David Fray - der dünnhäutige Exzentriker

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    • David Fray - der dünnhäutige Exzentriker

      Liebe Forianer,
      ich höre heute morgen um 6h arte tv, den Klassiktermin und falle bald vom Hocker.
      Ein neuer Bachinterpret ist geboren und ein neuer Schubertinterpret auch noch.
      Gebürtiger Franzose mit deutschen Wurzeln, für mich eine neue Kombination.
      Was mich an seinem Spiel fasziniert sind sein piano cantabile, und seine trommelnden Oktavenakkorde. Er spielt plötzlich alles anders, er singt auf dem Flügel und er spielt viel mit dem Kammerorchester Bremen.
      Geboren 1981, Ausbildung Konservatorium Paris, plötzlich berühmt geworden, nach seinem Auftritt als Ersatz für die Grimaud, aber was sag ich da: man muß ihn HÖREN!!!!
      Erscheinungsbild: etwas schlacksig, aber dennoch französisch gekleidet, schlank, leicht schusselig, sehr selbstsicher, eher gutaussehend
      Kennzeichen: Schmalzlocke im Gesicht
    • Ich habe David Fray am 26. Mai dieses Jahres mit dem Sinfonieorchester des NDR unter der Leitung von Esa-Pekka Salonen live in Hamburg gesehen: es gab das Klavierkonzert Nr. 20 d-moll KV 466 von Mozart. Mein Fazit: hier wird von der PR-Maschinerie viel Lärm um nichts gemacht. Fray spielte unaufregend, um nicht zu sagen langweilig (und das mit einem solchen Topdirigenten!). Von Exzentrik jedenfalls in musikalischer Hinsicht keine Spur. Als Marotte fiel allerdings auf, dass er gelegentlich sein linkes Bein unter dem Flügel ausstreckte und damit irgendwelche Bewegungen in der Luft machte. Das war für mich neu bei einem Pianisten. Sonst war aber gar nichts neu: dieser Mozart war so betulich, dass der in den Medien häufig angestellte Vergleich mit Glenn Gould neben der Sache liegt. Sagt Fray übrigens auch selbst: er sieht sich eher in der Wilhelm Kempff-Tradition.
    • Dear lover,
      ich kann mir Fray erst gar nicht unter einem Dirigat vorstellen, ich kenne ihn nur als Solisten und als Dirigenten vom Flügel aus.
      Mag sein, daß er als "Dirigierter" eine Katastrophe ist, wie soll ich sagen? Er ist im besten Sinne des Wortes ein Querkopf und sicher auch eine neu Art von Pianist. (Mozart dürfte auch noch nicht seine Stärke sein).
      lg Robert
    • Ich habe mir gerade das Schubert-/Bach-Recital (+ Schumann-Zugabe) angesehen, das David Fray 2009 in Verbier gegeben hat (es lief vor ein paar Wochen auf arte und ich habe es auf meiner Festplatte aufgezeichnet). Ich habe mich wirklich erneut mit seinem Spiel zu befassen versucht, aber auch hier dasselbe Bild wie bei meinem Live-Erlebnis mit ihm im Mai: man hört ein altväterliches, betuliches Klavierspiel mit der Leidenschaft und Anteilnahme eines Nachrichtensprechers. David Frays Spiel als "Mitteilung von Tonhöhen" zu beschreiben, geht nicht völlig fehl. Wie irgendjemand auf der Welt ihn jemals mit Glenn Gould - dem Exzentriker schlechthin - vergleichen konnte, ist mir rätselhaft.
    • David Fray kenne ich streng genommen nur von einer einzigen Erfahrung her, aber immerhin war diese live. Es könnte 2017 gewesen sein, als er mit den Bamberger Symphonikern das Schönberg-Konzert spielte. Mag sein, dass ihm diese Musik liegt, mag sein, dass sich Langeweile hier nicht recht zeigen kann - allein, wir waren's zufrieden. Dass er ein solches Solokonzert überhaupt öffentlich darbietet, spricht nicht gegen ihn.

      Es liegt mir dennoch fern, dem music lover zu widersprechen. Um dies überhaupt legitimerweise zu dürfen, müsste ich weitere Musik mit David Fray hören. Aber ach ...

      :) Wolfgang

      Kleines PS: Bach und Schönberg hatte auch Gould im Repertoire.
      Kleines PS 2: Mag aber Zufall sein. ;)
      He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.