eher zurückhaltender als "Signore ascolta" und "Tu che di gel sei cinta", Turandot muss eigentlich viel mehr Pianissimo singen als Liù - im richtigen Moment aber natürlich schon auch auftrumpfen können. Bei gutmütiger Interpretation (die von Puccinis Musik nicht unbedingt gestützt wird) sieht doch Calaf hinter der Fassade die wahre Turandot und will sie aus ihrem selbstgewählten Gefängnis befreien. Dann muss man aber auch als Zuhörer merken können, dass es da hinter der Fassade noch etwas gibt.

      Ich habe aber den Eindruck, dass es in der Anfangszeit der Rezeption, bevor Birgit Nilsson die Rollenerwartungen geprägt hat, sehr wohl zahlreiche Lirico-Spinto-Turandots ohne hochdramatische Komponente gab. Also Sängerinnen, die sonst eher Donna Anna, Mimì, Cio-Cio-San, die Verdi-Leonoren, Salome, Chrysothemis und die ägyptische Helena im Repertoire hatten, von Wagner aber, wenn überhaupt, höchstens Senta und Sieglinde gesungen haben. Die berühmteste Turandot der 1920er und frühen 1930er Jahre war wohl die deutsche Sopranistin Anne Roselle, die damit bei der deutschen Erstaufführung in Dresden 1926 (bei der noch Alfano I gegeben wurde, weil sich die Toscanini-Striche noch nicht durchgesetzt hatten) über Nacht zum Star wurde. Sie verfügte anscheinend über eine gleißende Bombenhöhe, aber warm und ganz und gar nicht eisig, wie man immer noch hören kann:

      youtube.com/watch?v=8Q2LhdHPOcQ

      Von den Studio-GAs finde ich eigentlich Inge Borkh, Maria Callas und Joan Sutherland am überzeugendsten, alle drei deutlich vom Belcanto herkommend und alle drei keine Wagnersängerinnen. Am besten überhaupt wahrscheinlich Sutherland, die die Rolle allerdings nie auf der Bühne gesungen hat. Caballés Studioaufnahme kenne ich nicht, aber die Live-Mitschnitte mit ihr als Turandot, die man auf Youtube finden kann, sind ebenfalls vorzüglich. Ricciarellis "In questa reggia" könnte eigentlich recht schön sein, wenn Karajan es nicht so verschleppt hätte. Ihren lyrischen Zugang zu dieser Arie finde ich grundsätzlich schon gut, aber die hohe Tessitura klingt bei ihr auch etwas gequält, diesbezüglich unterscheidet sie sich nicht positiv von hochdramatischen Kolleginnen. Birgit Nilsson ist zwar zugegebenermaßen schon beeindruckend und verfügt über eine bemerkenswerte (wenn auch etwas grobe) Höhe, aber in interpretatorischer und stilistischer Hinsicht ist sie mir definitiv zu sehr männermordende Walküre und hat zu wenig italianità. Außerdem schmilzt sie nicht gut im Finale.

      Liebe Grüße,
      Areios
      "Wenn [...] mehrere abweichende Forschungsmeinungen angegeben werden, müssen Sie Stellung nehmen, warum Sie A und nicht B folgen („Reichlich spekulativ die Behauptung von Mumpitz, Dinosaurier im alten Rom, S. 11, dass der Brand Roms 64 n. Chr. durch den hyperventilierenden Hausdrachen des Kaisers ausgelöst worden sei. Dieser war – wie der Grabstein AE 2024,234 zeigt – schon im Jahr zuvor verschieden.“)."
      Andreas Hartmann, Tutorium Quercopolitanum, S. 163.
    • Drei Turandots fallen mir hier ein die mich überzeugten die eine war am Anfang Gertrude Grob-Prandl, später dann war es Birgit Nilsson, der man wohl am Anfang Schärfen nachsagen konnte und dann auf alle Fälle Inge Borkh.
      Die Letztere war noch dazu eine ausgezeichnete Sing-Schauspielerin und sie hatte das was ich von einer Turandot verlangte.

      Doch Birgit Nilsson war einmalig im Auftreten, Singen und der Erscheinung [ich war ein kleiner Chinese damals in der Wallmann - Inszenierung ,die mir heute den Reiz der Turandot mehr gab als alle Neuinszenierungen] und sie hat mich fasziniert zuerst mit Giuseppe di Stefano und denn mit Franco Corellli und die waren für mich das Idealpaar. Außerdem sang Leontyne Price die Liú ein Glanzfest an der Wiener Staatsoper.

      Liebe Grüße von Eurem Streiferl an dem schon wieder heiß werdenden Freitag. :wink: