Tschaikowski: "Pique Dame" - Opernhaus Graz, 06.11.11

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    • Tschaikowski: "Pique Dame" - Opernhaus Graz, 06.11.11

      Der Tod ist in Tchaikovskis Oper „Pique Dame“ allgegenwärtig. In der Inszenierung von Peter Konwitschny, die jetzt am Opernhaus Graz in Kooperation mit der Oper Leipzig Premiere hatte, gilt das nicht nur metaphorisch, der Tod tritt in Gestalt einer attraktiven Frau mit feuerroter Pagenfrisur personifiziert und spielführend selbst in Erscheinung.

      Dabei strahlt dieser weibliche Tod zwar immer Überlegenheit aus, aber oft kommt er nicht strafend, sondern tröstend daher – melancholisch, zärtlich, mit Sympathie für die Verlierer dieses Spiels um Leben und Tod. Der Sopranistin Nazanin Ezazi, die auch die wenigen Takte des Dienstmädchens Mascha singt, gelingt hier eine darstellerisch starke Figur, die manchmal nur durch einen Blick oder eine Kopfhaltung eine ganze Geschichte erzählen kann.

      Los geht diese „Pique Dame“, die behutsam näher an unsere Gegenwart heran gerückt wurde, ohne Musik. Der sturzbetrunkene Soldat Hermann schleppt sich zu einer vor dem Vorhang stehenden Parkbank nebst Papierkorb, um in einen alkoholumnebelten Traum zu fallen. So werden die einleitenden Takte der Ouvertüre zur Begleitung der schweren Träume, die Herrmann quälen.

      Der Tod mit einem Knochenarm zieht dann den Vorhang auf: man sieht eine von Planen begrenzte Spielfläche, ein grünes Bodentuch erinnert an einen Rasen, in der Mitte steht eine Fahnenstange. Das Proszenium wird von edel poliertem Stein eingefasst. Hinter Hermanns Bank fragt ein Graffiti: „Gibt es ein Leben nach dem Tod?“ Hermann wird die Frage später durch den Austausch der Wörter „nach“ und „vor“ verändern. Dieser Grundaufbau (Bühne und Kostüme: Alexander J. Mudlagk) wird den Abend über beibehalten, nur die Versatzstücke wechseln.

      Hermanns Freunde kommen herein, auch alles andere als nüchtern, in strenger Choreografie und uniform gekleidet bevölkert sich die Szene mit Spaziergängern, Ammen und Kindersoldaten. Diese hissen einen riesigen Rubelschein am Fahnenmast: es ist das Geld, dass die Welt regiert und vor dem sich alle viel zu ehrfurchtsvoll beugen.

      Klamotten runter: Zeit für Frühsport – kollektiv wird Körperertüchtigung gepflegt. Fast fremd wirkt in dieser Umgebung der mondän gekleidete Fürst Jeletzki, ähnlich, wie wenig später die Gräfin und Liza. Der Tod serviert Champagner und die Szene erstarrt: Jeletzki und Hermann umschleichen sich, perfekt auf die Musik abgestimmt, nähern sich an, berühren sich kurz und entfernen sich wieder von einander.

      Dass Herrmann der Gräfin eine Rose überreicht, wie sie die Pik Dame des Kartenspiels in der Hand hält, während er zwischen Liza und der Gräfin sitzt, beschreibt sein Dilemma: ein Mann zwischen zwei Frauen, die er beide aus unterschiedlicher Motivlage heraus erobern will.

      Zu einer Konwitschny-Inszenierung gehören Brechungen. Die erste findet am Ende des ersten Bildes statt. Während die Bühne für das Publikum sichtbar umgebaut wird, fällt Herrmann aus seiner Rolle. Der Inspizient tritt auf, verweist auf den Ablaufplan im Klavierauszug, Bühnenarbeiter räumen den renitenten Sänger aus dem Weg.

      Strenges schwarz wie in einem Internat bestimmt die Kleidung von Liza und ihren Freundinnen im zweiten Bild. Im Kontrast dazu steht ein blendend weisser Flügel, vor dem Liza und Polina stehend Lieder vortragen. Die bald angeschlagenen heiteren Töne rufen die Gouvernante auf den Plan, eine Frau mit der Ausstrahlung einer stalinistischen Parteisekretärin, die mit der Reitgerte die Mädchen züchtigt.

      Aus dem Abgrund des Orchestergrabens wird Herrmann heraufsteigen, in diesen Abgrund wird er mit Liza auch wieder hinuntersteigen, als klar ist, dass beide sich lieben.

      Der Maskenball des nächsten Bildes ist eine Häschen-Party. Alle haben sie plüschige Hasenohren auf und alle haben einen Puschel am Kostüm. Manche halten Karotten in den Händen (eine grosse, leuchtende Karotte schwebt auch über der Szene) und es wird gehoppelt, dass es eine Freude ist.

      Die grosse Arie des Jeletzki, die eigentlich an Liza gerichtet ist, gerät zur eitlen Selbstbespiegelung (übrigens: die türkisfarbenen Plüschohren passen vorzüglich zum schwarzen Frack) bei gänzlicher Abwesenheit der Angesungenen, aber Hermann, der ist dabei und macht sich über den Fürsten lustig.

      Das eingefügte Schäferspiel ist in Graz gestrichen: mit groben Worten lässt Konwitschny seinen Hermanndarsteller die Uraufführungssituation beschreiben: dass die Geldgeber der Erstproduktion gerne eine nette, musikalische Einlage haben wollten, die Tchaikovski dann auch geliefert hat. Einmal mehr ein Verweis auf das Geld, um dass sich alles dreht.

      Für jede Darstellerin der Gräfin ist die nun folgende Szene im Schlafgemach der Höhepunkt der Aufführung. Zu Beginn des Bildes sieht man den Tod auf dem Bett rauchend auf Hermann warten. Als dieser kommt, wird er unter dem Bett versteckt. Die Dienstmädchen zerren ihrer Herrin die Kleidung vom Leib, sie machen sich über die Frau, die über nicht annähernd soviel Autorität verfügt, wie sie gerne glauben machen will, lustig.

      Diese holt, allein gelassen, aus einer Schublade Fotos ihrer verflossenen Liebhaber hervor und zieht sich ein aufreizendes Kleidungsstück über. Mit grosser Ruhe, melancholisch-weltabgewandt, erklingt die berühmte Passage aus dem „Richard, coeur de lion“ von André Grétry, die Tchaikovski an dieser Stelle zitiert. Ein dichter und stiller Moment, von denen es in dieser Inszenierung einige gibt.

      Es ist weniger ein Erschrecken, als eine Überraschung, dass Hermann plötzlich auftaucht, die Gräfin hat ihn wohl fast erwartet. Mit Leidenschaft wirft sich die Gräfin Hermann an die Brust, reisst ihm die Kleider vom Leib, spreizt die Beine weit über dessen mächtigem Oberkörper. Der folgende Geschlechtsverkehr endet für die alte Frau tödlich.

      Die dazukommende Liza hat kaum Gelegenheit, die Situation zu erfassen. In brutaler Verzweiflung vereinigen sich Herrmann und Liza körperlich. Sie tun dies so heftig, dass der Leichnam der Gräfin vom Bett stürzt.

      Es folgt ein starkes Bild, wenn Hermann auf dunkler Bühne unter weiss verhüllten Leichen, vor denen Grablichter flackern, die tote Gräfin sucht. Die Toten erwachen zu einem geisterhaften Leben. Hermann erfährt von der Gräfin ihr Geheimnis.

      An der Newa versucht sich Liza von der Kaimauer zu stürzen, Hermann hält sie im letzten Moment zurück. Als Liza aber erkennt, dass Hermann nur noch vom Gedanken an Geldgewinne im Spiel besessen ist, lässt sie diesen gehen. Ein riesiges, weisses Schiff schiebt sich von hinten herein. An Deck steht, ganz in weiss als Kapitän gekleidet, der weibliche Tod. Zärtlich hält der Tod Liza die Hand entgegen. Liza betritt das Totenschiff und fährt mit diesem davon.

      Drastisch geht es zu im letzten Bild der Oper. Die Männer geben sich durch den Alkohol enthemmt, mit Geld wird nur so um sich geschmissen. Der Tod zeigt sich hier am Spieltisch als der Spielemacher. Als Hermann erkennt, dass sein Spiel verloren ist, erschiesst er sich. Nur der Tod bleibt bei ihm zurück.

      Peter Konwitschny gelingt eine in jedem Detail überzeugende Umsetzung der Vorlage. Immer inszeniert Konwitschny (unterstützt von Co-Regisseur Wolfgang Türks und dem Choreographen Enno Markwarth) dicht an der Musik und neben bewegten Bildern lässt Konwitschny immer wieder auch Freiräume für ruhige und stille Momente. Die Personenführung ist vorbildlich, auch bei der Behandlung der Kollektive. Gut arbeitet Konwitschny die Beziehungen der Personen untereinander heraus, besonders Hermann und die Gräfin, als auch Hermann und Jeletzki erfahren hier besondere Aufmerksamkeit.

      Einen guten Tag hatte sowohl Chor der Grazer Oper (Einstudierung: Bernhard Schneider), als auch das Orchester des Hauses. Dirigent Tecwyn Evans neigt zwar etwas zu massiv-pauschalen Tutti-Entladungen, aber die Holzbläser und Streicherstellen, besonders auch die Soli, überzeugten mit ihrer starken, farbreichen Präsenz. Auch die ausgewogene Tempowahl, die Raum lässt, dass sich die Musik entfalten kann, ohne dass diese zerdehnt würde, gehört zu den positiven Eindrücken dieser Premiere.

      Gesungen wurde insgesamt ordentlich. Beim Tenor Avgust Amonov (Hermann) musste ein etwas rüder Freistil vor allem im ersten Teil hingenommen werden, der den Sänger auch an die Grenzen seiner Stimme führte, aber im zweiten Teil gelangen Amonov dann doch vielleicht nicht immer schöne, aber gut gestaltete Passagen und kräftig ausgestellte Spitzentöne.

      Die Sopranistin Asmik Grigorian überzeugte vor allem im ersten Teil mit ihrer eher jugendlichen Stimme, für die Newa-Szene fehlen Grigorian dann (noch) die Reserven und die zuverlässige Höhe.

      Elegant die hörenswerte Leistung des Baritons Andrè Schuen als Jeletzki, der unangestrengt und klangschön seine Aufgabe bewältigte. Gute Präsenz zeigte auch Fachkollegen David McShane als Tomski, der nur am Ende seiner Ballade im ersten Akt leicht in Bedrängung geriet.

      Fran Lubahn, die Gräfin, ist keine in die Jahre gekommene Mezzosopranistin, sie war viele Jahre in eher lyrischen Sopranpartien in Graz zu erleben, die tieferen Lagen machen ihr also erwartungsgemäss etwas Probleme. Trotzdem ist Fran Lubahn, vor allem wegen ihrer darstellerischen Leistung, eine sehenswerte Besetzung dieser Interessanten Rolle.

      Stark ist die Mezzosopranistin Dshamilja Kaiser als Polina. Die Sängerin verfügt über eine runde, warm und dunkel getönte Stimme, die ohne Probleme auch in der Höhe überzeugt.

      Gute Besetzungen auch bei den kleineren Partien.

      Grosser Beifall im Opernhaus Graz für diese Premiere, in die auch Peter Konwitschny und sein Team mit einbezogen wurden, einige Buhrufe für die Regie fallen nicht ins Gewicht.
      Der Kunst ihre Freiheit
    • Liebe Capricciosi!

      Ich habe die Generalprobe am Donnerstag besucht und möchte zu Alvianos schöner Rezension gerne noch ein paar Anmerkungen mit meinen Eindrücken geben:

      Die Inszenierung bietet viele exzellent umgesetzte Szenen und eindrucksvolle Bilder. Konwitschny zeigt, dass er sein Handwerk versteht (insbesondere die Chorauftritte, gerade in der ersten Szene, sind wieder einmal glänzend choreographiert!), ein grober Schnitzer unterläuft ihm aber: Ich spreche von der Publikumsbeschimpfung im zweiten Akt, die das bukolische Intermezzo ersetzt (siehe Alvianos Beitrag). Die Intention Konwitschnys ließ sich ja mit einigem Wohlwollen herauslesen, aber die Umsetzung ist ganz und gar kläglich und sorgte beim wohlinformierten Generalprobenpublikum auch lediglich für wohliges Amusement. Eine Publikumsbeschimpfung ist halt heutzutage eine altbackene und traditionelle Regietheaterkonvention und hat sich als Klischee verselbstständigt. Man erreicht damit heute nicht mehr die selben Reaktionen wie früher. Da ich aber aus dem ganzen gesellschaftskritischen Umfeld der Inszenierung lese, dass Konwitschny hier nicht etwa eine ironische Anspielung auf Regiemoden geben wollte, hätte er sein Anliegen anders transportieren müssen.

      Nach der Kritik das Lob, das definitiv überwiegt: Alle anderen Szenen sind sehr durchdacht gestaltet und gehen auch von ihrer Wirkung her auf. Besondere Erwähnung verdienen allerdings die Szenen nach der Pause: Zunächst der Dienstmädchen-Tod am Bett der Gräfin mit der Zigarette, Hermann liebkosend und versteckend; dann Auftritt der Gräfin mit den lästigen Zofen, in deren wenig eleganten Verhalten Konwitschny wohl einen der Gründe für das Loblied der Gräfin auf die guten alten Zeiten inszeniert hat. Und dann die Szene der Gräfin, für mich der musikalische Höhepunkt der Oper (auch wenn die Arie dann von Grétry ist, aber es ist von Tschaikowski mit unglaublichem Raffinement eingepasst und instrumentiert): tatsächlich auch in Graz einer der musikalischen Höhepunkte der Aufführung, mit einem sensiblen und farbigen Orchester (tolle Holzbläsersoli, die auch die Konkurrenz mit Aufnahmen nicht scheuen brauchen!) und dem reifen Sopran von Fran Lubahn (ich glaube, die längstdienende Solistin am Grazer Opernhaus), der mir im Russischen stilistisch nicht recht zu passen schien, aber hier den Geist des französischen Rokoko mit sublimer Eleganz verkörperte. Die "Venus aus Moskau" legte alsdenn die Reizwäsche längst vergangener Zeiten an, ein glaubwürdiges Bild für ihr Leben im Vergangenen, und träumt sich immer weiter in der Zeit zurück, bis sie in Hermann, der neben ihrem Bett auftaucht, halb schlaftrunken wohl einen Verehrer früherer Tage zu erkennen glaubt, ihn liebkost und kuschelt. Sie scheint bis zuletzt die Realität nicht ganz wahrzunehmen. Stringent ist dann die phallische Umdeutung von Hermanns Pistole. Dass die Gräfin in Wirklichkeit nicht an Angst stirbt, sondern angesichts des jugendlichen Kraftbolzens in ihrem Schlafzimmer Herzrasen bekommt, hatte ich angesichts ihrer Biographie eh schon immer vermutet. Lisa kommt hinzu und findet Hermann in der ganzen Verfänglichkeit der Situation; sie hat nun tatsächlich schwerwiegende Gründe, an Hermanns Liebe zu ihr zu zweifeln. Aber nichtsdestrotrotz treiben sie es gleich so wild am Bett der Gräfin, dass die tote Gräfin vom Bett fällt, während alle in der Versenkung verschwinden. Dieses grandiose Schlussbild entschädigt mehr als genug für die leichte Inkonzinnität, dass Lisa sich auch jetzt noch - und nach dem, was sie Hermann vorhin an den Kopf geworfen hatte - so bereitwillig hingibt.

      Der Höhepunkt der Inszenierung ist aber zweifelsohne das albtraumhafte erste Bild des dritten Aktes: Hermann sucht in der Leichenhalle (?) unter vielen weiß verhüllten Leichen (Chor) die tote Gräfin, teils unterstützt vom Mascha-Tod. Plötzlich erheben sich die Leichen, kreisen Hermann ein, dessen Panikattacken hier sehr überwältigend visuell umgesetzt werden, und geben schließlich wieder den Blick auf die Erscheinung der Gräfin frei, die Hermann die drei Karten nennt.
      Ähnlich stimmungsvoll ist das Bild an der Newa, wo der Mittelteil der Bühne als Kai hochgefahren wird. Wie die Totenbarke mit dem Mascha-Tod an Bord geräuschlos von hinten erscheint, das hat ja schon Alviano begeistert beschrieben, ich teile die Begeisterung. Das kurze Schlussbild ist dann wieder ein Triumph der Personenführung und der Spannungserzeugung durch Gesten und Positionen.

      Von der musikalischen Seite her habe ich das Orchester bereits gelobt, auch dem Lob für den Chor kann ich mich rückhaltlos anschließen. Die beiden Hauptdarsteller, Avgust Amonov und Asmik Gregorian, waren gut mit ein paar Abstrichen und boten idiomatisches Russisch mit hörbar russischem Gesangsstil. Bei den Hauskräften Fran Lubahn (Gräfin) und Dshamilja Kaiser (Polina) fehlte das russische Kolorit großteils, wenngleich beide an sich sehr gut und tadellos sangen und wie üblich wohltimbrierte Stimmen hören ließen. Ich bin ein großer Fan von Dshamilja Kaiser, die einen wunderbaren lyrischen Mezzosopran hat, doch scheint mit die Polina für sie (noch?) nicht optimal geeignet zu sein. Dass aber sogar die - auf hohem Niveau - schwächste Leistung, die ich von ihr bisher gehört habe, Alviano begeistert, zeigt, wie gut sie wirklich ist! Die gesangliche Krone des Abends gebührt aber zweifellos dem Ensemblemitglied André Schuen für einen der allerbesten Jeletzkis, die ich bisher gehört habe. Der junge Südtiroler hat einen klangschönen und geschmeidigen vollen Bassbariton, dem die Höhen mühelos zur Verfügung stehen. Bei diesem Talent fürchte ich, dass er uns in Graz nicht lange erhalten bleiben wird, hoffe aber für ihn auf eine weiterführende Karriere, die er sich sicher verdient hat.

      Liebe Grüße,
      Areios
      "Wenn [...] mehrere abweichende Forschungsmeinungen angegeben werden, müssen Sie Stellung nehmen, warum Sie A und nicht B folgen („Reichlich spekulativ die Behauptung von Mumpitz, Dinosaurier im alten Rom, S. 11, dass der Brand Roms 64 n. Chr. durch den hyperventilierenden Hausdrachen des Kaisers ausgelöst worden sei. Dieser war – wie der Grabstein AE 2024,234 zeigt – schon im Jahr zuvor verschieden.“)."
      Andreas Hartmann, Tutorium Quercopolitanum, S. 163.
    • "Wenn [...] mehrere abweichende Forschungsmeinungen angegeben werden, müssen Sie Stellung nehmen, warum Sie A und nicht B folgen („Reichlich spekulativ die Behauptung von Mumpitz, Dinosaurier im alten Rom, S. 11, dass der Brand Roms 64 n. Chr. durch den hyperventilierenden Hausdrachen des Kaisers ausgelöst worden sei. Dieser war – wie der Grabstein AE 2024,234 zeigt – schon im Jahr zuvor verschieden.“)."
      Andreas Hartmann, Tutorium Quercopolitanum, S. 163.
    • Zitat Areios:
      Die Intention Konwitschnys ließ sich ja mit einigem Wohlwollen herauslesen, aber die Umsetzung ist ganz und gar kläglich und sorgte beim wohlinformierten Generalprobenpublikum auch lediglich für wohliges Amusement.


      Ich sehe diesen Einschub etwas gelassener: Konwitschny erklärt hier in seiner Inszenierung, warum er das Zwischenspiel streicht, das Premierenpublikum blieb an dieser Stelle ruhig (die fanden die Häschen lustiger). Dass die Szene trotzdem nicht so richtig zündete, lag vielleicht nicht so sehr an der drastischen Wortwahl, sondern daran, dass hier ein versierter Sprecher und Darsteller gefordert gewesen wäre, der so eine Passage glaubwürdig über die Rampe bringen kann. Tenor Avgust Amonov dürfte des Deutschen überhaupt nicht mächtig sein und hat die Stelle möglicherweise rein phonetisch gelernt - so so ist sie denn auch: fast gänzlich wortunverständlich.

      (...)auch wenn die Arie dann von Grétry ist, aber es ist von Tschaikowski mit unglaublichem Raffinement eingepasst und instrumentiert


      Dirigent Evans nimmt diese Passage auffallend langsam, aber aufgrund der völligen Ruhe im Zuschauerraum und der abgedunkelten Bühne entsteht hier ein wirklich fasznierender Ruhepunkt in dieser Inszenierung. Die zierliche Sopranistin Fran Lubahn versöhnt hier sängerisch und darstellerisch mit den Schwächen, die man bei ihr sängerisch auch hat hören können.

      Der junge Südtiroler (Andrè Schuen) hat einen klangschönen und geschmeidigen vollen Bassbariton, dem die Höhen mühelos zur Verfügung stehen.

      Ein Sänger, von dem man vielleicht noch öfter hören wird. Wäre schön, wenn er sich die Zeit für eine Weiterentwicklung lassen würde, z. B. an einem Haus wie Graz, bevor die grösseren Städtenamen locken.

      Dshamilja Kaiser, die einen wunderbaren lyrischen Mezzosopran hat

      Dieser Sängerin würde ich auch gerne wieder begegnen, allein dieser dunkel getönte Stimmklang, ohne dass man in der Höhe mit Abstrichen rechnen muss, macht das Zuhören zu einem freudvollen Ereignis.

      Morgen, also am 13.11.2011 sendet "Radio Steiermark" ab 20.04 Uhr Ausschnitte der Premiere vom 06.11.2011.
      Der Kunst ihre Freiheit
    • Alviano schrieb:


      Dshamilja Kaiser, die einen wunderbaren lyrischen Mezzosopran hat

      Dieser Sängerin würde ich auch gerne wieder begegnen, allein dieser dunkel getönte Stimmklang, ohne dass man in der Höhe mit Abstrichen rechnen muss, macht das Zuhören zu einem freudvollen Ereignis.


      Ich freue mich schon sehr auf "Maria Stuarda" im Frühjahr, wo Dshamilja Kaiser die Hauptrolle der Elisabetta singen wird. Auch die Kontrahentin Maria wird von einer ausgezeichneten Sängerin, Margareta Klobučar, verkörpert. Nach Menschenermessen muss das eine musikalisch sehr beglückende Aufführungsserie werden.

      Liebe Grüße,
      Areios
      "Wenn [...] mehrere abweichende Forschungsmeinungen angegeben werden, müssen Sie Stellung nehmen, warum Sie A und nicht B folgen („Reichlich spekulativ die Behauptung von Mumpitz, Dinosaurier im alten Rom, S. 11, dass der Brand Roms 64 n. Chr. durch den hyperventilierenden Hausdrachen des Kaisers ausgelöst worden sei. Dieser war – wie der Grabstein AE 2024,234 zeigt – schon im Jahr zuvor verschieden.“)."
      Andreas Hartmann, Tutorium Quercopolitanum, S. 163.
    • Alviano schrieb:

      Tenor Avgust Amonov dürfte des Deutschen überhaupt nicht mächtig sein und hat die Stelle möglicherweise rein phonetisch gelernt - so so ist sie denn auch: fast gänzlich wortunverständlich.

      :mlol: Wahrscheinlich hat ihm nicht einmal einer erklärt, was er da von sich gibt. Und die "Opernärsche" (Zitat Kleine Zeitung) kann man auch mit russischem Akzent ganz vorzuglich artikulieren.....


      Alviano schrieb:

      Dirigent Evans nimmt diese Passage auffallend langsam, aber aufgrund der völligen Ruhe im Zuschauerraum und der abgedunkelten Bühne entsteht hier ein wirklich fasznierender Ruhepunkt in dieser Inszenierung. Die zierliche Sopranistin Fran Lubahn versöhnt hier sängerisch und darstellerisch mit den Schwächen, die man bei ihr sängerisch auch hat hören können.


      Welch verwunderliche Besetzung. Gibt es denn auf der ganzen Welt keinen zweiten Mezzo? :shake:

      :wink: :wink:
      Wer kämpft, kann verlieren, wer nicht kämpft, hat schon verloren (Bert Brecht)
    • Ulrica schrieb:


      Alviano schrieb:

      Dirigent Evans nimmt diese Passage auffallend langsam, aber aufgrund der völligen Ruhe im Zuschauerraum und der abgedunkelten Bühne entsteht hier ein wirklich fasznierender Ruhepunkt in dieser Inszenierung. Die zierliche Sopranistin Fran Lubahn versöhnt hier sängerisch und darstellerisch mit den Schwächen, die man bei ihr sängerisch auch hat hören können.


      Welch verwunderliche Besetzung. Gibt es denn auf der ganzen Welt keinen zweiten Mezzo? :shake:


      Der Vollständigkeit halber muss man vielleicht erwähnen, dass Fran Lubahn zwar als als lyrischer Sopran begonnen hat, aber bereits seit einigen Jahren regelmäßig Mezzo-Repertoire singt. Ich habe sie schon als Frugola (Il tabarro), La Ciesca (Gianni Schicchi), Mother Goose (The Rake's Progress), Auntie (Peter Grimes), Mrs. Grose (The Turn of the Screw) und Annina (Rosenkavalier) erlebt. Außerdem sang sie hier in den letzten Jahren Manja (Gräfin Mariza), Kate Pinkerton (Madama Butterfly), Alisa (Lucia di Lammermoor), Zweite Dame (Zauberflöte) und Annina (Traviata).

      Liebe Grüße,
      Areios
      "Wenn [...] mehrere abweichende Forschungsmeinungen angegeben werden, müssen Sie Stellung nehmen, warum Sie A und nicht B folgen („Reichlich spekulativ die Behauptung von Mumpitz, Dinosaurier im alten Rom, S. 11, dass der Brand Roms 64 n. Chr. durch den hyperventilierenden Hausdrachen des Kaisers ausgelöst worden sei. Dieser war – wie der Grabstein AE 2024,234 zeigt – schon im Jahr zuvor verschieden.“)."
      Andreas Hartmann, Tutorium Quercopolitanum, S. 163.
    • ... ist in Graz eine Institution und wird vom Publikum geliebt. Das war selbst beim Schlussapplaus nach der "Traviata"-Premiere zu spüren. Während aber eine älter gewordene Mezzosopranistin oftmals noch mit einer kräftigen Tiefe beeindrucken kann, wird es da für eine echte Sopranistin schwer. Da haben eher noch die dunkel timbrierten Wagner-Sängerinnen (z. B. Astrid Varnay) bessere Karten, als eine lyrische Sopranistin. Trotzdem: Gerade in dieser Inszenierung ist Fran Lubahn eine klasse Besetzung - als z. B. Herodias oder Klytämnestra könnte ich sie mir nicht vorstellen.
      Der Kunst ihre Freiheit
    • Alviano schrieb:

      Trotzdem: Gerade in dieser Inszenierung ist Fran Lubahn eine klasse Besetzung - als z. B. Herodias oder Klytämnestra könnte ich sie mir nicht vorstellen.


      Ich bezweifle auch ein bisschen, dass sie diese Rollen übernehmen würde. Sie ist zu allem anderen auch eine intelligente Sängerin (mit Weill-Chansons und -Songs hat man sie im übrigen auch schon sehr exqusit hören können). Der Grund, warum sie als Gräfin für mich, auch wenn die Rolle für sie etwas tief liegt, eine gelungene Besetzung ist, ist der, dass sie mit ihrer relativ leichten Stimme und eleganten Interpretation, die zum Gesang der Hauptfiguren stilistisch ziemlich querstanden, tatsächlich auch im Gesang die alte Zeit, den französischen Hof, die "rechte Art zu singen", Manieren und Benehmen, Puder und Parfum perfekt ausgedrückt hat und die große Szene der Gräfin einmalig berührend gestaltet hat. Die Grétry-Arie hat wirklich in jedem Takt das gute alte Frankreich und verklärte Nostalgie geatmet, und neben Orchester und Interpretation hat zu dieser überwältigenden Wirkung auch der Stimmtyp beigetragen.

      Als Mother Goose war sie übrigens auch sehr beeindruckend, die lag ihr auch sehr gut in der Stimme, und ihre Britten-Rollen waren ebenfalls eine Offenbarung!

      Als Pressestimme reiche ich hier noch Die Presse nach, die Regie und Orchester sehr kritisch beurteilt, die Sängerinnen und Sänger hingegen sehr lobt.

      Liebe Grüße,
      Areios
      "Wenn [...] mehrere abweichende Forschungsmeinungen angegeben werden, müssen Sie Stellung nehmen, warum Sie A und nicht B folgen („Reichlich spekulativ die Behauptung von Mumpitz, Dinosaurier im alten Rom, S. 11, dass der Brand Roms 64 n. Chr. durch den hyperventilierenden Hausdrachen des Kaisers ausgelöst worden sei. Dieser war – wie der Grabstein AE 2024,234 zeigt – schon im Jahr zuvor verschieden.“)."
      Andreas Hartmann, Tutorium Quercopolitanum, S. 163.