Italien: Sizilien

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    • Italien: Sizilien

      Dieser Thread kann recht lang werden, wobei ich hier alles andere als Experte bin. Ich war nur mal 2 Wochen in Palermo, aber weder im Sprachunterricht noch mit meinem Vermieter wurde über Musik geredet. Immerhin war ich in einem Konzert von Ivan Segreto, dazu später mehr. Ich kam mit 5 CDs nach Hause: 3 mit traditioneller Musik, 2 mit aktuellen Künstlern (Carmen Consoli und Ivan Segreto). Beginnen wir mit der traditionellen Musik.

      CD1: L'oro della Sicilia
      Amazon-Link (derzeit nur als MP3 zu bekommen)

      Muss man das haben? Nun, die Stücke sind absolut in Ordnung, aber die CD hat nicht mal ein Booklet. Wer sizilianische Volksmusik kennen lernen will, kommt um sowas nicht herum, aber eine bessere Dokmentation würde man sich doch wünschen. Nicht mal die Interpreten werden genannt. Mit Rosa Balistreri und Giacomo Rondinella tauchen immerhin auch ein paar wichtige Namen auf. "Ciuri ciuri" und "Vitti ‘na crozza" sind ziemlich bekannt.

      CD2: Pietro Ballo: Canti popolari siciliani
      Link eines italienischen Anbieters

      Pietro Ballo ist ein italienischer Tenor (geboren in Palermo), entsprechend findet man auf Youtube praktisch nur Opernarien von ihm. Bekannte Stücke der CD sind

      "Mi votu e mi rivotu":
      http://www.youtube.com/watch?v=iVABY-Rb_iU (Rosa Balistreri, klassische Variante)
      http://www.youtube.com/watch?v=wGedI9Mx2ck (Mario Venuti und Carmen Consoli)

      "Li pirati a Palermu"
      http://www.youtube.com/watch?v=wVqveTX4E3k (Rosa Balistreri)

      "La pampina di l’aliva"
      http://www.youtube.com/watch?v=c0gh_Sf7b58 (Rosa Balistreri)
      http://www.youtube.com/watch?v=qZ3VaZjKOCg (Carmen Consoli, interessant, was die alles macht)

      "Lu sciccareddu"
      http://www.youtube.com/watch?v=wAEmCELO5ps

      "La barunissa di Carini"
      http://www.youtube.com/watch?v=1rp6aLtWc_0


      Beim Schreiben merke ich, dass man eine Aufnahme von Rosa Balistreri besitzen müsste, wenn man nicht nur das sizilanische Liedgut selbst, sondern auch die traditionellen Interpreten sucht. Das wusste ich seinerzeit nicht, aber als 3. CD habe ich immerhin etwas von der Gruppe Lautari gefunden:

      Lautari: La casa di Icaro
      Amazon-Link (derzeit nur als MP3 zu bekommen)

      Diese Gruppe ist auch - wie Rosa Balistreri - auf der später noch zu besprechenden CD "Tribù italiche: Sicilia" vertreten, und zwar mit diesem Stück:

      Atturna (Eigenkomposition)
      http://www.youtube.com/watch?v=bD9s1U9ySkw

      Ein bekanntes traditionelles Stück ist Vitti ‘na bedda:
      http://www.youtube.com/watch?v=z8rO-SmNZ0w (Rosa Balistreri)
      http://www.youtube.com/watch?v=5ITF9EgzI-w (diese Version ist wohl klassischer)

      Sehr gut gefällt mir Si li me’ paroli:
      http://www.youtube.com/watch?v=GGVKKk-8j2U


      Die Lautari arbeiten auch mt Carmen Consoli zusammen:
      http://www.youtube.com/watch?v=jYsJf_zB4H0


      Soweit erst mal zum traditionellen Teil. Wie gesagt, diese Sammlung ist eher per Zufall entstanden und sollte nach und nach ergänzt werden.



      Thomas
    • Carmen Consoli

      Carmen Consoli, geboren 1974 in Catania, hat Wikipedia-Artikel in 9 Sprachen, das sagt alles. Eines ihrer besten Alben dürfte dieses sein:



      Wer bei Amazon in die CD reinhört, stellt fest, dass es da teilweise recht rockig, aber auch sehr individuell zugeht. Die Lieder sind fast alle von ihr selbst geschrieben. Die Frau hat's absolut drauf. Weitere Beispiele:

      Parole di burro
      http://www.youtube.com/watch?v=WMlRBis1AIM

      Quello Che Sento
      http://www.youtube.com/watch?v=F0x0CsIphbw

      Equilibrio precario
      http://www.youtube.com/watch?v=QAziuME2xe8

      Stato di necessità ist aus dem Jahr 2000, aber die Erfolge gingen weiter, wie vor allem dem italienischen Wikipediaartikel zu entnehmen ist. Darüberhinaus beschäftigt sie sich immer wieder auch mit traditioneller sizilianischer Musik, siehe den ersten Beitrag des Threads.


      Thomas
    • Ivan Segreto

      Ivan Segreto dürfte auch in Italien nur Insidern bekannt sein. Ich sah ihn eher per Zufall in einem Konzert Ende 2005 in Palermo, anschließend kaufte ich diese CD:



      Zu dem Zeitpunkt gab's auch schon seine zweite CD Fidate correnti, und inzwischen hat er mit Ampia sein drittes Album herausgebracht. Einen Eindruck seines jazzähnlichen Stils bekommt man beim Reinhören in Ampia:



      Längere Hörbeispiele gibt's bei Youtube:

      Vola Lontano (aus der 2. CD)
      http://www.youtube.com/watch?v=rKVUMLTwVq0


      Mit diesem Beispiel soll auch daran erinnert werden, dass es sich vor Ort oft lohnt, sich nach Livekonzerten umzuhören. Auf diese Art kam ich z.B. in Genua in ein Konzert mit Federico Sirianni. Jetzt muss ich nach Konzerten im östlichen Sizilien in der zweiten Oktoberwoche suchen...


      Thomas
    • Ecclitico schrieb:

      Carmen Consoli, geboren 1974 in Catania, hat Wikipedia-Artikel in 9 Sprachen, das sagt alles.


      Gute Marketingabteilung ihres Labels? Über Diarrhö gibt es Wikipediaartikel in 97 Sprachen. Und die Lena-Artikel zähl ich erst gar nicht nach. Der singende Pol Pot aus UK kommt auch auf mehr.



      Irgendwie finde ich, dass sich diese Mischung aus "tradidtioneller" Musik und neuen Pop- und Liedermachersachen selbst im Weg steht. Zumindest in dem Unterforum "traditionelle" Musik. Aber ich weiß, dass für viele Musikethnologen ihr Forschungsgebiet die Musik ist, die gespielt wird.
      Ins Gebüsch verliert sich sein Pfad, hinter ihm schlagen die Sträuche zusammen.
    • ThomasBernhard schrieb:

      Ecclitico schrieb:

      Carmen Consoli, geboren 1974 in Catania, hat Wikipedia-Artikel in 9 Sprachen, das sagt alles.

      Gute Marketingabteilung ihres Labels? Über Diarrhö gibt es Wikipediaartikel in 97 Sprachen. Und die Lena-Artikel zähl ich erst gar nicht nach.

      Wenn man auf Englisch singt und den ESC gewinnt, wird man automatisch so bekannt. Carmen Consoli singt auf Italienisch. Mein Hinweis kam aber nicht aufgrund statistischer Analysen. Es fiel mir einfach auf, weil ich schon seit 2 Tagen nach allen möglichen Musikern google und durchaus Unterschiede in deren Bekanntheitsgrad feststelle. Carmen Consoli ist in Italien definitiv bekannt. Wenn man aber als Ausländer sagt, man kenne sie, ist der Gegenüber dann doch überrascht. Bei Gianna Nannini oder Fabrizio De André z.B. wäre das nicht so.




      Irgendwie finde ich, dass sich diese Mischung aus "tradidtioneller" Musik und neuen Pop- und Liedermachersachen selbst im Weg steht. Zumindest in dem Unterforum "traditionelle" Musik. Aber ich weiß, dass für viele Musikethnologen ihr Forschungsgebiet die Musik ist, die gespielt wird.

      Ich selbst bin bekanntlich ein großer Anhänger von Regionalkultur, nicht zuletzt auch als Gegengewicht zur Globalisierung. Eine "internationale" Lena wird mich z.B. auf Dauer nicht fesseln können. Dennoch ist es schwierig, Grenzen zu ziehen. Die hier bisher genannten Musiker haben ganz klaren Sizilien-Bezug, auch wenn das nicht in jedem Lied zutage tritt. Bei Gianna Nannini würde ich mir im Moment allerdings schwer tun, einen Siena- oder Toskana-Bezug nachzuweisen.

      Vielleicht sind wir uns einig, dass auch Künstler zumindest von ihrer Herkunft geprägt sind. Ob sie etwas daraus machen, ist eine andere Frage. Auch dazu sind solche Threads da: Hat Carmen Consoli etwas mit Sizilien zu tun?


      Thomas
    • Tribù italiche: Sicilia

      Inzwischen ist die CD angekommen, und ich habe sie anghört. Zu bekommen ist sie derzeit sehr günstig bei Amazon.com:



      Ich sehe gerade: Der Link führt zu Amazon.de. Mit der ASIN findet man zwar leicht das sehr günstige Exemplar von Amazon.com, es ist aber derzeit nicht lieferbar.

      JPC hat sogar mit Hörbeispiele:



      Besonders gut gefällt mir die Nr. 13, Complesso Bandistico “Giuseppe Verdi” di Mezzojuso: Christos anesti. Die bläserdominierten Orchesterklänge könnten Ähnlichkeiten mit der von ThomasBernhard o.g. CD "Tod. Trauer. Trapani." haben (spekulative Annahme meinerseits, vielleicht kann er etwas dazu sagen). Allerdings handelt es sich bei meinem Beispiel um Ostersonntagmorgen-Musik. Sie klingt dennoch feierlich-getragen.

      Ansonsten muss man zugeben, dass die Sizilien-Ausgabe der "Tribù italiche" eher etwas für den fortgeschrittenen Sizilien-Freund ist. Manche der Stücke wirken fern und exotisch, auf der anderen Seite gibt's auch Elektronik (Nr. 17) und Tekkno-artiges (Nr. 18). Das, was man sich unter einem klassischen Volkslied vorstellt, bietet vor allem Rosa Balistreri (Nr. 20).

      Und so würde ich vorerst sagen: Zum Sizilien-Einstieg greife man eher zu Rosa Balistreri, Beispiel:



      Auch auf Youtube ist Rosa Balistreri gut vertreten.


      Thomas