Wagner: Der Ring des Nibelungen - Darmstadt (Dew, Trinks) (12.11.2011 - 27.11.2011, Premieren waren: 4.6.2011, 26.6.2011, 2.10.2011, 16.10.2011)

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    • Wagner: Der Ring des Nibelungen - Darmstadt (Dew, Trinks) (12.11.2011 - 27.11.2011, Premieren waren: 4.6.2011, 26.6.2011, 2.10.2011, 16.10.2011)

      Ich werde hier im Laufe der nächsten Wochen meine Berichte zum Darmstädter Ring einstellen, weil ich denke, daß dieser so "zusammengehörend" inszeniert wurde, daß eine Unterteilung in vier Einzelthreads nicht nötig und auch nicht sinnvoll ist.

      Und ich erwähne gleich, daß es bis zum Sommer 2012 noch zwei zyklische Aufführungen geben wird, hingehen lohnt auf jeden Fall, und das dann auch bei den Preisen! Vier Opern in musikalischer Spitzenqualität zum Preis einer Karte der dritten Kategorie (oder so ähnlich) in München... :) Wer also z.B. Ostern 2012 noch nichts vorhat, Gründonnerstag, Karfreitag (kein Parsifal!), Ostersonntag und Ostermontag in der Preisgruppe eins für alle vier Opern zum Gesamtpreis von 105,70 EUR.

      staatstheater-darmstadt.de/pre…0-der-ring-des-nibelungen

      Gestern Abend ging's also los mit dem Rheingold. Doch, wie immer zuerst die Akteure:

      Das Rheingold - Richard Wagner | Vorabend zu dem Bühnenfestspiel Der Ring des Nibelungen

      Musikalische Leitung Constantin Trinks
      Inszenierung John Dew
      Bühne Heinz Balthes
      Kostüme José-Manuel Vázquez

      Ralf Lukas (Wotan)
      Oleksandr Prytolyuk (Donner)
      Lucian Krasznec (Froh)
      John Pickering (Loge) (im Programmheft steht wohl für die Premiere: Arnold Bezuyen)
      Olafur Sigurdarson (Alberich)
      Uwe Eikötter (Mime) (und nicht, wie in der Premiere: Lasse Penttinen)
      John In Eichen (Fasolt)
      Thomas Mehnert (Fafner)
      Gundula Hintz (Fricka)
      Anja Vincken (Freia)
      Elisabeth Hornung (Erda)
      Margaret Rose Koenn (Woglinde)
      Erica Brookhyser (Wellgunde),
      Gae-Hwa Yang (Floßhilde)

      Bevor ich mich nun auf die Beschreibung stürze, noch ein paar Anmerkungen: Eine unerwartete Freude gab's gleich zu Anfang: Der Ring wird in Darmstadt übertitelt, was hat da wohl John Dews Meinung geändert? Bei seinem Parsifal und seinem Tannhäuser mußten in den letzten Spielzeiten die Neulinge immer darben...

      Und, noch ein paar Links zum Anfang:

      staatstheater-darmstadt.de/spi…r-1011/1718-das-rheingold
      staatstheater-darmstadt.de/pre…7-pressestimmen-rheingold

      So, nun aber zu den Eindrücken und der Beschreibung.

      Wie ich schon des Öfteren schrieb, kämpft Darmstadt um den Erhalt des Drei-Spartenhauses, und muß daher bei den einzelnen Produktionen sparen. Das macht sich immer an den Bühnenbildern bemerkbar. Andererseits können so auch ganz tolle Effekte erzeugt werden.

      Wenn in Essen Tilman Knabe die vier Szenen in vier "Segmente" eines festen Bühnenbildes packt, so gibt es in Darmstadt pro Szene ein eigenes Bild, mit Vorhängen zwischen den Szenen. Das führt dann so z.B. dazu, daß beim Abstieg nach und auch beim Aufstieg aus Nibelheim nichts zu sehen ist, und wird, da im Orchester auch keine echten Ambosse stehen, positiv dadurch unterstützt, daß die Synthesizerklänge über die Lautsprecher kommen, und so von der Decke auf uns Zuhörer niederprasseln, und zwar wandernd über die unterschiedlichen Lautsprechergruppen. Klappt ganz prima! Es muß also nicht immer Soltis "Klang-Naturalismus" sein, es geht auch sehr gut mit weniger Aufwand...

      Das erste Bild ist bühnentechnisch einfach, aber sehr effektvoll: Vier Stoffbahnen von rechts nach links über die Bühne gespannt, durch Wind (oder Menschen) in Wellenbewegung versetzt und blau angeleuchtet. Am Bühnenrand rechts und links neben den Bahnen 4 Felsen andeutende Stehlen, die dann auch später zur Felswand zusammengesetzt in weiteren Szenen wieder auftauchen. Die Rheintöchter sind unter den Bahnen versteckt, und "tauchen" immer mal wieder auf, um zu singen. Als Alberich kommt, und zu den Rheintöchtern ins Wasser steigt, zieht er brav erst seine Schuhe und Socken aus, und rutscht dann sehr effektvoll auf den glitschigen Stoffbahnen aus. Das Rheingoldleuchten kommt dann durch zusätzliche goldene Lichtstrahlen ins Spiel, und das Gold selbst kommt dann zum Schluß der ersten Szene im Hintergrund als gold leuchtender Klumpen in der Hand von Alberich vor. Der Vorhang schliesst sich. Dies mal als etwas detaillierterer Beschreibung, wie aus wenig mehr wird.

      Dew, so entnehme ich den Kritiken und auch seinem Beitrag im Programmheft, hat seine Krefelder Inszenierung von 1981 überarbeitet, und so sehen wir zum Schluß die Burg Walhall als Atomkraftwerk, und Loge als Einstein, sowie Fasolt und Fafner als Bauarbeiter mit gelben Schutzwesten und Bauarbeiterhelmen. Es paßt!

      Die zweite Szene spielt dann im Wohn- und Arbeitszimmer von Wotan, mit roter Couch, und dem altbekannten Globus, der auch als Bar fungiert, aus dem sich ab und an bedient wird. Fricka kommt zeitungslesend herein, und wirft die Zeitung Wotan auf den Schreibtisch. Freia natürlich mit einem Korb mit Äpfeln. Das alles klingt etwas plump, ist es aber nicht, denn die Personenführung stimmt. Bis auf Alberich, der sich zum Singen leider immer wieder zum Publikum drehte, sangen alle jeweils den jeweiligen Ansprechpartner an, auch, wenn das nach Hinten in den Bühnenraum war. Die Akustik ist in Darmstadt so gut, daß auch das wunderbar hörbar ist, das "Frontsau-Singen" ist hier wirklich nicht nötig, lieber Olafur Sigurdarson.

      In der dritten Szene in Nibelheim ist es sehr dunkel, und wir haben 2 Ventilatoren am oberen Rand der hinteren Bühnenbegrenzung, und einen mund-artigen, Müllschlucker-ähnlichen Bereich darunter in der Mitte. Als sich Alberich zum ersten Mal mit Hilfe des Tarnhelms "vergrößert", werden diese Elemente beleuchtet, und symbolisieren seine Größe. Das Rheingold und der gesamte Schatz selbst sind, wie inzwischen üblich, in Koffern verpackt, hier sind es Alu-Businesskoffer. Der Tarnhelm ist ein klassischer Hut, der Ring beleuchtet, aber nicht so riesig, wie bei Fura dels Baus in Valencia. Bei der zweiten Verwandlung zum Wurm und zur Kröte sind dann Wurm und Kröte Autos, mal ein großer Oldtimer mit qualmendem Motor, mal ein kleines Fernsteuerspielzeugauto.

      Die vierte Szene fängt ohne großes Bühnenbild an, die Bühne weitet sich dann nach hinten, und zu Donners Monolog regnet es sogar von der Bühnendecke herab, vorher wurden Regenschirme verteilt. Die Brücke ist ein Greenpeace-artiger Regenbogen, und die Burg, wie oben schon erwähnt, ein AKW. Zum Schluß steht Loge rechts am Bühnenrand, sieht auf das ganze Geschehen, und schreibt sein E=mc2 an die Wand, während die Rheintöchter vor dem Orchestergraben, ebenfalls rechts am Rand sitzend das Rheingold ansingen, und ein paar Demonstranten mit Plakaten Wagner's Zeile "falsch und feig ist, was dort oben sich freut!" nochmals verstärken. Das ist dann der "politische Teil" der Inszenierung, man könnte sagen, er sei ein wenig zu viel, insbesondere, weil Dew doch in den Szenen davor recht sparsam mit solchen "Regieeinfällen" umgegangen ist.

      Soviel zur Inszenierung. Nun zur musikalischen Seite.

      In einer Kritik (Link siehe oben, Auszug aus dem Nordbayerischen Kurier) ist zu lesen:
      Sein kongeniales Pendant findet Sigurdason in Constantin Trinks am Dirigentenpult. Der Darmstädter Maestro zeigt, wie weit er in seiner Wagner-Interpretation seit seinem bereits eindrucksvollen Saarbrücker Rheingold-Debüt fortgeschritten ist. Er findet immer den richtigen Ton: Die weichen Kantilenen Freias und Fasolts verbinden sich mit eleganter und kluger Begleitung des Konversationsstücks sowie den grell peitschenden Ausbrüchen der Nibelungen-Passagen. Die Einheit der Partitur ist durch eine stupende Meisterschaft der Übergänge gewährleistet, wie sie in dieser Souveränität nur Christian Thielemann beherrscht. Trinks, dessen europäische Karriere sich allmählich festigt (im letzten Jahr Debüts an der Semper- sowie der Pariser Oper), beweist mit diesem Darmstädter Rheingold einmal mehr, was er längst schon ist: der beste Wagner-Dirigent seiner Generation.

      Dem ist eigentlich nicht mehr viel hinzuzufügen, außer, daß das Orchester auf ebensolchem Niveau spielt. Wenn mal ein paar Unreinheiten vorkamen, so dauerte es nicht Takte, sondern höchstens ein Paar Töne, bis wieder Gleichklang herrschte. Und zwar nicht nur zwischen den Musikern des Orchesters, sondern eben auch unter Einbeziehung der Sänger!

      Hinzu kommt noch, daß auch bei den Sängern keine Ausfälle oder Probleme zu vermelden sind, höchstens sind ein paar leisere Stimmen zu vermelden (Fafner, Freia, Erda), aber auch das wird von Constantin Trinks berücksichtigt.

      Also: Ich habe selten eine so rundum gelungene Aufführung erlebt, und dies hat diesmal nicht primär etwas mit der Inszenierung zu tun. Hier steht die musikalische Leistung im Vordergrund, und die Inszenierung trägt dazu bei, das Ganze im besten Sinne des Wortes unterhaltsam zu machen.

      Ich freue mich schon sehr auf die Walküre nachher, und fürchte, daß Constantin Trinks wohl nicht mehr lange in Darmstadt bleiben wird, bei der Qualität, die er abliefert, wird er sicherlich bald zu "Höherem" berufen werden. Immerhin darf er nächstes Jahr in Bayreuth Wagner dirigieren, zwar noch nicht auf dem Hügel, aber dennoch... (welt.de/print/die_welt/kultur/…-in-der-PanAm-Lounge.html) Es sei ihm gegönnt!
      "Bei Bachs Musik ist uns zumute, als ob wir dabei wären, wie Gott die Welt schuf." (Friedrich Nietzsche)
      "Heutzutage gilt es schon als Musik, wenn jemand über einem Rhythmus hustet." (Wynton Marsalis)
      "Kennen Sie lustige Musik? Ich nicht." (Franz Schubert)
      "Eine Theateraufführung sollte so intensiv und aufregend sein wie ein Stierkampf." (Calixto Bieito)
    • "Bei Bachs Musik ist uns zumute, als ob wir dabei wären, wie Gott die Welt schuf." (Friedrich Nietzsche)
      "Heutzutage gilt es schon als Musik, wenn jemand über einem Rhythmus hustet." (Wynton Marsalis)
      "Kennen Sie lustige Musik? Ich nicht." (Franz Schubert)
      "Eine Theateraufführung sollte so intensiv und aufregend sein wie ein Stierkampf." (Calixto Bieito)
    • Moin Matthias,

      das macht ja in der Tat Lust, das schöne Darmstädter Theater mal zu besuchen - bisher war ich noch nie dort! Und Ostern 2012 habe ich noch nichts besseres vor.

      Besondere Motivation für mich: Back to the roots. Die erste Oper, die ich überhaupt Anfang der 80er als Schüler erlebte, war die von Dir erwähnte John Dew-Inszenierung des Rheingold für die Bühnen Krefeld/Mönchengladbach in der Stadthalle Rheydt. Du weckst in mir lange verschüttete Erinnerungen :rolleyes: Eines weiß ich noch: Es dirigierte damals der noch sehr junge Jakov Kreizberg, der Bruder Semyon Bychkovs, der vor einigen Monaten leider verstarb. Die Inszenierung fand ich damals sehr spannend - hatte allerdings keinerlei Vergleich :D

      Kreizberg tot, Lavine schwer gealtert, die Bühnen Krefeld/MG inzwischen auf eine GmbH ausgelagert - die Zeiten ändern sich. Nur Joseph Goebbels ist noch immer Ehrenbürger der Stadt Mönchengladbach (in die seine Heimatstadt Rheydt eingemeindet wurde)... X(
      Cheers,

      Lavine :wink:
      "You gotta grab'em by Debussy" (DJ Trump)
    • Walküre, 13.11.2011

      So, heute war die Walküre dran.

      Wie immer, zuerst die Besetzung:

      Die Walküre - Richard Wagner | Erster Tag aus dem Bühnenfestspiel Der Ring des Nibelungen

      Musikalische Leitung Constantin Trinks
      Inszenierung John Dew
      Bühne Heinz Balthes
      Kostüme José-Manuel Vázquez

      Christian Elsner (Siegmund)
      John In Eichen (Hunding)
      Ralf Lukas (Wotan)
      Susanne Serfling (Sieglinde)
      Katrin Gerstenberger (Brünnhilde)
      Gundula Hintz (Fricka)
      Carola Glaser (Helmwige)
      Bernadette Flaitz (Gerhilde)
      Maria Victoria Jorge Hernándiz (Ortlinde)
      Erica Brookhyser (Waltraute)
      Anja Vincken (Siegrune)
      Gundula Schulte (Roßweiße)
      Hye-Young Choi (Grimgerde)
      Elisabeth Hornung (Schwertleite)

      Der erste und der zweite Aufzug spielen hier im selben Bühnenbild, das viele der Elemente des Rheingold-Bühnenbildes weiternutzt, und ich muß mich ein wenig korrigieren. Die "Stelen" sind nicht Fels nachempfunden, sondern Baumrinde. So sind auch die Wände des Wohnzimmers, das als Bild für den ersten und den Anfang des zweiten Aufzugs herhält, mit ihnen gestaltet, und darin steckt dann auch "naturgemäß" das Schwert Nothung. Die zweite Szene des zweiten Aufzugs findet vor dem Vorhang statt, und ab der dritten Szene sind dann die Stelen als Wald aufgestellt.

      Hunding ist eine Art Polizist, er tritt mit Schutzschild aus Plexiglas, Helm, und Brustschutz auf, deren er sich entledigt. Siegmund kommt in ganz normaler Alltagskleidung, mit einem kleinen Rucksack ins Spiel, und Sieglinde gibt die normale Hausfrau. Wotan hat im ersten Aufzug einen kurzen Auftritt, und läßt den Lenz rein, indem er einen Wink gibt, woraufhin sich die Rückwand des Wohnzimmers öffnet, und durch diese Öffnung dann Nachtstimmung ins Wohnzimmer dringt.

      Der dritte Aufzug spielt dann in einem Tower eines Flughafens, was dann auch die Kostümierung von Brünnhilde im Fliegeroutfit der 40er Jahre erklärt. Die Walküren sind Fliegerinnen, also Pilotinnen (5) bzw. Fluglotsen (die ersten drei des dritten Aufzugs). Nach dem Abgang der Walküren fährt dann der Tower ganz langsam nach hinten weg, und Brünnhilde und Wotan verabschieden sich am vorderen Rand der Bühne, die offen bleibt, aber vollkommen dunkel ist. Der "Feuerzauber" wird dann wieder durch bewegten Stoff, diesmal in Form eines im Halbkreis hinter Brünnhilde aufziehenden roten Seidenvorhangs dargestellt, der sich zum Ende des dritten Aufzugs auch vorne schließt, bevor dann der richtige Vorhang noch final fällt. Das deckt so in etwa die Inszenierung ab.

      Musikalisch war heute etwas mehr Unruhe drin, das Orchester war nicht ganz so gut wie gestern, aber immer noch sehr gut, und so bekam Constantin Trinks neben Christian Elsner den meisten Applaus. Einzig Gerhilde fiel mir bei den ersten echten Sätzen im dritten Aufzug als zwar laut, aber unverständlich auf... :)

      Hier noch, wie bei mir üblich, ein paar Links:

      staatstheater-darmstadt.de/spi…er-1011/1719-die-walkuere
      staatstheater-darmstadt.de/pre…ressestimmen-die-walkuere

      Und zu Kritiken:

      echo-online.de/freizeit/kunstk…n-nebenan;art1086,1954391
      fr-online.de/musik/oper-jensei…olle,1473348,8604488.html
      omm.de/veranstaltungen/musikth…2011/DA-die-walkuere.html
      egotrip.de/theater/11/1106_walkuere.html

      Siegfried folgt dann nächsten Sonntag (20.11.).
      "Bei Bachs Musik ist uns zumute, als ob wir dabei wären, wie Gott die Welt schuf." (Friedrich Nietzsche)
      "Heutzutage gilt es schon als Musik, wenn jemand über einem Rhythmus hustet." (Wynton Marsalis)
      "Kennen Sie lustige Musik? Ich nicht." (Franz Schubert)
      "Eine Theateraufführung sollte so intensiv und aufregend sein wie ein Stierkampf." (Calixto Bieito)
    • Général Lavine schrieb:

      Moin Matthias,

      das macht ja in der Tat Lust, das schöne Darmstädter Theater mal zu besuchen - bisher war ich noch nie dort! Und Ostern 2012 habe ich noch nichts besseres vor.

      Besondere Motivation für mich: Back to the roots. Die erste Oper, die ich überhaupt Anfang der 80er als Schüler erlebte, war die von Dir erwähnte John Dew-Inszenierung des Rheingold für die Bühnen Krefeld/Mönchengladbach in der Stadthalle Rheydt. Du weckst in mir lange verschüttete Erinnerungen :rolleyes: Eines weiß ich noch: Es dirigierte damals der noch sehr junge Jakov Kreizberg, der Bruder Semyon Bychkovs, der vor einigen Monaten leider verstarb. Die Inszenierung fand ich damals sehr spannend - hatte allerdings keinerlei Vergleich :D

      Kreizberg tot, Lavine schwer gealtert, die Bühnen Krefeld/MG inzwischen auf eine GmbH ausgelagert - die Zeiten ändern sich. Nur Joseph Goebbels ist noch immer Ehrenbürger der Stadt Mönchengladbach (in die seine Heimatstadt Rheydt eingemeindet wurde)... X(
      Cheers,

      Lavine :wink:


      Tja, Constantin Trinks ist auch noch recht jung, er wurde 1975 geboren, und macht es hervorragend. Das Haus ist gut, egal, wo man sitzt. Ich ziehe immer Rang Mitte, erste Reihe vor, weil man da einen guten Blick auch in den Orchestergraben hat, und viel Beinfreiheit hat. In der zweiten Reihe im Rang ist der Blick noch besser (weil man besser über die Mauer des Rangs wegblicken kann), dafür ist die Beinfreiheit nicht so gut. Dafür kosten dort die Karten auch weniger, als in der ersten Reihe. Aber auch das Parkett ist gut, und seit der Renovierung des Hauses zwischen 2002 und 2006 sind auch die Sitze durchweg wieder sehr gut!

      Tja, bühnenbildtechnisch ist dieser Ring "reduziert", was z.B. im Vergleich zum Essener Ring, den ich im Juni besuchte, besonders auffällt. Andererseits sind die darstellerischen, sängerischen, sowie orchestralen Leistungen in Darmstadt besser (so mein Eindruck), wobei ich, wenn ich mir einen kompletten Ring wünschen dürfte, Knabes Ansatz aus Essen in Vollversion, oder auch Barry Kosky's Ring (ich habe nur sein Rheingold in Essen gesehen, seinen ganzen Ring in Hannover kenne ich nicht) den Vorzug vor Dew's Version bekäme, aber eben kombiniert mit der musikalischen Leistung der Sänger und des Orchesters von Darmstadt.

      Egal, wie, es lohnt.

      Matthias

      P.S.: Tipp: Man kann für die Pausen Speis und Trank (nur kalt! Leider! Für warme Sachen muß man sich dann doch anstellen, und selbst abholen) vorbestellen, und muß so dann nicht an den Schlangen anstehen, und bekommt dann alles fertig auf einen Tisch. Kein Mehrpreis! Und es gibt wohl für die 3 Langopern des Rings auch noch einen Extra-Essens-Service an Stehtischen im Garderobenbereich, für 20,- EUR pro Person Speis und Trank für beide Pausen. Mal sehen, ob wir das nächsten Sonntag mal testen werden. Das Rheingold kommt ohne Pause aus!
      "Bei Bachs Musik ist uns zumute, als ob wir dabei wären, wie Gott die Welt schuf." (Friedrich Nietzsche)
      "Heutzutage gilt es schon als Musik, wenn jemand über einem Rhythmus hustet." (Wynton Marsalis)
      "Kennen Sie lustige Musik? Ich nicht." (Franz Schubert)
      "Eine Theateraufführung sollte so intensiv und aufregend sein wie ein Stierkampf." (Calixto Bieito)
    • Siegfried, 20.11.2011

      Heute Abend war Siegfried dran, mit folgender Besetzung:

      Siegfried - Richard Wagner | Zweiter Tag aus dem Bühnenfestspiel Der Ring des Nibelungen
      Musikalische Leitung Constantin Trinks

      Inszenierung John Dew
      Bühne Heinz Balthes
      Kostüme José-Manuel Vázquez

      Christian Voigt (Siegfried)
      Norbert Schmittberg (Mime)
      Ralf Lukas (Der Wanderer)
      Olafur Sigurdarson (Alberich)
      Thomas Mehnert (Fafner)
      Elisabeth Hornung (Erda)
      Katrin Gerstenberger (Brünnhilde)
      Aki Hashimoto | Margaret Rose Koenn (Die Stimme des Waldvogels) (Es sang heute: Margaret Rose Koenn)

      Kurz: Es geht musikalisch sehr sehr gut weiter, leider war Siegfried fehlbesetzt. Christian Voigt mag ein guter lyrischer Tenor sein (klasse, wenn er allein, und mit zurückgenommenem Orchester singen kann), aber, für Wagner reicht sein Stimmvolumen und sein Atem nicht. Es gab für ihn vereinzelte Buhs, leider zu Recht, insbesondere im direkten Vergleich im dritten Aufzug zu Brünnhilde von Katrin Gerstenberger. Sie singt ihn buchstäblich zu Boden, oder an die Wand.

      Doch, gemach:

      Im ersten Aufzug haben wir im Bühnenvordergrund links Esse, Blasebalg und einen metallenen Arbeitstisch, sowie zentral den Ambos, und rechts Küchenutensilien (Kühlschrank, Tisch, Stühle, Herd, alles sehr unordentlich. Im Hintergrund wieder die Baumstelen, die den Wald hervorragend symbolisieren, und dazwischen (also zwischen Wald im Hindergrund und der Schmiede im Vordergrund) haben wir einen etwas verwilderten Gemüsegarten.

      Nach dem Heben des Vorhangs bleibt es im Bühnenvordergrund dunkel, und Mime singt uns sein Leid aus dem Dunkel, während der Gemüsegarten hell erleuchtet ist. Mit Siegfried kommt dann das Licht, und der Bär, der wieder weggeschickt wird, entkleidet sich im Hinergrund seines Bärenfells, und heraus lugt kurz Wotan, bevor auch er sich wieder in den Wald verzieht, um dann später erst zu seiner Diskussionsrunde mit Mime aufzutreten. Mime singt und spielt den verzweifelten Zwerg ganz toll, Bild und Kostüme erinnern an die 68-er, Siegfried mit Gitarre, Wotan spült erstmal einen irdenen Bierkrug, bevor er sich aus einer Bügelflasche Bier einschenkt, und sich an den Küchentisch setzt, während Mime noch am Arbeitstisch arbeitet. Leider wird nicht der Ambos zerhauen, sondern Mime in Toreroart angegriffen... Schade... Der beeindruckenste Teil des ersten Aufzugs ist das "Gespräch" zwischen Wanderer (Wotan) und Mime, sowohl stimmlich als auch darstellerisch.

      Im zweiten Aufzug liegt eine solche "Baum"stele quer, wobei die Rinde nach wie vor senkrecht verläuft (sie ist also nicht nur umgefallen, sondern eigenständiges Element), und wird dann auch mit einer Krafttat von hinten durchbrochen, und der Wurm ist bei seinem ersten kurzen Erwachen nur durch zwei grüne Lichter erkennbar, während der eigentlichen Kampf dann hinter der quer liegenden Stele stattfindet und als Video ein Drache im Bühnenhintergrund projiziert wird. Nach dem Kampf brechen dann Fafner als Riese in seiner Arbeitermontur zusammen mit Siegfried von hinten durch die Stele, und eröffnen so im Nachhinein die Höhle. Funktioniert hervorragend!

      Der dritte Aufzug spielt im ersten Teil in der Wohnung der Götter, wie wir sie schon aus dem Rheingold kennen, nur hier diesmal mit Spinnweben versetzt. Aber Wotan braucht seinen Speer, der dort noch im Glasschrank steht. Erda kommt aus dem Boden halb hochgefahren, und verschwindet dann auch wieder nach unten. Dann zieht sich der rote Vorhang vor, Siegfried folgt dem Vogel, der an einer Angel vor der Sängerin hängt und von ihr auch durch leichte auf und ab Bewegungen animiert wird. Im zweiten Aufzug trat der Vogel einmal im Rang rechts, einmal im Rang links und beim dritten Mal auf der Bühne links vorne auf. Mir sang Margaret Rose Koenn den Vogel etwas zu hektisch.

      Nach dem Aufziehen des roten Vorhangs gab's eine kleine, durch eine technische Panne bedingte Pause (versehentlich, ich vermute, der rote Vorhang klemmte, und zog sich nicht ganz zum hinteren Halbkreis rum), die aber keine 5 Minuten dauerte, und so eben eine unerwartete Panne war (Hauptvorhang schloß sich, und die Panne wurde an- und abgesagt). Nach der Panne befrug dann Wotan Siegfried, und danach öffnete sich der vordere rote Vorhangteil, und wir hatten wieder den roten Vorhanghalbkreis, der das Flammenmeer schon im dritten Aufzug Walküre symbolisiert. Siegfried kam von hinten unter dem Vorhang vor, und Brünnhilde lag, wie wir sie am Ende der Walküre verlassen hatten. Wie schon oben erwähnt, enttäuschte Voigt an den lauteren Stellen, während Katrin Gerstenberger Gänsehaut und Tränen erzeugte.

      Verdienter starker Applaus (in Heftigkeitsreihenfolge) für Trinks, Gerstenberger, Lukas, Schmittberg, und wie gesagt, Buhs (vereinzelt, aber zu Recht, wie ich finde) für Voigt. Elisabeth Hornung als Erda ist etwas blaß, leider.

      Links zum Staatstheater:

      staatstheater-darmstadt.de/spi…/oper-1112/2079-siegfried
      staatstheater-darmstadt.de/pre…8-pressestimmen-siegfried

      Und hier wie immer, noch einige Links zu anderen Kritiken:

      opernnetz.de/seiten/rezensionen/dar_sie_bri_111002.htm
      echo-online.de/freizeit/kunstk…um-Lachen;art1086,2220229
      omm.de/veranstaltungen/musikth…0112012/DA-siegfried.html
      egotrip.de/theater/11/1110_siegfried.html

      Matthias

      P.S.: Die Antipastiteller in den Pausen lohnen nicht wirklich die 20- EUR, machen es aber bequem, weil man sowohl Getränk als auch Brot nach bekommen kann. Leider waren die Pausen heute etwas knapp (also kurz)...
      "Bei Bachs Musik ist uns zumute, als ob wir dabei wären, wie Gott die Welt schuf." (Friedrich Nietzsche)
      "Heutzutage gilt es schon als Musik, wenn jemand über einem Rhythmus hustet." (Wynton Marsalis)
      "Kennen Sie lustige Musik? Ich nicht." (Franz Schubert)
      "Eine Theateraufführung sollte so intensiv und aufregend sein wie ein Stierkampf." (Calixto Bieito)
    • Bevor am Sonntag dann die Götter dämmern, möchte ich hier noch schnell einen Link zu weiteren Beiträgen einfügen, die zu lesen mir viel Spaß gemacht haben. Ich werde dann erst nach der Götterdämmerung meine "über alles" Sichtweise niederzuschreiben versuchen, soviel aber schon vorneweg: Mir gefällt's sehr gut!

      hcesperer.org/article/346/rund…ichtig-geniales-rheingold
      hcesperer.org/article/349/erster-ringtag
      hcesperer.org/article/350/wenn…rhang-wotans-speer-rettet

      Matthias
      "Bei Bachs Musik ist uns zumute, als ob wir dabei wären, wie Gott die Welt schuf." (Friedrich Nietzsche)
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      "Kennen Sie lustige Musik? Ich nicht." (Franz Schubert)
      "Eine Theateraufführung sollte so intensiv und aufregend sein wie ein Stierkampf." (Calixto Bieito)
    • Evtl. auch interessant, hier Skandal in Darmstadts Staatstheater mal einen Blick reinzuwerfen...

      Matthias
      "Bei Bachs Musik ist uns zumute, als ob wir dabei wären, wie Gott die Welt schuf." (Friedrich Nietzsche)
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    • Götterdämmerung, 27.11.2011

      Gestern war die Götterdämmerung dran, und damit der Ring dann rund.

      Die Besetzung:

      Götterdämmerung - Richard Wagner | Dritter Tag aus dem Bühnenfestspiel Der Ring des Nibelungen
      Musikalische Leitung Constantin Trinks

      Inszenierung John Dew
      Bühne Heinz Balthes
      Kostüme José-Manuel Vázquez
      Choreinstudierung André Weiss

      Craig Bermingham (Siegfried) (bei uns sang abweichend: Jürgen Müller)
      Katrin Gerstenberger (Brünnhilde)
      Anja Jung (Waltraute)
      Oleksandr Prytolyuk (Gunther)
      Susanne Serfling (Gutrune)
      Olafur Sigurdarson (Alberich)
      Thomas Mehnert (Hagen)
      Elisabeth Hornung (Erste Norn)
      Erica Brookhyser (Zweite Norn)
      Susanne Serfling (Dritte Norn)
      Margaret Rose Koenn (Woglinde)
      Erica Brookhyser (Wellgunde)
      Gae-Hwa Yang (Floßhilde)

      Auch hier wieder erstmal kurz und knapp: Musikalisch weiter wunderbar, diesmal gab's auch an den Sängern nichts auszusetzen. Wenn ich das Preis-Leistungsverhältnis betrachte (um die 100 EUR für die Plätze der teuersten Kategorie für den GANZEN Ring, also knapp 25,- EUR pro Oper, so ist das wirklich unschlagbar!).

      Zum Glück war hier der Siegfried nicht mit Christian Voigt besetzt (und gestern sogar abweichend vom anderen Namen im Programm nochmals anders besetzt), und das war gut so!

      Wie bekannt, wird anfänglich der Weltfaden gesponnen. Das ist hier optisch sehr schön gelöst. Die drei Nornen "hängen" an rot leuchtenden Fäden, die locker von der Decke hängen, und bewegen sich so auf der Bühne, daß sie einen Faden knüpfen. Das Ganze im Dunkeln, und jede Norne wird, wenn sie "dran" ist, beleuchtet. Tolle Wirkung, und optisch z.B. schöner, als das Video von Kosky in Essen. Siegfrieds Abschied von Bünnhiulde dann eine klassische Frühstücksszene, sie toastet und schmiert das Brot, er stürmt dann mit Hut und Schirm zur Arbeit...

      Das Heim der Gibichungen ist dann ein Raum in wohl Frankfurt, im Hintergrund Büro-Hochhäuser blau angeleuchtet. Gunter sitzt am Schreibtisch, Hagen auf der Couch. Der "Vergessenstrank" wird zusätzlich noch mit einer Hypnose durch Hagen verstärkt (er steht hinter Siegfried, und läßt seine Uhr am Band vor Siegfrieds Augen pendeln).

      Die Szene Waltraute / Brünnhilde spielt dann im Wohnzimmer, zwei rote Couchs, mehr nicht, Brünnhilde blättert gelangweilt in einer Hochzeitsillustrierten... Der rote Seidenvorhang geht zu, und flattert wieder wie Feuer, und Siegfried kommt als Gunter. Sie ziehen sich dann hinter den Vorhnag zurück, man sieht als Schattenspiel Siegfried, das Schwert in die Mitte zwischen sich und Brünnhilde haltend, und Brünnhilde. Der große Vorhang fällt.
      Wir alle wissen, daß der erste Aufzug sehr lang ist (auch langatmig wirken kann), die 2:05, die er hier brauchte, fühlten sich etwas länger an...

      Der zweite Aufzug dann wieder im Gibichungenheim, diesmal dunkel, und Hagen sitzt am Schreibtisch und döst. Alberich kommt, und bringt ihm die Speerspitze von Wotans Schwert, die er im Siegfried aufgelesen hatte. Siegfried springt hinter der Couch hervor, und erzählt. Beide gehen nach vorne, um die Ankunft Gunters mit Brünnhilde abzuwarten, ein Vorhang schließt sich, das Heer kommt, und geht dann langsam hinter den Vorhang, dann öffnet sich derselbe wieder, und das Heer steht hinter Straßenabsperrungen, Gunter und Brünnhilde kommen, und die Schwüre werden auf die Spitze von Wotans Speer gemacht.

      Der dritte Aufzug dann auf dunkler großer Bühne, hinten wieder die Baum-Stelen, die auch in den ersten beiden Aufzügen wieder als Begrenzungselemente dienten. Es geht wieder mit den Wellen des Rheins wie im Rheingold los, dann, als die Truppe ihn findet, werden einfach die Tücher quer über die Bühne weggezogen, und die Bühne ist bis auf die begrenzenden Stelen leer. Mord an Siegfried, Siegfried wird weggetragen, der Vorhang fällt, Gutrune von links vor den Vorhang, die Hornfrage stellend, Hagen von rechts kommend, der Vorhang hebt sich, immer noch leere Bühne, nur der Sarg mit Siegfried. Als dann Brünnhilde kommt, kommt auch nochmals Wotan auf die Bühne, und will den Ring vom Finger Siegfrieds reissen, Brünnhilde verhindert das mit der Speerspitze von Wotans Speer, und vertreibt Wotan, sie umarmen sich aber vor dem Abgang Wotans nochmals. Siegfried wird weggetragen, die Bühne ist leer, links vorne neben der Bühne steht noch Hagen, rechts vorne neben der Bühne die drei Rheintöchter, und Brünnhilde singt. Es geht dann kein Flammenmeer um Walhalla auf, sondern zeitgleich passiert Folgendes: Loge kommt nochmals, wischt die Einsteinformel (Relativitätstheorie), die während aller Opern immer rechts vorne an der Bühgne stand, weg, und gleichzeiting explodiert es im Hintergrund. Per Video wandelt sich ganz langsam der Atompilz in die Sterne des Universums. Dieses Ende versöhnt dann mit dem übertriebenen AKW im Rheingold, und die Intensität, mit der Katrin Gerstenberger die Brünnhilde singt, sowie die Intensität der musikalischen Leistung des Orchesters unter Constantin Trinks schaffen es, daß wir keinen Scheiterhaufen, und kein brennnendes Walhall brauchen. Brünnhilde stirbt, die Rheintöchter bekommen ihren Ring zurück.

      Zum Applaus kommt dann sogar das gesamte Orchester auf die Bühne, und bekommt neben Trinks und Gerstenberger den größten Applaus. Ein paar Buhs für Dew.

      Mal sehen, ob ich es schaffe, morgen etwas zur Gesamtkonzeption zu schreiben.

      Links zum Staatstheater:

      staatstheater-darmstadt.de/spi…12/2078-goetterdaemmerung
      staatstheater-darmstadt.de/pre…stimmen-goetterdaemmerung

      Und hier wie immer, noch einige Links zu anderen Kritiken:

      echo-online.de/freizeit/kunstk…alles-gut;art1086,2258571
      omm.de/veranstaltungen/musikth…DA-goetterdaemmerung.html
      opernnetz.de/seiten/rezensionen/dar_goe_bri_111016.htm
      "Bei Bachs Musik ist uns zumute, als ob wir dabei wären, wie Gott die Welt schuf." (Friedrich Nietzsche)
      "Heutzutage gilt es schon als Musik, wenn jemand über einem Rhythmus hustet." (Wynton Marsalis)
      "Kennen Sie lustige Musik? Ich nicht." (Franz Schubert)
      "Eine Theateraufführung sollte so intensiv und aufregend sein wie ein Stierkampf." (Calixto Bieito)
    • So, nun versuche ich mich mal an einer Gesamtbetrachtung...

      Die Inszenierung hat mir in einigen Teilen ganz wundervoll gefallen, und zwar immer dann, wenn Reduktion erfolgte, wie z.B. bei den Rheintöchtern, wo der Rhein durch webende Stoffbahnen symbolisiert wird, oder auf dem Walkürenfelsen, wo das Feuer durch einen wehenden Vorhang ersetzt wird. Hier kommen dann Licht und Vorstellungskraft sehr gut zusammen, und ergänzen die Musik, bzw. werden durch die Musik ergänzt. Gleiches gilt für den dritten Aufzug Götterdämmerung, wo wir eine komplett leere Bühne haben, und dadurch die Unausweichlichkeit des Endes besser miterlebbar wird, als wenn alles im Feuer untergeht oder zusammenbricht. Wenn dann, wie zum Ende der Götterdämmerung auch noch eine funktionierende Videoprojektion (Atompilz wandelt sich in Sterne des Universums) dazu kommt, dann "wirkt" das sogar mehr, als die brachiale Videotechnik einer Fura dels Baus Inszenierung in Valencia.

      Anderes aber, was passiert, bzw. auf die Bühne gebracht wird, eröffnet Fragen, und läßt sie entweder unbeantwortet, oder ist für mich nicht stimmig im Kontext beantwortbar. Z.B.: Warum verwandelt sich Alberich im Rheingold in Autos? Warum ist dann Fafner mal durch Lichter, mal durch eine Drachen-Videoprojektion eingebracht, die zumal gegen Ende eine absichtliche "Verdoppelung" des Bildes hat, und nicht zur Musik paßt? Warum sind einige Walküren Pilotinnen, und andere Fluglotsen auf dem Tower? Warum ist, wenn man den Weltfaden schon früh Erda aus dem Bauchnabel wachsen lies, Erda in der Götterdämmerung nicht mehr zu sehen? Warum wird zwar der Waldvogel an einer Angel sichtbar gemacht, die Raben aber komplett weggelassen (oder sollen das etwa Loge und Wotan sein, die ja am Ende der Götterdämmerung nochmals auf die Bühne kommen)? Warum sehen wir im Rheingold Walhall als ein riesiges AKW, und warum explodiert dann in der Götterdämmerung etwas "Kleines", das sich dann aber in einen die Atmosphäre erreichenden Atompilz verwandelt?

      Was sicherlich klar ist, ist, daß Dew anhand seiner Inszenierung und durch Wagner uns bewußt machen möchte, daß Gier über der Vernunft steht, und daß Technik sich selbst und uns vernichten wird (Murphy's Law: "Alles, was schiefgehen kann, wird schiefgehen"), und daß die, die es wissen könnten (wie hier z.B. Einstein-Loge) und ggfls. auch korrigierend eingreifen könnten, nur kopfschüttelnd daneben stehen können. Das funktioniert. Etwas zu übertrieben sind daher dann die "Demonstranten" im Rheingold, das war nicht nötig, sondern läuft für mich unter "ach, ja, 'ne politische Botschaft muß meine Inszenierung ja auch noch haben..." Genauso unklar, weil nicht zuende ausgeführt, die Geschäftshochhäuser im Hintergrund der Gibichungenwelt. Ja, wir sind im Hier und Jetzt damit angekommen, völlig ungöttlich, das steht dann aber, weil weder übertrieben, noch ausgeführt, etwas im Kontrast zum Riesen-Gemüsegarten Mimes im Siegfried.

      Kurz, und das gilt ja "leider" für viele von John Dews Inszenierungen: Teilweise optisch sehr ansprechend (da, wo reduziert wird), teilweise unausgegoren, aber alles immer noch so, daß es weder verstört, noch neue Erkenntnis bringt. Mit unseren Fachbegriffen könnten wir es "eine modernisierende Staubi-Inszenierung" nennen.

      Der ganz klare Pluspunkt ist die musikalische Seite, und wie schrieb Zwielicht hier an anderer Stelle schon sinngemäß: Wagners Musik ist auch bei einer z.T. langweiligen Inszenierung immer noch einen Besuch wert.

      Matthias
      "Bei Bachs Musik ist uns zumute, als ob wir dabei wären, wie Gott die Welt schuf." (Friedrich Nietzsche)
      "Heutzutage gilt es schon als Musik, wenn jemand über einem Rhythmus hustet." (Wynton Marsalis)
      "Kennen Sie lustige Musik? Ich nicht." (Franz Schubert)
      "Eine Theateraufführung sollte so intensiv und aufregend sein wie ein Stierkampf." (Calixto Bieito)
    • Der Skandal in Darmstadts Staatstheater hat wohl nun zur Folge, daß Constantin Trinks nicht mehr die Aufführungen dirigiert.

      Im Februar stehen

      Gerd Albrecht sowie bei der Götterdämmerung Martin Lukas Meister

      am Pult, und im April steht

      Ralf Weikert

      am Pult.

      Matthias
      "Bei Bachs Musik ist uns zumute, als ob wir dabei wären, wie Gott die Welt schuf." (Friedrich Nietzsche)
      "Heutzutage gilt es schon als Musik, wenn jemand über einem Rhythmus hustet." (Wynton Marsalis)
      "Kennen Sie lustige Musik? Ich nicht." (Franz Schubert)
      "Eine Theateraufführung sollte so intensiv und aufregend sein wie ein Stierkampf." (Calixto Bieito)
    • "Bei Bachs Musik ist uns zumute, als ob wir dabei wären, wie Gott die Welt schuf." (Friedrich Nietzsche)
      "Heutzutage gilt es schon als Musik, wenn jemand über einem Rhythmus hustet." (Wynton Marsalis)
      "Kennen Sie lustige Musik? Ich nicht." (Franz Schubert)
      "Eine Theateraufführung sollte so intensiv und aufregend sein wie ein Stierkampf." (Calixto Bieito)