Brahms, Johannes: Klavierkonzerte Nr.1 und 2

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    • Brahms, Johannes: Klavierkonzerte Nr.1 und 2

      Etwa 10Minuten habe ich nach einem Thread "Brahms - Klavierkonzerte" gesucht !?!

      :D Hier bei Capriccio muss man alles selber machen ! :D

      Spass beiseite !

      Ich habe meine Favoriten für die Brahms Klavierkonzerte Nr. 1 und 2 schon lange - und auch bei vielen Versuchen, auch mit Neuaufnahmen, nie was besseres gehört als die Szell-Aufnahmen mit Serkin und Fleisher am Klavier (beides SONY) !



      Liebe Brahms-Freunde,

      wo derzeit aktuell wieder mehrere Beethoven-Zyklen an der Tagesordnung sind, bin ich im Moment auf dem Brahms-Tripp mit mehereren Neuanschaffungen (Sinfonien mit Dorati, Karajan´s letzter DDD-Zyklus und der geniale Swetlanow, Klavierkonzert Nr.2 mit Richter/Leinsdorf).

      *** Seit Jahren geplant, habe ich nun mein Vorhaben in die Tat umgesetzt und mir die allerseits und auch hier bei Capriccio in meheren Beiträgen vielgelobte Aufnahme mit Richter / Chicago SO / Leinsdorf (RCA, Okt 1960, ADD) zugelegt. Die Aufnahme wird als ein "MUSS" für alle Brahms-Liebhaber bezeichnet.

      Allen meinen Vorrednern kann ich zustimmen, denn was der fabelhafte Swjatoslaw Richter auf dem Klavier zaubert ist genial. Auch die recht forschen Tempi kommen meinem Geschmack sehr entgegen: 16:46 - 8:40 - 12:41 - 8:49.
      :!: Jetzt kommt das ABER: Im laufe der Jahrzehnte haben sichmeine Favoriten für die Klavierkonzerte bereits ziemlich gefestigt. So bin ich nach Rubinstein/Reiner, Ashkenazy/Haitink dann doch klar bei Serkin/Szell und Fleisher/Szell in meiner Gunst geblieben. George Szell ist dann auch der, der es wirklich versteht dem Klavierpart das spannenste Orchester an die Seite zu stellen und damit dem Klavierpart eine gleichwertige und höchst packende Orchesterbegleitung zu geben. :thumbup: Szell ist für mich der "Spiritus Rector" für die Brahms Konzerte - eine bessere packendere und angemesseneres Orchester habe ich bei keiner Aufnahme je gehört.

      :!: Mein Eindruck, bei allem Wohlwollen für diese Richter Aufnahme, ist mir Leinsdorf an vielen Fortestellen zu harmlos mit zu wenig Emotion und Dramatik. Selbstverständlich wird auch ein Pianist bei seiner Interpretation vom Dirigenten angeheizt, wenn dieser entsprechend mitzieht.
      Von daher wage ich wage kaum daran zu denken, was das Duo Richter/Szell für eine Aufnahme geworden wäre !
      (Man sieht das auch bei den Brahms-Kk mit Gilels: unter Jochum mehr Schönklang, aber dann Gilels mit Szell (leider keine Brahms-KK) aber bei den Beethoven-KK absolut zupackend.)

      :!: Die Richter/Leinsdorf ist davon abgesehen natürlich eine der absoluten Spitzenaufnehmen für das KK Nr.2, daran nun keinen Zweifel, damit ihr mich richtig versteht (und auch Beethovens Appassionata auf der CD) - aber dann der Vergleich mit Szell ...
      Wegen Richter ist das natürlich eine CD die meine Sammlung bereichert hat.

      [Blockierte Grafik: http://ec2.images-amazon.com/images/P/B000003EUL.03._SS300_SCLZZZZZZZ_.jpg]
      RCA, Oktober 1960, ADD


      Noch Pollini zum Vergleich zu meinen Aussagen:
      Auch für Pollini/WPO/Abbado (DG) treffen meine Ausagen für die Orchesterbegleitung (die hier auch nur eine solche ist) zu, aber trotzdem finde ich sogar Abbado orchestral bei dem KK Nr.2 angemessener als das was Leindorf auf RCA liefert. Das KK Nr.1 mit Pollini/WPO/Böhm (DG) ist dann (nur orchestral gesehen !) wieder eine ganz andere Liga, die Szell fast gleichkommt.
      Auf die späten Pollini Aufnahmen mit den Berliner PH unter Abbado (DG), kann ich nun wegen dem dort gebotenen "Romatiksoftgedudel" ganz verzichten, aber die habe ich auch noch (nicht mehr lange).

      :?: Was meint Ihr zu meinen Eindrücken ?

      :?: Welche Aufnahmen sind Eure Favoriten --- und warum !?!
      ______________

      Gruß aus Bonn

      Wolfgang
    • Ganz kurz zur Richter/Leinsdorf-Aufnahme: Erich Leinsdorf sprang damals für den kurzfristig erkrankten Chefdirigenten Fritz Reiner ein, mit welchem diese Einspielung eigentlich geplant war. Wieviel er überhaupt noch interpretatorisch mit Richter besprechen und beim Orchester "ausrichten" konnte, kann ich bei Bedarf gern mal recherchieren (ich bin im Moment leider etwas in Eile).

      Eine echte "Wahnsinnsaufnahme" des Klavierkonzerts Nr. 1 ist für mich dieser Live-Mitschnitt aus Amsterdam vom 20. Februar 1936 mit Vladimir Horowitz, dem Concertgebouworkest und Bruno Walter (allerdings nur etwas für hartgesottene Liebhaber historischer Aufnahmen, da im 1. Satz eine längere Passage fehlt. Aber welch eine geradezu sensationelle, fast schon hexenmeisterliche pianistische Leistung offenbart sich demjenigen, der sich auf diese "Rumpfaufnahme" in Mono einlässt!!!):

      Wie das Amsterdamer Publikum damals aus dem Häuschen gewesen sein muss, zeigt der bereits nach dem 1. Satz einsetzende prasselnde Beifall. Und auch ich bin, wann immer ich mir diese CD auflege, angesichts dieser Glanzleistung von Pianist, Orchester und Dirigent schlicht und einfach von den Socken.

      Wer das Fehlen von ca. 5 Minuten beim Kopfsatz nicht akzeptieren kann, gleichwohl aber Horowitz mit dem Klavierkonzert Nr. 1 hören möchte (er hat es - ganz im Gegensatz zum Klavierkonzert Nr. 2, welches mit Horowitz leicht verfügbar ist - nur selten aufgeführt), der kann auf diese Doppel-CD zurückgreifen


      Ein gleichermaßen von mir hochgeschätzter Live-Mitschnitt des Klavierkonzerts Nr. 1 ist derjenige mit Glenn Gould und dem Baltimore Symphony Orchestra unter der Leitung von Peter H. Adler vom 9. Oktober 1962. Gould lief damals zu absoluter Hochform auf und hatte sicherlich "das alleinige Sagen", was Tempo und Interpretation anbelangte (das war im Falle Gould/Bernstein ja nicht unbedingt so). Dieser bei Music & Arts veröffentlichte Mitschnitt scheint allerdings vergriffen zu sein - ich kann ihn in den aktuellen Angeboten von Amazon & Co. nirgends finden. Daher leider kein Cover an dieser Stelle.
    • Bereits in der Schule haben wir das Zweite Klavierkonzert durchgenommen, und damals habe ich mich schon in eine Aufnahme verliebt, der ich bis heute treu geblieben bin (Du hast sie auch schon erwähnt, music lover):


      Inzwischen ist die Aufnahme wohl in dieser Doppel-Box zu haben:


      Wann immer ich dieses Konzert höre, so höre ich eigentlich Ashkenazy... ich kann nicht anders...

      Beim ersten bin ich etwas indifferenter. Die Vorliebe für sehr alte Einspielungen teile ich nicht, da bin ich etwas seltsam und eigen, deshalb greife ich auch hier zu Ashkenazy oder noch lieber zu Rattle/Zimerman:

      Mit der Aufnahme, die ich davor besaß, bin ich nie richtig warm geworden.

      Ich habe meinen Sammelstil immer noch nicht geändert: ich sammel Werke, keine Aufnahmen, deshalb habe ich die andere Aufnahme seinerzeit vertickt und kann mich nicht mehr erinnern.... ja, ja, das Alter...
      Lucius Travinius Potellus
      Those who would give up essential Liberty, to purchase a little temporary Safety, deserve neither Liberty nor Safety. (B.Franklin)
    • Neben der hier schon erwähnten Aufnahme mit Richter/Leinsdorf höre ich mir Brahms` 2. Klavierkonzert noch in der im November 1958 entstandenen Aufnahme mit Emil Gilels und Fritz Reiner gerne an:

      [Blockierte Grafik: http://ecx.images-amazon.com/images/I/318C232pPcL._SL500_AA300_.jpg]
      CD
      bzw.


      Den vermeintlichen Mangel, dass Leinsdorfs Orchesterbegleitung nicht so dramatisch oder gar harmlos sein soll, kann ich nicht nachvollziehen. Mag sein, dass er aufgrund des kurzfristigen Einspringens für den erkrankten Fritz Reiner nicht die Vorbereitungszeit hatte, die er normalerweise zur Verfügung gehabt hätte aber Leinsdorf war ja kein "Greenhorn", der nur ein Pflichtprogramm abspulte. Allerdings fällt auf, dass der Orchesterpart in der Gilels/Reiner-Aufnahme etwas akzentuierter gestaltet ist, was aber an den verschiedenen Dirigententypen Leinsdorf und Reiner liegt. Gilels und Reiner spielen sich wunderbar die musikalischen Bälle gegenseitig zu.

      Sehr gut gelungen ist meiner Meinung nach auch der Solo-Cellopart im 3. Satz, der übrigens von Janos Starker gespielt wird, welcher von 1953 - 1958 Solocellist beim Chicago Symphony Orchestra war.

      Lionel
      "Musik ist für mich ein schönes Mosaik, das Gott zusammengestellt hat. Er nimmt alle Stücke in die Hand, wirft sie auf die Welt, und wir müssen das Bild zusammensetzen." (Jean Sibelius)
    • Hallo,

      leider kann ich momentan lediglich meine bevorzugten Einspielungen nennen (bin gerade in einer anderen Welt).

      Wenn man einmal eine wirklich fulminante Aufnahme des Klavierkonzerts Nr. 1 von J. Brahms hören und erleben möchte, empfehle ich:



      ...aus dem Jahr 1954, aber stereo.
      Zwingend und dramatisch (Ecksätze), lyrisch und nobel (Mittelsatz), also so wie es komponiert wurde ;+) : Erstklassig. Keine Aufnahme für die Fraktion der Valiumvertreter "...spielst Du noch oder schläfst Du schon." - Ein echter "Kracher".

      Das Klavierkonzert Nr. 2 höre ich am liebsten in der o. a. Aufnahme: S. Richter - E. Leinsdorf.

      Bis dann.
    • RE: Ashkenazy/Haitink im Vergleich zu den Szell-Aufnahmen

      Hallo Travinius,

      die von Dir gerne gehörten Ashkenazy-Aufnahmen unter Haitink (DEcca) waren nach der LP-Ära meine ersten Aufnahmen auf CD.

      Gut - zunächst hatte mich die Decca-Klangtechnik überzeugt, aber irendwie konnte ich nach Rubinstein/Reiner (2.) und Krips (1.) auf RCA-LP und Fleisher/Szell (CBS-LP, die allerdings fürchterlich schlecht klangen), nie richtig warm werden mit Ashkenazy/Haitink:

      Der Grund sind die viel zu langen Spielzeiten: KK Nr.1 22:00-14:05-12:33 und KK NR.2, wo Beide quasi im "Festlichen hängen bleiben" mit 18:40-9:26-13:07-9:29. Die Decca-CD´s habe ich bereits vor ca 10Jahren weitergegeben. Ich habe allerdings zum Nachverifizieren beide CD als CD-R zurückbehalten. Eigendlich schade, zumal ich Ashkenazy als Pianist und Dirigent gleichermassen schätze.

      :thumbsup: Als ich dann Serkin/Szell (SONY) hörte und kaufte war der Bann gebrochen - das war mein geborender Favorit.
      Für den Interessenten hier die für meinen Geschmach schlüssigen Spielzeiten: KK Nr.1 21:00-14:25-11:26 KK Nr.2 17:05-8:35-12:37-9:34

      Fleisher/Szell (SONY) wurde nach meheren Anfragen in Klassikforen, ob die Klangqualität denn auf den SONY-CD brauchbar sei, auch gekauft. Die Frage konnte keiner beantworten und so bestellte ich ... Meine positive Überraschung war umso größer, als der Schrottsound auf den alten CBS-LP (Rauschen Verfärbungen ohne Ende und lingslastiges Panorama) wie weggeblasen war und SONY hier feistes Remastering ohne Fehl und Tadel an den Tag gelegt hatte. Die 2.Favoritenaufnahmen war in anständiger Klangqualität nun auch da.
      Die Spielzeiten auf gleichem Niveau KK Nr.1 21:19-14:36-10:35 KK Nr.2 17:02-8:33-12:55-8:56

      :angel: Es gibt einfach keine packenderes Orchesterspiel für die Brahms-KK, als die beiden Szell-Aufnahmen mit Serkin und Fleisher !


      SONY-Heritage, 1958 (1.) und 1962 (2.), ADD



      Nebenbei bemerkt: Nie habe ich eine größere umwerfend deutlichere Verbesserung der CD im Vergleich zur LP erlebt, als hier bei den Brahms-KK mit Fleisher/Szell. Auf den CBS-LPs hatte ich zwar erkannt, dass tolle Interpretationen vorlagen, aber wegen des miesen Sounds habe ich die LP´s nicht gerne gehört und mir lieber Ashkenazy/Haitink auf CD angetan --- :thumbup: bis der große Tag der Serkin-CD´s kam (auf der SONY-CD des KK Nr.2 befindet sich auch die beste Aufnahme der R.Strauss: Burleske d-moll mit Serkin/Ormandy :angel: ) .
      ______________

      Gruß aus Bonn

      Wolfgang
    • Kürzlich habe ich mal wieder Brahms' 1. Klavierkonzert gehört (London Symphony Orchestra; Ltg.: Pierre Monteux, Decca, aufg. 1959):

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      Das ist eine mächtig-düstere Interpretation, mit schöner Abstimmung zwischen Solist und Orchester, das Klavier spielt sich nicht in den Vordergrund und ist im Ganzen gut integriert.

      Das hier ebenfalls enthaltene 2. Konzert (mit János Ferencsik, ebenfalls LSO, aufg. 1960) finde ich nicht ganz so überzeugend, weil das Orchester etwas blaß wirkt. Hier gefällt mir gut eine Aufnahme mit Gina Bachauer und dem LSO unter Antal Doráti (Chesky, aufg. 1967):



      Klares, gut durchhörbarer Orchesterklang, spannend und intensiv musiziert (so wie ich Doráti auch sonst kenne). Die Solistin würde ich hier als solide bezeichnen; sie paßt sich gut ein, an manchen Stellen könnte ich mir einen noch differenzierteren Anschlag vorstellen.

      An guten und empfehlenswerten Aufnahmen der beiden Konzerten dürfte es keinen Mangel geben.

      :wink:
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
      Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
      Helmut Lachenmann
    • Gurnemanz schrieb:


      ...
      An guten und empfehlenswerten Aufnahmen der beiden Konzerten dürfte es keinen Mangel geben.

      :wink:


      Lieber Gurnemanz,

      Es gibt einige gute Interpretationen (auf Konserve). Doch trotz des sehr großen Katalogs, habe ich Zweifel an Deiner Aussage. Viele Aufnahmen insb. des 1. Klavierkonzertes sind zahm, träge, langatmig, manche zu dünn oder "gekünstelt" pathetisch oder manche 'gar pianistisch nicht sehr gut (ich bin mir der allgemeinen Beschreibung bewusst).

      Bis dann.

      Edit am 10.11.2011 Uhr 15:10
    • Keith M. C. schrieb:

      Viele Aufnahmen insb. des 1. Klavierkonzertes sind zahm, träge, langatmig oder "gekünstelt" pathetisch und manche pianistisch nicht sehr gut.
      Da magst Du recht haben, lieber Keith; ich habe lediglich (vorschnell?) von Quantität auf Qualität geschlossen: Wenn ich bei JPC (im Bereich "classic") "brahms" und "klavierkonzert" eingebe, werden auf Anhieb 462 Treffer angezeigt. Unter den vielen Aufnahmen sollte es doch ein paar gute geben...?!

      :wink:
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
      Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
      Helmut Lachenmann
    • Gurnemanz schrieb:

      Keith M. C. schrieb:

      Viele Aufnahmen insb. des 1. Klavierkonzertes sind zahm, träge, langatmig oder "gekünstelt" pathetisch und manche pianistisch nicht sehr gut.
      Da magst Du recht haben, lieber Keith; ich habe lediglich (vorschnell?) von Quantität auf Qualität geschlossen: Wenn ich bei JPC (im Bereich "classic") "brahms" und "klavierkonzert" eingebe, werden auf Anhieb 462 Treffer angezeigt. Unter den vielen Aufnahmen sollte es doch ein paar gute geben...?!

      :wink:



      Also, ich habe so herrlich durchgebrannte wie die von Horowitz/Toscanini oder Gould/Bernstein ...

      Liebe Grüße Peter
      .
      Auch fand er aufgeregte Menschen zwar immer sehr lehrreich, aber er hatte dann die Neigung, ein bloßer Zuschauer zu sein, und es kam ihm seltsam vor, selbst mitzuspielen.
      (Hermann Bahr)
    • Kennengelernt habe ich das erste Klavierkonzert mit einer LP mit Gilels, Jochum und den Berliner Philharmonikern, Aufnahme 1972...
      Wüßte nicht, was an der auszusetzen ist.

      Das zweite auch, sehe ich gerade...

      Man könnte das Tempo im 2.Konzert im ersten Satz behäbig finden. Aber schnellere Versionen, die ich gehört habe, kamen mir nicht wuchtig genug vor..
      Der zweite Satz könnte schon etwas fetziger gehen, zwar hat alles Gewicht und Wucht so, aber na ja
      Wer macht das denn schneller?

      jedenfalls sind das echt Schätze im Konzertrepertoire, die etwas mehr Einleitung verdient hätten. Oder wissen wir Alle, wovon wir schreiben?
      Über die formalen Eigenheiten des ersten, die auch schon Schwächen genannt wurden, könnte man sich unterhalten - oder darüber, ob das überhaupt Konzerte sind oder nicht eher Symphonien mit obligatem Klavier, wie geistreich schon im 19. Jh. bemerkt wurde.

      Gruss
      Herr Maria
      Die englischen Stimmen ermuntern die Sinnen
      daß Alles für Freuden erwacht
    • philmus schrieb:


      jedenfalls sind das echt Schätze im Konzertrepertoire, die etwas mehr Einleitung verdient hätten. Oder wissen wir Alle, wovon wir schreiben?
      Über die formalen Eigenheiten des ersten, die auch schon Schwächen genannt wurden, könnte man sich unterhalten - oder darüber, ob das überhaupt Konzerte sind oder nicht eher Symphonien mit obligatem Klavier, wie geistreich schon im 19. Jh. bemerkt wurde.


      Als musikinteressierter Laie weiss ich natürlich nicht, wovon ich schreibe, da ich mich nicht jedesmal mit der Partitur bewaffne, um eine Komposition gründlich zu erforschen und um evtl. sogar Schwächen, welcher Art auch immer, herauszuhören. Ob Brahms` Klavierkonzerte verkappte Sinfonien mit obligatem Klavier sind ? Kann sein, jedenfalls ist das Orchester in beiden Konzerten ein gleichgewichtiger Partner und liefert nicht nur den Klangteppich auf dem sich das Soloinstrument voll entfalten kann. Mit Brahms kenne ich mich nicht so gut aus und weiss nur, dass er sich lange Zeit schwer tat, eine Sinfonie zu komponieren. Soweit ich weiss, wollte Brahms ursprünglich eine Sonate für 2 Klaviere schreiben aber brach dies dann ab, um eine Sinfonie daraus zu machen. Da er aber zum damaligen Zeitpunkt nicht genug Erfahrung mit der Orchestrierung hatte, ließ er von diesem Vorhaben ebenfalls ab und begann damit, das bis dahin komponierte Material zu einem Klavierkonzert umzuarbeiten. Von daher läßt sich der starke orchestrale, sinfonische Charakter des 1. KK wohl erklären und man letztlich von einer "Sinfonie mit obligatem Klavier" sprechen kann.

      Wobei mir das persönlich "wurscht" ist, in welche Begriffskategorien man das einordnet, Für mich als Laie zählt nur, dass dies schlicht und einfach sehr gute und eindrucksvolle Musik ist, die ich mir immer wieder gerne anhöre.

      Lionel
      "Musik ist für mich ein schönes Mosaik, das Gott zusammengestellt hat. Er nimmt alle Stücke in die Hand, wirft sie auf die Welt, und wir müssen das Bild zusammensetzen." (Jean Sibelius)
    • philmus schrieb:

      Oder wissen wir Alle, wovon wir schreiben?
      Berechtigte Frage - die beiden Werke selbst verdienen sicher eine eingehendere Diskussion.

      Dennoch bleibe ich vorerst bei Einspielungen. Ob Keiths Skepsis sich auch gegen diese Aufnahme des ersten Konzerts richten würde:

      ?

      Hardy Rittner auf einem Erard von 1854, dazu L'Arte del Mondo, Ltg.: Werner Ehrhardt (MDG, aufg. 2011). Rittner kenne und schätze ich als Schönberg- und Brahms-Interpret, die anderen Beteiligten sagen mir nichts.

      Weiß jemand etwas über diese CD?

      :wink:
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
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      Helmut Lachenmann
    • Lionel schrieb:


      Von daher läßt sich der starke orchestrale, sinfonische Charakter des 1. KK wohl erklären und man letztlich von einer "Sinfonie mit obligatem Klavier" sprechen kann.


      Naja, sein Violinkonzert ist auch "nur" eine Sinfonie mit obligater violine - was sagt das schon? Es ist eben eine andere Art Instrumentalkonzert. Was soll denn daran ein Fehler sein?

      Liebe Grüße Peter
      .
      Auch fand er aufgeregte Menschen zwar immer sehr lehrreich, aber er hatte dann die Neigung, ein bloßer Zuschauer zu sein, und es kam ihm seltsam vor, selbst mitzuspielen.
      (Hermann Bahr)
    • Peter Brixius schrieb:

      Lionel schrieb:


      Von daher läßt sich der starke orchestrale, sinfonische Charakter des 1. KK wohl erklären und man letztlich von einer "Sinfonie mit obligatem Klavier" sprechen kann.


      Naja, sein Violinkonzert ist auch "nur" eine Sinfonie mit obligater violine - was sagt das schon? Es ist eben eine andere Art Instrumentalkonzert. Was soll denn daran ein Fehler sein?

      Liebe Grüße Peter


      Eben, das meine ich ja. Wobei das Violinkonzert in Wirklichkeit eine Sinfonie mit obligater Violine + Obö ist...
      "Musik ist für mich ein schönes Mosaik, das Gott zusammengestellt hat. Er nimmt alle Stücke in die Hand, wirft sie auf die Welt, und wir müssen das Bild zusammensetzen." (Jean Sibelius)
    • Peter Brixius schrieb:

      Lionel schrieb:


      Von daher läßt sich der starke orchestrale, sinfonische Charakter des 1. KK wohl erklären und man letztlich von einer "Sinfonie mit obligatem Klavier" sprechen kann.


      Naja, sein Violinkonzert ist auch "nur" eine Sinfonie mit obligater violine - was sagt das schon? Es ist eben eine andere Art Instrumentalkonzert. Was soll denn daran ein Fehler sein?


      Offensichtlich nix - und darum schrob Lionel ja auch:

      Lionel schrieb:

      Wobei mir das persönlich "wurscht" ist, in welche Begriffskategorien man das einordnet, Für mich als Laie zählt nur, dass dies schlicht und einfach sehr gute und eindrucksvolle Musik ist, die ich mir immer wieder gerne anhöre.


      Adieu,
      Algabal
      Keine Angst vor der Kultur - es ist nur noch ein Gramm da.
    • Ich fand die Bezeichnung "Sinfonie mit obligatem x" immer irreführend.
      Dass Brahms "Virtuosenkonzerte" schreiben würde hatte wohl auch damals niemand ernsthaft erwartet. Von der Besonderheit des Scherzos im B-Dur-Konzert (das beinahe sein einziges echtes orchestrales Scherzo ist, kein Intermezzo in mäßigem Tempo wie in den Sinfonie 1-3)sind sie m.E. nicht wesentlich "sinfonischer" oder weniger konzertant als Beethovens 4. u.5. Konzert. Aber die Unterschiede zu einer Sinfonie sind dennoch deutlich ausgeprägt, oder? Alle Finali (inkl. Violin- und Doppel-) folgen sowohl von der Anlage als auch von der Thematik einem typischen Rondoschema, wenngleich besonders im ersten Konzert freilich in expandierter Form. Alle Konzerte haben Solokadenzen oder doch entsprechend ähnliche Abschnitte usw.
      Beim ersten KK, so grandios die Energie des Anfangs ist, wundert mich fast, dass der überkritische Brahms das Stück nicht später nochmal überarbeitet hat. Das ist nämlich im Kopfsatz schon noch etwas unbalanciert und blockartig (nicht dass das absolute Mängel wären). Jedenfalls faszinierend wie ungeachtet der komplexen Entstehungsgeschichte dieser gigantische Klotz auf Jahre hin Brahms' einziges echtes Orchesterwerk bleibt (die Serenaden und das Requiem zähle ich mal nicht mit).
      Tout le malheur des hommes vient d'une seule chose, qui est de ne pas savoir demeurer en repos dans une chambre.
      (B. Pascal)
    • Klavierkonzert Nr. 1

      philmus schrieb:

      Kennengelernt habe ich das erste Klavierkonzert mit einer LP mit Gilels, Jochum und den Berliner Philharmonikern, Aufnahme 1972...
      Wüßte nicht, was an der auszusetzen ist.

      Ich ebenfalls. Und an der ist gar nichts auszusetzen, aber ich habe inzwischen zwei Aufnahmen kennengelernt, die mich noch deutlich mehr begeistern:
      Graffman/Boston SO/Munch (wiederveröffentlicht auf dieser nicht genug zu empfehlenden Box: )
      und Curzon/LSO/Szell
      Beide sind herrlich rauh und ungebärdig!

      Uninteressant fand ich Zimerman/Rattle und Pollini/Böhm. Solomon/Kubelik besticht durch das wunderbar genaue und deutliche Spiel von Solomon, den ich sehr schätze, aber Kubelik lärmt ein bisschen zu undifferenziert herum. Gould/Bernstein versteh ich nicht.

      Grüße
      vom Don
    • Kater Murr schrieb:

      Ich fand die Bezeichnung "Sinfonie mit obligatem x" immer irreführend.
      War ja wohl auch eher scherzhaft gemeint, um auszudrücken, daß hier etwas anderes vorliegt als das romantische Virtuosenkonzert. ich glaube, man nennt es "symphonisches Konzert"...

      Kater Murr schrieb:

      Aber die Unterschiede zu einer Sinfonie sind dennoch deutlich ausgeprägt, oder?
      Na klar, und eingebettet in die alles durchdringende motivische Arbeit gibt es ja schon auch ne Menge ausdrucksvoller Virtuosität. Nur, es glitzert nicht so wie z.B. bei Liszt, stellt also an den Solisten etwas andere Anforderungen. Immerhinj hat Brahms die Konzerte selbst gespielt, was ich schon beachtlich finde.

      Kater Murr schrieb:

      Beim ersten KK, so grandios die Energie des Anfangs ist, wundert mich fast, dass der überkritische Brahms das Stück nicht später nochmal überarbeitet hat. Das ist nämlich im Kopfsatz schon noch etwas unbalanciert und blockartig (nicht dass das absolute Mängel wären).
      Ja, die Form ist sehr ausladend. Die Entwicklung geht klar von da zu den knapperen, konzentrierten Formen der späteren Werke.
      Das als Schwächen zu sehen, fällt angesichts des Reichtums an großartigen Passagen in besagtem Kopfsatz schwer. Vor allem auch im sehr langen Seitensatz mit dem wunderbaren, ausführlich wiederholten Thema und den Hornrufen möchte ich keine Note missen.

      Kater Murr schrieb:

      die Serenaden und das Requiem zähle ich mal nicht mit)
      Wobei das blockartige im Requiem, vor allem im zweiten "Satz" "denn alles Fleisch" auch präsent ist. Und die Serenaden sind auch ausladender, nicht nur wegen der Vielsätzigkeit länger als die späteren Symphonien.
      Es ist ja auch an dem angeblich uninstrumentierbaren Kopfthema gemäkelt worden, an den "wiehernden" Trillern - mir gefällts, auch wenn es fürs eine oder andere Ohr die Grenzen des Orchesterklanges deutlich macht... Das Thema ist symphonisch gefühlt, mit den Trillern, die besser das Klavier darstellen kann - ein Zwitter irgendwie, und daß es jetzt ein Klavierkonzert wurde, ist ein Glück für uns :juhu:

      Gruss
      herr Maria
      Die englischen Stimmen ermuntern die Sinnen
      daß Alles für Freuden erwacht
    • philmus schrieb:



      Kater Murr schrieb:

      Beim ersten KK, so grandios die Energie des Anfangs ist, wundert mich fast, dass der überkritische Brahms das Stück nicht später nochmal überarbeitet hat. Das ist nämlich im Kopfsatz schon noch etwas unbalanciert und blockartig (nicht dass das absolute Mängel wären).
      Ja, die Form ist sehr ausladend. Die Entwicklung geht klar von da zu den knapperen, konzentrierten Formen der späteren Werke.
      Das als Schwächen zu sehen, fällt angesichts des Reichtums an großartigen Passagen in besagtem Kopfsatz schwer. Vor allem auch im sehr langen Seitensatz mit dem wunderbaren, ausführlich wiederholten Thema und den Hornrufen möchte ich keine Note missen.


      Solches Schwelgen erlaubt sich Brahms später nur sehr selten. Der Satz ist auch sehr materialreich: Hauptthema, Hornruf in mehreren Varianten, das "Seufzerthema" beim Auftritt des Klaviers, das eigentliche Seitenthema.. Dagegen ist die Durchführung ziemlich kurz (der ganze Satz ist etwas kopflastig).


      Kater Murr schrieb:

      die Serenaden und das Requiem zähle ich mal nicht mit)
      Wobei das blockartige im Requiem, vor allem im zweiten "Satz" "denn alles Fleisch" auch präsent ist. Und die Serenaden sind auch ausladender, nicht nur wegen der Vielsätzigkeit länger als die späteren Symphonien.


      Angeblich basiert der zweite Satz des Requiems auf dem Material des Scherzos für die Sinfonie, die dann das Klavierkonzert wurde.
      Obwohl die ersten drei Sätze der ersten Serenade relativ lang sind, sind sie aber nicht länger als typische Sätze aus den Sinfonien. Von der Spieldauer ist der Kopfsatz des ersten Konzerts wohl der längste Brahms-Satz; wird bei dem der 2. Sinfonie die Wiederholung der Exposition ausgeführt, ist der etwa genausolang.
      Tout le malheur des hommes vient d'une seule chose, qui est de ne pas savoir demeurer en repos dans une chambre.
      (B. Pascal)