Bachs Orgelwerke - Gesamtaufnahmen

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    • Felix Meritis schrieb:

      Die Kunst der Fuge ist für mich ein Hochgenuss
      Das führt jetzt noch weiter vom Thema weg, aber es ist eine interessante Frage, welcher Hörer bei welcher Musik eigentlich etwas empfindet, was man mit "Vergnügen" oder sogar "Unterhaltung" beschreiben könnte. Ich kenne jemanden, der mal bei einem Festival an einem "bunten Abend" mit lockerem Beisammensein der Musiker mit anregenden Gesprächen (und ebensolchen Getränken) zur Unterhaltung der Anwesenden mit seinen Studenten eine Doppelfuge von Max Reger aufgeführt hat. Das war in seinen Augen wohl einfach der Brüller schlechthin :D . Komisch fand ich es auch, aber wohl aus anderen Gründen als geplant...
      "Herr Professor, vor zwei Wochen schien die Welt noch in Ordnung."
      "Mir nicht."
      (Theodor W. Adorno)
    • ad Cherubino:

      Praktisch die gesamte Bachfamilie war ja musikalisch tätig, da wird er schon was mitbekommen haben. Händel musste sich gegen den Willen seines Vaters musikalisch bilden, Telemann meines Wissens ebenso (hier entgegen dem Wunsch der Mutter).
      Im Zweifelsfall immer Haydn.
    • ChKöhn schrieb:

      Felix Meritis schrieb:

      Die Kunst der Fuge ist für mich ein Hochgenuss
      Das führt jetzt noch weiter vom Thema weg, aber es ist eine interessante Frage, welcher Hörer bei welcher Musik eigentlich etwas empfindet, was man mit "Vergnügen" oder sogar "Unterhaltung" beschreiben könnte. Ich kenne jemanden, der mal bei einem Festival an einem "bunten Abend" mit lockerem Beisammensein der Musiker mit anregenden Gesprächen (und ebensolchen Getränken) zur Unterhaltung der Anwesenden mit seinen Studenten eine Doppelfuge von Max Reger aufgeführt hat. Das war in seinen Augen wohl einfach der Brüller schlechthin :D . Komisch fand ich es auch, aber wohl aus anderen Gründen als geplant...
      Regers Stil ist doch leicht und prickelnd wie Champagner!
      Im Zweifelsfall immer Haydn.
    • Darf ich die Orgelexperten hier fragen... @Mauerblümchen? Falls Du Zeit und Lust hast, oder @Khampan ?

      Bei Marie-Claire Alains Passacaglia BWV 582 höre ich im 2. Zyklus eine zusätzliche Oktave in der Eröffnung, also im Thema. (Es gibt sicher noch andere Stellen, wo es nicht so zugeht, wie in anderen Einspielungen, aber hier ist es sehr auffällig) Höre ich richtig? Das steht nicht so in den Noten, oder? Fällt so etwas unter Interpretationsfreiheit? Benutzt Alain hier den sogenannten Oktavenbass, also ein bestimmtes Register im Pedal....? Wieso macht sie das, wenn das nicht in den Noten steht, fällt das bei Organisten unter Interpretationsfreiheit? Geht sie davon aus, dass Bach es gemacht hätte, wenn er entsprechende Register gehabt hätte? Wissen wir, ob er solche hatte, als er das Stück komponiert hat? Sorry, ich frage Löcher in den Bauch....nicht schlimm, wenn Ihr keine Zeit habt. Sind nur so spontane Fragen, sie mir kommen.

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      Track Nr 62
    • Rosamunde schrieb:

      Bei Marie-Claire Alains Passacaglia BWV 582 höre ich im 2. Zyklus eine zusätzliche Oktave in der Eröffnung, also im Thema. (Es gint sicher noch andere Stellen, wo es nicht so zugeht, wie in anderen Einspielungen, aber hier ist es sehr auffällig) Höre ich richtig? Das steht nicht so in den Noten, oder? Fällt so etwas unter Interpretationsfreiheit? Benutzt Alain hier den sogenannten Oktavenbass, also ein bestimmtes Register im Pedal....?
      Das ist wohl nur eine Frage der gezogenen Register ... klingt wie eine Pedalmixtur, die in der Tat zusätzliche Pbertöne hinzufügt.

      Das fällt unter Interpretationsfreiheit bei gegebener Orgel ...

      Gruß
      MB

      :wink:
      "Es ist ein Jammer, dass die Dummköpfe so selbstsicher und die Gescheiten so voller Zweifel sind." - Bertrand Russell
    • Mauerblümchen schrieb:

      Rosamunde schrieb:

      Bei Marie-Claire Alains Passacaglia BWV 582 höre ich im 2. Zyklus eine zusätzliche Oktave in der Eröffnung, also im Thema.
      [...]
      Das ist wohl nur eine Frage der gezogenen Register ... klingt wie eine Pedalmixtur, die in der Tat zusätzliche Pbertöne hinzufügt.
      Das fällt unter Interpretationsfreiheit bei gegebener Orgel ...
      das höre ich auch so, als Mixtur. Beispielsweise beim Ton G hört man deutlich noch die Quinte heraus, es ist also kein bloßer 2'.
      Das ist ja das schöne an Orgelaufnahmen (und noch mehr bei Aufführungen), dass die Stücke jedes mal völlig anders klingen können.
    • Mauerblümchen schrieb:

      Mein Favorit ist übrigens Kevin Bowyer bei diesem Werk und anderen ...
      Wenn ich es richtig sehe, gibt es da nur viele Einzelausgaben, nur eine komplette Box mit MP3-Dateien. Was findest Du an Bowyer denn so besonders (z. B. im Vergleich mit Alain und evt. Foccroulle)? Du hast anscheinend schon viel von ihm gehört, wie hier dokumentiert ist, nicht wahr? Und welche Einzel-CDs würdest Du besonders empfehlen, lieber MB?

      :wink:
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
      Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
      Helmut Lachenmann
    • Zum 2. Zyklus von Marie-Claire Alain:

      (P) 1981 Erato Disques STU 71341~71361 (21 LPs in 5 Volumes)
      rec. Mai 1978 ~ April 1980


      Erstausgabe war die grüne Box (1985) - siehe hier.


      1998 wurde sie mit neuem Design der äußeren Box erneut aufgelegt:


      gleicher Inhalt, gleiches Booklet


      2007 kam sie in einer neuen, kleineren Box heraus:


      auf 15 CDs eingedampft, schmales Booklet


      Der Inhalt ist stets gleich, nur ist die alte Größe (die Box war ursprünglich so groß wie eine heutige 50-CD-Box) deutlich reduziert worden.
      "Interpretation ist mein Gemüse."
      Hudebux
      "Derjenige, der zum ersten Mal anstatt eines Speeres ein Schimpfwort benutzte, war der Begründer der Zivilisation."
      Jean Paul
    • Gurnemanz schrieb:

      Wenn ich es richtig sehe, gibt es da nur viele Einzelausgaben, nur eine komplette Box mit MP3-Dateien.

      Ja, leider. Diese GA bei Brillant wäre ein Schnapper ... aber da gibt es ja schon Fagius, ebenfalls imho sehr hörenswert.

      Gurnemanz schrieb:

      Was findest Du an Bowyer denn so besonders (z. B. im Vergleich mit Alain und evt. Foccroulle)?

      Nur zur Passacaglia: Zunächst gefällt mir, dass er die (in einer Handschrift überlieferte) Überschrift "Pro Organo Pleno" befolgt, zwar nicht sklavisch, dazu gleich mehr, aber er zeigt mMn sehr überzeugend, dass das Werk mit vollem Klang dargestellt werden kann.

      Klar: Die Überlieferung in nur einer einzigen Handschrift ist freilich dünn; andererseits gibt es von vielen Orgelwerken Bachs überhaupt nur eine einzige Handschrift, und selbst wenn die Vorschrift nicht von Bach sein sollte, dann zeigt diese Version doch, dass es zeitgenössische Spieler gab, die "Pro Organo Pleno" für eine sinnvolle Möglichkeit der Wiedergabe hielten.

      Vor allem finde ich, dass Bowyers Aufnahme viel Spielfreude zeigt, die ich bei MCA bspw. so nicht höre - da höre ich doch mehr Strenge und auch Respekt vor dem Ausnahmewerk. Komponiert ist es von einem 22- oder 23jährigen - ich finde Bowyers Zugang sehr passend. Die Strenge und Einheitlichkeit, die mMn zum Werk dazugehört und letztlich wohl die Großartigkeit ausmacht, diese Polarität von Unveränderlichkeit im Großem und reicher Vielfalt im Kleinen, die ist bei Bowyer bestens hörbar - da ist das Thema der ewig tragende Grund, auf dem alles steht ...

      Bowyer spielt in der Tat "Pro Organo Pleno", wechselt aber ab - anfangs erklingt jede zweite Variation auf einem Nebenwerk mit Vorplenumsklang, also ohne Mixtur, entweder 8' 4' 2' oder 8' mit einem sehr obertonreichem 4'. Die zurückgenommenen Variationen klingen dann wie ein Kommentar zur vorausgehenden. Finde ich ebenfalls überzeugend - gewiss nicht die einzig selig machende Möglichkeit, aber für mich eine gültige. In den zwei- und einstimmigen Variationen schattiert er nochmals ab. Hier argumentieren die historisch Orientierten, dass die Variation des Klangs doch schon im Tonsatz angelegt sei und eine Veränderung der Registrierung darum überflüssig ... man vergleiche etwa mit Koopmans Aufnahme bei Teldec.

      Dazu kommt die herrlich klingende Marcussen-Orgel in Odense, die zudem für meine Ohren wunderbar aufs Medium gebannt wurde ...

      youtube.com/watch?v=fhVh39QKPH4

      Gurnemanz schrieb:

      Und welche Einzel-CDs würdest Du besonders empfehlen, lieber MB?

      Ich habe nicht die ganze GA, doch Doppel-CD mit der Passacaglia ist schon eines der Highlight unter meinen Orgel-CDs, nicht nur bei Bach. Beigegeben ist nämlich der ganze "Dritte Teil der Klavierübung" nebst einem von Bach für Orgel bearbeiteten Vivaldi-Concerto und die beliebte "kleine g-moll-Fuge".

      Ansonsten finde ich das "Volume Three" ganz attraktiv - rahmend die Präludien und Fugen in f-Moll und a-Moll, in der Mitte eine Triosonate (c-Moll), die Partita "Sei gegrüßet" und das d-Moll-Concerto von Vivaldi. Sozusagen ein kursorischer Überblick über das Gesamtwerk.



      Gruß
      MB

      :wink:
      "Es ist ein Jammer, dass die Dummköpfe so selbstsicher und die Gescheiten so voller Zweifel sind." - Bertrand Russell
    • Vielen Dank, lieber MB, für Deine ausführliche, informative Antwort! Jetzt wird mir klar, was Du an Bowyer schätzst. Werde demnächst mal meine beiden Einspielungen der III. Clavier-Übung in Ruhe anhören (Alain, Foccroulle) und dann erwägen, ob mich zusätzlich Bowyer reizen könnte...

      :wink:
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
      Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
      Helmut Lachenmann
    • Die Bowyer-Veröffenlichungen gehören sicher zu den Kronjuwelen des Labels. Schade nur, dass man sich bislang nicht entschließen konnte die CD-Produktionen verboxt zu einem halbwege günstigen Preis herauszubringen, wie unlängst Signum mit den Einspielungen von David Goode. Möglicherweis wäre es angezeigt sich im Hinblick auf Kevin Bowyers Lesarten zunächst einen ersten Überblick zu verschaffen.

      Eine recht interessante Auswahl der Odense-Einspielungen bietet diese Doppel-CD-Veröffentlichung, die man, wenn man regelmäßig die einschlägigen Verkaufsportale durchscannt, bisweilen auch für unter fünf Euro bekommen kann.



      BWV 537, 538, 540, 542, 564, 565, 566, 572 & für Orgel eingerichtet 916 - 919
    • Mauerblümchen schrieb:

      Ja, leider. Diese GA bei Brillant wäre ein Schnapper ... aber da gibt es ja schon Fagius, ebenfalls imho sehr hörenswert.
      Ist doch durch Stefano Molardi abgelöst worden:

      seit 2015

      Allerdings bekommt man den Fagius gebraucht günstig hinterhergeworfen:

      "Interpretation ist mein Gemüse."
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      "Derjenige, der zum ersten Mal anstatt eines Speeres ein Schimpfwort benutzte, war der Begründer der Zivilisation."
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