Das Capriccio-Operntelegramm für die Saison 2011/2012

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    • Karlsruhe, Badisches Staatstheater, 05.04.2012
      Frederick Delius (1862-1934)
      Romeo und Julia auf dem Dorfe. Lyrisches Drama in sechs Bildern (1900-01)
      Musik. Ltg.: Justin Brown; Regie: Arila Siegert; Bühne: Frank Philipp Schlößmann; Kostüme: Marie-Luise Strandt
      Carsten Süss (Sali), Florian Heidecker (Sali als Knabe), Ekaterina Isachenko (Vrenchen), Larissa Wäspi (Vrenchen als junges Mädchen), Edward Gauntt (Manz), Lucas Harbour (Marti), Gabriel Urrutia Benet (Der schwarze Geiger) u. . m., Dadische Staatskapelle, Badischer Staatsopernchor (Ulrich Wagner)

      An Delius schätze ich vor allem seine Fähigkeit, einen lyrischen Strom in Bewegung zu setzen, der den Hörer erst nach und nach in ihren Bann zieht: "Musik, die es schafft, lange Spannungsbögen zu schlagen, sich Zeit läßt - und alles in warmen, weich und doch klar dahinströmenden Orchesterfarben", so habe ich es a. a. O. zu charakterisieren versucht (Delius, Frederick: Ein genialer Brite "made in Germany"). Insofern war ich mit einigen Erwartungen nach Karlsruhe gefahren. Das Orchester, in dieser Oper ein besonders bedeutender Träger des Ganzen, enttäuschte nicht, auch wenn es wohl etwas Anlauf benötigte, bis es richtig in Fluß kam.

      Auch sängerisch wurde Solides geboten; das begeisterte mich zwar nicht gerade, allerdings gab es auch keine Ausfälle.

      Das Bühnenbild arbeitete mit zwei Drehbühnen, mit denen immer wieder neue Räume in einem kreisrunden Labyrinth geschaffen wurden.

      Problematisch fand ich zweierlei: Zum einen gab es zwar eine durchgehende Personenregie, keine Rampensingerei, aber die Sänger vollführten weitgehend nur die rollengemäßen Bewegungen, schauspielerisch blieben sie blaß. Das war insofern verhängnisvoll, weil dadurch die Mängel(?) des Werks deutlich wurden: Delius schafft es nicht, seine Figuren als musikalische Charaktere heraustreten zu lassen (anders als z. B. Janáček, Strauss und Debussy), und zum anderen reduziert das Libretto (Delius' Ehefrau Jelka Rosen) die sprachlich so kunstvoll gestaltete Vorlage, Gottfried Kellers Novelle, in einer Weise, daß Entwicklungen nur holzschnittartig angedeutet werden; auch sprachlich finde ich das Ergebnis eher flach.

      Man könnte die Oper daher auch als eine ausgedehnte sinfonische Dichtung auffassen und genießen, nur hätte ich mir von der Regie da visuelle Kontraste, so etwas wie einen Kontrapunkt der Bilder gewünscht.

      :wink:
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
      Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
      Helmut Lachenmann
      Künstler und Schwein gelten erst nach dem Tode etwas.
      Max Reger
    • Meistersinger - Köln, 29.04.2012

      Eigentlich hätte diese Opernaufführung fast schon ihren eigenen Thread verdient. Laufenbergs Inszenierung mit einer wundervollen Sängerbesetzung entpuppte sich wohl als die best mögliche Werbung für das Opernhaus in schwierigen Zeiten. Vor allem die Gäste, die die Oper Köln engagiert hatten, machten den Abend ganz besonders: Michael Volle war ein grandioser Sachs, immer auf der Bühne präsent, stimmlich stets geschmackvoll und auf der Linie singend, ausdrucksstark, ohne forcieren, und totzdem kein "Light-Sachs", sondern auch dank seiner natürlich sonoren Stimme zu machtvollen Ausbrüchen mit sehr guter Diktion fähig. Adrian Eröd war ein elgant singender und agierender Beckmesser mit hohem Symphatiefaktor und Johan Botha ein strahlender Stolzing mit immer mühelosen Höhen.
      Der Applaus, der am Ende losbrach, war wirklich bombastisch. Besonders Michael Volle wurde frenetisch mit Standing Ovation gefeiert. Laufenberg, der selbst im Publikum saß, kam nach der Oper auf die Bühne und auch ihm wurde im allerhöchstem Maße Anerkunng - und nicht nur für die Inszenierung - entgegen gebracht.

      Ich hoffe, dass mancher lokaler Politiker von diesem Abend etwas mitbekommen hat oder wird. Die Reaktion des Publikums war so einstimmig, dass man sich dem kaum entziehen konnte. Und vielleicht hat auch Uwe Eric Laufenberg genau Michael Volle zugehört, als der sang:

      Mein Freund! In holder Jugendzeit,

      wenn uns von mächt'gen Trieben

      zum sel'gen ersten Lieben

      die Brust sich schwellet hoch und weit,

      ein schönes Lied zu singen

      mocht' vielen da gelingen:

      der Lenz, der sang für sie.

      Kam Sommer, Herbst und Winterzeit,

      viel Not und Sorg' im Leben,

      manch ehlich Glück daneben,

      Kindtauf', Geschäfte, Zwist und Streit:

      denen's dann noch will gelingen,

      ein schönes Lied zu singen,

      seht, Meister nennt man die.
      http://wotans-opernwelt.blogspot.com/
    • Heike schrieb:


      Nun gut, die Inszenierung war ganz und gar nicht ärgerlich und somit auch nicht störend - nur etwas harmlos eben. Man konnte ungestört seinen eigenen Gedanken nachgehen, das hat ja auch was für sich. Ich habe darüber nachgedacht, wer von den beiden Brüdern eigentlich der bösere ist. Laca, der seinen Halbbruder hasst und Jenufa das Gesicht zersticht, oder Steva, der sich betrinkt, weil er nicht zur Armee muss und der "nur" eine ungeliebte Frau nicht mehr haben will (nicht nur wegen der Narbe, sondern weil sie, wie er sagt, sich verändert hatte, der Küsterin immer ähnlicher geworden war!). Immerhin wollte er für das Kind zahlen.


      "Böse" sind die Brüder doch eigentlich wohl beide nicht. Was sie tun, tun sie ja beide nicht aus Bosheit, sondern Laca aus Impulsivität und unkontrollierten Affekten, und Steva aus bloßer Rücksichtslosigkeit und Egoismus. Aber ich finde, Janácek und Gabriela Preissová haben klar Partei für Laca ergriffen. Denn der bereut hinterher, was er im Zorn gemacht hat, und leidet die ganze Oper unter Schuldgefühlen (schau dir an, was er im zweiten und dritten Akt singt - das beschäftigt ihn sehr!), während Steva nicht einmal bemerkt, was er seinen Mitmenschen alles antut. Laca fühlt sich verpflichtet, Jenufa in ihrer Not zu heiraten und ihr zu helfen, weil er ihr, wie er selbst sagt, so etwas Schlimmes angetan hat, dass er sein ganzes Leben lang Wiedergutmachung leisten muss. Und als dann das Kind unterm Eis gefunden wird, fühlt er sich ja auch für das ganze Unglück verantwortlich ("O mein Gott, mein Gott, ich war die Ursache davon, ich hab dir die Wange verschandelt, damit Steva dich verlässt."). Laca bereut aufrichtig und hat die besten Vorsätze ("Wovor soll sie Angst haben? Ich werde ihr mein Leben lang nichts zuleide tun!"), während Steva weder Reue noch irgendwelche Vorsätze zeigt. Und in der Oper geht es sehr viel um Reue und Vergebung, und es besteht kein Zweifel daran, dass Janácek das als den richtigen Weg ansieht. Zu guter Letzt spricht dann auch noch die Hirtin ihr Urteil über Steva: Den nimmt keine Frau mehr, nicht einmal eine Zigeunerin.

      Wenn Jenufa sich verändert hat und nicht mehr so lustig ist wie früher, dann liegt das natürlich daran, dass sie ihre uneheliche Schwangerschaft belastet und (zu Recht) fürchtet, dass das mit Steva nichts Sicheres und Ernsthaftes mehr wird. Wie die Küsterin ist sie deshalb aber noch lange nicht geworden, auch wenn Steva das behauptet: Denn ganz zu Ende sagt die Küsterin in einem Moment, in dem sie sicherlich wahr spricht, dass Jenufa ihr ganz unähnlich sei (und hat auch Recht damit, denn was Jenufa im dritten Akt alles tut, hätte sie selbst sicherlich nicht getan).

      Man hat das Ende bisweilen kritisiert oder bezweifelt, dass Jenufa und Laca miteinander glücklich werden. Aber ich glaube, wenn man die gesamte Anlage der Oper, der Charaktere und der dahinterstehenden Weltsicht Janáceks (die sich auch in seinen anderen Opern - vielleicht in den letzten drei Opern, "Füchslein", "Makropulos" und "Totenhaus" am deutlichsten - offenbart) zusammennimmt, dann kann man das Ende richtig fassen: als einen hoffnungsvollen Neuanfang, der, abhängig von den Entscheidungen des Einzelnen, eine 50-50-Chance beinhaltet, dass es diesmal besser werden möge. Was wirklich passieren wird, ist offen. Aber immerhin die Möglichkeit, noch einmal von vorn anzufangen und es in Zukunft besser zu machen, ist gegeben, und als bescheidener Mensch darf man das für ein Happy End nehmen.

      Liebe Grüße,
      Areios
      "Wenn [...] mehrere abweichende Forschungsmeinungen angegeben werden, müssen Sie Stellung nehmen, warum Sie A und nicht B folgen („Reichlich spekulativ die Behauptung von Mumpitz, Dinosaurier im alten Rom, S. 11, dass der Brand Roms 64 n. Chr. durch den hyperventilierenden Hausdrachen des Kaisers ausgelöst worden sei. Dieser war – wie der Grabstein AE 2024,234 zeigt – schon im Jahr zuvor verschieden.“)."
      Andreas Hartmann, Tutorium Quercopolitanum, S. 163.
    • Peter Michaelow schrieb:

      Michael Volle war ein grandioser Sachs, immer auf der Bühne präsent, stimmlich stets geschmackvoll und auf der Linie singend, ausdrucksstark, ohne forcieren, und totzdem kein "Light-Sachs", sondern auch dank seiner natürlich sonoren Stimme zu machtvollen Ausbrüchen mit sehr guter Diktion fähig. Adrian Eröd war ein elgant singender und agierender Beckmesser mit hohem Symphatiefaktor und Johan Botha ein strahlender Stolzing mit immer mühelosen Höhen.
      Da in meinem Kalender ein "Planungsfehler" war, verließ ich diese Meistersinger in der Pause um das Konzert in der Philharmonie zu besuchen. Um Botha hat es mir nicht sooo leid getan, ich fand ihn musikalisch ziemlich gedeckelt, im 1. Akt hatte er auch Durchsetzungsprobleme beim Probesingen. Volle hat die Rolle des Sachs szenisch sehr aufgewertet, so agil war noch kein Sachs in dieser Aufführung. Und hat Eröd diese herrliche Pantomime im 3. Akt am Klavier gegeben?

      Weiß jemand, was mit Wolfgang Schöne ist? Der ist mir als Sachs in Essen noch in bester Erinnerung. Tritt der Sänger denn noch regelmäßig (z.B. in Stuttgart) auf?
      Ich hoffe, dass mancher lokaler Politiker von diesem Abend etwas mitbekommen hat oder wird.
      Die Herren Roters und Quander waren in der Philharmonie...
    • S.Kirch schrieb:

      Weiß jemand, was mit Wolfgang Schöne ist? Der ist mir als Sachs in Essen noch in bester Erinnerung. Tritt der Sänger denn noch regelmäßig (z.B. in Stuttgart) auf?
      Hier war er kürzlich noch als Marquis de la Force in Poulencs Karmelitinnen zu hören, jedoch nicht in der Vorstellung, die ich besucht habe. Soweit ich sehe, war seine letzte größere Rolle in Stuttgart der Scarpia 2008.
      "You gotta grab'em by Debussy" (DJ Trump)
    • Obwohl ich zu den Meistersingern noch keinen Zugang gefunden habe, hätte ich Michael Volle doch wahnsinnig gerne als Sachs erlebt. In München kam er leider nie so richtig zum Zuge, wie er und wir es uns sicher sehr gewünscht hätten.

      Nun möchte ich aber noch gerne auf eine sog."Thriller-Oper" aufmerksam machen, die in Regensburg im Theater am Haidplatz aufgeführt wird.

      Unter "Der letzte Virtuose" findet man einige gute Hinweise über die Komposition von dem Dänen Lars Klit *1965, den Inhalt und die Inszenierung von Mareike Zimmermann

      Weitere Aufführungen gibt es am 4., 6., 7., und 8. Mai

      Ich hatte schon ein ziemlich mulmiges Gefühl, denn die Handlung hörte sich recht hanebüchen und gruselig an, aber mit jüngerer Begleitung (Sohn) war ich dann doch mutig. Dieses kleine Theater (8 Reihen) eignete sich auf jeden Fall sehr gut für diesen, doch sehr intimen Rahmen.

      Auf der Bühne war eine Art Kellerraum zu sehen, aus dem in der Mitte ein getäfelter Flur nach hinten oder draußen führte (es gibt auch Fotos). Auf dem Boden lagen längliche Pakete, die sich später als die Protagonisten (Vater, Sohn und Buchhalterin) in Schlafsäcken entpuppten (im wahrsten Sinne des Wortes), aber zuerst trat erst einmal der Virtuose an die Rampe, grell angestrahlt und versuchte seiner Violine Töne zu entlocken, die völlig misslangen. Entmutigt verschwand er im Flur. Danach erwachten die drei Menschen im Raum und das Frösteln begann schon, denn der Vater unterdrückte den Sohn in jeder Weise wie ein Tier, die Buchhalterin hielt sich raus und lieber an imaginäre Zahlenspiele. Da wohl Krieg war (immer wieder hörte man Einschläge und der Putz bröckelte von der Decke) war die Not sicher sehr groß und man wünschte sich sehnsüchtig einen Auftrag zur Fertigstellung einer ganz besonderen Geige für den letzten wirklichen Virtuosen. Ein Mädchen mußte dafür sein Leben lassen und die stolperte dann ja auch kurz darauf in diesen Raum und verschwand schnell wieder. Es reichte aber, um diesen perfiden Plan für möglich zu halten, ihn weiter zu entwickeln und letztendlich durchzuführen. Wirklich Spannung pur.

      Auch bei der musikalischen Ausführung stieß ich einige Male an meine Grenzen und erinnerte mich in ihrer Eindringlichkeit sehr an Kompositonen von Reimanns Bernarda Albas Haus oder auch Bergs Wozzeck (in einem Rundfunkbeitrag wird von Ähnlichkeit mit Arbeiten von Strawinsky gesprochen). Mehrmals mischten sich die Rezitationen mit Sprechgesang, auch Falsett beim Virtuosen (Falko Hoenisch). Der Orchesterklang (live) kam aus dem Hintergrund. Auch eine E-Gitarre und gr. Schlagwerk kamen zum Einsatz. Ebenfalls große Klasse!

      Die sängerische Leistung aller fünf Protagonisten war weit mehr als nur bewunderungswürdig, ebenso ihr großartiger schauspielerischer Einsatz. Wir waren total aufgewühlt und mitgenommen und können diese Kurzoper (eine Stunde) wirklich sehr empfehlen. Die Reihen war auch recht gut besetzt und das Publikum bunt gemischt. Diese tolle Leistung hat sich wohl schnell herumgesprochen.

      In Berlin wollte ich eigentlich an diesem Wochenende ins bronzene Pferd, aber das hat nicht geklappt. Habe mehr die Natur und Familie genossen.

      :wink: Ingrid
    • "Der fliegende Holländer"

      Gestern gab`s am Offenbachplatz die letzte Premiere der Oper Köln vor der Schließung des Hauses (angesichts der Sonderauflagen der kölschen Presse wohl für unabsehbare Zeit....)

      Musikalisch klang der Abend eher ziemlich laut, derb und volkstümlich. Mir hat das eigentlich ganz gut gefallen für das Stück, wenn mir auch manches Mal die Abstufung im Orchester fehlte. Wenn alles laut ist dann geht eben nur noch ` noch lauter´. Der einzige kultivierte Sänger auf der Bühne war m.E. der Erik, ein Thomas Piffka. Großartig fand ich auch den Chor.

      Die Aufführung wirkte so, als hätte Senta versprochen (sich selbst, dem Bild, dem Vater) den Holländer zu retten, eigentlich aber Erik liebt. Es muss ja auch ein ziemlicher Schock sein wenn man sich in ein Bild verguckt und plötzlich steht so eine Vogelscheuche vor einem... Mary, weigert sich fast angstvoll, die Ballade zu singen. Wer weiß ob sie vor sieben oder vierzehn Jahren dem Holländer auch mal gegenüber stand. Jedenfalls wirkt sie in ihrem Auftreten liebesfeindlich, der Liebe verbannt. Zum intensivsten der Aufführung gehörte für mich die Auseinandersetzung zwischen Senta und Erik. Erlöst wird in der Aufführung am Ende Senta, weil sie dem Holländer nicht hinterher muss.

      Die Besetzung und in einigen Tagen sicher auch die Bildchen gibt es wie immer hier:
      operkoeln.com/

      Jetzt gibt`s zum nachhören erstmal ein paar Ausschnitte aus der Aufnahme von Nelson.
    • Don Giovanni - Hagen / Romeo und Julia -Münster

      Hier mal schnell ein paar Infos über vergangene Aufführungen der letzten Tage, die sich beide recht ähnlich waren. Denn sowohl in Hagen als auch in Münster waren Don Giovanni und Romeo et Juliette ein musikalischer Genuss.
      In beiden Fällen war die musikalische Interpretation sehr gut bis hervorragend. In Hagen setzte man nach HiP-Manier sehr gute Akzente in einem transpararenten Spiel, in Münster zauberte Hendrik Vestman eine wundervoll romatische Stimmung - freilich ohne Kitsch - hervor. Sängertechnisch haben mich beide Produktionen sehr erfreut: Kaum Ausreißer nach unten, dafür einige sehr packende Interpretationen. Etwa Young-Seon Shim als Romeo oder J.Bermudez als Donna Anna.
      Sezneisch bleiben beide Produktionen sehr reduziert, wobei der Hagener Don Giovanni dabei etwas besser gelingt, als der doch etwas leidenschaftsarme Romeo. In Münster ist dabei das Bühnenbild athmosphärischer als die beiden großen Mauerklötze in Hagen.
      Insgesamt zwei erfreuliche Opernbesuche an einem Wochenende (05. und 06. Mai)
      http://wotans-opernwelt.blogspot.com/
    • Der fliegende Holländer - Köln 13.05.2012

      Und wieder liefert die Oper Köln eine überzeugende Arbeit ab, die die Wertschätzung für das Theaters und Laufenberg immer weiter steigen lässt.
      Sehr gut ausgewählt die Sängerbesetzung: Erika Sunnegardh als stets intensive Senta, Lars Woldt als Daland mit stark differenzierungsfähigen Bass und großer Persönlichkeit. Thomas Piffka habe ich noch nie so gut erlebt wie als Erik und Samuel Youn meisterte die Titelfigur gut fokussiertem Bariton und strahlender Höhe! Es war herrlich ihm zuzuhören.
      Die Inszenierung von Hilsdorf lebt von einer starken Personenführung und dem Bühnenbild von Dieter Richter. Die herzugerufene Figur des Samiel ist eine interessante Komponente zur Gesichte über den Mann der vom Teufel ja verflucht wurde. Doch vielmehr scheint Hilsdorf interessiert an der gescheiterten Existenz des Holländers, an dem sich Samiel zu laben scheint. Als der Holländer am Schluss verschwindet, lässt sich Samiel auf Erik nieder, der unglücklich bei sentas Tod mitgewirkt hat.
      Markus Poschner liefert zu diesem entromantisiertem Finale den entsprechend düsteren Schluss, nachdem man in der Ouvertüre mit "Tristan-Schluss" noch von der reinen Erlösung träumen dürfte.
      Auch meine Freundin, die keine so große Wagnerianerin ist, hatte durchaus Freude an diesem Holländer.
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    • Mozart: Idomeneo - Wiederaufnahme an der Komischen Oper Berlin - 16.06.2012

      Eine unspektakuläre Wiederaufnahme einer eher drögen, allzu kopflastigen Inszenierung (Benedikt von Peter) vor halbleerem Haus - lohnt es sich, überhaupt darüber zu berichten? Allemal, finde ich, vor allem, weil ich mich korrigieren möchte: Im Operntelegramm 10/11 hatte ich die Aufführung nicht recht empfehlen können, weil sie - neben den Mängeln der Inszenierung - auch musikalisch nicht so viel Innenspannung hatte, aufgrund der bedächtigen Gangart von Patrick Lange, mehr aus schönen Einzelteilen und teilweise überlang scheinenden Rezitativen zu bestehen schien. Das ist vorbei: "Wir können auch anders!" scheint das Motto der Wiederaufnahme zu sein: Geradezu sensationell, wie Lange und das geradezu großartige Orchester die Funken aus Mozarts "wildester" Partitur schlagen: Meist zügige, dramatisch zugespitzte Tempi, aber nie verhetzt, toller Spannungsaufbau in den Rezitativen, grandiose Klangmalerei vergegenwärtigt die äußeren und inneren Stürme der Partitur mit großer Intensität, so dass deren Fehlen auf der Bühne gar nichts macht. Toll, wie da einer nach einer nicht überragenden Premiere das Steuer geradezu um 180 Grad herumgerissen hat - für mich Langes beste Einstudierung in den vier Jahren seiner Tätigkeit hier (erreicht allenfalls bei der Rusalka von Februar 2011).

      Der Chor und die Solisten ziehen toll mit: Erika Roos als hochvirtuose und sehr dramatische Elektra sowie Rainer Trost, eher lyrisch in der Titelrolle, aber den dramatischen Anforderungen durchaus gewachsen, waren schon in der Premiere dabei. Susanne Kreusch verschafft dem Idamante durch Leidenschaft und ebenso kräftigen wie präzisen und klangschönen Gesang mehr Aufmerksamkeit als die Premierenbesetzung. Als Ilia debütiert Anna Siminska: Eine klangschöne, höhen- und stilsichere junge Sängerin, der noch ein bisschen individuelle Farbe und Vielfalt im Ausdruck für die Rezitative fehlt, über die die drei anderen überreich verfügen. Die Arien allerdings, vor allem die zweite, gelingen ihr wunderbar!

      Das spärlich erschienene Publikum jubelt allen zu und feiert vor allem Patrick Lange und sein Orchester. Nachdem der Chefdirigent sich mit dieser Wiederaufnahme einen brillianten Abgang verschafft hat, dürfte die Latte für seinen Nachfolger Henrik Nanasi noch ein Stück höher liegen.

      In Korrektur meines damaligen Urteils: Sich nicht stören an der verkopften Szenerie und eine der letzten drei Chancen nutzen: Noch morgen, 20. sowie 26.6. und 1.7.
    • Oberon - Münster, 17.06.2012

      Zum Intendanzschluss gab es noch eine kleine Rarität. Webers Oberon bildete den Schlussakkord in der Intendanz Wolfgang Quetes. Die Oper mag nicht unbedingt ein Highlight sein, aber dennoch war es sehr schön sie einmal live zu erleben. Zudem hat sie einige sehr packende Momente.
      Quetes fährt alle drei Sparten seines Theaters auf, um die Oper in seiner eigenen Bühnenfassung zu präsentieren. Mit der tollen, bunten Bühne von Heinz Balthes erinnert seine humorvolle Inszenierung irgendwie an ein Bilderbuch. Musikalisch macht das Münster ordentlich: Vestmann dirigiert gut, die beiden Gasttenöre Jeff Martin (Oberon) und Wolfgang Schwaninger (Hüon) singen gut, wenngleich nicht wirklich umwerfend. Die beste Leistung kommt von Maida Hundeling als Rezia, die ihren jugendlich-dramatischen Sopran mit höhensicherer Power und leuchtendem Strahl einsetzt.
      http://wotans-opernwelt.blogspot.com/
    • Peter Michaelow schrieb:

      Heinz Balthes


      Der ist fest in Darmstadt engagiert... Haben wir Euch den jetzt mal ausgeliehen?

      Matthias
      "Bei Bachs Musik ist uns zumute, als ob wir dabei wären, wie Gott die Welt schuf." (Friedrich Nietzsche)
      "Heutzutage gilt es schon als Musik, wenn jemand über einem Rhythmus hustet." (Wynton Marsalis)
      "Kennen Sie lustige Musik? Ich nicht." (Franz Schubert)
      "Eine Theateraufführung sollte so intensiv und aufregend sein wie ein Stierkampf." (Calixto Bieito)
    • West Side Story, Deutsche Oper Berlin, 25.06.2012

      Rezension von Manuel Pronath, 11 Jahre:

      In dem Stück geht es um zwei Gruppen von Jugendlichen, die sich hassen. Die beiden Gruppen verabreden ein Treffen, wo sie sich verprügeln. In der Zwischenzeit haben sich ein Junge und ein Mädchen verliebt, aber ihre Gruppen verhindern es...

      Es ist eine Story mit Liebe, Wahnsinn und Tanzen. Die Schauspieler können sehr gut tanzen und singen. In dem Stück ist es sehr laut. Auch wenn man hinten sitzt kann man das hören. Es ist ein bisschen langweilig. Aber es war ein schönes Erlebnis. Ich empfehle dieses Stück.

      Viele Grüße
      Frank + Manuel