Petrus Alamire (1470 - 1536) - Musiker und Buchmaler

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    • Petrus Alamire (1470 - 1536) - Musiker und Buchmaler

      Petrus Alamire, Musiker, Kalligraph, Musikalienhändler, Bergbausachverständiger, Diplomat, Doppelagent, war eine der schillerndsten Figuren in der Musikgeschichte der frühen Renaissance.

      Er wird geboren 1470 in einer Kaufmannsfamilie in Nürnberg, sein Geburtsname ist vermutlich Imhof, Imhove oder van den Hove. Das Pseudonym Alamire ist zusammengesetzt aus dem Buchstaben A für den Ton a sowie den Solmisationssilben la - mi - re. Weitere Informationen über seine frühe Lebenszeit sind spärlich.

      In den 1490er Jahren taucht Petrus Alamire in den Niederlanden auf. 1496 wird er in den Büchern der Bruderschaft Unserer Lieben Frau in ’s Hertogenbosch für die Lieferung von Manuskripten erwähnt, ebenso 1499 bei der Bruderschaft unserer Lieben Frau in Antwerpen. Ab 1503 lebt er in Antwerpen; Philipp der Schöne erwirbt in diesem Jahr ein Manuskript von ihm. 1509 wird er Kopist der Hofkapelle von Erzherzog Karl, dem späteren Kaiser Karl dem V. Diese Stelle an den burgundischen Höfen in Brüssel oder Mechelen behält er auch in den nächsten 25 Jahren. Gleichzeitig ist er aber auch auf vielen anderen Gebieten aktiv.

      Alamire wird schnell zu einem der gesuchtesten Buchmaler und Kopisten der Niederlande. Rund 50 Handschriften und etliche Manuskriptfragmente sind erhalten, darin sind mehr als 850 Werke von Komponisten der franco-flämischen Schule überliefert.
      Alamire betreibt wohl bald ein Scriptorium, für das inzwischen neben ihm 4 weitere Schreiber identifiziert sind.

      Illuminierte Handschriften gelten aufgrund ihrer prachtvollen Ausstattung als wertvolle Geschenke; Karl verteilt diese großzügig an andere Regenten, den Papst, die Fugger und v.a. an die Fürsten des Reichs, die ihn später zum Kaiser wählen sollen. So verbreiten sich auch wesentliche Teile des zeitgenössischen franco-flämischen Repertoires in weiten Teilen Europas; diese Handschriften sind heute in vielen Bibliotheken zu finden, die meisten wohl in der Österreichischen Nationalbibliothek.



      The A-la-mi-re Manuscripts.
      Flemish Polyphonic Treasures for Charles V.
      Capilla Flamenca.



      Irgendwann zwischen 1505 und 1516 zieht Alamire nach Mechelen, das fortan sein fester Wohnsitz wird. Zwischen 1515 und 1518 reist er viel zwischen dem Kontinent und London hin und her. Er handelt mit Manuscripten, Bildern, Musikinstrumenten und wohl auch mit Nachrichten.

      Im Exil in Metz residiert Richard de la Pole, letzter Anwärter des Hauses York auf den englischen Thron. Das Haus York war der Verlierer der Rosenkriege um den englischen Thron gegen das Haus Lancaster. Der burgundische Hof war dem Haus York seit der Hochzeit von Karl dem Kühnen mit Margareta von York verwandtschaftlich verbunden. Sicher kommt Alamire da einiges zu Ohren, auf der anderen Seite, bei Aufenthalten und Geschäften am Hof Heinrich VIII. ebenso.
      Heinrich VIII. misstraut Alamire jedoch rasch, der wiederum hat wohl Angst um seinen Kopf und traut sich in der Folgezeit nicht mehr nach London.

      Einen Hinweis auf Kenntnisse des Bergbaus kann man bei Petrus Alamire nicht finden. Umso erstaunlicher ist der Lohn, den Alamire für die Beratung des dänischen Königs Christian II. [und nicht Christian III, wie es in der niederl. Wikipedia heißt] in Bergbauangelegenheiten erhält. Auch Christian II. war dem burgundischen Hof verwandtschaftlich verbunden. In der niederländischen Wikipedia wird vermutet, dass die “Bergbauangelegenheiten” eine Metapher für Spionage seien.

      Von Alamire selbst ist nur noch eine Komposition erhalten: Tandernaken ob den Rijn. Es wird allerdings vermutet, dass sich unter den vielen anonymen Werken in seinen Manuskripten auch einige von ihm verbergen.

      Alamire bleibt dem Hof in Mechelen auch unter Margarete von Österreich verbunden. Ab 1534 erhält er von ihr eine großzügige Rente.
      Petrus Alamire stirbt 1536 in Mecheln.

      In Belgien ist der Name Alamire nicht so unbekannt wie in Deutschland, ein Institut für Alte Musik trägt seinen Namen:

      "http://www.alamirefoundation.org/nl/node" Alamire Foundation hat sich die Erforschung der niederländischen Musik zum Thema gemacht.
      siehe auch "http://www.alamirefoundation.org/nl/organisatie" hier zur Organisation usw.

      Quellen: v.a. "http://nl.wikipedia.org/wiki/Petrus_Alamire" niederländ. Wikipedia und Booklet der o.a. CD

      Zur oben abgebildeten CD s "http://www.medieval.org/emfaq/cds/nxs54744.htm" .medieval. Org

      Hörbeispiele der einzig erhalten gebliebenen Komposition Alamires:

      Tandernaken ob den Rijn zb. "http://www.youtube.com/watch?v=auX5Eqd1aFc"
      oder einen von der Seite aussuchen:
      "http://www.google.com/search?q=alamire+tandernaken&tbo=p&tbm=vid&source=vgc&hl=de&client=firefox-a&aq=f"



      lg vom eifelplatz, Chris.
    • Jede Handschrift ist eine einzigartige Quelle, im Gegensatz zum Buch gibt es von einer Handschrift immer nur ein einziges Exemplar. Die Handschriften des 15. und 16. Jahrhunderts mit ihren kunstvollen Ausschmückungen von Initialen und wunderbaren Miniaturen gehören sicherlich auch zu den großen Kunstschätzen unserer Geschichte. Diese Luxushandschriften dienten aufgrund ihres damals schon großen Wertes der Repräsentation oder auch als kostbare Geschenke in höfischen Kreisen. Sie wurden dort gut verwahrt, so dass aus dieser Zeit viele Manuskripte erhalten sind, auch solche aus der Werkstatt von Petrus Alamire.

      Ein Großteil dieser erhaltenen Handschriften sind Chorbücher. Der Begriff Chorbuch in diesem Zusammenhang ist standardisiert; man versteht darunter ein großformatiges Manuskript mit großen, für Sänger und Chormeister gut lesbaren Buchstaben und Noten. Die Sänger standen um das auf ein Pult gelegte Chorbuch herum.

      Die verschiedenen Stimmen sind in einem solchen Chorbuch auf je zwei einander gegenüberliegenden Seiten angeordnet. Bei einer vierstimmigen Komposition z.B. sind die Oberstimmen (Cantus, Discantus, Superius) und Tenor auf der linken Seite, Alt (Contra oder Contratenor) und Bass auf der rechten Blattseite notiert. Eine evt. fünfte Stimme kann unten über beide Seiten geschrieben werden, wie z.B. in der Missa de septem doloribus von Pierre de La Rue in der Handschrift "http://www.cmme.org/database/sources/9" BrusRB Ms. 15075 .

      (Frei übers. aus d. Niederl. nach:
      Bossuyt, Ignace: De vlaamse polyfonie. Tweede druk. Leuven: Davidsfond 1994.
      S. 69.)


      Gerade weil diese Handschriften so wertvoll waren, sind sie uns erhalten geblieben, sie wurden ja nicht jeden Tag in den Kirchen oder Kapellen gebraucht, sondern in Schatzkammern und Bibliotheken aufbewahrt. Die Handschriften für die Habsburger sind natürlich in Wien zu finden, ein Manuskript für Heinrich VIII. in London, eines für Papst Leo im Vatikan und in Jena für Friedrich III., Kurfürst von Sachsen.



      Quellen, Literatur und Links


      Leider gibt es wenig frei verfügbare Abbildungen. Ich muss hier auf die Faksimiles von OMI und die Seiten der Alamire Foundation s.u. verweisen. Die Seiten der Alamire Stiftung stehen zwar unter einer CC-Lizenz, aber Auseinandersetzungen mit den Besitzern der Manuskripte, die das nicht so sehen, finde ich nicht gerade erstrebenswert.

      Inzwischen werden mehr und mehr Handschriften digitalisiert und manchmal auch ins Netz gestellt, doch oft ist die Benutzung furchtbar umständlich, weil Regeln und Normen nicht einheitlich sind.

      Zu den grundsätzlichen "Nachschlagewerken" , die meist schon beim Googlen nach einem Manuskript angegeben werden, gehören:

      "http://de.wikipedia.org/wiki/R%C3%A9pertoire_International_des_Sources_Musicales" RISM

      "http://opac.rism.info/" RISM-OPAC

      "http://www.diamm.ac.uk/index.html" Digital Image Archive of Medieval Music


      Speziell zu Alamire habe ich diese Hinweise genutzt:

      The Threasury of Petrus Alamire. Music and Art in Flemish Court Manuscripts. 1500-1535. International Zentrum cool de Studie van de muziek in de Lage Landen. Redaction: H. Kellman, E. Schreurs. Alamire Foundation. Gent, Amsterdam 1999. - "http://www.alamirefoundation.org/nl/publicaties/treasury-petrus-alamire-music-and-art-flemish-court-manuscripts-1500%E2%80%931535" hier The Threasury of Petrus Alamire . Music and Art in Flemish Court Manuscripts, 1500-1535.
      "http://www.thefreelibrary.com/The+Treasury+of+Petrus+Alamire%3A+Music+and+Art+in+Flemish+Court...-a072412278" Free Online Library .

      "http://www.omifacsimiles.com/index.html" OMI’s Home Page - Specialists in Facsimile Editions
      "http://www.omifacsimiles.com/mfeatured.html" omnifacsimiles

      "http://www.flandersmusic.be/document.php?ID=3798" flandersmusic.be
      The treasury of Petrus Alamire - Music and Art in Flemish Court Manuscripts 1500-1535

      "http://www.flandersmusic.be/document.php?ID=2533" flandersmusic.be
      The Burgundian-Habsburg Court complex of Music manuscripts (1500-1535) - and tue Workshop of Petrus Alamire.


      "http://www.cmme.org/" The CMME Projekt.
      computerized mensural music editing.

      z.B. der "http://www.cmme.org/database/projects/4" Occo Codex von Alamire

      "http://www.mcgill.ca/library/library-findinfo/subjects/music/renmicromss/" Rennaissance music manuscripts on microfilm
      lg vom eifelplatz, Chris.