Patricia Petibon - die Kompromisslose

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    • FairyQueen schrieb:

      Für alle Petibon-Fans: Patricia Petibon gibt am Samstag 5.11. in der Salle Pleyel in Paris ein Konzert unter dem sehr verheissungsvollen Titel: "Melodies de la melancholie" sie wird begleitet vom orchestre de la Capitole de Toulouse. Soweit ich bisher ersehen kann stehe iberische Raritäten auf dem Programm. Es gibt offenbar noch Karten...... und das sogar schon ab 10 Euro.......


      Und aus der Salle Pleyel gibt es auf Youtube auch ein Video, das offenbar bei diesem Konzert aufgenommen wurde:

      "http://www.youtube.com/watch?v=AsHgHn7Lcj0

      Liebe Grüße,
      Areios
      "Wenn [...] mehrere abweichende Forschungsmeinungen angegeben werden, müssen Sie Stellung nehmen, warum Sie A und nicht B folgen („Reichlich spekulativ die Behauptung von Mumpitz, Dinosaurier im alten Rom, S. 11, dass der Brand Roms 64 n. Chr. durch den hyperventilierenden Hausdrachen des Kaisers ausgelöst worden sei. Dieser war – wie der Grabstein AE 2024,234 zeigt – schon im Jahr zuvor verschieden.“)."
      Andreas Hartmann, Tutorium Quercopolitanum, S. 163.
    • Leider erst jetzt bemerkt:

      Herute abend um 21.:10 Uhr singt Patricia Petibon auf ARTE Barockarien und ab 21:30 berlörpert sie die Susanna in der Übertragung der diesjährigen LE NOZZE DI FIGARO aus Aix-en-Provence.

      Wenn es jemand mitschn eiden kann, wäre ich dankbar, da leider mein Fernseher ausgerechnet zur Sommerfestivalsaison seinen Geist aufgegeben hat.

      :wink: Rideamus
      Ein Problem ist eine Chance in Arbeitskleidung
    • Lieber Rideamus!

      Ich habe es in meiner Digitalbox eingestellt - beide Sendungen - habe aber von der BOX noch nie etwas auf DVD übertragen, muss aber gehen, also ein wenig Geduld ich mache Dir beide Aufnahmen.

      Mein DVD ist besetzt, weil aus Mörbisch "Die Fledermaus" ist, die letzte "Tat" des Mister Wunderbar - Harald Serafin.

      Liebe Grüße sendet Dir Peter. :wink: :wink:
    • Danke, Peter

      Es wäre aber nicht schlimm, wenn es nicht funktioniert. Ich habe nämlich doch Teile der Aufführung sehen können und gestehe, dass ich mich für den tollen Tag im Großraumbüro der Firma Conte & Co nicht sonderlich erwärmen konnte - nicht einmal, als da mit Unterwäsche herumgeworfen wurde.

      Es ist zwar schade um die Leistung von Patricia Petibon, die als eine viel zickigere Susanna überzeugte, als man es gewohnt ist, und auch manch anderes gefällige darstellerische Detail, aber insgesamt konnten mich weder die Szene noch die Musik besonders begeistern. Neben meinen vielen anderen FIGAROs (Figari?) würde diese Aufzeichnung also eher selten gesehen werden.

      :wink: Rideamus
      Ein Problem ist eine Chance in Arbeitskleidung
    • Lieber Rideamus,

      genau so ist es mir auch ergangen. Nicht wirklich packend. Weder die Musik noch die Inszenierung.

      Bin kurz nach der Halbzeitspause lieber ins Bett gegangen.
      Am früheren Abend lief übrigens auf Arte eine "Dokumentarsendung" über Mozart als (was auch sonst?) "Superstar".
      Strickmuster: Man nehme zehn mehr oder weniger prominente Leute und lasse sie nacheinander und wiederholt sagen, dass Mozart der erste Popstar war. Treffende Vergleiche mit Michael Jackson und Madonna verstehen sich da von selbst. So wie der Vater von Michael war auch der Vater von Wolfgang ein (Zitat) "mittelmässsiger Musiker", nur hat letzterer sein Wunderkind nicht so gequält. Etc. Etc.

      Zwischen dieser Sendung und dem Figaro wurden noch zwei Händel?-Arien mit Patricia Petibon gebracht. Die haben sich in Bild und Ton sehr gelohnt.

      Hudebux
    • Ich habe den Figaro nach "La vendetta" ausgeschaltet und bin spazieren gegangen. Ich fand's doof, gerade diese "Figaro in der Hochfinanz"-Inszenierungen mag ich gar nicht und bis auf Petibon fand ich es auch musikalisch nicht sooo umwerfend. Das bleibe ich doch lieber bei Bryn Terfel und Gardiner, oder bei Schrotti in der Inszenierung von David McVicar, da gibt's wenigstens was zu lachen.
      Das Mozart-Portrait vorher fand ich ganz unterhaltsam, obwohl natürlich nix wirklich neues zu erfahren war.
      Ein Paradies ist immer da, wo einer ist, der wo aufpasst, dass kein Depp reinkommt...
    • Lieber Rideamus!

      Es dürfte zwar geklappt haben - aber da die Beginnzeiten lassen sich an der Digital-Box nicht richtig einstellen, also fehlt, denke ich, bestimmt was, auch das Konzert endet früher, die Digitalbox ist ein Schmarrn. Werde sie, bei Telekabel, austauschen müssen.

      Liebe Grüße sendet Dir Peter aus Wien. :wink: :wink:
    • Und ich hatte gar nichts davon gesehen, also wohl auch nichts verpaßt... :) Sondern mich auf Klick Klack (http://www.br.de/radio/br-klassik/sendungen/klickklack/index.html) im BR gefreut, und das hat sich, wie immer, gelohnt...

      Insbesondere, nachdem ich Martin Grubinger erst am Mittwoch live erleben durfte... Damit bin ich hier aber vollkommen OT... :D

      Matthias
      "Bei Bachs Musik ist uns zumute, als ob wir dabei wären, wie Gott die Welt schuf." (Friedrich Nietzsche)
      "Heutzutage gilt es schon als Musik, wenn jemand über einem Rhythmus hustet." (Wynton Marsalis)
      "Kennen Sie lustige Musik? Ich nicht." (Franz Schubert)
      "Eine Theateraufführung sollte so intensiv und aufregend sein wie ein Stierkampf." (Calixto Bieito)
    • Liebe Capricciosi!

      Und es geht weiter! Die Deutsche Grammophon nimmt nun anscheinend in dichter Folge Recitals mit Patricia Petibon auf, und ich bin ihr keineswegs gram darob, fände es aber doch auch wieder mal ganz nett, die Gesamtaufnahme irgendeines Werkes (wie weiland der Carmina Burana) unter Patricias Mitwirkung vorgesetzt zu bekommen. Gerade im französischen Repertoire gäbe es da doch einige Desiderate (L'Étoile, Contes d'Hoffmann Kaye-Keck, Thais...).

      Die neue Scheibe nennt sich "Nouveau Monde", erscheint angeblich Ende September und beinhaltet barocke Arien und Lieder von Nebra, Bailly, Purcell, Rameau, Händel, Charpentier, und Anonymus, wie es beim Werbepartner heißt. Ich stelle mir da momentan, inspiriert vom Titel, so Kolonialgesang wie "The Indian Queen", "Les Indes galantes" und dergleichen darunter vor. Patricia wird vom Barockorchester La Cetra unter Leitung von Andrea Marcon, der bereits bei den italienischen Barockarien ihr Partner war, begleitet.




      edit: Tatsächlich sieht die Tracklist so aus:

      [1] José de Nebra (1702 - 1768): "El bajel que no recela" aus "Vendado es amor, no es ciego" (Zarzuela)
      [2] Henri de Bailly: "Yo soy la locura"
      [3] Anonymus (Codex Martínez Compañon): Cachua a voz y bajo Al Nacimento de Christo Nuestro Señor
      [4] José de Nebra (1702 - 1768): "En amor, pastorcillos, no hay quien distinga" aus "Vendado es amor, no es ciego" (Zarzuela)
      [5] Henry Purcell (1659 - 1695): "Thy hand, Belinda...When I am laid in earth" aus "Dido and Aeneas"
      [6] Jean-Philippe Rameau (1683 - 1764): Danse du Grand Calumet de la Paix (Rondeau) - Forêts paisibles - Nouvelle Entrée: Les Sauvages - Scène 6 aus "Les Indes galantes" [Wusst' ich's doch! :D ]
      [7] George Frideric Handel (1685 - 1759): "No se emendará jamás" aus Cantata spagnola HWV 140
      [8] Anonymus (Codex Martínez Compañon): Tonada la Lata a voz y bajo para bailar cantando
      [9] Anonymus: Mon amy s'en est allé (arranged by La Cetra)
      [10] Anonymus (Codex Martínez Compañon): Tonada la Lata el Congo a voz y bajo para baylar cantando
      [11] Marc-Antoine Charpentier (1634 - 1704): Chaconne for Soprano and Continuo "Sans frayer dans ce bois"
      [12] Marc-Antoine Charpentier (1634 - 1704): "Quel prix de mon amour" aus "Medée" (Acte III, Scène 3)
      [13] Marc-Antoine Charpentier (1634 - 1704): Prélude - "Noire filles du stix" - "L'Enfer obéit à ta voix" aus "Medée" (Acte III, Scènes 5 & 6)
      [14] Marc-Antoine Charpentier (1634 - 1704): "Dieu du Cocyte et des Royaumes sombres" aus "Medée" (Acte III, Scène 7)
      [15] Anonymus: Greensleeves to a Ground (Arranged by La Cetra)
      [16] Traditional: J'ai vu le loup, le renard et la belette (Arranged by La Cetra)
      [17] Jean-Philippe Rameau (1683 - 1764): Première Entrée: Le Turc généreux - Scène 2: "La nuit couvre les cieux" - "Que nous sert d'échapper à la fureur des mers" aus "Les Indes galantes"
      [18] Henry Purcell (1659 - 1695): "Fairest Isle" aus "King Arthur, or The British Worthy" (1691)


      Liebe Grüße,
      Areios
      "Wenn [...] mehrere abweichende Forschungsmeinungen angegeben werden, müssen Sie Stellung nehmen, warum Sie A und nicht B folgen („Reichlich spekulativ die Behauptung von Mumpitz, Dinosaurier im alten Rom, S. 11, dass der Brand Roms 64 n. Chr. durch den hyperventilierenden Hausdrachen des Kaisers ausgelöst worden sei. Dieser war – wie der Grabstein AE 2024,234 zeigt – schon im Jahr zuvor verschieden.“)."
      Andreas Hartmann, Tutorium Quercopolitanum, S. 163.
    • Für alle Petibon Fans oder Alle, die ihren Weg verfolgen: ich habe gestern einen Liederabend mit überwiegend frz. und spanischen Liedern mit ihr und ihrer Pianistin Susan Manoff gehört. Ein sehr buntes Programm mit einigen selten gehörten Stücken und anderen "Tubes":
      Francis Poulenc: Hotel, A sa guitare, Chanson d'Orkenise, quelle aventure
      Manuel Rosenthal: L'éléphant du jardin des plantes, Le Bengali
      Poulenc: Lune d'avril, Violon, Voyage à Paris, Les gars qui vont à la fête
      Maurice Ravel: Sheherazade
      Pause
      Henri Collet: En los jardines del amor
      Fernando Obrados: Con amores, la mi madre, El vito
      J.Turina: Cantares
      M. de Falla: Asturiana
      J. Gimenez y Bellido: Zapateado
      L. Bernstein: La bonne cuisine
      Harold Arlen: Somewhere over the rainbow
      Augustin Lara: Granada

      Nach welchen Kritierien dieses Programm entstanden ist, weiss ich nicht.
      Patricia Petibon, die ich lange nciht gehört habe und deren Weg ich vor Jahren regelmässiger verfolgt habe, hat einen weiten Weg gemacht. Vom Koloratursopran zu einer lyrischen Stimme mit allen Möglichkeiten, die der Liedgesang verlangt und offenhält. Vom Piano zum Fortissimo, tolle Bruststimme und weiterhin gute Höhe- jazzy Töne und Opernklang- das ist sehr beeindruckend. Ich habe sie leider nicht als Lulu gehört aber nach diesem Recital traue ich ihr die Rolle durchaus zu. Sie hat nicht die geringsten Berührungsängste und könnte genausogut in einer Music-Hall auftreten. Und dasselbe gilt für Susan Manoff, deren Temperament sich mit Petibons zwillingsschwesternhaft gleicht. Hansdampf (oder sagt man da besser Greteldampf?) in allen Gassen.
      Petibons Bühnenerscheinung steht dazu und auch zu dem Programm in seltsamem Gegensatz:, zerbrechlich , gekleidet wie eine Mondfee in Silber und mit Diadem auf den leuchtend roten Haaren, von weitem sieht sie wie maximal 20 aus, wie eine Erscheinung aus einer Märchenwelt. (Das gilt nicht für Manoff, die wirkt wesentlich irdischer und bodenständig)
      Und was überhaupt nciht zu alledem passt, ist vor allen Dingen Petibons Inszenierungswut, die alle Grenzen des guten Geschmacks(oder besser meines Geschmacks, der muss ja nciht gut sein....) übersteigt. Sie hantiert mit diversen Stofftieren, Elefantenrüsseln, Katzen- und Hundeohren, Kirmeströten, Ochsenschwänzen, Karotten, Kochlöffeln undsoweiter undsofort. Bei der "Bonne cuisine" von Britten mag das Alles angehen, das ist wirklich ein witziger Zyklus, in dem Rezepte in Musik gestzt werden, aber Petibon singt kaum ein Lied ohne irgendeine mutwillige Showeinlage. Mich persönlich hat das sehr gestört um nciht zu sagen, abgestossen, aber grosse teile des Publikums fanden es so gut, dass sie noch vier nette Zugaben geben konnte (ebenfalls mit Ohren und anderen Requisiten....) Die Pianistin entblödet sich ebenfalls nciht, Elefantenrüssel anzuziehen, Hasenohren plus Puschelschwänzchen, man glaubt sich im Zirkus. Gottseidank hat sie den Ravel in Ruhe gelassen und den de Falla auch- das waren dann endlich erhebende Momente, denn Petibon singt besser als je zuvor und hat ein solches Getue absolut nciht nötig. Aber vielleicht entspannt sie das oder sie will sich amûsieren- keine Ahnung. Oder vielleciht ist das gerade modern, ich habe in letzter Zeit öfter Recitals mit Inszenierung, mehr oder weniger geglückt, gesehen. Eine Bekannte hat gemeint, sie wolle vielleicht das Bild der Opernsängerin ad absurdum führen..... ;( .
      Wie auch immer: für mich war das ein Ärgernis und ich konnte dieses Konzert leider kaum geniessen. In Petibons Fall ist es trotz ihrer berührenden Schönheit aktuell wahrscheinlch besser, sie auf CD zu hören- es sei denn in einer Oper mit einer passenden Rolle. Ihr Schauspielerisches Talent, vo neinem Regisseur in Bahnen gelenkt, ist hinreissend. :fee:
      Jede Krankheit ist ein musikalisches Problem und die Heilung eine musikalische Auflösung (Novalis)
    • FairyQueen schrieb:

      Petibons Bühnenerscheinung steht dazu und auch zu dem Programm in seltsamem Gegensatz:, zerbrechlich , gekleidet wie eine Mondfee in Silber und mit Diadem auf den leuchtend roten Haaren, von weitem sieht sie wie maximal 20 aus, wie eine Erscheinung aus einer Märchenwelt. (Das gilt nicht für Manoff, die wirkt wesentlich irdischer und bodenständig)
      Und was überhaupt nciht zu alledem passt, ist vor allen Dingen Petibons Inszenierungswut, die alle Grenzen des guten Geschmacks(oder besser meines Geschmacks, der muss ja nciht gut sein....) übersteigt. Sie hantiert mit diversen Stofftieren, Elefantenrüsseln, Katzen- und Hundeohren, Kirmeströten, Ochsenschwänzen, Karotten, Kochlöffeln undsoweiter undsofort. Bei der "Bonne cuisine" von Britten mag das Alles angehen, das ist wirklich ein witziger Zyklus, in dem Rezepte in Musik gestzt werden, aber Petibon singt kaum ein Lied ohne irgendeine mutwillige Showeinlage. Mich persönlich hat das sehr gestört um nciht zu sagen, abgestossen, aber grosse teile des Publikums fanden es so gut, dass sie noch vier nette Zugaben geben konnte (ebenfalls mit Ohren und anderen Requisiten....) Die Pianistin entblödet sich ebenfalls nciht, Elefantenrüssel anzuziehen, Hasenohren plus Puschelschwänzchen, man glaubt sich im Zirkus. Gottseidank hat sie den Ravel in Ruhe gelassen und den de Falla auch- das waren dann endlich erhebende Momente, denn Petibon singt besser als je zuvor und hat ein solches Getue absolut nciht nötig.
      Erinnert mich an Le fabuleux destin d’Amélie Poulain. Ein Film den ich damals, als er neu war, hinreissend frisch und witzig fand. Heute kann ich ihn mir nicht mehr so gut anschauen.
    • Am Théâtre des Champs-Élysées gab es im Dezember eine Aufführungsserie von Poulencs "Dialogues des Carmélites" in absoluter Luxus-Besetzung, mit der Crème de la Crème der französischen Sängerinnen:

      Musikalische Leitung: Jeremy Rhorer
      Regie: Oliver Py

      Blanche de la Force (Soeur Blanche de la Agonie de Christ): Patricia Petibon
      Madame Lidoine (La Nouvelle Prieure): Véronique Gens
      Mère Marie de l'Incarnation: Sophie Koch
      Soeur Constance de St-Dénis: Sandrine Piau
      Madame De Croissy (La Prieure): Rosalind Plowright
      Le Chevalier de la Force: Topi Lehtipuu
      Le Marquis de la Force: Philippe Rouillon

      Auf Youtube habe ich jetzt einen Mitschnitt dieser absolut hörens- und sehenswerten Produktion gefunden: "http://www.youtube.com/watch?v=f5Kf_RolatU". Ich konnte bisher nur "quersehen", d.h. ich hab zwar den Ton laufen lassen, aber daneben am Laptop gearbeitet und nur bei Szenen, die mich besonders interessiert haben, aufs Video umgeschaltet. Deshalb will ich mich zur Regie nur nebenbei äußern und in erster Linie die Gesangsleistung besprechen.

      Patricia Petibon scheint ihre Darstellung der Blanche, die ich schon am Theater an der Wien bewundert habe, in der Zwischenzeit noch mehr vertieft haben, falls dies möglich ist. Ich könnte mir derzeit keine bessere Interpretin für die Rolle vorstellen, sie hat alles: eine zerbrechlich und fragil klingende Stimme (und ein ebensolches Aussehen), eine kräftige untere Mittellage für die zahlreichen Rezitativpassagen und eine kristallklare Höhe, eine beeindruckende Stimmbeherrschung, wo jede dynamische Veränderung ganz genau am Punkt ist und jedes Vibrato ganz bewusst eingesetzt, perfekte Stilsicherheit und viel Talent zum Bühnenspiel, mit dem sie die panische Angst und den gewaltigen psychischen Druck, der auf Blanche lastet, glaubhaft machen kann (vgl. z.B. Akt 3, Szene 2, Blanche und Mère Marie im Palais de la Force!). Eine ganz große Darstellung!

      Es gibt in dieser Oper definitiv dankbare und undankbare Rollen. Ich habe noch nie eine Madame De Croissy gehört, die mich nicht überzeugt hätte: bei der Sterbeszene kann man als Sängerin einfach nichts falsch machen, die ist immer berührend und da ist Rosalind Plowright keine Ausnahme. Das Zimmer der Priorin ist bei Oliver Py um 90 ° nach vorn gekippt, die Priorin liegt also vertikal in ihrem Bett, das Fenster ist am Bühnenboden und bestrahlt die Szene (Wenn Mère Marie dann das Fenster schließt, um die Schmerzensschreie der Priorin nicht nach draußen dringen zu lassen, wird es sehr dunkel im Zimmer!). Das ergibt ein ungewöhnliches und interessantes Bild: die Priorin hängt im Bett fast wie an einem Kreuz, die symbolischen Beziehungen zwischen dem Kreuzestod Jesu und dem Verrecken der Priorin werden auch visuell umgesetzt.

      Die zweite dankbare Rolle ist die Soeur Constance, die man auch kaum in den Sand setzen kann. Sandrine Piau ist ja keine Soubrette, sondern lyrische Sopranistin wie Petibon, und zeigt dementsprechend eine stimmlich und darstellerisch weniger quirlige und dafür ernsthaftere Constance als andere. Sie ist, um eine Analogie aus Shakespeares Dramen herzunehmen, mehr "Fool" als "Clown", also mehr weise wahrheitsredende Närrin als lustige Spaßmacherin, und das ist ja in der Oper auch durchaus so angelegt (z.B. "On ne meurt pas chacun pour soi, mais l'uns pour les autres, ou même les uns à la place des autres, qui sait ?") . Mich hat diese Darstellung sehr beeindruckt.

      Dafür gibt es auch die undankbaren Rollen, die nicht leicht zu singen und zu gestalten sind. Dazu gehört die Madame Lidoine, die erst spät, ungefähr bei der Hälfte der Oper, ihren ersten Auftritt hat - mit einer unbeholfenen Rede -, und dann wieder für lange Zeit weitgehend von der Bildfläche verschwindet. An ihren beiden langen Monologen ist selbst eine Régine Crespin gescheitert. Aber Véronique Gens beweist an der Madame Lidoine, was für eine wunderbare Sängerin und Schauspielerin sie ist. Nicht nur bei ihrem ersten Auftritt als neue Priorin, nein in jeder Szene porträtiert sie eine im Umgang mit anderen Menschen schüchterne und etwas unsichere, unscheinbare und persönlich zutiefst bescheidene Frau, die ihre neue Führungsrolle nicht gern, aber umso gewissenhafter ausübt, nicht die Herrin, sondern die Dienerin aller. Machtstreben liegt ihr völlig fern, und sie versucht stets, der so gegensätzliche Mère Marie de l'Incarnation, die wohl die Konkurrentin im Wahlgang war, Brücken zu bauen und sie zu beteiligen, zuletzt als Stellvertreterin zurückzulassen - mit den bekannten Ergebnissen. Auch Véronique Gens ist eine lyrische Sopranistin, und das tut der Rolle sehr gut, dazu kommt die perfekte Phrasierung in den Monologen, die das (sprach-)melodische Element stets berücksichtigt (und nicht zerhackt wie Crespin). Ich bewundere ja jede Sängerin, die die Kerkerszene der Madame Lidoine überhaupt singen kann. Ich bin, wenn ich mich wirklich darauf einlasse, spätestens bei "oui, j'en prends la charge et vous en laisse le mérite" emotional so bewegt, dass ich nicht mehr singen könnte - umso schwieriger muss es für sensible Muttersprachlerinnen sein. Tatsächlich meine ich in einer Nahaufnahme eine echte Träne im Antlitz dieser hageren, in der bürgerlichen Kluft noch viel zerbrechlicher wirkenden Madame Lidoine zu sehen, aber stimmlich bleibt sie natürlich souverän und professionell.

      Die noch viel schwierigere Partie und der komplexeste Charakter im Werk ist zweifellos die Mère Marie de l'Incarnation. Ich kannte Sophie Koch als fade Charlotte von der Bastille und habe mir nicht allzu viel versprochen. Doch sie schlägt sich im Großen und Ganzen wacker. Sie wirkt darstellerisch aber dennoch ein bisschen zu jung für die Mère Marie und ist stimmlich als eher lyrische Mezzosopranistin in der Tiefe nicht immer herrisch genug. Z.B. in der Sterbeszene der alten Priorin - "poussez tout à fait cette fenêtre" etc. sollte schon richtig einfahren. Für diese dominant-despotischen Passagen, in denen sich Mère Marie für einen Machtkampf mit einer Todkranken nicht zu schade ist, ist für mich Barbara Dever in der Produktion der Scala ("http://www.youtube.com/watch?v=_D-_k8oAXqU") das Nonplusultra. Die einfühlsamen Momente (oder sind es eher Anwandlungen?) der Mère Marie gelingen Sophie Koch hingegen gut, und ihre stille Opposition zu Madame Lidoine ist auch sehr überzeugend dargestellt, z.B. in der Szene, als Blanches Bruder ins Kloster kommt, oder auch schon bei der Wahl der neuen Priorin.

      Vielleicht kommt der Mitschnitt dieser Produktion ja auch auf DVD heraus. Es würde mich freuen!

      Liebe Grüße,
      Areios
      "Wenn [...] mehrere abweichende Forschungsmeinungen angegeben werden, müssen Sie Stellung nehmen, warum Sie A und nicht B folgen („Reichlich spekulativ die Behauptung von Mumpitz, Dinosaurier im alten Rom, S. 11, dass der Brand Roms 64 n. Chr. durch den hyperventilierenden Hausdrachen des Kaisers ausgelöst worden sei. Dieser war – wie der Grabstein AE 2024,234 zeigt – schon im Jahr zuvor verschieden.“)."
      Andreas Hartmann, Tutorium Quercopolitanum, S. 163.
    • Lieber Areios, das ist tatsächlich eine Traum-Besetzung für diese Oper. :juhu: :juhu: :juhu: Man kann daran auch sehr gut den grossartigen Weg verfolgen, den Patricia Petibons Stimme zurückgelegt hat. Die Rolle der Blanche wâre vor Jahren undenkbar für sie gewesen. Ich habe die Aufführung nicht gesehen, halte sie aber nach dem, was ich letzte Woche gehört habe, für die ideale Besetzung. Da sie in dieser Rolle keinerlei geschmacklose Mâtzchen mit Hasenohren und Puschelschwänzchen machen kann (es sei denn der Regisseur will es so) ist ein grosser vorteil. Einen Liederabend mit ihr werde ich mir so schnell nicht mehr antun, aber sie in einer Oper zu sehen, ist eine ganz andere Sache. :fee:
      Jede Krankheit ist ein musikalisches Problem und die Heilung eine musikalische Auflösung (Novalis)
    • Guten Tag.

      Areios schrieb:

      Am Théâtre des Champs-Élysées gab es im Dezember eine Aufführungsserie von Poulencs "Dialogues des Carmélites" in absoluter Luxus-Besetzung, mit der Crème de la Crème der französischen Sängerinnen


      Die komplette Aufführung am 21. Dezember 2013 kann man über Internet oder Arte-Concert (Mediathek über smart-TV) gucken. Hier die Internetseite:

      "http://concert.arte.tv/de/olivier-py-inszeniert-poulencs-oper-dialogues-des-carmelites"

      Oder über Fernseher in die Mediathek von Arte reinschalten (rote Taste auf Fernbedienung). Wenn eine leistungsfähige Internet-Verbindung zur Verfügung steht, auch in circa HD-Qualität (720p) anguckbar. Mir scheint jedoch das Bild etwas zu unscharf als HD. Ich werde irgendwann mal genau reinschauen.

      Schönen Tag.
      Penthesilea
      Auch Rom wurde nicht an einem Tag niedergebrannt - Douglas Adams
    • Areios schrieb:


      Vielleicht kommt der Mitschnitt dieser Produktion ja auch auf DVD heraus. Es würde mich freuen!


      Es freut mich!



      Liebe Grüße,
      Areios
      "Wenn [...] mehrere abweichende Forschungsmeinungen angegeben werden, müssen Sie Stellung nehmen, warum Sie A und nicht B folgen („Reichlich spekulativ die Behauptung von Mumpitz, Dinosaurier im alten Rom, S. 11, dass der Brand Roms 64 n. Chr. durch den hyperventilierenden Hausdrachen des Kaisers ausgelöst worden sei. Dieser war – wie der Grabstein AE 2024,234 zeigt – schon im Jahr zuvor verschieden.“)."
      Andreas Hartmann, Tutorium Quercopolitanum, S. 163.
    • Für alle Petibon-Fans gerade live auf Arte aus dem Theater des Champs Elysées (und ab morgen als streaming) singt sie die Aspasia in Mozarts Mitridate Re di Ponto. Die Besetzung ist auch sonst grossartig: die von mir sehr verehrte Sabine Devielhe singt z.B die Ismen und Emanuelle Haïm dirigiert das Concert d'Astrée. Ich schaue jetzt weiter..... :wink1:
      Jede Krankheit ist ein musikalisches Problem und die Heilung eine musikalische Auflösung (Novalis)
    • Rideamus schrieb:

      Das klingt eigentlich gut und konsequent. Was die Violetta betrifft, so hoffe ich jedoch, dass sie beobachtet, wie schwer sich Nathalie Dessay damit tut.

      Außerdem hoffe ich nach wie vor, dass sie die Olympia nicht abgibt, so dass sie zusammen mit Minkowskioder bel noch die maßstäbliche Realisierung con LES CONTES D'HOFFMANN in den drei Frauenrollen der Kaye.Keck - Fassung einspielen kann. Am besten natürlich auf einer DVD in einer Inszenierung Laurent Pellys, aber man soll ja nicht zu unbescheiden sein.

      :wink: Rideamus

      Na endlich! Leider zu spät für Rideamus, aber ab 10. Dezember 2019 singt Patricia Petibon im Théâtre La Monnaie / De Munt in Brüssel die Rolle der Stella/Olympia/Antonia/Giulietta. 8) ^^

      Liebe Grüße,
      Areios
      "Wenn [...] mehrere abweichende Forschungsmeinungen angegeben werden, müssen Sie Stellung nehmen, warum Sie A und nicht B folgen („Reichlich spekulativ die Behauptung von Mumpitz, Dinosaurier im alten Rom, S. 11, dass der Brand Roms 64 n. Chr. durch den hyperventilierenden Hausdrachen des Kaisers ausgelöst worden sei. Dieser war – wie der Grabstein AE 2024,234 zeigt – schon im Jahr zuvor verschieden.“)."
      Andreas Hartmann, Tutorium Quercopolitanum, S. 163.
    • Mea culpa...mea culpa...mea culpa...

      Bislang ging Patricia Petibon völlig an mir vorbei. Ich kannte ihren Namen, mehr aber auch nicht, hatte nie die Gelegenheit sie zu hören, suchte aber auch nicht danach. Deshalb.....s.o. ^^

      Nachdem dieser Thread hier wieder aufgetaucht ist, dachte ich mir, nun wäre doch mal der Moment. ^^

      Zunächst war es die 'Königin der Nacht' und war sofort von ihrer sehr dramatischen Mittellage fasziniert. Genauso, dachte ich, dass die Arie gesungen werden muss. Als es aber in die (extreme) Höhe ging, war ich doch ein wenig enttäuscht, weil sie diese dramatische und expressive Wucht nicht beibehalten konnte. Die Verzierungen klangen doch ein wenig dünn im Vergleich. Aber bei wem nicht? :D Insgesamt hielt die Faszination aber an, denn mir war klar, dass ich wohl zu viel Unmögliches erwartet hatte.

      Danach gab es eine Arie aus 'Alcina' (alles auf YouTube), die mich extrem fesselte ob der emotionalen Intensität.

      Und dann natürlich die 'Olympia' wegen des vorhergehenden Posts. Einmal in der Studio-Version und einmal live aus dem Jahr 1997. Und das hat mich dann endgültig umgehauen. Offensichtlich ist gerade die Studio-Version wohl weit vom Offenbachschen Notentext entfernt. Aber wen interessiert's? Mich jedenfalls nicht. Mit jedem Ton, wie schräg er auch immer ist, trifft sie die Person, charakterisiert sie sie genauestens. Und sie geht nicht darüber hinaus, macht daraus keine reine Virtuosennummer, was ja so unendlich einfach wäre. Sondern sie interpretiert, fügt hinzu, wagt etwas, geht darüber hinaus, ist besonders, ist eigen und ist immer 'Olympia'. Das ist groß, weil es einerseits frei ist und andererseits sich einbindet und verpflichtet fühlt einem Werk gegenüber.

      Dann die 'Gilda'. Das ist für keine italienische Gesangtradition, sondern eher in der Tonbildung eine französische. Aber auch hier, plötzlich interessiert es mich nicht mehr. (Eher die wahrlich nicht schöne Trillerkette am Ende! :D ) Denn trotz allem war ich hingerissen und ich musste an Gwyneth Jones (so ganz anders geartet) denken, die uns wahrlich nicht mit gesangstechnischen Fragen belastet :D , sondern immer hingerissen hat, weil da plötzlich ein Mensch mit allen seinen Eigenarten und Besonderheiten und Einzigartigkeiten auf der Bühne stand. Dafür braucht es Persönlichkeit, um technische Fragen in den Hintergrund oder ins Vergessen geraten zu lassen. Die Jones hatte das und die Petibon hat es mit Sicherheit auch.

      Was ich bislang durch Schnippsel von ihr mitbekommen habe, ist, dass da jemand ist, der BESONDERS ist, ohne eine Masche daraus zu machen. Eigentlich genau jemand, wie ich ihn suche. ^^

      :wink: Wolfram
    • Wolfram schrieb:

      Danach gab es eine Arie aus 'Alcina' (alles auf YouTube), die mich extrem fesselte ob der emotionalen Intensität.
      Ihre Interpretation von "Ah! mio cor, schernito sei!" ist wirklich großartig und hochemotional, ich führe sie auch immer wieder gerne zu Gemüte. Sie hat die Arie schon auf ihrem Barock-Album "Rosso" eingesungen, aber live aus Aix-en-Provence (und ein paar Jahre reifer) ist sie noch besser. Die Aufführung gibt es auch auf DVD:



      Liebe Grüße,
      Areios
      "Wenn [...] mehrere abweichende Forschungsmeinungen angegeben werden, müssen Sie Stellung nehmen, warum Sie A und nicht B folgen („Reichlich spekulativ die Behauptung von Mumpitz, Dinosaurier im alten Rom, S. 11, dass der Brand Roms 64 n. Chr. durch den hyperventilierenden Hausdrachen des Kaisers ausgelöst worden sei. Dieser war – wie der Grabstein AE 2024,234 zeigt – schon im Jahr zuvor verschieden.“)."
      Andreas Hartmann, Tutorium Quercopolitanum, S. 163.