Janáček: "Aus einem Totenhaus (Z mrtvého domu)" - Opernhaus Zürich, 04.06.2011

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    • Janáček: "Aus einem Totenhaus (Z mrtvého domu)" - Opernhaus Zürich, 04.06.2011

      Lange ist es her, dass Ingo Metzmacher als Dirigent und Peter Konwitschny als Regisseur mit ihren gemeinsamen Produktionen die Staatsoper Hamburg zu einem weithin und viel beachteten Haus gemacht haben. Was in Hamburg mit der gemeinsamen Zeit der beiden Künstler dort verlorengegangen ist, wurde jetzt anlässlich der Neuproduktion der letzten Oper von Leos Janacek „Aus einem Totenhaus“ am Stadttheater Zürich deutlich.

      Ideal ergänzen sich hier die szenische und die musikalische Realisation. Das alles, unterstützt durch die Ausstattung von Johannes Leiacker, wirkt stimmig und wohlüberlegt – und wenn man sich erst einmal an die ungewöhnliche Umgebung gewöhnt hat, in der in Zürich die auf einen Text von Dostojewski zurückgehende Geschichte über ein Gefangenenlager angesiedelt ist, erlebt man einen gelungenen Theaterabend, in deren Zentrum die für Konwitschny typische, ausgefeilte Personenführung steht.

      Anders als bei Barrie Kosky in Hannover oder bei Calixto Bieito in Basel, wo das Gefangenenlager noch erkennbar war, blickt man zu Beginn des Abends im Opernhaus am Rande des Zürichsees auf ein grosses Foto, das auf eine Leinwand vor der Bühne projiziert wird. Es zeigt von oben aufgenommen einen Platz in unmittelbarer Nähe des Theaters, der trotz des Namens “Bellevueplatz“ eine ziemlich hässliche Strassenbahnhaltestelle beherbergt. Mit Einsetzten der Musik belebt sich auch das Bild: Menschen überqueren die Strasse, die Trambahnen fahren die Haltestellenpunkte an, langsam verblasst das Video und gibt den Blick auf die Bühne frei.

      Da sieht man in einem ganz in weiss gehaltenen Raum links eine Bar, in der Mitte gibt es einen Platz für eine kleine Bühne, im Raum verteilt stehen überall Tische und Stühle, durch die riesige Glasfront blickt man auf das nächste Haus aus Glas und Stahl und es regnet. Es lässt sich vermuten, dass dieser Raum in den oberen Etagen eines Hochhauses angesiedelt ist

      Die Gesellschaft, die sich da versammelt hat – es sind ausschliesslich Männer – trägt dunkle Anzüge und neben wenigen Krawatten vor allem Fliege. Irgendwie erinnert diese ehrenwerte Gesellschaft an die in Zürich reich vertretenen Finanzdienstleister, einer liest die Wirtschaftswoche, doch dann sind dunkle Sonnenbrillen und ein rüdes Benehmen eher ein Indiz dafür, dass man es hier mit Kriminellen zu tun hat. Aber möglicherweise gibt es mehr Überschneidungen der einen mit der anderen Gruppe, als man gerade in Bankkreisen zu zugeben bereit ist.

      Leben kommt in die Bude, als der Boss auftritt, ein grauhaariger Typ im weissen Dinnerjacket. Dieser Pate, der von zwei Bodyguards begleitet wird, hat einen Neuen mitgebracht. So richtig passt der nicht zu den anderen mit seiner Brille und mit seinem Interesse an Literatur.

      Während eines Initiationsritus wird der Neue gedemütigt, geschlagen und mit einer Schusswaffe bedroht. Mitleid zeigt der Bartender Aleya.

      Konwitschny lässt nicht nur die Bühne bespielen, er bezieht auch hier wieder gerne - wie in anderen seiner Inszenierungen - den Zuschauerraum mit ein. So flirtet Luka Kusmitsch von der Bühne herab mit einzelnen Damen aus dem Publikum, bevor Skuratow gleich ganz durch die erste Parkettreihe steigt und ein empörtes Ehepaar von seinen Sitzen schmeisst. Auch der Chor darf einzelne Kommentierungen aus dem Zuschauerraum heraus singen, genauso, wie der Tenor seine Vokalise zu Beginn des zweiten Aktes oder der als Zuschauer auftretende betrunkene Sträfling seine Einwürfe.

      Die grosse Erzählung aus dem ersten Akt erleichtert sich Luka mit einer kräftigen Linie Kokain, das – und vermutlich andere Rauschmittel – verabreicht der Bartender Aleya völlig ohne jeglichen Umstand.

      Verblüffend, wie gut sich auch in diese Inszenierung ein solches Detail, wie die Tatsache, dass Aleya nicht Lesen und nicht Schreiben kann, integrieren lässt. Als Grojantschikow, der nun nicht mehr Neue, anfängt Aleya das Lesen beizubringen, bietet das wieder Gelegenheit zu Aggressionen der anderen Männer.

      Im Mittelpunkt des zweiten Aktes steht die Theaterszene mit Don Juan, die im Übrigen in Deutsch gesungen angekündigt wird. Eine kleine Bühne wird eingerichtet, deren bestimmendes Element eine Stange ist, wie sie zur Grundausstattung vieler Nachtbars gehört. Die Männer ziehen sich zum Zuschauen Gefängnisjacken über, die Damen für die Aufführung sind hinreichend leicht bekleidet, um die Männer in Wallung zu bringen, es dauert nicht lange, bis es hier zu Übergriffen kommt.

      Bei der Szene mit der „schönen Müllerin“ innerhalb dieser Party-Unterhaltung – wer weiss, ob nicht manche Firma solche Vergnügungen nicht tatsächlich für ihre Mitarbeiter in dieser Form ausrichtet – kommen dann noch Go-Go-Boys dazu, die neben beindruckend gestylten Oberkörpern auch eine beachtliche Beweglichkeit vorstellen können.

      Die ganze Szene eskaliert wenig später in einer Massenschlägerei, die auch ein wildes Rumgeballere vom Boss nicht befrieden kann, musikalisch wird das durch bedrohlich in den Zuschauerraum eingespielte Trommelwirbel unterstützt.

      Diese Massenschlägerei gibt Konwitschny die Gelegenheit, nun tatsächlich ramponierte Menschen mit Verbänden im dritten Akt auch in dieser Umgebung zu zeigen.

      Im Zentrum dieses Aktes steht die Erzählung des Schischkow. Sie ist angelegt als eine Lesung aus dessen Tagebuch, dem die Männer mit immer mehr Aufmerksamkeit folgen werden. In der Mitte dieser Erzählung taucht eine riesige Matrioschka unter den Männern auf, die sogleich die weiteren, kleineren Schwestern, die sich in der Matrioschka befinden, unter sich verteilen werden. Es entsteht ein merkwürdig anmutendes Bild, wo diesen rauhen Typen Trost in der Erinnerung an eine Heimat suchen, die sie längst verlassen haben. Die Sehnsucht nach einer Frau, die als Thema das ganze Stück durchzieht, wird hier eine surreale Erfüllung bekommen.

      Zum Ende des Stückes gibt es keine Freiheit für Gorjantschikow. Er wird nochmals vom Boss gedemütigt, es gibt so etwas wie eine Scheinerschiessung und zuletzt bleibt nur der als Freund gewonnene Aleya bei Gorjantschikow.

      Konwitschny misstraut einer reinen Bebilderung der Janacek-Oper als Gefängnis. Der Regisseur wendet die Handlung konsequent ins hier-und-jetzt, nimmt das Gefängnis als Metapher für eine geschlossene Gesellschaft und schafft damit tatsächlich einen anderen Zugang zu diesem Werk. In der Umsetzung ist das alles tadellos, Konwitschny legt grossen Wert auf eine sinnvolle Personenführung und schafft das auch, wenn die Bühne mit vielen unterschiedlichen Charakteren zu füllen ist. Da sind kleine Nebenhandlungen zu entdecken, die aber nie von der Hauptgeschichte ablenken.

      Die Übertitelung liefert keine genaue Übersetzung des Textes, sie schreckt vor Zitaten zwischen Goethe und Lehár genau so wenig zurück, wie vor drastischen Worten der Umgangssprache, aber sie fügt dem Bühnengeschehen gerade dadurch eine weitere Ebene hinzu.

      Ingo Metzmacher am Pult erweist sich als perfekter Sachwalter dieser Musik. Alle Details werden sauber herausgearbeitet, auch die manchmal kurzen, quälenden Melodiefragmente, erhalten eine geradezu körperlich spürbare Kraft, so die ins Extreme getriebene Violinfigur des ersten Aktes, aber auch zärtlichere Momente der Musik oder die rhythmisch-angespannten Elemente werden ausgezeichnet abgebildet. Während Metzmacher im oberen Bereich die Dynamik nie hart ausbrechen lässt, gewinnen die leisen Stellen eine schöne Kontur.

      „Aus einem Totenhaus“ ist eine Ensembleoper, kaum ein Solist hat Gelegenheit, sich gesanglich wirklich hervorzutun, es fehlen weitgehend ariose Passagen. Genannt werden sollen stellvertretend für alle Reinaldo Macias als Luka Kusmitsch, Matjaz Robavs als Schischkow, Pavol Remenar als Gorjantschikow, Pavel Daniluk als Boss und Ilker Arcayürek als Aleya.

      Neben den gestandenen und langjährigen Mitgliedern des Züricher Opernhauses Ernst-Dieter Suttheimer als alter Sträfling und Peter Straka mit dann doch angegriffener Höhe als Skuratow finden sich erfreulich viele junger Sänger des Opernstudios unter den Mitwirkenden. Einige würde man gerne in grösseren Rollen wiederbegnen.

      Klangstark und darstellerisch reich gefordert der Opernchor des Züricher Opernhauses, die Einstudierung besorgte Ernst Raffelsberger.

      Zur Pause fiel der Applaus zurückhaltend aus, aber am Ende durfte sich dann das Ensemble und insbesondere Ingo Metzmacher über die breite Zustimmung des Premierenpublikums freuen, Peter Konwitschny und Johannes Leiacker mussten zwar Buhrufe hinnehmen, aber es waren dann doch eher wenige.
      Der Kunst ihre Freiheit
    • Leporello92 schrieb:

      Mir gefällt ja Alvianos Beitrag (eigentlich alle deine Beiträge) sehr, aber aus dem Opernhaus ein Stadttheater zu machen... naja... :P


      Lieber Leporello,

      das steht in goldenen Lettern über dem Portal zwischen Goethe, Schiller und Lessing - ich habe das quasi vom Haus selbst übernommen - wie wäre es denn korrekt (ich will mich ja bei den Zürichern nicht unbeliebter machen, als nötig...)?

      :wink:
      Der Kunst ihre Freiheit
    • RE: Zürich

      Alviano schrieb:

      Leporello92 schrieb:

      Mir gefällt ja Alvianos Beitrag (eigentlich alle deine Beiträge) sehr, aber aus dem Opernhaus ein Stadttheater zu machen... naja... :P


      Lieber Leporello,

      das steht in goldenen Lettern über dem Portal zwischen Goethe, Schiller und Lessing - ich habe das quasi vom Haus selbst übernommen - wie wäre es denn korrekt (ich will mich ja bei den Zürichern nicht unbeliebter machen, als nötig...)?

      :wink:


      Ich glaube, sie nennen sich Opernhaus Zürich...

      opernhaus.ch/de/index.php

      Matthias
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    • Alviano schrieb:

      „Aus einem Totenhaus“ ist eine Ensembleoper, kaum ein Solist hat Gelegenheit, sich gesanglich wirklich hervorzutun, es fehlen weitgehend ariose Passagen. Genannt werden sollen stellvertretend für alle Reinaldo Macias als Luka Kusmitsch, Matjaz Robavs als Schischkow, Pavol Remenar als Gorjantschikow, Pavel Daniluk als Boss und Ilker Arcayürek als Aleya.


      Eine solche Erläuterung des Grundes für den gänzlichen Verzicht auf eine differenzierte Betrachtung der Gesangsleistung habe ich beim Frühstück während des Lesens des Verrisses von Herrn Rhode vermisst. Meinen Leserbrief hebe ich mir aber für die nächste Sängeroper auf, die wird auch nicht viel anders besprochen sein.

      Danke für die ausführliche Kritik, die mir doch wichtig war, weil wir unsere mit viel Glück erangelten Premieren-Karten leider weitergeben mussten aus beruflichen Gründen. :(

      Gruß
      Sascha

      "You realize that it’s not necessary to own 50 Beethoven cycles, 46 of which you never play, when you can be just as happy with 20 of them, 16 of which you never play.
      "
      , David Hurwitz
    • Alviano schrieb:

      „Aus einem Totenhaus“ ist eine Ensembleoper, kaum ein Solist hat Gelegenheit, sich gesanglich wirklich hervorzutun, es fehlen weitgehend ariose Passagen.


      Das könnte ich so gar nicht unterschreiben. Ja, "Aus einem Totenhaus" ist eine Oper, in der das Ensemble sehr wichtig ist und einen großen Teil des Geschehens trägt. Ja, man könnte sie eine "Ensembleoper" nennen. Ja, Dostojewskis Hauptfigur(en), Gorjantschikow (und Aljeja), ist (sind) bei Janácek eher eine (zwei) Comprimario-Rolle(n). Ja, Skuratow, Luka und Schischkow treten nur in zwei bzw. gar nur in einem von drei Akten exponiert auf. ABER dort haben sie meiner Meinung nach reichlich Gelegenheit, sich in ihren drei großen Erzählungen gesanglich wirklich hervorzutun, und an ariosen Passagen fehlt es gerade im "Totenhaus" nicht (eher in der "Katja" oder im "Füchslein"!). Luka im ersten Akt (ca. 5-6 Minuten), Skuratow im zweiten Akt (ca. 9-10 Minuten) und Schischkow im dritten Akt (fast 20 Minuten! Und das für einen Bass!) sind bei ihren jeweiligen großen Szenen nahezu allein (selten gibt es kurze Einwürfe von anderen Charakteren) und müssen diese Szenen im Alleingang bestreiten und nuanciert gestalten, fast wie bei einem Kunstlied. Mehr Gelegenheit für Sänger, sich wirklich exponiert hervorzutun, kenne ich aus kaum einer Oper des 20. Jh. sonst, das ist fast schon Belcanto-divenhaft (man vergleiche diverse Wahnsinns- und Schlafwandelszenen!). Und was das erst für Erzählungen sind! Liebe, Mord und Totschlag - was gibt es Besseres?

      Liebe Grüße,
      Areios
      "Wenn [...] mehrere abweichende Forschungsmeinungen angegeben werden, müssen Sie Stellung nehmen, warum Sie A und nicht B folgen („Reichlich spekulativ die Behauptung von Mumpitz, Dinosaurier im alten Rom, S. 11, dass der Brand Roms 64 n. Chr. durch den hyperventilierenden Hausdrachen des Kaisers ausgelöst worden sei. Dieser war – wie der Grabstein AE 2024,234 zeigt – schon im Jahr zuvor verschieden.“)."
      Andreas Hartmann, Tutorium Quercopolitanum, S. 163.
    • inland_empire schrieb:

      Gerhard Rohde geht durchaus differenziert auf die Gesangsleistungen ein.


      Genau

      Den Sängern darf man bescheinigen, dass sie sich mit großer Intensität und oft enormem Körpereinsatz für die Inszenierung und ihre Rollen einsetzten.


      Das ist nach mehrmaligem Durchlesen das Einzige, wo ich mir vorstellen könnte, das damit der Gesang gemeint sein soll. Durchaus Differenziert, jaja....ich würde sogar sagen, er zeigt hier bei seiner Kritik große Intensität und ganzen Körpereinsatz!

      "You realize that it’s not necessary to own 50 Beethoven cycles, 46 of which you never play, when you can be just as happy with 20 of them, 16 of which you never play.
      "
      , David Hurwitz
    • "Totenhaus"

      Lieber Areios,

      die einzige Erzählung, die stärker ausgestellt wird, ist die des Schischkow aus dem letzten Akt. Für alle (Luka, Skuratow, Schapkin, weniger für Schischkow) gilt, dass sich immer wieder nur einzelne, ariose Passagen aus einem Parlandostil heraus entwickeln. Der Ausdruck - es kommt auf den Darsteller an - kann hier sogar helfen, wenn der Sänger nicht mehr in der Lage ist, die Töne korrekt zu bilden, siehe die Ausbrüche des Luka oder die in die Höhe getrieben Partie des Skuratow. Diese Einzelschicksale treten aus der Masse hervor und verschwinden auch in ihr wieder. Und das war in Zürich ziemlich gut gelöst, weil z. B. Reinaldo Macias eben kein wirklich schwerer Tenor war und weder figürlich, noch stimmlich aus der Gruppe herausragte.

      :wink:

      So richtig zog es mich nicht, mir die Chéreau-Inszenierung vom "Totenhaus" in Berlin anzuschauen. Es waren eher der Dirigent, Simon Rattle, und die Sänger, die mein Interesse geweckt hatten (Willard White, Stefan Margitta, Roman Trekel, John Mark Ainsley, Heinz Zednik), aber jetzt bin ich doch auf den Vergleich neugierig und habe mir eine Karte gekauft.
      Der Kunst ihre Freiheit
    • Nun, den folgenden Absatz hast Du leider unterschlagen:

      "Stellvertretend für die fast zwei Dutzend Mitwirkenden seien Pavo Remenár als Gorjantschikow, Pavel Daniluk als „Kommandant-Mafioso“, Peter Straka als Skuratow, Reinaldo Macias als Luka und als Schischkow der überragende Matjaz Robavs genannt. Dass sie oft irgendwie gespalten zwischen den alten Geschichten und dem aufgezwungenen Gestus der neuen Inszenierung wirkten, haben sie nicht zu vertreten. Konwitschnys Personenführung treibt die Sänger häufig in einen Aktionismus, der sich selbst genügt. Das war hier besonders schmerzlich erfahrbar."
    • inland_empire schrieb:

      Nun, den folgenden Absatz hast Du leider unterschlagen:


      Nein, nur hat er im Sinne einer Kritik keine Bedeutung. Zu einer solchen sind deskriptive Anteile unabdingbar, aufgrund dessen dann eine Wertung erfolgen kann. In dem entsprechenden Absatz gibt es keinerlei Beschreibung des dargebotenen Gesanges (nicht nur keine differenzierte Beschreibung, sondern überhaupt keine!). Das dennoch eine Wertung erfolgt ("überragend"), ist handwerklich schlechter Journalismus und wertet die Äußerung zur privaten Meinungskundgabe ab, an der ich, zumindest im Falle der Zeitungslektüre, nicht interessiert bin.

      Gruß
      Sascha

      "You realize that it’s not necessary to own 50 Beethoven cycles, 46 of which you never play, when you can be just as happy with 20 of them, 16 of which you never play.
      "
      , David Hurwitz
    • Na, das hast Du jetzt aber schön gesagt.

      Ich finde durchaus, dass es eine Bedeutung hat.

      Und Herrn Alvianos Beschreibung der Gesangsleistungen setzt sich kaum von denen Rohdes ab:

      "Genannt werden sollen stellvertretend für alle Reinaldo Macias als Luka
      Kusmitsch, Matjaz Robavs als Schischkow, Pavol Remenar als
      Gorjantschikow, Pavel Daniluk als Boss und Ilker Arcayürek als Aleya."

      Toll. Jetzt weiß ich mehr!

      Die Begründung, daß die Sänger aufgrund einer "Ensembleoper" keine Chance zur individuellen Profilierung hätten, ist doch hanebüchen. Eine solche Chance haben Sänger in jeder Oper. Bei Rohde erkenne ich wenigstens noch, wer Ihm besonders gut gefallen hat.
    • "Totenhaus"

      Die Begründung, daß die Sänger aufgrund einer "Ensembleoper" keine Chance zur individuellen Profilierung hätten, ist doch hanebüchen.


      Ob das wirklich so da steht? Oder ob die Intention, auf eine Einzelleistungswürdigung zu verzichten, nicht doch eine andere war? Aber vielleicht lässt Du uns ja mal daran teilhaben, wie Dir die Aufführung gefallen hat? Fände ich spannender als das Zitieren fremder Quellen. Hier gibt sich Antracis wenigstens Mühe, auf Dich einzugehen - da hast Du woanders weniger Glück.
      Der Kunst ihre Freiheit
    • Gut - da steht:

      "„Aus einem Totenhaus“ ist eine Ensembleoper, kaum ein Solist hat
      Gelegenheit, sich gesanglich wirklich hervorzutun, es fehlen weitgehend
      ariose Passagen."

      Dann ist also für Dich das "Fehlen weitgehend arioser Passagen" der Grund, "auf eine Einzelleistungswürdigung zu verzichten"?

      Verstehe ich das richtig?

      Jedenfalls möchte ich Dich verstehen...