WAGNER: "Lohengrin" - Kommentierte Diskographie

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    • Entschuldigung , lieber Waldi , ich war zu ungenau . Ich meine eine 3.Aufnahme , vom 17.1.1942 , die wohl erstmals 2018 erschien und um die ich seither herumstreiche ( wie um den Simone Boccanegra mit Panizza / rest.2017 aus der gleichen Quelle ) .Näheres hier : norpete.com/op3307.html?viewfullsite=1
      LOHENGRIN, Live Performance, 17 Jan., 1942 w.Leinsdorf Cond. Met Opera Ensemble; Astrid Varnay, Kerstin Thorborg, Lauritz Melchior, Herbert Janssen, Norman Cordon & Leonard Warren

      Bei Immortal Performances immortalperformances.org/ ist man mit 45 CD$ plus Porto dabei . Die Besetzung lockt , doch leider gebe ich auf Besprechungen kaum etwas , sondern höre lieber selbst . Aber wie und wo , in diesem Fall ? Und du scheinst noch nichts von dieser Aufnahme gehört zu haben . Vielleicht sonst jemand ?
      Good taste is timeless / "Ach, ewig währt so lang "
      My mask is my master - K. Ayers (It begins with a blessing but it ends with a curse)
    • Die beiden einzigen Unterschiede in der Besetzung sind ja Herbert Janssen und Leonard Warren als Telramund und Heerrufer anstatt Alexander Sved und Mack Harrell in dem Mitschnitt von 1943, wenn ich das richtig sehe. Ich kann ja jede Sammelleidenschaft bei Opernaufnahmen verstehen, aber man kann ohnehin immer nur einen "Lohengrin" gleichzeitig hören und da wären mir ganz persönlich die beiden anderen Baritone keine vierzig oder fünfzig Euro für die CDs wert.
      Ich liebe Wagners Musik mehr als irgendeine andre. Sie ist so laut, daß man sich die ganze Zeit unterhalten kann, ohne daß andre Menschen hören, was man sagt. - Oscar Wilde
    • Lieber b-Major,

      Außerdem gibt es noch Melchior/Varnay von 1950 und in einer Edition dieser Aufnahme sind auch Exzerpte von 1942 und 1943 dabei. Die ist aber derzeit offenbar nicht zu bekommen.

      Ich habe gerade kontrolliert: Meine Regal-Reserven sind bis auf wenige Millimeter erschöpft, aber diesmal total. :schimpf1: Ich sollte mich also jeder suchtfördernden Diskussion enthalten. Weakness, your name is Waldi!
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      Homo sum, ergo inscius.
    • Wolfram schrieb:

      Wird damit Elsa nicht aber sofort auf einen bestimmten Frauentypus festgelegt?
      Ja, absolut! Aber wird die Elsa durch die Besetzung sofort auf einen bestimmten Frauentypus festgelegt, oder ist sie nicht durch den Text sofort auf einen bestimmten Frauentypus festgelegt? Meine persönliche Vorstellung von der Rolle sieht sie schon im Text sehr deutlich, fast überdeutlich auf einen bestimmten Frauentypus festgelegt und daraus ergibt sich dann logisch die Besetzung mit einem bestimmten Stimmtypus (sehr schön, sehr jung und noch nicht so ganz in dieser Welt angekommen).

      Wolfram schrieb:

      Die ja beide sehr unterschiedlich waren und sind. Beide unterscheiden sich vielleicht am stärksten in dem Punkt, dass bei der Silja noch dieses unterschwellig Drängende, dieses 'ich will mehr' durchschien.
      So unterschiedlich habe ich die beiden gar nicht in Erinnerung, aber dafür müsste ich nochmal gezielt nachhören. Die Beschreibung von Siljas Stimme und Herangehensweise finde ich auf jeden Fall sehr schön und treffend!
      Mein Gott, die Frau war 22, als sie die Aufnahme gemacht hat!

      Wolfram schrieb:

      Die della Casa war immer auch 'Grande Dame' im Gesang, was bei der Elsa eine interessante, andere, wichtige Note hinzufügt. Da braucht es aber schon den entsprechenden Lohengrin, um sie 'klein zu kriegen'. Denn wenn die Elsa schon so 'welt-entrückt' ist, warum stellt sie dann noch die Frage? Da muss der Gatte schon 'überwältigend' sein. Würde das ein Vogt schaffen?
      Die della Casa war immer damenhaft in ihrer Rollengestaltung, das stimmt, und natürlich klingt sie an sich nicht wie ein junges Mädchen, aber hier, zumindest für meine Ohren, vollkommen alterslos. Das Reine, Unschuldige der Rolle trifft sie vollkommen, dabei selbstbewusst in sich ruhend. Mit Brian Sullivan, der in den 1950er Jahren regelmäßig mittlere und größere Tenorrollen gerade des deutschen Fachs an der Met gesungen hat, hat sie einen eher kräftigen, aber erstaunlich schönstimmigen Lohengrin vom alten Schlag an ihrer Seite. Der "kriegt" sie in der Brautgemachszene schon ganz gut "klein".
      Vogt singt den Lohengrin ungefähr so wie della Casa die Elsa, sehr schön, zaubrig, weltenthoben - du hast schon recht, zwei von der Sorte würden sich vermutlich auf ungute Weise doppeln.

      Wolfram schrieb:

      Siehe oben. Wenn die Elsa eher Frau als Mädchen ist, was bedeutet dann für die Besetzung des Lohengrins? Ein eher italienisch-romantische Sänger wie Konya wäre da wohl nicht so ideal. Auch Beczala, so grandios wie er übrigens war, musste sich da schon anstrengen.
      Da würde ich jetzt wieder erwidern: Wenn die Elsa eher Frau als Mädchen ist, dann ist sie fehlbesetzt. Wenn Lohengrin sich anstrengen muss, um auf Augenhöhe zu kommen und zu bleiben mit Elsa, dann ist das nach meinem Verständnis nicht die Figurenkonstellation /-charakteristik, die der Text vorgibt. Zumal dein zitierter Satz die Gefahr beinhaltet, dass sich die Besetzung der beiden Rollen gewissermaßen gegenseitig hochschaukelt: Eine vergleichsweise schwere Stimme als Elsa, dann braucht man einen noch schwereren Lohengrin usw.
      Ich habe das Duo Melchior und Varnay in den Rollen bisher nie gehört, aber ich könnte mir vorstellen, so wie ich die beiden Stimmen kenne, dass diese Besetzungskonstellation genau dafür ein Beispiel ist.
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    • Cherubino schrieb:

      Die beiden einzigen Unterschiede in der Besetzung sind ja Herbert Janssen und Leonard Warren
      Da unterschlägst du einen anderen , wichtigen Faktor : Es ist eine andere Aufführung . Selbst wenn es mir auf einen Bariton mehr oder weniger nicht ankäme , weiß ich aus Erfahrung , daß selbst zwei aufeinander folgende Aufführungen sehr unterschiedlich ausfallen können . Insofern möchte ich dann schon die für mich optimale Entscheidung treffen , ungeachtet der Baritöner .
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    • Waldi schrieb:

      Ich habe gerade kontrolliert: Meine Regal-Reserven sind bis auf wenige Millimeter erschöpft, aber diesmal total
      Falls du eine Pkw hast : am Rückspiegel ist noch Platz für einige Silberlinge . Ansonsten haben wir wohl das gleiche Problem . - Meine Frau droht ständig mit dem Statiker . Leider ist der nicht allzu attraktiv .
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    • Meine Frau dräut auch oft. Glücklicherweise hat sie ab und zu aber auch ein wenig einschlägige Butter auf dem Kopf, auch wenn sie das nonchalant ignoriert. Man muß sie dann ablenken: :kuss1: .
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    • Waldi schrieb:

      Meine Frau dräut auch oft. Glücklicherweise hat sie ab und zu aber auch ein wenig einschlägige Butter auf dem Kopf, auch wenn sie das nonchalant ignoriert. Man muß sie dann ablenken: :kuss1: .
      Da hast Du aber soliden Langzeit-Kredit.....bei Elsa konnte der Betreffende Mr L sich ja noch nicht auf so ne Strategie verlassen. :)
    • b-major schrieb:

      Insofern möchte ich dann schon die für mich optimale Entscheidung treffen , ungeachtet der Baritöner .
      Tja, das geht dann wohl wirklich nur, indem du alle erreichbaren Mitschnitte zusammensammelst, nacheinander hörst und dich dabei ein Bisschen fühlst wie das verwöhnte New Yorker Opernpublikum Anfang der 1940er: "Wie ist der Melchior denn heute Abend so?" ;)
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    • Das wäre doch zu genießen . Schwierig sind die korrespondierenden Getränke . Genever ist klar , aber was noch ? Pauwel Kwak ?
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    • b-major schrieb:

      Schwierig sind die korrespondierenden Getränke . Genever ist klar , aber was noch ? Pauwel Kwak ?

      Hmmm ... schwierig ... die Prohibition war ja schon vorbei, Absinth war schon verboten. Einen Highball? Aber Champagner geht freilich immer ...

      Gruß
      MB

      :wink:
      "Ich will keine leidenschaftslose Gehirnarbeit, sondern ein durchlebtes Kunstwerk mit einer Aussage." - Karl Amadeus Hartmann, aus seinem Artikel "Von meiner Arbeit" (1962)
    • Cherubino schrieb:

      oder ist sie nicht durch den Text sofort auf einen bestimmten Frauentypus festgelegt?
      Aber kann man den Text nicht auch unterlaufen, will sagen, ironisch zu brechen versuchen oder andere Modelle? Da fängt dann ja schließlich die Interpretation durch den Regisseur an. Ok, die Musik habe ich jetzt erstmal außen vor gelassen. (Aber das machen viele Regisseure ja auch. :D )

      Cherubino schrieb:

      So unterschiedlich habe ich die beiden gar nicht in Erinnerung, aber dafür müsste ich nochmal gezielt nachhören.
      Mein Gott, die Frau war 22, als sie die Aufnahme gemacht hat!
      Die Silja war immer ein Phänomen, allerdings auch eines, an dem sich immer die Geister schieden, weil sie ja schon Beginn an immer eine gewisse Schärfe in ihrer Stimme hatte. Das muss man mögen (ich mag es). Sie war grundsätzlich in allen ihren Rollen nie der Typ des lieblichen Mädels von nebenan, was bei ihrem Repertoire ja auch eigentlich nicht vorkam.

      Cherubino schrieb:

      Die della Casa war immer damenhaft in ihrer Rollengestaltung, das stimmt, und natürlich klingt sie an sich nicht wie ein junges Mädchen, aber hier, zumindest für meine Ohren, vollkommen alterslos. Das Reine, Unschuldige der Rolle trifft sie vollkommen, dabei selbstbewusst in sich ruhend.
      Rein, unschuldig und gleichzeitig selbstbewusst in sich ruhend. Ist das nicht ein gewisser Widerspruch? Braucht sie für ein wirkliches Selbstbewusstsein nicht auch eine gewisse Erfahrung? Geht das nicht schon sehr in Richtung Frau?

      Cherubino schrieb:

      Ich habe das Duo Melchior und Varnay in den Rollen bisher nie gehört, aber ich könnte mir vorstellen, so wie ich die beiden Stimmen kenne, dass diese Besetzungskonstellation genau dafür ein Beispiel ist.
      1943 war die Varnay noch nicht die 'Furie', die sie später in Bayreuth als Ortrud auf die Bühne bringen konnte. Die Stimme war logischerweise noch eine ganz andere, weicher, sanfter, eben eher jugendliche-dramatischer als hochdramatischer Sopran. Aber trotzdem hast du recht. Je schwerer, heldischer der Lohengrin angelegt und besetzt ist, je adäquater muss die Elsa sein. Varnay konnte das erfüllen, ist aber kein naives Maderl. Silja hätte das übrigens vielleicht auch gekonnt.

      :wink: Wolfram