Carlos Kleiber - der Welt abhanden gekommen?

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    • Um den gerade hier beschriebenen schalen Beigeschmack im Zusammenhang mit Carlos Kleiber zu verlieren reicht wohl dieses Filmportrait (Traces to nowhere) allein nicht immer aus. Wer ihn einmal, oder vielleicht sogar mehrmals, live erlebt hat, vielleicht sogar in der Fledermaus mit Otto Schenk, der bekommt seine Aura ziemlich hautnah zu spüren. Kleibers überschäumendes Glück nach einer gelungen Aufführung - und welche von ihm war nicht gelungen - sprang sehr schnell über auf die Zuhörer. Sicher produzierte er auch immer wieder Ärger, gerade in München, wenn er wieder einmal absagte oder sich als Lohn für ein Dirigat von Audi eine Luxuslimousine erbat. Er kannte seinen Stellenwert ziemlich genau, wie weit er diesen zu seinem Vorteil nutzte sei dahingestellt. Als Dirigent bleibt er jedenfalls ziemlich unumstritten und für mich ganz ohne schalen Beigeschmack. ;+)
    • Tjaja.

      Das Problem der Einforderbarkeit von Spitzenleistungen wurde kürzlich ja auch an anderer Stelle in diesem Forum diskutiert.

      Es ist schon seltsam: Da hat bzw. hatte man einen Dirigenten, der imstande war, Aufführungen mit einem extrem hohen gefühlten Perfektions- und Erfüllungsgrad zu liefern, wie er selbst den renommiertesten Dirigenten vielleicht ein Leben lang nicht glückt, und dann verlangt man, dass diese Ausnahmemenschen, diese exzeptionellen Naturen sich in allen anderen Dingen des Lebens absolut durchschnittlich und erwartungskonform verhalten.

      Also bitte bei der Aufführung hochgenial sein, aber ansonsten nine to five mit drei Mahlzeiten am Tag und einmal Urlaub im Jahr.

      Seltsamer Widerspruch.

      Gruß
      MB

      :wink:
      Un homme d'esprit est perdu s'il ne joint pas à l'esprit l'énergie de caractère. Quand on a la lanterne de Diogène, il faut avoir son bâton. (Nicolas-Sébastien de Chamfort)
    • Mauerblümchen schrieb:

      Tjaja.

      Das Problem der Einforderbarkeit von Spitzenleistungen wurde kürzlich ja auch an anderer Stelle in diesem Forum diskutiert.

      Es ist schon seltsam: Da hat bzw. hatte man einen Dirigenten, der imstande war, Aufführungen mit einem extrem hohen gefühlten Perfektions- und Erfüllungsgrad zu liefern, wie er selbst den renommiertesten Dirigenten vielleicht ein Leben lang nicht glückt, und dann verlangt man, dass diese Ausnahmemenschen, diese exzeptionellen Naturen sich in allen anderen Dingen des Lebens absolut durchschnittlich und erwartungskonform verhalten.

      Also bitte bei der Aufführung hochgenial sein, aber ansonsten nine to five mit drei Mahlzeiten am Tag und einmal Urlaub im Jahr.

      Seltsamer Widerspruch.

      Gruß
      MB

      :wink:

      Durchaus zugespitzt auf den Punkt gebracht. Chapeau! Hier ist nix zu ergänzen... Vielleicht... Wie sehr musste der Maestro um die Qualität seiner Aufführungen ringen. Andere haben das in "mangelhaften Repertoire-Umfang"
      uminterpretiert.

      :wink:
      „Ich werde überhaupt nur noch ausschließlich mich selbst zitieren ...“ Algabal
    • AlexanderK schrieb:

      Fledermaus Ouvertüre, live in Tokyo 1986, Bayerisches Staatsorchester. Gibt´s glaube ich nicht auf Kauf DVD.


      Eine DVD-Veröffentlichung der Tokioter Veranstaltung vom 19.05.1986 (vom japanischen Fernsehen live übertragen), Beethoven 4, 7, Zugaben - Fledermausouvertüre, Blitz und Donner - ist wohl in der Tat nicht erfolgt. Allerdings kursieren diverse CD-Mitschnitte des Programms auf dem Markt.

      http://www.thrsw.com/ckdisc/1986/05/

      Mehr zu Carlos Kleiber im Film:

      http://www.carlos-kleiber.de/zur-diskografie/kleiber-im-film.html
    • Ich frage mich ja oft, wie man an diese Mitschnitte kommt. Es ist klar, dass das mal nicht eben beim Dussmann über den Ladentisch geht, aber zu irgendeinem Zeitpunkt muss da ja käuflich zu erwerben gewesen sein. Und zwar in irgendeiner legalen Form sprich Plattform (Geschäft o.ä.)
      Wenn ich F10 auf meinem Computer drücke, schweigt er. Wie passend...
    • Es gibt nicht gerade wenige Veröffentlichungen, die "lokal" begrenzt sind: weil das Ensemble nur in einer Region zu finden ist und aus ihren Büro heraus verkauft, oder weil eine Zeitschrift eine Auflage nur für ihre Kunden/Abonnenten erstellt hat. Diese Veröffentlichungen haben sehr häufig keine EAN und tauchen im normalen Handel selten bis gar nicht auf.

      Dann kommt noch hinzu, daß es Labels gibt, die eigentlich nicht weltweit operieren.

      Wenn besondere Aufnahmen nur in solchen Ausgaben zu finden sind, bleiben sie halt eher selten - und kostbar, je nach Ansicht.


      jd :wink:
      "Interpretation ist mein Gemüse."
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