Max Regers Orgelwerk — Bach 2.0

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    • Max Regers Orgelwerk — Bach 2.0

      Neulich stolperte ich in der Bibliothek über das gesamte Orgelwerk von Max Reger, angeregt durch ein Zeitzeichen im WDR zu Ehren des Meisters.

      Rosalinde Haas hatte vor vielen Jahren das Mammutwerk unternommen, das gesamte Orgelwerk von Reger bei MDG auf 12 CDs einzuspielen (einige Beispiele unten). Leider sind die CDs zum Teil vergriffen; es hat wohl auch mal eine Box gegeben, die aber auch schon lange nicht mehr erhältlich ist. Schade, diese Box wäre es auf jeden Fall wert, wieder aufgelegt zu werden. Gottseidank konnte ich sie auf den Bibliotheks-CDs wenigstens mal durchhören; binnen einer guten Woche habe ich mir alle 12CDs von Anfang bis Ende angehört...

      Das Programm ist breit angelegt, Reger schrieb Stücke in allen Genres der Orgelmusik: Fantasien, Präludien und Fugen, Choralvorspiele verschiedener Schwieriegkeitsgrade. Das tat er während vieler Lebensabschnitte seines viel zu kurzen Lebens, und so spiegelt sich auch das gesamte Schaffen, sein musikalischer und kompositorischer Werdegang in seinem Orgelwerk.

      Schon der erste Track der ersten CD ist ein Kracher: Die Phantasie und Fuge über B-A-C-H, op.46 aus dem Jahr 1900 — gleich ein Meilenstein, interpretatorisch und musikalisch. Das war auch der "Teaser" aus dem Zeitzeichen, der mich auf dieses Orgelwerk aufmerksam machte.

      Es gibt dann auch didaktische Werke für Organisten, die es nicht zum Virtuosen gebracht haben (Fünf leicht ausführbare Präludien und Fugen, op.56 oder die 52 leicht ausführbare Vorspiele zu den gebräuchlichsten evangelischen Chorälen, op.67),

      Absolute Kracher sind dann auch wieder die Variationen und Fuge über ein Originalthema, op.73 von 1903, in der Reger die Tonalität in allen Facetten erprobt und beinahe verlässt, oder die monumentale Symphonische Phantasie und Fuge für Orgel, op.57 (1901).

      Kennt Ihr noch andere Einspielungen, kennt Vergleiche?

      Naxos scheint ebenfalls 12 CDs herausgebracht zu haben, ich hatte allerdings bei der Durchsicht der Tracklisten den Eindruck, dass einige der 52 Choralvorspiele fehlen, vielleicht habe ich mich auch verguckt.

      Lucius Travinius Potellus
      Those who would give up essential Liberty, to purchase a little temporary Safety, deserve neither Liberty nor Safety. (B.Franklin)
    • Von der Einspielung durch Rosalinde Haas habe ich schon vor längerer Zeit gehört, daß sie großartig sein soll, so ein Pianist aus meinem Bekanntenkreis, der eine besondere Vorliebe für hochvirtuose Interpretationen hat, bei denen es ordentlich kracht. Auch bei Amazon schreibt jemand von "Hochgeschwindigkeitsrausch". Ob mir das gefallen würde, weiß ich nicht so recht.

      Jedenfalls gab es diese Edition mal ziemlich günstig. Jetzt für "Mondpreise":



      Gemeint ist bei diesem Link wohl dies:

      [IMG:http://g-ecx.images-amazon.com/images/G/03/ciu/59/76/3c80e10e22a0a95c23403210.L.jpg]

      Ich hoffe, daß jemand mit diesen Sätzen vom Hörensagen etwas anfangen kann.

      Das Regersche Orgelwerk kenne ich selbst noch kaum; daher lasse ich mir hier gern etwas empfehlen. Muß ja nicht gleich das Ganze sein. Oder doch? :S ;+)

      :wink:
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
      Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
      Helmut Lachenmann
      Künstler und Schwein gelten erst nach dem Tode etwas.
      Max Reger
    • Du könntest mit den oben erwähnten Meilensteinen beginnen: B-A-C-H und fis-moll-Variationen.

      Nach dieser Box habe ich gesucht, aber sie scheint entweder nicht mehr erhältlich oder zu Unsummen gebraucht zu bekommen zu sein.
      Lucius Travinius Potellus
      Those who would give up essential Liberty, to purchase a little temporary Safety, deserve neither Liberty nor Safety. (B.Franklin)
    • Ich habe die Gesamtaufnahme der Orgelwerke Regers mit Rosalinde Haas seit etlichen Jahren; damals waren die CD's im Dutzend relativ günstig zu erwerben. Glücklich geworden bin ich mit dieser Aufnahme allerdings nicht so richtig, und das hat folgenden Grund:

      Reger gehört zu den Komponisten, die zwischen zwei Epochen stehen und keiner von beiden so richtig zuzuordnen sind. War er nun ein Spätromantiker oder ein Vertreter der frühen Moderne? Nach meinem Eindruck arbeitet Rosalinde Haas in ihrer Interpretation eher letzteres heraus. Sie scheint mir die Härten und Kontraste in Regers Musik zu betonen, stellt die virtuosen Elemente heraus und ent-emotionalisiert die Musik weitgehend, sozusagen "Reger extra dry". Unterstützt wird dies durch die Wahl der Orgel: ein modernes Universal-Instrument, in den 1980er Jahren gebaut, das für mich irgendwie hart und sehr präsent, ja geradezu kalt klingt. Eine Orgel aus der Zeit der Spätromantik klingt ganz anders: eher weich, warm, grundtönig und auf Verschmelzung der Klänge hin angelegt.

      Die Gesamtaufnahme war damals sicher eine verdienstvolle Tat, sowohl von der Interpretin als auch vom Label MDG, aus heutiger Sicht erscheint mir der Interpretationsansatz aber zu einseitig - das Romantische in Regers Musik kommt hier nach meinem Empfinden kaum zur Geltung. Es kann durchaus lohnenswert sein, nach Alternativen zu suchen. Interessant ist z. B. diese hier:



      Es ist bemerkenswert, wie anders Regers Musik auf einer romantischen Orgel klingt (hier die Sauer-Orgel in der Leipziger Thomaskirche, in den 1880er Jahren gebaut).

      Viele Grüße,
      Andreas

    • Zu einzelnen Orgelwerken Max Regers - mit dessen Musik ich mittlerweile relativ gut vertraut bin, Ausnahme: seine Orgelmusik, da findet sich bislang nicht eine einzige Einspielung in meiner Sammlung! - gibt es insgesamt 9 Einführungen. Die Übersicht hier dagegen könnte durchaus Ergänzungen vertragen, meine ich. Deshalb meine Frage (auch, aber nicht nur an Mauerblümchen, der bereits ordentlich vorgelegt hat :top: ) an die Reger-Orgelmusik-Freunde:

      Welche Aufnahmen wären denn als Einstimmung auf das nicht eben schmalbändige Schaffen des Meisters zu empfehlen? Ob "ent-emotionalisiert", "extra dry" oder spätromantisch weich verschmelzend (vgl. # 4), da bin ich zunächst durchaus offen, auch wenn allzuviel Kirchenhall mich normalerweise eher befremdet.

      :wink:
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
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      Helmut Lachenmann
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      Max Reger
    • Die von Yukon genannte Gesamtaufnahme ist jedenfalls sehr günstig. Andererseits ist sie extrem bzgl. ihrer Tempi. Rosi Haas behauptet, dass es genau so sein müsse (was auch sonst), eine gefühlte Mehrheit bestreitet dies. M. E. eher eine Dritteinspielung, keine, um die Werke kennen zu lernen.

      Sehr hörenswert fand ich die Auswahl beim Label "Motette" auf 5 CDs. Längst vergriffen. Mit den ersten beiden CDs, oder auch nur einer davon, bekommt man schon einen mMn guten Eindruck, ob man davon mehr hören möchte oder nicht:



      Im Gegensatz zu Rosi Haas, die an einem modernen Instrument (zugegebenermaßen einem fantastischen) in Ffm-Niederrad spielt, kommen Orgeln aus der Reger-Zeit zum Einsatz. Arvid Gast und Martin Sander gehören zur außerfranzösischen ersten Liga der Interpreten. Und die Franzosen spielen eh keinen Reger.

      CD 1 bringt zwei kapitale Werke, nämlich "Fantasie und Fuge über B-A-C-H" op. 46 und die Choralfantasie über "Wie schön leucht' uns der Morgenstern" op. 40 Nr. 1. Beide finden sich wohl in jeder Best-loved-Orgelregerliste unter den Top Ten. Ergänzt werden diese Schlachtrösser durch verdaulichere Stücke, nämlich Introduktion und Passacaglia d-Moll (o. op.) sowie "Kyrie", "Gloria" und "Benedictus" aus op. 59.

      CD 2 enthält die "Wachet auf"-Choralfantasie (Top 3), fünf weitere Stücke aus op. 59 sowie einen der Achttausender in Regers Werk, die Variationen und Fuge über ein Originalthema fis-Moll op. 73, welche Spieler und Hörer vor eindeutig nichttriviale Probleme stellen.

      Der Nachteil der Motette-Reihe ist, dass sie nicht zur GA ergänzt werden kann.

      Wer das vermeiden will, könnte Folge 3 der GA von Bernhard Buttmann als Einstieg wählen.



      Hier gibt es für kleines Geld gut vier Stunden Orgelreger. Darunter die drei Choralfantasien op. 52 ("Alle Menschen müssen sterben", "Wachet auf", "Halleluja! Gott zu loben, bleibet meine Seelenfreud"), die "Symphonische Phantasie und Fuge op. 57" (=Inferno-Fantasie) und die Zweite Sonate. Bis auf die erste Choralfantasie alles Top Ten. (Ohne, dass ich diese nun definieren möchte; aber etwa in dem Sinne prominent und beliebt wie eine Waldstein-Sonate oder "Les Adieux" unter Beethovens 32 Klaviersonaten - bei sicher individuellen Vorlieben.)

      Dazu zwei Stücksammlungen, die "Monologe" op. 63 und die "Zwölf Stücke" op. 80. Selten zu hören, (jetzt kommt das von Bernd Zwielicht unterschätzte Wort) unterschätzte Musik, gut zugänglich. Dazu 13 Choralvorspiele aus op. 79, die zeigen, dass Reger nicht nur "lang, laut und verworren" komponiert hat. - M. E. eine schöne Zusammenstellung, repräsentativ für den "mittleren Orgelreger".

      Viele Grüße
      MB

      :wink:
      Die Fähigkeit, geistige Transferleistungen in kurzer Zeit zu vollbringen, führt nicht immer zu tragfähigen Resultaten. So ist "ich kuk" bspw. keine korrekt gebildete Vergangenheitsform.
    • Mauerblümchen war nun doch wieder schneller ;).

      Nur in aller Kürze:

      Mit der GA von Rosalinde Haas bin ich aufgewachsen und schätze sie auch prinzipiell sehr. Allerdings (wie schon gesagt) ist die Aufnahme eher etwas "trocken" geraten. Für die Durchhörbarkeit ist es meiner Ansicht nach von Vorteil, für das Klangbild insgesamt allerdings leider eher nicht.

      Die GA von Bernhard Buttmann auf verschiedenen (meist oder immer?) historischen Instrumenten besitze ich ebenfalls. Wo Rosalinde Haas sehr zupackend spielt und die Tempi manchmal etwas zu sehr bewegt ansetzt, ist mir bei Buttmann manches zu wenig charakteristisch geraten in der Interpretation.

      Von der Naxos-GA besitze ich nur einzelne CDs. Wie bei Buttmann kommen verschiedene (allerdings nicht immer historische) Instrumente zum Einsatz, allerdings hier auch mit verschiedenen Interpreten. Das macht die generelle Bewertung allerdings auch schwer. Die Aufnahmen, die ich kenne, finde ich nicht so schlecht. Wenn man den kompletten Reger für nicht zu viel Geld haben möchte, würde ich vielleicht diese Box vorziehen.

      Vielversprechend klingt auch die (noch im Entstehen befindliche?) Gesamtaufnahme von Martin Schmeding, dem Organist des Berliner Doms, an verschiedenen historischen Instrumenten. Bisher besitze ich noch keine CD dieser Reihe, halte einen Kauf aber für durchaus nicht unwahrscheinlich :).
      Beispielhaft sei hier die CD mit den Choralfantasien aufgeführt:



      Für einen Einstieg finde ich die Choralfantasien nicht ungeeignet. Zumindest teilweise sind die Melodien noch bekannt und durch den teilweisen "Variationscharakter" lässt sich in einer relativ kurzen Zeit ein verhältnismäßig breites Spektrum von Regers Musik erfassen - bis hin zu den umfangreichen Fugen.
    • Herzlichen Dank für eure informativen Tips, lieber Mauerblümchen, lieber figure humaine! Eure Erläuterungen finde ich aufschlußreich und neugierdeerweckend!

      Nun bleibt mir nur noch, gewisse finanzielle Überlegungen anzustellen... :whistling:

      :wink: :wink:
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
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      Helmut Lachenmann
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      Max Reger
    • Mauerblümchen schrieb:

      Der Nachteil der Motette-Reihe ist, dass sie nicht zur GA ergänzt werden kann.
      Außer den von Dir vorgestellten beiden CDs gibt es noch diese:


      Arvid Gast/Sauer-Orgel im Dom zu Berlin

      [IMG:https://images-na.ssl-images-amazon.com/images/I/512PwNLOp1L._SX425_.jpg]
      Heidi Emmert/Klais-Orgel von St. Elisabeth in Bonn


      Gerhard Oppelt/Orgel der Lindenkirche Berlin

      Gibt bzw. gab es die 5 CDs auch als Box?

      Ich nehme an, daß auch der Erwerb dieser Aufnahmen kein Fehlgriff wäre, ebensowenig wie der der Aufnahmen von Martin Schmeding (von figure humaine erwähnt): Hier gibt es offensichtlich bislang 8 Einzel-CDs.

      Was ich über Rosalinde Haas' Gesamteinspielung lese, schreckt mich zumindest vorerst ein wenig ab.

      Ich glaube, ich warte erstmal auf den Anbruch des letzten Jahresquartals... :/

      :wink:
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
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      Max Reger
    • figure humaine schrieb:

      Vielversprechend klingt auch die (noch im Entstehen befindliche?) Gesamtaufnahme von Martin Schmeding, dem Organist des Berliner Doms, an verschiedenen historischen Instrumenten.

      Wie ich gerade sehe, ist Martin Schmeding gerade dabei, bis Nr. 13 vorzudringen, das könnte damit schon komplett werden:

      amazon.de/s/ref=nb_sb_noss?__m…rgelwerke+reger+schmeding

      :wink:

      PS:
      Ergänzung:
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      Max Reger
    • Gurnemanz schrieb:


      PS:
      Ergänzung:

      Ah, vielen Dank.... dass eine Box geplant ist, war wohl zu erwarten, aber bisher habe ich davon noch nichts gesehen. Den aktuellen Stand der GA von Schmeding hatte ich auch nicht auf dem Schirm.

      Gurnemanz schrieb:

      Was ich über Rosalinde Haas' Gesamteinspielung lese, schreckt mich zumindest vorerst ein wenig ab.
      Nunja, ich nehme an, dass die wahrscheinlich prägendsten Studienjahre von Frau Haas in den 50er- und 60er-Jahren gelegen haben müsste. In diesen Jahren befanden sich Kirchengemeinden in der Situation, nicht mehr ganz so neue Instrumente aus den produktiven Jahren des Orgelbaus von ca. 1900 bis 1920 vorzufinden, die entweder aufgrund von Kriegsschäden oder einfach aufgrund ihres Alters (und der wartungsintensiven Pneumatik) renovierungsbedürftig waren. Nicht wenigen Gemeinden (und Orgelbauern und Organisten) war das Klangbild der Orgeln der Jahrhundertwende zu "mulmig" und zu undifferenziert. Mit Einsetzen der Orgelbewegung und dann spätestens in der Nachkriegszeit wurden das Klangbild dieser Instrumente im Rahmen von Umgestaltungen dem Zeitgeschmack angepasst - teilweise wurden Pfeifen gekürzt und ganze Register verschoben (um engere Mensuren zu erhalten) oder sogar ganz ausgelagert.
      Dass Frau Haas sich überhaupt in diesem Ausmaß und schon in dieser Zeit mit Max Reger auseinandersetze und dann sogar diese GA einspielte, ist sicherlich ein Verdienst. Ihr stand (wie von Mauerblümchen erwähnt) in Niederrad ein damals ziemlich neues und hochwertiges Instrument zur Verfügung, das allerdings ebenfalls eher keine deutsch-romantische Disposition besitzt. Ihr Interpretationsansatz orientiert sich dementsprechend auch eher an einem Bild von Reger, das ihn in der Tradition von J. S. Bach und am Beginn der Moderne sieht und weniger in der Romantik verwurzelt ist. Auch das kann ja seine Berechtigung haben ;).
    • figure humaine schrieb:

      [R. Haas] orientiert sich dementsprechend auch eher an einem Bild von Reger, das ihn in der Tradition von J. S. Bach und am Beginn der Moderne sieht und weniger in der Romantik verwurzelt ist. Auch das kann ja seine Berechtigung haben ;).
      Finde auch, das kommt meinem Reger-Bild durchaus entgegen, zu "mulmig" mag ich es bei der Orgel genausowenig wie beim Orchester bzw. bei Kammermusik. Aber wenn ich das dann im Vergleich zu romantischeren Ansätzen höre, komme ich bei der Orgel möglicherweise wieder zu anderen Einsichten und Vorlieben.

      Doch da ich noch so viel anderes zum Hören vor mir habe und ich mich gleich aufmachen werde, das neue Reger-Buch von Susanne Popp von der Bibliothek abzuholen, stelle ich das Reger-Orgel-Hören zunächst mal hintan, bin aber weiterhin für gute Anregungen zum Thema offen. :)

      :wink:
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
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      Max Reger
    • Wie sieht das eigentlich mit der Box von Kurt Rapf aus:



      rec. 1973-1980
      Orgeln: Marcussen-Orgel Neuer Dom zu Linz, Marcussen-Orgel Dom zu Lübeck, Münsterorgel Münster zu Freiburg im Breisgau, Kuhn-Orgel Ref. Kirche Richterswil, Bruckner-Orgel Stift St. Florian Linz, Zeilhuber-Orgel Dom zu München, Orgel des Großmünsters Zürich, Orgel Riverside Church New York, Marienorgel Basilika Benediktiner-Abtei Ottobeuren, Gabler-Orgel Basilika der Benediktiner-Abtei Weingarten, Orgel Dom zu St. Gallen, Klais-Orgel Klosterkirche St. Peter, Domorgel Kaiserdom Speyer, Beckerath-Orgel Marktkirche St. Nikolai Hameln

      Würdet ihr die auch empfehlen?


      jd :wink:
      "Interpretation ist mein Gemüse."
      Hudebux
      "Derjenige, der zum ersten Mal anstatt eines Speeres ein Schimpfwort benutzte, war der Begründer der Zivilisation."
      Jean Paul
    • Dazu kann ich gar nichts sagen, die Aufnahmen kenne ich nicht. Was mich bedenklich stimmt, ist dieser Satz: "Dem entspricht die Wahl der Instrumente, die einen Spitzenquerschnitt durch den neobarocken Orgelbau der Nachkriegszeit bilden." Neobarocke Orgeln der Nachkriegszeit sind genau diejenigen Instrumente, auf denen Reger scheußlich klingen kann.

      Gruß
      MB

      :wink:
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    • Hmmmmm, das klingt ja gar nicht gut. Es sieht so aus, als sei die Box Opfer eines zu mageren Remastering-Budgets geworden. Und dazu kommt, daß die Bänder nicht gerade optimal behandelt wurden; analoge Bänder müssen einfach regelmäßig überprüft werden, eventuell auch mal (digital) kopiert werden, damit die Qualität der Quelle erhalten bleibt. Da wurde anscheinend nur dreißig Jahre lang gelagert, also ab in Karton, der ins Regal und gut ist. Nene - nicht gut, nicht gut... :neenee1:


      jd :(
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      Jean Paul
    • Hallo zusammen,
      Ich bin neu hier im Forum. Auf Grund dieses Threads "Max Regers Orgelwerk" habe ich mich entschlossen
      mich hier anzumelden. Ich liebe Regers Orgelwerke neben denen von J.S.Bach über alles!
      Die hier vorgestellten CDs sind mir alle bekannt.
      Die Einspielungen von Rosalinde Haas sind für mich persönlich indiskutabel. Insbesondere was Tempi und
      Orgel anbetrifft. Die Tempi sind völlig überzogen. Man nennt sie ja nicht grundlos die" Rasende Rosa" !
      Sie bringt Regers Orgelwerk auf 12 CDs unter.
      Bernhard Buttmann und Martin Schmeding benötigen beide 16 CDs!!
      Die Disposition der Orgel auf der sie spielt ist französisch ausgerichtet. Allein schon die Zungenregister unterscheiden
      sich von denen einer spätromantischen deutschen Orgel grundlegend. Eine französische Zunge als Solostimme in einem
      Choralvorspiel von Reger klingt einfach nicht gut. Eine spätromantische Oboe von Sauer oder Walcker klingt völlig
      anders als eine franz. Hautbois.
      2016 ist ja für Reger ein Jubiläumsjahr, deshalb auch die laufenden Gesamteinspielungen.
      Die mit Bernhard Buttmann gibt es ja schon seit geraumer Zeit. Bei "Cybele" ist die mit Martin Schmeding jetzt erhältlich.
      Martin Schmeding ist übrigens nicht Berliner Domorganist, das ist Andreas Sieling.
      Es handelt sich um eine Box mit 17 CDs sowie einem 172-seitigen Booklet zum stolzen Preis von 239 EUR !
      Auf CD 17 ist ein Gespräch mit Martin Schmeding.
      Mit Gerhard Weinberger gibt es inzwischen 3 Doppel-CDs von CPO ( Label von jpc ).
      Mit Roberto Marini gibt es das Ganze auf 17 CDs ( Label Fugatto ) einschließlich der Bearbeitungen Regers
      von Bachschen Cembalowerken.
      Es gibt auch Franzosen die Reger spielen, und wie!!
      Von Jean-Baptiste Dupont sind auch schon einige CDs erschienen, eingespielt auf historischen und modernen Orgeln.
      Unter anderem auf der großen Schuke-Orgel des Magdeburger Doms und der riesigen Steinmeyer-Orgel des
      Trondheimer Doms die vor nicht allzulanger Zeit reorganisiert wurde. Diese CD ist besonders zu empfehlen.
      Sie enthält op.73 und op. 127. Eine sehr gute Einspielung. ( Label Hortus )
      Die angesprochenen CDs mit Kurt Rapf sind von der Tonqualität sehr schlecht , auch die Orgeln finde ich für
      Reger ungeeignet.
      Dann gibt es noch einige CDs mit Christoph Bossert, meinem klaren Favorit was die Interpretation der Regerschen
      Orgelwerke anbetrifft. Weiß aber nicht ob die alle noch erhältliche sind. Seine Einspielung der 3 Choralfantasien op. 52
      kann man durch aus als Referenzaufnahme dieses op. ansehen. Die müßte auf jeden Fall noch erhältlich sein.
      Soweit mal vorerst. Melde mich in den nächsten Tagen wieder um auf das ganze etwas näher einzugehen, falls
      Interesse besteht.

      Viele Grüße,
      Wolfgang
    • Lieber Link1907, lieber Wolfgang,

      herzlich willkommen an diesem virtuellen Ort!

      Danke für Deine persönlichen Eindrücke zu Aufnahmen von Regers Orgelwerk. Bzgl. Rosi Haas stimme ich Dir weitgehend zu, als Alternativ-Aufnahme mag ich sie allerdings nicht missen. An den frz. Zungen störe ich mich nicht, Bach hat seinen Grigny auch auf mitteldeutschen Instrumenten gespielt.

      Kennst Du die neue GA der Choralfantasien? Alleine schon das Label MDG weckt bei mir Fantasien ...



      Gruß
      MB

      :wink:
      Die Fähigkeit, geistige Transferleistungen in kurzer Zeit zu vollbringen, führt nicht immer zu tragfähigen Resultaten. So ist "ich kuk" bspw. keine korrekt gebildete Vergangenheitsform.
    • link1907 schrieb:

      Die angesprochenen CDs mit Kurt Rapf sind von der Tonqualität sehr schlecht , auch die Orgeln finde ich für
      Reger ungeeignet.
      Hallo und guten Tag, lieber Wolfgang. Deinen Worten entnehme ich, dass Du die Rapfbox (CD 1 bis 14) gut kennst. Bezieht sich Dein Urteil hinsichtlich der "sehr schlechten Tonqualität" auf alle CDs dieser Produktion oder nur auf Teile davon?

      :wink: